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Full text of "Die deutsche heldensage"

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DIE 



DEUTSCHE HELDENSAGE 



VON 



WILHELM GRIMM 




ZWEITE VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUSGABE 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG 



kiiiw 



HAHBWITZ USD OOSSMAVM 



1867 



:i-]S-^ t^ 



bö. 



HERRN PROFESSOR 



KARL LACHMANN 



IN BERLIN 



AUS FREUNDSCHAFT 



Vorrede, 



Die schon in dem ersten bände der altdeutschen 
Wälder zusammengestellten Zeugnisse Ober die deutsche 
heldensage neu zu bearbeiten und zu ergänzen, schien 
mir ein nützliches und lohnendes unternehmen; indessen 
überzeugte ich mich, dasz, wenn der gewinn vollständig 
sein sollte, die innern Zeugnisse damit verbunden »wer- 
den müsten. ich verstehe darunter, was die dichtungen 
des fabelkreiszes selbst Ober ihre quelle aussagen, oder 
die erforschung ihres innern Zusammenhangs in dieser 
hinsieht zu schlieszen gestattet; sodann aber, weil sie 
auf eine vorangegangene Umbildung hinweisen, abwei- 
chungen in dingen, die ihrer natur nach unveränderlich 
sein sollten rfnd gleichsam den hintergrund der begeben- 
heiten ausmachen. dahin gehört die genealogie und 
heimat der beiden, und Oberhaupt was an ihre person 
fest geknOpft erscheint: namhafte waffen, rosse, schild- 
zeichen, das alles erforderte neue oder die wiederauf- 
nähme schon früher angestellter Untersuchungen, und 
der hinzugetretene theil der abhandlung überwuchs bald 
den altern. 

Ausgelassen habe ich die Zeugnisse, welche sich 
lediglich auf die nordische gestaltung der sage beziehen 
und' sie meist nur bestätigen, man findet sie in P. E. 
Müllers Sagenbibliothek schon sorgföltig gesammelt. 

In der anordnung sind einige abänderungen ge- 
troffen, ich habe nur drei perioden angenommen 



VI 



und überall die chronologische aufstellung vorgezogen, 
einigemal jedoch, weil es der Untersuchung vortheühaft 
war, bin ich vorsätzlich davon abgewichen, z. b. bei 
nr. 34 und 35; noch öfter war eine genaue angäbe der 
zeit nicht möglich. gedichten, welche in die zweite 
hälfte des dreizehnten und in die erste des vierzehnten 
Jahrhunderts gehören, eine stelle anzuweisen, bin ich 
daher gar nicht ängstlich gewesen; wem aus irgend 
einem gründe daran liegt, ihr unbestimmt gelassenes 
alter auszumitteln , darf nicht viel auf diese stelle hier 
bauen, die vortheile der früheren Ordnung nach dem 
inhalte gewährt das angefügte vollständige register. 

Ich weisz nicht, ob ich mich über die zugegebene 
zweite abhandlung entschuldigen soll; vielleicht wäre es 
besser, betrachtungen dieser art noch zurückzuhalten, 
indessen konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, 
nach dem mühsam zurückgelegten weg einmal umzu- 
blicken, um die weite der gewonnenen aussieht zu mes- 
sen, lob verdient wol, dasz ich mich dort streng an 
die Sache gehalten habe, mithin jeder ungestört die 
grundlage benutzen kann, auf welcher eine geschichte 
des deutschen epos ruhen musz. 

Die mir beitrage geliefert, sei es in ihren Schriften 
oder in privatmittheilungen , habe ich dankbar genannt; 
die meisten der letztern art habe ich von Lachmann 
empfangen. bürgermeister dr. Thomas zu Frankfurt 
ha,t mir die dortigen handschriften auf das freundschaft- 
lichste zukommen lassen. 

Cassel, am 23. Mai 1829. 



TU 



Zur zweiten Auflage. 



Als ich Wilhelm Grimm zum letzten male sah, hatte 
das übel, das in kurzem ihn uns entreiszen sollte, schon 
sich eingestellt. noch schien es unbedeutend. er 
empfieng mich heiter und gesprächig, wie sonst, und da 
bald die rede auf die heldensage kam, scherzte er Ober 
unsre gegnerschaft und meinte, es werde auch bei einer 
zweiten aufläge seines buches dabei bleiben, weil er von 
der ansieht über das Verhältnis des mythus zur geschichte, 
die ihn von Lachmann, trenne, nun einmal nicht abgehen 
könne, als ich mich darauf erbot, zum zeichen guter 
freundschaft, ihm das was ich mir nach und nach zur 
heldensage angemerkt zu beliebigem gebrauch zusammen- 
zustellen, — es könnte doch die eine oder die andre 
notiz darunter vielleicht ihm entgangen und von werthe 
sein, — nahm er mein anerbieten nicht nur freundlich 
an, sondern ermunterte mich^auch mit der ausfOhrung 
nicht zu säumen, mit seinem tode schien mir mein ver- 
sprechen und sein auftrag nicht erloschen, nur glaubte 
ich es jetzt bei einer bloszen Zusammenstellung des nach 
gesammelten materials nicht bewenden lassen zu dürfen, 
sondern dies, soweit es sich thun liesz, für die geschichte 
der sage und dichtung verwerthen zu müssen, die Zeug- 
nisse und excurse zur deutschen heldensage wurden für 
Haupts Zeitschrift 12, 253 — 386 ausgearbeitet, und am 
ersten Jahrestage von Wilhelm Grimms tode überbrachte 
ich einen abdruck davon seinem bruder *zum gedächtnis 
des 16. Decembers 1859'. 

Jetzt ward mir der auftrag die neue ausgäbe seiner 
'deutschen heldensage' selbst zu besorgen, sein band- 



Ulf 

exen^plar, sowie die Jacob Grimms und Lachmanns lie- 
gen vor mir. ich konnte schon in der nachlese zu den 
Zeugnissen und excursen in Haupts Zeitschrift 12, 413 — 
436 einiges daraus mittheilen, und was sich mehr darin 
gefunden hat, soll jetzt nicht vorenthalten bleiben, aber 
sollte ich überhaupt die erst vor kurzem beigebrachten 
belege hier noch einmal wiederholen? meine Unter- 
suchungen aus einander zu nehmen und bei seite zu 
lassen würde mich nicht verdrossen haben, wenn ich nur 
von der einreihung der nackten Zeugnisse einen vor- 
theil und nicht vielmehr voraus gesehen hätte, dasz sie 
zu änderungen nöthigen würde, zu denen allein der Ur- 
heber des buches selbst berechtigt gewesen wäre. 

Daher musten selbst die texte der Zeugnisse, wie 
Wilhelm Grimm sie seiner zeit in den ausgaben vorge- 
funden hatte, unverändert beibehalten werden, die ein- 
führung des textes neuer ausgaben, soweit sie in betracht 
kommen, hätte den Standpunkt des ganzen Werkes ver- 
rückt, die bemerkungen würden bei den aus den latei- 
nischen Chronisten entnommenen stellen nicht immer zu 
der neuen lesart gepasst haben, wie man aus den in 
klammern beigefligten abweichungen der Monumenta 
Germaniae [MG.] ersehen kann, die herstellung des 
neuen textes würde bei den angelsächsischen stücken 
mindestens die berichtigung der Übersetzung, bei den 
mittelhochdeutschen gedichten aber sogar die Umgestal- 
tung und neue anordnung einer ganzen reihe von arti- 
keln und wenigstens theilweise die Umarbeitung der an- 
gehängten abhandlung zur folge gehabt haben, wer aber 
wollte und könnte sich solcher änderungen unterfangen? 

Die arbeit wäre für jetzt nicht einmal zu ende zu 
führen, solange das 'deutsche heldenbuch', dessen bear- 
beitung wir in treuem angedenken an Wilhelm Grimm 
und im hinblick auf seine 'heldensage' begonnen haben, 
noch unvollendet ist; ich habe mich begnügt auf die 
bisher erschienenen beiden ersten bände (Berlin 186G) 



IX 

einige male m% DHB. zu verweifien. wie bisher, so wird 
auch in zukunft jeder von der 'deutBchen heldensage' 
aus die quellen selbst aufsuchen müssen, und da diese, 
so weit sie unsrer alten litteratur angehören, jedem der 
sich überhaupt mit diesen dingen beschäftigt bekannt 
und leicht zugänglich sind, so bedurfte es auch nur bei 
einigen versteckteren stücken des hinweises auf neue 
abdrücke, die erste pflicht des herausgebers der 'deut- 
schen helden&age' war jedesfalls, das werk in der gestalt 
zu erhalten, in der es seit beinahe vierzig jähren die 
stütze und grundlage der forschung gewesen ist und 
auch ferner bleiben wird, so lange es nicht vollständig 
durch ein neues, ähnhches ersetzt werden kann. 

Was ich auszer dem schon angedeuteten glaubte 
thun zu können, besteht in folgendem, kleine versehen, 
so viele von Wilhelm Grimm selbst oder von uns andern 
bemerkt worden sind, wurden stillschweigend berichtigt 
bei versehen, die sich nicht so einfach durch Streichung 
oder vertauschung eines worts beseitigen lieszen, wurde 
eine anmerkung oder Verweisung hinzugefügt, das re- 
gister ist verbessert und vervollständigt, auszerdem aber 
sorge getragen, dasz keine irgend beachtenswerthe be- 
merkung oder notiz, die Wilhelm Grimm in sein exem- 
plar eingetragen, namentlich keines der von ihm oder 
von andern neu aufgefundenen Zeugnisse verloren gehe, 
zum ersatze gleichsam für die in der nachlese bei 
Haupt 12, 413 — 436 vorweggenommenen nummern habe 
ich alle für eine zweite nachlese bestimmten^ von mir 
inzwischen nachgesammelten stücke eingereiht und an 
geeigneten stellen, wie schon Wilhelm Grimm damit in 
seinem exemplar den anfang gemacht hatte, auf die ein- 
schlagenden oder anschlieszenden arbeiten anderer ver- 
wiesen und so zu erreichen gesucht, dasz die Zeugnisse 
und excurse [ZE.] trotz des verschiedenen Standpunkts 
der betrachtung, was sie von anfang an sein sollten, nur 
ein Supplement zur 'deutschen heldensage' bilden. 



Die z^usätze von WUhelm Grimms eigener haiid sind 
mit runden klammern in den text eingefügt, seine an- 
merkungen mit Ziffern versehen. meine einschal- 
tungen in den text oder Zusätze zu den anmerkungen 
haben eckige klammern, meine anmerkungen und die 
Zeugnisse meiner nachlese sind durch Sternchen be- 
zeichnet, den leider nur spärlichen bemerkungen Jacob 
Grimms und Lachmanns ist der name beigesetzt, so 
dasz was eigenthum eines jeden, in jedem falle leicht 
ersichtlich ist. 

Die arbeit hat mehr zeit und mühe gekostet, als 
man ihr vielleicht ansieht, aber täusche ich mich nicht, 
so. ist sie nicht umsonst aufgewendet und, wie mir 
scheint, wird jedermann, der die 'deutsche heldensage' 
gebraucht, hinfort doch wohl thun, sich der zweiten 
vermehrten und verbesserten statt der ersten ausgäbe 
zu bedienen. 

Berlin, den 9. Mai 1867. 

MüUenhoff. 

Nachträgliche bemerkung. 

Den anachronismus , der in der anwendung der antiqua und der 'Grimm- 
gchen Orthographie' liegt, habe ich nicht verschuldet, sondern nach Vollendung 
meiner arbeit allein der wünsch, das werk Wilhelm Grimms äuszerlich ganz so 
wie die 'kleineren Schriften' seines bruders erscheinen zu lassen. 

21. IL M. 



ZEUaNISSE. 



ERSTE ABTHEILUNG. 

YON DEM SECHSTEN BIS INS ZWÖLFTE JAHR- 

HUNDERT. 



1. 

JoRNANDES. Schrieb um das jähr 552 das kleine werk 
de rebus geticis. bei Muratori 1. 

1) Er gedenkt c. 4 des zuges der Gothen bis zum schwar- 
zen meer: quemadmodum in priscis eorum carminUms, pene 
hiatorico ritu, in commune recolitur. 

2) C. 5. Ostrogothae praeclaris Amalis serviebant; ihres 
adels geschieht noch einmal erwähnung c. 59: Amahrum 
nobilitas; Theodorich, der von ihnen abstammte, legte so 
groszen werth darauf, dasz er den Euthanarich aus Spanien 
berief, weil er zu diesem geschlechte gehörte, um ihn mit seiner 
tochter Amalasvintha zu vermählen, und seinen stamm in vollem 
glänze zu erhalten. Jemandes theilt die genealogie der Gothen 
mit c. 14, ut ipsi suis fabulis ferunt, und darin wird genannt: 
Amala, a quo et origo Amalorum decurrit. Cassiodor sagt 
(Var. 11, 1): enituit Amaltis felicitate; die sage mochte also seine 
glückliche herschaft beschreiben, andere stellen über den adel 
der Amaler bei Mascov 2, anm. 87. (eines langobardischen 
Amalongus gedenkt Paul. Diac. 5, 10 und in fuldaischen Urkun- 
den vom jähr 614, 634 kommt der name vor*; vgl. gramm. 2, 
365. 1017). — die Amaler sind bei Jemandes (c. 5) diejenigen: 
ante quos etiam cantu majorum facta modulationibus citharisque 
canebant: Ethespamarae (Eterpamarae cod. Ambros. und cod. 
Paris. 5766, Etherpamarae cod. Paris. 5873, Erpantanae cod. 
Paris. 1890), Hanalae (Hannalae cod. P. 1890), Fridigerni, Vidi- 
culas (Vidicojae c. A. Vuidigoiae c. P. 1890) et aliorum, quorum 
in hac gente magna opinio est, quales vix heroas fuisse miranda 
jactat antiquitas. 

* so alte fuldaische Urkunden gibt es nicht; vgl. ZE. 5, 1. 36 (Haupts zs. 12, 
415), anszerdem ZE. 1 — 3 zu dem obigen. 

WiLH. Grimm, duutsobb UBLDBMSAaB. 1 



1 3) C. 23. Errnanaricus nobilissimus Amdlorum — multas et 
bellicosissimas arctoäs gentes perdomuit suisque parere legibus 
fecit. quem merito nonnulli Aleaandro magnQ comparavere ma- 
jores, c. 24. Ermanaricus, rex Gothorum, licet multarum gen- 
tium extiterit triumphator, Roxolanorum (ßosomonorum A. 

2 Basomonorum P. 1890 Eosomorum P. 5766) aena inßday quae 
tunc inter alias illi famulatum exhibebat, tali eum nanciscitur 
occasione dedpere. dum enim quandam mulierem Sanielh 
(Sonilda A. Suanibüdam P. 1890 Sunihil P. 5873) nomine, ex 
gente memorata, pro mariti fraudulento disceaau, rew furore com- 
motuSy equis ferocibvs iMigatamj tncitatisque cursibtcSy per diveraa 
diveUi praecepisaety f roter ^vs Sarvs et Ammiua germanae ohitwm 
mndicantesy Ermanarid latus ferro petierunt, quo vtdnere saucitiSy 

aegram vitam corporis imbecülitate contraadt Ermanaricus 

tam vulneris dolorem, quam etiam incursiones Hunnorum non 
ferens, grandaevtts et plenus dierum^ centesimo decimo anno vitae 
suae defunctus est. 

Nach der Yilkina saga herscht Ermenrek als mäch- 
tiger kaiser, und hat viele Völker besiegt. sein neffe ist 
Dieterich von Bern, könig von Ondungaland; nach dem ge- 
dieht von der flucht gehört er selbst zum stamme der Arne- 
hinge. Ermenrek entehrt die frau Sifkas, seines rathgebers, 
während dieser abwesend ist. Sif ka erfahrt zwar bei seiner rück- 
kehr die gewaltthat, aber um die räche desto sicherer ausüben 
zu können, verstellt er sich, und führt den kaiser, dessen 
vertrauen er genieszt, durch hinterlistige rathschlage ins ver- 
derben. Ermenrek bringt nach und nach seine söhne ums 
leben, und vertreibt oder tödtet seine nächsten verwandten. 
Sifka heiszt von nun an der treulose y welchen beinamen er 
auch in anderen deutschen gedichten, besonders im Alphart 
führt [ZE. 16]. von Ermenreks tode. nichts näheres; er stirbt 
ruhmlos, und wie es scheint gleichfalls durch Sifkas verrath, 
da dieser die kröne an sich reiszen will. 

Der Ermanarich (Airmanareiks) des Jemandes ist kein 
anderer als dieser Ermenrek, und das treulose geschlecht, das 
in seiner nähe dient und ihn verderben und betriegen will, 
wird durch Sifka vorgestellt. Jemandes quellen sind die 
verlorenen zwölf bücher gothiscl^er geschichte von Cassiodor, 
der wahrscheinlich gothische sagen gesammelt hatte. 

Bei erzählung von Ermenreks ende scheint also in der 
Vilkina saga die Überlieferung schon versiegt; dagegen hat die * 
nordische sage den Zusammenhang erhalten, während die deut- 
schen lieder, deren dasein und Inhalt andere Zeugnisse auszer 
zweifei setzen, gleichfalls verloren sind, die nordische dichtung 
(ich fasse die beiden Edden und die Völsunga saga zusammen, 
8 deren abweichungen unter sich in Müllers sagcDbibliothek 2, 85 
zusammengestellt, hier aber nicht von belang sind) verknüpfl 



Ermanrichs ende mit der sa^e von Sigurd und Gudrun, nach 8 
Atlis Untergang stürzt sich diese ins meer, die wellen aber 
tragen sie wider ihren willen in Jonakurs reich, sie vermählt 
sich mit ihm, und drei söhne, Sorli^ Hamdir und Erp*^ sind 
die firucht dieser ehe ; mit den Stiefbrüdern wird Svanhild, toch- 
ter des Sigurds grosz gezogen, der mächtige gothische könig 
Jörmunrekj schon hochbejahrt, hört von ihrer Schönheit, und 
lässt durch seinen söhn Randver, welchen Bicci begleitet, um 
sie werben, und Gudrun willigt ein. auf dem wege in das 
Gothenreich räth Bicci treulos dem Jüngling, die braut für 
sich zu behalten, und klagt hernach bei dem alten könige beide 
an. Jörmunrek, erzürnt, lässt den Randver an den galgen 
hängen und ist nun kinderlos, denn er hat nur diesen ein- 
zigen söhn, die Svanhüd aber von pf erden zertreten, als 
Gudrun das Schicksal ihrer tochter erfährt, reizt sie ihre drei 
söhne, den mcyrd ihrer Schwester zu rächen, auf dem wege 
dahin tödten Sörli und Hamdir den ['Stiefbruder'] Erp, weil 
sie, seine werte unrecht auslegend, wähnen, er wolle ihnen 
nicht beistehen, sie überfallen den Jörmunrek in der nacht, 
Sörli haut ihm die fösze, Hamdir die bände ab, aber weil Erp 
fehlt, der den köpf abhauen sollte, können sie ihn nicht tödten, 
und werden selbst, da kein eisen sie verletzt, von den leuten 
des königs todt gesteinigt. ^ 

Offenbar redet Jemandes von dieser dichtung, selbst die 
namen sind noch dieselben. Jörmunrek ist die nordische 
form von Ermanarich^ Suanähilt oder Suanhilt (somusz ge- 
lesen werden) durch die verschiedene entstellung deutlich und 
unbezweifelt; Sarins und Ammius entsprechen dem Sörli und 
Sarndir (Haupts zs. 3, 151—158) [12, 305 f. 413]. die nor- 
dische sage stellt nur ^es klarer da, weil sie ausführlicher ist. 
die abkimft der Svanhild von Sigurd freilich fehlt, und es wird 
gesagt, sie stamme von dem geschlechte der treulosen Roso- 
manen, was allerdings eine wesentliche und merkenswerthe ab- 
weichung ist, weil sie den Ermanrich noch auszer Verbindung 
mit Sigurd erblicken lässt. Svanhild erscheint vielmehr als 
gattin des treulosen rathgebers, und der grund ihrer strafe ist 
dunkel ausgedrückt: pro mariti fraudulento discessu, wegen be- 
triegerischer flucht ihres ehemannes; auch deutet nichts darauf, 
dasz Ermanarich selbst ansprüche irgend einer art auf sie ge- 
macht habe, er wird nur verwundet, wie auch nicht in der 
Edda gesagt wird, dasz er gleich an seinen wunden gestorben 
sei, und diese Verwundung erscheint zufallig, während in dem 
gedieht die abwesenheit Erps, den Jemandes gar nicht nennt, 4 
ein vollkommenes gelingen der räche hindert. 

* Mieser ist Jonakrs, aber nibht der Gndnin söhn.' Jac. Grimm. 

1* 



4 8 



2. 

4 Edda SiEMUNDAB. die eddischen unsem fabelkreisz berühren- 

den lieder gehören in der gestalt, in welcher sie vor uns 
liegen, groszentheils dem achten Jahrhundert an. etwas später 
mögen die lieder von Atli, nach einer norwegischen provinz die 
grönländischen genannt, abgefasst sein, und von beiden ist viel- 
leicht die Atlaquida wieder die jüngere; ich trenne sie hier von 
den übrigen ab, um sie nachher besonders zu betrachten, der 
älteste und bei weitem der gröste theil beruft sich aber 
wiederum auf ältere gesänge, und man darf deshalb und aus 
andern gründen mit höchster Wahrscheinlichkeit annehmen, dasz 
jene früheren gesänge bereits im sechsten Jahrhundert vor- 
handen waren. als vorchristliche kündigen sie sich noch in 
jetziger gestalt an. wir verdanken diese resultate den schätz- 
baren und gründlichen Untersuchungen P. E. Müllers in der 
Sagenbibliothek 2, 17. 124. 133. 134. 

Ich gebe diesen eddischen liedern unter den Zeugnissen 
für die einheimische sage einen platz, weil nach meiner Über- 
zeugung ihr grundstoff deutsch ist (vgl. Haupts zs. 1, 2 — 6; 
3, 155. 156). sie sind nämlich durch die hauptpersonen , die 
darin auftreten, und durch die orte, wo sich die begeben- 
heiten zutragen, an Deutschland gebunden. die sage kann, 
wenn sie verpflanzt wird, namen und gegend völlig verändern 
oder vertauschen; erkennt sie aber in der fremde die heimat 
noch an, so liegt darin ein groszer beweis ihrer abkunft. nach 
einer gesuchten und eben deshalb weniger ansprechenden hypo- 
these, die P. E. Müller in dem vorhin * genannten werk aufge- 
stellt hat, soll der könig Atli und der flusz Rhein nicht der 
Etzel und Rhein der deutschen sage sein, sondern unabhängig 
davon auf erinnerungen aus dem asiatischen stammlande der 
Skandinavier sich gründen. indessen scheint es nicht, dasz 
selbst nordische gelehrte diese vermuthung sehr wahrscheinlich 
finden, wenigstens in der vorrede zu der Kopenhagener aus- 
gäbe (p. xxiii) wird auf die möglichkeit eines deutschen 
Ursprungs hingedeutet, und Sk. Theod. Thorlacius hatte schon 
längst (antiquit. boreal. spec. 1, 37) etwas ähnliches geäuszert, 
auch Finn Magnussen ist dieser ansieht zugethan (vgl. dessen 
dänische Übersetzung der älteren Edda 3, 237). 

Ich denke mir dabei keineswegs Übersetzungen in dem 
heutigen sinne; das würde sich leicht widerlegen lassen und 

5 an sich unnatürlich sein, der grundstoff kam aus Deutschland, 
das wort in dem weitesten sinne genommen, herüber, aber 
wahrscheinlich in liedern, die in der darstellungsweise den 
eddischen ähnlich waren, es genügt hier, den beweis blosz 



8 5 

aus den geographischen bestimmungen zu führen, die wir in 5 
der £dda finden. 

Genannt wird darin: 1) Goppiod. Gudrun hat ihre tochter 
Svanhild verheirathet Goppiodar til (Gudr. hv. 15) in das 
Gothenreich an den könig Jörmunrek. dort ä Goppiodo (Gudr. 
hv. 8) kam Hamdir um, als er für die von den pferden der 
Gothen (Gotna hrossom, Gudr. hv. 2. Hamdism. 3) zertretene 
Svanhild räche nahm, die helden lagen in dem blut, das aus 
der brüst der Gothen (or briosti Gotna. Hamdism. 22) geflossen 
war. im Gothenreich (a Goppiodo. Helr. Brynh. 7) bat Brün- 
hild den alten Hialmgunnar besiegt, aber auch Grimild, die 
mutter der Gudrun, wird eine gothische frau genannt (gotnesk 
kona Gudr. q. 2, 16) und Sigurd soll Giukis erbe beherschen 
und zahlreiche Gothen (Gota mengi Bryn. 2, 8). — 2) Ilünaland, 
nach der Völs. saga c. 2. 19, die hier in soweit berücksichti- 
gung verdient, als sie theils verlorene lieder vor sich hatte, 
theils andere recensionen der bekannten, waren Sigurds vor- 
eitern hunische könige, deshalb wird er hier mehrmals der 
hunische genannt (hinn hünski. Sig. q. 4. 8. 18. 61. 62). im 
Süden lag das land, denn er heiszt auch der südliche (hinn 
supraBui. Sig. q. 3, 4). Herborg, eine der frauen, welche kom- 
men, die Gudrun bei Sigurds leiche zu trösten, heiszt königin 
von Hünaland (Gudr. q. 1, 5) und in einem andern lied ist 
Heidrek könig von Hünaland (Oddr. gr. 4), das auch Morna- 
land (Morgenland) genannt wird (Oddr. gr. 1). Gudrun, als 
wittwe in der fremde wohnend, zeichnet in ihre Stickereien 
hunische helden (Gudr. q. 2, 14), und als sie mit ihren brüdern 
sich wegen Sigurds mord versöhnt, werden ihr von der Grimild 
hunische Jungfrauen versprochen (Gudr. q. 2, 26). auch die 
mit vafurlogi umgebene bürg der Brünhild in Hlymdalir bei 
Heimer* wird höll hünskrar piodar genannt (Gudr. q. 1, 24.) — 
3) Rtn (fem.) der flusz. darin prüft, nach einem prosaischen 
Zwischensatz in der Sig. q. 2, der auf str. 14 folgt und das 
alte unverändert erhalten zu haben scheint, Sigurd die gute 
des Schwertes Gram, und südlich am Rhein (sunnan Rinar), 
als er bei den Giukungen war, wird er hernach umgebracht 
(Bryn. q. 2, 11; Gudr. q. 2, 6. 7). — 4) Valland. Vaterland 
der Brünhild, nach einem liede (Helr. Brynh. 2). Sigurds 
Schwert heiszt völsk (Oddr. gr. 16), und das weib, von welchem 6 
Gudrun zu Atli geleitet wird, valnesk (Gudr. q. 2, 36). Vala 
mengi scheint am besten erklärt durch eine menge Walhen, so 
wie valaript durch walhische decken. — 5) Danmörk. dorthin 
zu Hialprek begibt sich Gudrun nach Sigurds mord (Gudr. 2, 
3. 19). dieser selbst wird einmal dänischer held genannt 



)» < 



vielmehr Atlis hof.' Jac. Grimm. 



6 2 

6(vik!ngr Dana. Helr. Brynli. 10), vielleicht weil er (nach der 
Völsunga saga c. 21) bei Hialprek erzogen war. 

Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich aber folgendes : 
1) Goppiod bezeichnet deutlich und bestimmt das gothische 
reich, wenn es heiszt, dasz Svanhild dorthin an Jörmunrek sei 
vermählt worden, denn auch bei Ammian und Jemandes ist 
Ermanarich ein könig der Gothen. merkwürdig scheint die 
Übereinstimmung mit Gutpiuda in dem gothischen calender bei 
Castiglione; das t für p macht freilich einigen anstosz, auf der 
andern seite zweifelt man aber auch nicht mehr, dasz Gotar und 
Gotnar, die ebenfalls in der Edda mit der tenuis geschrieben 
werden, die Gothen bezeichnen, wie es in den beispielen aus 
Hamdism. wirklich Gothen sind, sehr natürlich hat die Edda 
hernach gothisch im allgemeinern sinne genommen; so steht es 
an andern orten, und wird auch Grimild eine gothische f5pau 
genannt, und soll Sigurd über Gothen herschen. — 2) Hünaland 
liegt südlich und heiszt deshalb auch Morgenland; genauere 
angaben enthalten die lieder nicht. (nach Yöls. saga c. 6 
herscht Siggeir in Gothland und zu wasser kommt man c. 8 
dahin aus Hunaland, es scheint in einer tagereise.) es war. erbe 
der Völsungen, und Sigurd wird deshalb vorzugsweise der 
hunische genannt, blosz die neigung in Atli den historischen 
Attila als könig der Hunnen zu sehen, hat den irrthum einge- 
führt, der den Budlungen dort ihren sitz anweist. Atli wird in 
diesen liedern auch nicht ein einzigesmal könig von Hunaland 
genannt, dagegen in einigen der angegebenen fälle wird hunisch 
sichtbar in allgemeinem sinne für deutsch gebraucht. — 3) die 
Giukungen wohnen am Rhein ^ bei ihnen weilt Sigurd und 
nach seinem morde entfernt sich Gudrun von dort. — 4) Valland 
wird deutlich das Vaterland der Brünhild genannt, und scheint 
demnach der Stammsitz der Budlungen gewesen zu sein, es 
ist genau das altdeutsche Walhölant (gramm. 2, 480), das heiszt 
das fremde, ferne; und so wird es auch in den eddischen 
liedern geschildert, um von Dänemark zum Atli zu gelangen, 
braucht Gudrun drei wochen: sieben tage durch kaltes land, 
sieben tage über das wasser und wieder sieben tage durch 
dürres (heiszes?) land (Gudr. q. 2, 36). es musz als küstenland 
gedacht sein, denn Oddrun befindet sich auf einer insel, als sie 
Gumar in dem schlai^enthurm die harfe spielen hört, und nach 

7 AÜis ermordung eilt Grudrun zum Strand, um sich ins meer zu 
stürzen. Walhölant hiesz etwas später Italien, das südliche 
Frankreich, und die eben angeführten bestimmungen gestatten 
wohl zu glauben, dasz die Edda auch Wälschland unter Valland 
verstanden habe, dem wäre nicht entgegen, wenn unter Lang- 
bardr (Gudr. q. 2, 19), wie doch sehr wahrscheinlich ist, Atli 
verstanden wird. Sigurds schwert heiszt ein wälsches, um es 
allgemein als ein kostbares, weit hergekommenes zu bezeichnen, 



« , 7 

und auch in den andern angemerkten stellen hat das wort 7 
wahrscheinlich keine genauere bedeutung. — 5) Dänemark 
scheint Jütland, und um dahin vom Rhein zu gelangen, ist 
Gudrun fiinf tage unterwegs (G. q. 2, 12). die Giukungen 
hätten demnach am Niederrhein ihren sitz gehabt, sichtbar 
wird Dänemark als ein fremdes land betrachtet. 

Zu diesen geographischen bestimmungen, die dem norden 
die sage absprechen, liesze sich anderes ftlgen, was ich hier 
übergehe; die für die Otur zu leistende mordsühne würde als 
ein Hauptmotiv der fabel sehr entscheidend sein, wenn sie im 
deutschen rechte allein vorkäme, aber spuren davon zeigen sich 
auch im nordischen (rechtsalterth. 670). einzelne ausdrücke der 
eddischen lieder mögen deutschen Ursprungs sein und der nor- 
dischen spräche nicht eigen, allein da sie gerade aus diesen ge- 
dichten in die spätere nordische poesie übergiengen und beide 
sprachen in jener zeit noch viel näher sich standen, so ist es 
äuszerst schwierig, mit gewisheit etwas zu bestimmen, und, da 
diese hier allein werth hat, besser mit der grösten vorsieht 
zu verfahren, einiges, namentlich über den hört, wird hernach 
angemerkt werden. 

Angenommen also diese eddischen lieder gewähren ein ab- 
bild der bei uns untergegangenen, so geben sie für unsern 
zweck zu* folgenden bemerkungen anlasz: 

1) Die sage ist einfacher und reiner als im NibelungeUed. 
dies gilt nicht blosz fär die ganze Ökonomie, denn eine all- 
mäUche erweiterung durch aufnähme anderer sagen und aus- 
breitung im einzelnen, so wie eine gewisse Verwirrung ist etwas 
ganz natürliches in dem fortbewegen durch Jahrhunderte, und 
ich berühre dies hier nicht; sondern fär die hauptansicht, die 
sich im deutschen gedieht gar wohl hätte erhalten können, 
die hauptverschiedenheit besteht aber darin, dasz Gudrun nicht 
Sigurd, sondern im gegentheil ihre herbeigelockten und von 
Atli getödteten brüder an diesem und zwar auf das grausamste 
rächt, dies ist der ansieht des alterthums viel angemessener, 
als die darsteUung in der Nibelunge noth, denn Gudrun war 
wegen Sigurds ermordung mit ihren brüdem versöhnt und hatte 
den becher der Vergessenheit getrunken, an räche durfte sie 8 
hier nicht weiter denken, dagegen war sie verpflichtet, diese 
an Atli zu üben, der ihre familie vernichtet hatte, und dieses 
gefühl wird in der Edda so sehr hervorgehoben, dasz sie 
Gunnars tod in der schlangenhöhle den grimmsten schmerz 
nennt, den sie noch empfunden, und davon angetrieben die 
eigenen mit Atli erzeugten kinder nicht verschont, es ist kein 
zweifei, die ansieht der Nibelunge noth, wornach die Schwester, 
obgleich mit den brüdern versöhnt, durch ihr ganzes leben nur 
auf räche für den ermordeten gemahl sinnt, ist später entstan- 



8 — « 

8 den und in so weit widerwärtiger, als diese räche durch keine 
sitte geboten, im gegentheil unrechtlich war. 

Auch scheint es in der Edda noch nicht die lust nach 
Fafiies gold zu sein, welche den Atli zum verrath an den Giu- 
kungen treibt, sondern gleichfalls die pflicht, den tod der 
Schwester Brünhild, den er ihnen zur last legt, zu rächen, ich 
finde wenigstens die goldgier nicht ausgedrückt, dagegen pro- 
phezeit Brünhild vor ihrem tode (Sig. q. 3, 56) Gunnars Schick- 
sal und etwas ähnliches der rabe bei Sigurds leiche (Brynh. 
q. 2, 11). — Fafnes gold wird hier niemals Nibelungehort ge- 
nannt, überhaupt ist der name noch selten; nur einmal (Brynh. 
q. 2, 16) heiszen die Giukungen Niflüngar, und Gudrun gibt 
einmal ihren mit Atli erzeugten kindern, die doch eigentlich zu 
dem geschlecht der Budlungen gehörten, den namen Hniflüngar 
(Gudr. hv. 11); wahrscheinlich steht er hier nur allgemein für 
königssohn, wie in der Helga q. 1, 44. 

2) Die historische anlehnung scheint mir äuszerst unge- 
wis; ich würde sie ganz bestimmt ableugnen, wäre nicht die 
Übereinstimmung der sage von Jörmunrek und Ermanarich vor- 
handen, diesen ganz aus der geschichte zu weisen geht nicht, weil 
der ältere Ammianus Marcell. (31, 3) seiner gedenkt, als eines 
kriegerischen tapfern königs; aber was Jemandes von ihm be-* 
richtet, und den eddischen liedern entspricht, das, glaube ich, 
ist ursprünglich aus gothischen gedichten geschöpft, und ent- 
hält schwerlich geschichtliche Wahrheit, selbst das einzige, was 
Marcellinus von ihm sonst noch anführt, dasz er bei dem ein- 
bruch der Hünen sich selbst den tod gegeben, weicht von Jor- 
nandes sagenmäsziger erzählung ab. dieser weisz noch nichts 
davon, dasz Svanhild eine tochter Sigurds ist; hier sehen wir 
die anknüpfung beider sagen vollbracht, denn an sich ist es 
wahrscheinlich, dasz mit der ermordung Atlis der kreis von 
Sigurd sich schlosz. auch in dem Hyndlalied (str. 22) wird 
Jörmunrek schon als Sigurds verwandter (mägr) angeführt. 

9 Für Atli leugne ich aber die beziehung auf den histo- 
rischen Attila, den könig der Hunnen, hier unbedenklich ab. 
der name, althochdeutsch Azilo, Ezilo, ist freilich derselbe, aber 
sonst stimmt nichts, ja es bleibt noch ungewis, ob wir Hunni 
und Hünar für ein und dasselbe wort zu halten 'haben ; seiner 
ursprünglichen bedeutung nach ist es dunkel (vgl. gr. 2, 462). 
Hünaland bezeichnet in der Edda, wie vorher bemerkt ist, ein 
im Süden von Deutschland gelegenes reich, das dem könig 
Atli gar nicht zugeschrieben wird. — indessen sein tod, kann 
darin nicht eine Übereinstimmung mit der geschichte geftinden 
werden? nach Jemandes (c. 49) wird Attila, der berauscht 
eingeschlafen war, durch einen blutflusz erstickt; das gewährt 
nicht einmal ähnlichkeit. eine andere nachricht hat Marcellinus 
comes, ein Zeitgenosse des Jemandes, in seiner chronik (ed. 



S 9 

Sirmond. p. 32) : noctu mulieria manu cultroque confoditur^ qui- 9 
dam vero sanguinis rejectione necatum perhibent. Agnellus lib. 
pontif. 1, 2 (Muratori Script, rer. Ital. 2) sagt: Attila rex a 
vilissima muliere cultro defosms mortuus est. und das chron. 
Alexandr. p. 28: noctu cum pellice hunnica, quae puella de ejus 
nece suspecta habita, dormiens extinctus est. nun stimmte das 
zwar insoweit überein, als nach der Edda Gudrun den Atli im 
bette ersticht (Sig. q. 3, 57), allein mulier vilissima passt schon 
gar nicht, und der poeta Saxo, der am ende des neunten Jahr- 
hunderts schrieb (Leibnitz Script, rer. brunsvic. 1. 40) [MG. 
SS. 1, 247], gibt genauere umstände an, welche die ähnlichkeit 
noch mehr verwischen. er erzählt nämlich [lib. 3, 31. 33], 
dasz ein mädchen [conjux regina] den von wein und schlaf 
berauschten Attila ermordet habe, setzt aber hinzu: ulta necem 
proprii tamen est hoc crimine patris. das chronicon Quedlinb. 
aus dem elften Jahrhundert (Leibnitz Script, rer. brunsvic. 2, 274) 
[MG. SS. 3, 32], und nach ihm der chronographus Saxo um 
1188 (Leibnitz access. histor. 1, 8^; annal. Magdeburg. MG. 
SS. 16, 127) folgen dieser angäbe abermals mit einer näheren 
bestimmung: Attila, rex Hunnorum ettotius Europae terror, a 
puella, quam patre occiso vi rapuit^ cultello perfossus interiit. 
das sieht nicht aus wie eigenmächtiger zusatz. wenigstens 
scheint mir nicht als könne man auf das übereinstimmende, 
was übrig bleibt, die behauptung gründen, dasz zur zeit der 
abfassung der eddischen lieder unter Atli der geschichtliche 
Hunnenkönig sei verstanden worden. (Haupts zs. 10, 146 ff.) 

3) Auch die form der Eddalieder verdient berücksichtigung, 
denn auf ähnliche weise mochten die deutschen Vorbilder abge- 
fasst sein, kürzere gesänge, die zwar häufig das ganze an- 
deuten und voraussetzen, aber doch nur bei einzelnen, beson- 
ders hervorgehobenen punkten verweilen, sie lassen sich meist lo 
in einer gewissen chronologischen folge zu einem ganzen ord- 
nen, überall ein genauer, höchst angemessener ausdruck, zwar 
ohne die breite und sinnliche ausfohrlichkeit der Nibelunge 
noth, man kann zugeben auch ohne die anmuth derselben, aber 
in jener strengen, groszartigen weise, wo kein wort unbedeu- 
tend, keins überflüszig, keins lockend oder ableitend, aber eben 
deshalb jedes seines eindrucks gewis ist. die manchmal regel- 
mäszig durchgeführte dialogische form scheint dieser poesie 
zuzusagen. 

3. 

AtLAMAL in GR(ENLENZK0. 

1) Dieses gedieht scheint etwas später aufgefasst, weil die dar- 
stellung mehr absieht und kunst durchblicken lässt, und die 
spräche schwieriger und dunkler ist. einige Übertreibungen 



10 8 

IQ widersprechen dem schlichten geist der vorigen lieder, z. b. 
dasz bei Gunnars harfenspiel die balken brechen (str. 62). es 
ist hier mehr zusammengefasst, und keine aushülfe durch einge- 
mischte prosaische erzählung nöthig und gleichwol scheint 
manches ausgefallen, denn es fehlt nicht an Sprüngen und 
lücken in der geschichte. auch tritt hier, wovon in den übrigen 
liedern kein beispiel vorkommt, der dichter mit seiner persön- 
lichkeit in einem pä hygg ek (str. 34) und lok mun ek pess 
segia (str. 35) hervor, man hat die begräbnisart Atlis, der in 
Wachsleinwand eingehüllt in eine Steinkiste soll gelegt werden, 
als spätere christliche sitte betrachten wollen (vgl. Kopenh. ausg. 
s. 484. anm. 281. P. E. Müllers sagenbibl. 2, 127), und dann 
würde die abfassung der Atlamäl in ziemlich späte zeit fallen; 
allein sollte auch dagegen kein einwand zu machen sein, so 
scheint mir doch die grundlage dieses gedichts nicht viel jün- 
ger als bei den übrigen liedern, und die darstellung der sage, 
insofern sie abweicht, verdient volle aufiperksamkeit, um so 
mehr als einige dieser abweichenden züge, deren anfiihrung 
nicht hierher gehört, älter sein könnten. 

2) Das geographische stimmt zwar im ganzen, doch ist es 
mehr verwischt: Goppiod und Valland werden gar nicht mehr 
genannt. Sigurd heiszt der hunische (str. 98), kein wort davon, 
dasz Hünaland Atlis reich sei. er ist vielmehr auch hier durch 
das meer von den Giukungen getrennt, zu diesen machen also 
Atlis boten den weg zur see (str. 3. 4) und umgekehrt auch 
die Giukungen dorthin (str. 29. 35). 

3) Die Giukungen werden jetzt öfter Niflöngar genannt 
11 (str. 44. 49), und Hniflüngr heiszt ein söhn Högnis, dessen die 

vorigen lieder nicht gedenken, überhaupt erscheinen mehrere 
sonst nicht bekannte personen, und Atlis geschlecht ist zahl- 
reicher *. 

4) Atli lädt die Giukungen ein, um den tod der Brünhild, 
den er ihnen zur last legt, zu rächen, er wirft ihnen ihre 
schuld ausdrücklich vor, und sagt, der Schwester tod sei ihm 
das herbste (str. 52). ein verlangen nach Sigurds schätzen ist 
weder dem Atli noch der Gudrun beigelegt, zwar in der Völ- 
sunga saga, die einen auszug aus Atlamäl enthält, geschieht es 
(c. 45 nach str. 39), aber nicht im gedichte selbst, so wie jöne 
auch nur allein bemerkt (c. 42), dasz Atli die boten des 
Schatzes wegen an die Giukungen gesendet habe, eine lücke 

^ Vingi, Atlis böte trägt nur hier diesen namen; in der Atlaqnida heiszt 
er Knefradr. er droht (str. 36) den Ginkungen mit dem galgen. ist die ver- 
mnthung, die Finn Magnussen in der dänischen Übersetzung (4, 167) äuszert, 
richtig, dasz Thiodolf von Hvin deshalb (Yngl. S. c. 26) den galgen Vingis bäum 
nenne» so ist das eddische lied immer älter als das neunte Jahrhundert, in 
welchem der berühmte skalde lebte, [die Strophe gehört dem Eyvindr Skalda* 
spillir, also erst der mitte des zehnten Jahrhunderts an.] 



4 11 

ist im gedieht an diesen stellen nicht, und ich halte jene zu- u 
Sätze ftlr später, jedoch goldgier wird in anderer beziehung 
dem Atli hier zugeschrieben, er habe nämlich die Grimhild der 
schätze wegen ums leben gebracht (str. 53). 

5) Atli wird im schlaf, aber von Gudrun und Hniflüngr 
gemeinschaftlich, getödtet (str. 87). 



4. 

Atlaquida in grcenlenzka. 

1) In hinsieht auf das geographische ist folgendes zu be- 
merken: Hünar werden jetzt häufig und vorzugsweise die unter- 
thanen Atlis genannt (str. 2. 4. 7. 15. 29. 36. 40) und sein land 
Hünmörk; als im Süden liegend wird es fortwährend bezeich- 
net (str. 2. 14). dasz die schildjungfrau Brünhild daher stamme, 
zeigen die Hüna skialdmeyiar (str. 17. 44). jedoch völlig ent- 
schieden ist diese festsetzung noch nicht, auch der Giukungen 
männer heiszen noch einmal Hünar; Gunnar nämlich, als er 
die heimat verlässt, zieht or garpi Hüna (str. 12). in AÜis reich 
liegt Myrkvidr (str. 8. 5. 13), welches eine Übersetzung von 
Schwarzwald sein könnte*, auch Gnitaheipi (str. 5), über deren 
läge die früheren gedichte nichts sagen. Goppiöd kommt nicht 
vor, und nur in allgemeiner bedeutung heiszt Högni Gotna 
piödan (die andern lieder gebrauchen das wort piödan nicht, 12 
sondern immer konüngr). auch Yalland findet sich nicht mehr, ^ 
es müste denn der Kiar, aus dessen halle Högnis seh wert ist* 
(str. 17), jener Kiar sein, der in dem liede von Völund könig 
von Valland heiszt. — die Giukungen, hier erst entschieden 
und fast immer Niflüngar genannt (str. 11. 18. 26. 27), heiszen 
einmal und zum ersten mal Burgunden (str. 19), behalten 
aber ihren alten sitz am Rhein (str. 18. 28). 

2) Sodann, zum erstenmal erseheint der Nibelungehort 
in wörtlicher Übersetzung: hodd Niflünga (str. 27). das wort 
hodd, genau dem deutschen hört entsprechend, kommt in der 
nordischen prosa gar nicht, in der poesie nur noch einmal 
dunkel in Grimnismäl vor (vgl. gloss. edd. 1). gleichfalls zum 
erstenmal wird erzählt, dasz der hört in den Rhein sei ver- 
senkt worden, und dasz nach Högnis tod Gunnar allein noch 
weisz, wo er verborgen liegt (str. 27. 28). 

3) Die frühere Ursache von Atlis einladung, räche filr 
seiner Schwester tod, ist nicht mehr angegeben, vielmehr ver- 
langt er deutlich den schätz und will den Niflungen gestatten, 

» Dietmar von Merseburg (Leibnitz 1, 388 und Wagner) [MG. SS. 3, 807] 
nennt einen zwischen Meissen und Böhmen gelegenen wald Miriquidni. 



12 5 

ifisich durch gold das leben zu erkaufen, wenn es von ihnen 
heiszt, ehe sie von Atlis botschaft etwas wissen (str. 2), sie 
fürchteten seinen zorn, so, glaube ich, wird gemeint, wegen des 
der Gudrun zurückgehaltenen Schatzes. 

4) Gudrun tödtet den Atli im bett und zündet dann das 
ganze haus an (str. 44), so dasz alles umkommt und ver- 
brennt, [über Erpr und Eitill unten s. 140. 347.] 

Diese neuen züge verrathen bekanntschaft mit einer 
weiteren fortbildung der deutschen sage, die unserm Nibelunge- 
lied offenbar näher stand, zuerst also die historische beziehung 
in dem namen Burgunden, die entschiedene benennung Niflün- 
gar und hodd Niflünga, die Versenkung des goldes in den 
Rhein, die Übertragung von Hünaland an Atli, und dessen 
streben nach dem hört, als Ursache seines verraths, endlich der 
allgemeine brand am schlusz: lauter abänderungen , denen wir 
auch in unserer Nibelunge noth bis auf Etzels goldgier be- 
gegnen, welche dagegen in der Vilkina saga als ein grund zur 
einladung der Nibelunge ausdrücklich angegeben wird. 



5. 

Lex Burgündionüm , tit. ni. (Canciani barbarorum leg. 
antiq. 4, 15) [MG. LL. 3, 533]. 
13 Si quos apud regiae memoriae auctores nostros, id est 

Gibicam (al. Gebicam)^ Godomarem, Gislaharium, Gundaharium^ 
patrem quoque nostrum et patruum liberos liberasve fuisse con- 
stiterit, in eadem libertate permaneant. 

Gundebald, söhn des Gundioch, aus dem westgothischen 
geschlecht der Balthen [Haupts zs. 10, 152 f.; Waitz forschungen 
zur deutschen gesch. 1, 8 ff.] zum könige der Burgunden berufen, 
gab im anfang des sechsten Jahrhunderts das burgundische ge- 
setz. er erwähnt seiner Vorgänger im reich, und wir erkennen 
darin die Giukungen der sage. Gibica ist Gibich, der zwar 
nicht in der Nibelunge noth, aber im Walther von Aquit. (Gibico), 
im Biterolf (2620), Rosengarten und hörnen Siegfried vorkommt 
und mit dem Giuki der eddischen lieder übereinstimmt [Haupts 
zs. 1, 572 — 575; 10, 1541. Gtslahari ist Giselher das kind in 
der Nibelunge noth und in der Vilkina saga; die Edda kennt 
ihn nicht, auch nicht Walther und der Rosengarten (p. 247). 
Gundahari ist Günther, nach der dichtung der älteste bru- 
der und eigentliche könig, in der Edda Gunnar. Godomär 
ist in der sage unbekannt, und dessen stelle nimmt Gernot 
ein, der nach der Edda als Guttormr (s. 351) jedoch kein 
rechter bruder Gunnars ist; indessen bleibt der name in der 
alliteration. [Haupts zs. 12, 315.] 



6 18 

Vielleicht haben Godemär, Gislahari und Gundahari, söhne 18 
des Gibica, zusammen regiert, wenn auch nicht mit gleicher 
macht, doch so dasz die beiden erstem dem letztern unterwor- 
fen waren, wie der gesetzgeber Grundebald mit seinen drei 
brOdem herschte, selbst aber bei weitem der mächtigste 
var. sollte aber in dem gesetz eine folge bezeichnet sein, so 
wäre gerade die Ordnung der sage umgekehrt, und Günther 
der jüngste und ein söhn Giselhers gewesen. 

Ich vermuthe, dasz die in der sage vorkommenden namen 
Gibich, Günther und Gernot die ankntipfung an die burgun- 
dischen könige, wo man diese namen beinahe wieder fand, ver- 
anlasst haben, jetzt wurde der geschichtliche Giselher aufge- 
nommen, von. dem die Edda noch nichts weisz, auch nicht 
Walther, Dieterichs flucht, und das lied von Siegfried. 

Burgunden werden die Giukungen genannt: einmal in 
der Atlaquida (str. 19), zweimal in Dieterichs flucht (9091, 
9110), mehrmals im Biterolf (2374. 3081. 4703. 7267. 7743. 
8918. 10037) und in der Klage, durchaus in der ersten hälfte 
der Nibelunge noth, doch in der zweiten dringt wieder der 
ältere name Nibelunge hervor, endlich in der Straszburger und 
Heidelberger handschrift des Rosengarten d (mithin auch im an- 
hang des heldenbuchs) ; nicht aber im Walther von Aquitanien 
und in der Vilkina saga. 



6. 

Beowülf. angelsächsisches gedieht, spätestens aus dem 
achten , vielleicht aus dem siebenten Jahrhundert. Thorkelins 14 
text ist hier nach Grundtvigs anmerkungen zu dessen Über- 
setzung und nach Conybeares mittheilungen aus der hand- 
schrift berichtigt. 

1) S. 36: 

Onsend Higeläce, gif mec hild nime, 
beaduscruda best, paet mine breost werep, 
hrasgla seiest; past is hraedlan laf, 
Welandea geweorc. 

Sende dem Higelak, wenn ich im kämpfe falle, 
der Streitgewänder bestes, das meine brüst bekleidet, 
der rüstungen herlichste; es ist des tapfern nachlasz, 
Wielandes arbeit. 

Die kunstreiche Schmiedearbeit Wielands ist aus den deut- 
schen gedichten, zumeist aus der Vilkina saga bekannt, dasz 
der angelsächsische dichter auf die deutsche, nicht auf die 



14 6 

t 

14 nordische sage sich bezieht, beweist die form des namens 
Weland (althochd. Wialand, der betrieger?, vgl. gramm. 2, 342), 
die in der Edda Völundr lautet. 

2) S. 67. 68 (Uhland in Pfeiffers Germania 2, 344 ff.): 

— — — hwilum cyninges pegn, 

guma gilphlaeden, gidda gemyndig, 

se pe eal fela ealdgesegena 

worn gemunde, word oper fand 

sope gebunden, secg eft ongan 

sip Beowulfes snyttrum styrian 

and on sped wrecan spelgeräde 

wordum wrixlan. wel hwylc gecwaep 

paet he fram Sigemunde secgan hyrde 

ellendaedum uncupes fela, 

Wcehinges gewin wide sipas, 

para pe gumena beam gearwe ne wiston, 

fsehpe and fyreoe; buton Fitela mid hine 

ponne he swulces hwaet secgan wolde 

eam his nefan swa hie ä waeron 

aßt nipa gehwam nydgesteallan. 

haefdon eal fela Eotena cynnes 

sweordum gesasged. Sigemunde gesprong 

aefler deapdaege dorn unlytil, 

sippan wiges heard wyrm acwealde, 

hordes hyrde. he under häme stan 

aspelinges bearn äna genepde 

fraecne daede; ne waes him Fitela mid. 

hwaepre him gesaelde paet paßt swurt purh wöd 

wraetlicne Wyrm, paet hit on wealle aet stöd 

dryhtlic iren; draca morpre swealt, 

15 haefde aglasca eine gegongen, 
paet he beahhordes brücan moste 
selfes dome. saebät gehleod 

baer on bearm scipes beorhte frasetwa, 
Wcehea eafera. wyrm hat gemealt. 
se waes wreccena wide maerost 
ofer werpeode, wigendra hleo. 
ellendaedum he paes aer onpäh. 

— vordem des königs i^ann, 

held ruhmbeladen, der lieder eingedenk, 
er der alter sagen grosze menge 
im gedächtnis bewahrte, auf anderes gerieth 
Wahrheit enthaltend, er hub an 
Beowulfs fahrt mit verstand zu berichten 



6 15 

und mit fleisz zu ordnen die erzählungen, i& 

mit Worten zu wechseln (zierlich zu reden?), etwas sang er 

•was er von Sigemund hatte sagen hören, 

viel unbekanntes von dessen heldenthaten, 

WoMngs kriege in fernen ländern, 

wovon die menschenkinder gar nichts wüsten, 

kämpfe und forchtbare thaten. nur Pitela bei ihm. 

nun er davon erzählen wollte, 

wie oheim und neffe allzeit waren 

bei allen menschen nothgestallen. 

sie hatten viele aus dem Jotengeschlechte 

mit' Schwertern niedergehauen, dem Sigemund entsprang 

nach dem todestag daraus nicht geringer rühm, 

dasz der streitkühne den wurm getödtet hatte, 

den Wächter des horts. unter grauem stein 

wagte der edle allein 

die tapfere that; nicht war Fitela bei ihm. 

doch ihm glückte, dasz das schwert durchbohrte 

den furchtbaren wurm, dasz es in der mauer stand, 

das herliche eisen; drache an der wunde starb. 

der elende war in tod versunken, 

so dasz er (Sigemund) des Schatzes sich bemächtigen konnte 

nach seiner lust. das seebot er belud, 

trug in den schosz des Schiffes die leuchtende zier 

der söhn Walaes; der vnirm heisz zerschmolz. 

er war der recken weit berühmtester 

unter den menschenkindem, der kämpfenden Zuflucht. 

durch tapfere thaten früh er sich das (den rühm) erwarb. 

• 

Sigmund und Sinfiötlis abenteuer werden in der Völsunga 
saga (c. 11 — IfS) erzählt, die eddischen lieder davon sind bis 16 
auf ein paar (c. 13) erhaltene zeUen verloren gegangen, aber 
ohne zweifei vorhanden gewesen. Sigmund zeugt den Sinfiötli 
mit seiner Schwester, ohne sie zu kennen, denn sie hatte eine 
fremde gestalt angenommen, und da er deshalb nicht nur sein 
söhn sondern auch sein schwestersohn ist, so lässt sich der aus- 
druck oheim und neffe in dem angelsächsischen gedieht erklären, 
gemeinschaftlich ziehen sie umher, sind nothgestallen, und eine 
Zeitlang in wölfe verwandelt, begehen sie unthaten, firinwerke, 
vne es hier übereinstimmend mit Helgaq. 1 heiszt. 

Als eine abweichung von der annähme aller sagen fallt 
sogleich auf, dasz in der besiegung des drachen und dem er- 
werbe des horts Sigmund die stelle Siegfrieds vertritt, und 
dieser gar nicht genannt vnrd. falsche aufFassung oder ent- 
stellung des Originals hat nicht stattgefunden, denn es wird aus- 
drücklich gesagt, Sigmund habe diese that allein vollbracht 
und sein gefährte Fitela sei nicht bei ihm gewesen, auch heiszt 



16 S 

16 es von ihm, was sonst von Siegfried gesagt wird, diese that 
habe ihm den grösten rühm gebracht, und er sei unter den 
menschen deshalb der berühmteste held gewesen. 

Insoweit folgt also der dichter des Beowulfs weder der 
deutschen noch der nordischen sage, denn in beiden ist Sieg- 
fried der drachentödter. ich lasse mich auf keine vermuthung 
über den grund dieser abweichung ein, die vorerst noch keinen 
nutzen hat. da Siegfrieds früheres leben in den deutschen 
sagen, die auf uns gekommen sind, nur kurz und dunkel be- 
rührt wird, so fällt es schwer, die deutsche abstammung hier 
darzuthun, obgleich sie die wahrscheinlichste und natürlichste 
ist, weil die Angelsachsen zu dem deutschen stamme gehören, 
indessen lässt sich beweisen, dasz der Angelsachse nicht aus 
den eddischen liedern schöpfte. schon die namen stimmen 
nicht völlig überein. Fitela ist Sinfiötli^ doch ohne zusatz. 
[Haupts zs. 1, 5; ZE. 14; ühland in der German. 2, 345.] in den 
benennungen Waise und Wahing (denn das angelsächsische ae 
entspricht dem deutschen a) zeigt sich nicht blosz eine eigen- 
thümlichkeit, sondern auch eine der nordischen sage fremde 
richtigkeit. dort nämlich heiszt Sigmunds vater Völaung, da 
aber die ableitung -üng, -ing ein verwandtschaftsverhältnis aus- 
drückt, so ist es gewis angemessener, dasz hier Sigmund selbst 
Walsing heiszt und der Stammvater den eigenen namen Waise 
führt, den die nordische sage vergessen hat. die spätem deut- 
schen gedichte kennen noch ein schwert Walsung, Weisung 
(Bit. 561. 636. 356. 3697; Laurin 2272). [s. nr. 115, Haupts 
zs. 1, 3; ZE..10, L] 

In der erzählung selbst von der besiegung des drachen 
und dem erwerb des horts zeigen sich merkenswerthe ab- 

17 weichungen, in der nordischen sage gräbt Sigurd eine grübe 
iuFafnes weg und als die schlänge darüber hin kriecht, stöszt 
er ihr von unten herauf das schwert in das herz, das passt 
nicht zu der erzählung im Beowulf, wornach der held unter 
dem grauen felsen den drachen mit dem herlichen schwert 
durchsticht, dasz es in der felsen wand (on wealle) stecken 
bleibt, dies stimmt eher zu dem deutschen liede, wo Siegfried 
das ungeheuer in einer fefsenhöhle tödtet, und auch in den 
Nibelungen (842, 2) steht: do er den lintdrachen an dem berge 
sluoc. auch dasz der wurm in hitze schmilzt, passt zu dem 
liede von Siegfried, wo dieser im kämpfe viel von dem feuer 
des drachen leidet, gegen welches sich auch die gefangene 
Kriemhild schützen musz. — Aber ein dritter umstand ist wieder 
beiden sagen, der deutsehen und nordischen, fremd : der sieger 
belädt ein schiflp mit dem gewonnenen hört und dem ge- 
tödteten drachen und scheint seine beute fortzufahren. in 
der Edda belädt er ein rosz damit, wie in dem deutschen 
liede, und nur aus der Nibelunge noth liesze sich dafür 



7 17 

anfahren, dasz Siegfried zur see nach den Nibelungen fährt, 17 
wo der hört liegt. 

3) S. 91. 92: 

naßnigne ic under swegle selran hyrde 

hord mapmum (1. mapum) haelepa, sippan Häma aetwaeg 

to herebyrhtan byrig Brosinga mene, 

sigle and sine faßt, searo nipas (1. searo nipe) 

fealh (1. feoh eal) Eormenrtcea, 

Von keinem bessern unter dem himmel ich hörte 
horte der beiden, seit Heima forttrug 
zu der heerglänzenden bürg der Brosinge schätz, 
geschmeid und köstliches gefasz, hinterlistig 
alles gut Ermanrichs. 

Die stelle ist nicht blosz dem wortverstand nach schwierig, 
sondern auch in ihren beziehungen dunkel. Häma (da das 
angelsächsische d dem deutschen ei entspricht) ist um so ge- 
wisser Heime der deutschen sage, als wir ihn auch darin in 
Verbindung mit Ermanrich finden? von dem groszen schätze, 
den er diesem heimlich entwendet, weisz sie nichts, dasz Erman- 
rich aber einen solchen besessen, sagt ein zeugnis bei Saxo 
grammaticus (s. unten nr. 33) und ein anderes im Reinecke 
Fuchs deutlich aus. Brosinga mene entspricht dem eddischen 
men brisinga in Thrymsq. 13, wo es ein schmuck der Freyja 
ist; aber dunkel bleibt, wer die Brosinge sind, wornach der 
hört benannt wird (Simrocks Rheinland s. 52, Wackernagel in 
Haupts zs. 6, 157 f., 9, 554) [ZE. 13; über fealh s. Dietrich 
Blekinger inschrifben s. 10, Grein Sprachschatz 1, 280]. 



7. 

Lied vom Wanderer. angelsächsisch, etwa mit Beowulfis 
gleichzeitig, ein von Conybeare zuerst herausgegebenes, dun- 
keles, aber filr die geographie jener zeit wichtiges gedieht 
[Haupts zs. 11, 275 — 294], welches unter der form eines be- 
richts des durch die ganze bekannte weit umhergezogenen Sän- 
gers zusammenstellt, was man von den ländern, Völkern und 
herschenden stammen damals wissen mochte. 

1) V. 14—17: 

häm gesöhte eastan of Ongle 
Eormanrtces wräpes waerlogan. 

Heimat ich besuchte östlich von England 
Ermanricha des zornigen, treulosen. 

WXLH. GrIHM, DBUT80HB HBLDB1I8A0B. 2 



18 7 

18 2) V. 35—38: 

Atla weold Sunum*^ Eormanrtc Gotum^ 
Becca Baningum, Burgendum Gifica. 

Atla herschte über Hunnen^ Ei^manrich über Gothen^ 
Becca über Baninge, über Burgunden Gifika. 

3) V. 128—132: 

(ic waes) med Burgendum] paer ic beah gepeah, 
me paere G^phere forgeaf, glaedlicne mappum, 
songes to leane. 

ich war bei den Burgunden, wo ich einen armring empfieng; 
dort gab mir Günther das ergötzliche kleinod 
als gesanges lohn. 

4) V. 174. 52: 

and ic waes wip Eormanrtc ealle präge, 
paer me Gotena cyning^ode dohte: 
se me beag forgeaf burgwarena fruma. 

und ich war bei Ermanrich alle zeit, 

wo mir der Gothen könig vortheil brachte: 

er gab mir einen armring, der burgbewohner fürst. 

5) V. 214—228; 

ponan ic ealne geond hwearf aepel Gotena. 
söhte ic ä sipa pa selestan: 
pet waes in weorud (inveorud) Eormanrtces, 
Hepcan sohte ic and Beadecan and Herelingas^ 
Emercan sohte ic and Fridlan and Ea^tgota 

— — — — and Sifecan^ 

19 dannen ich durchzog alles land der Gothen, 
ich suchte immer weit umher die besten: 
das war das gesinde Ermanricha. 

ich suchte Hethka uiid Badeca und die Harlinge^ 
Emerka suchte ich und Fridla und Oatgothen 

— — — — und Sifeka, 

6) V. 246—258: 

— — — Wudgan and Hdman (sohte ic), 
ne waeron paet gesipa pa saemestan; 

* in einem text der Anglo-saxon chronicle, edited b^^ Thorpe (London, 1861) 
1, 18 heiszt es znm jähr 443, das die Römer fyrdedon vid Ätlan Hüna cyninge; 
ein beweis, dasz man den epischen und geschichtlichen Hunenkönig für dieselbe 
person hielt, vgl. ZE. 4, und den ähnlichen fall mit Dietrich 5, 1; 30, l. 



T 19 

peahte ich y (1. ic hi) ä nihst neman sceolde. 19 

ful oft of pam heape hwynende fleag 

giellende gär on grome peode. 

wraeccan pa weoldan (1. weoldon) wundnan golde 

werum and wifum Wudga and Häma. 

— Wittich und Heime (besuchte ich). 

nicht waren es der gesellen geringste; 

dachte, dasz ich sie stets zunächst nennen sollte. 

sehr oft aus dem häufen schreiend flog 

der gellende spiesz ins grimme volk. 

die ausländischen da herschten, die goldbewundenen, 

über männer und weiber, Wittich und Reime. 

In diesen stellen werden lauter aus den sagen bekannte 
namen genannt, und ich zweifle nicht, dasz sie dort ihren 
Ursprung haben; die grosze anzahl, die ich als dunkel und ganz 
unerklärbar habe zurücklassen müszen, gestattet einen schlusz 
auf das untergegangene, wiewohl auch einige aus der geschichte 
mögen eingemischt sein, da def Verfasser alles, was er wüste, 
scheint zusammen getragen zu haben. 

Wenn Gibich und Günther beide als burgundische könige 
erscheinen, so wäre das der lex burgund. gemäsz, doch darf 
man, falls es hier geschichtliche namen sein sollten, nicht mit 
Sicherheit daraus schlieszen, dasz sie zusammen geherscht, da 
das angelsächsische lied alle zeiten untereinander wirft. nur 
bei Ermanrich dringt etwas von dem Inhalt der sage durch, da 
er ein treuloser und zorniger genannt wird, wie sie ihn 
schildert, aus dem groszen Verzeichnis seiner mannen erkennt 
man die macht des königs der Gothen^ wie sie Jemandes be- 
schreibt; ich bemerke auch hier die anomalie in der Schreibart 
Getan Ar Gopan, worüber schon vorhin bei der Edda und Beo- 
wulf die rede war. 

Die Rarlinge heiszen Emerka und Fridla^ das stimmt mit 
der angäbe des chron. Quedlinb. (unten s. 31) und des Biterolf, 
wo nur, wahrscheinlich richtiger, Embrica, Imbrecke (4597. 20 
4767. 5659. 9892) steht, die Vilkina saga hat andere namen: 
AJd und Etgard^ aber FritUa hat sich doch noch insoweit er- 
halten, als ihr pflegevater so heiszt. — Sifeka entspricht dem 
hochdeutschen Sibeche und dem Sifka der Vilkina saga. — 
Wittich und Reime kommen im Alphart, in der Rabenschlacht 
und in anderen gedichten als gesellen vor [ZE. 15. 27, 3]; erst 
stehen sie auf Dieterichs seite, gehen aber zu Ermanrich über, 
die stelle hier spricht zu allgemein, als dasz sich eine nähere 
hinweisung darin entdecken liesze. ausländer konnten beide 
beiden unter den Gothen heiszen, denn nach der Vilkina saga 
stammen sie beide aus dem norden. 



ao — 8 



8. 



20 Angelsächsische Handschrift zu exetbr. nachrichten dar- 
über und auszüge bei Conybeare. auch das lied vom wanderer 
ist daraus genommen. 

1) S. 240: 

WSland him bewurman"^ wraeces cunnade, 
änhydig eorl earfopa dreag. 
haßfde him to gesippe sorge and longap, 
wintercealde wraece, wean oft onfond 
sippan hine Ntphdd on nede legde, 
swoncre seonobende, onsyllan mon. 
pdßs ofer eode, pisses swa maegl 

Beadohüde ne waes hyre bropra deap 
on sefan swa sär swa hyre sylfre ping, 
paet heo gearolioe ongieten haßfde, 
pat heo eacen waes, aefre ne^meahte 
prifte gepencan, hu ymb paet sceolde. 
paes ofer eode, pisses swa maBg! 

Wieland .... Verbannung erfuhr, 
der starkmüthige fürst beschwerde ertrug, 
hatte zum geehrten schmerz und Sehnsucht, 
winterkalte Verbannung, weh oft empfand, 
seit ihn Nidhad in fessel legte, 

mit schwankem sehnenband, den unglücklichen mann, 
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen! 

Badohüd war nicht ihrer brüder tod 

im herzen so schwer, als ihre eigene sache, 

21 da sie völlig erfahren hatte 

dasz sie schwanger war. immer sie nicht konnte 
das ereignis denken, wie es deshalb sollte (gehen?), 
es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen! 

Ganz der sage gemäsz, wie sie das eddische lied darstellt. 
Wieland, von einem fremden könig gefangen gehalten* und an 

' ich verstehe bewurman nicht [*bewurman scheint für be wurmum, be 
wyrmum, apud vermes zu stehen, oder wurma müste ein ort sein, wo Wieland 
gefangen lag.' Jac'. Grimm, so auch Kemble.] 

* eine merkwürdige parallele bietet des Eugippius vita S. Severini cap. 3, b 
(act. sanctor. BoUand. 1, 488). Gisa, die gemahlin des rugischen königs 
Felectheus, eine eifrige Arianerin, bedrückt die römischen provinzialen an der 
Donau und weist Severins fürsprache mit schnöden Worten ab. der heilige be- 
droht sie dafür mit der strafe gottes. velox itaque secuta correptio animum 



S 21 

den fiiszaehnen gelähmt, rächt sich indem er dessen beide si 
söhne tödtet und der tochter gewalt anthut. nur dasz er kälte 
des winters habe dulden müssen, davon ist in der Edda nichts 
gesagt, wenn ein solcher zusatz als etwas eigenthümliches 
gelten kann, dennoch hat der Angelsachse aus der einheimi- 
schen oder der deutschen sage geschöpft, das beweisen die 
namen: nicht Völund heiszt der kunstreiche schmied, sondern 
Weland, und in der Vilkina saga c. 24 wird ausdrücklich der 
nordische name von dem deutschen unterschieden, von welchem 
vorhin schon eine erklärung gegeben ist. Niphäd und Bado- 
hild sind beide richtig gebildete und von den eddischen Nidudur 
und Bödvildr verschiedene namen*. wenigstens in Nip-häd ist 
eine Zusammensetzung (gramm. 2, 497), während -udr blosz eine 
ableitung enthält. hiezu kommt, dasz in demselben gedieht 
andere beziehungen auf unbezweifelt deutsche sagen sich finden, 
welche die Edda nicht kennt, wie die zunächst hier folgende 
stelle zeigt. 

2) S. 241: 

We paet msep bilde monge gefrugnon, 
wurden grundlease Geatea frige, 
pset hi seo sorglufa slsßp ealle binom. 
paBS ofer eode, pisses swa maeg! 

Theodrtc ähte prittig wintra 
Meeringaburg; paet waes monegum cup. 
paes ofer eode, pisses swa maeg! 

We geäscodon Eormanrices 
wylfenne gepoht; ähte wide folc 
Gotena rices. paet waes grim cyning. 
säet secg monig sergum gebunden 
wean on wenan, wigsete geneahhe, 
paet paes cyningrices ofercumen waere. 
paes ofer eode, pisses swa maegl 



prostravit arrogantis. quosdam enim aurifices barbaros pro fabricandis regalibus 
ornamentis claaserat arta custodia, ad hos filius memorati regis admodum par- 
vulus, nomine Fridericus, eadem die quo regina servum dei contempserat, puerili 
motu concitns introivit. tnnc aurifices infantis pectori gladium imposuere dicen- 
tes, qaod si quis ad 608 absque jaramenti praefixo ingredi conaretur, parvalum 
reginm primitus transfigerent et semet ipsos postea trucidarent; quippe cum sibi 
nullam spem vitae promitterent, macerati diutnrnis ergastulis. bis anditis regina 
crudelis et impia, vestibus dolore conscissis talia clamabat 'o serve dei Severine' 
n. 8. w. — et aurifices protinus accipientes sacramentum ac dimittentes infantnlum 
pariter et ipsi dimissi sunt. 

* 'Bödvildr steht ofi^enbar für Böduhildr, denn das v gehört zu Böd'. 
Jac. Grimm. 



22 — 8 — 

31 Dieses Schicksal, manchen kämpf wir vernahmen, 
wurden landesberaubt die freien Geatea^ 
dasz sie die sorge und der schlaf alle wegnahm. 

es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen! 

22 Dieterich besasz dreiszig winter 

Maringaburg; das war vielen kund. 

es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen! 

Wir vernahmen Ermanricha 

wölfischen sinn, er hatte weit verbreitete Völker 

des Gothenreicha. es war ein grimmer könig. 

sasz mancher held von sorgen gebunden 

in Unheils erwartung, dem kampfsitz zunächst, 

dasz (er) des königreichs überwältigt wäre. 

es gieng vorüber, dieses kann auch so vorübergehen! 

Deutliche beziehung auf die aus der Vilkina saga bekannte 
und in einem besondem gedieht behandelte sage von Dieterichs 
flucht aus seinem väterlichen reich, veranlasst durch Erman- 
richs bosheit, der auf des treulosen Sibichs anstiften, gegen 
sich selbst wüthet und sein eigenes geschlecht zu gründe rich- 
tet. Dieterichs und seiner mannen kummer über diese Verban- 
nung wird vielfach auch in andern gedichten ausgedrückt. 
Ermanrichs sinn heiszt hier mit recht ein wölfischer, auch pf. 
Konrad erwähnt (f 186) des verräthers Ganelon wulvine blicke 
(Bit. 3940. Wernh. Maria 3828). Dieterich besasz dreiszig jähre 
die Maringaburg, das heiszt: war so lange im elend, bis er 
wieder in sein reich zurückkehrte; und diese angäbe stimmt 
mit dem Hildebrandslied, wo der alte sagt, er sei sechzig Som- 
mer und winter in der fremde umherzogen (ih wallota sumarö 
enti wintrö sehstic ur lante) ; die Vilkina saga hat 32 jähre 
(c. 369). 

Maringaburg lässt sich so wenig erklären, als nachweisen, 
wer der Geat oder Göz (denn so müste wol der angelsächsische 
name im althochdeutschen lauten) ist, nach welchem Dieterichs 
edle Geates frige genannt werden, ich vermuthe jedoch, es heiszt 
nichts anderes als Gothe und bezeichnet den Stammvater der 
Gothen; und fahre aus der Snorraedda (193. Rask) eine stelle 
an, welche zu dieser erklärung passt: Gotnar eru kalladir af 
heiti konüngs pess, er Goti er nefndr. Jemandes fangt c. 14 
die gothische genealogie an: primus fuit Gapt; und in Alfreds 
geschlechtsregister bei Asser steht ein Geata, quem Geatam 
jamdudum pagani pro deo venerabantur. — von dem könig 
Etzel und dem Hünenland, wohin Dieterich flieht, ist hier 
nichts gesagt, auch nichts von seinem sitze zu Bern. 



23 



9. 

Lied von hildebrand. Casseler handschrift. 22 

Die Vilkina saga erzählt (c. 376) ein besonderes ereignis, 
das sich zutrug , als Dieterich endlich nach langer Verbannung 28 
in sein väterliches reich zurückkehrte. Hildebrand reitet vor- 
aus, in der absieht, seinem söhn Alebrand zu begegnen, den er 
noch nicht gesehen hat, dessen rosz und schildzeichen ihm aber 
genau beschrieben sind, wie sie zusammentrefiPen, beginnen sie 
auch den kämpf. Alebrand verlangt den namen des fremden 
und umgekehrt fordert ihn Hildebrand von seinem söhn; keiner 
erfüllt des andern begehren, ja Alebrand leugnet ein Wölfing 
zu sein, darüber beginnt der kämpf immer wieder aufs hef- 
tigste, Hildebrand behält endlich die oberhand, aber der be- 
siegte mag sich nicht das leben durch neunung des namens 
retten und der alte musz sich endlich durch die frage, ob er 
sein söhn Alebrand sei? selbst zu erkennen geben, fröhlich 
reiten sie darauf nach haus. — denselben gegenständ behandelt 
ein einzelnes Volkslied. Hildebrand zeigt schon beim ausreiten 
grosze lust sich im kämpfe gegen seinen söhn zu versuchen 
und beide reizen sich hernach durch spöttische reden noch 
weiter dazu auf; die fragen nach dem namen fehlen, und Ale- 
brand, als er besiegt ist, nennt sich freiwillig. 

Ist die Vilkina saga nicht schon im dreizehnten, erst im 
vierzehnten Jahrhundert verfasst, so mag das volkalied noch 
immer ein Jahrhundert jünger sein, das alte gedieht von Hilde- 
brand, das in die vorcarolingische periode fällt, ist also durch 
einen Zeitraum von wenigstens 700 jähren davon getrennt, 
gleichwol behandelt es denselben gegenständ. Hildebrand und 
Hadubrand treffen sich und kämpfen mit einander; die besie- 
gung des sohns fehlt, weil das lied nur ein bruchstück ist. 
auch die frage nach geschlecht und namen kommt vor, sonst 
aber ist alles ganz anders ausgeführt, beide zwar bereiten sich 
gleich, wie sie auf einander stoszen, zum streit, aber als Hilde- 
brand zuvor nach dem namen seines gegners fragt und Hadu- 
brand bereitwillig sich und seinen vater nennt, so erkennt 
dieser jetzt erst seinen söhn, und bietet nun alles auf, den 
kämpf abzuwenden, der, wie er sagt, zwischen so nahen ver- 
wandten unstatthaft sei. seinen vater nennt er sich nicht ge- 
radezu, ich glaube aber, diese natürliche erwiederung fehlt blosz, 
weil das gedieht an dieser stelle unvollständig aufgezeichnet ist, 
wofür das gestörte metrum und andere gründe sprechen, auch 
die antwort des sohns setzt eine solche deutliche äuszerung 
voraus, er verschmäht d^e goldnen armnnge, welche Hilde- 
brand zur besänftigung als geschenk darbietet, und nennt ihn 
selbst einen alten betrüger, denn sein vater sei todt. Hilde- 



24 — e — 

• 

28 brand, wie sehr er auch diesen kämpf beklagt, musz sich doch 
24 endlich darauf einlassen, es leidet keinen zweifei, dasz diese 

erzählung an natürlichkeit und innerem Zusammenhang die 

spätem weit übertriflft. 

Das merkwürdige bruchstück enthält zugleich beziehungen 
auf andere theile der groszen sage. 

1) Hadubrand nennt seinen vater und erzählt von ihm: 

forn her ostar gihueit, floh her Otachres nid, 

hina miti Theotrthhe ente sinerö degano filu. 

her furlsBt in lante luttila sitten 

prüt in büre, barn unwahsan, 

arbeolaosa heraet ostar hina det. 

sid Detrthhe darba gistontum 

fater eres mines; dat was so friuntlaos man, 

her was Otachre ummetirri, 

degano dechisto. 

vordem er gen osten zog, er floh Otachers bosbeit, 
von hinnen mit Dieterich und vielen seiner beiden, 
er liesz im lande sitzen eine schöne 
frau im gemach, ein unerwachsenes kind, 



darnach Dieterich verlust erlitt 

meines vaters . . . war so freundeverlassener mann, 

gegen Otacher höchst erbittert, 

der weitbekannteste held. 

Diese stelle bezieht sich, gleich der vorhin besprochenen 
angelsächsischen, auf die flucht Dieterichs vor Ermanrich. 
nach dem hochdeutschen gedieht, das ausführlich davon handelt 
und etwa im vierzehnten Jahrhundert mag abgefasst sein, führt 
Hildebrand seine frau Ute, die hier nicht genannt ist, zwar an 
der band mit sich aus Bern fort, übergibt sie aber bald nach- 
her dem Amelolt, damit er sie nach Garte bringe (2397. 4471. 
4515); von einem zurückgelassenen söhne ist keine rede, in 
der Vilkina saga, wo des abschiedes von der frau (c. 264) gar 
nicht gedacht wird, äuszert Hildebrand bei einer andern ver- 
anlassung (c. 368), Oda sei damals wohl schwanger gewesen 
und habe den Alebrand nachher geboren, das weicht ab, oder 
es müste sich erweisen lassen, dasz unwahsan barn auch durch 
ungebornes kind dürfte erklärt werden, schwierig ist die fol- 
gende zeile: arbeolaosa heraet ostar hina det. arbeolaosa for- 
dert einen acc. sing. fem. und heraet scheint das dazu gehörige 
subst. zu sein, aber das wort bleibt bis jetzt noch unverständ- 
lich, wenigstens scheinen mir alle bisherigen Vermutungen un- 
25 zulässig; vielleicht steckt auch ein fehler darin, ich glaube der 



9 — 25 

inhalt der zeile ist dieser: Hildebrand leitete ostwärts die ihres 36 
erbes beraubten beiden, and sie scheint mir zum theil jener 
angelsächsischen: wurden grundlease Geates frige zu ent- . 
sprechen; vielleicht haben sich auch die werte, welche jenes 
gedieht ven Dieterichs flucht bei dieser gelegenheit gebraucht: 
irs geltes und irs guotes des wart in nie niht mere (4390) aus 
der alten grundlage erhalten, dasz Hildebrand ftlhrer der flüch- 
tigen gewesen, lässt sich sehen veraussetzen, denn das war sein 
amt, aber die Vilkina saga (c. 264) bemerkt hier ausdrücklich, 
Hildebrand habe das banner Dieterichs ergriffen. 

Ich berühre jetzt erst eine segleich auffallende ab weichung 
des alten liedes: der verhaszte niding, vor dem Dieterich und 
Hildebrand fliehen, heiszt Otacher und nicht Silnch^ wie in 
andern gedichten. wahrscheinlich ein weiterer versuch das ge- 
dieht mehr mit der geschichte in einklang zu bringen, der 
schon die feste beziehung Dieterichs auf den estgothischen 
Theoderich veraussetzt, welchen wir demnach hier bereits als 
Dieterich ven Bern betrachten dürfen, obgleich dieser zusatz 
selbst nicht vorkommt, auch der Wendelsee (das mitländische 
meer) beweist, dasz das nördliche Italien, wie in der Vilkina 
saga, als hauptplatz der begebenheit schon gedacht ist. diese 
Übertragung auf Odacher ist nicht Vermutung eines einzelnen 
gewesen, sondern bereits in die sage übergegangene Verschie- 
denheit, welche auch an andern orten wieder erscheint, die 
Vilkina saga hat jedoch den altern und richtigem namen be- 
wahrt. 

2) Hildebrand streift armringe ab, um den Hadubrand 
mit einem geschenk zu begütigen: 

— so ime se der chuning gap 
Hünee truhtin 

die ihm der könig gab, der Hünenfürst, ohne zweifei ist der 
Hunnenkönig Attila gemeint, obgleich sein name nicht vor- 
kommt, also der Azilo der sage schon mit jener historischen 
gestalt auf ungelehrte, aber für die poesic nicht unnatürliche 
weise verknüpft. Jemandes, der ein Jahrhundert später lebte, 
sagt von ihm (c. 54): famosa inter omnes gentes claritate mira- 
bilis; kein wunder, dasz die dichtung ihn auftiahm. auch die 
armringe dürfen für ein hunnisches geschenk gelten, das be- 
weisen die aus Attilas schätz genommenen armUlae pannonicae 
im Waltharius (263. 611). das lied lässt demnach, wie die 
spätere sage, den Dieterich auf dem weg zu Attila ostwärts 
wandern. darum ruft auch Hadubrand seinem von dort 
heimkehrenden vater 'alter Hün!' zu (Hun, rex Hunorum bei 
Saxe 5). 

3) Nach dem angelsächsischen zeugnis blieb Dieterich 26 
dreiszig jähre auszer seinem reich, die Vükina saga sagt das- 



26 10. 11 

36 selbe mit einer unbedeutenden abweichung. ich bin (gegen 
P. E. Müller in der sagenbibl. 2, 272) der meinung, dasz die 
Worte: ih wallöta sumarö enti wintrö sehstic ur Tante sohon 
der Übereinstimmung wegen am natürlichsten durch dreiszig 
Sommer und dreiszig winter erklärt werden, sonst auch, wenn 
man sechzig jähre verstände, müste ja Hadubrand dem greisen- 
alter nah gewesen sein, als er mit seinem vater kämpfte, wäh- 
rend er als vollkräfliger, ungestümer held in allen darstellungen 
erscheint, in jedem falle erkennt das alte gedieht Dieterichs 
langen aufenthalt bei Etzel an, und man darf schlieszen, auch 
die abenteuer, die sich in diesem Zeitraum zutrugen, nament- 
lich die Rabenschlacht; dasz die furchtbare entwickelung der 
Nibelung^e noth schon jetzt mit Dieterichs Schicksal in verbin- 
düng steod, würde eine kühnere behauptung sein. 



10. 

BuRKAMAL. nach P. E. Müller (sagenbibl. 2, 124) aus dem 
anfang des neunten Jahrhunderts, die Snorraedda enthält (s. 154. 
155) stellen aus diesem alten lied und darin wird das gold ge- 
nannt: Rinar raupmälmr des Rheines glanzerz, und rögr 
Niflünga, misgunst der Nibelunge. 

Beide ausdrücke setzen die in der Atlaquida gefundene, 
nach meiner meinung den altern Eddaliedern ^och unbekannte 
ansieht voraus, wonach der hört als die Ursache des Verder- 
bens der Nibelunge galt, weil Atli ihnen den besitz desselben 
misgönnte, und wornach er in den Rhein versenkt wurde, ja 
ich glaube, sie sind aus Atlaquida 28 entlehnt, wo steht: Rin 
skal räpa rogmdlmi skatna. 

Ich merke hier gleich an, dasz Einar Skaleglam aus dem 
ende des zehnten Jahrhunderts das gold stein des RheinS', 
und Harek, Zeitgenosse Oluf des heiligen, flamme des Rheins 
(sagenbibl. 2, 376) nennt, beide ausdrücke setzen gleichfalls die 
Versenkung des horts voraus, welche dann noch später die 
Snorraedda (s. 141) deutlich erzählt, mit der bemerkung, das 
gold sei hernach nicht wieder gefunden worden. 



11. 

Eginhart, viTA CAROLi MAGNi. aus dem anfang des neunten 
Jahrhunderts. von dem kaiser wird erzählt (c. 29 p. 107 ed. 
Bredow) [MG. SS. 2, 443]. 
27 Item barhara et antiquissima carmina^ quibus veterum [vete- 

rum regum] actus et bella canebantur, scripsit memoriaeque 
mandavit. 



12 27 

Er liesz die uraiten, deutschen gedickte von den thatensr 
und kriegen der vorfahren aufschreiben und fbr die nach- 
weit bewahren. dasz barbara carmina deutsche sind, leidet 
keinen zweifei und ist in der note p. 179 bei Bredow be- 
wiesen; scripsit kann nicht heiszen, er habe sie selbst ge- 
schrieben, denn c. 25 wird ausdrücklich gesagt: temptabat et 
scribere — sed parum successit labor praeposterus. ich wäre 
geneigt, memoriae mandavit in beziehung auf die stelle des 
Thegan zu übersetzen: behielt im gedächtnis, wenn mich Lach- 
mann nicht erinnerte, dasz Eginhart über die gesetzsammlung 
unmittelbar vorher sich ebenso ausdrücke: jura describere ac 
litteris mandari fecit. 

Jene stelle auf die lieder des deutschen fabelkreises zu 
beziehen, ist an sich ein höchst natürlicher gedanke, und ebenso 
wahrscheinlich die Vermutung, dasz in dem Hildebrandslied 
noch ein bruchstück von der darstellungsweise jener zeit sich 
erhalten habe. Eginhart durfte sie schon zu seiner zeit fiig- 
lich antiquissima carmina heiszen, da selbst nach den histori- 
schen beziehungen auf den Attila und den ostgothischen Theo- 
dorich Jahrhunderte verflossen waren. 

2) Als gegensatz bestärkt eine andere stelle jene erklärung; 
es heiszt c. 24 p. 94: legebantur ei histoHae et antiquorum res 
gestae^ es wurden ihm, während er speiste, bücher vorgelesen, 
ohne zweifei lateinische, darunter auch libri S. Augustini, die 
ausdrücklich genannt sind. 

3) Der poeta Saxo aus dem ende des 9. Jahrhunderts (an- 
nales Caroli M., bei Leibnitz Script, rer. brunsv. 1, 168, MG. 
SS. 1, 276 f.) hat aus dem Eginhart entlehnt (lib. 5, 545 f.): 

Nee non quae veterum depromunt praelia regum 
barbara mandavit carmina litterulis. 

Er kennt auch lieder von fränkischen Theodorichen 5, 117 
[MG. 1, 268 f.]: 

est quoque jam notum, vulgaria carmina magnis 
laudibus ejus avos et proavos celebrant: 

Pippinos, Caroles, Hludowicos et Theodricos 
et Carlomannos Hlothariosque canunt. 



12. 

Thegan de gestis lüdovici pii. aus der ersten hälfte des 
neunten Jahrhunderts. er erzählt (c. 19 p. 74 bei Schilter 28 
Script, rer. germ., MG. SS. 2, 594), Ludwig sei mit der 
griechischen und lateinischen spräche wohl bekannt gewesen und 



28 13- 14 

%habe die letztere wie seine muttersprache geredet; dann fahrt 
er fort: poetica carmina gentiUa^ quae in juventute didicerat, 
respuit, nee legere nee audire nee docere voluit. 

Carmina gentilia sind volksgesänge ; Mieh. Bitius de rebus 
Ungar. 1, 383 (bei Sambuc.) sagt ebenso: Attila, quem Hunni 
— gentiliter Ethele vocant; der poeta Saxo (p. 161) Carmen 
vulgare, wie das chron. ursperg. Ludwig hatte sie in der 
Jugend gehört und im gedächtnis behalten, aber er achtete sie 
hernach nicht und wollte sie nicht mehr lesen (nachdem sie 
durch Karl waren aufgeschrieben worden), den Vortrag der- 
selben nicht mehr anhörten und selbst sie nicht hersagen, 
die gewöhnliche geringschätzung, welche erworbene fremdartige 
bildung an dem einheimischen ausübt. 



13. 

Asser. starb im jähr 909. 

1) Er erzählt aus der Jugendzeit des königs Alfred, dessen 
Zeitgenosse er war (p. 5 bei Cambden): — sed proh dolor in- 
digna suorum parentum et nutritorum incuria usque ad duode- 
cimum aetatis annum aut eo amplius iUiteratus permansit. sed 
saxonica poemata die noctuque solers auditor relatu aliorura 
saepissime audtens^ docibilis memoriter retinebaU — cum ergo 
quodam die mater sua sibi et fratribus suis quendam saxonicum 
poematicae artis librum, quem in manu habebat, ostenderet, ait: 
quisquis vestrum discere citius istum codicem possit, dabo illi 
illum. qua voce immo divina inspiratione instinctus, et pulchri- 
tudine principalis litterae illius libri illectus, ita matri respon- 
dens et fratres suos aetate, quamvis non gratia, seniores anti- 
cipians inquit: verene dabis istum librum uni ex nobis, scilicet 
illi qui citissime intelligere et redtare eum ante te possit? ad 
haec illa arridens et gaudens atque affirmans dabo, infit, iUi. 
tunc ille statim toUens librum de manu sua magistrum adiit et 
legit. quo lecto matri retulit et recitavit. 

2) p. 13. Alfred' der könig, bei allen geschäften: et saxo- 
nicos libros recitare et maxime carinina saxonica memonter 
discere — non desinebat. 

Diese stellen erläutern sehr wohl jene bei Eginhart und 
Thegan. 



14. 

29 König alfred. ende des neunten Jahrhunderts. angel- 
sächsische Übersetzung von Boethius de consolatione philo- 



15 29 

sophiae, herausgegeben von Rawlinson s. 162. die worte des 29 
Originals: 

ubi nunc fidelis ossa Fabricii jacent? 

lauten: 

hwaer sint nu paes wisan Welandea bän, 
paßs goldsmipes, pe woea geo mceroatf 

wo sind nun des weisen Wielandea gebeine, 

des goldschmiedes, der vordem der berühmteste war? 

Alfred sah darin schon eine alte sage. [4n Fabricius lag 
ihm faber.' Jac. Grimm.] 



15. 

Waltharius manu fortis. von Eckehard I. zu St. Gallen 
(starb 973) in der ersten hälfte des zehnten Jahrhunderts ge- 
dichtet. 

1) Er gedenkt der Verschiedenheit der sage, indem er von 
Kimo (Haupts zs. 9, 161) sagt: 

685. quem referunt quidam Scaramundum nomine dictum. 

2) Was die historische beziehung betriflft, so ist unter dem 
in Pannonien herschenden mächtigen Attila^ der über die Donau 
heranzieht, Franken, Burgund und Aquitanien sich unterwirft, 
ohne zweifei der historische Hunnenkönig gemeint, aber den 
burgundischen GiMcho finden wir hier als könig von Franken^ 
der zu Worm^a seinen sitz hat. auch Grunthari tritt auf, doch 
weiter kein söhn; Hagano^ der es in der nordischen sage ist, 
stammt aus trojanischem geschlecht, lebt zwar an Gibichs 
hofe, doch seine Verwandtschaft mit dem königlichen hause, die 
in der Nibelunge noth noch von bedeutendem einflusse sich 
zeigt, ist hier erloschen, dasz nur die beiden, Gunthari und 
Hagano, verkommen, ist sonst eine eigenthümlichkeit, die dieses 
gedieht mit Atlamäl gemein hat. (also schon eine änderung 

. der sage. die flucht ist echt, aber nicht der kämpf mit 
Günther und Hagano. es kommt im kämpf kein held um, der 
später noch auftritt, wie dies im Biterolf auch der fall ist. 
Patavrid ist ein söhn von Haganos Schwester (846), sonst aber 
nirgends genannt.) 

3) Walther wird angefallen: 

961. et nisi duratis Vuelandia fabrica giris 
obstaret, spisso penetraverit ilia ligno. 



30 -15»». 16 

i9 Welandia (cod. paris. Wielandia) fabrica [ags. Vfilandes 

geveorc s. 14, Haupts Zeitschrift 12, 278] ist der von Wie- 
land geschmiedete panzer. die Vilkina saga erzählt (c. 25), 
dasz er in seiner jugend erst von dem schmiede Alime, dann 
von zwei zwergen in die lehre genommen, der kunstreichste 
Schmied geworden sei. 



*15b. 

Ebersberger CHRONIK in MG. 20, 10: sicut deus unum 
flagelli nervum Ermanrici Egidiique patricii regno, videlicet 
Attilam regem Hunorum, induxit, ita praesenti generationi de- 
lictis exigentibus secundum flagelli nervum incutiet. 

Scherer (leben Willirams s. 208 — 216) setzt die fundationsge- 
schichte des klosters noch ins zehnte Jahrhundert, gilt dies auch 
für den ausgehobenen satz, so liegt hier eine ähAliche combina- 
tion der sage und schriftlicher historischer Überlieferung, der der 
patricius Egidius d. i. Aetius angehört, vor wie in der Qued- 
linburger Chronik nr. 18; denn nur die sage machte Ermanrich 
und Attila zu Zeitgenossen. zwei andere Zeugnisse für die 
Ermanrichssage aus dem zehnten Jahrhundert s. ZE. 34, 1. 2. 



16. 

30 NoTKER. ende des zehnten und anfang des eilften Jahr- 

hunderts, ps. 79, 14 sind die worte singularis ferus depastus 
est eam übersetzt: der einluzzo uuildeber*, der mit demo suane- 
ringe ne gät, habet in sus frezzen^. Notker will den wilden 
eber (ferum singularem, sanglier), den in der wildnis einsam 
streifenden, gefräszigen, von dem unterscheiden, der den schwan- 
ring trägt; das musz also einer sein, der gezähmt ist und seine 
natur geändert hat. was heiszt aber suanerinc? [Schmeller baier. 
wb. 3, 259; Mpnes heldens. s. 77.] thut er dem thiere zwang 
an und zähmt es dadurch, oder wirkt er durch Zauberkräfte, 
die in ihm verschlossen sind? man kann nicht umhin zu 
glauben, Notker spiele hier auf einen beiden Dieterichs von 
Bern an, von welchem die Vilkina saga berichtet, er heiszt 
Wildeber und trägt einen goldring um den arm (c. 109), ohne 

* ' 80 Steht in der handschrift/ Lachmann. [nach GraiF sprachsch. 3, 202 
und Hattemer 2, 288» vielmehr auilde b§r, vgl. MSF. 8, 15 und anmerknng. — 
Lachmann hatte sich angemerkt: gl. Keron. 99 capra agrestis, keiz einluzziu; 
Jac. Grimm: Härtung Willeber, Urkunde von 1379 in der Zeitschrift fär 
thüringische geschichte 4, 265.] 

' mitgetheilt von Jac. Grimm. 



• 17. 18 31 

dasz man jedoch weisz, zu welchem zweck und woher er ihn so 
hat. aber nichts ist ansprechender, als die Vermutung, dasz 
dies Notkers schwanring sei und die kraft in sich trage, den 
menschen zu verwandeln (unten s. 387. 388); denn Wildeber 
nimmt hernach die gestalt eines baren an (c. 117; unten s. 340). 
frühere lieder hätten dann aller Wahrscheinlichkeit nach erörtert, 
wie der held zu diesem ring gekommen sei, der vielleicht ge- 
schenk einer elfischen schwanenjungfrau war, und auf welche 
weise er übernatürlich wirkte, sie hätten auch wohl erzählt, 
dasz er nicht als bar, sondern als gezähmter eher umherge- 
zogen sei und seine künste gemacht habe. 



17. 

Flodoardi HiSTORiA ECGLESi^ REMENSIS. eine chronik, die 
bis zu dem jähr 996 geht und um diese zeit abgefasst ist. 
darin wird erzählt (4, 5) [MG. SS. 3, 365 in der note], dasz 
Fulko, erzbischof von ßheims, den könig Arnulf in einem 
schreiben ermahnt habe, redlich gegen Karl den einfältigen, 
den letzten aus dem königlichen stamme, zu verfahren: sub- 
jicit etiam ex libris teutonicis de rege quodam Hermenrico nomine^ 
qui omneni progeniem suam morti destdnavent impüs consilüs 
cujuaquam consÜiarii suiy supplicatque ne sceleratis hie rex ad- 31 
quiescat consiliis, sed misereatur gentis hujus et regio generi 
subveniat decidenti. 

Die beziehung auf die schon oben beim Jemandes ausge- 
führte sage von dem könige Ermanrich und seinem treulosen 
raihe Sibich, von dessen anschlagen verleitet er sein eigenes 
geschlecht zu gründe richtet, ist hier klar. — die libri teutonici 
beweisen die aufzeichnung der gedichte und bestätigen die an- 
gäbe Eginharts. merkwürdig ist auch ein solcher von der sage 
gemachter gebrauch, und das vertrauen auf die lebendige ein- 
wirkung einer erinnerung daran. 



18. ^ 

Chronicon QüEDLiNBüRGENSE. aus dem ende des zehnten und 
aufang des elften Jahrhunderts; es schlieszt mit 1025. gedruckt 
bei Leibnitz Script, rer. brunsv. 2, 237 und Menken Script, rer. 
ger. 3, 170 [MG. SS. 3, 31; vgl. Eckehard chronic. Wirciburg. 
MG. SS. 6, 23]. 

1) Mortuo Bletla [Bleda], Attila ejus frater omnem pene 
Galliam devastavit, quo usque deo annuente per Aegidium 
[Egidium] (Aetium) patritium et Thurismodum Remensis civi- 



32 18 

31 tatis principem Gothicum fiigatus est. eo tempore Ermana" 
riou8 \Ermanricu8, Ermenrictis] super omnes Qoihoa regnavity astu- 
tior [astutior omnibus Eckeh.] in doh, largior in dono. qui post 
mortem Friderici, unici filii sui, sua perpetratam voluntate, pa- 
trueles suos Embricam et Fritlam patibulo mspendit. 

Ermanricb kann schon deshalb der geschichtliche nicht 
sein, weil dieser kein Zeitgenosse Attilas war, sondern im vier- 
ten Jahrhundert lebte, den tod seines sohnes Friedrich erzählt 
die Vilkina saga c. 250— -251. nach Sifkas rathe trägt Ermenrek 
ihm auf Schätzung bei dem könig Osantrix einzufordern, aber ein 
von dem verräther vorausgeschickter böte bringt den befehl an 
einen verwandten Sifkas, den königssohn, wie er anlange, zu 
tödten. Ermenrek glaubt, Osantrix habe den mord angestiftet, 
und insoweit enthalten die worte: sua voluntate perpetratam 
eine abweichung ; aber die angäbe der Vilkina saga mag wol die 
spätere milderung sein, wie auch nach der kurzen und unklaren 
andeutung in Dieterichs flucht (2455—2461) Ermanrich selbst 
den tod seines sohnes Friedrich wollte, in diesem gedieht und 
in Heinrichs von München weltchronik ist es auchy wie hier, 
ein einziger söhn, während in der Vilkina saga noch zwei 
andere söhne ebenfalls durch Sifkas bosheit ermordet werden. 
— die beiden neffen sind die Harlunge^ Imbrecke und Fritile^ 

32 von welchen schon oben die rede war. die Vilkina saga ent- 
hält ihre geschichte (c. 255 — 258): sie werden gefangen und 
an den galgen gehängt; auch die weltchronik und der anhang 
zum heldenbuche erzählen das, wogegen sich das gedieht von 
Dietrichs flucht 2546 — 2550 nur allgemein ausdrückt. 

2) (Ermanaricus) Theodoricum \Theodericu7)fi\ similiter pa- 
truelem snunty instimulante Odoacro, patruele suo, de Verona pul- 
sum, apud Attilam earulare coegit. 

Stimmt zu den angaben des liedes von Hildebrand, und 
diese stelle überzeugt, dasz Otacher dort nicht etwa Erman- 
richs stelle vertritt, denn dieser wird hier daneben angefahrt, 
hier finden wir auch die namen Attila und Bern ausdrücklich, 
neu ist nur der umstand, dasz Odoaker, gleichfalls zu dem ge- 
schlecht gehörig, ein vetter von Ermanrich oder Dieterich sein 
soll; er ist aus der bekannten sage nicht zu erklären, da etwas 
ähnliches von Sibich nirgends behauptet wird. 

3) Ermanarici \Ermanrici, Ermenricus] regis Gothorum a 
' fratribus Hernido [Hemido, Hamido^ et Serila [Sarilo Eckeh.] et 

Adaocaro (sie) [Adaccaro, Odoacro], quorum patrem interfecerat, 
amputaiis manibus et pedibus [turpiter]^ ut dignus erat, ocdsio 
\occi8U8 est, Eckeh.]. 

Die schon bei Jemandes (s. 1—4) erläuterte sage von 
Hamdir und Sorli, welche beide in Hernidvs (1. Hemidus) und 
Serila leicht zu erkennen sind, allein Jemandes kann nicht 
quelle sein, denn die stelle hier hat genauere umstände, und 



— 18 — aa 

eben darin nähert sie sich am meisten der alten sage, wovon 32 
sich in den eddischen liedem das abbild erbalten hat. nämlich 
sie hauen dem Ermcmrichy wie dort, hände und füeze ab. statt 
quorum fairem interfecerat ist, wenn nicht eine unbekannte 
. sagenhafte ab weichung im mittel lieg^, zu lesen: qüomm 
sororem. auch der dritte hrudeVy den jornandes nicht kennt, 
wird genannt; er heiszt in der Edda Erp^ ob Odoaker^ wie hier 
steht, der deutschen sage eigenthümlich war oder blosz eine 
entstellung ist, lässt sich noch nicht entscheiden, ich erinnere 
hier aus gr. 2, 753, dasz Hamdir kein ursprünglich nordischer 
name scheint und abermals ein beweis von der abstammung der 
eddischen lieder aus deutschen wäre. [Haupts zs. 3, 155.] 

4) Amulwinus (al. Amulung) Theodenc [Amulung Theoderic] 
dicitur, proavus suus Amul vocabatur, qui Gothorum potentis- 
simus [potissimus] censebatur. et ille fuit Thideric de Berne^ 
de quo cantabant rtistici olim, TheodoricuSy Attüae regia auanlio 
in regnum Gothorum reductus, suum patruelem Odoacrum in 33 
Ravenna civitate expugnatam, interveniente Attila, ne occide- 
retur, exilio deputatum, paucis villis juxta confluentiam Albiae 
et Salae fluminum* donavit. 

Der bei Menken abgedruckte codex hat die vorangehen- 
den drei stellen nicht, nur diese hier, darin aber die richtigere 
lesart Amulung; Amul ist der Amal des Jornandes. 

Der verfesser der chronik hielt, was er von dem Theodo- 
rich von Verona vernahm, für geschlchte, jetzt erinnert er sich 
der lieder y die das gemeine voUc (Mändhche sänger,' Lachmann 
zum Hildeb. 30) sonst (dieses olim schon in damaliger zeit ist 
merkwürdig, Mn meiner jugend', sagt Lachmann, ^als ich noch 
nicht im kloster war\ Wackernagel litteraturgesch. s. 75) von 
Dieterich von Bern sang und vermutet, dasz beide eine und die- 
selbe person sein möchten, hierauf wendet er sich wieder zu^ 
rück zu dem, was er fär geschichte ansieht, schreibt auch 
wieder schriftgemäsz Theodorich; er erzählt die rückkehr des 
geflüchteten in sein reich durch den beistand Attilas, nach an- 
gäbe der sage, doch nicht ganz genau übereinstimmend, denn 
zuletzt zog Dieterich ohne Etzels beistand heim und fand keinen 
widerstand mehr, weil seine feinde gestorben waren, ganz fremd 
der sage ist aber, was weiter von einer belagerung Odoakers 
in Ravenna gesagt wird und von den besitzungen, die er in 
Deutschland erhielt; dagegen mag es sich auf die geschicht- 
lichen Verhältnisse Theodorichs und Odoakers beziehen, be- 
kanntlich wurde letzterer drei jähre zu Ravenna belagert, 
erhielt aber dennoch von Theodorich frieden und antheil an 
der herschaft; nur ist Attila wieder unhistorisch eingemischt. 

* fiernbtttg kommt im zehtiten jahrhnndfert vor als Berneborg, in Raomers 
reg. bist Brandenb. nr. 280 a. 980. 

WiLH. GbIMM, DMÜTSOHB HILDSlISAeB. ^ 



34 19 

33 5) Der ausirasiche Theodorich wird Hugo Theodoricus 
genannt (p. 273) [MG. SS. 3, 31], desgleichen in der Sachsen- 
chronik (Leibnitz 3, 281). Lachmann vermutet dabei eine be- 
Ziehung auf den Sugdieterich der sage. (Haupts zs. 6, 437. 
441 «.) [12, 261.] 



19. 

Das dritte lied von gudrun. wahrscheinlich aus dem über- 
gange des elften in das zwölfte Jahrhundert und nach P. £. 
Müllers Vermutung (sagenbibl. 2, 319) von Saemund selbst ge- 
dichtet, zwar ist der inhalt der deutschen sage, soweit wir sie 
kennen, ft-emd, allein was hier dargestellt wird, das gottes- 
urtheil des kesselfangs, davon weisz der norden überhaupt nichts 
(vgl. sagenbibl. 2, 318); und da die übrige nordische sage gleich- 
falls dieses lied völlig verleugnet, so ist schwer über seinen 
Ursprung zu urtheilen. 

Ich bemerke hier nur deutliche beziehungen auf deutsche 
gedichte: 

34 1) Gudrun sagt zu Atli: 

Str. 5. her kom ^ioprehr mip prid tigo; 

lifa peir ne einir priggia tego manna. 

hierher kam Dieterich mit dreiszigen; 

nicht einer lebt mehr von diesen dreiszig männem. 

Dieterichs flucht von Bern zu dem könig Etzel ist ge- 
meint, dasz er mit dreiszig mannen gekommen sei, stimmt j 
ziemlich genau mit dem deutschen gedichte: i 

4147. wie vil der wären oder sint, 
die guot, wip unde kint 
liezen durch den von Berne, 
daz müget ir hoeren gerne: 
der wären dri und vierzic man^ 
die sach er alle vor im stän. 

Dasz keiner mehr davon am leben ist, spielt auf seinen 
langen aufenthalt bei Etzel an; sie waren in den kämpfen, die 
Dieterich in der zeit bestand, umgekommen, auffallend , dasz 
Hildebrands keine erwähnung geschieht. 

2) Gudrun ist zwar hier, wie in den andern liedem, Atlis 
frau, aber dieser hat ein kebsweib, das Herkia heiszt. es ist 
die Erka der Vilkina saga und Helche der Nibelungen noth, 
welche der nordische dichter auf diese weise mit Atii in Ver- 
bindung gebracht hat. , 



20 35 

3) Ich merke gleich hier an, dasz auch der proBaische ein- 34 
gang zu dem zweiten Gudrunenlied sagt: pioprekr konüngr var 
mep Atla ok hafpi par lätip flest alla mcnn stna. die worte 
sind aber wol aus unserm liede genommen. 



20. 

Prosaische Zwischensätze in samunds edda. sie sind dop- 
pelter art: solche, die einleitungen oder bemerkungen liefern, 
und andere, welche lücken in den liedern selbst ausfüllen, 
diese können aus unvollständiger Überlieferung entstanden und 
ihrem Inhalte nach so alt sein, als die lieder selbst, jene rühren 
von dem Sammler und aus ihnen bemerke ich folgendes: 

1) Eine auffallende abweichung' in den geographischen an- 
gaben: das reich der Völsungen heiszt nicht Hünaland, son- 
dern FraMand (p. 118); südlich dahin zieht Sigmund (p. 121) 
und auch Sigurd (190). 

In den liedern selbst nirgends ein Frakland; es scheint 
ein Wirkung eines deutschen gedichts, worin Frankenland vor- 
kommen mochte, wie im Waltharius. 

Die Völsunga saga bringt diese abweichung auch einmal 85 
in ihren text. zwar Sigi ist könig von Hünaland (c. 3) und 
Sigmund fährt heim nach Hünaland; doch im Widerspruch 
damit ist Frakland aus jenen Zwischensätzen aufgenommen, 
wenn es (c. 29) heiszt, dasz Sigurd dahin gezogen sei. -;— auch 
in die Nomagests saga ist (c. 3. 4) dieses Frakland eingeführt, 
dagegen nicht in den auszug der Snorraedda. 

2) Das zweite lied von Brünhild erzählt, Sigurd sei am 
Rhein unter dem Schwerte Hömis und Guthorms gefallen, 
nachdem der letztere durch mordspeise ermutigt worden, am 
schlusz folgt ein prosaischer nachsatz: 

Her segir sva t pessi quipo frä daupa Sigurpar, ok vikr 
her sva til, sem peir drsepi bann üti, en sumir segia sva, at 
peir drsepi bann inni i reckio sinni sofanda, En pypverskir 
menn segia sva, at peir draepi bann üti t skoai* ok sva segir i 
Goprünar quipo inni fomo, at Sigurpr ok Giuka synir hefpi 
til pings ripit, pä er bann var drepinn. En pat segia allir ein- 
nig, at peir sviko bann i trygp ok vogo at honom liggianda 
ok obünom. 

Diese Verschiedenheiten lassen sich in den gedichten nach- 
weisen, dasz Sigurd im bette neben Gudrun liegend getödtet 
wird, erzählen aas dritte Sigurdslied und Hamdismal, jenes 
ausföhrlicher: Guthorm kehrt zweimal zurück, bis Sigurd ein- 
geschlafen ist, weil er sich vor dessen blitzenden äugen 
fllrchtet. den mord auf dem wege nach dem ding berichtet 

3* 



aft — - 21, ?2 — 

36 das zweite Gudrnnenlied (atr. 6); drauszen bei dem Khein 
Brynh. 2, 6. endlich nach der Nibelunge noth und der Vilkina 
saga (c. 322, 324) wird Siegfried im walde von Hagens speer 
durchbohrt, als er, erhitzt von der jagd, sich zu einem brunnen 
herabbeugt. 

3) Ich füge hier gleich die sehr ähnliche stelle aus der 
später abgefassten Nornagests saga hinzu: 

c. 8. Gestur svarar : su er flestra manna sögn, at Gupor- 
mur Giuka son lagpi bann mep sverpi igegnum aofanda i 
8€eng Gudrunar; en pypverskir menn segia Siffurd drepinn hafa 
verit üti t akogi, En igpurnar sogpo sva, at Sigurdur ok Giuka 
synir höfpo ripit tu pings nockurs oo pä draepi peir hann. Edd 
pat er allsagt, at peir vogu at honum liggianda oo uvorum oc 
sviku hann i trygd. 



21. 

VöLSüNGA Saga. sie folgt hier wegen ihres Zusammen- 
hangs mit der Edda; über die zeit, in welcher sie wahrschein- 
lich abgefasst ist, vgl. sagenbibl. 2, 97 — 103. darin heiszt es 
86 (p. 86) von Sigurd : ok bans nafn mun vera aldrei firnast i 
pyskri tungu ok ä nordurlöndum, medan heimurin stendur. und 
hernach: ok hans na/n geingur t öllum tungum firir nordan 
Gricklands haf ok svo mun vera medan veroUdin stendur. 
etwas ähnliches wird dem Sigurd (Sig. q. 1, 41) verkündigt: 

pvi mun uppi mepan öld lifir, 
piopar pengill) pitt nafn vera. 

darum wird, so lange die weit steht, J 

völkerförst, dein name dauern. 



22. 

Chronicon novalicense. bei Muratori Script, rer. ital. 2, 2 
[MG. SS. 7, 79]. geschrieben um das jähr 1060. — hier wird 
(c. 8) die legendenartige sage von einem Walther erzählt, der 
aus königlichem blute stammt, als weitberühmter held viel 
männliche thaten vollbringt, in seinem alter aber ein mönch 
wird, diesen Walther macht nun der Verfasser der chronik mit 
dem Waltharius manu fortis zu. einer person und liefert (c. 8. 
und 9) [MG. p. 86] einen auszug und einzelne verse aus dem 
lateinischen gedichte Eckehards und einer andern lateinischen 
bearbeitung. Alphere bei Eckhard ist Alferius [Alferus] ge- 
schrieben. 



28 8t 



23. 

EcKEHARD IM GHRONiGON URSPERGENSE. Sein werk geht bisse 
zum Jahr 1126. Argent. 1609. [MG. SS. 7, 130.] 

1) p. 85^ nach auszügen aus dem Jornandes bemerkt 
Eckehard: haec Jordanis quidam grammaticus, ex eorundem 
stirpe Gothorum progenitus, de Getarum origine et Amalorum 
nobilitate non omnia, quae de eis scribuntur et referuntur, ut 
ipse dicit, complexus exaravit, sed brevius pro rerum notitia 
huic opusculo inseruimus. his perlectis diligenterque perspec- 
tis perpendat, qui discernere noverit, quomodo illud ratum 
teneatur, quod non sohim vulgari fahulatione et cantäenarum 
modulatione usitatur, verum etiam in quibuadam chronicis anno- 
tatur; scilicet quod Hermenricus [Ermenricus] tempore Martiani 
[Marciani] principis super omnes Gothos regnaverit, et Theodo- 
ricum [Theodericum] Dietmari ßHum, patruelem mum^ ut dicunt, 
instimulante Odoacre \Odoacare] item ut ajunt, patruele 8uo de 
Verona pulsunty apud AtHlam Hunorum regem exulare coegerit^ 
cum historiographus narret, Ermenricum regem Gothorum mul- 
tis regibus dominantem tempore Valentiniani et Valentis fratrum 
regnasse et a duobua fratribtis Saro et AmmiOy quos conjicimus 
eo8 fuisse, qui vulgariter Sarelo et Hamidtecus [Hamidiech] dicun- 
tur, vulneratum in primordio egressionis Hunorum per Meotidem 87 
paludem, quibus rex fuit Valamber, tam vulneris quam Hunorum 
irruptionis dolore defunctum fuisse, Attilam vero postea ultra 
Lxx annos sub Martiano et Valentiniano cum Romanis et Wisi- 
gothis Aecioque duce Romanorum pugnasse et sub eisdem prin- 
cipibus regno vitaque decessisse. — — hinc rerum diligens in- 
spector perpendat, quomodo Ermenrictia Theodoricum [Theode- 
ricum] Dietmari filium apud Attilam exulare coegerit^ cum juxta 
hunc historiographum contemporalis ejus non fuit. igitur aut 
hie falsa conscripsit, aut vulgaris opinio faUitur et faUit^ aut 
alius Ermenricus et alius Theodoricus [Theodericus] dandi sunt 
Attilae contemporanei, in quibus hujua modi rerum convenientia 
rata possit haben, hie enim Ermenricus longe ante Attilam 
legitur defunctus. 

a) Eckehard bemerkt den chronologischen Widerspruch 
zwischen Jornandes, der den Ermanrich längst vor Attila ster- 
ben läszt, und der volkssage, die ihn zugleich mit dem Dieferichy 
dem söhne Dietmars^ zu einem Zeitgenossen desselben macht auch 
dem Otto von Freisingen und Gottfried von Viterbo ist er auf- 
gefallen, er ist den dichtungen gemäsz. 

b) Er erwähnt die ßucht Dieterichs zu den Hunnen fast mit 
denselben werten, wie das chronicon Quedlinb.; man düi^e 



88 23 

87 ableitung von dort oder gemeinsame quelle voraussetzen. Otaker 
steht auch' hier für Sibeche. 

c) Ganz richtig werden die beiden brüder des Jemandes 
Sarus und Ammius fbr Sarelo und Hamideo (so ist zu lesen, 
vgl. gramm. 2, 753) der volkssage erklärt, darin weicht Ecke- 
hard von dem chronicon Quedlinb. ab, welches auch den 
dritten bruder anflihrt, dasz er nur zwei nennt; aber das stimmt 
mit Jornandes. 

d) Die verbreitete y gemeine volkssage und der gesang der 
lieder wird bemerkt, was hier um so wichtiger ist, als wir zu- 
gleich den epischen inhalt derselben erfahren, der gegensatz, 
aufzeichnung der sage in Chroniken^ ist eben durch das chronicon 
Quedlinb. schon auszer zweifei gesetzt. 

2) p. 159. [MG. SS. 6, 185.] Est autem in confinio 
Alsatiae castellum vocabulo JBrisach [Brisahc]^ de quo omnia 
adjacens pagus appellatur Brisachgowe [Brisahcgowe]^ quod 
fertur olim fuisse illorum, qui Harlungi \Harelungi] dicebantur. 

Anspielung auf die sage von den Härtungen^ die als eine 
alte bezeichnet wird. den Breisgau [ZE. 13, vgl. 26, 11] 
schreibt ihnen der anhang des heldenbuchs zu, auch die Yilkina 
sssaga lässt sie am Rhein wohnen, der annalista Saxo, der 
etwas später, um das jähr 1139 schrieb, hat dieselbe stelle 
(Bouquet 8, 227)« [MG. SS. 6, 603]. 



^ auch in Oestreich kommt eine Harlnngebarch und ein Harlungevelt, und 
zwar im neunten Jahrhundert vor; die bürg findet man in der karte des chro- 
nicon Gottwic. verzeichnet, sie lag in der nähe von Medilike, an dem flosz 
!?leiches namens, die diplome, "worin Ludwig der fromme den bischof Baturich 
von Regensburg damit beschenkte, stehen bei Pez thes. l, 3, 16 u. 22. es 
heiszt schon darin: locus ubi antiquitus castrum fuit, qui dicitur Harlunge- 
burch. [Haupts zs. 10, 163. Dümmler, Piligrim von Passau s. 192, 17. — 
'mons qui dicitur Harluncsberch. Notizenbl. 6, 239.' Jac. Grimm.] — Thedel 
ünuerferd, bog. f: 

vnd ins stifft nach Hildesheim zu 

trieben sie pferdt vnd küh mit ruh. 
zum Harlingsberg vnter dem haus 

thielten (so!) sie denn die beute aus. 

[ — Die stelle, wo in Brandenburg an der Havel ante veterem civitatem in 
monte nach der Urkunde nr. 954 von c. 1139 (1136 — 1141) in v. Raumers 
regest. Brandenb. (vgl. Heffter geschichte von Brandenburg s. 67 f.) der heid- 
nisch-slavische götze Triglaf stand und eine Marienkirche erbaut wurde, heiszt 
im jähre 1166 bei Raumer nr. 1336 Harlungberg, in der kaiserlichen confir- 
mation von 1179 (Raum er nr. 1456) Harlungeberg. auch Harlungate kommt 
in Brandenburg 1195 und 1197 vor, Heffter a. a. o. s. 25, vgl. Raamer nr. 
1619« siehe unten nr. 35 b*] 



24 89 



24. 

Otto von freisingen, erste hälfte des zwölften jahrhun-38 
derts. er erzählt (chronicon 5, 3), der ostgothische Theodorich 
habe den Symmachus und Boethius getödtet, und föhrt fort: 
ob ea non multis post diebus, xxx imperii sui anno, subitanea 
morte rapitur ac juxta beati Gregorii dialogum (4, 30) a Joanne 
et Symmacho in Aetnam praecipitatus, a quodam bomine Dei 
cernitur. hinc puto fabulam illam traduetam, qua vulgo dicitur: 
Theodoricus vivvs equo sedena ad inferos descendit. quod autem 
rursum narrant, eum Hermanarico Ättilaeque contemporaneum 
fuisse^ omnino stare non potest, dum Attilam longe post 
Hermanaricum constat exercuisse tyrannidem istumque post 
mortem Attilae octennem a patre obsidem Leoni Augusto 
traditnm. 

1) Otto gedenkt der (wahrscheinlich in Baiern) gangbaren 
volhsage^ von dem ende Dietericha von Bern^ den er fiir eine 
person mit dem ostgothischen Theodorich hält. ob seine Ver- 
mutung über ihren Ursprung richtig sei, mag dahingestellt 
bleiben; man könnte auch das umgekehrte wahrscheinlich 
finden, die Eaiserchronik ftlhrt übrigens die legende etwas 
verschieden an: 

vil manige daz sähen, 

daz in (den Dieterich) die tievel ndmen: 

sie fuorten in in den berc ze Vulkan; 

daz gebot in sent Johannes der heilige man. 

da brinnet er unz an den jungisten tac, 

daz im nieman gehelfen ne mac. 

Eine mit Ottos erzählung verwandte volkssage kommt her- 
nach bei dem mönch Gottfried vor. unter den deutschen ge- 
dichten nähert sich Etzels hofhaltung am meisten (str. 131. 132): 
Dieterich vdrd sündlicher reden wegen von einem gespenstigen 
pferdy das der teufel selber ist, in die wUste Rumenei geführt, da 39 
mit dem gewürme bis an den jüngsten tag zu streiten, auch 
in Sachsenheims Mohrin (bl. 41) wird gesagt, er müsse dort 
alle tage mit drei drachen fechten, in Verona selbst gab es 
eine volkssage, wornach höllische geister ihm p/erde und hunde 
brachten."^ nach dem anhange des heldenbuchs holt ihn ein 
zwerg ab mit den werten: 'du sollst mit mir gehen, dein reich 

^ Maffei Verona illnstr. 3, 120 erzählt das bei beschreibung eines rohen 
basreliefs in der alten kirche St. Zeno, das man auf Dieterich, wie er auf die 
jagd zieht, deutet. [ZE. 21, 7. über andere bilder von Dieterich das. 3 — 6, 
8. 386; 50.] 



40 S4 

89 ist nicht mehr in dieser weit' ; er fthrt ihn weg, niemand weisz, 
wohin er gekommen und ob er noch lebe oder todt sei. noch 
milder drückt sich die Vilkina paga in dem Peringskjöldischen 
text aus, scheint aber doch etwas unheimliches anzudeuten, sie 
schweigt ganz Ober sein ende, bemerkt aber am schlusze (c. 382), 
er sei oft auf einem guten rosse einsam durch dichte wälder und 
Wüsteneien geritten, ohne furcht vor menschen oder thieren. — eine 
ganz andere, ausführliche erzählung steht in den handschnften der 
Yilkina saga, aus welchen die sagenbibliothek ergänzungen mit- 
theilt (2, 289—291) und wornach Rafn übersetzt hat (c.393). Thi- 
drek jagt thiere, an welche andere sich nicht wagen, und reitet oft 
aus, nur von wenigen dienern begleitet, schon altersschwach scheut 
er doch keinen kämpf, als er sich eines tages an der statte, die jetzt 
Thidreksbad heiszt, badete^ sagt ein diener: ^dort läuft ein schwar- 
zes pferd (in andern handschriften ein hirsch), so stark und schön, 
wie ich noch keins gesehen habel' der könig springt auf und 
wirft sein badegewand um sich, und wie er das thier erblickt, 
ruft er nach rosz und hunden. die diener eilen fort, aber es 
dauert ihm zu lange, und da er neben sich ein rabenschwarzes 
rosz gesattelt stehen siebt, schwingt er sich darauf, die hunde 
können dem rosz, das schneller läuft, als ein vogel fliegt, nicht 
folgen, der beste reitknecht jagt auf dem pferd Blanke nach 
und alle hunde hinter ihm her. Thidrek merkt bald, dasz es 
kein pferd ist, worauf er reitet, will abspringen, fUhlt aber, dasz 
er sich nicht bewegen kann, der reitknecht ruft: *herr, wann 
willst du zurückkommen und warum reitest du so schnell?' 
Thidrek antwortet: 'ich thue einen bösen ritt, es ist der teufel 
selbst f auf dem ich reite; ich komme zurück, wenn gott und 
die Jungfrau Maria es wollen.' der reitknecht verliert den 
könig aus dem gesiebt, man hört nichts von ihm und weisz 
nicht, wo er hingekommen ist.* 

40 Dieser sage gibt aber die altschwedische Übersetzung durch 
einen zusatz eine andere wendung. darnach hatte Didrik diese 
geheimnisvolle entfemung aus seinem reiche selbst veranstaltet, 
sieben jähre lang war ein pferd heimlich unter der erde grosz 
g'ezogen und dann, als er in dem bade sasz [recbtsalterth. 87. 
88] losgelassen worden, er setzt ihm nach, und man weisz 
nicht, wohin er den weg einschlägt, seine absieht aber war, 
den Wideke zu überfallen und an ihm den mord seines bruders 
und Attilas beider söhne zu rächen, er tödtet ihn auch im 
kämpfe, stirbt aber bald darauf selbst an den empfangenen 
wunden, ohne sein reich wieder zu sehen. 

Ich glaube, Dieterichs seltsames ende hängt zusammen mit 

* T«tricu9 italicäfi q«ondam vegnator in oris, 
moUis ax opibas tantum aibi servat avants, 
at secttni infelix piceo spaciator averno. 
Walafried p. 228. Jac. Grimm. — ZE. 21, 6. 7; 24; 30, 1»>; 52, 2. 



95, »«>• 41 

seiner übernatürlichen geburt, wovon der anhang des beiden- 40 
buches erzählt, darnach war er der söhn eines geistes, wahr- 
scheinlich eines nachtelfen, der ihn jetzt auf einem schwarzen, 
gespenstigen pferd wieder zu sich und der wilden jagd zurück- 
holt, es passt vollkommen zu dieser ansieht » dasz noch heut 
zu tag in der Lausitz der knecht Ruprecht, der nichts anders 
als ein schwarzer elfe ist, Dieterich von Bern heiszt (v. d. Hagen 
in der Sammlung fbr altd. lit. 141). 

3) Otto bemerkt noch gleich dem Eckehard, dasz Theodo- 
rich nichty vde man sage^ Zeitgenosse des Ermanarich und Attila 
könne gewesen sein. 



25. 

D£ FUNDATIONE MONASTERII GOZECENSIS (VOU 1135); bei Hoff- 

mann script. rer. Lusatic. 4, 112'^* [nach 1157 geschrieben, 
MG. SS. 10, 149.] 

Verona a Teutonicis Bema \Beme\ nuncupatur. hanc civi- 
tatem transmontanam Theodoricus ITheodericus] quondam rex 
Hunnorum, ut ab indigenü accepimus^ primum condidit et a situ 
et natura loci Veronam, scilicet a vere, vemali vocabulo nun- 
cupavit [iocundavit]. in eadem civitate domum praegrandem 
exstruxit, quod (sie) [quae] Romuleo theatro mire assimulavit 
assimulatur]. — Neve [Ne] quisquam conditoris hujus incertus 
labeatur, usque hodie Theodorici [Theoderici] äomt^ appellatur. " 

Sehr begreiflich verwechselt die italienische volkssage 
Gothen und Hünen, [über Dietrichs bauten und denkmäler in 
Rom*, Verona und andern orten von Italien ZE. 21, 1 — 5 
52, 2.] 



♦25 b- 

Dietrich von deutz. verfasste als küster der Benedictiner; 
abtei daselbst zwischen 1155r-1165 eine kurze weltchronik. 
Lacomblets archiv für die geschichte des Niederrheins 5 (1866), 
s. 322: 

Hie est Attila rex Hunorum^ et Emmericus atque Theode- 
rieus reges Gothorum, quoru/m actus vel preconia veterum narra- 
tionibuB tragicorumque decantationibtis orbe toto declamantm\ 



#« 



^ mitgetheilt von Lachmann. 

* das gesiebt, das nach der legende ron Gregor dem groflzen zur anfstel- 
lung des 'engeis' anf der Engelsbnrg anlasz gegeben haben soll (Haupts zs. 12, 
321), gleicht dem des DaWds, 1 Paralipom. 21, 16. 27. 

** mitgetheilt von W. Crecelios in Pfeiffers Germania 11, 310. 



42 «6. 27 



26. 

^ Gottfried von monmodth. lateinisches gedieht bei Ellis 
metrical romances I. aus der mitte des zwölften Jahrhunderts. 
(Gfrörer prophetae veteres pseudepigraphi p. 372: die stelle 
fehlt in' einigen handschriften. San-Marte Arthursage, 

8. 91.) 

^1 Merlin ist wahnsinnig, ihn zu besänftigen bietet könig 

Rhydderich von Cumberland alles auf: 

afferrique jubet vestes, volucresque canesque 
quadrupedesque citos, aurum gemmasque micantes, 
poculuy quae sculpsit Guielandt^ in urbe Sigeni. 

Becher, die Wieland kunstreich gebildet hat. auch in dem 
eddischen liede weisz er aus hirnschädeln , die er mit silber 
überzieht, becher zu machen. 



27. 

Abt nicolaus, itinerarium aus der mitte des zwölften Jahr- 
hunderts herausgegeben von Werlauff in den symb. ad geogra- 
phiam medii aevi. Kopenh. 1821. darin folgende stelle: 

par imilli (zwischen Paderborn und Mainz, die vier tage- 
reisen von einander entfernt liegen) er porp er Horus heitir, 
annat heitir Kiliandr, oc par er Gnitaheidr (1. Gnitaheidi), er 
Sigurdur vä at Fafni. 

Was für dörfer unter Horus und Kiliandur gemeint sind, 
ist schwer zu sagen, wahrscheinlich jedoch wird unter dem 
erstem Horohüs am ftisze der Eresburg (Stadtbergen)* gemeint 
(Wigand gesch. von Corvei 2, 221). [Mone heldens.*45.J aber 
merkwürdig bleibt dasz ein Nordländer die Gnitaheide, wo 
Sigurd den Fafne erschlug, nach Deutschland verlegt und zwar 
in eine so bestimmte gegend. an sich mag der alten sage 
nach diese stelle noch richtiger sein, als bei der Stadt Luna in 
Italien (s. 20) die bemerkung: i Lunu söndum kalla sumir 
menn ormgard er Gxinnar var i settr, wornach in den sandgegen- 
den bei dieser Stadt, wie einige behaupten, die schlangenhöhle 
soll gewesen sein, in die Grmnar gesetzt wurde. (Haupts zs. 
1, 397) [vgl. noch das. 12, 324 f.] 



28. 29. 30 43 



28. 

HiSTORIA PONTIFICÜM ET C0M1TÜM ENGOLfSMENSIUM. lim AbS 41 

Jahr 1159 von einem unbekannten Verfasser geschrieben; steht 
abgedruckt bei Labb^ bibl. mss. nova, 2. darin c< 19 p. 253 
folgende stelle: 

Gillermus Sectorferri hoc nomen sortitus est, quia cum 
Normannis confligens, venire solito conflictu deluctans, ense 
corto vel scorto durissimo, quem Walandus faber condideratj per 
medium corptis loricatum secavit una percuasione. 

Dieser herzog Wilhelm von Angouleme lebte in der zweiten 
hälfte des zehnten Jahrhunderts, sein schwert hielt man fbr 
eine arbeit des kunstreichen schmieds Waland. auch die yil-42 
kina saga (c. 25) erzählt von einem Schwerte Velints, das wie 
ein blitz durch den feind fährt und ihn mit einem hiebe 
spaltet, möglich, dasz eben des ähnlichen hiebes wegen das 
schwert des herzogs als eine arbeit Wielands betrachtet wurde, 
ensis curtus ist wohl mit semispatha in Eckehards Waltharius 
(1386) einerlei, der beiname des herzogs Sectorferri entspricht 
dem auch sonst vorkommenden Taillefer. 



29. 

Johannes monachus. aus der mitte des zwölften Jahrhunderts, 
von ihm rührt Gaufredi ducis Normannorum historia und darin 
(lib. 1 p. 19 Paris 1610) wird die rüstung des herzogs beschrieben: 
ad ultimum allatus est ensis de thesauro regis ab anüquo ibi- 
dem signatus, in quo fabricando fabrorum superlativus Galannus 
multa opera et studio desudavit. . ohne zweifei ist Wialant ge- 
meint; das romanische g, gu für v, w macht gar keine Schwie- 
rigkeit (vgl. gramm. 2, 342. anm.). 



30. 

Altfranzösische Gedichte. Zeugnisse daraus erhalten hier 
einen platz, weil sie sich an die vorhergehenden durch ihren 
inhalt genau anschlieszen, ohne dasz ich behaupten könnte, sie 
müsten ihn der zeit nach einnehmen, doch auch ohne es 
leugnen zu wollen.^ ^ 

' mitgetheilt sind sämmtliche steUen von Jacob Grimm, der sie selbst aus 
den Pariser handschriften gezogen hat — [V^and le forgeron, diss. par Dep- 
ping et Fr. Michel Paris 1833, vgl. altdeutsche blätter 1, 34—47] 



44 90 

42 1) Ogier (cod. 2729, bibl. reg. Paris): 

et chaint (gürtet) lespee de la forge (arbeit) galant. 

Femer: 

puis chainst lespee au senestre giron; 

ele fu prise en tresor pharaon. 

galana la fist en liUe (l'isle, landschaft) demascon. 

Und mit andern werten: 

puis cbaint lespee a son flanc senestrois. 
galana la fist en lille de persois. 

Da eine orientalische und damascierte klinge für die beste 

43 und bärteste galt (in der innern Indiä da ist einer slabte stal^ 
daz hat von golde rötiu mal und ist so herte, daz ez den stein 
rehte suidet als ein zein. Wigal. 4754—4759, vgl. anm.), so 
lässt sich leicht erklären, warum der dichter den Wieland, von 
dem er weiter nichts wissen mochte, in Damascus und Persien 
das Schwert verfertigen lässt, und es als einen theil von Pha- 
raons schätze betrachtet. 

2) Chevalier au dane (cod. 7192. 2). 

Als das schi£Pchen anlangt, kommen die leute: 

il ont veut le cisne le batiel trainant, 

au col une caainne toute blance dargent, 

et virent en la nef un Chevalier gisant, 

de les lui son escut son espee trencant 

et un mout bien espiel par le mien ensiant. 

jou cui que son espee que la foriast galans. 

nvs hone de car ne vit plus rice brant (schwert). 

3) Ich führe hier gleich eine stelle aus einer prosaischen, 
auflösung des altfranzösischen romans von Fierabras (Lyon 
1597, in 4.) an, deren quelle ohnehin mit den obengenannten 
gedichten gleichzeitig sein wird. es heiszt darin (c. 9 p. 35. 
36; Bekker Fierabras p. 178) j 

Fierabras — ceignit son espee nommee Plorence, et en 
Farpon de la seile en auoit deux autres bonnes-, dont Tune 
estoit nommee Graban, lesquelles estoient faites tellement, qu'il 
n'estoit hamois, qui les peust rompre ne gaster. et qui de- 
manderoit la maniere, comme elles furent faites, ne par qui, 
Selon que ie trouue par escrit: trois freres furent d'un pere en- 
gendrez^ desquels Tun auoit nom Galand, le second Magni- 
ncans et le tie^s Ainsiax. ces trois freres firent neuf espees 
(unten s. 254), c^est ä s^auoir chacun trois. Ainsiax tiers fit 
l^espee nommee Baptesme, laquelle auoit le pommeau d'or bien 



i 



81 45 

peinct, et aussi fit Plorence et Fraban, lesqiielles Fierabrasis 
auoit. Magnificans ^*^ Fautre frere fit Tespee nommee Durandal, 
laquelle Roland eut, Fautre estoit nommee Sauuagine, et la 
tierce Courtin, que Ogier le Dannois eut. Ödland Pautre frere 
fit Flamherge et Hauteolere et Joyeuse, laquelle espee Charle- 
maigne auoit par grand specialit^. et ces trois freres nommez 
furent les ouuriers des dites espees. 

Die günstige gelegenheit das provenzalische gedieht selbst 
in der genauen abschrifl eines alten, in Deutschland befindlichen 
codex nachzusehen, gewährte keinen weitern aufschlusz; zwar 
werden die drei Schwerter des Ferabras genannt (statt Plorence 
heiszt es richtig Florensa), allein gerade die stelle von den drei ** 
schmieden fehlt darin, dagegen kommt sie in der deutschen 
Übersetzung von 1533 (nach dem abdruck in Büschings und 
V. d. Hagens buch der liebe s. 158) vor und Wielands name 
ist darin GcUams geschrieben, ich erinnere, dasz in dem eddi- 
schen liede Völund gleichfalls zwei brüder hat, die ohne zweifei, 
wie er, mit kunstfertigkeiten begabt waren; Galand scheint 
aber auch hier der erste ssu sein, weil Karl der grosze seine 
Schwerter erhielt. 



31. 

Metellus von tegernsee. um das jähr 1160. (Canisius 
setzt ihn in das jähr 1060 (vgl. Rudlieb s. 223), Basnage hundert 
jähr später, diesz ist das richtige wegen der zweisilbigen reime 
im leoninischen hexameter.) in den lobliedem auf den heiligen 
Quirin (Canisä lect. antiq. ed. Basnage 3, 2, 154) folgende 
stellen: 

1) De eo, qni terminos possessionis invaserat: 

miles avarior absque modo 
proxima rura sibi solitus 
subdere quaeque potente manu, 
saevus agros violenter agens, 
alme Quirine, tuos rapuit, 

quos orientis habet regio, 
flumine nobilis Erlafia, 
carminok TeutonibtM celebn, 



'^ Mnnificans hat das Altekler geschmiedet. Uhlatid Viane s. 1B6, bei 
Bekker 2695. 



46 82. 83 

44 inclita Rogerii comitis 

robore seu Tetrici veterü. 

gedichte von Rüdiger von Becfielaren und Dieterich von Bern. 

2) Anderwärts p. 134 sagt er: gens illa canena prisca. 



32. 

Gottfried von viterbo. zweite hälfte des zwölften Jahr- 
hunderts (1186). [ZE. 37, 2.] 

Chronicon 16, 481: quod autem quidam dicunt, ipsum 
Theodorieum fuisse Hermenrico Veronensi et Attüae contempo- 
raneum, non est verum, constat enim Attilam longe post Her- 
menricuui fuisse, Theodorieum etiam longe post mortem Attilae, 
quum esset puer octennis, Leoni imperatori in obsidem datum 
fuisse.'»^ 
45 Gottfiried macht dieselbe bemerkung, die vor ihm schon 

Otto von Freisingen (s. 38) gemacht hatte. doch behält er 
einen irrthum der sage bei, indem er den Ermenrich Veronen- 
sis nennt, was nur den gedichten nach richtig sein kann, und 
zwar nur in so weit, als Ermenrich nach Dieterichs Vertrei- 
bung Bern in seine gewalt bekommt. 



33. 

Saxo 6RAMMAT1CUS. zweite hälfte des zwölften Jahrhunderts 
(ed. Stephan.). 

1) L. 8. p. 154—157 [Müller p. 408 f.]. Jarmerich, der 
sich aus der gefangenschaft des slavischen königs Ismarus be- 
freit und seinem oheim Budli das väterliche reich wieder ab- 
genommen hat, lässt auf einem hohen felsen eine feste bürg 
mit vier thoren (vgl. ZE. 34, 1) nach den vier weltgegenden 
prächtig und wunderbar erbauen und bringt dort seine reich- 
thümer in Sicherheit, hierauf geht er in die see. es begegnen 
ihm vier brüder^ von geburt Hellespontier, die seeräuberei 
treiben, nach dreitägigem kämpfe zwingt er sie, ihm ihre 
Schwester und die hälfte ihrer beute zu überlassen. Bicco^ ein 
königssohn, wird jetzt aus der Hellespontier gefangenschaft be- 
freit und begibt sich zum Jarmerich^ hat es aber nicht ver- 
gessen, dasz dieser vordem ihn seiner brüder beraubt hatte. 

' ^ b ich verdanke diese stelle herrn A. W. v. Schlegel. 



88 47 

um dafür räche nehmen zu können , erwirbt er das vertrauen 45 
Jarmerichs und verleitet ihn dann zu jeglichem verbrechen, vor 
allem aber zur Vertilgung seines eigenen geschlechts. 

Jarmerichs schwestersöhne werden in Deutschland erzogen, 
aber Jarmerich nimmt sie gefangen und lässt sie nach semer 
hochzeit mit der Schwester der jQellespoutier erdrosseln. — 
Broder, söhn Jarmerichs aus einer früheren ehe, wird von Bicco 
eines verbrecherischen Umganges mit seiner Stiefmutter beschul- 
digt, er soll aufgehängt werden, Swavräda aber von pf erden 
zertreten, doch die thiere wollen ihre glänzende Schönheit nicht 
anrühren, bis Bicco sie umkehren lässt. Broders hund kommt 
wie weinend zum Jarmerich, sein habicht zieht sich die federn 
aus. daran merkt er, dasz Broders tod ihn kinderlos machen 
würde, und befreit ihn noch zu rechter zeit, die diener näm- 
lich hatten auf Biocos anordnung ein brett unter den galgen 
halten müssen, auf dem Broder stand, so dasz er dann erst 
den tod empfieng, wenn jene müde die bände wegzogen; der 
mord sollte auf diese weise ihnen, nicht dem vater zur last ge- 
legt werden. 

Bicco, strafe für seinen betrug fürchtend, reizt jetzt die 46 
Hellespontier, ihre Schwester Swawild zu rächen und verkün- 
digt dem Jarmerich, dasz sie sich zum kriege gegen ihn rüsten, 
die Hellespontier aber, bei gelegenheit einer raubvertheilung 
todten selbst, eines angeschuldigten diebstahls wegen, einen 
groszen theü ihrer leute. sie halten sich nun für zu schwach 
gegen Jarmerichs feste bürg und fragen deshalb eine zauberin 
Gudrun um rath. sie macht durch ihre künste, dasz die 
kämpfer Jarmerichs erblinden und gegen sich selbst die waffen 
kehren, jetzt dringen die Hellespontier ein, aber Othin, kommt 
und vernichtet den zauber, und weil sie von waffen nicht 
können verletzt werden, räth er den Dänen, sie mit steinen 
todt zu werfen, die männer fallen nun auf beiden Seiten und 
Jarmerich wälzt sich mit abgehauenen händen und füszen unter 
den todten. 

a) unbekannt ist in der sage, der deutschen sowohl als 
nordischen, was Saxo von Jarmerichs, d. h, Ermanrichs früherm 
leben, seiner gefangenschaft und befreiung daraus erzählt, nur 
seiner schätze geschieht auch sonst (oben s. 17) erwähnung. 

b) Die Hellespontier sind Dänen von Hven. ^^ ihrer sollten 
nach der schon theilweise (oben s. 3) beim Jemandes erörterten 
sage nur drei sein statt vier: Sorli, Hamdir und Erpur; ihre 
Stiefschwester Schwanhild ist noch deutlich in Saxos Swawilda. 
in der Edda ist sie die tochter der Gudrun mit Sigurd, hier 
aber erscheint Gudrun nur als zauberin, nicht als mutter. der 

^' nach Lachmanns richtiger bemerkung. der Öresand heiszC hellespontas 
danicQB; vgl. Saxo gr. 9 p. 172, 50; 175, 39. 44. 



48 ^ » — 

46 name des, hier wie dort, unschuldig angeklagten sohnes Broder 
stimmt weder zu dem nordischen Randver^ noch zu dem deut* 
sehen Friedrich (oben s. 31); aber der des trügerischen rath- 
gebers Bicco liegt dem nordischen Bicci näher, wovon jedoch 
Sibihho die unentstellte form ist [Haupts zs. 11, 292; 6, 458]« 
ßandver schickt seinem Tater vor seinem ende noch einen 
federlosen habieht, dieser versteht, wie bei Saxo, die andeutung; 
aber der befehl ihn vom gcClgen wegzunehmen^ kommt zu [q[>at; 
er ist schon todt. Saxo also, wenn er ihn noch zu rechter zeit 
retten lässt und in der art, wie das geschieht, erzählt eigen* 
thümlich; echt ist aber dieser zug kaum, da die sage überall 
darauf hinweist, Ermanrich habe sein eigenes geschlecht zu 
grund gerichtet. Schwanhild wird von pferden zertreten und 

47 Bicci lässt decken über sie legen, damit die thiere nicht den 
glänz ihrer äugen scheuen; Saxos ab weichung ist weniger gut. 
von den anreizungen des Bicco nichts in der nordischen sage, 
Gudrun allein treibt die brüder durch zaubertränke zur räche 
und gibt ihnen rüstungen, die keine waffe verletzt die tödtung 
eines theils ihrer des diebstahls verdächtigen leute bei Saxo ist 
ohne zweifei entstellung der sage^ wornach die brüder den Erp 
tödten, weil sie den argwöhn hegen, er werde ihnen keinen 
rechten beistand leisten, blindheit der feinde kennt die Edda 
nicht, aber sie drückt dasselbe natürlicher aus, wenn Gudrun 
den rächern anräth, in der nackt den Jörmunrek zu überfalleD 
und zu tödten. sie befolgen den rath und hauen dem konige 
hände und fvsze ab, wie bei Saxo, aber der grund \&\> auch an* 
gegeben, warum sie ihm nicht den köpf abhauen: weil nämlicb 
Erp fehlt, dessen beistand sie sich sdbvt geraubt hatten, der 
einäugige y das ist Othin (Saxo nennt ihn), räth die feinde mit 
ateinwürfm zu tödten. 

c) Man sieht, die Übereinstimmung mit der nordischen sage 
ist nicht gering und erstreckt sich auch auf kleine umstände; 
man könnte also wohl schlieszen, Saxo habe sie gekannt und 
benutzt, aber die deutschen lieder mochten leicht ein gleiches 
enthalten haben; was wir davon wissen (im chron. Qoedlinb. 
und ürsperg.), erlaubt diese vermuthung.^* viel bedenklicher ist, 
dasz wir bei Saxo den Dieterich von Bern nicht in die be- 
gebenheit verflochten sehen; Saxo müste eine dem Jornandes, 
der auch nichts von dem Dieterich von Bern weisz, noch näher 
stehende Überlieferung vernommen, und der name der Gudrun 

*^ P. E. Müller glanbt (flagenbibl. 2, 24$), dasz in der eriählung der 
Vilkina saga von den beiden söhnen der Erka, Ortvin iwd Erp, die in ge- 
Seilschaft mit dem jungen Theter gegen den Ermenrek aasziehen, eine 
dunkle erinnerung an den zug von Sörli, Hamdir und Erp liege, die vermntang 
ist scharfsinnig, doch di« äberein»timiMuig wäre gering; auch kommen die 
knaben in keine berührung mit Ermenrek. 



— da — 49 

aus dem nordischen sich eingeschlichen haben, för das umge-47 
kehrte, ich meine die deutsche abstammung, spricht ebenso 
nachdrücklich der umstand, dasz wir bei dem Saxo sonst nir- 
gends kenntnis dieses nordischen sagenkreiszes finden, welcher 
ohne zweifei in seiner geschichte von Dänemark einen grorzen 
platz hätte einnehmen müssen, das ist auch der grund, warum 
P. E. Müller in seinen Untersuchungen über Saxo (p. 127 ff.) 
glaubt, er habe hier aus deutschen gedichten geschöpft, mir 
ist nicht unwahrscheinlich, dasz eine mischung der deutschen 
und nordischen sage stattfand. 48 

d) Wie man sich aber entscheiden mag, die stelle des 
Saxo müste doch hier angefahrt werden, denn lediglich aus 
der deutschen sage geflossen ist die erwähnung der schwester- 
söhne Jarmerichs, die in Deutschland lebten und erdrosselt 
werden, es sind nämlich die beiden Harlunge^ Imhrecke und 
FntUe gemeint, die Ermanrich gefangen nimmt und an den 
galgen hängen lässt (oben s. 19. 31. 32). 

2) L. 13 p. 239 [Müller p. 638]. Magnus in der ab- 
sieht den herzog Canut hinterlistig zu ermorden, sendet einen 
Sachsen j sänger von gewerbe (quendam genere Saxonem^ arte 
cantorem), der ihm jedoch zuvor hat schwören müssen, ab und 
lässt ihn zu einer zusafnmenkunft einladen. Canut ohne mis- 
trauen reitet, nur von zwei kriegern begleitet, fort, hat sich 
nicht einmal gewaffnet und selbst das schwert erst auf anmah- 
nung genommen, tunc cantor, quod Canutum saaonici et ritus 
et nominis amantissimum scisset, cautela sensim instruere 
cupiens, cum jurisjurandi religio, quo minus id ageret, obstare 
videretur, quia liquido nefas ducebat, sub involucro rem prodere 
conabatur. — igitur speciosismni carminis contextu noümmam 
Grimüdae erga fratres perßdtam de industria memorare ador- 
8US, famosae fraudis eaemplo similium ei metum ingenerare 
tentabat. 

Die geschichte mag sich im jähr 1132 [am 7. jan. 1131; 
ZE. 32, dazu Haupts zs. 12, 386] zugetragen haben, und man 
darf die warnung des sängers nicht bezweifeln, da Saxo 
selbst nicht viel später lebte, es ergibt sich aus dieser stelle 
folgendes: 

a) Es ist hier von der sächsischen, d. h. der deutschen sage 
die rede, das lässt schon die abkunft des Sängers vermuten, 
aber in der sage selbst liegt auch noch ein beweis, die 
Schwester heiszt in der nordischen sage nicht Grimild, sondern 
Grudrimf und auszerdem kommt eine räche an ihren brüdem gar 
nicht vor; sie steht ihnen vielmehr bei und rächt sich nur 
an Atli. 

b) Die sage erscheint hier in ein kurzes lied gefasst, da 
unter diesen umständen eine ausführliche darstellung unmöglich 

WiLH. GBIMM, DBUT8CUB HBLDBtISAOB. 4 



50 34. 35. 35^- 



48 war; dergleichen haben sich in den dänischen kämpeviser 
erhalten. 

c) Die dichtung von der Grimild war allbekannt (notissima), 
denn der sächsische Sänger durfte ein augenblickliches Verständ- 
nis der anspielung bei Canut voraussetzen. 



34. 

Arnoldus lubec. schrieb zwischen 1171 — 1209. 

L. 7 c. 18: quo (Tridento) relicto venit ad transitum 
49 arduum inontibus praeclusum, qui Veronensium clusa dicitur, 
ubi castrum est firmissimum, quod ex longa antiquitate wrbs 
Hüdebrandi dicitur. ^^ [vgl. p. 232; DHB. 1, Lii.] 



35. 

GoDEFRiDüs MONACHüS COLON. Seine annalen gehen von 1162 
bis 1237. bei Freher 1. Francof. 1624. [annales maxim. Colon. 
MG. SS. 17, 804.] 

p. 262. eodem etiam anno (1197) quibusdam juxta Mo- 
sellam ambulantibus apparuit, phantasma mirae magnitudinis in 
humana forma equo nigro insidens, quibus timore perculsis id, 
quod videbatur, ad eosdem audacter accedens ne pertimescaBt 
hortatur, Theodoricum quondam Veronae regem [Theodericum 
qtiondam regem Veronae , al. Theodericum Bernensem] se nomi- 
nat et diversas calamitates et miserias superventuras Bomano 
imperio denuntiat. haec et alia plura cum eisdem contulit et 
ab eis recedens equo, quo sedebat, Mosellam transivit et ab 
oculis evanuit. 

Hierzu gehört die sage von Theodorichs ende, die Otto von 
Freisingen anführt (oben s. 38) [Haupts zs. 12, 334]; er zeigt 
sich als wilder Jäger, dessen erscheinung krieg und nnglück 
ankündigt. 



35b- 

Genealogia viPERTi, coMiTis GRoiGENSis (ed. R. Reineccios 
1580). von einem mönch aus dem kloster Pegau, wahrschein- 
lich noch im zwölften Jahrhundert [1155. 1156] aufgezeichnet, 
[annales Pegaviens. MG. SS. 16, 234.] 



13 



dies, wie das folgende, mitgetheilt von Lachmann. 



35»>- 51 

EmelriiMSy rex Teutoniae, comitem Ditmm^um [Theutoniaey 
Dietmarum]^ Verdunemem et Herlibonem Brandenburgenaem 
[Brandeburffenaem] fratres habuit. Herlibo tres filios, scilicet 
Emelricum, Vridelonem et Herlibonem, qui Harlungi [Harlongi] 
sunt nuncupati, genuit. 

Der mönch setzt berühmte beiden aus unserm sagenkreisze 
an die spitze der genealogie Wiprechts von Groitsch. Erman- 
rieh, den er Emelrich schreibt, ist hier deutscher könig, eine 
Veränderung, die nicht nothwendig von ihm herzurühren braucht. 
Ermanrich hat ganz richtig zwei brüder; der eine heiszt Diet- 
mar Verdunensis, ohne zweifei entstellung aus Veronensis; der 
andre, der vater der Rarlunge y dessen name immer wechselt 
(vgl. 8. 186. 264), abermals abweichend, Herleip, denn so er- 
kläre ich Herlibo; Brandenburg wird ihm zugeschrieben statt 
des sagenmäszigen Breisach, seiner söhne sind, merkwürdiger 
weise, wie in der Flucht drei (s. 185. 186. 204), nicht wie sonst 
zwei, in Emelricus und Vridelo ist offenbar Imbrecke und Fri- 
tue (s. 148) enthalten; der dritte unbekannte aber fuhrt wieder 
des Vaters ungewönlichen namen Herleip. [der Harlungeberg 
bei Brandenburg (s. 38. anm. 6) zeigt dieselbe anknüpfung der 
sage; das süddeutsche Breisach lag der norddeutschen sage zu 
fern, auch ist Ermenrich später nur römischer kaiser als rex 
Theutoniae.] 



ZWEITE ABTHEILÜNG. 

VON DEM ZWÖLFTEN BIS ZUM SECHSZEHNTEN 

JAHRHUNDERT. 



36. 

Loblied auf den heiligen anno. 

Wir horten ie dicke singen 
von alten dingen : 
wie snelle helide vähten, 
wie 81 veste bürge brechen (1. brächen), 
wie sich liebin winiscefte schieden, 
wie riche künige al zegiengen; 
50 nü ist cit daz wir denken, 

wie wir selve salin enden. 

Der dichter wendet sich ab von den alten sagen und dem 
oft vernommenen geaange derselben zu ernsten, geistlichen 
betrachtungen. er scheint auf die Nibelunge noth anzu- 
spielen, und den inhalt des liedes im allgemeinen anzugeben: 
kämpfe, trennung von freunden, Untergang mächtiger könige. 
[ZE. 37, 1.] 



37. 

KÖNIG RUTHER. (Heidelberger handschrift). [Haupts zs. 6, 
446 ff.; 7, 262.] 

1) Schauplatz der sage ist Italien und Griechenland, die 
begebenheiten sind roh an die geschichte geknüpft: der römische 
könig Ruther (kuninc van Rome 3905) entführt von Kou- 
stantinopel die tochter Konstantins des groszen und der söhn 
beider ist Pippin, der vater von Karl dem groszen. man würde 



37 53 

schon deshalb eine ungeschickte fortbildung voraussetzen können, 50 
wenn auch nicht die Vilkina saga eine zwar später aufgefasste, 
aber einfachere darstellung erhalten hätte, welche sich von 
jenen historischen beziehungen völlig frei zeigt. wer sie hier 
zugefügt habe, ist schwer zu sagen, und nur so viel gewis: 
nicht der Verfasser des Werkes, das -wir besitzen, es bezieht 
sich auf gleich näher zu berührende begebenheiten, welche nur 
zu dieser gestaltung passen, deren sonstige Verbreitung in der 
folgenden zeit anderweitige Zeugnisse beweisen. allein unser 
dichter nennt auch deutlich seine quelle : ein lied (uns sagit daz 
liet 27*; in, den freigebigen beiden, lobit daz liet28*), oder, 
womit er ohne zweifei dasselbe meint: ein buch (als uns daz 
buoch gezalt hat 49^; der pl. in den übrigen stellen: iz ne 
haben diu buoch gelogen 1. 6**, des beherdint diu buoch die 
wärheit 67, der sich ursprünglich vielleicht auf die verschiede- 
nen exemplare eines werks bezog, scheint blosze redensart, 
deren sich z. b. auch der Überarbeiter der Klage 35. 67 Lassb. 
bedient). 

üeber den Verfasser dieses buchs besitzen wir freilich 
keine nachricht. indessen die erwähnung der örtlichkeiten von 
Konstantinopel, der poderamushof (hippodromus 13*^, 23^, 65**), 
führt darauf, dasz er diese Stadt mit eigenen äugen könne ge- 
sehen haben. und hält man die vergleichung , die Wilken 
(kreuzzüge 2. anhang) zwischen dem Konstantin des gedichts 
und dem griechischen kaiser Alexius angestellt, im ganzen für 
nicht ungegründet; wobei besonders der umstand, dasz diesem 
ein gezähmter lieblingslöwe von einem kreuzfahrer, wie im ge-6l 
dichte jenem von dem riesen Asprian (unten s. 248), getödtet 
wurde, in betracht kommt ; so ist die Vermutung wohl zuläszig, 
dasz der dichter jenes untergegangenen, früheren liedes selbst 
ein kreuzfahrer war. er mochte, da Rother von Bare nach 
Konstantinopel sechs wochen zur überfahrt nöthig hat (52*), 
was wol die entfernung für die damalige schifffahrt ganz rich- 
tig angibt, über Italien zur see den weg gemacht haben. (Otnits 
gesandten kommen in sechszehn tagen nach Konstantinopel, 
Wolfdietr. f. 61**; auch zurück 62*; andre in zwölf ia^en 64**; in 
zwanzig tagen von Ga.rten nach Konstantinopell78**.) man dürfte 
annehmen, dasz er im anfange des zwölften Jahrhunderts die ein- 
heimische sage umbildete und dasz etwa nach fünfzig jähren 
sein, schon durch Zusätze erweitertes werk von unserm dichter 
neu bearbeitet wurde, eine lateinische abfassung jenes buchs 
vorauszusetzen, sehe ich aber keinen grund: es kommen keine 
lateinischen Wörter vor; ein gedieht (liet) war es in jedem falle, 
wer aber lateinische verse " zu machen verstand , hätte etwas 
besser in der geschichte bescheid gewust und Konstantin und 
Karl den groszen nicht so nahe zusammengerückt. 

2) Ruther hat einen meister: Berthe?', herzog von Heran. 



54 37 

51 er erklärt selbst sein näheres Verhältnis zu dem könige in fol- 
gender stelle (bl. 73): 

'der minir genoze 

quamen sechscene 

vf ir alemene 

vnd clagitin trat herre min 

deme liebin vater din 

der lac in sinin ende 

vnd beualch dich mir bi der hende 

sit han ich dir bigestan 

daz dir nichte in (1. nicht ein) man 

argis nicht ne bot 

her hette uns beide gedrot.' 

Den rath des alten (üf den gürtel ginc ime der hart 40**, 
vgl. 36. 57) fordert Ruther in jeder schwierigen angelegenheit 
*(7). sieben söhne Berthers, nur die beiden ältesten, Leupold 
und Erwin^ sind genannt, waren als boten Ruthers nach Kon- 
stantinopel geschickt und dort ins geföngnis geworfen worden, 
der könig, darüber in sorge, rathschlagt mit dem vater über 
ihre befreiung. hier erfahren wir mehr von ihm (bl. 7): 

'also redete do Berter der alte man 

er was ein graue von Heran 

ich hete eilif svne herlih 

der zvelte (1. zvelfte) hiez Helfrich 

den aantes du über ehe [1. Elve. Lachmann.] 

mit vil grozer menige 

52 da vor er hereverte 
und manige stvrme herte 
da er die heidinen quelete 
die sunder ewe leueten 

an godes dienste wart er iralagen 
den ne muge wer nummer verclagen 
nu sin ir sibene an desse vart 
7* owi daz ich ie gebom wart 

ich uil weuieger (1. weineger) man 
* waz ich lieber kinder virlorin han 

Lupolt ende Erevin 
waren die eldesten sune min 
sowanne ich der vunuer verdage 
diese zvene ne mach ich nimmir virclagen.' 

Von jenem Helferich, der, wie es scheint, auf einen kreuz- 
zug ausgesendet, in Syrien, [vielmehr jenseit der Elbe^ im 
Slavenlande, Haupts zs. 6, 450] fiel, kommt sonst nirgends 
etwas vor; auch von den fänfen, die mit den beiden genannten 



37 55 

söhnen zu Konstantinopel gefangen liegen, ist nicht weiter die 53 
rede, überhaupt musz sich hier die sage verwirrt haben, denn 
war nur der eine Helferich umgekommen, so müsten, wenn 
auch sieben gefangen lagen, noch viere bei dem vater zurück- 
j^eblieben sein, und diese sind völlig vergessen. Erwin und 
Leupold werden noch einmal ausdrücklich gerühmt (bl. 62): 

' — Erwin der sich ie uorenam 
sva man uromicheide began 
uro unde spade 
he konde wol geraden 
eime gotin knechte 
daz ime sin dinc recte 
beleif unz an sin alder 
den mochte man wole behaldin 
nach den ginc ein wis man 
Luppolt von Meylan 
62^ der hatte in sime lande 
gewonit ane scande 
vnde was durchnechte 
bit züchten an ouerbrechte 
he wiste wol ze rechte 
en betten gode knechte 
geuort biz he suert nam.' 

Als Pippin, Ruthers söhn, zu Achen das schwert empföngt, 
erscheint der steinalte Berther und räth dem Ruther der weit 
zu entsagen. 

Die Vilkina saga erzählt, dasz die zwölf ritter, welche die 
Werbung überbrachten, ins gefangnis geworfen wurden, aber 
von Berther, herzog zu Meran, und .dem, was unser deutsches 53 
gedieht von ihm und seinen söhnen berichtet, ist dort keine 
spur, der Untersuchung wegen und ohne etwas zu behaupten, 
will ich einen zusatz darin sehen, und als solcher wird er uns 
merkwürdig, weil wir diesen Berther mit dem Bechtung Wolf- 
dieterichs in einem zwar dunkeln, aber unbezweifelten Zusam- 
menhang erblicken und beide ein und dieselbe person zu sein 
scheinen, welcher der älteste und ob einer original ist, getraue 
ich nicht zu entscheiden. Bechtung steht zu Wolfdieterich ^p 
demselben Verhältnis wie Berther zu Ruther, wozu noch kommt, 
dasz der könig auf der fahrt sich den falschen namen Dieterich 
gibt, und zwar ebenso in dem deutschen gedichte, wie in der 
Vilkina saga. Bechtung heiszt gleichfalls herr von Meran ^ ist 
meister des ihm von dem sterbenden vater empfohlenen Wolf- 
dieterich und wird als ein alter mann mit grauem harte be- 
schrieben, er hat nicht zwölf, sondern sechszehn söhne, viel- 
leicht war aber auch hierin sonst völlige Übereinstimmung, da 
wir im Ruther bei diesem umstand Verwirrung der sage ver- 



56 37 

ft3 muteten und Berther einmal in der vorhin angefEÜirten stelle 
(bl. 73) dunkel von sechszehen genossen spricht, dieser söl^ne 
Bechtungs werden sechs erschlagen im kämpfe gegen Wolf- 
dieterichs brüder, die andern zehne gerathen in Konstantinopel, 
gleich Berthers söhnen, in gefangenschaft und ihr herr ist, wie 
Ruther, beständig auf ihre befreiung bedacht, spricht sie ein- 
mal wie jener, in einer Verkleidung, und die sorge und trauer 
über ihre läge kommt zwischen allen abenteuern immer wieder 
zum Vorschein, auch dem Wolfdieterich gelingt es endlich, sie 
zu befreien, und nur darin zeigt sich ein hauptunterschied, dasz 
der alte Bechtung bei seinen söhnen in der gefangenschaft sich 
befindet und darin vor ihrer erlösung stirbt.** 

3) Als Ruther sich auf die fahrt nach Konstantinopel be- 
gibt, wird könig Amalger von Tengelingen zum reichsverweser 
bestellt (bl. 1 1). bei seiner rückkehr findet Ruther den zustand 
verändert (bl. 42): 

'do was emeger (1. Emelger) dot 
die lant alle uerstorot 
van 868 marcgravin 
die woldin Uademaren 
54 zo eime koninge han genomin und gehuet 

de was ein riche herzöge 
geboren uon Diezen 
die Rother gehiezen 
trowen biz he queme 
die werthin die crone 
deme riehen eruelosan man'* 
unze lofhart (1. Wolfra£) daz swert genau 
aenim schonim ringe 
der was von Thendelinge 
des koningis Amelgeres sune 
iz ne quam van eineme sinin kunne 
also manich ture wigant 
beide liude unde lant 
die beherte der ture man 
biz Rother wiederquam.' 

Der krieg nach Amalgers tod zu gunsten Hademars von 
Üiezen und dessen Unterdrückung durch die treu gebliebenen 

'* eine beziehnng auf den schon 1140 in nrknnden genannten grafen zu 
Andechs Berthold III. scheint gewis. den titel eines herzogs Yon Meran 
(d. h. Dalmatien) erhielt er nach Hormayr (werke 3, 167. 177) erst 1181. 
warde er nicht schon vor kaiserlicher bestätigudg geführt, so müste das ge- 
dieht in noch spätere zeit fallen, während doch die spräche älter scheint, [vgl. 
zu Athis B. 51.] 

'^ erbelös heiszt hier Rüther, weil er noch keinen erben hat; vgl. Eneit 
8102; Klage 897 (so auch Athis F 128, Erad. 70). 



37 57 

Vasallen muste anderwärts näher beschrieben sein. frohere 54 
Schicksale Amalgers, die ebenso unbekannt sind, erwähnt Wolf- 
rat gelegentlich (bl. 49): 

'Berker der riche 

der tede uromeliche 

do min uatir was uertriuen 

he gewan ime sin lant imder, 

he ersluch Eluewine 

einen herzogen uan Rine 

der was ein ureisclicher man 

her hatte uns niichil leith getan.^ 

Wolfrat von Tengelingen war mit Berther von Meran ver- 
wandt, denn er nennt den Leupold trüt neve min (49^. 60), 
und das erwriedert jener; aber auch mit dem könige Ruther 
(zu dessen geschlecht mithin auch der alte Berther gehörte), 
wie Wolfrat selbst sagt (bl. 49): 'der herre ist min konlink'. *** 
überall zeichnet er sich durch seine tapferkeit aus und erhält 66 
zur belohnung Oestreich, Böhmen und Pohlen (96**). er und 
sein forstliches geschlecht werden noch in einer stelle ausdrück- 
lich gepriesen (bl. 62): 

'er was von Tengelingen 

der duresten diete 

riche an ouermude 

mit wisdumis sine (1. sinne) 

der liez ouch sime kunne 

daz to imer uorsten namen hat 

die wile daz dise werelt stat.' 

Von allem diesem in der Vilkina saga auch nicht eine 
andeutung. 

4) Ein graf Ai^nold fahrt ein schwert Mal (4153); vgl. 
Wolfharts schwert Male im Rosengarten bruchst. 371. 



*^ seinen sitz hatte er in Baiern [Fridericus comes de T englingen et filii 
ejus Sige\rardas et Fridericus a. 1072; Huber Austria Melicens., Haupts zs. 6, 450}, 
denn von da fuhrt er dem könige beistand zu, bl. 51 b: 

Sn pellinen rockin 

quam die berische (1. beierische) diet 
iz ne belochte nie chein lith 
^ also manichen heim guth 

mit golde wol gezierot 
dan der hclet Wolfrat 
sinme neuen hette bracht 
iz scienet den Beyeren imer mer an 
da ist noch manich watziere man.' 



58 38. 89 



55 38. 

Pfaffe konrad. dichtete zwischen 1173—1177 das lied von 
Roland, darin sagt der kaiser Karl zu dem könige Oigir von 
Dänemark (bl. 107»): 

unt du, belt Oigir, 

vil wol getriuwe ich dir. 

du bist des Wätens kunnes, 

dune weist niht übeles, 

du hast rehte eines lewen muot 

Ich glaube, man musz lesen Waten; leider ist der cod. 
Pal. an dieser stelle der einzige, Stricker hat sie ganz über- 
gangen, ich sehe darin eine beziehung auf Wate in Dieterichs 
flucht ['vielmehr in Gudrun.' Jac. Grimm, vgl. s. 331.] er 
dient mit Wittich bei Ermenrich und beide werden als die 
tapfersten zu anführern seines heers ernannt (6199. 6209. 6270). 
mit Dietleib war er in streit gerathen (3907 — 3951) und wird 
von ihm hernach im kämpfe getödtet (6690—6759). vielleicht 
ist es nicht zufallig, wenn die worte Konrads mit Dietleibs aus- 
ruft nü lät den lewen ab der ketten (3940) übereinstimmen, es 
scheint eine hindeutung auf die riesennatur Wates, die in dem 
altern gedieht von Dieterichs flucht deutlicher konnte ausge- 
drückt sein, und erinnert an den in ketten gelegten riesen 
Widolt im könig Ruther. möglich, dasz zwischen diesem Wate 
und dem riesen Wade, den wir aus der Vilkina saga kennen 
und dessen enkel Wittich ist, ein Zusammenhang besteht. 
[Haupts zs. 6, 62 ff*.] 

66 39. 

Heinrich von veldeke. [ZE. 27, 1.] 

Nach der Eneit sendete Vulkan dem Aeneas ein gutes 
Schwert: 

5692. daz scharfer und harter was 

den der guote vke sahs (1. Eckesahs). 
noch der maere Mtminc^ 
noch der gute Nagelrinc, ' "^ 

*^ den cod. Berolin. zu vergleichen ist herr W. Wackernagel so gütig 
gewesen : 

78» *daz /charf im herter wa/ 
danne d^ chune ecch^ab/ 
. . n der mare minminch 
noch d^ gute nagelrinch.' 
[vgl. Mone heldens. s. 90]. 



39 59 

Ueber Eckesafas* gibt die Vilkina saga (c. 40) genaue aus- 56 
kunft. zwerg Alfrik, der berüchtigte dieb, schmiedete dieses 
Schwert unter der erde, doch bevor es vollendet war, suchte er 
in neun königreichen nach dem wass^, worin er es härten 
konnte, bis er es in dem flusse Trey ('Treya' und in einer 
ändern handschrift 'Troia') fand, der griff daran ist golden, 
der knöpf glänzend wie glas, die scheide mit gold ausgelegt 
und das ganze gehenk überdies mit edelsteinen besetzt, wenn 
man die spitze seiner leuchtenden und mit gold ausgelegten 
klinge auf die erde setzt, so scheint eine goldene schlänge zum 
griff hinauf zu laufen, vor seiner schärfe besteht kein stahl, 
das Schwert war gestohlen und lange verborgen. Alfrik, der 
grosze dieb, schlich sich in den berg, den heimlichen aufent- 
haltsort seines vaters, entwendete es ihm und gab es dem könig 
Roseleif, (nach andern handschrifben Rozeleif, Rutseleif), wo es 
wohl verwahrt wurde, bis es der junge Roseleif trug, der man- 
chen mann damit tödtete (s. Rudlieb, lateinische gedichte des 
zehnten und elften Jahrhunderts s. 220). seitdem erhielten es 
viele königssöhne. das erzählt Ecki, der es jetzt besitzt und 
damit gegen Thidrik kämpft; nach Eckis tod fö^llt es dem 
sieger zu, er gebraucht es späterhin den Niflungen gegenüber 
(c. 363) und tödtet einen riesen damit (c. 392 Rafn). 

Auf eine seltsame und dunkle weise erscheint in diesem 
berichte der verfertiger des Schwerts zugleich als dieb dessel- 
ben, er muste das schwert im dienste seines vaters gearbeitet 
haben, dem er hernach den besitz davon misgönnte. wahrschein- 
lich gab es eine besondere, jetzt verlorene sage, worin das alles 
erzählt wurde, in dem gedichte von Ecken ausfahrt hat sich 
dieselbe hindeutung ziemlich übereinstimmend erhalten, nur 
Albrich wird nicht genannt und die übrigen namen sind theils 
andere, theils völlig entstellt und unerklärlich. eine merkens- 
werthe abweichung scheint mir jedoch darin zu liegen, dasz 
drei zwerge Eckesachs schmiedeten, ist das der echten sage 
gemäsz, so dürfte man wol die Vermutung wagen, in jenem ver- 
lorenen gedieht sei Alberich ein bruder Wielands gewesen und 67 
auch der dritte bruder, den die älteste darstellung in der Edda 
kennt, habe nicht gefehlt, ich habe dabei die oben (s. 43) an- 
geführte stelle aus dem altfranzösischen Fierabras im sinn, weil 
auch sie von drei brüdern redet, welche Schwerter schmiedeten, 
und Galand unbezweifelt Wieland ist, in Ainsiax aber eine, 
freilich arge, entstellung von Alberich liegen könnte, ja viel- 
leicht lässt sich Übereinstimmung in einem einzelnen zug nach- 
weisen: Ainsiax fit l'espee, laquelle avoit le pommeau dÜor Jnen 
peinct^ von Eckesachs wird aber der glänzende knöpf nicht blosz 
in der Vilkina saga, sondern auch in dem deutschen gedieht 

« 

* vielleicht schon den Angelsachsen bekannt, Haupts zs. 12, 262. 



60 39 

57 als ein edelstein gerühmt, ich lasse jetzt die ganze stelle aus 
der Dresdener handschrift folgen: 

74. (85. Hagen.) 'Ach h#ld nun ker her an mich 

vnd ein vil gut swert das hab ich 

das machten draw gezwerge 

für war daB Sachen vns die pucher 

sie wurckten do wunders genuchr 

in eynem hellen perge 

zu taUentz antrob beschlagen 

gehert wol in zwelf jaren 

du machst das swert mit eren tragen 

das sag ich dir für waren 

vnd der des swertez maister was 

der macht im paidt gehiltz vnd knöpf 

gar lauter als ein spigel glaz 

75. Mit goldt vmbwunden pey der haut 
sein knöpf der ist ein iochant 

sie machten im ein schaiden 

vnd rot gülden sein im sein schal 

vnd bey den reiffen hin zu tal 

der langt seyn enckel peyden 

es wart gepogen vnd beschlagen 

geziret mit den henden 

zun kollen wart es hingetragen 

sint hotz zu mangen enden 

mit grossem wunder ye gemacht 

zu tragant in dem lande 

vnd do ward es erst gar volpracht 

76. Vnd also lang was es verholn 
vnd das vil gut swert wart gestoln 
von zweyen argen dibenn 

das waren zwey wilde gezwerck 
mit listenn kamez in den perck 
^^ dem konig weigant von yban 

dem prochten siz zu eyner gab 
der kundes wol behalten 
das es von gute nit nam ab 
mit streit mer wart verschalten 
piz das sein sun war zu eim man 
ach got was kuner helde 
do yren tot namen dovon 

77. Greim leibe es zum erst versert 
den helt gabein es streiten lert 



39 61 

do er erst streitenn wolde 58 

do er den rissen groz erschlug 

er thet jm laides gar genug 

als er von rechte solte 

er gab es do gen Gochereim 

durch seynen vber mute 

do den vil edeln konigein.' 

Schon vorher (50) ist es 'sachs' genannt worden. Ecke 
kommt noch einmal darauf zurück: 

83. 'Nun loz dir von dem swerte sagn 
das ist so maysterlich beschlagn 
vnd auch gar wol zum pesten 
mit namen ist es sdchs genant 
in allen landen gar wol derkant.' 

Späterhin heiszt es her Ecken sachs (187). in dem alten 
druck ist die ganze herkunft des Schwertes ausgelassen und nur 
kurz gesagt: 

66. 'Nun kere held her an mich 
ein gutes schwert das trage ich 
das worchten die gezwerge 
das sag ich dir du koner man 
sy worchten wüders gnug daran 
jn einem holen berge 
vor langer zeite zu tierol 
wardz gemacht on alle scharten.' 

Dagegen wird hier allein erzählt, dasz Dieterich vergeblich 
versucht habe, das schwert zu zerbrechen; der stärkste hieb 
schadete ihm nicht, im Biterolf erscheint Dieterich im besitze 
des Schwertes: 

9268. vil krefticlich an siner haut 
huop Dieterich daz alte sahs. 

12267. da was ouch dozes genuoc, 
da daz alte sahs erschal, 

daz dicke üf und ze tal 59 

gie an Dieteriches haut. 

Wahrscheinlich ist jedesmal Eckesahs zu lesen, sehr 
zweifelhaft aber, ob dennoch hier, so wie bei Heinrich von 
Veldeke die beziehung auf den riesen der sage stattfand, da 
in dieser Zusammensetzung ecke nicht mehr bedeuten könnte. 



62 40. 41 

59 als in dem eigennamen Eckenöt. erst da, wo man, wie wir 
vorhin gesehen haben, her Ecken sahs erklärte^ konnte man 
auch darauf verfallen, die allgemeine benennung sahs als eigen- 
namen gelten zu lassen. 

Das andere seh wert Nagelrinc hat nach der Vilkina saga 
gleichfalls der zwerg Alfrik geschmiedet. Thidrik erbeutet es 
von dem riesen Grim (c. 16) und schenkt es hernach dem 
Heime (c. 88). [Haupts zs. 12, 386. 279.] der dichter des 
Biterolf lässt es oft in der band des beiden erklingen (1O550. 
10920. 10942. 12274. 12869. 12974); auch im Alphart (450) 
und im Rosengarten wird es gepriesen. (Nägling im Beo- 
wulf?) 

Miminc, nach der Vilkina saga (c. 23) und dem Biterolf 
(157) Velints arbeit (als solche wird es auch im gedieht von 
Hörn childe s. 278 anerkannt), scheint das berühmteste aller 
Schwerter [Haupts zs. 12, 277. 365 f.]. Vidga leiht es dem 
Thidrik, weil dieser sonst den Sigurd nicht überwinden kann, 
als nach der altschwedischen Vilkina saga Didrik zuletzt an 
Wideke sich rächen will, bringt er zuvor Miming bei seite, ge- 
stattet seinem gegner aber sonst das beste schwert im Zwei- 
kampfe gegen ihn zu brauchen, nach Widekes fall behält 
Didrich den Miming und wirft ihn weit in einen see, so dasz 
er nie wieder in eines menschen band kam. Wittich führt ihn 
auch in dem Biterolf (178. 8558. 11089. 12272), Rosengarten, 
Alphart (450) und der Rabenschlacht (102. 411. 901). [Laurin 1577 ^ 



40. 

EiLHARD VON HOBERGEN im Tristraud (cod. Dresd. und 
Pal.): 

Man seit von Dietertche (her Dietrich P.) 

da vaht so gar vreisliche (so genendenclich P.) 

Kehenis und Tristant, 

daz Dietertch noch Hüdebrant (her Dietrich P.) 
nie so vile mohte getuon. 



41. 

Walther von der vogelweide, den wahren namen der ge- 
liebten in einem liede zu nennen galt für unschicklich (Prauend. 
21^' Nith. Ben. 318. 5, 7). der dichter beantwortet zudring- 
60 liehe und unbescheidene fragen nach verdienst, indem er, der 



42 63 

Wakher heiszt, seiner geliebten den namen Südegunt beilegt 60 
(74, 19), mit anspielung auf die sage von beiden. Uhland 17. 
Lachmann 189. 



42. 

Wolfram von eschenbach. 

1) ParcivcU. landgraf Kingrimursel wirft in einem wort- 
streit dem herzöge Liddamus vor, man habe ihn noch nicht 
voran im kämpfe gesehen, der herzog erwidert unter anderm: 

12544. (420, 20. 1'»») Ich wil durch niemen minen Up 
verleiten in ze scharpfen pin. 
waz Wolf hartes solt ich sin? 
mirst in den strit der wec vergrabet, 
gein vehten diu gir verhabet, 
wurdet ir mirs nimmer holt, 
ich taste e als Rüinolt^ 
der künec Gunthere riet, 
do er von Wormz gein Hinnen sohlet: 
er bat in lange sniten bcen 
und inme^^ kezzel umbe drcen. 
(421.) Der lantgräve ellens riche 
sprach: ir reit dem geliche, 
als manger weiz an iu für war 
iwer zit unt iwer jär. 
ir rät mir dar ich wolt idoch, 
und sprecht, ir tast als riet ein koch 
den küenen Nibelungen^^^ 
die sich unbetwungen 
üz huoben, da man an in räch, 
daz Stfride da vor geschach. 

Wolfharfs nicht zu ersättigende Streitlust ist bekannt, in 
der Nibelungen noth will er (2239, 3) nicht beklagt sein, weil 
er von königshänden niedergeschlagen worden; die Klage er- 
zählt (844), man habe ihm noch im tode das schwert nicht 
aus den bänden brechen können, und nach dem Biterolf (11415) 
ermüdet zwar seine band, aber er selbst wird des kampfes 
nicht satt. 

'^^ in den sämmtlichen stellen Wolframs der text nach Lachmann, auf 
dessen abtheilung sich die eingeschlossenen zahlen beziehen. 

'® in einem die älteste Münch., in sime StGall., in sinem oder in sinen 
die übrigen. 

'° Niblungen StGall., nebulungen Heidelb. 364. 



64 42 

61 Die beziehung auf den küchenmeister RumoU in der Nibe- 
lunge noth ist deutlich; koch nennt ihn wohl nur der land- 
graf, um den gegner herabzuwürdigen. ob aber die worte: 
er bat in lange sniten bsen und inme kezzel umbe draeü 
ironische erweiterung Wolframs sind, oder in der darstelluag 
des gedichts, die er kannte, wirklich vorkamen, ist jetzt un- 
möglich auszumachen; in unserer Nibelunge noth (vgl. 1408) 
findet man sie freilich nicht, und die Klage lässt sich bei 
ihren andeutungen nicht auf solche einzelheiten ein. übrigens 
scheint Wolfram räche für Siegfrieds mord als den eigentlichen 
Inhalt anzusehen, und das ist unserm gedichte angemessen. 

2) Parcival 12577 (421, 23—28): 

Sibeke nie swert erzoch, 

er was ie [bi den] da man floch: 

doch muose man in flehen: 

groz gäbe und starkiu lehen 

enphie er von Ermenrtche'^^ genuoc: 

nie swert er doch durch heim gesluoc. 

Sibich flieht mit Ermenrich in der Schlacht bei Bolonje 
(Flucht 9787) und bei Raben (863), wo ihn Eckhard gefangen 
nimmt und quer aufs rosz bindet (362), im Alphart bricht 
Sibich sein zeichen vom heim, um von Eckehard, der ihn auf- 
sucht, nicht erkannt zu werden (446) und flieht dann mit seinem 
herm (353). Heime in der Vilkina saga (c. 265) behandelt ihn 
als einen feigen und schlägt ihn ins gesiebt, und ich weisz 
nicht, ob es echte sage enthält^ wenn am ende (c. 279) gegen 
Alebrand er sich tapfer wehrt, bis er getödtet wird, denn 
früherhin (c. 308) flieht er zuerst in der schlacht. nirgends 
sonst erscheint er wirklich im kämpf. Wolfram, indem er die 
bemerkung macht, zeigt doch genaue kenntnis der sage. 

3) Wilhelm S. 179» (384, 20): 

swaz man von Ezzelen ie gesprach 
und ouch von Ermenriche^'^^ 
ir strit wac ungeliche. 
ich hoer von Witegen dicke sagn, 
daz er eins tages habe durchslagn 
ahtzehen tüsent, als ein swamp 
heim: der also manec lamp 
gebunden fiir in trüege, 
obers eines tages erslüege 

62 so wser sin strit harte snel, 

ob halt** bescheren waern ir vel. 

«° Ermnriche StGall. 
*» halp StQaU. 



42 65 

(385.) Man sol dem strite tuon sin reht, 62 

da von diu maere werdent sieht. 

Ob Wolfram wirklich in einem volksliede so ungeheure 
thaten Wittichs vernahm, oder ob er, damit seine lehre, bei der 
erzählung der sage nicht zu übertreiben, recht anschaulich 
werde, auch hier sich ironisch ausdrückt, könnte man für un- 
gewisz halten, ich würde das erstere zu glauben geneigt sein, 
wenn ich auch nicht wüste, dasz der dichter des Biterolfs sich 
auf ähnliche art äuszert: 

10589. swie dicke Witege Met getan, 
daz man vür vmnder hat geseit, 
si muosten mit ir schare breit 
wider wichen hinder sich 
die recken also lobelich. 

. Und die hierauf bezüglichen worte (Hildebrands , wie ich 
glaube) scheinen überhaupt Wittichs und seines gesellen Über- 
mut zu strafen: 

10625. mir liebent vast disiu dina, 
daz daz hiute ist geschehen, 
daz ich wichen hän gesehen 
Witegen unde Heimen die degen. 
ich hört (si) ie sich selben wegen 
wider ein breitez her; 
nü sint si küme mit ir wer 
von dem küchenmeister komen, 
daz sie nicht schaden hänt genomen. 

Zwar in den erhaltenen gedichten kann ich kein beispiel 
von einer so übernatürlichen tapferkeit finden, dagegen das an- 
gewandte gleichnis, den heim wie einen schwamm durchhauen 
das vielleicht höfischen dichtem nicht gefallen hätte, in Ecken 
Ausfahrt (83 Dresd. hs. =94 Hagen) nachweisen: 'kein heim 
wart so vesten man schrit in do mit (mit dem Schwerte Sachs) 
als ein swan\ und im Siegenot (43 H.) zerhaut Dieterich den 
wilden mann 'als ob er wer ein weicher 8wam\ ('Kose er 
(Otnit) erborte, ein bein er im (dem riesen Welle) abe schriet, 
Ueht als es wer ein weicher 8wam\ Wolfd. f. 96*^. er zerhiu 
sie als ein swam. Daniel von Blumenth. 70*^.) 

4) Wilhelm s. 197» (439, 10—19): 

Rennewart kom durch den pfasch 
ze fuoz geheistiert her nach, 
da er mit manger rotte sach 
sinen vater den alten, 

WiLH. Grimm, duutsohb hbldbksagb. *' 



66 43 

der jngent geliche halten 
mit unverzagetem mnote. 
meister Hüdebrands vrou Uote^ 
mit tritcen nie gebeite baz, 
denn er tet** maneger stoije naz 
mit blaote begozzen. 

Rennewarts vater, der unverzagte Terramer, wartete treu- 
lich seiner blntenden, znrfickgetriebenen sehaaren; frau Ute 
konnte mit nicht gröszerer treue auf meister Hildebrand war- 
ten, zwar kennen die gedichte die anhänglichkeit der frau Ute, 
und sie wird im Siegenot (126. 128. Hagen) schön ausgedrückt, 
als Hildebrand sich rüstet seinen herm aufzusuchen; aber ich 
glaube, Wolfram meint hier die treue, womit die zurückgeblie- 
bene des mit Dieterich zu den Hünen geflüchteten Hildebrands 
während der langen abwesenheit wartet, und bezieht sich ganz 
eigentlich auf ihr wiedersehen, das höchst wahrscheinlich am 
verlorenen Schlüsse des alten bruchstücks näher beschrieben 
wurde, den wir nur aus dem spätem volksliede kennen, da die 
Vilkina saga sich zu allgemein ausdrückt. 



43. 

NiBELUNGE NOTH. 

1) Die innere beschaffenheit des g^dichtes legt zeugnis ab 
von dem früheren zustande desselben, noch erfiillt von dem 
ersten eindrucke und dem lebendigen geiste, der hier zu uns 
redet, bewundern wir ein vollkommenes, ganzes werk, das von 
einem mittelpunct aus in stätigem fortschreiten zu einer grosz- 
artigen und furchtbaren lösung der verschlungenen Verhältnisse 
gelangt. Siegfrieds aufenthalt bei den burgundischen königen, 
seine Werbung bei Brünhild und die Vermählung mit Kriemhild 
gelten als einleitung, bis mit ermordung des grösten und edel- 
sten beiden die eigentliche handlung beginnt und die räche für 
diesen mord jener mittelpunct aller übrigen ereignisse wird. 
das gold, so bedeutend in der nordischen sage, erscheint im 
Nihelunge hört als dunkle und räthselhafte nebensache, wenig- 
stens seine einwirkung gering, und wenn anderwärts Siegfried 
selbst, erschreckt durch die prophezeiung eines geisterhaften 
Wesens, und die verschlossene, böse gewalt ahnend, den schätz 
64 in den Rhein versenkt, so thun dies hier mit einer ohne zweifei 
spätem Wendung seine Schwäger, die einem gemeinen, halb- 

V o o e 

•• vro Wte StGall., frate Heidelb. 404, vro Vete Wolfenb. 
'* d. h. beite. 



43 67 

neidischen geftihle folgen, in der äuszem form, in stil, färbe 64 
und ton der erzählung bemerken wir gleichfalls keine störende 
Verschiedenheiten; derselbe geist waltet überall, den dichter 
selbst verläszt nicht das gefilhl von dieser einheit des ganzen, 
es bricht an mehr als einer stelle durch, ja er liebt vorausver- 
kündigungen des nahenden oder zukünftigen geschicks, und 
jeder theil, scheint es, finde seinen grund in dem andern und 
könne ohne ihn nicht bestehen. 

2) Entziehen wir die betrachtung dem einflusz, den die 
ungemeine poetische krafb des werks ausübt, so gelangen wir 
zu einer andern, fast entgegengesetzten Wahrnehmung, wir ent- 
decken einen bereits gestörten Organismus und eine hier und 
da verletzte, nur flüchtig wieder vereinigte Oberfläche, einge- 
schobene pcrsonen, zugefügte einzelne Strophen und gröszere 
stücke, unnöthige Wiederholungen, unverständliches, selbst baare, 
durch keine erklärung zu beseitigende, Widersprüche lassen 
sich nachweisen, dies zuerst mit Scharfsinn und bestimmtheit 
gethan zu haben, gebührt Lachmann das verdienst^*, das ge- 
dieht ist nicht das werk eines einzigen, ich will hier nicht wie- 
derholen, was bereits ausgeführt ist, und nur einiges andere, 
zuerst aber einen punct berühren, der wenn er auch nicht so 
so schlagend beweist, wie ein offenbarer Widerspruch, doch 
hinlänglich darthut, dasz ein einziger dichter nicht das ganze 
unabhängig anordnete^ weil er ohne mühe eine solche Unge- 
schicklichkeit vermieden hätte. Kriemhild nämlich gebiert im 
fünfzigsten jähre dem Etzel einen söhn, wobei man noch vor- 
aussetzen musz, dasz sie bei ihrer verheirathung mit Siegfried 
nicht über 20 jähre alt war; die übrigen zahlen enthält das 
gedieht und alle handschriften stimmen darin Qberein^^. die 
räche, die noch sechs jähre später fallt, vollbringt sie also in 
ziemlich vorgerücktem alter, während sie doch dabei im feuer 
und in aller stärke jugendlicher leideuschafblichkeit geschildert 
und in der Klage (388) ihre grosze Schönheit ausdrücklich ge- 
rühmt wird, sodann befindet sich eine lücke in allen band- 65 
Schriften: die strophe 2160 musz Günther nothwendig sprechen, 
der darin seinen bruder Gernot und den markgrafen Rüdiger 
beklagt, die sich gegenseitig tödteten; aber sie ist der rede 
Hagens angehängt, der spätere Überarbeiter mag das unpas- 
sende gefühlt haben, doch seine ergänzung (1845 — 58 Lassb.) 
ist nicht glücklich, endlich den gebrauch von ihr und du, der 
in den gedichten aus der mitte des zwölften Jahrhunderts fest- 

'^ über die ursprüngliche gestalt des gedichts von der Nibelunge noth. 
Berlin 1816. vgl. meine recension in der Leipz. lit. zeitung 1817 nr. 94. 95 
und Laebmanns reo. von der 3ten aufl. der Hagenschen ausg. der Nibelunge 
noth in den Ergänz, bl. der Jena. lit. ztg. 1820. nr. 70—76. 

^' zehn jähre lebt Kriemhild mit Siegfried (659, 2), dreizehn nach Reinem 
tode (1082, 2), sieben jähre mit Etzel vor der geburt des sohns (1327, 2). 

5* 



68 48 

66 gestellt ist, finden wir hier verwirrt, weil der genaue unter- 
schied nicht mehr gefühlt ward, eine frühere grurtdlage des 
gedichts ist also unbezweifelt; auch über ihre beschaffenheit er- 
giebt sich einiges mit Sicherheit, neue anfange, kürzere stücke, 
Verschiedenheit im stil und in herberer oder anmutigerer aus- 
führung lassen deutlich einzelne lieder erkennen, die eingerückt 
wurden, ob wir aber unsere Nibelunge noth als eine Samm- 
lung und Verbindung lauter solcher lieder betrachten müszen, 
oder ob ein daneben längst bestehendes, das ganze, oder einen 
groszen theil des ganzen, befassendes gedieht sich durch solche 
einzelne lieder vergröszerte und ergänzte, mag hier ohne nach- 
theil unentschieden bleiben, kurze lieder sind überall, aber 
auch epische erzählungen von gröszerem umfange bei vielen 
Völkern beobachtet worden. 

3) Niedergeschrieben ist die Nibelunge noth nach Lach- 
manns bemerkung später als der Parcival gedichtet wurde, der 
in die jähre 1195 — 1205 fällt, weil daraus Azagouc und Zaza- 
manc, pfellel von Arabi und Ninive und französische Wörter 
wie: kovertiure, garzün, genommen seien, indessen scheint mir 
in Zazamanc allein beweiskraft zu liegen, denn Azagouc findet 
sich, wie wir jetzt wissen, nicht in dem ältesten text, und die 
übrigen fremden Wörter für bekannte dinge konnten längst her- 
über gekommen sein, da man schon in der zweiten hälfte des 
zwölften Jahrhunderts gedichte aus dem romanischen übersetzte, 
auch in der Klage steht kovertiure (1453), im Biterolf garzün 
(9569); sollten diese ausdrücke auch den letzten bearbeitem 
zufallen, so kannte doch der erste dichter des Biterolfs schon 
Arabi als Rüdigers heimat und ebensowenig war ihm Ninive 
(7465) fremd. — welchen antheil der ordner, oder wie man ihn 
nennen will (denn es ist schwer einen passenden namen zu 
finden), an dem gedieht habe, wird nicht leicht auszumitteln 
sein, eingrifie in die sage selbst hat er sich nicht erlaubt, son- 
dern das überlieferte mit scheu und achtung behandelt, das 
zeigt die beibehaltung alles dessen, was die geringste regiing 
eines critischen gefühls würde entfernt haben, und was eben 
die annähme eines einzigen dichters nicht gestattet, wir könn- 

66 ten bestimmter reden, wenn ausgemacht wäre, wieweit die ein- 
fiihrung der reinen reime von ihm herrührt, welche abänderun- 
gen in vielen zeilen, wenn auch oft nur geringe, veranlassen 
muste. habe ich in der Vermutung nicht geirrt, die das gedieht 
vom grafen Kudolf bald nach 1170 entstehen lässt, so wäre ein 
grad von reinheit der reime schon beträchtliche zeit vorher vor- 
handen gewesen, welcher von jenem der Nibelunge noth nicht 
allzuweit abstand und nur geringe nachhülfe forderte. 

4) Wichtig für unsern zweck ist eine andere Wahrnehmung, 
wornach das gedieht in zwei, ziemlich gleiche theile zerfallt. 
der erste schlieszt mit Strophe 1229 und begreift Siegfrieds 



L 



43 69 

Schicksal ; der zweite , mit der fahrt der neuverlobten zu Etzel ee 
beginnend, enthält die räche der Eriemhild von ihrem ersten 
anfange, in diesem zweiten theile ist die Überlieferung voll- 
ständiger, die darstell ung reicher und ebenmäsziger, die spräche 
wärmer, wie schön auch einzelne stücke des ersten theils aus- 
geführt sind. Verschiedenheiten beider in beziehung auf spräche 
und reim hat Lachmann (Ä.uswahl xvii. xviii, berichtigt in der 
recension von Hagens Nibel. s. 174. 175) auseinander gesetzt, 
ein geographischer irrthum des ersten theils, der den Oden- 
und Wasichenwald miteinander verwechselt (und den sich weder 
Biterolf noch das Siegfriedslied, noch der Überarbeiter der 
Nibelunge noth zu schulden kommen lässt), deutet auf die un- 
kunde eines Süddeutschen^ welcher demnach ordner der Nibe- 
lunge noth mag gewesen sein und die örtlichkeiten in dem 
zweiten theile auf dem zuge durch Baiern, Oestreich bis nach 
Ungarn richtiger anzugeben verstand, nicht weniger bestimmt 
erscheint die Verschiedenheit in einer historischen anlehnung. 
die könige zu Worms werden in dem ersten theile Burgunden 
genannt, geschichtlich ist das fiir die ältere zeit ebenso rich- 
tig, als für die folgende der name Franken, den Eckehard 
ihnen beilegt, denn die Burgunden hatten vor ihrer ausbreitung 
in den Süden enge Wohnsitze bei Worms (Job. Müller Schweiz, 
gesch. 1, 87 — 89); ich finde in einer Urkunde von 773 einen 
jetzt verschwundenen ort Burgunthart in der gemarkung von 
Hephenheim nahe bei Worms (cod. diplom. Lauresh. p. 16), 
aber auch ein Frankonodal (p. 16. 17. 35). wie der name in 
die sage möge eingetreten sein, darüber habe ich s. 12. eine 
Vermutung geäuszert. veranlassung, den rheinischen königen 
den namen Nibelunge zu entziehen, hatte allerdings der erste 
theil, weil die früheren besitzer des horts und ihre mannen 
ebenso hieszen und sonst nicht leicht zu unterscheiden waren, 
dagegen in dem zweiten theil dringt der poetische name Nibe- 67 
lunge wieder durch ^^, der den söhnen Gibichs (er heiszt hier 
Dankrat) schon in einigen eddischen liedern beigelegt wird, 
dessen sich Wolfram bedient und der sich in der Vilkina saga 
als der einzige noch erhalten hat; vielleicht auch nicht der ur- 
sprüngliche, scheint er doch älter als die geschichtlichen zu 
sein, ich weisz zwar, dasz man die Vermutung aufgestellt hat, 
der name sei mit dem besitze von Nibel ungs gold übergegan- 
gen, aber ich halte sie ftir falsch: eine solche beziehun«^ hätte 
das gedieht, wenn es sich deren bewust war, nothwendig ein- 
mal andeuten müszen, und dann behalten auch in dem ersten 



^^ den poetischen nenne ich ihn blosz, weil ich nicht glaube, dasz er aus 
der geschichte herüber genommen ist. dasz er an sich gar nicht selten war, 
kann man aus dem Verzeichnis in Leichtlens forschungen (2, 2, 38 — 40) sehen. 
[Z£L 10, 2.] 



70 43 

67theile die Bnrganden, selbst nachdem sie den hört versenkt 
haben, noch diesen geschichtlichen namen, und in dem zweiten 
erscheint eben derselbe vermischt mit dem angeblich überge- 
gangenen; er ist nach meiner meinung aus dem ersten dahin 
eingefilhrt worden, um den gar zu grellen Widerspruch zu ver- 
stecken, übrigens haben wir gesehen, dasz die geschichtlichen 
namen schon früher angewendet sind: die Edda, freilich nur 
in ihren jüngsten bestandtheilen, kennt beide (oben s. 8. 12. 
34. 35); dasz Eckehard den namen Nibelunge unterdrückte, 
weil er nicht historisch lautete, könnte freilich nur eine ver- 
muthung sein, aber auch die klage bringt beide vor; denn 
obgleich die rheinischen könige regelmäszig Burgunden heiszen, 
so bricht doch einmal die heneummg Rhein/ranken durch (152)'^, 
und immer nur als ausnähme finden wir im Biterolf Franken 
(5965. 9310. 9733. 12123) und Rheinfranken (9729). der poe- 
tische name gut in eben diesem gedichte nur (7850) für den 
stamm des alten Nibelungs (25f?6. 7229. 7821. 8155), wie in 
dem Siegfried sliede die Nibelunge zwerge sind, und so hält es 
auch die Klage (1713) bis auf eine einzige stelle (771), in wel- 
cher sie mit unserer Nibelunge noth übereinstimmend sagt: 
Giselher der junge der vogt der Nibelunge^ so dasz sie alle 
drei namen nebeneinander braucht. 

5) Die historische beziehung Etzels auf den Attila ist voll- 
kommen deutlich, sie ist hier verstärkt durch den bruder Blöd- 

68 Zin, der dem Bleda bei Priscus und Jemandes entspricht (unten 
8. 345) und sich auch in der Klage, Bitrolf und Vilk. s. und 
den andern spätem gedichten findet; Eckehard wüste noch 
nichts davon, so wenig als von den namen der hünischen köni- 
gin Helche, sie heiszt ebenso im Biterolf, in der Klage und 
Ecken ausf 174. alt. dr.; dagegen Erka in der Vilk. s. Herche 
im Roseng. C ('Herche' und 'Herriche', anhang des heldenb. 
'Hariche', Roseng. D cod. Arg. 'Herke, Herch', cod. Pal.); 
und erinnert an die Kerka des Priscus (unten s. 345). Ecke- 
hard nennt sie Ospim (gramm. 2, 171. 447.), wahrscheinlich 
der sage seiner zeit gemäsz [Haupts zs. 10, 171 f.]. indessen 
haben wir die Herkia schon früher in dem dritten Gudrunen- 
lied geftinden. Etzels vater hat den namen Botelung^ der mit 
dem eddischen Budli übereinkommt, aus der sage beibehalten; 
der geschichtliche lautet bei Priscus Mundloch, bei Jemandes 
Mundzuck (in dem cod. Paris. 1809 Manzuchius). [Haupts zs. 
10, 160 f.] in der ViUdna s. heiszt er OM. ebenso gehört 
das kind Ortlieb (Aldrian Vilk. s.) blosz in die dichtung. 

•^ die leseart der Überarbeitung: die küenen Rinvranken (281. Lassb.) statt 
stolzen verdient einige rücksicht, da anch Wolfram sagt: die küenen Nibelunge 
und Pf. Konrad ebenfalls: die küenen Rinfranken. (bl. 107^.) unsere Nibelunge 
noth (88, 2) und Biterolf (7850) gebrauchen Wolframs ansdruck von Schilbung 
und Nibelung. 



48 71 

Aber in der weise, wie Etzels reich und gewalt beschrie- 68 
ben wird, glaube ich den einflusz der geschichte zu bemerken. 
er ist der gröze voget (1133, 2), und: von Roten zuo dem 
Eine, von der Elbe unz an daz mer, so ist künec deheiner so 
gewaltic niht (1184, 2. 3). Rüdiger sagt zur Kriemhild: 

1175. Und geruochet ir ze minnen den edelen herren min, 
zwelf vil rtcher kröne sult ir gewaltic sin. 
dar zuo git iu min herre wol drtzec füraten lant, 
diu elliu hat betwungen sin vil ellenthaftiu hant. 

Kriemhild macht ihm hernach einen einwurf : 

1201. Si sprach ze Rüedigere: het ich daz vernomgn, 

daz er niht waere ein heiden, so waer ich gerne komen 

swar er hete willen und naeme in zeinem man. 

dö sprach der markgräve: die rede sult ir vrouwe län. 

1202. Er hat so vil der recken in kristenltcher e, 
daz iu bi dem künege nimmer wirdet we. 

waz ob ir daz verdienet daz er toufet sinen lip? 
des müget ir gerne werden des küneges Etzelen wip. 

Bei dem empfange der Kriemhild zeigt er sich in vollem 

glänz : 

1278. Von vil maneger spräche sach man üf den wegen 
vor Etzelen riten manegen küenen degen, 

von kriaten und von heiden manege wite schare, 
da si die frouwen funden, si komen herlichen dare. 

1279. Von Riuzen und von Kriechen reit da manic man, 
den Pcelän und den Vldchen sach man swinde gan; 

ros diu vil guoten si mit krefte riten. 69 

swaz si site haeten, der wart vil wenic vermiten. 

1280. Von dem lande ze Kiewen reit da manic degen, 
unt die wilden Peschencere, da wart vil gepflegen 
mit bogen schiezen zuo voglen da si flugen. 

die phile sie sere zuo den wenden vaste zugen. 
1282. Vor Etzelen dem künege ein ingesinde reit, 
vro unde vil riebe, hübsch und gemeit, 
wol vier und zweinzek fürsten rieh unde her. 
daz si ir vro wen sähen, da von engerten si niht mer. 

Unter diesen befindet sich Häwart von Tenemarke und 
Irnvrit von Dürengen (1285). — auch in der Vilkina saga ist 
sein reich von ähnlichem umfang: Vilkinaland (Scandinavien) 
mit Holmgard (Russland) hat Attila erobert, Brandenburg, also 
das land bis zur Elbe theilt er als leben aus, wie Baiern 
unter Rüdiger ihm eigen ist. Susa (Susan, Susak d. h. Budva) 



72 48 

« 

69 ist seine hauptstadt in Hunaland. Biterolfs Beschreibung von 
Etzels macht folgt unten. 

Damit stelle ich die äuszerungen der geschichte zusam- 
men. Priscus sagt: nie hat ein könig, der in Scythien oder 
sonst herschte, in so kurzer zeit solche dinge vollbracht, ganz 
Scythien unterwarf er sich und dehnte bis zu den inseln des 
Oceans sein reich aus, so dasz die Römer selbst ihm tribut 
entrichten musten; sie gehorchten seinen befehlen, als sei er 
ihr herr. — bei Jemandes heiszt er: solus in mundo regnator 
(c. 34), könig aller könige (38), so vieler Völker herr; und 
Attila selbst sagt (39): post victorias tantarum gentium, post 
orbem edomitum. mit unerhörter macht besasz er allein ganz 
Scythien und Germanien und erschreckte das römische reich 
im Orient. und occident (49). den ostgothischen Walamir, der 
ihm besonders zugethan war, setzte er als könig über kleinere 
fürsten (regem super ceteros regulos diligebat). Christen waren 
darunter, eben die arianischen Gothen. — Sidonius Apollin. 
(7, 319) nennt auch die Thüringer unter den ihm unterworfenen 
Völkern. 

Trug die sage Attilas äuszere Verhältnisse auf Etzel über, 
so liesz sie doch seinen in die dichterische darstellung verfloch- 
tenen Charakter unverändert und im grellsten Widerspruch mit 
der geschichte bestehen. Etzel zeigt den burgundischen köni- 
gen gegenüber ein gewisses unritterliches betragen. Dieterich 
führt ihn aus dem haus (1932, 3), wo der streit schon tobt, 
und als er hernach ermutigt den schild faszt und gegen 

70 Hagen kämpfen will, wird er von den seinen am fessel zurück- 
gezogen (1959, 3). auch in Atlamäl (99) und der Vilkina 
saga c. 286 wird ihm feigheit vorgeworfen, in der Vilkina saga 
von Hildebrand. 

Sollte die dichtung, welche früher vielleicht nur die an 
wenigen gliedern eines berühmten geschlechts vollbrachte räche 
besang und erst allmälich ausdehnung erhielt, in darstellung 
des groszen kampfes nicht ein historisches ereignis aufgenom- 
men haben? die geschichtschreiber gedenken eines burgundi- 
schen konigs Gundichari, der von den Hunnen zu Attilas zeit 
mit seinem ganzen geschlechte vernichtet wurde, wüsten wir 
etwas näheres über dieses ereignis, so würde sich vielleicht 
eine noch deutlichere beziehung ergeben. Prosper Aquitan. 
sagt bei dem j. 435 (Duchesne I, 205): Eodem tempore Gun- 
dicarium Burgundionum regem inter Gallias habitantem Aetius 
hello obtrivit pacemque ei supplicanti dedit, qua uon diu po- 
titus est, siquidem illum Chunni cum populo suo ac stirpe dek- 
verunt, Cassiodor folgt: Cundicharium^ Burgundionum regem 
Aetius hello subegit, pacemque ei reddidit supplicanti, quem non 
multo post Hunni peremerunt. Paulus Diac. in der bist. misc. : 
Attila itaque primo impetu, mox ut Gallias introgressus est, 



48 73 

Gundicarium Burgundionum regem sibi occnrrentem protrivit; 70 
und wiederholt in dem buche de episc. Metens. dasselbe, ich 
lasse die frage unberührt, weil hier nichts darauf ankommt, ob 
diese niederlage der Burgunder vor Attilas einfall in Gallien 
statt fand, in einem besondern kriege, von dem wir weiter 
nichts wissen, oder erst im jähr 450, nach Unterjochung der 
Franken. Paulus diacon. behauptet das letztere, aber, dem 
widerstreitet, dasz Sidonius Apollin. (7, 32) die Bnrgunden zu 
den Völkern zählt, die dem Attila damals folgten, die er also 
schon früher muste unterjocht haben. Jornandes lässt (c. 36) 
dagegen die Burgunden sich dem Attila entgegenstellen. 

Es ist mir nicht unwahrscheinlich, dasz selbst die be- 
rühmte Schlacht in den catalaunischen feldern der dichtung 
einzelne züge verliehen habe; dasz sie an einem andern orte 
und unter andern Verhältnissen stattfand, macht dabei gar 
nichts aus. sagen von ihr mochten lange herumgehen, nach 
Jornandes (c. 40) war es ein wüthender, unermesslicher, hart- 
näckiger kämpf, wie das alterthum von keinem ähnlichen zu 
sagen weisz. solche dinge wurden davon erzählt, dasz gegen 
diese wunder alles andere für nichts zu achten war. ähnlich 
stellt die dichtung die noth der Nibelunge dar. die Ostgothen 
waren dort durch das gebot des herrn genöthigt, gegen die be- 71 
freundeten Westgothen zu kämpfen, wie im gedieht Dieterich 
gegen die Burgunden. ich erwähne einen besondern zug. Jor- 
nandes, ganz in dem ton der sage, erzählt, ein bach auf dem 
Schlachtfeld sei von dem blut der getödteten zu einem reiszen- 
den ström herangeschwellt und, die der heisze wundendurst 
dahingeleitet , seien von den fluten weggetragen worden, und 
die unglücklichen hätten das blut getrunken , das sie vergossen, 
die dichtung drückt sich auf ähnliche weise aus : das blut flieszt 
allenthalben aus dem saal (2015, 2) und die durstigen trinken 
auf Hagens rath davon (2051, 2. 2054, 2). (Färöische lieder 
8. 264.) auch in Dieterichs flucht ist das nachgeahmt (6550) 
und in Atlamäl heiszt es (50): flopi völlr blopi. 

5. Verschieden von diesen geschichtlichen, wie schon be- 
merkt, dem geiste der dichtung nicht unnatürlichen anknüpfun- 
gen und assimilationen ist die rohere, die nahe liegende Zeit- 
rechnung grell verletzende einführung des erst im zehnten 
Jahrhundert gestorbenen bischofs Pilgrim von Pmsau^ als eines 
bruders der königin Ute. das werk, woraus die Klage schöpfte, 
hat diese Ungereimtheit zuerst veranlasst, und daher ist ohne 
zweifei Pilgrim, der sonst in keinem gedichte, auch nicht im 
Biterolf, vorkommt, herüber genommen, mit recht hat Lach- 
mann alle darauf bezüglichen stellen in klammern gesetzt 

6) Die hinweisungen in unserer Nibelunge Noth auf andere 
sagen müssen wir genau betrachten. 



74 43 



71 a) Siegfrieds jngend. 

22, 2. er versuchte vil der riche durch ellenthaften muot; 

durch sinea Itbea sterke reit er in menegiu laut. 

23, 1. in sinen besten ziten bi sinen jungen tagen 

man möhte michel wunder vcn Sifride sagen, 

waz eren an im wüchse und wie schcene was sin lip. 

Blosze Wiederholung : 

102, 3. sin lip der ist so schoene, man sol in holden hän. 
er hat mit stner krefte so manegiu wunder getan. 

Auch die Überarbeitung sagt in einer ihr eigenen Strophe 
eigentlich nichts neues: 

161. 'E daz der degen chvne. vol whse ze man. 
do het er solhiv wnder. mit siner haut getan, 
da von man immer mere. mac singen vnt sagen, 
des wir in disen stunden. mvzen vil von im gedagen.' 

Was hier von der groszen stärke Siegfrieds, die er mithin 
schon vor dem erwerb der tamkappe besasz, gerühmt wird, 

72 scheint sich auf die erzählung des liedes von ihm zu beziehen: 

2. 'Der knab was so mutwillig Darzü starck vnd auch grosz 
Das sein vatter vnd muter Der ding gar seer verdrosz 
Er wolt nie keynem menschen Sein tag sein vnderthon 
Im stund seyn synn vnd mute Das er nur zug daruon. 

3. Do sprachen des kunigs räthe Nun last in ziehen hyn 
So er nicht bleyben wille Das ist der beste syn 

Vnd last jn etwas nieten So wirdt er bendig zwar 
Er wirdt ein held vil kune Vnd lebt er etlich jar. 

4. Also schied er von dannen Der junge kune man 
Do lag er vor eynem walde Ein dorff das lieff er an 
Do kam er zu eym schmide Dem wolt er dienen recht 
Im schlahen auff das eysen Als ein ander schmidtknecht. 

5. Das eysen schlug er entzweye Den amposs inn die erdt 
Wenn mann jn darumb straffet So nam er auff keyn leer 
Er schlug den knecht vnd meyster Vnd trib sie wider vnd ffir 
Nun dacht der meyster offte Wie er seyn ledig wür. 

Hierzu eine andere stelle mit neuem anfange: 

33. 'Do was zu den gezeyten Ein stoltzer jungeling 

Der was Seyfrid geheyssen Eyns reychen kunigs kind 
Der pflag so grosser sterke Das er die lowen fieng 
Vnd sie dann zu gespötte Hoch an die bäumen hieng.^ 



43 75 

Noch eine dritte stelle abermals mit einem neuen anfang: 72 

47. 'Nun was der held Seyfride Gewesen seyne jar 

Das er vmb vatter vnd muter Nicht west als vmb ein har 
lEr ward wol ferr versendet Inn einen finstern than 
Darinn zoch jn ein meyster Biss er ward zu eym man. 

48. Er gwan vier vnd zwentzig stercke Vnd yegklich sterck 

ein man.' 

Die Vilkina saga (c. 140 — 142) enthält eine eigene erzäh- 
lung von Siegfrieds geburt und kindheit. seine mutter bringt 
ihn im augenblicke der höchsten noth zur weit, als sie der un- 
treue fälschlich angeklagt, in einem walde soll getödtet werden. 
sie verschlieszt das neugeborne kind in ein gläsernes gefasz 
und als dieses einen stosz erhält und ins wasser rollt, stirbt 
sie vor schmerz. das glasgefasz geräth bei der ebbe auf den 
Strand und zerspringt beim anstoszen. das geschrei des knaben 
lockt eine hindin herbei, die ihn in ihr lager trägt und mit 
ihren jungen aufsäugt, nach zwölf monaten ist er schon so 
stark, wie ein kind von vier jähren. 

Von allem diesem weisz kein anderes gedieht das ge- 
ringste, und P. E. Müller hat (sagenbibl. 2, 210. 211) schon 
bemerkt, dasz diese erzählung der Vilkina saga, in einem ganz 73 
andern geiste abgefasst, etwa romanischen Ursprung verrathe. 
das liesze sich auch wol auf den fremdartigen namen der aus 
Spanien stammenden mutter Sidlia (Sisibe hat ein anderer 
codex) anwenden, wenn ich ihn richtig durch Cäcilia erkläre*; 
nur der vater heiszt wie sonst Siegemund. auch zeigt sich 
keine ähnlichkeit mit dem, was die Völsunga saga (c. 22) von 
Sigurds geburt berichtet. dagegen brauche ich kaum an die 
Übereinstimmung mit der geschichte der heiligen Genoveva zu 
erinnern. sie fällt in die äugen. dasz man die lücke in der 
sage mit einem solchen fremdartigen stück ausfüllte, begreift 
man wol, aber auffallend ist, dasz der richtige name von Sieg- 
frieds mutter Siegelind ^ den unser Nibelungelied , die Klage, 
Biterolf (9832), das gedieht von der Flucht (2040) und von 
Siegfried kennen, der Vilkina saga so ganz verborgen geblieben 
scheint. 

Doch flieszt gleich wieder (c. 144. 145^ vgl. 19) die echte 
quelle. sie stimmt in dem folgenden ziemlich mit dem liede 
von Siegfried, nur dasz ihre erzählung genauer und zusammen- 
hängender ist. der von der hindin aufgesäugte knabe findet 
den Schmied Mime im walde, der ihn zu sich nimmt und ihm 
den namen Sigfrod (nach einer handschrift c. 145. 367) gibt, 
im neunten jähre übertrifft er schon alle männer an stärke (vgl. 

* 8. von der Hagen Gesammtaben teuer I, s. CV ff. 



76 48 

n Eckerich im Rosengarten, Weigel 1392), und Mimes gesellen 
können es nicht bei ihm aushalten, einen davon, den Eckihard^ 
der ihm mit der zange einen schlag gegeben, schleift er an 
den haaren zu dem meister hin. Mime führt ihn zur arbeit in 
die schmiede. [ZE. 27, 4.] er macht einen starken eisenstab 
glühend und heiszt den Siegfried mit dem schwersten hammer 
zuschlagen, dieser thut aber gleich den ersten schlag so ge- 
waltig, dasz der amboszstein zerspringt, der ambosz in den Unter- 
satz hineinsinkt (das lied allgemein: in die erde) und eisen, 
zerbrochene stange, und hammerstiel umherfliegen. (dies ent- 
spricht wohl dem schlag, womit nach der nordischen sage 
(Völsunga c. 24) Sigurd das schwert Gram probiert: er sfpaltct 
den ambosz.) 

b) Siegfrieds anfenthalt bei Etzel. - 

Rüdiger weisz davon, denn als von Kriemhild die rede ist, 
sagt er zu dem hünischen könige: 

1097, 2. si was dem besten manne Sifride undertän 

dem Sigmundes kiride: den hästu hie gesellen; 
man moht im grozer eren mit warheite jehen. 

Hierüber gibt eine erzählung im Biterolf einigen auf- 
schlusz: Siegfried wurde von Dieterich in seiner jugend mit 
gewalt in das Hünenreich geführt. 

74 9471. — — — dö sprach Sifrit der maere: 

der uns den schaden hat getan, und sol ich minen lip 

hän, 
ich sol im itewizen daz, daz ich vor Etzeln saz 
und rette in miner kintheit. do im daz wart geseit, 
ze haut do suocht er mich, ja haete der helt sich 
9480. ze strite also wol bewart, ich en künde nie machen 

schart 
sinen heim noch die ringe, nu vröut mich der gedinge. 
ich bin gewahsen zeinem man, ich versuoch, ob ich 

genidern kan 
den sinen hochvertigen muot, darumbe daz der heltguot 
mich vuort in Hiunen riebe vil gewaltecliche 
9490. und wolt mit mir gedinget hän, darumb daz er hste 

getan 
dem künige üz Hiunen landen, ich wil minen anden 
morn rechen ob ich kan. also sprach der KriemhiWe 

man. 

Der eigentliche hergang bleibt doch noch dunkel, vielleicht 
ist auch einige Verderbnis des textes schuld daran; schwerlicli 



48 77 

kann der Zweikampf Dieterichs und Sigurds gemeint sein, u 
welchen die Vilkina saga (c. 200) erzählt, worauf dieser mit 
Dieterich freiwillig fortzieht. indessen scheint der Verfasser 
des Biterolf genau gewust zu haben, drückt sich aber nicht 
klar darüber aus. 



c) Siegfried tSdtet den draehen. 

Hagen erzählt : 

101. Noch weiz ich von im mere, daz mir ist bekant. 
einen lintrachen sluoc des beides haut, 
er badet sich in dem bluote: sin hüt wart hurnin. 
des snidet in kein wäfen; daz ist dicke worden schin. 

Dasz er dennoch verwundbar war, wüste Hagen nicht, 
denn er fragt vor der jagd deshalb die Kriemhild, und sie ver- 
räth ihm das geheimnis: 

842. Si sprach: min man ist küene, dar zuo starc genuoc. 
dö er den lintdrachen an deme berge sluoc, 
ja badet sich in dem bluote der reke vil gemeit, 
da von in sit in stürmen dehein wäfen nie versneit. 

Allein während des bades: 

845, 3. do viel im zwischen der herte (1. do vielt im zwischen 

herten).ein lindenblat vil breit, 
da mac man in versniden. 

75 

Oben ist schon bemerkt (s. 17), dasz die angäbe, Siegfried 
habe den drachen an dem berge erschlagen, mit dem angel- 
sächsischen gedichte am meisten übereinkomme. das lied von 
Siegfried erzählt (str. 7 — 11) die begebenheit in seiner unbe- 
hülflichen art, gibt aber doch einige nähere umstände an: 
Siegfried tödtet, von dem schmied aufgereizt, den drachen bei 
einer linde ; nichts von einem berge oder einer steinwand, dann 
verbrennt er ihn mit andern unthieren auf einem holzstosz ; das 
hörn wird weich und entflieszt in einem kleinen bach, er rührt 
mit dem finger daran und als das erkaltet, zeigt sich der finger 
mit hörn überzogen, jetzt bestreicht er den ganzen leib mit 
dem flüssigen hörn, nur zwischen den schultern nicht (weil er 
nicht dahin reichen kann, setzt das Volksbuch hinzu), an dieser 
verwundbaren stelle empfing er hernach den tod. 

Dazu stimmt im ganzen die Vilkina saga (c. 146), nur dasz 
sie wieder besser und ausfürlicher erzählt, schon wegen dieser 
Übereinstimmung kann ich das urtheil der Sagenbibliothek 



78 43 

75 (2, 201) , womach wir hier nur eine entstellte nordische dich- 
tung vor uns haben, unmöglich gelten lassen, sollten auch ein 
paar züge, deren Ursprung schwer auszumitteln ist, von dorther 
eingeflossen sein. ich glaube im gegentheil, diese darstellung 
ist eigenthümlich deutsch: Mime der schmied, den wir ja auch 
im Biterolf (139. 171) finden, wünscht sich von dem lästigen 
gesellen zu befreien, geht deshalb in den wald zu seinem als 
drachen verwandelten bruder und bittet ihn, den knaben, den 
er ihm hinausschicken werde, zu tödten. Siegfried ist bereit, 
in jenem walde kohlen zu brennen und empfängt von Mime 
speisen und wein auf neun tage, dabei eine holzaxt. drauszen 
macht er von gefällten bäumen ein groszes feuer, setzt sich 
dann nieder und verzehrt den ganzen mitgebrachten vorrath 
auf einmal. so gestärkt, erwartet er ohne furcht den heran- 
nahenden drachen, schläojt ihn mit dem grösten der brennenden 
bäume nieder und haut ihm mit der axt den köpf ab. hierauf 
füllt er Wasser in seinen kessel, hängt ihn über das feuer und 
wirft grosze stücke von dem drachenfleisch hinein. als er 
seine band eintaucht, zu versuchen, ob das fleisch weich sei, 
verbrennt er sich die finger und steckt sie in den mund, um 
sie zu kühlen, wie aber die brühe auf seine zunge und in den 
hals kommt, versteht er, was zwei vögel sagen, die auf einem 
bäume sitzen, sie geben ihm den rath, den Mime zu tödten, 
wenn ihm sein eigenes leben lieb sei. Siegfried bestreicht sich 

76 erst mit dem blute des drachen die bände und , nachdem er 
sich entkleidet hat, den ganzen leib; nur zwischen die schul- 
tern kann er nicht reichen. der erlangten unverwundbarkeit 
wird einigemal (c. 166. 3 19) erwähnung gethan. 

Die altschwedische Übersetzung der Vilkina saga nähert 
sich merkwürdiger weise in einem umstand wieder unserer 
Nibelunge noth. es liegt nämlich, als sich Siegfried mit dem 
drachenblut bestreicht, ein ahornblatt (lounloff") zwischen seinen 
schultern, so dasz an dieser stelle keine hornhaut enir 
steht. von dieser hornhaut und überhaupt von Sigurds 
Unverletzbarkeit weisz die nordische sage durchaus nichts; 
aber auch nicht, wie wir hernach sehen werden, die Klage 
und Biterolf. 



d) flort und erwerb desselben. 

88, 2. Die küenen Niblunge sluoc des beides haut 

Schübunc'^'^^ und Niblungen^ des riehen küneges kint. 
er frumte starkiu wunder mit siner krefte sint. 

'^ b vgl. die Scilfingas im Beowulf, altn. Skilfingar. myth. 343. [ZE. 10, 3' 
DHB. 1, LIV; 308.] 



43 79 

89. T>k der belt aleine an alle helfe reit, 76 
er vant vor einem berge, als mir ist geseit, 

bi Niblunges horde vil manegen küenen man. 

die warn im e vil vrömde, unz er ir künde da gewan. 

90. Der hört Niblunges der was gar getragen 

üz eime holn berge, nu hoeret wunder sagen, 

wie in wolden teilen der Niblunge man. 

daz sach der degen Sifrit: den helt es wundern began. 

91. Er kom zuo zin so nähen^ daz er die helde sach 
und ouch in die degne. ir einer drunder sprach: 
hie kumet der starke Sifrit, der helt von Niderlant. 
vil seltsaeniu maere er an den Niblungen vant. 

92. Den recken wol enphiengen Schilbunc und Niblunc. 
mit gemeinem rate die edelen forsten junc 

den schätz in baten teilen den waetlichen man, 

unde gerten des mit flize. der herre loben inz began. 

93. Er sach so vil gesteines, so wir hoeren sagen, 
hundert kanzwagene ez heten niht getragen; 
noch me des roten goldes von Niblunge laut: 
daz solt in allez teilen des küenen Sifrides haut. 

94. Do gäben si im ze miete daz Niblunges swert. 
sie wären mit dem dienste vil übele gewert, 
den in da leisten solde Sifrit der helt guot. 

er enkundez niht verenden; si wären zornic gemuot. 

95. Si heten da ir friunde zwelf küener man, 

daz starke risen wären: waz kundez si vervän? 

die sluoc sit mit zorne diu Sifrides haut, 77 

und reken siben hundert twang er von Niblungelant 

96. Mit dem guoten swerte; daz hiez Balmunc. 
durch die starken vorhte vil manic recke junc, 

die si ze dem swerte haßten und an den küenen man, 
daz laut zuo den bürgen si im täten undertän. 

97. Dar zuo di riehen künege die sluog er beide tot. 
er kom von Albrtche sit in groze not. 

der wände sine herren rechen da zehant, 
ünz er die grözen sterke sid an Sifride vant. 

98. Don kund im niht gestriten daz starke getwerc. 
alsam die lewen wilde si liefen an den perc, 

da er die tamkappe Sit Albrtche an gewan. 

dö was des hordes herre Sifrit der vreisliche man. 

99. Die da torsten vehten, die lägen alle erslagen. 
den schätz den hiez er balde füeren unde tragen, 
da in da vor nämen die Niblunges man. 
Albrtch der vil starke dö die kämmen gewan. 



80 48 

77 100. Er muos im sweren eide, er diente im so sin kneht: 

aller bände dinge was er im gereht 

(so sprach von Tronje Hagne.) daz hat er getan. 

also grozer krefte nie mer recke gewan. 

Siegfried erscheint hierauf im besitze des groszen Schatzes 
(453, 4). von seiner unermesslichkeit sagt Hagen: 

717. Er mac — — von im sampfte geben: 

ern kundez niht verswenden, sold er immer leben, 
hört der Niblunge beslozzen hat sin hant. 

An einer andern stelle wird er noch näher beschrieben: 

1062. Ir muget von dem horte wunder beeren sagen, 
swaz zwelf kanzwegene meist mohten tragen 
in vier tagen und nahten von dem berge dan. 
ouch muos ir islicher des tages dristunde gän. 

1063. Ez was ouch niht anders wan gesteine unde golt. 
unde ob man al die weite haete versolt, 

sm waere minner niht einer marke wert. 

1064. Der wünsch lac dar under von golde ein rüetelin. 
der daz het erkunnet, der möhte meister sin 

wol in al der werlde über islichen man. 

Auch jener elfischen tarnkappe geschieht noch erwähnung: 

336. Also der starke Sifrit die tarnkappe truoc, 
so het er dar inne krefte genuoc, 

78 zwelf manne sterke zuo sin selbes lip. 

337. Ouch was diu tarnhüt also getan, 
daz dar inne worhte ein islich man 
swaz er selbe wolde, daz in nieman sach. 

Die Überarbeitung führt das noch weiter aus: 

2734. 'Von wilden getwergen. han ich gehöret sagen. 

si sin in holn bergen, vnt daz si zescherme tragen. 

einez heizet tarnkappen. von wnderlicher art. 

swerz hat an sime libe. der sol vil gar wol sin bewart. 
2742. Vor siegen vnt vor stieben, in mvge ovch niemen sehen. 

swenner si dar inne. beide hörn vnt spehen 

mag er nach sinem willen. daz in doch niemen siht. 

er si ovcli verre stercher. als uns div auenture gibt. 



43 81 

Siegfried gebraucht sie , als er allein in dem schiffe nach 78 
den Nibelungen fahrt (451, 2) und bei besiegung der Brünhild 
(442, 2. 602, 2); auch Alberich hat gelegenheit, ihren verlust 
zu bedauern (1059, 2. 1060, 2). 

Wir erfahren nicht, wer die Nibelunge sind, warum der 
aus den berghöhlen hervorgetragene schätz soll getheilt werden 
und gerade Siegfried dies geschäft vollbringen; auch begreift 
man nicht, warum sie ihm das schwert Balmung voraus zum 
lohne geben, ehe noch die theilung geschehen ist. (Haupts zs. 
2, 544.) erschlagen zu haben scheint er die, welche eben noch 
sein vertrauen suchten, erst dann, als sie im zorne (über seine 
theilung, die ihnen nicht zu gefallen schien) zwölf riesen gegen 
ihn schickten, die ganze dunkle und verwirrte stelle (die str. 
96 scheint mir verdächtig und könnte wegfallen) mag aus einem 
einzelnen liede dem Hagen, nicht sehr geschickt (denn in seiner 
rede zu Günther passen ausdrücke wie: nu hoeret wunder 
sagen 93, 1 gar nicht), in den mund gelegt sein, der erwerb 
des hortes steht nach dieser erzählung im geringsten nicht in 
Verbindung mit dem durch den schmied veranlassten drachen- 
kampf, und doch gehören ursprünglich beide gewis zusammen, 
wie die reinere eddische dichtung zeigt: Sigurd nimmt, nach- 
dem er auf Reigins antrieb den Fofne getödtet, auch das gold, 
worauf er sein lager" hatte. 

In der Vilkina saga scheint die Überlieferung noch mehr 
zu verstummen ; sie erzählt in dem leben Siegfrieds nichts vom 
erwerbe des horts, gleich wol ist er nach seinem tode vorhanden. 
Attila (c. 334) weisz, dasz der Kriemhild brüder den Nibelun-79 
genschatz besitzen und dasz Siegfried ihn gewonnen, als er 
den drachen erschlagen hatte, und insofern ist die annähme 
der Vilkina saga richtiger als jene unserer Nibelunge noth. 
auch erfahren wir nachher (c. 367), dasz der schätz in Sieg- 
frieds keller liegt (also nicht in den Rhein versenkt ist) und 
Hagen dazu den Schlüssel besitzt. von dem Verhältnisse 
Albrichs zu Siegfried, dem Schwerte Balmung, der unsichtbar 
machenden tarnkappe und der wünschelruthe weisz die Vilkina 
saga wieder nichts. 

Indessen hat sie doch auch kenntnis gehabt von jenem 
erwerbe des horts, wie ihn unsere Nibelunge noth erzählt, nur 
aber ist die that (vielleicht weil die vorhin berührten Voraus- 
setzungen damit im Widerspruche standen) auf einen andern 
beiden übergetragen, wenigstens hat folgendes, was von Dieterich 
(c. 16) erzählt wird, allzu grosze ähnlichkeit, als dasz man nicht 
zu einer solchen Vermutung berechtigt wäre, er trifft auf der jagd 
den zwerg Alprü und nimmt ihn gefangen, der kleine löst sich, 
indem er dem Dieterich treue schwört und ihm das schwert 
Nagelrinc herbei holt, das er selbst geschmiedet hat, und zugleich 
einen mächtigen schätz von gold, silber und kleinodien nach- 

WlLH. GrtMM, deutsche HELDENSAGE. 6 



82 43 

79 weist, den zwei böszartige, aber riesenhafte höhlenbewohner 
besitzen, welche allein durch dieses seh wert können besiegt 
werden. Dieterich tritt mit Hildebrand in die höhle und tödtet 
den riesen, der sich mit einem brennenden baumstamme wehrt 
und zwölf männer kraft hat, und haut das noch stärkere weib, 
das den Hildebrand fast schon überwältigt hatte, in stücke, er 
findet grosze schätze, womit beide ihre pferde beladen, auszer- 
dem den kostbaren heim Hildegrim, gleichfalls zwergenarbeit. 
— die erzählung ist verständiger, als in der Nibelunge noth 
und das Verhältnis zu Albrich (der nicht wieder in der ganzen 
Vilkina saga auftritt) natürlich eingeleitet ; man begreift, warum 
der held zuvor das wunderbare seh wert haben musz, eh er 
den kämpf wagen darf, der riese, der zwölf männer kraft hat, 
mag sich auf die zwölf riesen der Niblunge beziehen, denn die 
700 recken, die Siegfried hernach noch (95, 4) besiegt, scheinen 
mir ein ziemlich ungeschickter zusatz und diese zeile nicht 
viel besser, als die folgende Strophe, die ich schon vorhin für 
verdächtig erklärt habe, dasz Dieterich den heim Hildegrim 
findet, scheint ein alter zug, denn auch Sigurd findet nach der 
nordischen sage in Fafnes schätz den wunderbaren Aegishelm: 
ein abermaliger beweis, dasz hier von Siegfried die rede ist. 
nur musz ich hier bemerken, dasz auch Ecken ausfahrt und 
Siegenot dem Dieterich diese that zuschreiben. 

80 Das lied von Siegfried hellt noch am ersten die erzählung 
der Nibelunge noth auf, weil es eine eigenthümliche darstellung 
liefert, doch die einleitung irrt auch, wenn sie den beiden 
zwei drachenkämpfe bestehen lässt: den einen, worin er den 
hornleib erhält, den andern, worin er den schätz erwirbt; beides 
gehört, wie schon oben bemerkt ist, zusammen, 'der Nyblin- 
ger hört' liegt in einem felsen, wo ihn der zwerg Nibling ver- 
schlossen hat. Nibling war vor leid gestorben (156, 4); näheres 
ist nicht gesagt, nach seinem tode hüten ihn seine drei söhne, 
wovon hernach nur einer, könig Euglin (42, 3. 159, 3) genannt 
wird, ein als drache verwandelter jüngling hat die Kriemhild 
ihrem vater aus dem fenster weggeholt und bewacht sie auf 
demselben felsen, unter welchem der bort liegt. Siegfiied 
allein in einem walde jagend folgt der spur eines drachen und 
kommt zu dem drachenstein. er begegnet dem zwergkönig 
Euglin, faszt ihn bei den haaren und schlägt ihn an einen 
felsen, worauf dieser sich unterwirft und ihm entdeckt, dasz 
der riese Kuperan {Wulfgrambär im volksbuche) den Schlüssel 
zu dem stein habe, im streit mit diesem riesen würde Sieg- 
fried einem schlag unterlegen haben, wo ihn nicht Euglin mit 
der unsichtbar machenden nebelkappe bedeckt hätte. hierauf 
mit frischer kraft kämpfend überwindet er den riesen und wird 
von ihm in den felsen geführt, dort nach abermaligem kämpf 
wirft er ihn wegen oft erneuter treulosigkeit herab. in dem 



43 83 

felsen hat Siegfried die Kriemhild gefunden und das schwert, 80 
womit allein der drache kann getödtet werden, entdeckt, es 
folgt nun ein furchtbarer kämpf mit dem feuerathmenden un- 
thier, währenddessen die zwerge in dem berg ängstlich werden, 
die beiden söhne Niblings den hört heraustragen und in eine 
höhle unter den felsen bringen lassen (134. 135). Siegfried 
bezwingt endlich den drachen, Euglin erquickt den streitmüden, 
die zwerge danken ihm für die befreiung von des riesen her- 
schaft und wollen ihm nun dienstbar sein, ohne dasz es die 
zwerge wissen, nimmt er den hört, den er von dem riesen oder 
drachen gesammelt glaubt, als beute aus dem felsen weg und 
lädt ihn auf sein rosz (166). [Germania 3, 187.] 

Die Übereinstimmung im ganzen und den einzelnen nur 
versetzten zügen ist deutlich. Siegfried ist allein ausgeritten 
wie io der Nibelunge noth (89, 1); sein kämpf mit den Nibe- 
lungen ist der auf dem drachenstein und Balmung das Schwert, 
welches Kuperan selber anzeigt, und womit der drache allein 
kann getödtet werden. Euglin mit der nebelkappe und seinen 81 
Zwergen nimmt die stelle Alberichs und der Nibelungshelden 
ein, und zeigt sich wie jener, nachdem er die höhere gewalt 
gefunden, treu und unterthänig. der kämpf mit Kuperan ent- 
spricht dem mit den zwölf riesen, und Schilbung und Nibelung 
werden durch die zwei ungenannten söhne Nibelings vertreten, 
von einer theilung des horts, allerdings ein merklicher unter- 
schied, ist freilich nicht die rede, dagegen erfahren wir einen 
andern grund, warum er hervorgetragen wird, dasz Siegfried 
das gold auf sein pferd lädt, ist der nordischen dichtung (Völ- 
sunga saga c. 28) gemäsz und gewis ein ebenso alter zug, als 
die ursprünglich menschliche natur des drachen, die uns deut- 
lich den Fofne erkennen lässt. 

Aus gründen folgt die hieher gehörige erzählung aus Bite- 
rolf zuletzt: 

7813. — man — saget diu maere, daz der recke waere 

komen in ein rieh laut, da er zwSn edel künige vant 
bi inanigem stolzen ritter guot, als man noch vil dicke 

tuot; 
die weiten da geteilet hän, daz in ir vater haete 

gelän. 
einer hiez Nibelunc, und sin bruoder Schilbunc 
was bi namen genant, diz maere was Dietriche bekant, 
7825. daz er die künige bede sluoc. si haßten doch bi in 

genuoc, 
die ez gewert selten hän: bSde ir mäge und ouch ir 

man, 
fünf hundert ritter oder baz. man saget im (d. h. Die- 
triche) sicherlichen daz, 

6* 



84 43 

81 die sluoc er, unz an drizec man, die entrunnen von 

dem helde dan, 
dan noch wären zwelfe da, die den hunigen anderswo 
7835. eratriten hosten füraten lant von den tet man uns be- 

kant, 
si wären wol risenmsezic, der weite widersoezic, 
der eine bräht in in den zorn, da von die andern wur- 
den verlorn, 
er twanc ouch Alberichen den vil lobelichen 
mit sterk und ouch mit meisterschaft ; der (haßt) wol 

zweinzic manne kraft; 
7845. von grozem eilen im daz kam. ein tarnkappen er dem 



nam; 



82 



daz waz im gar ein kindes spil. wie ungern manz 

glouben wil, 
da nam der degen hoch gemuot der küenen Nibelunge 

guot. 

Dieffe erzählung stimmt ziemlich mit der Nibelunge noth, 
klärt aber eben deshalb die dortigen dunkelheiten nicht viel 
auf. doch bleibt gewis, sie hat dabei nicht unser gedieht, son- 
dern ein anderes zur grundlage, denn in nebendingen weicht 
sie wieder ab. Siegfried schlägt auszer den zwölf riesen, von 
welchen wir hier zuerst erfahren, dasz sie ihren herren ander- 
wärts länder erkämpft hatten, nicht siebenhundert, sondern 
ftinfhundert oder mehr, und, was etwas ganz neues ist, dreiszig 
entrinnen davon; weshalb wird nicht gesagt. statt 'der eine 
bräht in in den zorn', glaube ich, ist 'der einer' zu lesen, und 
auf die feindlich gesinnten riesen (si wären der weite wider- 
saezic) zu beziehen, wovon einer den Siegfried, etwa wie Kupe- 
ran durch treulosigkeit, mochte in zorn gebracht haben. Albe- 
richs kräfte, dem die tarnkappe in unserer Nibelunge noth 
(336, 3) nur zwölf männer stärke verleihen konnte, finden wir 
gesteigert. — hernach wird noch einmal kurz auf die ganze be- 
gebenheit angespielt; Dietrich sagt: 

8152. — — — min muot was so zagelich, 

do ich gedähte an den man, waz er wunders haete 

begän, 
do er die Nibelunge sluoc und ouch ander degen 

* genuoc, 

da er den grozen hört gewan. 

Und ein paarmal ist die unermesslichkeit von Nibelunges 
(8566) oder der Nibelunge (12043) golt berührt. von dem 
erwerbe des Schwertes Balmung kommt zwar nichts vor, aber 
nach andern stellen besitzt es doch Siegfried: 



43 85 

7228. — der treit Balmungen 82 

des alten Nibelunges swert. 

Vgl. 11052. der alte Nibelung ist merkenswerth ; so wird 
er in imserm gedieht keinmal genannt, aus dem liede von 
Siegfried wissen wir, dasz er vor leid starb. 

e) Siegfirieds erster besnch bei Brfinlüld. 

Als Günther die absieht verräth, um Brünhild zu werben: 

329. Daz wil ich widerraten, sprach do Sifrit.' 
j4 hat diu küniginne so vreislichen sit, 
swer ir minne wirbet, daz ez in hohe stät. 

Die Überarbeitung spricht noch deutlicher: 88 

2686. 'Vht warn iwer viere, dine künden niht genesn. 
von ir vil grimmen zorne. ir lat den willen wesn. 
daz rat ich iv mit triwen. weit ir niht ligen tot. 
sone lat ivch nach ir minne. niht zesere wesn not.' 

Günther wünscht zu wissen, was für kleider sie auf die 
fahrt mitnehmen müsten; Siegfried weisz bescheid: 

341. Kleit daz aller beste, daz ie man bevant, 
treit man zallen ziten in Prünhilde lant. 
des sulen wir richiu kleider vor der frouwen tragen. 

Er weisz auch den weg: 

366, 3. die stolzen hergesellen säzen an den Rin. 

do sprach der künic Günther: wer sol schifmeister sin? 

367. Daz wil ich, sprach Sifrit, ich kan iuch üf der fluot 
hinnen wol gefiiereu; daz wizet, beide guot. 

die rechten wazzersträze sint mir wol bekant. 

Hernach wird ihre ankunft beschrieben: 

371. An dem zwelften morgen, so wir hoeren sagen, 
heten si die winde verre dan getragen 
gegen Isensteine in Prünhilde lant: 
daz was niemen mei*e wan Stfride bekant. 

Siegfried kennt dort die gebrauche: 

390, 4. do begunde Sifrit den hovesite sagen. 

391. In dirre burc phliget man, daz wil ich iu sagen 
daz neheine geste sulen wäfen tragen. 

lat sie tragen hinnen; daz ist wol getan. 



86 ^43 

88 Und als sie in der borg anlangen, erkennt ihn eine von 

ihren dienerinnen: 

'394. Do sprach ein ir gesinde: frouwe, ich mac wol jehen, 
daz ich ir deheinen mere habe gesehen: 
wan Sifiride geliche einer drunder stat. 

So gewis nun aus diesen stellen hervorgeht, dasz Siegfiied 
schon einmal bei Brünhild war, so erfahren wir doch aus den 
übrigen deutschen gedichten nicht das geringste von diesem 
früheren aufenthalt (vgl. unten s. 320. 321). dagegen die Vil- 
kina saga berichtet (c. 148) folgendes: nachdem Siegfried den 
drachen und den verrätherischen Mime getödtet hat, begibt er 
sich auf den weg zur Brünhild. wer ihn dahin weist, wird 
84 nicht gesagt, als er bei ihrer bürg angekommen ist, sprengt 
er die verriegelte eisenthüre und haut sieben Wächter nieder, 
die ihn wegen der verübten gewalt erschlagen wollten (vgl. 
Färöer lieder s. 161. 121.). sodann kämpft er gegen die ritter 
der bürg; doch Brünhild, die sogleich den fremdling erkannt 
hat, tritt hervor und thut dem streite einhält, sie fragt ihn 
nach seinen voreitern; er weisz nichts davon. da nennt sie 
ihm vater und mutter und heiszt ihn willkommen, er verlangt, 
wie Mime ihm gerathen hatte, das rosz Grane; sie gewährt es 
und gibt ihm, um es abzuholen, zwölf männer als beistand, 
doch er nur allein vermag das thier zu fangen und zu zäumen, 
hierauf verlässt er sie. — das ist nicht aus der Edda entlehnt 
(doch vgl. unten s. 352 anm.), wo Sigurd durch flammen in 
die bürg reitet, der in schlaf versenkten Brünhild die rüstung 
abzieht, sie aufweckt, grusz und lehre empfangt und ihr eide 
schwört, dennoch scheint es, als ob das gewaltsame sprengen 
des thors aus jenem kühnen flammenritt entstanden sei, auch 
wird das rosz Grane sonst in keinem deutschen gedieht ge- 
nannt (Siegfrieds rosz im Kosengarten a); aber in der Edda 
hat er es schon erhalten, ehe er die Brünhild sieht, ja, es 
trägt ihn gerade auf dem weg zu ihr und durch das feuer. 
bei diesen entgegengesetzten hinweisungen bleibt doch das ein- 
fachste, die erzählung der Vilkina saga als deutsche dichtung 
zu betrachten, sollte auch der name des rosses aus der nordi- 
schen entlehnt sein. nordisches könnte man noch in dem 
finden, was eine andere stelle (c. 205) enthält und, insoweit es 
in der obigen darstellung nicht begründet ist, als ein Wider- 
spruch erscheint: Siegfried und Brünhild nämlich hätten, als 
sie das erstemal zusammen gekommen wären, eidlich gelobt, 
sich zu vermählen, sie hält ihm das vor und er leugnet nicht, 
späterhin (c. 321) bezieht sie sich wieder auf das gleich anfangs 
berichtete, dasz er zu ihr gekommen sei, ohne von vater und 
mutter etwas zu wissen, was gar nicht zu der nordischen sage 



43 87 

passt, wo er recht gut weis;?, wer er ist; der deutschen aber 84 
ist es eigenthümlich, denn auch in dem Hede von Siegfried wird 
es ausdrücklich (47, 2) angemerkt, und statt der Brünhild nennt 
ihm der zwerg Euglin sein geschlecht. auffallend scheint es 
auch in der Vilkina saga, dasz, obgleich wir von Siegemunds 
tode nichts hören, doch nicht weiter von ihm die rede ist, 
und Siegfried seinen vater niemals wieder sieht; allein es mag 
dies im gründe richtiger sein, als sein (des vaters) ganzes, un- 
bedeutendes auftreten in dem ersten theile der Nibelunge noth; 
denn auch in dem liede von Siegfried sind die eitern vergessen, 
die ohnehin den unbändigen söhn los zu sein wünschten und 
in die weit laufen lieszen. in der nordischen sage scheint das 
wahre Verhältnis dargestellt: der vater nämlich ist schon vor 
Sigurds geburt im kämpfe geblieben. 

Hier ist der ort, noch einen einzelnen zug hervorzuheben. 86 
Brünhild sagt in der Vilkina saga (c. 321), der jetzt über- 
müthige und mächtige Siegfried sei doch als waller nach 
Worms gekommen; wie es scheint, will sie damit sagen: ein- 
sam und in armseligem aufzuge. fiir die nordische sage passt 
das nicht, er wird am hofe seines Stiefvaters anständig erzogen, 
führt, als er zur Brünhild reitet, das gold Fofnes mit sich, und 
als er bei den Giukungen prächtig geschmückt einzieht, glauben 
die leute, es komme einer von den göttern (Völsunga saga c. 
35). (doch sagt Sigurd (Fafnism. 2) zu Fafiie, als dieser ster- 
bend nach seinem namen fragt, er habe nicht vater noch mutter 
gehabt: geng ek einn saman.) dagegen deutet doch wol unsere 
Nibelunge noth jenen zustand an, aufweichen die Vilkina saga 
hinweist, wenn vor dem erwerbe des horts gesagt wird: 

89, 1. da der helt aleine an alle helfe reit. 



f) Hagen von Tronje und Walther von Spanien. [ZE. 7.] 

Von Hagen heiszt es: 
83, 1. dem sint kunt diu riche und elliu vremdiu laut. 

Er räth ab, die Kriemhild mit Etzel zu vermählen: 
1145, 2. het ir Ezelen künde, als ich sin künde hän. 

Er kennt schon Rüdeger, denn als die boten kommen, 
sagt er: 

1120. — — als ich mich kan verstau, 

wand ich den herren lange niht gesehen hau, 
si varent wol dem geliche sam ez si Rüedeger. 
von Hiunischen lanaen der degen küene unde her. 



88 — 43 

86 Und der markgraf, als die Burgunden bei ihm aidangen: 

1597, 2. besunder gruozter Hagenen; den het er e bekant. 

Rüdiger hatte ihm vordem dienste geleistet: 

1141. Die wile man den gesten hiez schaffen guot gemach, 
in wart da so gedienet, daz Rüediger des jach, 
daz er da hete vriunde under Günthers man. 
Hagne im diente gerne; er het im e alsam getan. 

darauf bezieht sich auch wol 1129, 3. 

Als Kriemhild den boten an den Rhein auftrage ertheilt, 
sagt sie: 

1359, 2. unde ob von Tronje Hagne dort welle bestän, 
wer si danne wisen solde durch diu, laut: 
dem sin die wege von kinde her zen Hinnen wol 

bekant. 

Und wirklich weist er den weg: 
1464, 3. dar leitete sie Hagne; dem was ez wol bekant, 

86 Und als hernach Etzel fragt, wer der held sei, den Diete- 

rich so freundlich empfange, und ein Hüne antwortet: 

1691, 2. er ist geborn von Troneje; sin vater hiez Aldriän. 
swie bilde er hie gebäre, er ist ein grimmic man. 

so erzählt Etzel: 

1693. Wol erkand ich Aldriänen; wan er was min man. 
lop und michel ere er hie bi mir gewan. 

ich machte in ze ritter unde gap im min golt 

durh daz er getriu was; des muos ich im wesen holt. 

1694. Da von ich wol erkenne allez Hagnen sint. 

ez warn wol (mine gisel bc) zwei waßtlichiu kint, 
er und von Späne Walther; die wuchsen hie ze man. 
Hagen sand ich wider heim: Walther mit Hiltegunde 

entran. 

1695. Er gedähte lieber maere, diu warn e geschehen, 
sinen vriunt von Troneje hete er reht ersehen, 
der im in siner jugende vil starkiu dienst bot. 

sid frumter im in alter vil manegen lieben vriunt tot. 

Dann äuszert sich ein Hüne über ihn: 

1734. Och erkenne ich Hagnen von sinen jungen tagen; 
des mac man von dem recken lihte mir gesagen. 



43 89 

in zwein und zweinzik stürmen hau ich in gesehen, 86 
da vil maneger vrouwen ist herzeleit von im ge- 
schehen. 

1735. Er und der von Späne träten manegen stic, 
dö si hie bi Etzel vähten manegen wie 

ze eren dem künige. des ist vil geschehen. 

dar umbe sol man Hagnen der eren billichen jehen. 

1736. Dannoch was der recke siner järe ein kint. 
daz dö die tumben wären, wie grise di nu sint. 

nu ist er komen ze witzen und ist ein grimmic man. 

Er ist ein verwandter der burgundischen könige. (er 
selbst nennt sie seine herren 1726, 3.) Kriemhild und Giselher 
nennen ihn mäc (841. 1073, 8) und (118, 2), ebenso Günther 
Hagens schwestersohn , den Ortwein von Metz, neve (593). 
Dankwart ist sein bruder (912). (unwahr sagt er zu Blödel: 

1861, 3. ich was ein wenic kindel, dö Sifrit vlos den lip. 

er war mit im Sachsenkrieg gewesen und auf der fahrt zu 
Brünhild.) 

Was hier von Hagens frühem aufenthalte bei dem hüni- 
schen könig von Walther von Spanien und Hildegunde gesagt 
wird , erklärt sich sehr wol aus Eckehards lateinischem ge- 87 
dicht, darin empfängt Attila den Hagano von dem fränkischen 
könige Gibicho als geisel; zwar ist er nicht ein verwandter, 
oder gar, wie in andern gedichten, ein söhn des königs, dient 
aber an dessen hofe und stammt aus trojanischem geschlecht 
(veniens de germine Trojae. 28); und da die andern könige in 
diesem gedieht ihre eigenen kinder als geisel geben, so folgt 
schon daraus sein vornehmer und ebenbürtiger stand, auch in 
der Vilkina saga, wo er ein bruder Günthers ist (vgl. unten 
s. 258), wird er einigemal (c. 363. 381) Högni af Troja ge- 
nannt*; 'Hagen von TroyerC (Weltchronik) und ^von Tro\) 
(mehrmals im anhange des heldenbuchs) scheint dasselbe, wo 
nicht die Stadt Troyes gemeint ist. dagegen steht Hagen von 
Tronje in der Nibelunge noth, Klage, Biterolf, Flncht (2050) 
und Rosengarten c und d, endlich noch in der altschwedischen 
Übersetzung der Vilkina saga Hagen äff Tronia [c. 365, sonst 
af Troya ZE. 31]. ich weisz nicht, welcher ausdruck der ältere 
ist; jeder könnte eine entstellung des andern sein. zu der 
trojanischen gehört nothwendig auch die fränkische abkunft des 
beiden, wie sie ja auch bei Eckehard angenommen wird, denn 
sie beruht gewislich auf der alten sage von der trojanischen ab- 

* Haegeo van Troien im Bischof srecht von Xanten von 1463 in ZE. 52, 1. 



90 43 

87 stammung der Franken, deren Eckehard noch an einer andern 
stelle (724. 725) gedenkt, und die schon Fredegar in der mitte 
des siebenten Jahrhunderts und nach ihm viele erzählen, den 
andern namen erläutert eine stelle im Biterolf (2393), wo einer 
bürg in Burgunden (Lachmann zu den Nibel. 9, 1) gedacht 
wird: diu Tronje was genant; daz hüs und ouch daz guote 
lant was allez Hagene undert&n. — wie Gibicho, so überliefert 
Herrich von Burgund seine tochter Hildegund und Alphere von 
Aquitanien seinen söhn Walihari dem Attila als geisel. Aqui- 
tanien ist wol nur eine gelehrte Übersetzung von Wascono laut, 
wie der name in der deutschen quelle Eckehards lauten mochte, 
das zeigen schon die Wessobrunner glossen (bei Wackemagel 
74). Attila führt die drei geisein mit sich ins Hunnenland, wo 
sie wie eigene kinder sollen gehalten werden, die beiden Jüng- 
linge zeichnen sich bald durch heldenthaten aus (107). doch 
als Gibicho stirbt und Gunthari, der bei Attilas einfall ein neu 
gebornes kind war, die kröne trägt, so verweigert er den tribut, 
und Hagano entflieht zu ihm (119). jetzt sind Walthari und 
Hildegimd die hauptpersonen des gedichts. er soll durch die 
heirat mit der tochter eines pannonischen Satrapen auf immer 
an Attila gefesselt werden, weicht aber dem antrag aus, zieht 
in den krieg und zeigt die höchste tapferkeit in besiegung der 
feinde (169 — 212). nach seiner rückkehr stellt er ein fest an, 

88 um bei dieser gelegenheit mit der geliebten, schon in der kind- 
heit ihm bestimmten Hildegund zu entfliehen. sie war über 
die kammem der königin gesetzt und nahm zwei Schreine voll 
armringe mit. 

Die andeutungen der Nibelunge noth weichen nur darin 
ab, dasz Etzel den Hagen freiwillig und in freundschaft nach 
hause sendet. Hildegund wird nicht ausdrücklich als geisel 
bezeichnet, noch ihr vater Herrick genannt; in keinem falle 
hätte er jedoch könig von Burgund sein können, weil andere 
könige von Burgund angenommen werden, dagegen erfahren 
wir etwas näheres über Hagens vater: als Etzels mann hatte 
er sich ehre erworben und hiesz Äldrian. diesen namen kennt 
sonst noch die Heidelberger handschrift des Kosengarten d 
(bl. 6), zwar auch die Vilkina saga (nach c. 150, im folgenden 
cap. steht Irung)^ aber in einem anderen Verhältnis, indem 
Högni ein bruder Gunnars ist. in dem lateinischen gedieht 
wird Haganos vater Agacien genannt (627), ein name, den die 
lesart Hagathien in dem Karlsruher codex nicht aufklärt. 
[Haupts zs. 12, 297. 13, 182.] 

In der Vilkina saga ist Högni kein geisel Attilas, eigent- 
lich weisz sie auch nichts von einem früheren auf enthalte an 
dem hunnischen hofe. zwar wird hernach in der Niflunga saga 
(c. 348 Rafn) erzählt, Attila habe den Högni wieder erkannt, 
denn er und Erka hätten ihn zum ritter gemacht, er sei eine 



43 91 

Zeitlang bei ihnen und damals ihr freund gewesen, gerade wie 88 
in der Nibelunge noth (1603, 3. 4); allein in der that kommt 
davon in der Vilkina saga nichts vor. Attila lässt durch Högni 
dem fliehenden Walthari nachsetzen, aber das ist auch das 
einzige mal, wo er vor seinem eigentlichen auftreten und gar 
flieht in seinem Charakter erscheint; erst später (c. 150) be- 
ginnt seine geschichte mit der erzählung der wunderbaren ge- 
hurt, jene zu voreilige erwähnung ist um so ungeschickter, 
als Hagen der alten sage nach eher als Walther Etzels hof 
verlassen hatte, und sie ist blosz dadurch entstanden, dasz Val- 
taris flucht an diesem orte eingerückt wurde. 

Das gedieht von Biterolf kennt sehr wol Hagens früheren 
aufenthalt bei Etzel imd mehr als eine stelle redet davon, die 
fremden, die nach Worms kamen: 

4797. die truogen in der mäze kleit, als Hagen, do er von 

Hiunen reit. 

und er sagt: 

4808. — — — ich waen, ez hab nach mir gesant 

der küenc (Etzel) und ouch sin werdez wip ; si wellent 

daz ich minen lip 
aber zen Hiunen läze sehen. 

Unfriedlich scheint indessen auch hier sein abschied nicht 89 
gewesen zu sein, denn ein Hüne, von Etzel und Kriemhild 
redend, spricht zu ihm: 

4832. si beide hat des wunder, 

waz iu bi in si geschehen, daz ir iuch so selten läzet 

sehen 
in Hiunischem lande; nach iu ist in vi! ande. 

Auch erwartet Etzel freundliche gesinnung des Hagen 
(5162) und dieser rühmt sich bei Rüdiger der tapfern thaten, 
die er in Hünenland vollbracht habe (13141). der näheren be- 
kanntschaft mit dem markgraf (von welcher natürlich Eckehard 
nichts weisz) geschieht gleichfalls erwähnung. Hagen sagt: 

6073. willekomen ir wigande ze miner herren lande 

und der marcgräve ze vordrost; ich hän des ie gehabt 

trost, 
wenn daz geschsehe, daz ich den helt hie ssehe. 
nü ist ez also bekomen. des ist mir trüeber muot be- 

nomen, 
daz er ist komen an den Bin. nü sol ich im sinen 

wm 
wol gelten und die spise, die er mich in friundes wise 



vil dicke an geboten h&t. gelOcke daz ist der gotes rät, 
des mag ich dar wol jehen, daz ich in hie h4n ge- 
sehen, 
zen Hiunen was ich ofte tot, da mirs nieman wol 

enböt, 
wan des fttrsten G^ren kint, diu marcgrävin Gotelint, 
und ouch.ßOedeggr der degen. min (wart) da vil wol 



Der Nibelunge noth scheint zu widersprechen, was hier 
Hagen von drangsalen erzählt, die er bei den Hünen ausge- 
standen, und worin er nur von ßfldiger und Gotelind beistand 
empfangen habe, völlig entgegen ist dies dem gedichte Ecke- 
hards, wonach Attila die geisel wie eigene kinder behandeh 
liesz und sie wegen ihrer tapferkeit sehr liebte (108). 

Hier will ich eine dunkle, Hagen betreffende stelle aus der 
Nibelunge noth anführen, als nämlich Gemot wegen der flber- 
&hrt ober die Donau besorgt ist, 

1510. Löte rief dö Hagne: leget nider üf daz gras, 

ir knehte, daz gereite, ich gedenke daz ich was 

der aller beste verge, den man bi Rine vant. 

ja trouwe ich iuch wol bringen über in Gelfrätes lant. 

Liegt darin nicht eine beziehuug auf eine frühere begeben- 
heit und ein nicht gewöhnliches ereignis? hat vielleicht Hagen, 
indem er ein schiff über den Khein führte, einmal einen be- 
deutenden dienst dem könige oder sonst jemand geleistet? die 
bisher bekannten sagen geben keine antwort auf diese frage. 

Deutlich jedoch spielt die Nibelunge noth auf ein anderes, 
beide freunde betreffendes ereignis an. Hagen macht dem Hil- 
debrand den Vorwurf, er sei £ 



2281. Des antwnrte Hildebrant: zwiu verwizet ir mir daz? 
nu wer was der flfem Schilde vor dem Waagenateine 

dö im von Spanje Walther so vil der mäge sluoc? 
och hapt ir noch ze zeigen an iu selben genuoc. 

Hierüber in Eekehards gedieht folgendes: Walthari mit 
Hildegund fliehend kommt in den Vogesenwald (Vosagus 488) 
und findet dort eine felsenschtucht, wo er auszuruhen beschlieszt; 
ohne zweifei der Wasgeustein der Nibelunge noth, wiewo! 
nicht ausdrücklich genannt, der fahrmann, der ihn über den 
Rhein gesetzt hatte, bringt dem könige Gunthari zu Worms 
nachricht von den beiden äüchtlingen, dieser glaubt den schatu, 
den Gibicho einst dem Attila gesendet, wieder zu erhaschen, 
und heiszt zwölf recken mit ihm ausziehen; darunter befindet 



43 93 

sich auch Hagano, der in der beschreibung des fthrmanns seinen 90 
ehemaligen gesellen erkannt und vergeblich sich bemüht hatte, 
den könig zurückzuhalten, als sie herankommen, erkennt Wal- 
thari den Hagano an seinem heim und ruft: 

556. et mens hie socius Hagano collega veternus. 

Dieser, eingedenk der oft gelobten treue, weigert sich 
gegen Walthari zu kämpfen: 

635. eventum videam nee consors sim spoliorum. 

dixerat, et coUem petiit mox ipse propinquum, 
descendensque ab equo consent, et aspicit illos. 

Er sieht mit an, wie Walthari alle elfe (es kann sich in 
der Schlucht nur einer nach dem andern nähern, 935), nieder- 
schlägt, es sind nicht blosz verwandte (1075), auch ein ge- 
liebter söhn seiner Schwester ist darunter, dessen tod ihm thrä- 
nen kostet (874 — 76). hierauf bezieht sich der Vorwurf Hilde- 
brands in der Nibelunge noth, dasz er sich vor dem Wasgen- 
steine auf seinen schild hingesetzt d. h. keinen antheil an dem 
kämpf genommen und den tod seiner verwandten mit angesehen 
habe, zuletzt, als der könig zu ihm flieht und um seinen bei- 91 
stand bittet, gestattet ihm die ehre seines herm nicht, länger 
unthätig zu bleiben, doch verabredet er eine list, den Walthari 
aus seiner sichern Stellung wegzulocken, da es nacht gewor- 
den ist, entfernen sich beide, legen sich in einen Unterhalt, 
und als am morgen Walthari mit Hildegund die höhle verlassen 
hat und weiter zieht, verfolgen sie ihn und fallen ihn in offenem 
felde an. er mahnt den Hagano vom kämpfe ab und erinnert 
ihn an ihre jugendliche spiele, dieser wirft ihm aber die ge- 
tödteten freunde vor (1264). alle drei kämpfen mit einander 
und nachdem sie sich gegenseitig verwundet haben, machen sie 
frieden. 

Auch der gemeinschaftlichen kriegsthaten während des auf- 
enthalts bei Etzel, wovon die Nibelunge noth (1735*^) spricht, 
geschieht erwähnung: 

105. militiae priraos tunc Attila fecerat illos, 

sed haud immerito; quoniam, si quando moveret 
bella, per insignes isti micuere triumphos. 

Und Hagano erzählt selbst: 



^^) si träten manegen stic bezieht sich auf das niedertreten des bodens 
während des kampfes. gerade so heiszt es im Biterolf (11341): vil enge pfat 
sie träten, und in Ecken ausfahrt (113. Caspar): si träten dö vil mangen pfat. 
(anm. zu Nib. 1735, 1. Rab. 443. 766. altd. bl. 1, 339. Lohengr. 89, 353. 
Wüh. von Östr. 18«>0 



94 

91 521. 



43 



vidi Pannonias acies, cum bella cierent, 
contra Aquilonares sive Australes regiones. 
illic Waltharius, propria virtute coruscans, 
hostibus invisus, sociis mirandus obibat: 
quisquis ei congressus erat, mox tartara vidit. 

In der Vilkina saga (c. 85 — 87) erscheint Valtari af Vaska- 
steini^ dessen vater nicht genannt wird, als schwestersohn Er- 
menreks in einem andern kreisz. Ermenrek hat mit Attila 
ein bündnis geschlossen, geisel gesendet und empfangeu. bei 
dieser gelegenheit kommt Valtari als vierjähriges kind zu Attila 
und weilt sieben jähre bei ihm. also selbst noch ein knabe, 
verabredet er während eines gelages mit der siebenjährigen 
Hildegund, tochter des Hias von Griechenland [zs. 12, 274. 
349 f. 353 f.], die flucht. sie nimmt viel gold aus Erkas 
schätzen mit. zwölf ritter müssen den beiden nachsetzen, dar- 
unter auch Högni, Aldrians söhn; dasz er freund und geselle 
Valtaris gewesen, davon hören wir nichts. Valtari tödtet elfe 
von jenen, nur der einzige Högni entkommt in den wald. der 
Wasgenstein ist ganz vergessen, obgleich der held davon den 
namen trägt. Valtari zündet ein feuer an und brät den rücken 
92 eines wilden ebers, aber während er und Hildegund davon ge- 
nieszen, überfällt sie Högni. doch Valtari schleudert den ab- 
gegessenen knochen so gewaltig gegen ihn, dasz er niederfallt, 
ein äuge verliert und sich nur aufrafft, um zu fliehen. Valtari 
langt glücklich bei Ermenrek an. — neben den bedeutenden 
abweichungen von dem lateinischen gedichte, ist die zahl der 
kämpfer übereinstimmend geblieben und ein einzelner zug: Val- 
tari stöszt auch dort dem Hagano, freilich mit einer waffe, das 
rechte äuge aus (1389); die Vilkina saga hat auch späterhin 
(c. 166. 348) die einäugigkeit Högnis nicht vergessen, von wel- 
cher jedoch kein anderes gedieht etwas weisz. dagegen bleibt 
dem Eckehard allein der gewis unechte zusätz, dasz Gunthari 
in diesem kämpf ein bein, Walthari eine band verliert, die 
auffallende und unnatürliche Jugend beider flüchtlinge in der 
Vilkina saga beruht gewis auf einem misverständnisse in den 
zahlen oder sonst einem zufälligen irrthume ; Walther hatte, wie 
die Nibelunge noth richtig sagt, schon das schwert genommen. 
Im Biterolf heiszt mit geringer abweichung Walthers vater 
nicht Alphere (Alphari; im chron. Novalic. Alferius) sondern 
Alpker (9903. 10111); aber auch seine mutter, von welcher die 
übrigen gedichte nichts wissen, eine Schwester Biterolfs von 
Toledo (671. 722. 9918. 9957), kommt vor, wird aber nicht mit 
namen genannt. (Haupts zs. 5, 2 — 5. 12, 275.) Walther selbst, 
künic von Spänilant (576. 3042. 5085. 6293. 6428. 9946), ge- 
denkt seines aufenthalts bei Etzel und erzählt mit der Nibelunge 
noth übereinstimmend, dasz er und Hagen von Etzel das schwert, 



^ 



43 95 

von Helche manche gunst empfangen hätten ; das anerbieten 92 
der konigin ihm kröne und reich zu verleihen, scheint blosze 
ausschmückung, so wie die namhafte summe, die Etzel ftbr beide 
verwendete, wiewohl Eckehards worte (97) 

exulibus pueris magnam exhibuit pietatem 
ac veluti proprios nutrire jubet haeredes. 

dahin zu deuten wären, die stelle im Biterolf ist diese: 

755. daz Etzele golt rot 

mac er (Rüdiger) geben, swem er wil, er haete mir ouch 

[wol] als vil 
gegeben unde mere. Helche diu here 
diu bot mir tugentliche kröne unt laut riche; 
so bedäht ich mich baz. ich (1. ir) wizzet äne zwfvel daz, 

765. daz ich selber haete lant. Etzele und Heichen haut 
hieten mir und Hildegunde verlihen in der stunde 
wes wir bieten da begert. von Etzele wir nämen swert 
bdde ich und Hagen^. umh uns eilende degenö 93 

liez sichs der künic here kosten michels mere: 

775. ze drizec tüsent marc oder baz; und tet mir willecliche 

daz. 

Seine flucht und die entfbhrungTder Hildegund wird mehr- 
mals erwähnt: 

575. Walther so was er genant; ez (1. er) was der künic von 

Spänilant. 
der was von Hiunen 6 bekomen. 

616. da sach ouch Bitrolf der degen 

an dem Schilde guot genuoc, bi dem wäfen daz er truoc, 
daz er was von Spänilant. do gedäht er [ie] sä ze haut, 
daz wider komen waere Walther der degen maere 
üz Hiunischen riehen. 
6275. her Walther lachende gie d& er den marcman emphie. 
er gedäht an diu maere, wie er gescheiden waere 
von Hiunischem riche. sie redeten schimpfliche. • 

er fraget an der stunde nach der schoenen Hildegunde. 

7647. — von Spänilant den künic her 

sol er (Rüdiger) mit siner haut bestän, daz er frowen 

Hildegunde dan 
emphuorte Heichen der riehen. 
9586. Walther rette mere sider: e si mich zen Hiunen wider 
fuorten an minen danc, ich liez si zehen lande lanc 
noch herferten vürbaz. 

Hildegund gedenkt des gelags, welches vorangieng, wo sie 
ihren wein schenkte, und auch Rüdiger zugegen war, denn 
dieser ist gemeint, wenn sie sagt: 



96 



43 



93 12631. der helt gedäht niender min, wie ich im schanete 

minen win, 
do ich von den Hiunen reit, den ich vil ellendiu meit 
Etzelen und sinen recken truoc. des wart gelachet 

ouch genuoc 
vor der küniginne. ir saz darinne 
vierzehen unde mere die bi Etzele dem künic here 
lägen in der trunkenheit. 

Bei Eckehard (276. 286) veranstaltet Walthari das fest 
selbst; Rüdigers geschieht dort überhaupt keine erwähnung, da 
ihn die sage noch nicht an sich gezogen hatte, auch schenkt 

94 nicht Hüdegund den wein, sondern es ist Walthari, der die 
gaste damit einzuschläfern sucht (278) und es an aufinunterung 
zum trinken nicht fehlen lässt (305). dagegen kann, was Hü- 
degund hier von den in trunkenheit niedergesunkenen sagt, sehr 
wohl aus Eckehard bestätigt werden: 

317. — vi potus pressi somnoque gravati 

passim porticibus sternuntur humotenus omnes. 

Indessen wird nicht blosz in jener und einer andern stelle 
(6779) auf die bekanntschaft Rüdigers mit Hildegund ange- 
spielt, der dichter* weisz noch genauer zu erzählen. Rüdiger 
sagt : 

7406. ouch hat durch alten dienest min 
mir ere erboten Hildegunt. 

Und als Hildebrand den Rüdiger zum gegner Walthers 
bestimmt, weil dieser der Helche seine Hildegund entführt habe: 

7653. vor zorn roten dö began des riehen künic Etzels man. 
Rüedeger der vil riche; der sprach do schimpfliche: 
• waz wizet ir mir, Hildebrant? waere iu Walther so wol 

bekant, 
als mir ist der küene degen, ir biet mich niemer im 

gewegen 
zeinem widerstriten. ja liez ich in noch riten; 
und naeme er mir die tohter min, so solt er ungevan- 

gen sin 
7665. immer von miner haut, er rümte mines herren lant 
gar an alle schände, daz ich so rehte erkande 
sine;3ite, des jungen man, des muost ich in do riten 

län. 

Und Walther, als er hernach mit Rüdiger kämpfen soll: 



i 



i 



— - 43 97 

11922. der sach Rüedegeren an. dö sprach der Hildegunde 94 

man: 
des weiz got wol die wärheit, mir ist innecUchen leit, 
daz ich dem helt gewegen bin. füert er nü den pris hin, 
des hän ich lützel ere; slah aber ich Ruedegöre, 

11930. s6 hat der alte friunt min übel bestatet den sinen win, 
den ich ze Bechelären tranc. 

Man darf vermuten, Walther habe auf seiner flucht zu 
Bechelären ausgeruht, schon vorher hat er ähnliche klagen 
geführt und die bei Rüdiger genossene freundschaft gerühmt: 

10439. Hildebrant der habe undanc, 95 

der mich zuo im gemezzen hat; wir hietens bede gerne 

rät. 
ich schiet also von Hiunen laut, daz mir der maere 

wigant 
nie beswärte minen muot. nü muoz ich den helt guot 
10446. under minen danc bestän. swaz er mir liebes hat getan, 
des wolt ich im nu Ionen, und künd er min geschönen, 
so würde schaden deste min. 

Man wird die abweichende benennung von Walthers hei- 
math in den verschiedenen quellen bemerkt haben; dieser um- 
stand verdient eine nähere erörterung. Aquitanien^ wonach er 
in Eckehards gedieht benannt ist, begriff das südwestliche Frank- 
reich und dieses In Vereinigung mit den nordwestlichen provin- 
zen Spaniens mag gemeint sein, wenn er in der Nibelunge noth 
und im Biterolf Walther von Spanien heiszt. Ja, in dem letzt- 
genannten gedieht wird dies genau bestimmt, da es ihn als 
oberhern von drei königreichen schildert (6225): von Karlingen 
(einigemal steht Frankreich 6640. 8793. 9133. 10779), Arrago- 
nien und Navarra (6225. 6636. 8473. 8780. 10782). jetzt be- 
greift man, warum er an andern orten als Walther von Ker- 
lingen auftritt (Dieterichs flucht, Alphart, Rosengarten d, an- 
hang des heldenbuchs) , und dieser name scheint auch einmal 
im Biterolf (2106) neben dem andern durchzubrechen, denn 
schwerlich ist sein vasall in dieser stelle gemeint, endlich 
Walther von Wdsgenstein^ doch nur in der Vilkina saga, in dem 
Rosengarten c und dem alten drucke des heldenbuchs. dieser 
name passt offenbar nicht recht, denn der Wasgenstein lag im 
Wasgenwald, wo Walther gar nicht zu hause war, sondern nur 
auf seiner flucht verweilte, auch wird im Biterolf 'Waschen 
walt' (2677) als in Lothringen liegend und auszer aller bezie- 
bung auf Walther erwähnt, dennoch könnte er blosz durch 
eine leichte Verwechselung entstanden sein, hatte nämlich Ecke- 
hard in seiner quelle, wie oben schon vermutet wurde, statt 

WxLH. Qbikii, dbutschb heldbnsaob. 7 



98 



43 



95 Aquitanien Wascun oder Wascono lant vor sich, so würde das 
in späterer zeit Waskenlant gelautet haben, und dies in Was- 
genstein zu verändern gab die sage durch die erzählung von 
dem kämpf an diesem orte veranlassung. — sollte durch einen 
ähnlichen irrthum das schwert 'Waschen' dem Walther im Bi- 
terolf (12285) zugetheilt worden sein, da in unserer Nibelunge 
noth (1988, 4) Iring es ist, der Wasken besitzt? oder ist jenes 
das richtigere? — [Haupts zs. 12, 257. 276.] 

96 Der held Biterolf findet, als er auf seinem zuge nach Pa- 
ris kommt, dort den jugendlichen Walther; der dichter sagt 
selbst, er wisse nicht, wie er dahin gekommen sei (568). sie 
kämpfen mit einander, schlieszen aber hernach frieden. Walther 
musz auch einmal Biterolfs gastfreundschaft genossen haben, 
(vgl. 9969 — 72), doch diese ereignisse sind so unbedeutend 
und vielleicht in der echten sage so wenig begründet, als was 
wir im Alphart von ihm vernehmen, wo er, aus Deutschland 
gebürtig (468), es mit Dieterich hält und zu Breisach bei dem 
treuen Eckehard sich befindet (77). nicht wichtiger ist, wenn 
er im Widerspruch damit in Dieterichs flucht (8612) auf Er- 
menrichs seite erscheint, oder im Rosengarten für Gibich strei- 
tet. — merkenswerther scheint mir, dasz von seinen kämpfen 
mit den rheinischen beiden im Wasgenwald, dem eigentlichen 
hauptinhalte des lateinischen gedichts, in dem Biterolf nur eine 
einzige, leise andeutung vorkommt. Walther erzählt nämlich 
von dem Hünenreiche: 

716. und wie sich des beides haut 
hast ervohten an dem Kin. 



g) Amelricli. 

Das meerweib sagt dem Hagen, wie er den fährmann be- 
wegen könne, ihn über die Donau zu setzen: 

1488. Unde komet er niht bezite, so rüefet über fluot, 

unde jehet ir heizet Amelrich, der was ein helt guot, 

der durch vintschefte rümte dize lant. 

so komet iu der verge, swenne im der name wirt erkant. 

Hagen befolgt diesen rath: 

1492, 3. nu hol mich Amelrichen, ich bin der Elsen man, 
der durch starke vintschafb von disem lande entran. 

Und der fahrmann, als er sich getäuscht sieht, spricht: 

1496. Ir mugt wol sin geheizen bi namen Amelrich: 
des ich mich hie verwarne, dem sit ir ungelich. 
von vater und von muoter was er der bruoder min. 



48 99 

Ich finde sonst nirgends eine spur von diesem Amelrich ; ^ 
auch die Vilkina sage weisz nichts von ihm, denn dasz sich 
Thetleif (c, 100) diesen namen gibt, kann damit keinen Zusam- 
menhang haben. 

h) Mdiger von Beehelaren. 

a) er ist aus seiner heimat vertrieben und hat 
lehen von Etzel empfangen. 

Rüdiger sagt zu dem hünischen könige, der ihm geschenke 97 
machen Tnll: 

1093, 3. ich wil din böte gerne wesen an den Rfn 

mit min selbes guote, daz ich hän von den henden dtn. 

Hernach, als der saal schon verbrannt ist: 

2075. Do sach ein EQunen recke ßüedeg^ren stän 
mit weinunden ougen unt hetes vil getan. 

der sprach zer küniginne: nu seht ir wie er stät, 
der doch gewalt den meisten hie bt Etzelen hdtj 

2076. Unt dem ez aUez dienet^ Imt unde lant 

wie ist 80 vü der bürge an Rüedeger gewant^ 
der er von dem künege vil manege haben mac. 

Der markgraf will nicht mit den Burgunden streiten: 

2081, 3. ja was ich ir geleite in mines herren lant: 

des ensol mit in niht striten min vil eilendes haut. 

Und zu Etzel sagt er: 

2094, 2. her künec, nu nemt hin widere swaz ich von iu hdn, 
daz lant mit den bürgen; der sol mir niht besten, 
ich wil üf minen filezen in daz eilende gen. 

Und zur Kriemhild: 

2100, 2. ez muoz hiute gelten der Rüedegeres lip 
swaz ir und ouch min herre mir liebes hapt getdni 

2101. Ich weiz wol daz noch hiute min bürge und och min 

lant 
iu müezen ledec werden von ir etesltches haut, 
ich bevilhe iu üf genäde min wip und miniu kint 
unde ouch die vil eilenden die ze Beehelaren sint. 

Volker, als er Rüdigers entschlusz bemerkt : 
2110, 4, an uns wil dienen Rüedeger stn bürge und stniu lant. 

Hildebrand, als er des markgrafen leiche fordert: 

7* 



100 



43 



Büdiger hat den Biterolf 



97 2200. Wir sin ouch eilende also Rüedeger der degen. 

Die Klage beröhrt dieses Verhältnis Büdigers, das in der 
. Vilkina saga, wie in den andern gedichten, ganz unbekannt ist, 
wol nur aus zufall nicht; bestätigung und weitere aufschlüsse 
gewährt Biterolf: 

4098. der ouch von fremden landen dar 
was mit arbeiten komen, 

98 Aber wir erfahren seine heimath. 
gesehen: 

4105. — vor den ztten 

dicke in herten striten 
ze Ardbi in dem lande. 

Und hätte in einem kämpfe mit ihm beinahe unterlegen: 

4162. louget ir mirs immer mer, 

ir sitz der vor dem ich ze Arjas 
in strite noßtecliche genas. 

Ob ein ort in Arabien und welcher gemeint sei, weisz ich 
nicht*; sollte Arraz in der Nibelunge noth (1763) dasselbe 
sein? Biterolf hatte schon früher, als er mit Walther bei Paris 
zusammentraf, erkundigungen eingezogen: 

749. wie stüende RüedegSrs leben, 

oder was im biet der künic gegeben 
wider Ardbt daz laut? 

Rüdigers beiden zeigen besondere geschicklichkeit im tumier: 

8956. daz was von ir kunst geschehen, 
daz siez 6 beten gesehen 
ze Aräbt in dem lande. 

ß) heerfahrten bei Etzel. 

Bei dem anblick des todten Rüdigers spricht Wolfhart: 

2197, 2. wer wiset nu die recken so manege hervart, 
also der marcffrdve vü dicke hat getan? 

Auch die Klage weisz davon: fiinf hundert ritter Rüdigers 
kamen um, 

230. svrie dicke in was gelungen 
bt Etzeln dem riehen. 

* es iflt das arabische Spanien gemeint; in Spanien herschte Biterolf. 



. 



43 101 

Und der hünische könig sagt selbst: 98 

1022. j& solt ich Rüedegöre 

mit iu vil pilliche klagen, s^tn triwe hat mich enbor ge- 

tragen 
alsam die veder tuot der wint. ez enwart nie muoterkint 
so rehte gar untriwelos. ich wsene och ie kOnk verlos 
deheinen küeneren man. 

Abenteuer, die Rüdiger für Etzel bestand, führen die übrigen 
quellen noch zwei an. seine listige Werbung um Erka bei dem 
könige Osantrix (Vilkina saga c. 65 — 83) und eine heerfahrt99 
nach der preuszischen stadt Gamali (im Biterolf 1390 ff. be- 
schrieben). 

7) Rüdiger kennt seit seiner kindheit die könige 
zu Worms. 

Etzel fragt: 

1087. wem ist nu bekant 

under iu bt Rine die liute und ouch daz laut? 
dö sprach von Bechlären der guote Rüediger: 
ich hdn erkant von kinde die vü edele kunege h4r. 

Er scheint auch Kriemhild gekannt zu haben, denn als 
Etzel nach ihrer Schönheit fragt, antwortet er: 

1090. Si gelfchet sich mit schoene wol der vrouwen min. 
Heichen der vil riehen, jane künde niht gesln 
in diser werlde schoener deheines küneges wip. 

Kein anderes gedieht erklärt diese frühe bekanntschafl, ja 
ihr widerspricht in der Nibelunge noth selbst, dasz, als Rüdiger 
hernach in Worms anlangt, ihn dort Hagen allein kennt und 
der könig Günther, fragte wer er sei (1117—1120)". 



°' es gibt keinen historisch erweisbaren Rüdiger von Bechelaren nnd alle 
kenntnis von ihm scheint ans der sage nnd dichtung geflossen zn sein. *blosz 
noch einen mythischen Rüdiger erkennen die Chroniken, zuerst eine yon 1343: 
Lipoldus primus marchio in Aostria post Rageram de Praeclara (b. Petz Script. 
Anstr. 1. p. XCVn). damit soll nicht gesagt werden, Rüdiger habe anmittelbar vor 
935 gelebt. — zwei historische Rutgeros de Pachlam hat zwar der sogenannte 
Aloldns de Peklam (Hanthalers fasti Campilienses 1, 2, p. 1277), der 1044 — 
1063 soll geschrieben haben, mir ist aber sogar unwahrscheinlich, dasz der in 
seiner zeit glaubwürdige Ortilo (schrieb bis 1230) alle die unglaublichen dinge 
und nicht zeitgemäszen bezeichnungen, wie Imperator Henricus auceps, aus einem 
buche unter des Aloldus namen excerpiert habe, soll auch Hanthalers schlechte 
vertheidigung ganz gelten, kein echtes werk bedarf so vieler entschuldigungen'. 
Laehmam. — [ZE. 42.] 



102 



43 



99 



i) Nndnn^. 



Rüdiger theilt an die Burgunden, beim abschiede von Be- 
chelaren, gastgeschenke aus: 

1635. Gotlint bot Hagnen, als ir wol ^ezam, 

ir minnecliche f?äbe, Sit si der künic nam, 

daz er äne ir stiure zuo der höchgezit 

von ir niht varen solde; doch widerreite er ez sit. 

1636. Alles des ich ie gesach, sprach dö Hagene, 
so engerte ich hinnen mSre niht ze tragene, 
niwan jenes Schildes dort an jener want: 
den wolde ich gerne föern in Etzelen lant. 

100 1637. Dö diu marcgrävinne Hagnen rede vemam, 
ez mande si ir leide; weinens si gezam. 
do dähte si vll tiure an Nuodunges tot: 
den het erslagen Witege; da von het si jamers not. 
1638. Si sprach zuo dem degne: den schilt wil ich iu geben, 
daz wolde got von himele, daz er noch solde leben, 
der in da truoc enhende. der lac in stürme tot: 
den muoz ich immer weinen; des gät mir armer n6t. 

Kriemhild sucht den Blödelin zum kämpfe durch Verspre- 
chungen aufzureitzen : 

1840, 2. dö lobete si also balde in Blosdelines hant 
eine wite marke, die Nuodunc e besaz. 

1843, 3. unde eine maget schoene, daz Nuodunges wtp: 
so mäht du gerne triuten ir vil minneclichen lip. 

1844. Daz lant zuo den bürgen wil ich dir allez geben, 
so mahtu, ritter edele, mit vröuden immer leben, 
gewinnestu die marke da Nuodunc inne saz. 

Dankwart tödtet ihn: 

1864. Dö sluog er Bloedeline einen swinden swertes slac, 
daz im daz houbet schiere vor- den füezen lac. 
daz si dm morgengäbe, sprach Dancwart der degen, 
zuo Nuodunges bi'iute^ der du mit minne woldest phlegen. 

Auch die Vilkina saga kennt (c. 343) die austheilung der 
gastgeschenke zu Bechelaren. Rodingeir bittet den Högni sich 
etwas auszusuchen, und dieser wünscht einen seeblauen schild 
zu besitzen, den er aufgehängt sieht, der markgraf findet den 
wünsch sehr ziemlich: herzog Naudung habe diesen schild im 
kämpfe gegen Vidga getragen und die schlage des scharfen 
Mimmung damit aufgefangen, bevor er gefallen sei. 

Die erzählung von jenem kämpfe ist in der Vilkina saga 
schon (c. 309) vorangegangen. Naudung af Valkaborg (in an- 



43 103 

dem handschr. ^Valkunborg' und 'Völsliiborg') zieht im gefolge loo 
von Attilas söhnen zur Unterstützung Thidreks ge^en Ermen- 
rek und führt dessen banner (c. 299). aber in der Schlacht 
8itcht Vid^a ihn auf, und nach einem harten kämpfe haut er 
ihm mit Mimmung die bannerstange entzwei und das haupt ab. 
In der Nibelunge noth wird kein verwandtschaftsverhält- 
nis der Gotelind zu Nudung angegeben, die Klage schweigt von 
ihm ganz, dagegen heiszt es im ßiterolf deutlich: Nuodunc der 
edel marcgräve /M/ic; der schoenen Gotlinden kint (3337; vgl. loi 
5578. 5588. 5765. 13258); und er befindet sich ebenfalls in der 
gesellschaft von Etzels söhnen, in der Vilkina saga wird nach 
Rafn (c. 343) nichts von der Verwandtschaft des herzogs Nö- 
dung gesagt, dagegen setzt der Peringskjöldische text hinzu.» Go- 
delinda habe heftig geweint bei der erinnerUng an Mödungs 
tod, der ihr bruder gewesen sei. der Rosengarten c und d 
stimmt vneder mit Biterolf überein: Wittich will nicht eher 
streiten, bis sich Rüdiger mit ihm versöhnt habe, und da heiszt 
es in C (21*): 

der marcgräve gab im hulde und wäfent in ze haut 
umbe einen suon Duodongen (1. Nuodungen)^ den ersluoc sin 

hant. 

In n (cod. Pal. 33): 

umb Rüedegeres suon wart ein staeter (vride) gegeben. 

(Auch in Meusebachs Roseng. ^Rüdigers son Nodog' 796; 
Roseng. F brachst. 121: *sin vater der milde', also Rüdiger. — 
Nib. 2101, 3 sagt Rüdiger miniu kint (s. 97), er hat also mehr 
kinder als die tochter (s. 118); aber auf jeden fall war Nudung, 
wenn er ein söhn war, todt und von andern kindern sagt keine 
sage. vgl. Lachmann und Nib. 2251, 4.) 

k) Dieterich ans seinem reicbe vertrieben. 

2196. Der herzöge üzer Berne Sigestap dö sprach: 
nu hat gar ein ende ^enomen der gemach, 
den uns hie fuogte Rüedeger näh unsern leiden tagen, 
froude eilender diete 11t von iu beiden hie erslagen. 

Wolf hart äuszert sich auf ähnliche weise: 
2183, 4. ja hat uns vil gedienet des guoten Rüedegeres hant. 
2202, 2. — unser trost der beste von iu ist tot gelegen. 

Hildebrand : 

2199. Gebt uns Rüedegeren also toten üz dem sal, 
an dem gar mit j&mer lit unser fröuden val 



104 



43 



101 unde lat uns an im dienen daz er ie hat getan 

an tms vil groze triuwe unde an ander manegen man. 
2200. Wir stn ouch eilende^ also Rüedeger der degen. 

2259, 4. Wer sol mir denne helfen in der Amelunge lant? 

Dieterich : 

2252, 3. owe getriwer helfe, die ich verlorn hän: 

Jane überwinde ich nimmer mere des künic Ezehi man. 

2266, 2. wie habt ir so geworben, Günther künic rieh, 
wider mich eilenden? 



1) Dietericbs beiden. 

Degne von Amelungelant (1659, 2. 2216, 2. auch einmal 
102 von Amelunge der degen 2196, 1), die Bemcere (2210, 1). fol- 
gende werden erwähnt, die ich in zufälliger Ordnung aufzähle: 
1) Eildebrjant, 2) Wolfhart, 3) Wolfbrant, 4) Wolfwtn, 5) Sige- 
stapy 6) Helfertchy 7) Gerbart , 8) Wtchart j 9) Ritschart ^ 10) 
Helmnot. es sind nur zehen und doch darf man mit Wahr- 
scheinlichkeit annehmen, es sollen zwölfe sein, wie in allen an- 
dern heldenkreisen. {neun beiden an Thidreks hof, Vilkina s. 
c. 107, nach c. 170 sind es dreizehn^ Thidrek mitgezählt.) ich 
erkläre mir diesen umstand durch die Vermutung, dasz die bei 
Ermenrich zurückgebliebenen beiden gesellen Heime und Wi- 
tege fehlen; des letztern abfall wenigstens wird hier durch die 
erwähnung von Nudungs tod vorausgesetzt. 

Auch die Klage nennt die Berncere (1930), von Amelunge- 
lant (1586) und zwar 1 — 8 übereinstimmend, nur den Ritschart 
und Helmnot nicht, dagegen aber einen der Nibelunge noth 
fremden Wtcnant (778); hat sie jene beiden nur übergangen, 
so setzt sie elf beiden voraus, was an sich schon unpassend 
scheint. 

Nach Biterolf sollen der Amelunge (7879. 11083) zwölfe 
sein, das wird ausdrücklich gesagt (5242), aber in der that 
werden unmittelbar darauf nur zehne aufgeführt, und nicht mehr 
nennt eine andere stelle (6350) als hauptleute der schaaren. 
neune sind wieder dieselben, aber der zehnte ist nicht Helmnöt, 
sondern ein Sigeher, er kommt mehrmals vor (6355. 10377. 
10648), und ist mit einem vasallen Etzels, Sigeher von Türkie, 
nicht zu verwechseln. — aber Helmnöt wird bei einer andern 
gelegenheit (10652) angeführt, und da auch anderwärts (6357. 
7588. 7798. 9249. 9293. 10650. 11563) und als ein bruder des 
Wolfbrant (10365) jener Wtcnant der Klage, der dann der elfte 
wäre, auftritt; so gebe ich dem Sigeher den zwölfl;en platz, 
demnach ist die zahl vollständig, aber die wegen jener seltsamen 
ausfüllung schon wahr^cheiuliche Verwirrung der sage ergibt 



43 105 

sich deutiich, da noch weiter ein dreizehnter, Adelkart (10379. 102 
10649), ja ein vierzehnter, Wtcher (71dl. 10376. 10650. 11562. 
12220), genannt werden, sie sind um so verdächtiger, als ich 
sonst nur einen 'Weicher von Constantinopel' unter Etzels Va- 
sallen, der freilich dem Dieterich beistand verspricht, in der 
Kabenschl. (72) unddaselbst (708) einen 'Wiker' finde, der aber 
zu Ermenrichs parthei gehört. 

Das gedieht von der Flucht lässt dem Dieterich 43 männer 
in die Verbannung folgen, einige davon werden genannt, aber 
bis auf Hildebrand und Wolfhart sind es ganz andere namen. 

Die Vilkina saga enthält (c, 152 — 63) einen eigenen ab- 
schnitt, worin Thidreks beiden aufgezählt und beschrieben wer- 
den, aber freilich vor seiner flucht: 1) Hildehrandy 2) jarl Hom- 
hoge^ 3) Omlung dessen söhn, 4) Vidga VelenU söhn, 5) TheÜefi^ 
Biterulfs söhn, 6) Fasoldy 1) Sintram von Venedig, 8) Vüdifer^ 
9) Herbrand der weise und weitgewanderte, 10) Heime der 
grimme. Hildebrand ist der einzige, den dieses Verzeichnis mit 
den vorigen gemein hat; zwar fehlen auch hier zwei, um die 
zahl vollständig zu machen, dagegen finden wir Vidga und 
Heime, die dort vermisst wurden, befremdend ist, dasz von 
den übrigen in den andern sagen, wenn gleich ihre namen vor- 
kommen und auch einigemal dieselben personen gemeint sind, 
wie z. b. Dietleib Biterolfs söhn, doch kein einziger mit Diete- 
rich in einer solchen Verbindung steht oder als sein mann gel- 
ten kann, überhaupt scheint die quelle, woraus dieses stück 
der Vilkina saga geschöpft ist, weniger echt gewesen zu sein; 
wie könnte Wolfhart, Dieterichs treuster vasall, sonst fehlen, 
der, ebenso wie Helfrich, späterhin {ülfard c. 270 bei Rafn, 
ülfrad b. Peringsk. Htalprik c. 299) als sein verwandter sich 
zeigt, beide fallen schon in der groszen schlacht gegen Er- 
menrek (c, 310. 311), konnten also nicht mehr mit den Niflun- 
gen kämpfen. 

m) Dieterich mit Herrad vermäMt. 

1321. Diu juncvrouwe Herrät noch des gesindes pflac, 

diu Heichen swester tohter, an der vil tugende lac, 
diu gemahele Dietriches, eins edelen küneges kint, 
diu tohter Nentwines: diu hete vil der eren sint. 

Sie war aus der heimat vertrieben, denn sie heiszt gleich 
hernach (1329, 3) diu eilende meit. dasz ihr vater ein könig 
gewesen und Nentwtn geheiszen, steht hier allein, kein anderes 
gedieht weisz etwas davon; denn ein Nantwin von Regenspurc 
im Biterolf, herzog von Baiern und ein mann der rheinischen 
könige, kann nichts mit ihm gemein haben. 

Auch in der Klage erscheint Herrad, der Helche schwester- 
kind (1099), als Dieterichs gemahlin; diu triutinne min wird 



106 



43 



lossie selbst von ihm genannt (2064. vgl. Rabensehl. 1103). wie 
in der Nibelunge noth heiszt sie anch einmal meit (1146) und 
jnncfrouwe (2115), ich glaube in beziehung auf ihren dienst bei 
der hünischen königin; auch wird ausdrücklich dessen erwäh- 
nung gethan (1200). sie zieht mit Dieterich heim und nimmt 
die schätze mit, die sie von Helche empfangen hatte (2070). 
in dem Biterolf kann sie, diu schoene HerrÄt (4367. 87), der 
Helche niftel (4425), noch nicht Dieterichs frau sein. 

Ip der Rabenschlacht wird die grosze Schönheit der Herrad 
(106. 107), der nahen verwandtin von Helche (74), gerühmt, 

104 und, ohne etwas vom vater und ihrer herkunft zu sagen, ein 
bruder Tibalt von Stbenbürff&n (66) und ein anderer verwandter 
'margraf Perchtung* (73. 74) angefährt. die veranlassung ihrer 
Verbindung mit Dieterich durch Helche (36), so wie die präch- 
tige feier derselben, wobei die königin selbst den segen über 
die neuvermählten spricht, ist der gegenständ einer ausführlichen 
erzählung. das fest findet vor dfem groszen kämpfe zu Ra- 
ben statt. 

Auch im gedichte von der Flucht ist dieser heirat gedacht. 
Herrad wird von der Helche deren schwesterkind sie ist (7420. 
7531), dem Dieterich, während seines aufenthalts bei Etzel, als 
gemahlin vorgeschlagen, er bespricht sich mit seinen mannen 
und Rüdiger kündigt der Helche seine einwilligung an (7633): 

7649. dö swuor man dem hem Dietertche 
vrou Herrät die riebe 
zeinem wibe al zehant. 

Helche verleiht ihm x bei dieser veranlassung Siebenbürgen» 

In der Vilkina saga (c. 317) übergibt die sterbende Erka 
dem Thidrek die Jungfrau Herrad, ihre verwandte, das ge- 
schieht aber nach jener schlacht, worin Erkas söhne umkamen. 
Herrad erscheint hernach als Thidriks frau (c. 367. Rafn; fraend- 
kona bei Peringsk. ist falsche lesart) und kehrt mit ihm in sein 
reich als königin (c. 382) zurück. 



n) Dieterichs gescUecht. 

So häufig der Bemaere (2249, 1), der helt von Beme, 
künec, vogt der Amelunge (1918, 3. 2184, 1) in der Nibelunge 
noth vorkommt, so wird doch niemals sein vater und, unge- 
achtet der nicht seltenen beziehungen auf den verlust seines 
reichs, ebenso wenig der, welcher ihn vertrieb, sein oheim 
Ermenrtchy genannt, während der letztere wenigstens aus altem 
Zeugnissen (oben s. 2. 17. 18. 21) längst bekannt ist. auch 
seines jungem bruders geschieht keine erwähnung. wir erfahren 
blosz Dieterichs Verwandtschaft mit der markgräfin: 



43 IW 

2251, 3. GaUlint diu edele ist mtner basen kint, 

und mit Sigestap, herzöge von Beme; er ist nämlich seiner 
Schwester söhn (2220, 3. überarb. 18949). [ZE. 26, 4.] von 
dieser Schwester ist in keinem gedichte die rede, denn Isolde, 
welche in der Vilkina saga (c. 209) erscheint, niusz eine andere 
sein, der Kosengarten und anhang des heldenbuchs, wie wir 
unten sehen werden, stellen den Siixestap in ein ganz anderes 
Verhältnis: er ist dort ein bruder Wolfharts, und nur in den 
Dracbenkämpfen Caspars von der Köhn ist wieder das alte an- 105 
gegeben. 

Die Klage geht nicht weiter, und es befremdet noch mehr, 
dasz in der ausführlichen stelle (987 — 1012), welche sich auf 
das Unglück in der groszen Schlacht ge^en Ermenrich bezieht, 
nicht ein einziger name vorkommt und kein einziges verwandt- 
schaftliches Verhältnis erwähnt wird; blosz allgemein: der Ber- 
nxre (1055. 1949. 2133) habe vor seinen feinden fliehen müssen. 
— Dieterich bemerkt jedoch auch hier ausdrücklich: 

913. diu marcrsßvinne Goämt diu ist mtner basen kint. 

Er heiszt ihr neve (1 588), wie sie und ihre töchter häufig seine 
niflel (1039. 1342. 1350. 2126); ebenso im Biterolf (11550). 
doch aber bemerke ich eine abweicbung der Klage von der 
Nibelunge noth: die mutter von Sigestap ist darnach (747) 
eine Schwester von Dieterichs vater^ so dasz dieser erwähnt, 
wenn auch nicht genannt wird, ich erlaube mir dabei eine 
Vermutung, sollte die seltsame Zurückhaltung beider gedichte, 
an* Dieterichs vater zu erinnern, oder nur von seinem geschlechte 
zu reden, in der Nibelunge noth um so deutlicher, als deshalb 
absichtlich das Verhältnis Siegestabs geändert scheint, denn die 
angäbe der Klage, wronach beiden beiden ein gleiches alter zu- 
käme, ist doch die natürlichere; sollte diese Zurückhaltung nicht 
eine folge der schon (oben s. 40) erwähnten, in der Vilkina 
sage auf den bösartigen Högni und im heldenbuch auf den Ot- 
nit angewendeten sage von Dietericha übernatürlicher erzeugung 
durch einen nachtelfen sein, welcher der christlichen gesinnung 
nicht anders als ein schwarzer, böser geist erscheinen muste? 
[Haupts zs. 12, 335.] man scheute bei einem beiden, der sonst 
als inbegriff aller tugenden leuchtet — sein name. ist auf immer 
berühmt (Vilkina saga c. 108) — die erinnernng an diesen 
nachtheiligen umstand, die Niflunga saga jedoch setzt diese 
rücksicht bei seite (c. 365), denn Högni, durch die benennung 
elfensohn gereizt, erwidert dem Thidrek, noch schlimmer sei 
ein teufelssohn ; ohne zweifei eine anspielung auf die sonst ver- 
schwiegene abstammung. auch sein furchtbares und entsetz- 
liches antlitz, das Herburt (c. 215) an die wand zeichnet, er- 
kläre ich daher [Haupts zs. 12, 330]. aus gleichem gründe 



108 



43 



ia5 geschieht auch hier und in der Klage seines zornigen feueraihema 
keine erwähnung; er würde an die höllische abkunft gemahnt 
haben, die Niflunga saga (c. 365. vgl. 313) beschreibt ihn 
deutlich mit dem zusatze, dasz der glühend gewordene panzer 
seines gegners keinen langem widerstand gestattet habe ; ebenso 
wird in dem Rosengarten (339. 340 b, 30** c) Siegfrieds horn- 
leib davon weich und verwundbar, und im Siegenot klagt der 
riese: der tiuvel üz im gluote (174, 8) (Ecke 123 Lassb.); in 

106 Etzels hofhaltung erkennt ihn sein gegner an dem feuer, das 
aus seinem munde geht (182. 187), und im Laurin a löst er 
damit seine gefesselte hand^ indem er die bände verbrennt (2049), 
ja in der Rabenschlacht (973. 974) erglüht von seinem heftigen 
zom die rüstung an seinem eigenen leibe und schützt nicht 
mehr, auch der dichter des Biterolfs weisz davon: 

11123. Dietrich rouch aam en kol, 
dö ditz Wolfhart gesprach. 

11129. wie grimme zürnen began 
des künic Dietmäres kint! 
den heiz fiuwerroten wint 
sach (man) erlougen sä zehant. 

In der Nibelunge noth und Klage ist Sigestap der einzige 
von Dieterichs beiden, der als sein verwandter ausdrücklich 
angefahrt wird, zwar in beiden gedichten (2314, 4 und 874. 
1941), sagt der könig: mtne mdge unde mine man, aber das ist 
ein allgemeiner, häufig vorkommender ausdruck (Klage 1121. 
Biterolf 6268. Rabenschlacht 535. 583. 991. Gudrun 15. 2409), 
bestimmter wäre: min allerbestez künne (Klage 390); aber da- 
mit meint Dieterich wohl, wie an einem andern orte (990), den 
markgraf Rüdiger. 

Die Überarbeitung der Klage bricht das stillschweigen über 
den vater des Berners und heiszt ihn, doch nur einmal (2631. 
Lassb.) Dietmäres suon, im Biterolf aber ist dieser name ohne 
bedenken (8041. 8077. 9298. 10642. 11130. 11260) wiederholt, 
es könnte sein, dasz er jetzt erst aus der geschichte eingetre- 
ten wäre, denn der vater des ostgothischen Theodorichs hiesz, 
wie wir aus dem Jemandes (c. 52) wissen Theodomir; allein 
schon früher in Eckehards antheil an den chron. ürsperg. (oben 
s. 36. 37) steht Dietmari filius (in dem chron. Quedlinburg, 
noch nicht), und ich glaube Eckehard hat den ausdruck aus 
der sage genommen, nicht aus dem Jemandes, weil er sonst 
wie dieser Theodomir würde geschrieben haben. Dieterichs Ver- 
wandtschaft erscheint überhaupt im Biterolf zahlreicher: Ermen- 
rieh (in dieser handschrift steht fälschlich Erenreich) wird oft 
angeführt, ohne selbst aufzutreten, heiszt aber nur allgemein 
Dietericbs vetter (12914); thätigen antheil an den begebenheiten 



j 



43 109 

nehmen die uns schon bekannten Havlungey FVitele und Imbrecke 106 
(oben 8. 19. 20. 31. 32. 37); aber dasz ihr vater genannt würde, 
erinnere ich mich nicht. Sigestap von Berne heiszt Dieterichs 
neve (5254), so wie Gotelint seine niftel (11550). endlich darf 
ich nicht vergessen anzumerken, dasz der könig einmal (11755) 
sagt: mtn vriunt Helfrich. der ausdruck ist freilich unbestimmt^ 107 
könnte aber auch so viel als blutsfreund heiszen und dann wäre 
eine gemeinschaftliche abstammung Dietenchs und der Wölfinge 
anzunehmen, denn zu diesen gehört Helferich, wie wir sogleich 
sehen werden, in der Vilkina saga werden, wie vorhin (103) 
angemerkt ist, ülfard und Hialprik Thidreks verwandte aus- 
drücklich genannt. 

« 

0) Hildebrands gescUecht. 

Nur ein einziges verwandtschaftsverhältnis wird berührt: 
Wolf hart ist Hildebrands schwestersohn (2185, 4); Hildebrand 
sein Geheim (2208, 2). die Klage (879. neve 827) und Biterolf 
(8995. neve 9254. 11314. vgl. 12091) stimmen damit überein. 
den namen von Wolfharts vater, mutter und brüdern erfahren 
wir erst im Alphart und Wolfdieterich. 

Die Klage nennt weiter den Wolfwin neve des Hilde- 
brand (765). 

Im Biterolf lernen wir den Wolfwin, der öfter erscheint 
(6359. 7793. 10387), nicht blosz als verwandten Wolfharts 
(oßheim 9354) und Hildebrands (veter 12931) kennen, wir hören 
auch etwas ganz neues: RiUchart ist sein bruder (11567). auch 
vernehmen wir hier zuerst (6359), dasz Wolfbrant ebenfalls zu 
Hildebrands geschlecht gehört, und zwar durch Wtcnant^ der 
sein bruder ist (10365 vgl. 10323) und der dann den Helfertch 
wieder seinen oeheim nennt (10333). endlich kommt hier zum 
erstenmale und zwar, wenn ich nichts übersehen habe, nur ein- 
mal (6361) der familienname die Wülfinge [ags. Vylfingas im 
Beowulf, altn. Ylfingar] vor; allein merkwürdigerweise wird 
auch einmal Hildebrand selbst (so verstehe ich wenigstens die 
stelle, indem ich ergänze: der) Wülfinc genannt (10624). 

Uote^ die wir schon durch Wolfram als Hildebrands frau 
kennen, wird weder in der Nibelunge noth, noch in der Klasse, 
aber auch nicht im Biterolf erwähnt, sie kommt noch vor im 
Rosengarten c und d, Alphart, Hildebrandslied, anhang des 
heldenbuchs, Laurin a, Siegenot. Hadebrant der söhn (oben 
8. 23) erst wieder im volksliede. 

In dem alten bnichstücke (oben nr. 9) steht einigemal Hil- 
tibrant Heribrantea sunii^ dieser vater ist späterhin und nament- 
lich hier, wie in der Klage und dem Biterolf, ganz vergessen, 
und erst im Wolfdieterich und im anhange des heldenbuchs 
kommt er wieder zum Vorschein, in der Flucht findet sich viel- 



110 



44 



gleicht eine erinnerung daran, indem Hildebrant und Herelbrant 
(1. Herebrant) nebeneinander (5849) genannt werden ; doch fehlt 
die bezeichnung eines verwandtschaftlichen Verhältnisses, ein 
einzigesmal geschieht in Dieterichs drachenkämpfen (200^) eines 
Herebrant^ ritters zu Bern, erwähnung. [vgl. auszerdem s. 261. 
. ZE. 5, 2. 15.] auch die Vilkina saga (c. 110. 163) kennt unter 
Thidreks beiden einen Herbrand^ aber keineswegs als Hilde- 

108 brands vater, der vielmehr (c. 15) eines herzogs Reginbald söhn 
und eines herzog Erich von Venedig enkel sein soll ; eine genea- 
logie, die wahrscheinlich erfunden ist, um die lücke in der 
echten sage auszufiülen. 



44. 

Die Klage. 

1) Am schlusz nennt die dichtung ihre letzte quelle: 

2145. Von Pazowe der bischof Pilger tn durch liebe der neven 

sin 
hiez schrtben disiu mcere, wie ez ergangen waere, 
mit Latinischen buochstaben, daz manz ftbr wäre solde 

haben,' 
swer ez dar n&ch erfunde von der alleresten stunde, 
wie ez sich huob und och began unde wie ez ende 

gewan, 
2150. von der guoten recken not und wie si alle gelägen tot 
daz hiez er allez schrtben, ern liez sin niht beliben. 
wan im seit der videlcere diu küntlichiu maere, 
wie ez ergienk unde geschach, wan er ez horte unde 

sach, 
er unde manic ander man. daz mcere dd briefen began 
2155. ein schrtber^ meister Kuonrdt. 

Pilgrim sagt auch selbst im gedieht zu dem boten: 

1728. Swemmel, lobt an mine haut, so ir wider ritet durch 

diu laut, 
des bite ich, friunt, daz ir danne kert her ze mir. 

1730. ez ensol niht so beliben; ich teil heizen schrien 

die stürme unt die grözen not oder wie si sin gelegen 

tot, 
wie ez sich huob und wie ez kam und wie ez allez 

ende nam. 
swaz ir des wären habt gesehen, des sult ir danne mir 

verjehen. 
dar zuo wil ich vrägen von isliches mägen. 



44 111 

1735. ez st wib oder man, 9wer iht da von gesogen kan. 108 

dar umbe sende ich nu zehant mioe boten in Hiunen- 

lant: 
da vinde ich wol diu msere; wan ez vil übel waere, 
ob ez behalden würde niht. ez ist diu groBziste ge- 

schiht 
diu zer werlde ie geschach. 

Also hätte bischof Pilgrim nach dem berichte Swemmels, 109 
des augenzeugen, die begebenheiten niederschreiben lassen durch 
meister Konrad, und zwar in lateinischer spräche. 

Diese angäbe ist insoweit unbedenklich iiir eine erdichtung 
zu halten, als Pilgrim, der am ende de@ zehnten Jahrhunderts 
(991) starb, nicht die erzählung des fidelers kann vernommen 
haben; aber ein lateinisches buch mit einer geordneten erzäh- 
lung der begebenheiten möchte doch wol bestanden haben und 
sein dasein nicht durchaus abzuleugnen sein. 

2) Nachdem der dichter jener grundlage erwähnung gethan 
hat, fährt er fort: 

2155. getihtet man ez sit hat 

dicke in TiiLScher Zungen; die alten unt die jungen 
erkennent wol diu mcere. 

Ofl also wurde daz maere in deutscher spräche gesungen 
und jedermann war es wohl bekannt, dieses zeugnis geht ebenso 
wol auf die Nibelunge noth als die Klage, denn das lateinische 
buch umfasste beides, darauf beziehen sich auch die ausdrücke 
iu ist wol geseit (36) , iu ist dicke wol gesagt (80). der münd- 
lichen sage gedenkt der dichter auch bei Hagens tod: 

368. — — — des hat man immer genuoc 

da von noch ze aagene, wie daz kaem daz Hagene 
stürbe von einem wibe, wan er mit sinem libe 
so vil Wunders het getan, die Hute redent sunder wan 
noch daz ez ein lüge si: so ist daz der wärheit bt, 
daz in des twanc her Dietriche daz der degen loblich 
in sinen banden gelac. 

Zunächst sind die gemeint, welche zweifei an der Wahr- 
heit der sage hegen, auf diese scheint nach Lachmanns bemer- 
kung (note 29) noch eine andere stelle anzuspielen: 

6. — — — ez ist von alten stunden 

her vil wcerltch gesagt^ ob ez iemen missehagt, 

der sol ez lazen äne haz unde hoer die rede färebaz. 

3) Die Klage gedenkt nun aber auch eines bestimmten 
deutschen gedichtes, als der nächsten quelle: 



112 

109 10. 



110 2172. 



44 



Ditze alte maere bat ein tihtoere 
an ein buoch schrtben, desen kundez niht beliben, 
ez ensi och da von bekant, wie die von Burgondelant 
bi ir ziten unde bi ir tagen mit eren beten sich be- 
tragen. 

uns seit der tihtcere^ der uns tihte diz maßre. 



Dieser dichter ist der meister^ auf den mehrmals berufungen 
vorkommen : 

22. — der rede meister hiez daz 

tihten an dem maere, 
285. des buoches meister sprach daz L^^ 
800. — — — der meister seit, daz ungelogen 

sin disiu maere. 

An diese quelle hält sich der dichter der Klage: 

1098. Ein teil ich iu der nenne, die ich von sage erkenne, 
wan si an geschriben sint 

4) Sollte unser gedieht selbst durch seinen inhalt nicht 
näheren aufschlusz über die beschaffenheit seiner quelle geben? 
es beschreibt ereignisse, welche nach vollbrachter räche und 
dem allgemeinen untergange der beiden sich zutrugen, der 
eigentliche gegenständ ist der in den drei übriggebliebenen 
beiden, Etzel, Dieterich und Hildebrand, während der todten- 
beschauung immer neu angeregte schmerz, sodann botschaft 
an die wittwen Godelind und Brünhild, empfang der nachricht, 
endlich Dieterichs entschlusz mit Herrad und Hildebrand heim- 
zuziehen, allein bei erzählung dieser nicht sehr wichtigen, auf 
die sage selbst wenig oder gar nicht einwirkenden begeben- 
heiten nimmt der dichter anlasz, sich auf das vorangegangene 
zu beziehen; ja er scheint eine neigung zu verrathen, den gan- 
zen inhalt des gröszern gedichts, wenn auch nur in kurzen an- 
deutungen, nachzuholen, unsere Nibelunge noth hat er nicht vor 
sich gehabt, auszer zweifei gestellt ist dieser satz durch eine 
genaue vergleichung in der obengenannten schrift Lachmanns, 
auf die ich mich berufe und deren resultate ich hier benutze, 
jedoch mit einschränkung, da nach bekanntmachung des reinen 
textes der Klage einiges theils ganz wegfällt, theils anders zu 
fassen ist. das gedieht von den Burgunden (wie schon bemerkt, 
kommt der andere name in dieser bedeutung hier nur einmal 
vor), das die Klage kannte, enthielt manches nicht blosz in ab- 
weichender darstellung, sondern auch sonsther nicht bekannte, 



'• buochmeister Schriftsteller, Weltchron. cod. Casseli. bl. 27*»' 38» 



— u — 113 

dagegen fehlte ihm, wie es scheint , ein nicht unbeträchtliches iio 
stück. [Sommer in Haupts zs. 3, 193 ff. Rieger das. 10, 241 ff.] 
5) Die abweichungen betreffen zum theil einzelheiten und 
nebendinge; nach der Nibelunge noth z. b. erhält Gernot von 
Rüdiger einen schlag durch den heim (2156, 3), nach der Klage 
aber (927) hat er eine wunde in die brüst empfangen, edler 
ist die erzählung der Klage, dasz Hildebrand der Kriemhild 
das haupt abgeschlagen habe (398), während sie in der Nibe- lU 
lange noth (1314, 2) in stücke gehauen wird, und bedeutender, 
dasz Dieterich nicht zuerst mit Hagen, sondern mit Günther 
kämpft, der ihn dreimal niederschlägt, bevor er besiegt wird 
(598). auch kleine züge kommen vor, die mir nicht zusätze 
scheinen, sondern aus der manchmal genauer beschreibenden 
quelle möge herübergenommen sein, wie z. b. Wolfharts röth- 
licher hart (835). doch ich verweile hier blosz bei einer Ver- 
schiedenheit, welche die grundansicht betriffi und ein eigenes 
schwanken verräth. der räche für Siegfrieds mord wird, wie 
in der Nibelunge noth, allerdings mehr als einmal (50. 634. 
1890) gedacht, und Brünhild namentlich erkennt die rückkehr 
des Verbrechens in das eigene haus (1989). allein der dichter 
mahnt auch an den längst verdienten zorn gottes, der endlich 
zum ausbruch gekommen sei (636), und was er darunter meint 
ist deutlich, wenn er bei der ankunft der Burgunden in Hünen- 
land sagt: 

95. Krtmhilte golt rot 

heten si ze Rine läzen. diu zit si verwäzen, 

daz sis ie gwunnen künde, ich waene si alter aünde 

engulten und niht mSre. 

Also das verhängnisvolle gold war der grund ihres Unter- 
gangs, ungewis ist, ob folgende stelle sich auf Siegfrieds mord 
oder den raub des goldes bezieht: wie gerne sich Etzel den 
Burgunden geneigt bezeigt hatte, 

112. — dem och si billiche 

dienst solden bringen, do muose in misselingen 
von einen alten schulden, ez het wider ir hulden 
geworben also sere Hagen der üherhere^ 
daz siz läzen niht enkunde sine müese bi der stunde 
rechen allez daz ir was. 

Dagegen in einer andern stelle wird deutlich alles unglück. 
von dem Nibelunge gold und dem übermuth bei dem raube 
desselben abgeleitet: 

1713. — der Nibelunge golt rot 

heten si daz vermiten, so möhten si wol sin geriten 
zuo ir swester mit ir hulden. von ir selber schulden 

WiLH. Gbxmk, dbutschb hbldbmsaob. 8 



114 



44 



111 



unde von ir starken übermuot so hän wir die recken guot 
verlorn alle geliche in Etzeln küncrtche. 



Endlich erscheint noch eine neue^ dem meister des buchs 
ausdrücklich zugeschriebene, die that der Eriemhild entschul- 
digende ansieht: 

112 285. Des buoches meister sprach daz fe, dem getriwen tuet 

untriwe wo. 
Sit si in triwe tot gelac, an gotes hulden manegen tac 
sol si ze himel noch geleben» got hat uns allen daz ge- 
geben, 
swes Itp mit triwen ende nimt, daz der dem Jiimelrtche 

gezimt. 

Schon früher (70 — 79) wird darauf hingedeutet. 

6) Schwieriger zu beurtheilen sind die lücken^ welche sich 
in kenntnis der sage zeigen, fehlte das, was die Klage nicht 
sagt, auch in ihrer quelle? man sollte meinen, ein dichter, der 
blosz andeuten, nicht darstellen will, muste mit dem besten 
willen genau zu sein doch manches vorbei gehen lassen.' ist 
z. b. die Verbrennung des saals durch die worte: daz hüs lac 
gevallen (608) und durch die asche, in der Wolf hart liegt (854), 
hinlänglich angedeutet, oder erzählte die quelle selbst nur un- 
vollständig? gleichwol scheint mir Lachmann bewiesen zu haben, 
dasz die Klage von dem ersten theil der Nibelunge noth nur 
einen auszug und den allgemeinen Zusammenhang kannte, von 
Siegfrieds Jugend und unverwundbarkeit, dinge, die auch dort 
dunkel und lückenhaft erzählt werden, von dem besitz der tam- 
kappe, von Brünhildens überwältiguiig wüste sie durchaus 
nichts, aber auch aus dem zweiten theile fehlte offenbar man- 
ches, wie z. b. der nächtliche, von der Kriemhild den Burgun- 
den bereitete Überfall. 

7) Die stellen, in welchen die kenntnis der Klage über dm 
inhaU unserer Nibelunge noth hinaus geht^ müssen hier sämmt- 
lich aufgezählt werden: 

. a) Nach der Nibelunge noth (1320) findet Kriemhild an 
Etzels hof sieben königstöchter, die sonst der Helche dienten, 
die Klage weisz ihre namen und noch mehr: 

1093. — daz riebe hofgesinde 

der kom dar mit leide wol sehse unde ahzec meide, 

1095. die frowe Helche het gezogen, den e üfen regenbogen 
mit fröuden was gebouwen. wer mehte des getrouwen, 
daz si so nider selten komen? in was ir tröst gar be- 
* nomen. 



1^ 



44 116 

ein teil ich iu der nenne, die ich von si^e erkenne, 112 
wan si an geschriben sint. dar gie froun Heichen 

swester kint, 
1100. frou Herrät diu riebe: do mert sich Dietriche 

sin ungefiiegiu herzen ser. noch kom der hochgebor- 

ner mSr: 
des künc Nttigers kint diu minnecliche Sigelint: isi 

dar kom durch leide schouwe Goldrun diu frouwe, 
eines künges tohter her; der was geheizen lAudiger 
1105. unde saz ze Frankrtche; dem het minnecliche 

Helche erzogen sin kint. mit der juncfrowen sint 
kömen Hildeburc und Herlint^ zweier riehen fursten kint: 
Hüdeburc diu schänden vri was geborn von Normandi^ 
Herlint was von Kirchen, von klage man vil der 

siechen 
1110. unter den schoenen vrowen vant. nach den kom dö 8& 

zehant 
diu herzoginne Adelint, des küenen Sintrama kint. 
den helt man wol bekande; er het bi Osterlande 
ein hüs an Ungermarke stät (Puten noch den namen 

hat): 
da wuchs von kinde diu magt, von der ich hie hän 

gesagt. 
1115. sine sint uns alle niht erkant, die Helche z6ch in 

Hiunenlant 
unde Krimhilde kömen an. Ezeln man si sande d^n 
unde Heichen ze eren. 

Schon vorher ist erzählt, dasz Nitiger von Giselher ge- 
tödtet wurde (772), und im Biterolf wird seine tochter als zum 
gesinde der Helche gehörig zwar nicht mit namen genannt, 
aber doch als Nitikers kint (13191) deutlich bezeichnet. — 
Goldrun kommt sonst nirgends vor [Haupts zs. 12, 316], und 
warum der Überarbeiter den namen mit einem andern, in dem 
Sagenkreis ebenso unbekannten : Winelint (2320 Lassb.) vertauscht 
hat, errathe ich nicht; auch ihr vater Lüdeger von Trankreich 
erscheint anderwärts nicht wieder, selbst im Biterolf nicht. — 
Hildburg von Normandie finden wir dagegen in dem letztgenann- 
ten gedieht als tochter Ludwigs von Ormanie und frau des Her- 
bort (6465. 6505), nicht aber ihre gefährtin Herlind von Grie- 
chen. — Sintram wird in der Flucht (5134. 9839) und Kaben- 
schlaeht (58. 579. 994. 1037) angeführt, ohne irgend eine be- 
stimmung seiner heimat; näheres erfahren wir aus dem Biterolf 
(1107), wo er Sintram von Griechenland heiszt, obwol er auch 
im Osterland seinen sitz hat (1100), mit dem Sintram der Vil- 
kina saga scheint er nichts gemein zu haben. 

8* 



llß 



44 



113 b) Etzel ist fünf jähre lang ein christ gewesen, er erzählt 
selbst: 

114 491. — — — miniu apgot schuofen, daz ich louc 

siner starken gotheit, daz ich lie die kristenheit. 
daz ist äne zwifel war, ich was kristen fümf jdr: 
doch geschuofen si daz sider, daz ich mich vernoijierte 

wider 
495. und wart in als e lüidertän. ob ich nu gerne wolt 

enpfän 
kristenleben und die rehten e, daz enwirt mir wider 

nimmer me: 
wan ich hän mich unervorht so sere wider in yerworht, 
daz er min leider niht enwil. 

Es sieht wie ein absichtlicher zusatz aus, um die ehe der 
Kriemhild mit einem beiden zu rechtfertigen, wenigstens zu ent- 
schuldigen, der Überarbeiter hat ihn in die Nibelunge noth 
aufgenommen. 

c) Frau Ute, die mutter der Burgundischen könige wohnt 
in der abtei zu Lorse^ ihr leben in geistlichen Übungen zubrin- 
gend (1840), und wird dort begraben, als kummer sie tödtet 
(1990. 91). 

Diese angäbe ist in der Überarbeitung der Nibelunge noth 
noch erweitert worden (9562 — 9625). Ute stiftet nach Dank- 
rats tod das kloster zu Lorse: des dinc vil hohe an eren stat. 
auch Kriemhild hat reichlich dazu beigesteuert. Ute zieht sich 
auf den sedelhof bei Lorse zurück und lädt ihre tochter, die 
gerne Worms verlassen hätte, zu sich ein. Kriemhild lässt erst 
die gebeine Siegfrieds wieder erheben und zum zweitenmale bei 
das kloster zu Lorse begraben: da der helt vil küene in eime 
langen sarke lit. darüber kommt die Werbung Etzels. — der 
geschichte nach ist Lorsch schon 764 unter Pipin gestiftet, 
seine blütenzeit, wovon die dichtung redet, fallt in das ende 
des zwölften Jahrhunderts als Heinrich (st. 1167) abt war. der 
letzte abt Konrad, der im anfang des dreizehnten Jahrhunderts 
zu dieser würde mochte gelangt sein und 1216 zuerst genannt 
wird, richtete das kloster durch üppige Verschwendung zu grund 
und wurde von seinen mönchen beim pabst verklagt, der ihn 
1229 entsetzte und die abtei dem erzstift Mainz übergab, wel- 
chem sie kaiser Friedrich 11 förmlich schenkte (Dahl gesch. von 
Lorsch s. 88). [Lachmann zu der Nib. 353, 2.] 

d) Für Kriemhild treten noch andere kämpfer auf: 

173. Der herzöge Herman^ ein fiirste üzer Poelän, 

unde Sigeher von Waldchen vil fiizeclichen rächen 
der edeln Kriemhilde leit. zwei tüsent riter gemeit 



44 117 

si brähten zuo der Wirtschaft, die von der edeln gesteu4 

kraft 
Sit alle wurden verswant. dar het durh Kriechischiu m 

lant 
braht üz Türkte Walber der edelfrte 
zwelf hundert siner man: die muosen alle da bestän 
180. swaz ir von Kriechen was bekomen, unde swaz die da 

heten genomen 
des Kriemhilde goldes unde Etzeln soldes, 
den dienten si vil swinde. 

Herzog Herman von Pohlen erscheint im Biterolf, wo er 
besiegt und dem könige Etzel dienstbar wird (3585. 3750. 3805. 
3999); auch Sigeher, von welchem hier noch (781) erwähnt wird, 
dasz ihn Günther getödtet habe, ist dort Etzels mann (3456. 
4947. 5418. 10730. 11656), heiszt aber etwas abweichend: Si- 
geher von Türkte. ein SigehSr auch in der Flucht (5841. 8594) 
und im Alphart (80); ich glaube derselbe.* nur Walber finde 
ich sonst nirgends. 

e) Verschieden geordnete kämpfe und genauere angaben 
des einzelnen dabei hat Lachmann s. 55. 56. bemerkt, unter 
Dieterichs mannen wird aber auch einer noch genannt, der in 
der Nibelunge noth fremd ist: Wicnant^ den Günther erschlägt 
(vgl. oben s. 102). 

f) Nähere Verhältnisse von Irnfrit^ Hawart und Iring. 

185. die üf gnade wären komen 

Etzeln dem riehen, die dienten ängestlichen. 
der wil ich iu nennen drt, daz elliu lant des wären vri, 
daz iht küeners drinne waere, danne Irnfrit der maere 
unde Hawart unde Irinc. den rekhen warn iriu dinc 
190. von grözen sculden, hän ich vemomen, daz si ine rtchee 

cehte wären komen: 
doch wart des dicke sit gedäht, daz man si gerne hete 

hräht 
zuo des keieers hulden. doch belibens in den schulden 
unzen ir Itbes ende, si hset mit gebender hende 
Etzel bräht dar zuo, daz si nu spät unde fruo 
195. täten swaz er wolde. dö man rechen solde 

der schoenen Krimhilde leit, des warn si willic unde 

bereit. 
Man sagt, als ichz hän vernomen, von wanne si dar 

wären komen. 



* gewis nicht, g. unten e. 190. PUB. 1, XXllI, 



118 



44 



ÜB Irnfrit der helt üz erkant der het gerümet Dürengelant, 

da er e lantgrdve hiez. e man in da verstieZy 
200. Häwart der degen starke was vogt in Tenemarke. 
Irink der degen üz erkorn was ze Lütringe geborn 
unde was ein starc küener man : mit grözer gäbe im an 

gewan 
Hdwart daz er wart sin man. sus ist uns daz msere 

komen an. 

Die Nibelunge noth weisz nichts davon, dasz diese drei 
beiden in des reiches acht standen und ihre länder hatten ver- 
lassen müssen, noch weniger, dasz vergebliche versuche ge- 
macht waren, ihnen die gnade des kaisers wieder zu erwerben, 
wir finden sie dort zwar bei Etzel, aber es ist nicht gesagt, 
dasz sie Zuflucht bei ihm gesucht hätten. Iring tritt auch dort 
als Hawarts von Dänemark mann auf, dasz dieser ihn aber 
durch grosze geschenke gewonnen habe, erfahren wir hier zu- 
erst und ein besonderer unterschied liegt in seiner abstammung 
aus Lothringen, die wenigstens natürlicher ist, als wenn er in 
der Nibelunge noth markgraf ebenfalls von Dänemark heiszt 
(1965, 1), ein irrthum, der wahrscheinlich * durch seine eigen- 
scbaft als vasall Hawarts ist veranlasst worden, die sage mochte 
hier nichts mehr von seiner heimat wissen, wie in der Raben- 
schlacht (709) und Dieterichs flucht; so oft er in letzterm ge- 
dichte genannt wird, heiszt er nur Iring ohne einen zusatz 
(5126. 5375. 5893. 7335. 8567), dagegen in dem Biterolf wieder 
Lothringen als sein Vaterland anerkannt (1589. 3435. 5289. 
11616), ja bei der anordnung des kampfes gesagt wird: 

7725. — — — — den herzogen üz Lütringen 

den sol her Iring bestan, von dem in ahte wart getan 
der Etzelen recke üz Hiunenlant. 

Von Hawart und Irnfried heiszt es im Biterolf gleichfalls: 
'dife tnubsen doch ir selber laut rümen durch ir viende haz (5296), 
und letzterm weist Hildebrand in beziehung darauf den gegner 
im katilpfe an: 

7726* -^ — — Irnfride den wigant 

den schafie ich billichen dem lantgräven riehen, 

von dem der helt wart doch vertriben und eilende ist 

ouch beliben 
in Hiuüischen landen bi Etzelen wiganden' 



31 



'* sollte irgend ein Zusammenhang zwischen Irnfrit und Hawart and 
Tdein feckievrid und Hadawart sein, die im Waltharius nebeneinander genannt 
werden, und, freilich als Vasallen des rheinischen königs, kämpfen? aber es ist 
nicht blosz die ähnlichkeit der namen, welche auf die Vermutung leitet, sondern 
auch der umstand, daszEckevrid von geburt ein Sachse ist (753), der, weil 
er einen fürsten getödtet hatte, sein Vaterland verlassen muste. 



44 119 

Hier, wo wir etwas näheres über Imfrit und Inno ver- U7 
nommen haben und wissen, dasz jener vordem landgraf von 
Thüringen war, beide aber in der reichsacht und in der Un- 
gnade des kaisers lebten, hier ist zu einer allgemeinen bemer- 
kung gelegenheit. beide beiden sind keine anderen, als Irmen- 
fried und Iring der thüringischen sage, die wir bei Wituchind 
aus dem zehnten Jahrhundert (deutsche sagen 2, 322) in ziem- 
licher abweichung von der geschichte kennen lernen. Imfrit 
ist zugleich eine historische person, jener könig Irmenfried von 
Thüringen^ der mit Amalaberg, Schwestertochter des ostgothi- 
schen Theodorichs vermählt war; dagegen Irinc blosz der dich- 
tung anheimfallen mag. nach Wituchind floh Irmenfried mit 
weib und kindem bei dem nächtlichen überfalle der Sachsen, 
die im bündnis mit dem fränkischen könige Theodorich, der 
hier sein schwager ist, ihn eingeschlossen hatten. Theodorich 
liesz den Irmenfried zurückrufen und bewog durch falsche Ver- 
sprechungen den Iring, des unglücklichen königs rath, seinen 
eigenen herm zu tödten. als aber Iring, statt der erwarteten 
belohnung, den befehl erhielt, das reich zu verlassen, rächte er 
sich sogleich, indem er auch den Theodorich erstach, diese 
erzählung gewährt auszer der flucht Irmenfrieds und der Ver- 
bannung, in die Iring gehen sollte, keine Übereinstimmung mit 
den angaben des gedichts; allein anders und mit sagenhaften 
abweichungen kommt sie in der schrift eines ungenannten de 
Suevorum origine (Goldast Script, rer. Suev.) vor. wir haben 
kein zeugnis über das alter dieses Stücks von ganz geringem 
umfang, aber die formen der darin gebrauchten eigennamen: 
Wito, Alpkerus, Gozholdus, Swabowa (Schwabenau), lassen 
kaum einen zweifei, dasz es noch in die althochdeutsche periode 
gehöre. Wituchind ist nicht etwa zu grund gelegt und abge- 
ändert, obgleich es so scheinen möchte, weil die Schwaben die 
stelle der Sachsen einnehmen, sondern es ist eigenthümliche 
und lebendige Verschiedenheit der sage, und etwas davon (ich 
übergehe natürlich hier alles andere) werden wir sogleich durch 
die gedichte bestätigt sehen. 

Die erzählung nimmt nämlich einen ganz andern ausgang: 
Irminfried bleibt am leben und Iring ermordet weder seinen iis 
herrn, noch rächt er sich an Theodorich, sondern als die Schwa- 
ben nachts das lager der Thüringer überfallen, heiszt es blosz: 
quo peracto tantam stragem de hostibus dederunt, ut vix quin- 
genti cum Irminfrido evaderenty qui etiam commigraverunt ad 
Hunnorum regem Attilam. wir sehen jetzt deutlich, warum Irn- 
frit bei Etzel sich aufhält; der fränkische könig Theodorich 
wird in der lOage durch den kaiser dargestellt, seine feind- 
Schaft durch die reichsacht und der held nicht könig von Thü- 
ringen, sondern, dem Zeitalter des gedichts gemäsz, landgraf 
genannt. 



120 



44 



118 g) Als die übrig gebliebenen den Wolfmtn in seinem blute 
liegend finden: 

764. — — — do sprach meister Hildebrant 

Herre, deist der nem min unde der burcgrdve din^ 
suon des küenen Neren, 

Kein anderes gedieht enthält diese näheren umstände von 
Wolfwin (oben s. 107) oder weisz, dasz sein vater N^re hiesz. 
derselbe Nere, der im Alphart vorkommt (44 — 77) und in Die- 
terichs flucht (3003. 4136. 4423. 5845. 8289. 9922), wo er im 
kämpfe fällt? 

h) Die boten, 

1375. — von Hiunischen landen 

si ze Wiene kömen in die stat. mit zühten si ze hüse 

bat 
ein frowe saz darinne, diu riebe herzoginne 
Isolde, ein vil schoeniu magt*. 

i) Rüdigers tochter Dietelint v^rird genannt (1349. 2111. 
2126) und einmal sein pferd Poimunt (1426) [ZE. 26, 1], 
beider name in keinem andern gedichte. 

8) Wir haben die quelle der Klage in ihrer eigenthümlich- 
keit kennen gelernt, es fragt sich nun : ist diese quelle eins mit 
jenem deutschen gedichte, auf dessen meister, v^ie auf eine 
autorität, sich die Klage mehrmals beruft? mir scheint eine 
bejahende antwort, welche uns der Voraussetzung verwickelter 
Verhältnisse überhebt, die natürlichste, dieser meister des buchs 
hat sich schon auf das angeblich von Pilgrim veranstaltete latei- 
nische werk Konrads bezogen, und es existierte wirklich, oder 
er hat es, um mehr eindruck zu machen, selbst fingiert; den 
dichter unserer Klage, der sich überall gewissenhaft zeigt, glaube 
ich in jedem falle von diesem betrug freisprechen zu müssen, 
er nahm sich das ende jenes gedichts, eben die wenigen in der 
Klage enthaltenen begebenheiten, zu einer besondern, redseligen, 
etwas ängstlichen bearbeitung heraus, unsere Nibelunge noth, 

119 falls sie schon vorhanden war, wofür eben nichts spricht, braucht 
er nicht gekannt zu haben, am wenigsten hat er daran gedacht, 
sie fortzusetzen; er wollte ein selbstständiges gedieht liefern, 
in welcher form jenes werk des meisters abgefasst war, ob und 
inwieweit die Klage sich abänderungen erlaubte, lässt sich 
freilich nicht mit gewisheit bestimmen; am wahrscheinlich- 
sten ist jedoch, dasz sie in ton und weise, namentlich im ge- 
brauch der epischen Strophe, unserer Nibelunge noth glich, 
darauf leitet die Übereinstimmung in einzelnen volksmäszigen 
ausdrücken, die Lachmann (s. 38 — 41) nachgewiesen hat, wie- 
wol einiges davon, als der überarbeiteten Klage zugehörig, jetzt 
wegfallt, hätte der dichter unserer Klage zwei (juellen gekannt 



44 121 

und benutzt, die eine möchte noch so kurz, eine blosze angäbe 119 
des inhalts, gewesen sein, in den thatsachen würden sie sich 
gewis einigemal widersprochen und der behutsame dichter, der 
öfter vorbringt, die sage sei ihm auf diese art überliefert, würde 
gewis nicht versäumt haben, diesen widerstreit ausdrücklich an- 
zumerken, ich weisz nur zweierlei was man für den gebrauch 
einer doppelten quelle anführen könnte, erstlich das schwan- 
ken in der grundansicht, welche bald Siegfrieds mord, bald den 
raub des hoües, bald die treue der Eriemhild, die den ersten 
gemahl nicht vergasz, als Ursache des Verderbens angibt, allein 
dieses schwanken, an sich so begreiflich, konnte schon in der 
dichtung des meisters begründet sein, das zweite ist ein Wider- 
spruch, der in dem ältesten text der Klage bereits sich vorfin- 
det: nach einer und zumal weitläuftigen stelle (368 — 75) tödtet 
Kriemhüd den Hagen selbst (wie in der Nibelunge noth 2310, 
3), nach einer andern heiszt sie ihn zugleich mit Günther er- 
schlagen (1967). sollte dies etwas anderes sein, als ein bloszes 
versehen und ein ungenauer ausdruck, wofür ich es zu halten 
geneigt bin, so könnte es ja ebenfalls sich in der grundlage 
geradeso vorgefunden haben, und blosz deshalb die benutzung 
zweier quellen anzunehmen, scheint mir höchst gewagt. 

9) Die Klage enthält aber auch beziehungen auf die sage 
von Dieterich und diese müszen hier genau angeführt werden, 
da sie sich weiter erstrecken, als jene in der Nibelunge noth. 

a) Flucht ans seinem reich. 

Dieterich klagt: 

523. — — — si sint mir alle erslagen tot, 

die mir helfen selten unde gerne bringen walten 
wider an min Sre. ja riwent si mich sere 
die nötgestallen mine. 

872. — — — min langez eilende 120 

hat vaste sich gemeret. der tac si geuneret 
daz ich ie schiet von Beme. 

911. — — — ich solt vil unvertriben sin 

von küngen immer mfere, ob lebt der degen h^re. 

Der Dietelind verspricht er beim abschiede: 

2129. — — — überwinde ich aber mtne not 

unde kum ich immer in mm lant, daz lob ich an dine 

haut, 
daz ich dich gerne scheide von jämer und von leide, 
so ich aller verriste kan. 



in 



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vm 



\%\ 



Aas der fiberarbeitmig: 

1072, ^alrest mr bin ich vertrihen. 
v&n avot tnt von lande, 
Uli dute wigande 
mir nit langer solden leben." 

b) KriegSKÜge bei EtzeL 

Dieterich sagt zu dem todten Wolfhart: 

865. Etzel der ktink here 

b4t manegen sie von dir genomen. 

c) Falirt gegen Ermenricli. 

Der markgraf Rüdiger liegt todt in seinem Schilde: 

987. Dö sprach der von Berne: nu meht ich als gerne 

stn vor zwelf jären tot. du hast mich lazen in der not, 
daz mir bezzer waere begraben, zuo wem sol ich du 

trost haben? 
990. min aller beste künne, min fröude und min wünne 

ist an dir einem gelegen, ez wart nie getriwer degen 
und waöne och üf der erde ni mer deheiner werde, 
daz taßte du mir vil wol schin. dö ich den viänden min 
muose rümen miniu laut, die triwe ich ninder do vant 
996. wan an dir einem, Rüedeger. Etzel der künek hör 
was mir so vtentlichen gram, daz ez nieman enzam, 
der mir daz gehieze, daz er mich leben lieze. 
dö reit ich üf den tröst din zuo den widerwinnen min. 
dö lobtes du daz, Rüedeger, daz Etzel der künec her 

1000. dich ö müese hähen, e du mich liezest vähen. 

do erwürbe du mir hulde, daz Etzel miner schulde 
also grözer vergaz, mit triwen taste duo daz: 
du hset min och lougen den die mich mit ir ougen 
bt dir vil dicke sähen, ich was Etzeln nähen, 

1005. helt, in dtner huote, unz frowe Helche diu guote, 
diu edel küniginne^ an dir wart des inne, 
das du enthielte mich in not. der vrowen ir tugent 

daz gebot, 
dai si sich imer mere begunde flizen sere, 
wie si dai bedachte, daz si mich ze holden brachte 

1010« mit dir> vil tugenthafter man. allez trüege du daz an 
hin le Etael dem riehen, daz er gewalticlichen 
in sine hulde mich enphie^ dar luo verlieze da mich nie 
mit triwen üx den gnaden diki: swes mir nnt den man- 
uell mili 
gelwasl m eUende, ^ mitte und dite li^ide 



U 123 

1015. täten mir sin alles buoz. owe der mir dinen gruoz ^^ 
BÖ verre nu gefrumt hat, der bat mir allen mtnen rät 
üz miner kamere genomen. din sterben ist vil übel 

komen 
mir vil eUendem man. 

Den Zusammenhang der in dieser stelle angedeuteten er- 
eignisse gewährt die Vilkina saga (c. 293 — 316). Attila rüstet 
dem Thidrek auf bitten der Erka zur Wiedereroberung seines 
väterlichen reiches ein groszes heer aus. Attilas beide söhne, 
noch in zartem alter, machen diesen zug mit. es kommt zu 
einer groszen schlacht, in welcher Ermenrek zuletzt die flucht 
ergreift, worin aber die beiden königskinder unter den Schwer- 
tern Vidgas und Rungas fallen. Thidrek scheut sich zu Attila 
zurückzukehren, doch Rodingeir beredet ihn dazu und Thidrek 
versteckt sich dort in eine küche, bis der markgraf dem Attila 
den hergang erzählt und ihn von Thidreks Unschuld tiberzeugt 
hat. Attila zürnt nicht, sondern er und Erka empfangen ihn 
mit voller huld und verzeihen alles. 

Man sieht doch durch, dasz die Überlieferung, wie die 
Klage sie kannte, in vielen stücken anders lautete. Dieterich 
trug in der schlacht nicht den sieg davon (und das ist auch 
viel wahrscheinlicher, weil er, statt in dem wieder eroberten 
reiche zu bleiben, ins Hunnenland zurückkehrt, und wie es in 
der Vilkina saga c. 316 ausdrücklich heiszt, hernach lange zeit 
dort blieb) ^ sondern muste vor den feinden fliehend, sein erbe 
verlassen. Etzel ist gegen ihn so aufgebracht, wahrscheinlich 
wegen des Verlustes seiner beiden söhne, denn ausgesprochen 
ist dieser grund nicht, dasz der Bemer für sein leben fürchtet 
und nur auf Rüdigers Vertröstung, der ihm mit dem eigenen 
haupt für seine Sicherheit bürgt, begibt er sich zurück, dort 122 
hält ihn der markgraf verborgen, bis er ihm des zürnenden 
Etzels huld wieder erwirbt, wobei sich Helche vorzüglich thätig 
erweist. 

In der erzählung der Rabenschlacht (1015 — 1138) ist diese 
feindliche gesinnung Etzels noch etwas mehr angedeutet, als in 
der Vilkina saga, sonst aber manches verwischt. Dieterich 
nach gewonnener schlacht wagt nicht, da Etzels beide söhne 
geblieben sind, zurückzukehren (wovon die nothw^idigkeit ohne 
einen grund vorausgesetzt wird), sondern will in Bern bleiben, 
bis Rüdiger ihn dort entschuldigt und ihm einen boten geschickt 
hat. Rüdiger redet ihm also nicht zu, mitzuziehen und Diete- 
rich braucht sich weiter nicht verborgen zu halten. Helche 
verwünscht bei der nachricht von dem unglück im ersten schmerze 
den Dieterich, doch als der markgraf den wahren verlauf mel- 
det und seine Unschuld darthut, so zeigt sie sich bereit, ihm 
hidd und gnade wieder zu schenken; ein gleiches verspricht 



124 



44 



122 Etzel. Rüdiger ist selbst der böte, der dem Dieterich die gute 
nachricht nach Bern bringt, jetzt erst kommt dieser zu Etzel 
zurück und erhält Verzeihung. 

Die Vilkina saga (c. 293) bemerkt, der zug gegen Ermen- 
rek sei unternommen worden nach einem zwanzigjährigen auf- 
enthalte Thidreks bei Attila; die Klage gibt die zeit an die 
seitdem verflossen ist, nämlich zwölf jähre, das sind genau die 
32 jähre, die nach der Vilkina saga (oben s. 22) Thidrek in 
der Verbannung zubrachte, beide gedichte stimmen in dieser 
angäbe gegen das angelsächsische zeugnis und das Hildebrands- 
lied, die nur 30 jähre annehmen. 

10) Zwei handschriften der Klage, aber nicht die älteste, 
haben am schlusz noch folgendes über Etzels ende: 

2159. Wie ez Eceln sit ergienge und wi er sin dinc ane 

vienge, 
do her Dietrich von im reit, des enkan ich der wärheit 
iu noch nieman gesagen. sümeltche jehent, er würd er- 

slagen; 
80 aprechent sümeltche nein, under disen dingen zwein 
kan ich der lüge niht gedagen noh di wärheit gesagen; 
want da hanget zwifel bi. 

2172. uns seit der tihtaere, der uns tihte diz maere, 

ez en waere von im sus niht beliben, er het iz gerne 

geschriben, 
daz man wiste diu msere^ wie ez im ergangen wasre, 
128 waere iz im inder zuo komen oder het erz sus ver- 

nomen 
in der werlde von iemen. da von weiz noch niemen 
war der künec Ezel ie bequam. [ZE. 28, 6.] 

Der dichter des Bitefolfs sagt nichts darüber, ich glaube 
auch nicht, dasz er etwas verschweigt, sonst würde er nicht 
ruhig erzählen : sin wirde nie gelac unz an sines libes tot (4055). 

Die Vilkina saga allein, auszer den erwähnten eddischen 
lledem, weisz von Attilas tod. bei ihm wächst Aldrian auf^ 
ein söhn Högnis, den dieser, obgleich unheilbar verwundet, vor 
seinem ende mit einer hunnischen frau erzeugt hatte. Aldrian 
besitzt den Schlüssel zu Siegfrieds keller, worin der Niflunge- 
schatz liegt, zwölf jähre alt, lockt er den Attila, der schon 
früher (c. 334) als geldgierig und lüstern nach dem horte ge- 
schildert ist, durch die erzählung von Siegfrieds gold zu einem 
berge, öffnet mit jenem Schlüssel drei thüren und fährt ihn hin- 
ein, während sich Attila über die reichthümer jfreut, eilt Al- 
drian, der endlich den augenblick herbei gekommen sieht, wo 
er den tod seines vaters und seiner verwandten rächen kann, 
hinaus und verschlieszt die thüren; nach drei tagen erscheint 



— 45 125 

er noch einmal, verkündigt dem Attila, dasz er bei dem golde 128 
sterben müsse, bedeckt die thüre mit steinen und rasen und 
reitet darauf fort in seine heimath. seitdem ist der Niflunge- 
hort verloren (c. 386 Rafn). sÄgen von Etzels verschwinden 
werden noch unten vorkommen. 



45. 

BiTEROLF. 

1) Aehnliches Verhältnis, wie bei der Klage: wir besitzen 
die Überarbeitung eines älteren werkes. der Verfasser beruft sich 
mehrmals und deutlich auf seine quelle: 

19. von sinen (Biterolfs) alten mägen darf mich niemant 

fragen, 
wie die schuofen ir leben, des kan ich iu niht ende 

geben; 
der dise rede tihte, der liez uns unberihte. 

2005. der ditz meiere anschreip. 

10663. — — — der ditz mcere von erste schreipj 
dem muoz ez wesen wol bekant. 

Mehr als dieser weisz er nicht: 

107. ich enwciz [nit] von wanne er was komen. 

833. uns ist der mcere niht geseit, wie der küene helt reit, 124 
oder wä er nahtselde nam. 

1121. des enhän ich niht vornomen, ist er äne strtt komen 
hinz Etzelburc der riehen. 

1726. toir wizzen niht der wärheit, 

2440. der rede ich so beichtet bin. 

13040. also endet sich der schäch. wes sie pflägen sit hie 

nach, 
des ist mir lützel iht bekant. 

Der dichter, ich meine hier natürlich den* ersten, zeigt 
geographische kenntnisse. Biterolf berührt bei seiner reise von 
ToUt in Spanien in das hünische reich Baris (566) und Bur- 
gonie (811); Dietleibs fahrt enthält genauere angaben: in Bur- 
gundilant (2374 — 80) angelangt, zieht er von der bürg Tronje 
nach Hetzen (2489. 2690), dann nach Lütringe in den ' Waschen-- 
walf (2676), dessen läge also hier richtig angegeben ist, bei 
Oppenheim (2730) über den Ehein, so dasz Worms rechter band 



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126 45 



194 liegen bleibt, weiter nacli Österfranken, wo der Moun flieszt 
(3116—18), durch Beirlant (3179) bis nach Etzelhurc (3212). 
am sorgfaltigsten wird die fahrt von Etzelburg nach Worms 
beschrieben: die boten gebrauchen dazu sechszehn tage (4790), 
(nach den Nibelungen 1115, 1. 1370, 1. 2 zwölf isLge vonBeche- 
laren nach Worms; Dieterichs reise in der Klage geht lang- 
samer, denn er trifft erst am siebenden morgen zu Bechelaren 
ein 2109); als das grosze beer aufbricht, werden die Stationen 
angegeben. Etzel geleitet es unz an der Lite stat (5371). dann 
geht der zug gegen Wiene {5HS\ der herzogin Isalde geschieht 
keine erwähnung) zuo der Treisem (Trasen, 5431) und ze Mü- 
taren (Mautern, 5433) in Osterlant (1035. 7686; den ausdruck 
Osterrtche^ der neben jenem in der Nibelunge noth und Klage 
vorkommt, habe ich im Biterolf nicht gefunden); von da gegen 
Medelicke (Molk, 5540), die rechte landstrasze üf vür Bechelaren 
(5548); weiter ze Blodelingen (Plädling an der Isar), das zum 
Sammelplatz bestimmt war (5555. vgl. 5355), üf durch daz Beir- 
lant (5631) zu dem Lechvelt (5636. 5654). bi dem Günzenle 
(5747), dem heutigen Günzburg, wie es scheint, [Lachmann zu 
Nib. 1531, 1. Pfeiffer German. 1, 81] erfolgte wohl der Über- 
gang über die Donau: hin ze Swdben in daz laut (5750). dar- 
nach ze Elsdzen über Rin (5775) und ze tal den Rtn (5789) 
hin vür Hagenouwe in dem Rtngotme (5792). hier lagert sich 

126 das beer. — welche Stadt unter Gamalt in Prinzen (1391. 1451. 
1825) gemeint sei, ist schwer zu sagen; von da kehrt Rüdiger 
durch Beheim (1722) nach Bechelaren zurück; bis zur Tuonouwe 
beträgt der weg vierzig tagreisen (1740). ein wasser, das noch 
der Priuzenwdo hei&zt {ß552)^ bezeichnet die preuszische gränze. 
Der dichter weisz aber auch gelegentlich von der natür- 
lichen beschaffenheit und den sitten mehr als eines landes zu 
erzählen, er bemerkt die raublust der Baiem (3146) und ihren 
kriegerischen sinn: von strite ret da m^r ein kneht, dan drizec 
anderswä (6628; vgl. rechtsalterth. 948). er besehreibt den 
überflusz von Steiermark^ wie ein augenzeuge; da ist weide und 
wald, fischreiches wasser, süber in allen bergen, sieben gold- 
minen, wildpret, vögel, zahmes vieh. aber auch von Hünenland 
scheint er grund und boden zu kennen; darin sümpfe und moor- 
gegenden, gute wachteljagd in dem Hirsen (7005) [ein bou ist 
Hyrse da genant, da sint wahtel inne. 7072]. wir hören von 
der sitte der Böhmen reden, welche keine Speere gebrauchen, 
doch mit fletschen wol snidunden (6535. 8449. 10186) ihre feinde 
besiegen, ebenso werden bogen und pfeil als waffe der Vldchen 
erwähnt (i0187. 10388). endlich bemerke ich noch, dasz der 
dichter lorbeerbaum (31^5. 9982) und palme (224) kennt. 

Ich würde dies alles hier nicht berührt haben, w^in wir 
nicht dadurch auf die heimat des dichters köimten geleitet wer- 
den, über welche etwas zu erfahrBn gerade hiev wichtig wäre. 



I . • 



46 127 

(die genaue -kenntnis geht im Biterolf nur bis Bechlaren, Lach- 195 
mann zu den Nib. 1244, 1.) 

2) Der Überarbeiter beruft sich auf ein luch [DHB. 1, xviii], 
als seine quelle und hörte es, wie es scheint, vorlesen: daz 
huoch hceren wir sagen (178); an einem huoche Kort ich lesen ze 
einem wären maere (1675); daz huoch hat uns verholn daz (1964); 
als wir diu maere hceren sagen (4789. 6702. 9338); man tuot 
uns an dem maere Izunt (9156). 

3) Wie mühsam der inhalt des gedichts maff ausgedacht 
sein, das ganze ist doch von geringer Wirkung und der mangel 
an innerer Wahrheit und natürlichkeit gestattet nicht, den grund 
einer echten sage anzunehmen, wenn Biterolf, selbst als mäch- 
tiger könig geschildert, ohne Ursache land, leute, frau und kind 
verlässt, aus bloszer lust einem fremden beiden, der überdies 
noch beide ist, zu dienen, und Dietleib, noch ein bloszes kind, 
— denn dritthalb jähr war er alt, als Biterolf ihn verliesz (4208). 
und zehn jähre hernach (2059) unternahm er selbst den zug 
nach dem könige Etzel •— ihn aufsucht und mit einer unnatür- 
lichen und deshalb abgeschmackten tapferkeit die bewährtesten 
beiden, alle ohne ausnähme niederwirft; so ist das von dem ge- 136 
Sunden sinne und lebendigen geist der deutschen heldensage 
allzusehr entfernt, man sollte denken, romanische oder gälische 
dichtung, etwa Parcivals kindheit, habe zu einer unglücklichen 
nachahmung anlasz gegeben, verstand und Sorgfalt im aus- 
drucke und der darstellung des einzelnen will ich damit nicht 
absprechen. 

Ein eigenes gedieht von Dietleib bewahrt die Vilkina saga 
(c. 91 — 106) in einer ausführlichen und hier vorzüglich schönen 
erzählung, die gar nichts mit unserer composition gemein hat. 
den mangel eines frühern Zeugnisses will ich übergehen, aber 
seltsam bleibt, dasz späterhin, nachdem diese arbeit doch ein- 
mal vorhanden war, nicht eine einzige hindeutung darauf vor- 
kommt und kein anderes gedieht davon berührt worden ist. 
man müste denn die einmischuijig Etzels und Rüdigers in dem 
Rosengarten c und d, die ohnehin nicht ursprünglich darin 
mag gewesen sein, als eine einwirkung oder vielmehr nach- 
ahmung des Biterolf betrachten; in der that spielt Rüdiger 
durch seine botschaft nach Worms und die freigebigkeit, womit 
er die kostbarsten geschenke ordentlich vergeudet, eine ähn- 
liche rolle, und um nichts zu verschweigen, so hat Dieterichs 
Widerwillen mit Siegfried in einen kämpf sich einzulassen und 
die gewaltsame art, womit ihn Hildebrand zu seiner pflicht zu- 
rückführt, selbst die einmischung Wolfarts in diese angelegen- 
heit (7802 — 8163), in beiden gedichten eine unleugbare Über- 
einstimmung; allein diese möchte hier folge eines eingerückten 
Stückes lebendiger sage sein, zumal das einzelne iviedßr so sehr 



128 



45 



126 abweicht, dasz von einem eigentlichen abborgen nicht die rede 
sein kann. 

A.uch die hier behaupteten verwandtschaftlichen Verhältnisse 
Dietleibs fügen sich durchaus nicht den in den übrigen sagen 
durchgeführten, seine mutter Dietlint (4147. 4239. 4267. 12528) 
kennt kein anderes gedieht, ebenso wenig seine Verwandtschaft 
mit Dieterich von Bern (4586. 12527. 12840) und mit Gote- 
lind (5576. 6660), wovon freilich nur eine brauchte erwiesen 
zu werden, sie wird zwar von Biterolf selbst gewissermaszen 
erläutert, da er von Ermenrich sagt: sin vater und frou Diet- 
lint wären zweier bruoder kint {i5dS)] demnach aber wären der 
Dietlind vater und Ermenrichs groszvater geschwister gewesen 
und das ist eine ganz neue, um so auffallendere angäbe, als 
wir überhaupt keine echte, so weit zurückgehende genealogie 
von Dieterichs stamme besitzen, denn die in der Flucht enthal- 
tene darf man nicht in anschlag bringen, weiter: der vater 

127 der Dietlind heiszt Diether der alte (4148. 4238. 4268), aber 
die sage kennt nur zwei dieses namens: einen Jüngern bruder 
und einen vaterbruder Dieterichs (und den letztem auch nur 
das gedieht von der Flucht), von dem die Harlunge stammen; 
durchaus aber keinen urgroszvatersbruder, wie jener Diether 
der alte doch sein müste. 

Biterolf* hat ein einhorn (10813. 10830), Dietleib einen 
goldnen adler (10071) auf dem schild [Haupts zs. 12, 386]; 
auch diese angaben stehen hier allein, nach der Vilkina saga 
(c. 161) ist Thetleifs zeichen ein goldener elephant (s. 179). 
Dietleibs rosz Belche (2275. 2687. 11971) wird sonst nicht 
genannt. 

Beide, vater und söhn, erscheinen anderwärts in einfachem 
und unbedeutendem Verhältnissen, wovon zu reden unten bei 
dem gedichte von der Flucht gelegenheit sein wird, und an 
welche sich die hier dargestellten nur durch die unpassende 
und kleinliche Verleihung von Steiermark (13276), die sich der 
mächtige, länderreiche könig von Etzel gefallen und weshalb er 
sich den Sttrcere nennen lässt (13348), anknüpfen. 

Das Nibelungelied widerstrebt dem ganzen werke und hat 
fttr die neuen begebenheiten keinen räum. Siegfried, schon mit 
Kriemhild vermählt (6212), lebte damals in seiner heimat. noch 
schlagender ist ein anderer Widerspruch, wir finden hier Diete- 
rich in gutem vernehmen mit Ermenrich; ob dies der echten 
sage gemäsz ist, mag dahin gestellt sein, aber ausgemacht bleibt 
durch alte Zeugnisse (oben s. 22. 26), dasz Dieterichs aufent- 
halt bei Etzel 30 oder 32 jähre dauerte, und ohne zweifei ist 
die angäbe der Vilkina saga (c. 293. 294) richtig, womach die 
grosze Schlacht gegen Ermenrich im zwanzigsten jähre seiner 

* über den namen ZE. 23; 1. 35, 1. 






45 129 

terbannimg statt fand, denn die Klage bestätigt, wie wir (oben 127 
8. 122) gesehen haben, jene angäbe, indem sie von da an bis 
zu dem untergange der Nibelunge bei Etzel noch zwölf jähre 
folgen lässt. in der Rabenschlacht aber versuchten sich die 
söhne der Helche zuerst als zarte Jünglinge: wie können sie im 
Biterolf knaben von zehn oder zwölf jähren sein? denn in 
gleichem alter mit dem Dietleib werden sie geschildert (3334 — 
59). dann wären sie längst vor Dieterichs Verbannung und an- 
kunft bei Etzel schon geboren. Diether, der mit den beiden 
fiel, war etwas älter (Rabenschlacht 298. 299), die Vilkina saga 
bemerkt aber ausdrücklich (c. 293), bei Thidreks anknnfl im 
Hunnenland sei Thettlr erst ein jähr alt gewesen. 

(Kein namhafter held, der in den andern gedichten später- 
hin auftritt, bleibt hier im kämpf, was ganz unnatürlich ist. es 
wird nur gesagt, dasz mehr als tausend getödtet wurden (11446. 
vgl. 12102. Rosengarten lxx); nur verwundet werden die nam- 
haften 12114. 12206. 12225. 12246.) 

Nöthigen die angeföhrten gründe das gedieht im ganzen 
und mit ausnähme von einzelheiten als eine erfindung, nicht als 128 
eine echte sage zu betrachten, so dürfen wir auch nicht wohl 
einzelne lieder fiir die grundlage desselben halten, wo Verwir- 
rungen (wie in aufzählung von Dieterichs mannen (oben s. 102; 
bei Hornboge), Widersprüche (bei dem Schwerte Weisung, Ber- 
thold und Lüdeger), neue anfange (mit der dritten avent. 1989 • 
hebt der dichter wieder von vornen an und nennt Dietleibs 
mutter, als hätten wir ihren namen noch nicht gehört) zum Vor- 
schein kommen, da möchten am ersten, wo nicht Verderbnis 
einer spätem handschrift darf in anschlag gebracht werden, ge- 
dächtnisfehler die schuld tragen, sie sind in dem gedieht, das 
wir besitzen, erklärlich, weil eine so grosze menge von perso- 
nen dem gedächtnis beschwerlich fallen inuste^ der Verfasser 
aber seine quelle nur lesen hörte und wahrscheinlich der Unter- 
stützung der Schrift entbehrte. 

4) Der inhalt des werks, wie man ihn nun beurtheilen 
mag, wird in einer andern hinsieht sehr wichtig, dem dichter 
hat es nämlich gefallen, die begebenheiten , die er darstellen 
will, mitten in den kreisz der groszen sage zu schieben und 
von den namhaften beiden derselben traoren zu lassen, er zeigt 
dabei eine ziemlich ausgebreitete kenntnis und lässt glücklicher- 
weise und, wie es scheint, aus einer besonderen liebhaberei keine 
gelegenheit vorbei, an frühere thaten und Verhältnisse zu er- 
innern, vertheilt also ist durch das ganze gedieht ein umfassen- 
des Zeugnis über den zustand der sage, wie sie dem dichter 
bekannt war, und da dieser wahrscheinlich noch im zwölften 
Jahrhundert lebte, so gehört dieses zeugnis zu den wichtigsten. 
nur ein umstand beschränkt ihn: die Versetzung der begeben- 
heiten in die zeit vor Dieterichs Verbannung und Siegfrieda 

WibB' Qrihh, dbutschb heldembaoi* 9 



130 



45 



12S mord; dies hindert von dem späteren, so reichen inhalte der 
sage gebrauch zu machen, und ihm waren z. b. nur auf einen 
kleinen, freilich auch den dunkelsten, theil des Nibelungeliedes 
beziehungen erlaubt, unsere aufgäbe besteht darin, die einzel- 
nen, eingewebten Stückchen oder faden der sage herauszuziehen 
und nach ihrem natürlichen zusammenhange zu ordnen. 



a) Die kSnige am Rhein. 

Sie herschen zu Worms über die Burgundcere (die ältere 
form, zweimal im reim 4705. 7745, wie in der Klage 2049; 
sonst auch Burgunden 3083; vgl. gr. 2, 343) einigemal Frari' 
ken, einmal Rtnf ranken genannt (oben s. 67). ihr reich das 
Burgundilant (2374. 7269. 8919. 9839 'Burgonidanf 2380). 
129 Über sie selbst eine merkenswerthe stelle: 

2614. — — — junger forsten der sint dri 

vogte über disiu laut. Wormez ist ein stat genant, 
da diu Dankrdtes kint mit grözer ritterschefte sint. 
ouch liez ein gesinde da Gibche^ daz man anderswa 
bezzer ritter selten vant. sie bede hceten disiu laut 

Der dichter folgt erst der sage worin, wie in der Nibe- 
lunge noth und Klage, der vater Dankrdt heiszt, er musz aber 
"' auch den namen Gibiche^, der schon im Waltharius steht und 
später im Rosengarten wieder erscheint, vernommen haben und 
lässt, um diesen Widerspruch zu heben, beide gemeinschaftlich 
oder nach einander herschen. seltsam, dasz, der Nibelunge 
noth und Klage entgegen, die mutter, frau üote, völlig unbe- 
kannt ist; eher zu erklären und ein Vorzug, dasz ihr angeb- 
licher bruder, der bischof Pilgrim, fehlt ; selbst sein sitz Passau 
und der In'i werden nicht ein einzigesmal genannt, wozu doch 
mehrmals veranlassung war. — Günther und Gernöt sind haupt- 
personen des gedichts; jener hat einen silbernen eber als zeichen 
in der fahne (9845); die Nibelunge noth spricht gar nicht da- 
von, die Vilkina saga (c. 164. 337) ertheilt ihm, wohl richtiger, 
einen adler mit rother kröne, der Rosengarten D blosz eine gol- 
dene kröne, Gtselher der guote (6210), daz kindeltn (6788), wird 
nur an diesen stellen angeführt. 

B7*ünhilt erscheint als Günthers gemahlin. von ihren frü- 
heren Verhältnissen zu Siegfried ist nichts gesagt, doch eine 
anspielung auf ihre vorige lebensweise finde ich in Rüdigers 
Worten : 

12617. ir wärt in iuwer alte site 
komen, der ir pfldget e, 
des tuot vil mangem der rücke we, 
daz ir so gerne sehet strtt. 



45 131 

Ich will hier .anmerken, dasz der dichter des Biterolfs nicht, 129 
wie andere gerne thun und in der Nibelunge noth öfter ge- 
schieht, auf zukünftige ereignisse im voraus hinzudeuten pflegt, 
nur eine einzige stelle scheint mir ausnähme zu machen. Rüdi- 
ger berichtet bei seiner rückkehr von Worms der Helche: 

13157. vrou, ich sol iuch hoeren län, 
waz iu vro Brünhilt enbot. 
sie wünschet, daz iuwer tot 
ir nimmer würde vür geseit 

13165. solt sie iu wünschen zuo den tagen, 
vrie lang iu werte daz leben: 
iu würden tüsent jdr gegeben. 

Das ist gesagt wie im Vorgefühle des Unglücks, das aus iso 
Etzels zweiter Vermählung entstand. 

Unter den Burgundischen mannen nimmt Hagene von Tronje 
(2393) wieder die ernste stelle ein; er ist auch hier neve des 
Günther (2763), dieser sein herr (2843). in seiner fahne eine 
burgzinne (9817); wogegen er in der Vilkina saga (c. 265. 337) 
ebenfalls einen adler hat, doch ohne kröne, alles übrige, was 
sonst von ihm berichtet wird, ist schon oben (s. 88. 89), zu- 
sammengestellt. 

Der in der Nibelunge noth von Hagen unzertrennliche 
Volker von Alzeije fehlt durchaus, ebenso dessen bruder Danc- 
wart ;o\iHQ zweifei, weil hier die sage ohne sie bestand. 

Über Ortwtn von Metzen etwas ganz neues: es sind ihrer 
zwei, als Günther von niemand auskunft über die fremde gaste 
bekommen kann : 

6002. — — — dö begund er tougen clagen 

von Metzen Ortwinen, den lieben neven sinen 
der atarp ze fruo in amen tagen. 

Und schon vorher, als Dietleib nach Metz kam, war be- 
merkt : 

2482. Ortwtnes witewe haßte hie 

wol hundert ritter oder baz. 

Allein gleich nach jener stelle wird hinzugefügt: 

6009. da was ein ander Ortwtn, 

der was der vetern suon atn, 
der was zen Sahaen 
von kintheit gewahaen. 

Ferner: 

8679. der was von Burgundilant 
imd was geheizen Ortwtn; 



132 



45 



mo 



ez erbet in von den mdgen sm, 
daz er ouch von Hetzen hiez. 



Er wird ausdrücklich (9175) Hagens verwandter genannt, 
dieser Ortwtn der junge (7703. 8482. 8522. 8666. 8692—8723. 
87G2) erscheint mehrmals und musz der sein, welchen die Ni- 
belunge noth kennt und zum truchsesz macht. 

Dieses amt ist dem Sindolt zugetheilt (10357. 11902), dem 
schenken der Nibelunge noth und der Klage (1870), der zu- 
gleich, statt des fehlenden Volkers, das zeichen der Burgun- 
den trägt. 

Dagegen Hünolt, kämmerer in der Kibelunge noth, ist 
hier schenke (7754. 12014. 12709); er heiszt der junge (7749. 
131 10582) und steht in Verwandtschaft mit Sindold (10356) und 
Hagen [oder Ortwin?] (10579). 

Nur Rümolt besorgt als küchenmeister, wie dort, die braten 
(10561. 10623. 12076. 12698), heiszt aber auch der kühne 
(10597), geht mit in den kämpf (7698. 12245) und schlägt tiefe 
wunden (10560. 12016. 12698), so dasz Wolfram diesen nicht 
als bei spiel eines friedfertigen hätte gebrauchen können. 

Gere (7781. 9883. 10148) nicht markgraf, sondern herzog 
(9647), und kein verwandter der könige ; wenigstens wird nichts 
gesagt. 

Eckewart^ der andere markgraf der Nibelunge noth, fehlt 
gänzlich. 

Ich führe hier eine beziehung auf .eine frühere begebenheit 
an. als nämlich Dietleib auf seiner fahrt durch den Wasgen- 
wald gekommen ist und sich Worms nähert, fragt er leute, die 
ihm begegnen: 

2704. — — — ob der künic und sine man 

da ze Wormze waeren. dö hört er an den maßren, 
daz sie waeren üz geriten und bieten einen strit gestriten 
in der Sahsen landen und daz sie wider sanden 
ir volc nuo allez an den Rin. 

Dietleib begegnet jenseits des Rheins dem mit Gernot und 
Hagen heimkehrenden könige Günther. 

2748. des fürsten vröude diu was gröz; 
daz er mit sige von Sahsen reit, 
des was er stolz und ouch gemeit. 

Hierunter, glaube ich, ist der Sachsenkrieg gemeint, den 
die Nibelunge noth beschreibt und worin Lüdegast und Lüde- 
ger besiegt werden; eine grosze Verschiedenheit, die eine ganz 
andere darstellung dieser episode bedingt, besteht darin, däsz 
es dort Siegfried ist, der den krieg führt und beendigt, und 



45 133 

Günther zu haus bleibt, während er hier gar nicht bei seinen isi 
Schwägern sich befindet*. 

V) Bandesgenossen deri könige zu Worms. 

Der junge Dietleib, seinen vater suchend, kommt durch 
das gebiet der burgundischen könige und wird von Günther, 
Gernot und Hagen, die ihn nicht kennen, angerannt, die be- 
leidigung bleibt unvergessen und nachdem Dietleib durch grosze 
tapferkeit sich bei Etzel in gunst gesetzt und seinen vater 
wieder gefunden hat, wünscht und erhält er beistand, um an 1V2 
den königen zu Worms räche zu nehmen, dieser kriegszug 
nach dem Rhein ist der hauptinhalt des gedichts. jede partei 
hat ihre ganze macht und alle verbündeten forsten aufgeboten. 
Dieterich mit den Amelungen kämpft für Etzel; Günther hat 
sieben könige (5858. 6297. 6814. 7387. 8653. 11840), vierzehen, 
die königeskinder heiszen (^295. 11022. 11218), zu sich berufen, 
der dichter, scheint es, hat alle aus dem ganzen sagenkreisz 
ihm bekannten beiden auf beide selten vertheilt, insoweit er in 
den echten dichtungen dazu anlasz fand, auf eine leichte und 
natürliche, sonst aber eigenmächtige weise, dagegen glaube ich 
nicht, dasz er neue personen eingeschoben hat, bei einigen un- 
bedeutenden namen könnte man es höchstens vermuten, der 
vortheil, welcher der geschichte der sage aus diesem Verzeich- 
nis erwächst, springt in die äugen: wir erhalten hinweisungen 
auf unbekannte gedichte und lernen schon bekannte in eigen- 
thümlicher Verschiedenheit kennen. 

a) Stfrit üz Niderlant (9608), söhn des Sigemunt (7859. 
10800. 10848) und der Sigelint (6405. 9832. 10098. 10107), 
der küene und der milde (6214) hat, wie nach der Nibelunge 
noth (214, 2) im schild, hier auf der fahne eine kröne als zeichen 
(9827. 10836. [Haupts zs. 12, 386]; nach der Vilkina saga 
c. 166 besteht es aus einem halbbraunen halbrothen drachen); 
dasz er drei königreiche besitzt (11699), davon ist dort nichts 
gesagt, wie schon bemerkt, befindet er sich nach der Nibe- 
lunge noth zu dieser zeit in seiner heimat; er ist hier zu Worms 
als eingeladener gast und Günther sein wirth (9617). Kriem- 
hild erscheint im besten einverständnis mit Brünhild, und zwi- 
schen beiden ist der ehrensitz (6865). 

Auf Siegfrieds kindheit und erste Jugend keine hindeutung, 
dagegen eine dunkle stelle über seinen aufenthalt bei Etzel und 
eine andere zum theil abweichende über den erwerb des hortes ; 
beide sind schon (oben s. 74 und 81) angefahrt, von dem 
kämpfe mit dem drachen nicht das geringste, ebenso nichts von 

* er wird übergangen, weil der dichter den Dietlieb nicht mit ihm wollte 
znsammentrefTen lassen, übrigens ygl s. 135. 183. Nordalbing. Stadien (1844) 
1, 191 ff. 



134 



45 



I ; Hoiner hornhaut; in der kurz gefassten Erläge, wo es nicht an- 
ders sich verhält (oben s. 112), könnte das zufällig scheinen, 
hier nicht, wo häufig z. b. bei Dieterichs Widerwillen gegen ihn 
zu kämpfen (7223) veranlassung, fast nöthigung war, dieses 
wunderbaren umstandes zu gedenken, wir müssen also schlieszen, 
dasz die sage, die der dichter vor sich hatte, so wenig etwas 
davon wüste, als die nordische. 

ß) Walther von Spante, was von ihm hier vorkommt, ist 
schon oben (s. 88. 89) zusammengestellt. 

m i) Herbort künic von Tenelant (8462. 10210). [ZE. 19, 4.] 

ein hirsch mit goldnem geweih ist sein zeichen (9860). ihn dünkt 
unrecht, dasz Dieterich mit den Amelungen widersagt habe: 



6461. 



6465. 



6475. 



6485. 



6495. 



nu ist im doch wol gewezzen, sprach der helt ver- 

mesizen, 
wie ich von Orniante reit und wie min eilen da erstreit 
des künic Ludwlges kint; ja vuort ich die maget sint 
üz Ormanie dem riebe vil gewaltecliche ; 
da mich haßte bestän IJartmuot und sine man 
unde Ludewig der vater sin. ich und ouch daz ma- 

gedin 
wir haßten nioman mere, die Ludewic der here 
nie künde betwingen; dem muose misselingen 
von min einiges haut, also reit ich über laut 
und haßt wunden doch min lip. da (bort) ich man 

unde wip 
iehen dieser maere, daz ein rise waßre 
hagel al der lande, in muote was mir ande, 
unz ich den välant ersach. daz lantvolc ich an im 

gerach : 
ich sluoc in wärlichen tot. swie doch haßten von im 

not 
Ludwtc und alle sine man, die getorsten in doch nie 

bestan. 
an dem gerümt ich in daz lant. da haßt ich, sprach 

der wigant, 
Golhrart und Seirart erslagen. daz solt ir Dieteriche 



sagen, 



6505. 



ob er da« ha^re gerne, sit kam ich hin ze Berne: 
mit welcher arbeit daz gei?chach, daz mich her Diete- 

nch da gesach 
und ouch sin alter Hildebrant do ich min frouwen 

über lant 
fViort und einiger man, ze stete ranten sie michi an. 
w^^r ex in also da kernen, sie bieten gerne mir benomen 
HihM^iy^H die vil riehen: sit liezens in entwichen 



45 135 

der (!• ^^^) ^^ vil grozen übermuot. ich bräht sie 13S 

(sprach der helt giiot) 

ungefangen durch daz lant; daz weiz wol meister Hil- 184 

debrant. 

des ist diu vrouwe mtne noch hie bi mir ze^Rtne. 

Diese erzählung berührt ein verlorenes gedieht, über wel- 
ches die Vilkina saga (c. 209 — 18) nähere auskunft gibt, dem 
könige Thidrek ist die Schönheit der Hilde, tochter des Artus 
von Bertangaland^ gerühmt worden; das ist jene Hildburg toch- 
ter Ludwigs von Normandie, wie die namen wohl richtiger 
lauten. Thidrek ertheilt dem Herburt, söhne seiner Schwester 
Isolde, der an seinem hofe lebt, einem gewandten und tapfern 
ritter, den auftrag, bei dem könige Artus um die Hilde för ihn 
zu werben, von diesem verwandtschaftsverhältnis zu Dieterich 
sagt das deutsche gedieht nichts, und es ist, da er künic von 
Tenelant heiszt, auch nicht wahrscheinlich, doch mochte sich 
Herbort an Dieterichs hofe befunden und den auftrag erhalten 
haben. Artus antwortet nicht sehr günstig: Thidrek hätte in 
person erscheinen sollen, der abgesandte werde nicht einmal der 
Hilde angesicht schauen, da sie nach landessitte kein mann, 
geschweige ein fremder, sehen dürfe, indessen versteht es Her- 
burt, sich bei Artus in gunst zu setzen, und bei gelegenheit 
eines groszen festes, wo die Jungfrau in die kirche gehen musz, 
lenkt er durch eine goldne und eine silberne maus, die er nach- 
einander zu ihrem sitze hinlaufen lässt, ihre äugen auf sich hin. 
sie unterredet sich, hinter der kirchthüre stehend, einige augen- 
blicke mit ihm und verlangt ihn dann, um ihn in ihrer nähe 
zu haben, von ihrem vater als diener. sie hat jetzt oft gele- 
genheit mit ihm zu reden und als er Dieterichs auftrag vor- 
bringt, bittet sie ihn, sein angesicht au die stein wand zu zeich- 
nen- es ist so entsetzlich, dasz sie 'davor erschrickt und ihm 
erklärt, sie wolle den furchtbaren mann nicht; lieber möge er 
selbst um ihre band werben, da sie sich so bestimmt äuszert, 
so willigt er ohne bedenken ein. bald darauf entfliehen beide, 
ritter Hermann und dreiszig andere müssen ihm, auf Artus ge- 
heisz, nachsetzen^ während im Biterolf der vater selbst, könig 
Ludwig, und sein söhn Hartmut die flüchtlinge verfolgen, da- 
rin ist aber wieder Übereinstimmung, dasz alle zusammen gegen 
den einzigen nichts ausrichten: Herburt allein tödtet den Her- 
mann una den grösten theil seiner begleitung, die übrigen ent- 
fliehen, doch elf schwere wunden hat er empfangen, und schild 
und rüstung sind ihm zerhauen, sie verbindet ihn und dann 
reiten sie weiter zu einem könige, dessen namen nicht genannt 
wird, lind bei welchem er lange zeit verweilt. . es wird noch isö 
angemerkt, dasz viel von seinen tapfern thaten zu berichten wäre. 



136 



45 



135 Der schlusz in der Yilkina saga ist offenbar lückenhaft^ 

nicht blosz fehlt der kämpf mit dem riesen, den Herbort tödtet 
ehe er das land verlässt, sondern Thidrek ist ga.iz vergessen, 
dagegen wissen wir durch die Vilkina saga, warum Herbort 
von Dieterich und Hildebrand angerannt wird, weil er nämlich 
die gewonnene braut für sich behalten will, und es bleibt nur 
dunkel, wer die beiden beiden Goltwart und Sewart sind, die 
Herbort tödtete und deren verlust den Dieterich betrübte ; end- 
lich bei welcher veranlassung es zum kämpf mit ihnen kam. 
ich finde nur noch im Alphart einen Sewart; er heiszt der alte 
und wird von Wolfhart erschlagen (412. 438; einmal steht 
Sewald 200). — unter einem Herbort im Rosengarten d, gleich- 
falls auf Gibichs Seite, scheint dieser hier gemeint. 

In der Klage (1108, vgl. oben s. 113) wird Hüdebure von 
Normandt als königstochter an Etzels hofe genannt, aber ander- 
weitiger Verhältnisse nicht gedacht. 

S) Boppe üz Tenelan% Herborts schwesterkind (6514. 9456. 
12062), noch in der ersten jugend (7711); er kommt in kmem 
andern gedichte vor. 

s) Liudegast und Liudegei\ der schon (s. 131) erwähnte, 
früher vorgefallene Sachsenkrieg bezog sich, wie vermutet wurde, 
auf die Unterwerfung der beiden fürsten, die in der ISibelunge 
noth weitläuftig beschrieben ist. jetzt erscheinen sie an Gün- 
thers hof als verbündete, brüder finde ich sie nicht, wie in 
der Nibelunge noth (208, 2), genannt [doch 10761], vielleicht 
wird es vorausgesetzt; sonst aber eine kleine Verwirrung: in 
einer stelle ist Liudeger künic von Tenemarke (5047) wie in der 
Nibelunge noth Liudegast; von diesem ^heiszt es nur, er komme 
mit dem nächgebüren sin da her von Osterlande (5055); seltsam 
ist dieser ausdruck hier, wo er doch nicht, wie gewis an an- 
dern orten (1035. 7686), Ostreich bedeuten kann*, dagegen 
übereinstimmend mit der JNibelunge noth folgende stellen: Liu- 
deger — der zuo den Sahsen herre hiez und Liudegast der 
herre guot (6563 — 65. 13008 — 11); sie beide sagen zu Gün- 
ther: wir haben her von Sahsen (6567). in der Babenschlacht 
ebenfalls: von Sahsen der künic Liudegast (734), jedoch: von 
Mtsen her Liudeger (735). in der Flucht werden beide zwar 
nebeneinander angeführt (5881. 8603), aber nicht ihre reiche 
('von Sahsen min her Leidegast' Frauend. 104^)**. 



* der vers ist umzustellen (s. DHB. 1, 750 und gemeint ist hier das thü* 
ringiscbsorbische Osterland. 

** in den Nordalbingischen Studien (1844) 1, 196 ward schon darauf auf- 
merksam gemacht, dasz die friesische sage einen herzog Liudingerus von Sach- 
sen als Zeitgenossen Karls des groszen kennt. Richthofen fries. rechtsquelleo 
8. 351: 

Thit was to there stunde, 

tha thi kening Kerl riuchta bigunde, 



_ 45 — 187 

'Stätfuch8\ vogt von Palei^ (5038. 6219. 6489. 8868), is« 
üz Puüelant (8731. 9197. 9267) der Pulloere (7642) 'PoUoyewre' 
(8840. 9243). sein zeichen eia rad von gold (9876). es gab 
sagen von seiner stärke: 

9156. man tuot uns an dem ma^rQ kunt 
und hcert ez noch von im sagen, 
' daz ^Stutfuchs^ niht moht getragen 
nie kein ros einer mtle breit 

[vgl. Orendel 1212. Haupts zs. 12, 287.] und als beweis wird 
erzählt, dasz er den Wolf hart gepackt und zu sich aufs pferd 
gezogen habe (8872 vgl. 8852 ff. 8889). 

Die abkunft des beiden aus dem südlichen Italien, die ihm 
gleichwohl gestattet ein bundesgenosz der könige von Worms 
zu sein, ist auffallend und nur diesem gedichte eigen, in allen 
andern wird der Rhein als seine heimat angegeben, aber nur 
in dem Rosengarten a (^Staudenfusz der geborn ist an dem 
Rin') und B (^Stundenweisz' str. 9 im reim)^ denn c und D 
wissen nichts von ihm und ein anderer held nimmt seine stelle 
ein, erscheint er als kämpfer für den rheinischen könig. in 
in der Flucht (Stantfusz 1. Stautfusz von Ryne' 5835. 8592; 
'Stutfulch' 3009), in der Eabenschlacht ('Her Stautfusz von 
Rine' 727) und in den Drachenkämpfen ('Stutfus' bl. 279. 280) 
ist er ein mann Dieterichs von Bern, dagegen im Alphart 
('Studenfusz von dem Rheine' 352 — 86) kämpft er flir Ermen- 
rich heftig und anhaltend mit Hildebrand, er hat in diesem 
gedieht noch einen bruder Gere, der getödtet wird (358. 375). 
in der Vilkina saga (c. 35) heiszt einer der zwölf räuber von 
dem schlosz Briktan StudfuSy und wird von einem hiebe Mi- 
mungs gespalten. [ZE. 44.] 

Offenbar schwankt die sage über diesen beiden; wie kommt 
er hier zu der fernen heimat? ich habe darüber folgende Ver- 
mutung, indem der dichter Biterolfs dem sagenkreisz personen 
abborgte, welche in andern, von ihm später gesetzten begeben- 
heiten thätig sich zeigten, durfte er des heftigsten kampfes un- 
geachtet, worin das blut bis über die sporn geht (11439), zwar 
ungenannte in menge (11444), aber keinen namhaften beiden 
umkommen lassen, das unnatürliche mochte er geftlhlt und 
deshalb einen zum opfer ausgewählt haben: ^Stutfuchs' wird 
erschlagen und zwar von Dieterichs bänden selbst (9283). die 

tha waster ande there Sax'inna merik 
Lindingerus en hera feie steric usw. 

der lateinische text nennt ihn Leodingarus dux Saxoniae, der niederdeutsche die 
bertöge Luidger. das gedieht kommt in hss. vor, die frühestens dein ende des 
14. Jahrhunderts arigehÖren, Ricfathofen s. X^Ul f. 328. es gibt davon abwei- 
chende fassungen (Münchner gel. anz. 1860 ni. 45. 46). seinem Ursprünge nacl\ 
wird es etwa dem 13. Jahrhundert angehören. 



las 45 

} ungewisheit der sage lieez hier am ersteo eine solche ausnähme 
zu, und wahrscheinlich in der absieht, deu beiden noch mehr 
zu entfremden, ward seiue heimat auf eine freilich nicht sehr 
geschickte art verändert und in ein fernes land versetzt. 

7 >]) Wit:ldn, kOnic üz Bekeim (5061. 6526. 8372. 8443. 

7637. 9998. 10705. 12:23, einmal: Wineslan 6239) und sein 
bruder Poifän con Wmcherdt (5063. 6240. 7638. 9999. 11724), 
d, i. Wissehrad, schlosz bei Prag. Witzlän ist entstellung von 
Witxlav. er erinnert an frohere kriege mit Etzel: 

6538. jÄ gestreit ich willeolicher nie 
beide, ich und ouch die raine. 
Etzel und al die sfne 
die habent vteut under uns hie: 
er Kolt mich des betwingen ie, 
daz wir im 'waren underUin, 
ich unde min bntod^r Poitdn. 

Rüdiger dagegen: 

6550. wir läzen, sprach der bell halt, 
an iu noch unversuochet niht. 

daz man iuck so ledecltchen siht, 
daz su-cFret dicke mir den muot, 
ah hart als ez dem künege tuot. 

Witzlan aber weiter: genuogiu swaere, die ich hän, diu i»t 
iwu-er schult, her Rüedeger. und ein Hüne sagt von beideD: 
daz sie übel ndchgebüren sint, daz hän ick oft wol gesehen 
(10007). 

Noch werden die landesberren genannt, die Witzlan mit- 
gebracht hat: '■Ladislaw, Ratebor, Schirn, Sytomer, Stoyne' 
(11719—23). 

Ich finde nur in der Flucht (477) einen '■Wislan von Krie- 
cbeolant' als vater des Berchtung.* 

») Nantwtn von Regempurc (5071. 6243. 8802. 8963. 
10742), herzöge von Beirtant (6241. 6579. 12228) ist der 
echwestersohn von WittJch (6586. 12236), lebt aber mit ihm 
in Unfrieden imd sagt, er wolle gerne mit den AmelungeD 
kämpfen : 
6586. wan Witege der äheim min 

mit mir dock atrttet umb daz laut; 
kieme ich in sin wicgewant, 
ich vflere immer de st er baz. 

Dem Rüdiger geteilt das nicht: friuut sol friunde bigestän 
(6593), und Hildebrand bestimmt mit rGcksicht darauf den gegner: 

* Tgl, das bracbstücb von Dietrich und Wenezlftn in den nltd. bL 1, 329f. 



45 189 

7718. so sol Sigestap der degen 137 

besten Nantwtne^ 

den (1. der) Witegen und ouch die sine 
künde nie eHwingen» 

Es ist schon (obon s. 103) bemerkt, dasz jener Nentwin iss 
in der Nibelunge noth, der Herrad vater, dieser nicht sein 
könne, ob man das auch von dem (N)entwin in der Flucht 
(7053), einem manne Ermenrichs, behaupten müsse, lässt sich 
nicht entscheiden; offenbar setzen jene anspielungen auf sein 
feindliches Verhältnis zu Wittich ein verlorenes gedieht voraus. 
Nantwin heiszt ein einzigesmal: der bruoder Volcwtnes (10276). 
im Alphart wird (73) unter Dieterichs beiden ein Volcwtn ge- 
nannt; etwas näheres weisz ich aber nicht anzuführen. 

i) Gelfrdt und Ehe der marcman an der Donau in Baiern 
(840. 5067. 7692. 10286. 10736. 12221-25), brtider (6617) 
[ZE. 35, 3], nachbarn des herzog Nantwin (6245), sind aus 
der Nibelunge noth (vgl. Klage 1751) bekannt, auch ihres 
vaters geschieht hier erwähnung: die jungen beiden (865) 
heiszen einmal (862) des alten Ehen kint. — ein Ehe unter 
Dieterichs beiden kommt in der Flucht (8291) vor. 

%J Genannt werden drei herm aus Schwaben: der Swäbe 
herzöge Ilennan (6253), Fndleip üz Swdben (5075), beide nur 
ein einziges mal, und (Haupts zs. 6, 159) der Swdbe herre Berh- 
tolt (10770), vürste von der Swdbe lande (7738 10306). allein 
auch: von Ehdzen grave Bertholt {60S1. 6253); ist derselbe ge- 
meint, so wäre das ein Widerspruch oder eine Verwirrung, die 
indessen einem abschreiber zur last fallen könnte ; von der Swäbe 
lande steht einmal (7738) im reim und wäre insoweit sicher. 
etwas näheres erfährt man von diesen drei oder vier genannten 
nicht, ebenso verhält es sich mit dem nur einmal (5078) er- 
wähnten ' Herleip von Westodle. ich bemerke noch folgende 
namen: die Düringe (5058. 6575. 8967. 10771), die fürsten von 
Düringelant (6256), von Mtsen (6256), die Mtsencere (10774), 
Würben (5058. 10775), Hessen (10771), von Lütnnge und von 
Brdbant die ze herren wären da genant (6259), die von Sande 
(8781. 8J101. 8949; zweimal im reim); wer unter diesen gemeint 
sei, weisz ich nicht; an Santen Siegfrieds bürg in der Nibe- 
lunge noth (in der Klage wird sie nicht genannt) ist schon des 
Zusammenhangs wegen nicht zu denken, in welchem die stellen 
vorkommen. [Schmeller wb. 3, 264. Haupt zu Neidhart xL, 
3. anm. zs. 13, 175. Megenberg buch der natur 75, 35.] 

e) Etzel. 

Botelunges kint (366. 1194. 1947. 6143), künic von Hiu" 
nenlant, hat zu Etzelburc seinen sitz (1123. 1135. 1747, 3212. 



140 



45 



138 1 3098) ; mit seiner macht ist keine andere vergleichbar (285 - 
94) und: 

189 4052. man sagt vil wtten maere 

von im unz an den lesten tac, 
daz sin wirde nie gelac 
Wm an sfnes l|b?8 tot, 

Kemeü andern könig umgeben so vil beiden (3311). selbst 
Pohlen, Preuszen (3999), Pommern (4024) ist ihm unterworfen, 
zwischen der Elbe und dem meer (13329) scheint ihm alles 
land zu gehorchen, wie nach der Nibelunge noth (1184, 3. 4); 
ebenso wird auch hier (4636) der Roten als gränze angegeben. 
und wie bei der fahrt der boten in der Nibelunge noth (1434, 
2; vgl. Klage 1744) gesagt wird: diu Etzelen herschaft si vridete 
üf allen wegen, so heiszt es hier: 

4787. ir vride muoste guot sin, 

8wä sie ritten durch diu laut: 
des Etzelen herschaft was erkant, 
darumbe man in ere bot. 
geleites was in nindert not. 

Swenne er ze tische gät, so tragent im ir crone bi zehen 
künige unde dri (326^ — 28), wo vielleicht nur des reims wegen 
einer zugesetzt ist, denn zwölf krönen ertheilt ihm die Nibe- 
lunge noth (1175, 2) und die Klage (25). nichts von Etzels 
übertritt zum christenthum, und abermaligem abfall, wovon die 
Klage weisz (oben s. 113. 114); er ist ein beide und spricht 
von seinen göttern (4458. 13380. 13397), und seine Hünen sind 
es auch (708); aber gerade, wie in der Nibelunge noth (oben 
8. 68) das Verhältnis geschildert wird, es befinden sich auch 
viele Christen bei der Helche (360. 380), die ihrem glauben trea 
geblieben ist, und diesen wird messe gesungen (3283). 

Wir erfahren den namen ihres vaters, indem sie einmal 
(1962) Osertches kint heiszt, es ist der Osantrix der Vilkinasaga 
[Haupts zß. 10, 171 f. 12, 348 ff], auch hindeutungen auf ihr 
Verhältnis zu Etzel: 

342. an cristenliche schäme 

solte noch diu vrouwe leben; 
do wolt ez Etzel nie begeben 
unz daz man ims (1. unze maus im) ze wib erwarp. 

374. kam iht mer cristen dar, 

dö sie die beiden mit ir schar 
von ir vater vuorten dan? 

In der Vilkina saga (c. 73 — 80) lesen T^ir, wie Küdiger 
jdie Erka Ihr^m vater entfahrt und dem Attüa bringt. — ▼<» 






45 141 

Herrdt ihrer niftel 8. oben (s. 103). sie baut (13368) die bürg uo 
Treüenmüre, die in der Nibelunge noth (1272, 3. 1276, 1) Zei- 
zenmüre heiszt und in der Klage (1396) wieder Treüenmüre. 

Etzels kinder werden zum erstenmal (3334) genannt: ez 
giengen küniges kindelin zwei dar, — Ort und JErpse (1. Erpfe^ 
bei Neidhart cod. 133) wären die. in der Vilkina saga (c. 295) 
Ortvin Und Erp^ in der Rabensehlacht Ort und Scharpfe^ in der 
Edda (doch nur in Atlaq. 39, Hamdism. 8 und der prosa von 
dräp Niflünga s. 286) Erpr (nordisch wäre Jarpr, vgl. Ham- 
dism. 13 note 37) und EMI [Haupts zs. 10, 175.] 

Bladel^ Blcedelvn^ wie in der Nibelunge noth und Klage, 
bruder des Etzel (4938. 5391. 6343), erscheint hier als fürst 
der Wäldchen (13057), wovon jene gedichte nichts sagen. 

d) Etzels beiden. 

a) Rüedeger von BecheMren. die aufklärungen , die wir 
über seine früheren Schicksale erhalten, sind schon oben (s. 97 — 
99) mitgetheilt. ich habe hier nur zuzufügen, dasz die mark* 
gräfin Gotelind (6091) genannt wird: des flirsten Qem kint. 
kein anderes gedieht weisz davon. 

Was über Nuodunc vorkommt s. oben (s. 100. 101). 

ß) Irnfrity Irinc und Hdwart. s. oben (s. 116). 
. T) Wolf rät und Ä8tolt, brüder (1077. 10282), beide üz 
Osterlande (7686), die da ze Mütdren gewaltic wirte wären 
(5433. 12081. 13066). in der Nibelunge noth wohnt Astolt zu 
Medilike (1269, 1), von da geht der weg die Donau hinab nach 
Mütdren; dagegen in der Rabenschlacht (59) heiszt er wie hier 
Astolt von Mütdren. seinen bruder Wolfrät kennt aber sonst 
kein gedieht, einmal (5502) äuszert dieser: swaz Astolt und 
^Ame^ hat, daz sol mit iu geteilet sin. diesen zweiten, seltsam 
klingenden namen, der nicht wieder vorkommt, weisz ich nicht 
anders zu erklären, als dasz damit Astolts frau gemeint sei. 

8) Hornboge und Rämunc [Haupts zs. 6, 167], vürsten von 
Vldchenlande (9721 — 24, vgl. 10187. 10387) werden gewöhnlich 
zusammen genannt (3454. 3725. 3790. 4941. 11612. 12085). 
einigemal: der herzöge Rämunc (7756. 10188), einmal: üz der 
Walken laut (1218). Hornboge ist ein junger held (4942, 
11612). in der Nibelunge noth beide: der herzöge Rdmunc 
üzer Vldchenlant und Hornboge der snelle (1283, 1. 1284, 1. 
1818, 2). jenen finde ich in keinem andern gedichte, denn 
Rdmunc von hlande unter Ermenrichs mannen in der Flucht 
(8621) (Rämunc von Sweden j. Titur. 19'5) erwähnt, kann doch ui 
nicht derselbe sein, dagegen kennt dieses gedieht (5888. 8569) 
und die Rabenschlacht (46. 616) den hünischen Hornboge mit 
dem Zusätze von Poldn. hierdurch wird eine stelle im Biterolf 
(1232) verständlich, wo unmittelbar auf Hornboge die wort« 



142 



45 



141 folgen : von Poldn der herzöge, der was in vancnüsse da. mit 
V. d. Hagen so zu interpungieren , dasz die worte von dem 
eigennamen getrennt einen ungenannten herzog von Pohlen be- 
zeichnen, scheint mir unzulässig: es wäre sonst nie wieder die 
rede von ihm und dann folgt der krieg mit den Pohlen, an 
welchem eben Hornboge theil nimmt (3454), erst späterhin, ja 
es wird ausdrücklich gemeldet (3750. 3847), wie nach erfoch- 
tenem siege ihr herzog Hermann als gefangener sei zu Etzel 
gebracht worden, ich glaube vielmehr, der dichter nannte erst, 
der sage gemäsz, den beiden von Pölän und liesz ihn als einen 
gefangenen, das heiszt unterworfenen, an Etzels hofe leben, her- 
nach aber als ein krieg mit den Pohlen erzählt und ein zweiter 
herzog von Pohlen als gefangener aufgeführt wurde, liesz er 
jene benennung fallen und machte den Hornboge zu einem 
fürsten üz Vlächenlande , weil sein gefahrte Ramung es war; 
das thut aber kein anderes gedieht^*. 

s) Ich erwähne hier gleich den eben genannten herzöge 
Herman (3585) üz Poldn, er ist aus der Klage bekannt (oben 
s. 114. 115) und ist dort schon angemerkt, dasz er, vom Etzel 
mit krieg überzogen (3719. 3425), besiegt wird (3750) und als 
gefangener mit nach Etzelburg folgen musz (3805. 3847. 3880). 
Helche verwendet sich für ihn und den gefangenen könig von 
Preuszen : 

3994. — — — do half der küniginne bete 

dem herzogen von Pölän, daz er und ouch sine man 
mit gedinge riten in ir laut, sit do muos ir beider 

haut 
Etzeln dienen m anigen strit. 

doch befindet er sich nicht bei der fahrt nach Worms. 

C) Schrütdn und Gibeche [Haupts zs. 6, 154. 166 f.], werden 
immer, wie in der Nibelunge noth (1818, 1), zusammen genannt 
142(1230. 3848. 4943. 9711). dasz jener herzöge von Merdni^i 
(1235. 3719. 4944) erfahren wir hier zuerst; er kommt sonst 
nirgends vor, denn ein riese Gibichs im Rosengarten hat nur 
den namen mit ihm gemein, ebenso kann ein Gibeche von 
Galaber bei Ermenrich (Flucht 7196) nicht wohl dieser mann 
Etzels sein. 

Yj) Sintram von Kriechenlant oben s. 113. 



^' deshalb hätte man Ursache, die ganze stelle von vier zeilen, schon weil 
sie immer etwas ungehöriges enthält, für unecht und eingeschoben zu betrach- 
ten, noch mehr aber aus folgendem gründe : unmittelbar vorher wird Gibeche 
genannt und der erscheint in diesem gedieht immer mit Schrütän verbunden und 
ist hier gerade durch diesen Hornboge von Pdlän getrennt, fällt die verdächtige 
stelle weg und liest man: Gibeche und Schrütän der herzöge von Mer&n, so ist 
alles in Ordnung, [s. jetzt DlIB. 1, XVII.] 



45 143 

&) Sigeher von Turkte. oben s. 102. 142 

i) Gotele (1223. 4949. 7758. 10730. 11656) Wolfhart gibt 
sich für ihn aus (8923). in der Flucht (531. 5892. 7339. 8573) 
und Rabenschlacht (44. 544. 581. 708. 885. 983) fast jedesmal 
mit dem zusatz: der marcman. 

x) Hadebrant von Sttrmarke (8784. 10753. 13332. 13344. 
13431). 

X) OUe^ nur ein einzigesmal (1239) und auch sonst in keinem 
andern gedichte genannt ^^. 

e) Dieterich von Bern. 

Geschlecht und Verwandtschaft s. oben (s. 104); Dietleib 
gehört hier dazu (s. 126). 

Dieterichs feuerathem ist gleichfalls schon (oben s. 106) 
erwähnt,, auch zusammengestellt (s. 102), was über seine beiden, 
die Berncere (5235. 9784. 12194) und die Wülfinge vorkommt. 
er selbst heiszt der Berncere (8361): 

Sein Schwert, das alte sahs (vielleicht Eckesahs)^ finden wir 
hier (oben s. 58), und den heim Hiltgrtm (unten nr. 63), wie- 
wohl letztern nur ein einzigesmal (9237), genannt, auch sein 
zeichen lernen wir kennen: 

9791. in eime vanen blävar 

sach man einen lewen wagen, 
uz golde von stden wol getragen; 
dem volgten die wigande 
von der Amelunge lande. 

Die Vilkina saga gibt ihm (c. 17) einen goldenen lowen 
auf rothem (nach c. 38. 39. und 307 auf weiszem) Schilde, da- 
mit stimmt Ecken ausfahrt : der vuort an sinem Schilde ein 143 
lewen^ was von golde rot (53 Caspar v. d. Röhn und 47 alt. dr., 
vgl. 115 Caspar v. d. Röbn und 86 alt. dr.). auch der Rosenr 
garten d (cod. Arg. und Pal. 10) erwähnt den löwen auf dem 
Schild. [Walberan 982, Haupts zs. 6, 160.] nur im Alphart 
(193. vgl. 94), scheint die echte sage verwirrt, wo dem Diete- 
rich ein adler zugeschrieben* wird, und der löwe dem Alphart ; 
doch auch im Siegenot (Nürnberger dr. str. 64 und zwei band- 
Schriften) heiszt es: du vüerst den lewen und den am gemalt 
an dinem Schilde, dasselbe in den Drachenkämpfen (93^. 103**. 
139*^). wahrscheinlich setzten spätere gedichte weil man Diete- 
rich für den römischen könig ansah, noch den reichsadler hinzu. 



^ ^ die zwei zeilen über ihn trennen Imfrit von Irinc und Häwart, die sonst 
immer neben einander stehen; sie könnten leicht unecht und ein späterer zusatz 
sein, zumal sie sich in der nachbarschaft des Hornbogc von Folän befinden, wo 
zu einer gleichen Vermutung anlasz war. 



U4 



45 



143 Über das Verhältnis zu Hildebrand einiges unbekannte. 
als Dieterich gegen Siegfried zu kämpfen sich weigert, so sagt 
der meister: 

7990. iuwer vater gap iur hant 
durch triuwe in die mine, 
deich iuch und alle die sine 
in miner pflege solte hän. 
da bi stuont vil manic man, 
bede Diutsch und ouch Walch, 
dö er mir allez daz bevalch, 
daz er nach töde hie verlie. 

Und vorher: 
7996. diu zuht die ich an iu hän getan. 

In dem gedichte von der Flucht werden wir eine ähnliche 
angäbe finden; zu vergleichen ist, was von Rüther und Berther 
(oben s. 51) erzählt wird. — Hildebrand heiszt üzer Berne 5759. 

f ) Die Harlange. 

Fntile und Imbrecke^ die küenen Harlunge (4597. 4765— 
67. 5657. 9805. 9892. 10672. 11206), die zw6n künige junge 
(5216. 5722. 6382. 7633. 10164. 11198. 12856) aus Harlunge- 
lant (4596); s. oben s. 19. 20. 31. 32. 37. 

Zu ihnen gehören folgende beiden: 

a) WahsmuoU er bringt die jungen könige zu Dieterich 
(5720. 6387. 10199), dutzt Eckeharten (10207), trägt der Har- 
lunge fahne von kleegrünem sammt (9801), und leitet ihre 
schaar (5662. 9799. vgl. 5229. 7708. 10230-48. 10676). 

ß) Hache (5727. 10172), vetter des Wachsmut (12207), 

144 leitet mit ihm die Harlunge (6388) und fahrt Eckehards schwert 
(12209). ein junger Hache im Alphart (73. 433) und in Die- 
terichs Drachenkämpfen (189**). 

7) Eckehart (4733. 5230. 6389. 7710. 9888. 10204^25) 
söhn des Hache (10244). sein rosz heiszt Rusche (10227). — 
im Alphart, wo er zu Breüach (s. 37) seinen sitz hat (308), 
streitet er gegen Ermenrich, und der muth seines pferdes Rosck- 
lin wird gerühmt (445). — in der Flucht Eckewart^ Harlunge 
man (4140. 4433. 4666. 7671. 8591), er fällt im kämpfe (9669). 
dagegen in der Rabenschlacht erscheint er wieder (723. 868). 
— in dem Rosengarten c (IP) heiszt er Eckehart der vil ge- 
triuwe man*, und als er gesiegt hat, verschmäht er den kusz 
der Kriemhild mit den werten (19*): ich läze mich niht küssen 



« { 



der fromme* ZE. 26, U. 



45 145 

ein ungetfriuwe meit, und in dem alten druck (371, 377) steht im 
etwas ähnliches, dagegen im Rosengarten d zieht er nicht mit 
nach Worms (cod. Pal. 8**): 

Do sprach Eckehart der getriuwe: ich waere gerne da 

hin, 
wenne daz ich mit den Harlungen so gar bekumbert 

bin. 
west ich wem ich die lieze^ ich rümte mit iu diu laut. 

8) Der alte Regentac (4772. 5727, 9892): 

10238. der manigen herlichen slac 
bi »tner bruoder kinder sluoc. 

Ausdrücklich ist nicht gesagt, wer darunter verstanden 
wird, aber dem zusammenhange nach können nur Eckehard 
und Wachsmut gemeint sein; des letztern vater lernen wir 
nicht kennen, aber Hache heiszt sein vetter und müste nur 
auch Regentags bruder genannt sein, von diesem ganzen ge- 
schlechte wird keiner in andern gedichten angeführt, als Ecke- 
hard; auch Hache nicht, denn der junge Hache im Alphart 
musz doch ein anderer sein. 

e) Rabestein wird nur einmal (10676) erwähnt, wahrschein- 
lich Ribestein^ der bösartige geselle Sibichs in dem gedieht von 
der Flucht (s. unten). 

C) Rimstein^ kommt gleichfalls nur einmal (4773) vor. 
wahrscheinlich jener dem Ermenrich widerspenstige Rirmtein^ 
von dem die Vilkina saga (c. 126. 127) erzählt. [Rimstein, 
Schannat nr. 241. Rumstän Trav. song 245. Jac. Grr. Lach- 
mann.] 

Tj) Herdegen (5231. 6389. 10172). ein Herthem in der 
Vilkina saga (c. 209), Schwager Thidreks, kann doch nicht 
wohl gemeint sein, denn er ist der vater jenes Herburt, der 
fOir die rheinischen könige kämpft. 

g) Ermenrieli. 

Schon oben (s. 106) wurde bemerkt, dasz er selbst nicht 145 
auftritt; wie Etzel sendet er nur sein beer, zieht aber nicht 
mit in den krieg, der dichter scheint in ihm den höchsten 
herrn, den könig von Rom und Lateran (als inbegriff der 
grösten macht ^*, doch nicht gerade sein reich einmal genannt 
11109) zu sehen. Lampartenlant (10521. 10993. 11636. 12182. 

^* der Lateran war sitz der päbste bis zam jähre 1305. Bunsens Rom 
3», 505 f. 546. [Haupts zs. 12, 327.] auch bei pf. Konrad 71 »> Laträn, Anti- 
christ, fundgr. 2, 111, 14. Eracl. 4422 Röme und Lateran. 

WiLH. GbIMM, DBUT6CUB HBLDENSAOS. IQ 



146 



45 



145 12955), obgleich Dieterichs Wolf hart dort wohnt (8210), die 
Rabencere (5190. 5699. 8814. 9555), namen, die man in der 
Nibelunge noth und Klage vergeblich sucht, sind ihm unter- 
worfen, und da dies auch von den Amelungen gilt (6377), so 
scheint Dieterich doch nur ein unterkönig gewesen zu sein. 
von Ermenrichs vasallen lernen wir folgende kennen: 

a) Uutwar^ junger held (11093), einmal könig [1. der küene] 
genannt (7761), trägt Ermenrichs zeichen (10990) und leitet, 
immer zugleich mit Sabene, das heer. (5198. 5679. 6375. 9778. 
10990. 11093). kein anderes gedieht kennt ihn. 

P) Sabene, Sibechen sun (10996), der junge (5679. 12047): 

6377. der der Amelunge 

bediet hat vü manige craft, 
daz sie im nü sint zinshaft. 

In der Flucht wird er (8343. 8368) erwähnt und von einem 
andern gleiches namens unterschieden; vgl. unten Wolfd. von 
Caspar v. d. Röhn. 

Y) BerhtunCy ein junger Amelung (5191), ist herzog (8190) 
zu Raben (5669. 8814) in Lamparten (10992. 11635); führt eine 
grosze schaar (6173). kommt sonst nirgends vor. 

8) Rienolt und Randolt^ forsten aus Mailand (4602. 4754. 
5207. 5683. 5725. 6393. 7451. 9879. 12042), Berkers kint (4603), 
also brüder. Wolf hart ist Rienolds neve (8827). — im Alphart 
werden beide ausdrücklich brüder genannt (199) und 'Reinhold' 
erhält Mailand (424. 454), aber ihres vaters gedenkt sonst kein 
gedieht. — in der Flucht (2669—2809. 5840) ein Randolt von 
Ankonay dem Dieterich treu, auszer Verbindung mit Rienold von 
Mailandy der zwar erscheint, aber als gegner Dieterichs im 
kämpfe von Wolfhart getödtet wird (3321 — 67); von ihrer Ver- 
wandtschaft ist keine rede, dagegen in der Rabenschlacht, die 
doch später fallt, lebt er noch, ist Wittichs schwestefsohn (222. 

146 931—948) und wird von Dieterich getödtet (953); Randold 
kommt nicht vor. im Rosengarten c und d finden wir ihn unter 
Gibichs beiden, im kämpfe gegen Sigestap; 'Reinolt von Mei- 
gelant' aber für Dieterich streitend, auch in den Drachenkäm- 
pfen (277*. 334*), und einen Reinald, ebenfalls Thidreks mann, 
einmal in der Vilkina saga (c. 38). (der ungestalte Rienolt, 
Liaders. 2, 646. Lachmann zur Klage s. 308.) 

e) Witege und Heime, werden zusammen genannt (5196. 
5675. 7666. 7695. 11151. 11899) als des königs faner (6374. 
9770). Wittich, ein junger held (6372), von dem man Wunder- 
dinge erzählt (10589; vergl. oben s. 62); seines Schwertes Ml- 
minc ist schon (oben s. 59) gedacht, von seinem heim Zi/ww«' 
wird hernach die rede sein. Nantwin von Regenspurc ist mit 
ihm verwandt, aber sie leben in feindschaft (oben s. 137). — 



45 147 

Heime aus Lamparten (12955) ist ein söhn des Madelger {6373. I4ß 
10900. 10976 ; 'Madelungera kint' 12962) und trägt das schwert 
Nagelrinc (oben s. 59). im Alphart (260) und zweimal im an- 
hange des heldenbuchs heiszt Heimes vater Ädelger^ doch ist 
jener name (vgl. gr. 2, 494) wol der richtigere, auch wird in 
der Flucht einmal (8637) ein Madelger genannt unter Ermen- 
richs kämpfem. in der Vilkina saga (c. 17) ist er des Studas 
Sühn. — vgl. oben s. 17. 19. 20. 102. (Madelger ein schmid in 
Kegensburg beim pf. Konrad 21* (Rol. 58, 17); ein zwerg im 
Morolt 3921. 3926.) 



h) Mime, Hertrich und Wieland, die drei schmiede. 

115. er (Biterolf) hast ein swert^ daz was guot. daz im den 

sin und den muot 
vil dicke tiuret sere, sin lop und ouch sin Sre, 
des half daz wäfen alle zit. er kam nie in deheinen 

strit, 
ez gestuont im also, daz sin der recke wsere frö. 
Schrit was daz swert genant, diu maBre tuon ich iu 

bekant. 
125. an einem buoche hört ich sagen, der swerte wurden driu 

geslagen 
von einem smittemeister guot, der beide sin unde muot 
dar an wände sere, daz man in den landen mere 
so staetes niht enfunde; wan er den list wol künde 
baz dan anders ieman da. er saz in Azzarid 
135. von Tolet zweinzec mile. er haet ouch e der wile 

der swerte mere geslagen. einen namen wil ich iu 

sagen: 
er hiez Mime der alte, sin kunst vil manigen valte, 
der lenger waere wol genesen und des todes muostel47 

wesen 
von der swerte krefte. zuo siner meisterschefte 
145. ich nieman kan geliehen in allen fiirsten riehen 

an einen, den ich iu nenne, daz man in dar bi erkenne: 
der was Hertrich genant und saz in WasconUant. 
durch ir sinne craft so haßten sie geselleschaft 
an werke und an allen dingen; sie mohten wol vol- 

bringen ^ 
155. swaz in ze tuone geschach. swie vil man starker liste 

jach 
Wielande, der da worhte ein swert, daz unervorhte 
Witege der helt truoc, und einen heim guot genuoc 
der da himme was genant; ouch worht er allez daz 

gewant 

10* 



148 



45 



147 daz zuo dem'swerte wol gezam; Witege truoc ez äne 

schäm, 
165. der eren ingesinde. er haet ez sinem kinde 

geworht so er beste mohte; dan noch im niht tohte 

daz er an disem maere so wol gelobt waere 

als Mime und Hertrtch. ir kunst was vil ungelich. 

die rede bescheid ich iu: der s werte wären zwelfiu, 
175. diu sluogen dise zwene man, als ich iu kunt hän getan: 

daz drizehend sluoc Wielant, daz was Mtminc genant. 

daz buoch hoeren wir sagen ^ diu swert torste nieman 

tragen, 

er waer fürst oder fürsten kint. 

Das buch, woraus der bearbeiter diese merkwürdige nach- 
richt schöpfte, musz ein anderes gewesen sein, als jenes, wel- 
ches das gedieht von Biterolf selbst enthielt, hier heiszt Bi- 
terolfs Schwert Schrit und Wittichs heim Ldmme und beide, 
zumal aus keinem andern gedichte bekannt (wenn nicht, wie 
ich doch glaube, 'Lonen\ Wittichs heim im Alphart 449, der- 
selbe, nur entstellte name ist, vgl. Blank s. 308), werden nur 
dieses einzigemal angeführt, so oft auch sonst dazu gele- 
genheit wäre; angespielt vielleicht wird auf den heim doch 
noch einmal (8528). (Mtminc dagegen ist häufig genannt 
und gilt auch in andern quellen schon als Wittichs schwert; 

148 vgl. oben s. 59). noch deutlicher wird die einmischung durch 
ein anderes schwert Biterolfs, das Welsunc heiszt (561) und 
womit er gegen Walther kämpft (636); einmal steht dieser 
name durch den reim (679) gesichert, freilich findet spä- 
terhin eine Verwirrung oder Vergessenheit statt, denn der 
dichter lässt den Dietleib (dem das schwert auch im Laurin 
zukommt) Weisung tragen, ja nach einer ausdrücklichen an- 
gäbe hat es Biterolf, im Widerspruch mit der früheren erzäh- 
lung, daheim gelassen (3697) und der söhn gebraucht es gegen 
seinen eigenen vater (3660). — Mime ist aus der Vilkina saga 
als lehrmeister des Sigurd bekannt (oben s. 73), aber was wir 
von ihm, den sonst kein dieutsches gedieht nennt, vernehmen, 
stimmt nicht zu jenen Verhältnissen. dasz der kunstreiche 
Schmied dort in Hunaland, hier im südlichen Spanien wohnt, 
zwanzig meilen von Biterolfs sitze Toledo, an dem unbekann- 
ten orte Azzartd^ wahrscheinlich südwärts in Sierra Morena, 
das wäre vielleicht nur ein geringfügiger unterschied; allein in 
der Vilkina saga ist Mime lehrer Velints, der hier auszer Ver- 
bindung mit ihm, als ein untergeordneter künstler erwähnt wird, 
während das schwert Miminc, Wielands arbeit, sein Verhältnis 
zu Mime durch den namen anzudeuten scheint, doch etwas 
übereinstimmendes findet sich: nach der Vilkina saga (c. 33. 
156) gibt ebenfalls Velint seinem söhne Vidga den selbstge- 



i 



- 45 149 

schmiedeten Mimung und die ganze rüstung, ja auch einen 148 
heim, dessen zeichen ein goldener, giftspeiender lindwurm ist, 
sä er ßlangi heitir; und das erklärt hinlänglich den ausdruck 
im Titurel (s. unten): Witege mit dem slangen. dürfte man 
sich aber in beziehung darauf nicht die Vermutung erlauben, 
der sonst unverständliche name Limme sei nichts als eine ent- 
stellung von dem verlorenen deutschen lindo (gr. 2, 491), alt- 
nord. linni, schlänge? [Haupts zs. 2, 248—252. ZE. 26, 7.] 

Hertrtch^ in der deutschen, wie in der nordischen sage, 
sonst unerhört, ist hier der eigentliche genosz Mimes, und ihrer 
geschicklichkeit scheint nichts unmöglich gewesen zu sein. 

Einigermaszen erinnert die ganze stelle an die drei schmiede 
in dem altfiranzösischen gedieht (oben s. 43. 44), und an ihre 
neun Schwerter, die nur fürstliche beiden besaszen. 

5) Merzian von Babilon und Baligan von lAbya. (Morolt 
3007. 71. 4016. 25. 88. Orendel 407. 927 flf. 2025.) 

a) 306. — — — wie hohes namen was genant 

von Babilon Merctdn^ er künde nimmer widerstan 
dem von Hiunen riehen noch sich im geliehen. 

• 

b) 311. sol er (Etzel) des haben ere, so nennich ir iu mere, 149 

die im genözsam selten sin: Antfuhs von Gabelin 
und Baligan von Ldbtd^ der hset üz Perstd 
wol ahtzec tüsent beiden, wie der unbescheiden 
ie taete swaz er wolte, ob er nü striten solte 
mit Etzeln dem riehen, er taet ez angestltchen. 

Und Etzel vergleicht ihn mit sich selbst: 

1371. Baligan der vil rtche, der vil gewaltecliche 
ist ob den beiden, als ich bin. 

Ich vermute, dasz hier Merztdn gemeint ist, der als mäch- 
tiger heidnischer könig im Wolfdieterich vorkommt und sammt 
seinem groszen beere nahe bei Jerusalem in die flucht geschla- 
gen wird (bl. 114 — 119). Baligan könnte der beide Beltan sein, 
in dessen zauberburg Wolfdieterich geräth und den er im Zwei- 
kampf tödtet. über Antfuhs von Gabeltn habe ich keine nach- 
weisung. 

6) Endlich noch einige beziehungen, an sich merkwürdig 
und dunkel, und bis jetzt unerklärbar, die aber doch nicht 
dürfen übergangen werden, weil vielleicht späterhin darüber 
sich licht verbreitet, 

a) 295. man sagt von NibelSte daz, wie er ze Barise saz 

in eime riehen lande, den ich (Walther spricht) vil 

wol erkande; 



150 — 45 

der machet himele guldtn; selber wolt er got ^." 
mit krafl er töte tüsent her; ez mohte Dieman keine 

wer 
wider in gefiieren; ez getoret ouch gerfieren 
mit strite nieman ainiu l^it. 

b) Die bewohner von Metz, die den jungen Dietleib reiteo 
sehen, kennen ihn nicht; einer spricht: 

2556. — — — wfer er indert im geliche, 

s6 solteD wir in da vür hän, der valsche site nie 

gewan, 
Paltram 4z Alexandrin. nö daz der lip sin 
küme halb als er gewahsen ist, darzno hän ich dehei- 

nen list, 
wer der vil guote ritter si. 

2670. noch wart allez hie gestriten 

mit red ez waere Paltram, von dem man manigen pris 

vemam, 
der aider künic ze Fülle wart. 

7) Rühren beide werke, Klage und Biterolf, in der bear- 
beitung nämlich, in welcher wir sie besitzen, von einem und 
demselben dichter? [DHB. 1. einl.] die frage gehört, streng 
genommen, nicht hierher, darf aber nicht übergangen werden, 
da die bejahung derselben zugleich ein zeugnis enthält, auf 
welche weise verschiedene darstellungen der sage neben einander 
in den bearbeitnngen desselben dichters bestehen konnten, ver- 
anlasst dazu wird sich jeder ftlhlen, der die reime beider ge- 
dichte mit einiger aufmerksamkeit vergleicht, und ich weisz in 
der that nicht, ob meine Vermutung älter ist oder LachmaniiE, 
wenn ich mich recht besinne, schon längst öffentlich ausge- 
sprochene entscheidung daflir. eine vergleichung der angaben 
beider gedichte über die ihrer so wenig sagenmäszigen erzäh- 
lung verliehene grandlage fordert die beantwort:ung unserer 
frage gar nicht, und ich kann mich deshalb auf die vorange- 
gangenen Untersuchungen berufen, zeigt sich auch in manchen, 
selbst wichtigen stücken, z. b. der nnbekanntschaft mit Sieg- 
frieds drachenkampf und unverwundbarkeit, übereinstimmuDg 
zwischen der Klage und Biterolf, so steht in anderen dingeo. 
worin Klage und Nibelunge noth zusammen kommen, Biterolf 
wieder allein; er kennt z. b. so bedeutende personen, wie Dank- 
wart und Folker nicht, es scheint, der reinem sage gemäez, 
und ebenso verhält es sich mit geringfügigen nebendingen z. b. 
Sindolds amte. die reime dagegen in beiden werken zeigen 

" 8. lum Eraclius s. 497. 502 f. 



45 151 

eine übereinstimmuDg, die sich kaum anders, als durch die an- 150 
nähme eines einzigen dichters erklären lässt. dieser punct musz 
also näher erörtert werden. 

Beide reimen a : ä (man : getan, här ; dar häufig, mäht : bräht 
Klage 1154), e:e (pflegen : legen , siegen : degen) , i:i (Diete- 
rich : dich, mich, sich. Bloedelin : in Kl. 1893. sin: in Biterolf 
3163. 5165. 8264.' 9448. 11856), 6:uo (dorzuo. Gernot :guot 
Bit. 13134. Gernoten : guoten Bit. 6209), c : ch (marschalc : be- 
valch Kl. 719. Bit. 3231. widerwac : sach Bit. 7361), g:b 
(ougen : gelouben Kl. 555 b c d. tage : habe Bit. 8568. Pergen : 
werben Bit. 1629), m:n (inne : grimme Kl. 709. Heime : eine 
Bit. 5675. 12994. kleine 5195. stein : oheim Bit. 10332. tuon: 
ruom Bit. 8109). — beide bedienen sich der endigungen -ünt, 
-ünde (gr. 1, 367): suochünde : stunde Kl. 1126. snidünden : 
wunden Bit. 6535. wunt:abünt Bit. 3611. 9241. sie reimen 
Hagene : degene Kl. 544, im Bit. häufig, und auch Hagenän : 
degenen 2741. 6019, Hagene : gademe Kl. 589. Hagen^ : sagend 
Kl. 371. 1707. Rabene : degene Bit. 4751. sie gebrauchen den 
reim auf -6t (gr. 1, 369. 951): gebärot : tot Kl. 566. gesenftöt: 151 
not Bit. 12374, entwäfenot Bit. 8910, verserot Bit. 9536, und 
auf -ist: minnist:ist Kl. 759. Bit. 8454. ferner das verkürzte 
part. praet. gekleit (Kl. 311. 981. 1556. 1709. Bit. 7219. 4711. 
6187), die formen banden und henden neben einander (Kl. 220. 
240 u. s. w. Bit. 526. 6887 u. s. w.), und ausnahmsweise hat 
die Klage einmal (483) gesten und Biterolf (4131) stet statt 
des gewöhnlichen stän, stät. die Klage zeigt neben dem übli- 
chem mohte einmal (1021) mähte, ebenso Biterolf (9636) mähten. 
' beide süene statt suone (Kl. 583. Bit. 11412. 12370. 12402. 
12534, doch hat Bit. auch einmal 12524 daneben suone). bei 
beiden im reim die seltenen ausdrücke vreide (Kl. 1867. Bit. 
11376), bediet (Kl. 485. Bit. 6379. vergl. gr. 1, 405), auch 
das adj. schart (Kl. 1615. Bit. 3731. 6389. 9480. 10680. 11314) 
ist nicht sehr häufig, beide gebrauchen rührende reime; in der 
Klage : houptlos : verlos 433, untriwelos : verlos 1025, haben : 
erhaben 2040, enhat:hät 1891; im Biterolf : hin : hin 1569, da: 
da 11190, hän : hän 8087. 12736, ich : ich 12450, komen : komen 
1607, getan: getan 10866, Dieterich : rieh 5257. 7545. 7921. 
12510, Liudegaste : gaste 5051, hiez : gehiez 13368. endlich, 
und das ist nicht der geringste beweis, beide erlauben sich 
eigenthümliche freiheiten bei der starken declination der eigen- 
namen. erstlich, auszer dem bekannten adjectivischen acc. wen- 
den sie daneben, und, wie es scheint, blosz nach bedarf des 
reims, noch einen auf e ausgehenden an, als gehöre das wort 
zu der zweiten declination, ohne dasz jedoch ein solcher nom. 
auf e angenommen würde und zwar, wie die beispiele gleich 
zeigen werden, auch bei namen, die niemals auf die zweite (wie 
ich aus gr. 1, 770 erinnere, um diese zeit fast verwischte) 



152 



45 



151 declination anspruch machen durften, es versteht sich dabei 
von selbst, dasz noch der flexionslose, mit dem nom. gleich- 
lautende, regelmäszige acc. mithin eine dritte form, statt finden 
kann. also: Dieterichen (2059 Kl. 11176. 12204 Bit.) und 
Dieteriche (514. 2051 Kl. 11176 Bit), Rüedegeren (224 Kl.) 
und Rüedegere (980. 1021. 1175. 1926 Kl., die dritte form Küe- 
deger 226 Kl.), Gernoten (242. 926. 961 Kl. 3036 Bit.) und 
Gernote (227 Kl. auszer dem reim). Hildebranden (1044 Kl. 
auszer dem reim) und Hildebrande (1226 Kl. 7740 Bit.), Wolf- 
harten (826 Kl. auszer dem reim) und Wolfharte (835 KL), 
Weisungen (636 Bit.) und Welsunge (3660 Bit.), Balmungen 
(7228. 11052. 12278 Bit.) und Balmunge (10845 Bit.), Nanir 
winen (6003. 6243. 8703 Bit.) und Nantwine (7719 Bit.), Ort- 

i62wine (7703 Bit.) und Bloedeline (5392 Bit). sodann, noch 
weiter gehend, gebrauchen beide gedichte auch einen doppelten 
dativ der starken eigennamen, den regelmäszigen auf e (das 
natürlich auch wegfallen kann) und einen andern auf -en, 
gleicherweise dem anscheine nach der schwachen declination 
entlehnt, der fall ist jedoch seltner, in der Klage finde ich 
nur Gerbarten (774), dagegen im Biterolf Dieteriche (8884. 
10512. 11256. 12422) und Dieterichen (11282. 12878), Hilde- 
brande (9279. 13344. Hildebrant 12960) und Hildebranden 
(12970), Gernöte (6695) und Gernoten (12350. 10950), Wolf- 
harten (8724. 8766. 11314), Wolfräten (5465), Gelfraten (6245. 
7691. 10286), Herborten (11336), Nantwinen (10264); beispiele 
genug um die sache auszer zweifei zu setzen, endlich scheint 
auch im Biterolf neben dem richtigen nom. pl. Amelunge (7879. 
9350. 10361) einmal (6457) Amelungen gesetzt zu sein; gewis 
aber zeigt Imbrecke auszer dem regelmäszigen acc. Imbrecken 
(4597) auch den ungewöhnlichen Imbrecke (7635), also umge- 
kehrt die schwache declination einen starken casus; die Klage 
hat dazu keine gelegenheit gehabt. 

Was sich gegen die annähme eines dichters beider werke 
sagen lässt, besteht in folgendem, es ist auffallend, dasz nie- 
mals des Widerspruchs erwähnung geschieht, der in so manchen 
und wichtigen stücken der sage zwischen beiden gedichten 
herscht. sehr natürlich wäre in dem spätem, welches man nun 
dafür halten will, eine anmerkung oder entschuldigung gewesen, 
man sollte meinen, fast noth wendig bei einem dichter, der es 
sich sonst angelegen sein lässt, die Wahrheit seiner erzählung 
zu versichern; gerade bei einem vom Biterolf abweichenden 
punct sagt er in der Klage (25): von der wärheit ich daz nim. 
freilich folgte er jedesmal einer ganz andern quelle und hielt 
sich gewis streng daran, aber befremdlich ist dieses stillschwei- 
gen immer, hernach bleiben für jedes gedieht noch eigenthüm- 
lichkeiten im gebrauche des reims und in der spräche zurück, 
die es mit dem andern nicht theilt. die Klage bindet allein 



L 



46. 47 . 153 

(474) a : e in swester : lasier, was ich nur noch in Eilharts Tri- 162 
stan (5241 cod. Dresd.) wiederfinde; sie hat einmal Burgenden 
(774) neben Burgondaere. sie gebraucht (1432) der gebar, Bi- 
terolf (601) diu gebasre; den conjunct. haete (111), Biterolf 
(1677. 3439. 7569) biete, hingegen zeigt Biterolf allein die 
form krefte und zwar nicht selten (143. 10140. 10168. 11818. 
12294), femer das unverkürzte part. praet. verklaget (9388) 
neben verkleit. er hat allein das part. praet. gewezzen (6461. 
10880) und den inf. itewezzen (12504) [4. itewizen : verwizzen', 
Jac. Grimm], öfter das seltene adv. darwert (10722), hinwert iö3 
(9275), hinnewerte (8049), engegenwerte (10958) und das von 
höfischen dichtem im reim gemiedene magedin (6469); auch 
gezemen : nemen (3. 2241. 2819. 4525. 4646. 6749. 8698. 12012) 
fehlt gänzlich in der Klage. 

Indessen musz man gestehen, dies sind nur einzelheiten, 
gegen das gewicht, das in der sonstigen groszen Übereinstim- 
mung liegt, von geringer kraft; einiges mag zufällig sein, auszer- 
dem aber ist es weder nothwendig noch natürlich zu glauben, 
der dichter habe zu allen zeiten genau dieselben regeln befolgt 
und seiner spräche keine Veränderung gestattet. 



46. 

Snorra Edda. 

Unter den dichterischen benennungen für schwert kommt 
auch Mtmüngr vor (214 Rask), und P. E. Müller merkt (sagen- 
bibl. 2, 177) dazu an, dasz wahrscheinlich auch der name von Ho- 
thers schwert bei Saxo (3, 40), Mimring^ derselbe sei. 

Dieses zeugnis ist um so wichtiger, als sonst Wittich und 
sein schwert in der nordischen sage völlig unbekannt und erst 
späterhin durch die Vilkina saga eingeführt sind. 



47. 

Überarbeitung der Nibelunge noth. (Liedersaal des frei- 
herrn v. Lassberg. bd. 4.) 

Die Zusätze berühren nur in wenigen fällen den eigent- 
lichen inhalt der sage. 

1) Die jagd der könige findet zwar auf der andern seite 
des Rheins statt, aber hier soll nicht irrigerweise der Wasken- 
wald liegen, sondern Günther sagt: 

7650. 'Nv wir der hereverte. ledic worden sin. 

so wil ich iagen riten. von Wormez vber den Ria. 



154 



47 



163 vnt wil kurcewile. zem Otenwalde han. 

lagen mit den banden . als ich vil dicke han getan.' 

Bei einem brunnen wurde Siegfried ermordet (Nibelunge 
noth 260, 3), hier ist der ort namentlich bezeichnet: 

8403. 'Von demselben brunnen. da Sivrit wart erslagen. 
sult ir div rehten märe, von mir hörn sagn. 
vor devi Otenwalde. ein dorf lit Otenhaim. 
da vliuzet noch der brunne, des ist zwifel dehein.' 

154 Das ist kein willkürlicher zusatz, wie aus der Übereinstim- 

mung mit dem liede von Siegfried folgt: 

177, 3. — — — 'ob eynem prunnen kalt 

Erstach jn der grymmig Hagen Dort auf dem Otten- 

waldt,^ 

Ein Odenheim in dem Wormser gau kommt in einer Ur- 
kunde von 786, die Odenheimer mark in andern, etwas spätem 
vor (cod. dipl. Lauresham. nr. 12. 1286. 2557). dasz der über- 
arbeiter diesen ort meine, ist darum wahrscheinlich, weil nach 
einer Urkunde (nr. 33, p. 86) ein wald in dieser mark lag, den 
man als zum Odenwald gehörig betrachten mochte, in einer 
andern Urkunde (nr. 19) finde ich einen Cuningesbrunno in dem 
Odenwalde liegend, und dieser name wäre nicht unpassend für 
die quelle, aus welcher Siegfried sollte getrunken haben, da- 
gegen nimmt man keine rücksicht auf die Überarbeitung, und 
weisz man daher nichts von einem Odenheim, so werden wir 
auf eine andere Vermutung geleitet. Siegfried, von durst ge- 
quält, wolde für die berge zuo dem brunnen gän (911, 3); nach- 
dem das erlegte wild fortgeschaft ist, wird der vorsatz ausge- 
führt, und nun wiederholt sich jene zeile, aber mit andern Wor- 
ten (913, 1): do si wolden dannen zuo der linden breit, von 
dieser linde ist vorher nichts gesagt, aber unter ihr lag die 
quelle, wo Siegfried trinken wollte, das zeigt 918, 3. 4. auch 
kann ich aus einem andern gedieht folgende stelle anführen; 
sie kämen zuo einer linden groz^ dar üz ein küeler hrunne vlo: 
(Ecken ausf. Lassb. 151. alt. dr. str. 232; ein brunnen mit 
einer linde auch im Iwein 569 -80, Lanzel. 3888 f., Wolfr. Wh. 
60, 15, Walther 94, 20—26, Otnit 90—97 Mone, Strickers 
Daniel 391 — 398, Lieders. 3, 5, 24. 25; vgl. unten s. 311). 
nun nennt aber eine Urkunde aus Carl des groszen zeit mehr- 
mals einen Lintbrunno (cod. Lauresh. I, p. 16. 17) in der mark 
Hephenheim, wo schon der Odenwald (wie sich aus cod. Lau- 
resh. nr. 19 ergibt) anfieng, und es wäre möglich, dasz die Ni- 
belunge noth diesen im sinne gehabt hätte. 



L 



48 155 

Einen StfriUbrunne^ nicht weit von Freiburg im Breisgau, 164 
hat Leichtlen (Forschungen 1, 2, 51) in einer Urkunde von 
1330, einen andern bei Villingen in einer Urkunde von 1418 
nachgewiesen, beide also von Worms weit genug, aber auch 
von einander ziemlich entfernt gelegen, ob hierbei eine bezie- 
hiing auf die sage statt findet, bleibt ungewis, da die brunnen 
in jener zeit häutig einen besondern namen führten (blosz im 
cod. Lauresh. I, p. 16. 49 findet man einen Hildegeres brunno, 
ülisbrunno, Geroldesbrunno), also auch nach irgend einem Si- 
frit konnten benannt sein^®. indessen ist auch möglich, dasz 155 
die erinnerung an die sage, durch die einsame und schauerliche 
läge eines waldbrunnen angeregt, ihm einen solchen namen er- 
theilte, der etwa so viel als mordbrunnen aussagte. 

2) Schon oben ft. 114) ist angeführt, was die Überarbei- 
tung von dem sitze der frau Ute zu Lorse und der beisetzung 
von Siegfrieds gebeinen neben das kloster weiter berichtet, es 
mochte volkssage sein, der held liege dort in einem langen 
sarge. 

3) Etzel freut sich seines sohnes Ortliebs. 

15944. 4eb ich deheine wile 

ich gib im drizzech lant^ 

In der Nibelunge noth (1852, 3) nur zwelf laut, womit 
Etzels hofhaltung (1, 7. 2, 1) stimmt; aber mit unserm gedichte 
hier kommt der Rosengarten c (12*') überein: 

— — — der künec (Etzel) sich des fröuwet, 
daz ime diente drtzec lant. 



48. 

Überarbeitung der Klage. (In der Müllerschen Sammlung 
und im Liedersaal 4.) — [vgl. zu Freidank xxxvii f.] 

^^ ans gleichem gründe bemerke ich folgendes nur in einer note. nach 
einer urkande von 1141 ' (Schannat hist. Worm. 2, 73) befand sich in Worms 
eine platea Hauenonis. einen weinbcrg Hagenbrunno nennt der Cod. Lau- 
resh. in einer Urkunde von 1 156 (n. 157). auf der mitte des Feldbergs bei Frank- 
furt ein Brnne bilde stein in einer Urkunde von 1221 (Gndeni cod. dipl. 1, 
479) und in piner früheren von 1043 (Johannis res Mogunt. 2, 514): lapis, qui 
vulgo dicitur lectulns Brnnnihilde. in einer Urkunde von 1354 (Kremer 
diplom. domus Ardcnnens. p. 484): *hin gein Sarbrucken bifs an deu Stein den 
man spricht C riemildespil' (heutzutage Spilstein; vgl. mdm. de l'acad. 
celtiq. 5, 34fi). zeugnis über einen Kriemhilten stein bei Kehl in der Or- 
tenau vom jähr 1476, jetzt Grimhildensteg, liefert Leichtlen (2, 54). Dra- 
chcnfcU, mons Draconis, am Rhein in urkiuidc von 1149. 1162. 1167. 1188 
(Günther cod. dipl. Rheno-Mosell. 1). (einen Brunhildenstcin , Rückert Oberon 
8. 20; Kriemhiltengraben Weisthümer 1, 48 — 51.) — Sigefrldesmor im 
Bremer gebiet, in einer nrkunde von 788 (Adam Brcm, c. 10), 



156 



48*. 48« 



166 1) Indem sie die Verhältnisse von Irnfrit^ Hcmart und 

Iring (oben s. 115) erwähnt, ftigt sie eine Zeitbestimmung hinzu: 

356. 'den waren chomen iriv dinch. 
wol vor zweinzech iaren, 
daz si vertriben waren.' 

166 Sie unterdrückt den vers, welcher die abkunft Irings aus 

Lothringen enthält, und gibt, wahrscheinlich um ihn nach der 
angäbe der Nibelunge noth (1965, 1) als marcgräve von Tene- 
lant zu erhalten, folgende erläuterung: 

377. 'Hawart der helt starche. 
was voget in Tenemarche. 
do was ein marche in Tenelant, ♦ 
da von Irinc was grave genant,^ 

2) Schon oben (s. 106) ist bemerkt, dasz Dieterich einmal 
(2631) Dietmarea suon heiszt. 

3) Genauere nachricht von dem begräbnis der frau Ute. 
die Worte: diu edel Uote wart begraben ze Lorse bi ir aptei 
(1990), lauten hier: 

4046. 'div edel Vte wart begraben, 
ze Lorse in dem mvnater wit, 
da div frowe noch hivte lit 
div guot vnt div vil reine. 
in eime sarch steinet 



»48 b. 

Die sogenannte repgo wische oder Sachsenchronik herausge- 
geben von Maszmann 1857 s. 250 f., von Schöne 1859 s. 20* 
(Lüneburger chronik in Eckards corp. bist. 1, 1317): 

In deme selven lande (Ungarn) vant de koninc Karl groten 
schacz van golde ind van silvere, den de koninc Eczelin (al. 
Ezzele) inde sine nakomelinge lange (van manegeme lande, 
Eckard) gesament hadden. 

Daraus schöpfte der Karlmeinet 315, 54 ff. Haupts zs. 
12, 363. — eine zweite beziehung derselben chronik auf die 
heldensage ist mit andern ähnlichen ZE. 30, 1. 46 zusammen- 
gestellt. 

Albert ton Stade, begann seine chronik 1240, darin ein 
itinerar von Rom nach Stade, ed, Rejneccius s. 184*, MG. 
SS. 16, 339: 



i 



49. 50 157 

Ensprue. Prope locum illum est claustrum, ubi iuxta altare 
ad laevam sepultus est Heymo. cujus sepulcrum habet longitu- 
dinem xiii pedum, quorum duo porrigunt subtus murum: xi sunt 
extra murum. 

[Diese schon von Wilhelm Grimm zum Rosengarten s. Lxxiv 
angeführte, in den ZE. 30, 10 (Haupts zs. 12, 378 f.) über- 
sehene stelle ist das älteste zeugnis für das grab des riesen 
Heime im kloster Wilten bei Insbruck, dessen länge nach den 
deutschen reimen von 1571 (Mones heldens. s. 291) 'zwölf 
werckschuji, vier zoll thut% nach den deutschen sagen nr. 139 
(140) 'vierzehen schuh, drei zwergfinger', nach Putschius (Mone 
heldens. s. 289): 

corpore quod cuhitoa aequat atroce novem. 

Die drachenzunge, die man nach den übrigen angeführten 
Zeugnissen später im kloster als Siegeszeichen von Heimes 
drachenkampf (vgl. s. 178) zeigte, erwähnt Albert von Stade 
noch nicht, ebenso wenig das bild des beiden; zu den in den 
ZE. und deutschen sagen gegebenen nachweisungen fügt noch 
einige v. d. Hagen in der vorrede zum heldenbuch (1855) s. xv. 
Uhland in der Germania 6, 344 anm.] 



49. iw 

Der tugendhafte Schreiber (M.S. 2, 105»). 

Noh weiz ich wol wä triuwe lebet 

mit wärheit und mit allem ir gesinde, 

darnach min gemüete strebet. 

da wil ich hin, da ich den hof so wünneklichen finde. 

her Gäwein, niht enlät iu dise rede wesen zorn; 

der hof, Etzel der JBiunen künec 

und iuwer muoter magtuom ist verla^n. 

Vielleicht mit beziehung auf die sage von Etzels verschwinden 
(oben s. 123). 



50. 

Reinmar von Zweter. 

1) M. S. 2, 130^ (c, 122. D. f. 20»>). 

Swind ist ein lop, swer daz nü kan 

bi der weite verdienen, derst ein gar nächraetic man. 



M. 5« 

waz gar uächrsetic st, daz wirt in Sibchen ahtc dicke 

8 ehm. 
Dö Sibche starp, dö liez er kint, 
diu nö lii disen ziten also swinde worden sint, 
daz man si liden muoz da man ir wol enbsere, möht 



2) M.S. 2, 147' (fehlt in d). 

Untriuwe und schände singent da vor ze prlse: 
roup, mort, brant, ntdunc in Sibcken wiae. 

Vgl. nr, 68 und ältere belege für die sprich wörÜichkeit von 
5ibicha untreue ZE. 16. 33. 25.] 



51. 

Wernher der garteNjGRB. hat den meier Helmbreht gedieh- 
et in dem theile von Niederöatreich, der Manhardsberg heiszt, 
iwischen 1239—46; handschriftlich zu Wien von den bildera 
kuf der haube des jungen bauern : 

72. weit ir nü beeren waz hie etfi 
von jener nestel her an dise 
(ez ist war, daz ich iu lise) 
zwischen den ören binden? 
von frowen Heichen Jänden, 
•wie die vnlen vor Raben 
den Itp in stürme nerloren haben, 
dö si sluoc her Witege, 
der küene und der undtege 
und Diethern von Beme^''. 

Hier finden wir zum erstenmal Dietker von Berne, Diete- 
:ich8 jungen bruder, genannt. 



52. 

Von einem übelen wIbe. erzählung in demselben Wiener 
jodex, welcher den meier Helmbreht enthält (Primisser in Hor- 
nayrs taschenbuch für östreichische gescbichte 1822, 8. 373). 
ZE. 28.] 

Darin vergleicht ein von seinem weihe mishandelter mann 
lie schlage, die er erdulden musz, mit den kämpfen des rieseu 

" mitgetheilt von Lacbmann, 



53. 54. 55 1)3.9 

/ 

Aspriafiy Wittichs und Dieterichs und meint, Walther und Hil- iö7 
degund hätten sich besser vertragen. 



53. [fällt weg.] 

Ulrich von Lichtenstein, dichtete um das jähr 1246 den 
Frauendienst (herausgegeben von Tieck). 

S. 242 ' — bindet den heim auf, herr Tristan, herr Par- 
cival und herr Ruther\ [Lachmann 488, 21: her Ither,] 



54. 

Otto von Botenlaübe. (mitte [erste hälfte] des 13ten Jahr- 
hunderts [gest. 1244].) M. S. 1, 15*. 

Karfunkel ist ein« stein genant, 
von dem sagt man, wie lichte er schine; 
der ist min und ist daz wol bewant: 
zoche (1. ze Loche) Itt er in dem Rtne. 
der künic also den weisen hat, 
daz ime den nieman schinen lät. 
mir schinet dirre als ime tuot der, 
behalten ist min frowe als er. 

Obgleich die Weingartener handschrift ebenfalls zoche liest, so 
leidet doch die Verbesserung keinen zweifei; der dichter will 
sagen: mein köstlicher schätz ist verloren wie der Nibelunge- 
hort, von welchem es in dem Hede heiszt: 

1077, 3. er (Hagen) sancte in da ze Loche allen in den Rtn. 

Eine ähnliche redensart gebraucht Sebastian Frank (s. unten), 
der könig, der den weisen ebenso besitzt, wie der dichter den 
karfunkel, ist Wilhelm von Holland [vielmehr Otto IV], der 
1247 [1198] gewählt war, aber die reichskleinodien nicht hatte. 



55. 

Bogüphälüs (starb 1253). Chronicon Poloniae (Sommers- 
berg Script, rer. Siles. 2, 37 — 39)*. er erzählt folgende sage, 
die er in die zeit des heidenthums setzt. 

* Wilh. und Jac. Grimm verweisen beide auch auf Procosii chronicon slavo- 
sarmaticum s. 109. 12S f., das aber als eine fälschung anerkannt ist. Watten- 
bach geschichtsqu. (1858) s. 448, 



158 



160 66 

168 Walther der starke (robustus), dessen schlosz Tyniez bei 

Krakau lag, entführte die tochter eines Fränkischen königs 
namens Heldegund, sie war anfangs dem söhne eines Alema- 
nischen königs, der an dem hofe ihres vaters lebte, geneigt, 
doch Walther gewann durch nächtlichen gesang ihre liebe, der 
königssohn über diese hintansetzung aufgebracht, eilt heim, 
nimmt alle Rheinzölle in besitz, und befiehlt, dasz niemand mit 
einer Jungfrau übergesetzt werde, der nicht eine mark goldes 
erlegt habe. Walther auf der flucht mit Heldegund fügt sich 
dem gesetz, doch als der fahrmann ihn bis zur ankunfb seines 
herrn aufzuhalten sucht, nimmt er die Jungfrau hinter sich aufs 
rosz und setzt über, der königssohn ruft ihm jetzt zu, er möge 
mit ihm um Heldegund, waffen und rüstung kämpfen. Walther 
erwidert, er habe die mark goldes erlegt, und die Jungfrau nicht 
geraubt, da sie ihm freiwillig gefolgt sei. doch kommt es zum 
kämpf und der Alemanne, der die Heldegund dabei ansehen 
und sich durch den anblick ermuthigen kann, bringt den Wal- 

I69ther zum weichen, bis auch dieser* zurückschreitend seine ge- 
liebte erschaut und mit frischer kraft auf seinen gegner ein- 
dringt, er tödtet ihn, nimmt pferd und rüstung und führt Hel- 
degund nach der bürg Tyniez heim, hier ist nun eine ganz 
andere geschichte angeknüpft; an dem Schlüsse sagt Bogupha- 
lus: man zeigt bis auf den heutigen tag noch das grab der 
Heldegund in stein gehauen auf dem schlösse zu Wislicz. 

Nicht blosz die namen, auch die begebenheiten selbst, las- 
sen, aller abänderungen ungeachtet, die schon oben (s. 91. 94) 
besprochene sage erkennen. 



56. 

Der Tanhüser. (M. S. 2, 63^) 

Salatin twanc mit siner milten hant ein wunder, 
sam tet der künic Ermenrtch daz lant ze Belagunder. 

Der name dieses landes kommt sonst in keinem gedichte 
vor (ein land Belachun, im Wigalois 9096. 10099), auch lesen 
wir nicht, dasz Ermenrich durch ungewöhnliche freigebigkeit, 
jener des Saladin, von welcher auch Walther singt (19, 23), 
vergleichbar, sich ausgezeichnet habe, indessen musz die sage 
verloren gegangen sein, vorhanden war sie wohl, denn ich 
glaube darauf ist auch die sonst unverständliche äuszerung des 
chron. Quedlinb. über ihn: astutior in dolo, largior in dono 
(oben 8. 31) zu beziehen. 



57. 58. 59 161 

57. IW 

KuDOLF VON Ems. Alexander (cod. Monac, Heidelberger 
Jahrb. 1826 s. 1209): 

f. 185^ nuo scheident aber die liute sich, 
ir site sint vil mislich: 
einer beeret gerne, 
wie Dietertch von Berne 
mit craft in frömden landen streit^^. 

58. 

Der Weinschwelg. (Altd. wälder 3, 16.) 

98. — der herzöge Ytam (1. Iran) 
der was gar äne wisheit, 
daz er einen vment nachreite 
er unt atn jeger Nordidn, 

si solden den win gejaget hän, 160 

so waern si wise als ich bin; 
mir ist vil samfter, denne in. * 

Erklärt sich aus der Vilkina saga, welche ein eigenes ge- 
dieht von dem Jarl Iron enthält, (der name in einer Urkunde 
von 848 bei Fumagalli nr. 63: Iron ex genere Alamannorum.) 
unter andern wird (c. 235) erzählt, wie er mit seinem besten 
Jäger Nordian^ um Vergeltung auszuüben, in dem walde eines 
mächtigen königs jagt und einen von diesem gehegten vrisend 
tödtet, dies aber Ursache seiner nachherigen gefangenschaft 
wird. [ZE. 23, 3 s. 342. 4.] 



59. 

Enenkel. mitte des 13ten Jahrhunderts. 

]) Chronik von Ostreich (Rauch Script, rer. Austr. 1, 355): 

Man seit von [dem] herzogen wan (1. Tran) 

und von Bern kern Dietertche^ 

dem vehten was niht geliche, 

daz dise zwen küene man 

bieten üf dem velae getan. 

wir habn dicke vernomen, 

wie der prenner (1. Berner) waer komen, 

^^ mitgetheilt von hn. dr. Mass mann. 

WiLH. GbIHM, DUUT8GHB HBLDBKSAOB. 11 



162 — -59 

MO da €7' kern Ekken vant^ 

und wie er in sluoff ze hant 

Von dem herzöge /ran, dessen Jäger Nordian hier nur 
fehlt, ein abermaliges zeugnis. Enenkel wiederholt dieselben 
Worte in einem andern werk. 

2) Weltchronik (cod. Monac.):^^ 

f. 92*^. Man seit von herzogen Iran (Iwan cod. Pürstenb.) 
und von kern Dietertche^ (von Pern her F.) 
der vehten was dem niht geliche, 
daz dise zw^n man (chune man F.) 
vor Troje heten getan, (hieten auf dem velde F.) 

f. 142*. Nero lagert den empörten Römern gegenüber an 
der Tiber: 

er bräht si zesamen gar 
mit fanen und mit breiter schar^ 
da si vahten einen strit. 

da huob sich Krimhiltz*® (1. Krimhüde) hochztt 
si verlurn beidenthalben 
161 üf velde und in alben 

beidenthalben Ainf hundert man. 

3) Östreichische genealogie (b. Rauch 1, 379). ungewis, 
ob sie von Enenkel rührt, ['sicher nicht', Jac. Gr.] 

'Des künigs sun aus Peheimlant 

Otacher ist er genant 

der nam kunigin Margret 

Die der Romisch künig weilent het 

Mit ir petwang er Osterreich 

Daz si im warn vndertan alle geleich 

Die ersten tochter Margret 
Die selb kunigin Kunrat het 
Der romischer vogt waz 
Dapey si eines suns genas 
Den hiezzen die lewte alle geleich 
Wolf Dietreich 
Der lebt ritterleich 
Der edel here tugentleich.' 



41 



^^ die beiden Zeugnisse ans der Weltchronik verdanke ich hn. dr. Mass- 
mann. 

*' Cod. Ratisb. Ereimhilcz. drei andere codd. Chreimhilden. 

^' Lachmann hält die letzte zeile für versetzt: 

da bi si eines suns genas, 
der edel herre tugentlich, 
den hiezn die liute alle geltch 
Wolfdieteriche: 
der lebte ritterliche. 



60 — 163 

Der text scheint verderbt und enthält offenbare unrichtig- i«i 
keiten. Margret war nicht mit Konrad, sondern Heinrich, dem 
ältesten söhne des kaisers Friedrich II, verheiratet, welcher 
1234 starb, sie hatte mit diesem ersten gemahl zwei söhne, 
Friedrich und Heinrich, die 1236 auf gewaltsame art umkamen, 
obgleich man 1248 ihren tod noch nicht gewis wüste (Pernoldi 
ehren., fasti Campililiens. 1, 2, 1316. 1320). warum heiszt hier 
nun ein söhn Wolf dieterich und was soll der ausdruck die ersten 
tohter?* indessen scheint doch eine anspielung auf die sage 
von Otnit und Wolfdieterich vorhanden, oder soll vielleicht 
mit dem namen des letztem angedeutet worden, dasz der älteste 
söhn heimlich oder vor der feierlichen Verbindung erzeugt war, 
wie Wolfdieterich? 



60. 

Marner, aus der zweiten hälfte des 13ten Jahrhunderts. 
(M. S. 2.) [Bartsch meisterlieder aus der Kolmarer hs. s. 426, 
94. ZE. 47, 4.] 

1) 176. Singe ich den liuten rainiu liet, 

so wil der erste daz, 162 

wie Dietrich von Berne achiet, 

der ander, w& künig Rüther saz, 

der dritte wil der Riuzen sturn, 

so wil der vierde Eggehartes not, 

der fünfte, wen Kriemhilt oetTiet^ 

dem sehsten tete baz, 

war komen et der Wilzen diet, 

der sibende wolde eteswaz 

Heimen ald heren Witchen sturn, 

Sigfrides ald heren. Eggen tot, 

so wil der ahtode Ak bi niht wan hübschen minnesang, 

dem niunden ist diu wile bi den allen lang, 

der zehende enweiz wie, 

nu sust, nu sd, nu dan, nu dar; 

nu hin, nu her, nu dort, nu hie. 

da bi hete manger gerne der ' Ymlunge hort\ 

2) 169, Wie höfsche liute habe der Rin, 

daz ist mir wol mit schaden kunt. 



in dienet ouch des Rines grünt. 



* ( 



die älteste tochter Leopolds VII.' Lachmann. 



11 



164 , 60 — - 

162 ich wil üf sie gar verkiesen. 

der 'Ymelunge hört' lit in dem Burlenbe9*ffe in bi. 

Unerklärt musz ich lassen den, auch freilich allgemeinen, 
ausdruck: der Riuzen atut^m, auf den treuen Eckhard, dessen 
pflegekinder, die Harlunge, verfolgt werden, bezieht sich Ech- 
hardes not. merkenswerth, dasz der Krieinhild verrath getrennt 
ist von Siegfrieds tod^ der dichter also, wie es scheint, zwei 
abgesonderte gedichte annahm, die übrigen anspielungen sind 
deutlich. — die hindeutung auf eine sage von der ankunft der 
Wüzen [vielmehr von ihrem verschwinden, Haupts zs. 12, 343] 
gehört wohl nicht in diesen kreisz; ich benutze aber die gele- 
genheit, eine stelle aus Saxo grammaticus (6, p. 105, 40) an- 
zuführen: Starcatherus — Poloniae partes aggressus athletam, 
quem nostri Wasce, Teutones vero diverso litterarum schemate 
Wüze [Wüzce, Müller p. 281. ZE. 33, 3] nominant, duelli cer- 
tamine superavit. Starkodder war auch in Sachsen berühmt 
(p. 103, 2 [Müller p. 274. ZE. a. a. o.]). fiir Wasce steht 
p. 152, 40 [Müller p. 404] Wazam. — Imelunge für Nibelunge 
hört könnte eine absichtliche oder volksmäszige entstellung sein 
und ähnlicher weise ist wohl Burlenberc ein erfundener, nicht 
ernstlich gemeinter name. * — die ganze stelle werden wir 
unten (s. 171) im Renner benutzt finden. 

"* dasz Ymelunge ans Nibelunge (wie Imelot aus Nibelöt, myth. 358. 
933) eDtstellt ist, ist für den ersten spruch jetzt durch die Kolmarer handscfarift 
(s. Bartsch a. a. o.) erwiesen und darf für den zweiten gleichfalls angenommen 
werden, auch darum ist mit Wackernagel in Haupts zs. 6, 157 nicht an Ame- 
lunge zu denken, weil niemals weder Ermenrichs schätz noch der Harlunge gold 
schlechthin der Amelunge hört geheiszen haben kann, und da den Harlungen in 
Breisach der schätz von Eimenrich geraubt wurde, kann auch die sage im 13ten 
Jahrhundert nicht angenommen haben, dasz er in einem berge des Breisgaus ver- 
senkt liege, auszerdem ist es sprachlich ganz unmöglich, dasz der berg, der 
heute dort Bürglenberg heiszt (im ahd. nach myth. 933 Burgilünberg), mhd. 
Burlenberc genannt wurde, wie Jac. Grimm^ und Wackemagel meinen, der Mar- 
ner sagt von den Bheinländern ^stat üf, stat abe in wehset win, in dienet ouch 
des Rines grünt' und spielt damit offenbar auf die rheinischen goldwäschereien 
an; was hätte aber damit der vom flusse abliegende Bürglenberg zu thun? der 
Marner kann nur einen berg in unmittelbarer nähe des flusses gemeint haben, 
in der Pariser handschrift, die allein den Spruch überliefert, steht Ivrlenb'ge 
(v. d. Hagen anm. zu den Nib. s. 317, M. S. 4, 529 anm. 3), und Simrock 
(Rheinland 1865 s. 51. 274) hätte sich nicht durch die eine der beiden durch- 
zeichnungen, die er sich neulich davon aus Paris verschafft hat und die mir 
beide vorgelegen haben, irre machen lassen sollen, da sich nur daraus ergibt, 
dasz das 1 mit dem v verbunden leicht als b verlesen werden kann, ohnehin 
ist das Zeugnis unbefangner ungelehrten mehr werth als das verkehrter gelehr- 
ten. Mone im anzeiger 5 (1836), 142 wies in Speier im 14ten Jahrhundert eine 
domus dicta Lurlenberg und 1339 einen Gotzo dictus Lorlenberg nach, der 
name war also mittelrheinisch und so wird Matthias Merian wohl recht behalten, 
wenn er in der Topographia Palatinatus Rheni (1645) s. 11. 62 den Lurlen- 
berg des Marners für die Lurlei hielt, auf keinen fall ist dabei an den Bürg- 
lenberg zu denken. 



61. 62. 63 165 

61. 1« 

Ulrich vom Törlein. Wilhelm von Oranse (gedichtet 1252 
78), ältere und echtere recension im cod. Pal. 395. (Casp. 50**.) 

alhie wil minn zwei herze laden 
ze Kriemhüde kockffeztt*'^ 
vil herzen da von tot geltU 

62. 

Spervogel (M.S. 2, 227). (gehört ins 12te Jahrhundert). 

D6 der guote Wernhart 

an dise werlt gebom wart, 

do begunde er teilen al sin guot, 

do gewan er Rüedegeres muot 

der saz ze Bechelcere 

und pflog der marke mangen tag; 

der wart von dner frümekeit so mcere. 



63. 

Simon Eeza. schrieb in der zweiten hälfle des 13ten Jahr- 
hunderts die chronica Hungarorum, wiederum, wie es ausdrück- 
lich heiszt: ex antiquü libris de gestis Hungarorum, geschöpft, 
die handschriften sind abweichend und fast jede hat eigenthüm- 
lichkeiten und zusätze, deren werth sich erst beurtheilen lässt, 
wenn aus einer vergleichung der reine text wird festgestellt 
sein (vgl. Engel einleitung zur geschichte von Ungarn s. 36. 
Wiener Jahrbücher der litteratur bd. 23. anzeigeblatt nr. 33). 
ich benutze hier den codex, welchen Thwrocz in seine chronik 
aufnahm, und führe Varianten an: aus dem cod. Vind. (in der 
ausgäbe des Thwrocz bei Schwandtner), aus jenen, wovon das 
chronicon Budense (Ofen 1473) und Horanyi (Wien 1781) einen 
abdruck liefern, endlich aus der handschrift, die sich zu Dub- 

*^ 'Tersohieden davon der sprichwörtliche ansdmck Nibel. 2173, 4 ich wene 
der künic selbe ist zuo der höhgezite komen d. h. ist an den tanz gekommen. 
80 2056, 2 ez ist ein übel höchzit, die uns diu küneginne tuot und 2059, 4 
uns h&t min swester Kriemhilt ein arge höhgezit gegeben, wenigstens mit an- 
spielung auf das Sprichwort, desgleichen 1032, 1. 1938, 1. ach we der höh- 
zite! welch ein schlimmer tanzi Müller 3, XXIJc ich hän ein marterlichez 
leben und jsemerliche hdchgezit gehabt von mincr muoter sit. Freidank 2569: 
diu müs hat boese höhgezit die wile sie in der vallen lit.' Lachmann [zu Nib. 
2173, 4]. (Strickers Carl 81 b: ow6 der hdchgezfte, ruft Roland dem sterben- 
den Olivier ni.) 



166 . — 68 

IM nitz in Ungarn befindet und in den Wiener Jahrbüchern (1826 
b. 33) von Endlicher ist bekannt gemacht worden, [die kür- 
zere filtere ßtaeung bei Endlicher monum. Arpadian. s. 90 ff.] 

1) 1, 10. im jähr 373 zogen die Hunnen aus Scythien in 
östliche gegenden. unter ihren anftlhrem war Attüa {Ethele 
Vind. und Dubn.) Kewe und Buda^ brüder und söhne des Ben- 
deguck (Bendekus V. Benguz Hör.). — c. 13. Attila, qui Hun- 
garico idiomate Ethele dictus est^^. 

2) 1, 11. Eadem tempestate Detricus de Verona y natione 
Alemanus, Romanorum principum de voluntate, omni Germaniae 
praeaidebat 

3) 1, 11. 12. Dieterich wird von den Römern zum kämpfe 
gegen die Hunnen aufgerufen, quamobrem Detricue^ congre- 
gato ingenti Germanico Italicoque ac aliarum permixtarum gen- 
tium eaercitu descendit in Pannoniam. dreimal wird gefochten, 
in der dritten Schlacht siegen die Hunnen, der römische feld- 
herr bleibt und Dietericb wird mit einem pfeil an der stime 
verwundet, cujus tandem sagittae truncum ipse Detricus ur- 
bem ad Romanam dignitatis imperatoriae in curiam pro docn- 
mento certaniinis per ipsum cum Hunis commissi in fronte de- 
tulisse et propter hoc immortalitatis nomen usurpasse narratur, 
Hungarorumque in idiomate halhatalan (1. halhataüan d. h. der 
unsterbliche, vgl. s. 304) Detreh dici meruit, praesentem usque^ 
in diem. hunc Detricum galeam quandam habuisse, et {Uam 
qt^anto magis deferebat, tanto majori claritate refuhiaae fabulantur. 

Die sage von dem pfeil kennen wir nicht, aber Dieterichs 
heim ist der schon aus dem Biterolf (oben s. 142) bekannte 
Hildegrtn^ den er nach der Vilkina saga (c. 16) fand, als er 
den riesen Grim und dessen weib Hilde getödtet hatte; in den 
deutschen gedieh ten (Siegenot c. Dresd. 26. 64. Alph. 42. 194. 
431) ist öfter von ihm und seinem weithin schimmernden glänze 
die rede; nach Ecken ausfahrt, wo er mehrmals erwähnt wird 
(57. 91. 269 alter druck), war ein in der nacht leuchtender 
karfunkel die Ursache davon (183. 184 cod. Dresd.), und Die- 
terich sagt (str. 69 c. Dresd. alter dr. 59) dasselbe von ihm, 
was hier Keza erzählt: 

wie gar bistu geschoenet! 
saelic' des hant doch müeze sin, 
166 diu dich so hat gekroBuet! 

des wünschet im diu zunge min. 

ie elter du wilt werden 

ie Uehter du wilt geben schin, 

4) 1, 15. Rex Attila — cunctis sui dominii principibus 
salennem curiam ^se celebraturum promulgare praecepit. edicto 

** Bognphalns (starb 1353) sagt (chron. Folon. Sommersberg soripl rer. 
Silesiac, 2, 18): rex Thila, qui in scriptaris Attila nominatar. 



63 - 167 

igitur regio magnas drcumstantium regionum per partes divul^ 105 
gato, et ipsa curia advenarum nobilium adventu tumeseente, tan" 
dem Dßtriem de Verona^ qui prius hostis erat, regia benevolen- 
tia pariter et liberalitate auditis, cum multia Germaniae princv- 
pibus tanti regia venu in curiam et non minus caeteris ae Uli ea*- 
hihidt gratum et familiärem, rex vero Attüa multa liberalitate 
iUi caeteriaque principibua cum illo easiatentibus reapondit 

Didtericbs aufenthalt bei Etzel und genaue Verbindung mit 
ihm, der deutschen sage gemäsz, nur hier ohne flucht aus dem 
väterlichen reiche. 

5) Nadi Attilas tod, der, wie zum theil die vorangehen- 
den ereignisse, nach Jemandes (oben s. 9), wenn auch mit ab- 
weichungen, erzählt wird, herscht bestürzung und ungewisheit 
über die nachfolge. 1, 23. Erant tunc Sicambriae (zu Etzel- 
burg) principes Germaniae multi regi Attilae ob metum illius, 
coacta Servitute allegati, inter quos Detricua de Verona excellen- 
tiam habebat non ultimam. et cum inter filios Attilae duo es- 
sent in locum patris, tum animi virtute tum vero aetatis matu- 
ritate, succedere caeteris praestantiores , alter Chaba denomina- 
tus, ex Honorii Graecorum imperatoris filia progenitus, alter 
verö Aladarius, de illustri prosapia Ge7'maniae ducum orta, Do- 
mina Kremheyich (Grumheldina V. Crimiheldina ß. ex Crimildi 
Germaniae principissa H. ex Germaniae principissa domina 
Crimicheldina D.) vodtata^ susceptus: hos, tum Huni tum na- 
tiones extraneae, unusquisque suum juxta libitum sequebantur 
quilibet illorum suam partem praeponere satagens. 

Auf diese weise ist Kriemhild aus deutschem füratenatamme 
in die ungarische sage verflochten; von ihr und ihrer Verbin- 
dung mit Ethele ist vorher nicht die rede, sie wird an dieser 
stelle zuerst genannt. 

6) Die Deutschen hängen dem söhne der Kriemhild an 
und es gelingt ihnen Zwiespalt zu erregen, nam utrisque filiis 
regis in discordia regnantibus, Detrico suggerente, ambos inter 166 
fratres ingens exorta est dissensio. quapropter horrendum in- 
stauratur praelium, magna tantarum agmina gentium, Sicambriae 
civitatis stricta inter moenia nee non adjacenti illi in agro prae- 
liantur. ingens caedes committitur. Huni quoque, qui extranea- 
rum nationum de ruina gaudebant, ad instar armatorum, qui 
olim draconis ex dentibus per Jasonem, dum aurei velleris pro 
obtentu laborasset^ seminatis exorti, fraterna caede consumti 
fuisse dicuntur, peremta prius omni Germanica ceteraque ex- 
tranea natione, mutuo se hello delevere. scribitur enim in anti- 
quia Hungarorum chronicis, quod hoc fraternum certamen, haec 
intestina tanti populi clades, vix dies per quindecim consum- 
mata fuisset tantusque ibidem maxime extranearum nationum 
sanguis effusus extitisset, quod si id Theutuni Hungarorum ob 
odium non celarent, dicere possent, ut Danubius secus Sioftm- 



1 



168 64. 65 

166 briam defluens ex Germanica caeterarumque nationum caede in 
ipsnm decurrenti sanguine in tantum permixtus fuisset, quod 
neque homines neque animalia, a Sicambria deinceps usque ad 
Potentianam, aquam illius puram sine sanguine polare valuis- 
sent: in hoc etiam praelio semper Chabae partem superiorem 
fuisse tradunt; tandem ad ultimum Chaba cum suis per artem 
Detrici demctus fuisse dicitur. H. hat noch den merkwürdigen 
Zusatz: istud enim est praelium, quod Huni praeliwm CrumheU 
usque adhuc nominantes vocaverunt**. 

Man sieht deutlich, wie sich die sage von dem kämpfe der 
Nibelunge noth in die erzählung von dieser brüderschlacht ein- 
mischt; auch dort trägt Dieterich zuletzt den sieg über die 
noch unbezwungenen beiden davon, und das praelium CrumheÜ 
drückt aus, was Ulrich von Türlein Kriemhüde hdhgezit^ andere 
Zeugnisse Kriemhüde not nennen. 

64. 

Fabel vom wolf und der geisz (cod. Vindob. 428), bl. 170*. 
[Keinhart F. 302. 303.] 

Die geisz will nicht vom bäum herab, der wolf spricht: 

25. ir sult her abe vallen, 
dem guoten Sant Gallen 

167 bevalh ich hiute minen munt, 

daz er mich beriete hie ze stunt. 
dö sprach diu geiz durch ir zuhte: 

30. ich leit mich 6 in die suhte 

sicherlichen daz ist war, 

S ich iu arges umbe ein här 

immer iht gespraeche. 

ir redet als der da gerne rceche 
35. diu Heichen chint^ wesser wd. 

waz hilfet daz ir stt so gra! 

ir taetet billich baz dan ein ander man. 



65. 

Conrad von Würzbitrg (M. S. 2, 207»). 

alsus kan ich Itren 

sprach einer, der von Eggen sang, 

** in der deatschen Übersetzung von Keza aus dem 14ten Jahrhundert (hand- 
schriftlich zu Breslau, Büsching nachr. 3, 169) findet sich diese stelle auch: 
*fraw crymhelten streit*, auszerdem wird Kriemhild *des herczogen tachtir von 
burgundia' genannt, vgl. unten Nie. Olahns, s. 304. [Kowachich s. 16. J«c 
Grimm.] 



66. 67. 68. 69 169 

66. *" 



Feldbauer (cod. Pal. 341): 

340. äne mezzer und äne schser 
schar er mir vil schöne: 
daz im vro Kriemhüt lone! 



67. 

Alexander der grosze, altholländisches gedieht. (Docen misc. 
2, 136). (von Jacob van Maerlant vor 1270, Hoffmann Horae 
Belgicae 1, 29.. 48.) 

Alexanders thaten waren so grosz: 

^Etteh orloge van den Hünen 
enmochte hier iegen neit gestanen.' 

[Andere beziehungen auf die heldensage bei Maerlant ZE. 27, 5.] ' 

68. 

Räthsellied (fragmente bei Müller 3, XV*>). [Denkmäler 
48, 10, 6. 8. 431.] 

unnützen Sübichen ist manig ffuot geselle entwichen. 
Deutet zugleich auf Dieterichs flucht vor Ermenrich. 

69. 

Zornbraten (Liedersaal 2, 5.03 — 531; cod. Regiom. f. 1, 
gesammtabenteuer 1, 487). 

Die tochter spricht zum vater: 

172. des wil ich iu die warheit sagen, 
daz min herz ist gemuot also, 
daz ir sin nimmer werdent frö, 
und iu volg als umb ein här; 

daz sült ir wizzen wol vür w&r. 168 

Er sprach: du übliu Chriemhüt^ 
sit du mir nit volgen wilt, 
komstu an diner muoter stat, 
din rücke wirt dir siege sat. 

[Vgl. ZE. 26, 6. 45.] 

^' ia sprach er du crimilt. R. 



46 



166 



170 70, 71 

70. 

LüGENMÄRCH£N (herausgegeben von W. Wackernagel 1828). 

1) 113. Si gewunnen ze kinde 

ein lieplich gesinde: 
si betten mit anander 
den wunderlicben Alexander 
und den keüer Ermenrtch 
und daz getwerc Eiberich, 

Ermenricb beiszt hier kaüer, wie im Alphart, die Vilkina 
saga nennt ihn einmal oherkönig zu Rom (jrfirkdngur i Roma- 
borg c. 250); ich habe deshalb (oben s. 2) kaiser übersetzt, 
merke aber hier an, dasz es besser gewesen wäre, jenen aus- 
druck beizubehalten, da bald hernach der griechische kaiser 
erwähnt wird. 

2) 202. her Dieterich von Berne schöz 

durch einen alten niuwen wagen, 
her Hütebrande durch den kragen 
her Ecken durch den schüzzelkreben. 
Kriemhüt vlös do ir leben; 
daz bluot gegen Meinze ran. 
her Va8olt küm entran; 
des libes er sich verwac. 



71. 

Der Wiener meerfahrt (cod. Pal. 341. f. 94*^. Kolocz. 
71. 72), 

614. Do sie da gelägen 

und der ruowe phlägen 
wol biz an den dritten tac, 
daz der sturmwint gelac 
und des süezen wines kraft, 
169 620. da mite sie wären behaft, 

dö stuonden sie mit sorgen ^ 

üf gegen dem morgen, 
alrest wart in dö bekant 
daz sie wären gepbant 
^25. von trunkenheit der sinne; 
Sant Gerdrüden minne 
wart in sider harte süre. 
der burger ir nächgebüre 
der was der reise niht ze yrd. 



72. 72»». 72^ 73 171 

630. der beklaget sie alle do. 160 

dö huob sich Krimhilden not^ 

sie wurden schemeltchen rot, 

dö sie die wärheit ges&n, 

daz sie beten getan 
635. den scbaden an dem guoten man; 

d& gewannen sie nibt an. 



72. 

Fragmentum HiSTORiCüM (vor M. Alberti Argentinensis cbro- 
nicon), gebt bi& 1268. 

Bei dem jabr 964: iste ent Tbeodoricus, de quo Teutonica 
eatant carmina^ filius Dietmari*''. 

*72b. 

Im jabr 1283 bezeugt ein Thidericus Bemeri eine Urkunde 
in Hildesbeim, zeitscbrift des bistoriscben Vereins für Nieder- 
sacbsen 1861 (1862) s. 128 f. 

Andre Dietricbe von Berne oder Berner sind aus verscbie- 
denen gegenden Deutscblands vom zwölften bis zum vierzebn- 
ten (und siebzebnten) jabrhundert nacbgewiesen in den ZE. 
20. 38. 

Beziebungen auf die beldensage aus norddeutschen und 
niederländiscben quellen wurden Z£. 27. 48. zusammengestellt. 

♦72«. 

Albertus Argentinensis. bei Urstisius 2, 106. 

De animoso et probo coniite Alberto de Haigerlocb et Ho- 
henberg (-j- 1298), qui dicebatur esse unus de XII pugüihus. 

Dies beziebt Ubland (Germania 1, 312 vgl. 6, 308 anm.) 
auf den Rosengarten, vgl. unten zu s. 249. aucb ein meister- 
gesang des 15ten jabrbunderts (HMS. 4, 887 f. Germania 5, 
217 f.) lässt den Rosengarten der kunst von zwölf meistern be- 
hütet sein. 



73. 

OttokaIi von Horneck schrieb um das jabr 1295 (Petz 
Script, rer. Austr. 3). 



48 



mitgetheUt von LacbmAnD. 



172 74 

169 1) 8. 82*. — herre, ir sült sparn 

vür baz iuwer ezzen: 

disiu vriuntschafl ist gemezzen 

ah Chriemhilden hochztt, 

% 

r 

2) 8. 96. Die herren von Steier werden der verrätherei 
gegen Ottokar von Böhmen von Friedrich Pettauer in gegen- 
wart de8 königs selbst beschuldigt, alle erklären es fbr lüge 
und 'Lichtenstein sagt unter andern: 

96^. herre, ir sült iuz niht enblanden, 
daz irz iemer habt angehört, 
daz ein man solhiu wort 
gegen uns allen reden sol. 
er vermöht sin also wol, 

170 daz er uns ^ig al gelich, 

wir bieten dem kunig Emrtch 
uf den Berner geladen. 

Es könnte uns ebenso wohl anklagen, wir hätten, treulos 
wie Sibich, Ermenrich und Dieterich gegeneinander aufgebracht. 

3) 8. 153*». 154» (c. 161). doch wizzet sicherliche, 

daz von Bern her Dietertche 
sollich eilen nie wart schin 
gegen Stfrit dem hürntn* 
in dem rosengarten. 

4) 8. 269^ (c. 311). mich dunkt in minem sinne, 

daz in die drt küniginne, 
die den grozen recken 
Vasoldes bruoder Ecken 
nach dem Berner sanden, 
liezen(z) [in] niht enblanden, 
daz sie uf stn wdfenkleit 
hceten solhen ßtz geleit, 
als dise pfaffen zwen. 

5) 8. 493 (c. 510). waer er gewesen iur gelich, 

von Bern her Dietrich 
an sterk und manheit, 
er müest haben verzeit. 

74. 

LiVLÄNDISCHE CHRONIK. 

8. 14P. wen die Semegallen dar 

quämen kein der briieder schar, 

* gleichzeitig mit Ottokar in Steier personenname ZE. 26, 9. 



— 75. 76 173 

sie liefen so ein ander an, 170 

hetez er Ecke hie vor getan 
und von Berne er Dietertchy 
sie waern von rehte lobes rieh. 



75. 

Meister Alexander (hinter dem Tristan bei Müller 144*). 

unde täten alle dem gelich, 

als ez waere kuninc Ermenrtch 

unde ich der zornic Eckehart, [HMS. 3, 30.] 

Nämlich der über den mord der Harlunge zornige Eckehard. 



76. 

Hugo von Trimberg. dichtete am ende des 13ten Jahrhun- 
derts den Renner, (ich bediene mich der FrankAirter hand- 
schrift und benutze, was Docen misc. 2, 293. 294 aus der 
Panzer, mittheilt.) 

1) bl. 20^ (1253 Bamb.). Irich, Iwan (1. Erec, Iwein) unde 

Tristrant, 
künic Rücker und Parziväl. 

2) bl. 157. (10307.) Der von hern Dietrich von Berne 

gesagen kan und von hern Ecken 
unde von den alten sturmrecken^ 
vür den gildet man den win. 

3) bl. 238. (16154.) — sprichet jener: ich hoere gerne 

von her Dietrich von Berne 
vnd ouch von den alten recken, 
der ander wil von hern Ecken^ 
der dritte wil der Riuzen aturmy 
der vierde wil Stfridea wurm^ 



171 



der niunde Kriemilde (Krimhilden P)mor^, 

der zehende der Nebulunge (Nibelungen V)hort, 

dem einleften gent tn miniu wort, 

als der mit blte in mermel bort. 

der zweifle wil Rückern besunder. 

Hugo hatte ohne zweifei die oben (s. 162) angefi&hrte stelle 
Marners im sinn. 



174 77 

m 4) bl. 316. (21539.) Wie her Dietrich faht mü kern Ecken 
• und wie hie vor die alten recken 
durch frouwen sint verhouwen, 
daz hceret man noch manige frouwen 
m^ klagen und weinen ze maniger stunden, 
wan unsers herren heiligen wunden. 



77. 

Wartburger krieg. 

1) M. S. 2, 4*. (Biterolf :) ez waere dem Berner gnuoc ge- 

wesen, 
dö in herre Egge vant. 

2) M. S. 2, 15. (Klingsor): Palackers hin gegen Endid zwelf 

tüsent raste stat, 
nie vogel truogen veder dar zuo also verrem zil, 
172 da von er die grifen h&t; 

ez ist ein wunderliche sache, als ich inch bescheideu 

kan (1. wil). 
Palakers houbtet hin gegen Endtän, 
der hat getwerc, 
gar sunder wan 
von golde wirkent si diu spashen werc. 

SinneU heizet ein getwerg, 

Palackers ist sin eigen und lit bi dem lebermer; 

künig ist ez über den selben berg. 

getwerge ein michel her 
pfliget er, so hat der bruoder sin 

gebirge in Tiutschen landen und in der Walhen laut 

der seihe künic der heizet Laurin. 

im ist vil tugende bekant. 
Sinneis het in dem lande kleiner fröiden zer, 

die würme giengen im an den berg, des gewan er sor- 
gen pin. 

kokodrillen nämen im sin her; 

des sant er boten manigen zuo dem kÜnig Laurin. 
des getwerc im da zwei grifen eier gewan, 

diu ein struz besaz. — 

Die zwergsage, von der wir hier etwas erfahren, ist zwar 
nicht weiter bekannt, wohl aber der zwergkönig Laurin aus 
dem kleinen Rosengarten, den wir nur noch nicht im streite 
mit Dieterich von Bern finden, unter dem gebirge, das zu- 
gleich in Deutschland und Wälschland liegt, ist ohne zweifei 
Tirol gemeint, welches auch mit dem gedichte von LauriB 



78. 79 175 



\ 



stimmt, jene sage aber kannte wol schon Wolfram, denn eriTa 
gedenkt (Wilh. 2, 64**) der insel in dem lebermeer, die 'Pcdaker' 
genannt wird. [vorr. zum DHB. 1, Lvi ff.] 



78. 

LOHENGRIN (Cod. Pal.). 

1) (Görres s. 15.) Jorant sich düht ein Dieterich von 

Berne. 

2) (s. 105.) die waren also muotes rieh, 
daz iegelichen dühte, [er] Wasr her Dietrich 

von Bern im komen, im wurde sin verch entrennet. 



79. . "8 

TiTüREL (text nach Lachmann. [vgl. zu den Nibelungen 
s. 339 f.]). 

1) 13, 81. [1710, 4.] Grosz ist der kampfplatz: 

so daz die Amelunge 

al mit den Kinnen kaemen da ze strite. ^' 

2) 24, 255. [3312.] So singent uns die blinden^ 

daz &ifrit hürnin waere 

durch daz er überwinden 

kund ouch einen tracken freisebsere; 

von des bluote würd sin vel verwandelt 

in hörne starc für wäpen. 

die habent sich an wärheit missehandelt. 

Der Verfasser des Titurels glaubt nicht, dasz drachenblut 
die verwandelung der haut in hörn bewirken könne und straft 
die Sänger der Siegfriedssage, die das behaupten, lügen. den 
glauben an eine homhaut selbst will er damit keineswegs 
tadeln, er hegt nur eine ganz andere ansieht von ihrer ent- 
atehung, bei deren entwickelung eben diese Strophe vorkommt, 
und von welcher noch unten die rede sein wird, unter den 

^^ nach dem druck, die andere recension bat: 

s6 daz die Amelnnge 

und die Hiunen qusemen da zno strite. 

/ 

das kasariscfae fragment: 

vn honne hette do geraum czu strite. 



176 80 

178 Minden sind straszensänger gemeint. Herman von Fritschelar 
sagt in dem Leben der Heiligen (cod. Pal. 113. 114), gedichtet 
in den jähren 1343 — 49, bei S. Nicolaus (bl. 17): 'von sinen 
zeichen wil ich nicht me sagen wan iz sin di wende vol gemalt 
vnd die blinden singens vf der atrazzen.^^ 

3) 24, 299. [3355.] unt daz Demetrius noch lac gevan- 

der gein .ch^fe. S. 

noch strenger was dann Witege mit dem »langen/^ 

Er trug nämlich nach der Yilkina saga eine goldene, gift- 
speiende schlänge auf dem heim (oben s. 148). 



m 80. 

Reinfried von braunschweig (cod. Hannov.). 

f. 194*- Witolt und rise Asprtdn^ 
ris Orte unde Velle^ 
Grimme sin geselle, 
Cüpriän und Ülsenbrantj 
der gröze stet und bürge slant, 
waren nit so griuwelich 
sam dise. in mohte (1. mohten) sicherlich 
niht geliehen sunder vär 
die risen, mit den Goldmdr^ 
daz rieh keiserlich getwerg, 
den walt vervalte und den berg 
hie vor den Wülßngen, 
(ja) möhte mit keinen dingen 
sich disen hie geliehen, 
swaz man hie vor den riehen 
hoch erbornen Ruother 
sach risen flieren über mer; 
daz was ein ungelichez mez. 

1) Witoldj Asprian und Grimme sind riesen, die der auch 
hier genannte könig Ruther über das meer mit nach Constan- 
tinopel ftlhrt. 

^' ich verdanke diese stelle Lachmann, der sie von herm W. Wacker- 
nag el erhalten hat. 

*' so liest die Wiener handschrift. die Dietrichst 'mit der slangen', di« 
Heidelb. 383 Wt den slangen', lässt sich vertheidigen, da nach einer stelle der 
Vilkina saga c. 156 auch auf sattel und wappenrock Wittichs schlangen gemalt 
waren, der druck liest: mit der Stangen, gewis falsch. 



— at — m 

2) VeÜ0 ist der Jäger, der sammt seinem weibe lliu^e die IT4 
jungen drachen in Otnits land bringt und hernach getödtet 
wird (Otnit 540, 4. Wolfd. c Fr. 94—96*). den rieseu Ort^ 
kann ich nicht nachweisen. 

3) Cüprtan scheint kein anderer als riese Kuperan im liede 
von Siegfried, ich will hier anmerken, dasz auch Ulrich ^QH 
Türheim im Wilhelm (cod. Cassell. 290\ Pal 212») eiaen 
riesen CWpjpirow nennt. 

4) Kiese Ülsenbrant erscheint in Dieterichs drachQnkäm- 
pfen (bl. 232*) mit Reinold streitend. 

5) Der zwerg Goldemar gehört in ein verlorenes gedieht 
(bruchstücke in Haupts zs. 6, 520 ff.), über dessen inhalt eine 
stelle im anhange des heldenbuchs auskunft gibt: ^Des bemers 
erst weib hyesz hertlin^ was eins frumen künigs von B&rtigal 
tochter. der ward von den beiden erschlagen, do kam künig 
Goldemar. und stal jm die tochter. do starb die alte künigin 
vor leide, do nam sy der bemer dem Goldemar wider mit gros- 
zer arbeit, dannoch belyb sy vor Goldemar maget. do sy nun 
gestarbe. do nam er Herrot künig Etzel schwestertochter.* — 176 

Über den hausgeist Goldemar s. Elfenmärchen lxxxiii. 

LXIIV. XCVIII. 



81. 

ViLKiNA SAGA., [Haupts zs. 12, 340.] zu dem peringskjöl- 
dischen text liefert die sagenbibliothek ergänzungen aus zwei 
handschriflen (nr. 177. 178) der Arnamagnäan. Sammlung, die 
man noch vollständiger durch die Übersetzung von Rafn, wobei 
nr. 178 zu gründe liegt, kennen lernt, von einer altschwedi- 
schen Vilkina saga sind zwei handschriften aus dem scblusz 
des 14ten und löten Jahrhunderts aufgefunden, wovon die 
Idunna (bd. 10. s. 243—287. Stockh. 1824. vgl. E. G. Geijer 
Svea rikes häfder 1, 118. 119) beschreibung und auszug ent- 
hält, sie weicht nicht blosz öfter in der folge der einzelnen 
theile ab, sondern unterscheidet sich auch durch eigenthüpiliche 
stellen, (eine davon schlieszt sich näher an unsere Nibelunge 
noth, siehe oben s. 76, eine andere an den Rosengarten D, 
s. unten.) erst genauere bekanntschaft wird es möglich machen, 
über das Verhältnis zu dem nordischen text zu urtheilen.'® — 



•• Velle heiszt der riese nur im jungem text des Wolfdieterichs D, im 
altern B Helle (s. 223). jener war also um 1300, zur zeit der abfassnng de» 
Reinfried schon vorhanden, 

^^ ich habe mich oben des ausdrucke Übersetzung zu voreilig b^dientr 
[vgl. ZE. 31, wo s. 381. 384 zu berichtigen ist, da Hylt^n-Cavallius s. XL sagt, 
dasz die namen beweisen att den svenske sagobearbetaren medelbarli^fen 

WiLH. Grimm, dbutschb hbldsmbaob. 12 



178 81 

176 P. E. Müller setzt die entstehung der Vilkina saga in das ende 
des 14ten Jahrhunderts (sagenbibl. 2, 311. 312); ich bin ge- 
neigt sie wenigstens für hundert jähre älter zu halten und zwar 
hauptsächlich wegen des grades von reinheit, welchen im ganzen 
der inhalt der gedichte zeigt; es findet sich darin noch nichts 
von Laurin, Siegenot, den Drachenkämpfen und andern erwei- 
terungen der sagen, die am ende des 14ten Jahrhunderts doch 
gewis schon allgemein verbreitet waren. (vgl. zur gesch. der 
Nibelunge not s. 10 anm.) 

1) Eine doppelte quelle gibt dieses werk an: alte deutsche 
gedichte und erzählungen deutsche?' männer^ namentlich aus 
Bremen und Münster, daraus ist das ganze zusammengesetzt. 

a) pessi saga er ein af hinum stoerstum sögum^ er giördar 

hafa verid i pyskri tungu (vorr. P.). 

b) pessi saga er samansett eptir sögu pydskra manna, enn 
sumt af peirra qucedum, er skemta skal rikum mönnum ok for- 
nost vorn pegar eptir tidindum, sem seigir i pessari sögu. ok 
p6 at pü takir ein man ür hverri borg um allt Saaaland, pd 

176 munu piersa sögu allir ä eina leid seigia, enn pvi vallda peirra 
hinni (?1. hin) fornu qvcedi. enn peirra qvaedskapur er settir 
eptir pvi, sem ver megum vidkennast, at qvaedahättur er i von 
tungu, at sumum ordum verdur ofqvedit sakir skaldskapar hät- 
tar, ok er sä mestur kalladur, er pä er frä seigir ä honum ok 
aßttum (vorr. cod. Ar. 176. sagenbibl. 2, 297. 298). 

Es scheint der nordische Verfasser habe auf mehreren bür- 
gen in Niedersachsen wiederholentlich und übereinstimmend 
diese lieder gehört. 

c) Villigoltur pat er ä pydesku Villdifer (Wildeber c. 162). 

d) pat er nü aftekid i sögum p'ßdeskra manna^ at eiginn 
skal bera ä holm silfurlagdan skiöUd eda buklara (c. 165). 

e) Iron jarl ridur nü üt af Brandinaborg med sina hunda, 
oc pat er maelt i sögum, at eigi mun getit vera betri veidi 
hunda enn hann ätti, tolf vorn enir bestu hundar, peir er allir 
ero nefndir i pydskum qvcedum (c. 231). 

f) — ok svä er sagt i fornom sögom (c. 298). 

g) svä seigir i qvcedum pydverskum^ at hennar her vasri 
likur fiöndum sialfom (c. 328). 

h) — ok svä er sagt i pydeskum qvcedum (c. 363). 
i) svä seigia pydeskir menn, at eingin orrusta hefur verit 
fraßgri i fornsögum helldur enn pessi (c. 367). 

k) her mä nü heyra frdsögn pydeskra manna hversu farit 

eller omedelbarligen kännt sina hjeltar äfven ifran nedertyska sägner, 
visor eller dikter; ferner att den svenske sagoskrifvaren äfven kännt och be- 
gagnat de gängse folkvisorna om Didrik af Bern och hans kampar, sadana 
dessa visor pä 1400-talet och ännn längst sednare Ijüdo i Sverige och 
Danmark. 



81 179 

hafa pessi tidendi peirra nockorra er faeddir hafa verit i Susat, i76 
par er pessir atburdir bafa ordit, oc margan dag hafa sed sta- 
dina enn obrugdna, pä somu er tidindin urdu, hvar Högni fiell 
eda Irüngur var veginn eda ormaturnin, er sem Gunnar kon- 
gur föck bana, oc gardin er enn er kalladur Niflünga gardur, 
oc stendur nü allt ä sömu leid, sem pa var er Niflüngar voro 
drepnir; forna hlidit pat eystra, er fyrst hofz orrustan, oc hit 
vestra hlidit, er kallat er Högna hlid, er Niflüngar bruto ä 
gardinum, pat er enn kallat ä sömu leid sem pä var. peir 
menn hafa oss oc sagt frä pessu, er fasddir hafa verit i Brimum 
eda Mcenaierborgy oc einginn ^eirra vissi deili d ödrum oc aagdu 
allir d eina leid frd^ oc er pat mest eptir pvi sem seigia forn- 
qvcedi i pydverskri tungu^ er giort hafa frodir menn um pau 
stortidendi er i pessu landi hafa ordit (c. 367, cod. Ar. 177, 177 
sagenbibl. 2, 303). — in der altschwedischen Vilkina saga steht 
blosz: 'Här äro flere boker äff scripne ok holla allth ihet sama!* 
Susat heiszt auch sonst in der Vilkina saga der sitz Attilas 
und der zug der Niflunge dahin geht über den. Rhein und die 
Donau, obgleich beide, wahrscheinlich aus Unwissenheit des 
nordischen Verfassers, als in einander flieszend (c. 337) darge- 
stellt werden, dennoch könnte hier Soest gemeint und von der 
sage die begebenheit dorthin verpflanzt sein, in einer Urkunde 
von 1068 (Würdtw. nova subs. dipl. 4, 38) lautet der name 
Sosaz, in einer altern von 962 (Falke trad. corb. p. 514) rich- 
tiger Suosaz. 

1) pat seigia pydsker menn^ at hann (Ilildebrand) var einn 
sä trüfastasti madur sem vera kunni (c. 382). 

m) drottning Herrad — Erka oc Gudelinda — pessar 
priar kvinnur hafa prisadar oc lofadar verit fyrir allar paar 
konur, sem i pyskn tungo voro (c. 382). 

n) og tydske mcend fortoelle^ at han (Hildebrand) havde 
fyldt sine halvandet hundrede vintre, da han döde, men i tydske 
kvad siges at han havde seet sine to hundrede vintre (c. 381, 
Rafn). 

2) Der in den eben angeführten stellen häufig ausgedrückte 
gegensatz von 'alten gedichten' und 'erzählungen deutscher 
männer' bezeichnet wol zugleich den unterschied zwischen 
schriftlicher und mündlicher Überlieferung^ der jedoch auch ein- 
mal besonders angemerkt wird: 

oc vid pat sama er hans getit, hvar sem hans (Hildebrands) 
nafn er rttat eda frä hönum sagt (c. 168). 

3) Der Verfasser nennt, wie wir vorhin gesehen haben (1 a), 
diese saga von Dieterich von Bern (dies ist der richtige name, 
den sie sich selbst gibt, sagenbibl. 2, 316) eine der grösten in 
deutscher spräche, bemerkt aber gelegentlich da^ dasein anderer^ 
hier übergangener: 

12» 



180 81 — 

177 H^rtnid kdngur vard enn heill siima säafa oc stTrif sinu 
riki Vilkinalandi, svä sem heyrir enn i söffu häns^ oc bann vin- 
ii\kt inörg stÖFvirki medan bann var kongur i Vilkinalandi, oc 
af könum er allmikil saga^ po at peaa verdi nu ei her geiü i 
peasari frdsöffn (c. 33 J). diese stelle fehlt in der altschwedi- 
sehen Yilkina saga. (Haupt zu Engelhard s. ix.) [Haupts zs. 
12, 348 flf.] 

4) Über die grosze Verbreitung der sage verschiedene 
stellen: 

178 a) pidrikur-köngur i Bern-er binn mesti bofdingi sem kun- 
dugt er vida umm beimin oc hans namn man uppi vera og 
eigi verda tapat ndlega umm allt sudur riki medan veroUdin 
stendur (c. 108). 

b) oc fyrir pvi eru öU bans väpn gullbuin^ at bann (Sigurd) 
er umframm alla menn at drambi oc kurteisi oc allri baeversku 
nälefga i öUum fornsöngum — oc hans nafn geingur t öüum 
tüngum fyrir nordann Gricklands haf, oc sva man vera medan 
verolld stendur (c. 166). unter dem griechischen wird das mit- 
ländische meer verstanden. 

5) Es wird behauptet, dasz der 7iorden einen theil dieser 
sage eigenthümlich besitze, und der gegensatz zwischen der 
deutschen und nordischen spräche öfter erwähnt. 

a) Danir oc Svtar kunnu at segia heraf margar sögur enn 
sumt hafa peir foert t qvcedi stn^ er peir skemta rikum mönnum. 
mörg eru pau qvasdi qvedin nü, er fyri löngu voru ort eptir 
pessari sögu (vorr. cod. Ar. 178; sagenbibl. 2, 296). 

b) Norraenir menn hafa samansett nockurn part sÖgunar 
enn sumt med qvcedskap. pat er first frd Sigurdi at seigia Faß- 
nisbana, Völsungum oc Nißüngum oc Velint smid oc hans bro- 
dur Egli oc frd Nidüngi kongi. oc p6 at nockut bregdist »at 
qvaedi um mannabeiti eda atburda, pä er ei undarligt svo mar- 
gar sögur sem pessir hafa sagt; enn po rts hun ncer af einum 
efn (vorr. cod. Ar. 176, sagenbibl. 2, 296. 297). 

Dieterich von Bern wird, und mit recht, nicht unter den 
gegenständen der eigenthümlibb nofdiscben sage angeführt. 

c) oc borg pä er het Fertilia, er Vceringiar^* kalla Frid- 
scelu (c. 13). Fertilia deutet auf das niederdentsche verde ftr 
vrede, friede. 

d) Brynbilldur er fSgurst er kvenna hvorutveggia sudur 
i löndum oc nordur t löndum (c. 17). 

e) Studas söhn, der wie sein vater hiesz, tödlet einen 
drachen namens Heime: oc pess vegna feck Studas hans heiti, 
at bönum var jafnat vid orm pennan oc nü kaÜa Vceringiar 



* über die Väringer s. sagenbibl. d, 149. 150. 



8i ---- 181 

imir (ß, 17). weil nämlich in der Völaunga saga, "wie 001178 
der sagenbibl. (2, 153) richtig bemerkt wird, ein Heimir yoüv 
kommt. (über den drachenkampf s. Deutsche sag. nr. 139. 
[oben s. 156.]) 

f) Nidüngur köngur situr nü i riki sinu oc med hönum 179 
Velint hinn agaetasti smidur, er Vceringiar kalla Völund (c. 24). 

— Vidga var sun Velints, pess er Vceringiar kalla Völund 
(c. 175). 

g) 4 hans (Thettleifs) vöpnum er markat päd sem ppdeakir 
menn kalla Elfendyr* enn Vceringiar Fil, af gulli lagt' (c. 161). 

h) oc sva er hann drap pan mikla dreka, er Vceringiar 
kalla Fafni (c. 166). 

i) oc hans (Sigurds) nafn mun aldrig tynaz i pydverakri 
tüngu oc flikt sama med Nordmönnum (c. 324). 

6) Noch sichtbare, auf die sage hinweisende denkmäler: 

a) Vidga kommt an die Weser und findet die bxjftcke alb- 
gebrochen, welche diesseits und jenseits auf felsen lag. er gibt 
seinem pferde die sporn und fliegt pfeilschnell hinüber : oc enn 
t dag mä sia stadin i berginu sküanna oc naglanna, baedi par 
sem hann hliop af oc svä par sem hann kom nidur (c. 37). 

b) die Hünen erobern und zerstören die Stadt Pultusk in 
Russland: oc pau verk voro pä unnin, er enn mego sia peir, 
er par koma i pann sama stad (c. 290). [ZE. 24.] 

c) Thidrek verfolgt den Vidga längs der Mosel, und als 
dieser in das wasser springt, wirft ihm der könig den spiesz 
nach und der fährt bei der mündung des flusses in die erde: 
oc par stendur pat spiotskapt enn i dag^ oc pat mä par sia 
hver er par kemur (c. 313). 

d) nü verdur snörp orrusta pennan dag, er Hünir Saskia 
gardin enn Niflüngar veria, oc, heitir Holmgardur er orrustann 
stendur i, oc svd heitir hann enn t dag Nzßünga Holmgardar, 

enn steinveggur var gerr um pennan gard — oc sami 

steinveggur er um hann enn nü i dag (c. 355). 

e) ormaturn stendr mitt 1 Susa (c. 356). 

f) Högne sticht dem Irung den speer in die brüst: pa 
laetur Irüngur sigaz vid stein veggin oc pessi steinveggur heitir 
Irüngs veggur enn i dag (c. 360). 

Irüngs veggur (d. i. Irungs wand)** ist hier verwechselt 

* * offenbar mhd. olbende, kameel/ bemerkte Wilh. Grimm, obgleich altn. 
fill der elephant ist, doch richtig: alpandyr (so haben die handschriften bei 
Unger c. 1 80) weist anf das mittelniederdeutsche olbender, elpender, auch elpen- 
deer kommt vor und wird ausnahmsweise auch vom elephanten gesagt (Schiller, 
beitrage zu einem mnd. glossar. Schwerin 1867. s. 12). 

** han störte dödh op til mwren ok kallas thz i dagh Irons vagh (d.i. 
'^ägg)? so gibt der altschwedische Übersetzer c. 332 den angeführten satz wieder 
and darnach edierte Peringskiöld vid steinveggin — steinveggur — Irungs veggur. 
4ie alte h^nd&chr. bei Unger c. 387 aber hat viö steinveginn — steinvegr — Irungs 
▼egr — oc spiotit Hogna nemr stadar i »t^ini^i^ginum. ics .ist also von .leinem st^inw.eg; 



182 81 

178 mit Irüngs vegr und bedeutet die Iringsstrasze, d. h. die 'milch- 
strasze. ** 

179 7) Der inhalt der Vilkina saga selbst bestätigt ihre an- 
gaben über die entstehung des ganzen und zeigt den verschie- 
denen Ursprung der einzelnen theile, 

a) Rüdiger von Bechelaren erscheint in zweifacher gestalt, 
einmal als Rodolf (c. 64 — 83), der mit Berta^ einer Schwester 
der Erka, die sonst kein gedieht kennt, verheiratet wird, und 
dessen thaten die Vilkina saga allein beschreibt; sodann (c. 267 ff.) 
als Rodingeir^ und hier ist, den übrigen sagen gemäsz, Gud^- 
linde ^ seine frau (vgl. sagenbibl. 2, 189). 

b) Thidrek heiratet könig Drusians tochter GudUinda 
(219), von ihrem tode ist nichts gesagt, aber hernach (c. 317) 
wird ihm von Erka die bekannte Herrad als gemahlin ge- 
geben. 

c) Über den tod des königs Osantrix lauter Widersprüche 
oder vielmehr drei verschiedene erzählungen. er wird von Yil- 
difer erschlagen (c. 123), späterhin (c. 270) heiszt es, er sei im 
kämpfe gegen Ulfrad und dessen schaar gefallen, endlich (c. 326) 
wird behauptet, haupturheber seines todes sei Isung von Ber- 
tangaland gewesen, wovon aber nicht das geringste in der er- 
zählung selbst vorkommt (vgl. sagenbibl. 2, 255). 

d) Högnis zu frühe und unpassende erscheinung ist schon 
(oben s. 88) bemerkt. 

e) Högnis abstammung von einem elfen wird zweimal hin- 
tereinander und mit auffallenden abweichungen erzählt, einmal 
(150) heiszt der gemahl seiner mutter könig Aldrian und seiner 
brüder sind drei: Gunnar, Gernoz und Gisler. in der zweiten 
darstellung (c. 151) finden wir statt Aldrian den namen Irung 
und der brüder vier, nämlich der nordische Gudzorm ist neben 
Gernoz noch hinzugefügt, doch in der altschwedischen Vilkina 
saga steht blosz die erste erzählung (vgl. sagenbibl. 2, 217). 

f) Högni führt den beinamen af Troja blosz in der Ni- 
flunge saga (oben s. 87), nicht vorher, und Folkher tritt hier 
allein auf (vgl. sagenbibl. 2, 264). 

g) Sigurd der Grieche steigt mit Thettleif zu pferde (c. 97), 
an einem andern orte (c. 161) ist das vergessen und es wird 
wegen Thettleifs schildzeichen und an sich sehr unpassend be- 
hauptet, Sigurd sei auf einem elefant geritten. 

h) Sintram flieht zu dem herzöge Iron von Brandenburg 
(c. 209); späterhin wird Herburt, Sintrams brüder, an den hof 

einer gepflasterten strasze die rede, was allein auch zu den omständen des kam- 
pfes passt, und eine verwecbselong von veggr mit vegr, diö auch s. 395 and in 
der mythol. 333 angenommen wird, findet nicht statt. 

'^ zu der sagenbibliotliek 2, 265 erinnere ich^ dasz schon in den Altd. 
Wäldern 1, 243 diese bemerkung vorkommt. 



81 183 

des königs Artus gesendet (c. 211) und gleich wol bald darauf isi 
(c. 220) erzählt, dasz Iron erst nach dem tode des Artus, 
seines vaters, von Isung aus seinem väterlichen reiche vertrie- 
ben, durch Attilas wohlwollen Brandenburg erhalten habe (vgl. 
sagenbibl. 2, 230). 

8) Schon unter 3) ist angeführt, dasz einer anderen, nicht 
aufgenommenen sage gedacht werde. sonstige hindeutungen 
auf unbekannte gedichte sind selten und ich kenne nur zwei: 

a) Was von Alfrik, der Verfertigung des Schwertes Ecke- 
sachs und dem vorigen besitzer, dem könige Roseleif, gesagt 
ist (oben s. 56). 

b) Thidrek erinnert den Heime daran, dasz ihre pferde in 
Friesland so gewaltig getrunken (unten nr. 90). 

y) Endlich hebe ich aus dem ganzen noch . einzelne be- 
ziehungen. 

a) Eckehard erzählt von dem beiden seines gedichtes: 

342. namque Vualtarius erat vir maximus undique telia 
suspectamque habuit cuncto sibi tempore pugnam. 

Er liebte den kämpf mit dem spiesz, nicht aber mit dem 
Schwert; so verstehe ich wenigstens die (metrisch verderbte) 
stelle, vielleicht hat Walthari den gebrauch der wafien bei 
den Hunnen gelernt, welche lieber mit dem wurfspiesz käm- 
pfen (Jemandes c. 50). aber ich zweifle nicht, es soll eine 
eigenthümlichkeit und besondere geschicklichkeit des beiden 
angedeutet werden, welche die sage ihm zuschrieb, ihm ist 
unter seinen gegnem Hagano allein gefahrlich: 

366. namque ille meos per proelia mores 

jam didicit, tenet hie etiam sat callidus artem. 

Walthari entscheidet auch Isonst durch den speerwurf (670. 
713. 742. 773). bei dem kämpfe mit Hadewart wird die Ver- 
schiedenheit der Waffen ausgedrückt: 

822. hie gladio fidens, hie acer et arduus hcLSta, 

Und im letzten streit behält er allein den speer, wendet 
damit die Schwerter ab (1298) und verletzt den könig mit der 
spitze desselben (1822). 

Merkwürdigerweise kennt die Vilkina saga noch diese ge- 
schicklichkeit Valtaris (c. 104. 105), denn er schlägt dem Thett- 
leif einen wettkampf iw^ Speerwerfen vor und setzt dabei sein 
baupt aufs spiel. [Haupts zs. 12, 273. 276.] wir wissen aus 
den wettkämpfen der Brünhild, dasz zum schieszen des Speers i82 
eine grosze kraft nöthig war. 

b) Nach dem träum der Kriemhild wird Siegfried, der falke, 



iM S2 - 

183 von 2wei adlem, Günther und Hagen, erjagt; hier erinnert 
Lachmann (ursprüngliche gestalt 105), dasz beide nach der Vil- 
kina saga (c. 164. 165) adler als schildzeichen fuhren. 

c) Der fährmann, dem Högni einen goldring bietet, hatte 
eben erst eine schöne frau geheiratet, die er mit dem ge- 
schenk erfreuen will (c. 339); durch diese erklärung bestätigt 
die Vilkina saga eine leseart des ältesten textes der Nibelunge 
noth (1494, 1): ouch was der selbe schifmann evBt niultch gehtt. 
eins von den dänischen Volksliedern (Kjämpeviser 1, 111) hat 
diesen zug eigenthümlich verändert: Hagen selbst schenkt, 
nachdem er den fahrmann getödtet hat, dessen weib den gold- 
ring £^leichsam als eine mordbusze. 

d) Grimhild sagt (c. 345) : oc nü minnumst ec hversu mig 
harmar in storu aar Sigurdar Sveins; und abermals (c. 346): 
mig ftai*mär pat mest, nü sem jafnan, pö storu sdr^ er hafdi 
Sigurdur Svein sier midli herda. dies erinnert sehr an die 
Worte Nibelunge noth 1463, 4: Stfrides vmnde täten Kriem- 
hilde we. seltsam genug befinden sie sich gerade in einer 
Strophe, die wegen des ausdruckes ^die Kibelunges helde^ im 
sinne des ersten theils (für die rocken aus Nibelungeland), 
sonst in dem zweiten theil ohne beispiel, verdächtig scheint, 
sollten sie aus einer andern recension übergegangen sein, 
welche der in der Vilkina saga benutzten näher stand? 

e) Es befremdet, dasz die Vilkina saga dem Schwerte 
Sigurds nicht den in deutschen gedichten so bekannten namen 
Balmung, sondern den nordischen Gram beilegt, ['auch die 
schwertprobe mit der wolle scheint blosz nordisch.' Jac. Gr.] 

f) Höchst auffallend gibt sich Sigurd (c. 180. 181) fiir 
einen verwandten (fraendi) des jarl Hornboge^ eines beiden Thi- 
dreks, aus. ich halte diese behauptung nicht blosz für falsch 
und der dort erzählten geschichte mit Omlung zu gefallen 
eingerückt, sondern den ganzen aufenthalt Sigurds bei Isung 
für verdächtig und in der reinen sage unbegründet. 

10) Aus der schwedischen Vilkina saga ist geflossen, was 
man in schwedischen Chroniken (Fant Script, rer. Suecicar. 1, 
250. 251. 268), sodann bei Ericus Olahus (bist. Sveon. p. 11. 
12) und Jo. Olaus (5, 13 — 15) übereinstimmendes findet, nur 
einiB einzige abweichung in der kleinen reimchronik: Hertnid 
1B8 stirbt an -seinen wunden, während ihn die Vilkina saga (c. 331) 
genesen lässt. 



82. ' 

"NoRNAGESTs SAGA. Wahrscheinlich im anfange des vier- 
zehnten Jahrhunderts, aber aus älteren bestandtfaeiten Kusam- 
paengesetzt (vgl. oben s. 35). 



— S2 185 

Nomagest erzählt (c. 6) eine begebenheit, die sich nachiss 
Sigurds Verheiratung mit Gudrun und während seines aufent- 
halts bei den Giukungen zutrug: ek var oc mep Sigurpi nor- 
dur % Danmörky pä er Sigurpr kong Hringur senpi Gandalfs- 
sunum (Gaudzsyni) mäga sina tu mots vip Giükünga Gunnar oc 
Eögna oc beiddif at peir munpu lüka honom skatt^ epur pola 
her, ella ef peir vüpu veria land sit. pä hasla Gandalfssynir 
voll vip landamaeri, enn Giüküngar bidia Sigurpi Fafnübana 
fara til bardaga mep sier. Hann sagpi svd vera skylpi; ek var 
pä enn mep öigurpi. siglpum vier pä enn nordur til Hohe- 
tulanda oc lendtum par sem Jamamodir heitir, enn skamt frä 
höfüinni varo settir üp heslitsteingur , par sem orrostan skylpi 
vera. säum vier pä mörg skip sigla nordann, varo Gandalfs- 
synir fyrir peim, saBkia pä at hvarottveggio. Sigurpur Hrin- 
gur var ei par, pviat hann vard at veria land sitt Svipiod — 
oipann listur saman lidinu oc verdur par mikil orrosta oc 
mannaskiaßd. Gandulfssynir geingu fast frami^, pviat peir 
vorn baedi meiri oc sterkari enn aprir menn. i peirri lidi säst 
einn mapur mikill oc sterkur, drap pessi mapur menn oc hesta, 
svä at ecki stod vip, pviat hann var likari jötnum enn mönnum. 
Gunnarr bad Sigurp saßkia imoti mannskelmir pessum, pviat 
hann kvad ei svä duga munpi. es ist Starkadr aus Norwegen, 
auf den Sigurd mit dem Schwerte Gram losgeht, er flieht, doch 
haut ihm Sigurd zwei zahne aus dem backen. [Nordalbing. 
Studien 1, 200 flf.] 

In der Völsunga saga fahrt Sigurd (c. 38) in einer Unter- 
redung mit Brynhild zum rühme der Giukunge an: peir drdpu 
Dana kong oc mickinn hofdingia bropur Budia kongs. näher 
drückt er sich nicht aus (auch c. 35 wird der tapfern thaten, 
die Sigurd nach seiner Verheiratung mit Gudrun in gemein- 
schaft mit den Giukungen vollbrachte, nur im allgemeinen ge- 
dacht; die Saemundar Edda Sig. 3, 2 sagt blosz: drucke ok 
daempo daegr mart saman), aber ich glaube dieser kriegszug 
nach Dänemark, den die Nornag. saga erzählt, ist gemeint. 184 
von ihm hätte wahrscheinlich dort eine ältere und bessere dar- 
stellung können mitgetheilt werden , denn hier bleibt dunkel, 
wer der in keiner sage sonst auftretende bruder Budlis war, 
auch wird der dänische könig nicht getödtet, ja er konnte nicht 
einmal bei dem kämpfe zugegen sein. 

Dagegen erhalten wir in unserer Nibelunge noth eine 
sehr ausführliche Schilderung jener heerfahrt, denn ich zweifle 
nicht, dasz der krieg Günthers gegen den dänischen könig 
Lüdgast und den sächsischen Lüdeger dasselbe ereignis in sich 
fasst. auch dort wird zuvor der krieg angekündigt und die 
wähl gelassen (145, 1) durch Unterhandlungen ihn abzuwenden. 
Siegfried sagt gleichfalls seinen beistand zu und führt durch 
seine tapfeiSaek ^und den «isüeikampf mit Lüdgaat .den sieg 



186 — 88 — 

184 herbei, freilich bleibt in den nebendingen mancher nnterschied: 
Günther zieht gar nicht persönlich mit in den krieg, aber wir 
wurden schon beim Biterolf (oben s. 131) zu der bemerkung 
veranlasst, dasz gerade in diesem umstände die sage abwich. — 
sollte der könig Frut von Dänemark^ der im Rosengarten d 
(s. 256) auf einmal als ein feind Günthers erscheint, weil 
er von ihm seines reiches beraubt worden, hierher ge- 
hören? — die Vilkina saga weisz überhaupt nichts von diesem 
ereignis. 



83. 

Dieterichs flucht. 

1) Zu if elcher zeit der Verfasser, der sich doch selbst 
wol unter Heinnch dem Vogeler (7978) meint, gelebt hat, wis- 
sen wir nicht; darstellungsweise, spräche und reim verrathen 
das vierzehnte Jahrhundert; das werk könnte in eine bessere 
zeit gehören, und doch aus Hartmanns armem Heinrich einige 
Zeilen (2331 — 35. 9962) geborgt haben, der Verfasser beruft 
sich auf eine ältere quelle (1838): der uns daz maere zesamene 
slöz (ordnete, aus einzelnen bestandtheilen zusammensetzte? auf 
verschiedene sagen deutet unter andern, wie wir unten sehen 
werden, die darstellung der Verhältnisse Dietleibs von Steier). 
der tuot uns an dem buoche kunt. auf dieses buch bezieht er 
sich nicht selten (2020. 2026. 2268. 3674. 6192. 8324) und 
am schlusze heiszt es: nü ist ez komen an daz drum des 
buoches von Berne» es wurde ihm, wie es scheint vorgelesen, 
denn häufig ist die redensart: als wir daz buoch hoeren sagen 

185(3527. 3674. 6613. 8221. 9282), zellen (8324), oder auch: als 
uns daz buoch las (6626. 6307), und: nu hoeret, waz uns sagt 
daz liet (3671), wie man mir gesaget hat (8254. 9790). — eine 
andere und, so viel sich urtheilen lässt, ältere darstellung der 
sage liegt dem auszug zu grund, welchen der anhang des bel- 
denbuchs liefert (s. unten). 

2) Dem hauptgedicht vorangeschickt ist eine kurze ge- 
schichte von Dieterichs ahnen, die Vollständigkeit der genea- 
logie, das übernatürliche alter von 305 — 45U jähren, wahr- 
scheinlich um einen langen Zeitraum auszufällen, den voreltem 
des beiden beigelegt; die grosze anzahl von kindem, die doch 
bis auf die Stammhalter wieder sterben müssen, eine Seltsam- 
keit, die sich wahrscheinlich aus jener annähme einer überna- 
türlichen lebenszeit erklärt; das alles scheint absichtlich erfan- 
den und lässt sehr an einer wahrhaften grundlage zweifeb. 



83 187 

Zusätze und starke abänderuDgen dürfen wir hier in jedem falle 186 
annehmen, zum erstenmal hören wir von dem ahnherm Dielr- 
warty dem römischen könige und seiner frau Minne ^ tochter 
eines königs Lademer ['Vladimir'? Jac. Grimm.]. ihm folgt 
Sigeher^ mit Amelgart aus der Normandie, tochter des Ballus^ 
verheirathet. jetzt erst gelangen wir auf bekannten boden: 
Otntt wird als der söhn jenes Sigeher dargestellt und erhält 
allein kein hohes alter, aber der grund ist klar: weil die 
wittwe wieder heiratet. nach ihm herscht Wolfdietertch^ 

dann Hugdietertch; zugleich wird Siegfrieds geschichte ange- 
knüpft, denn seine mutter Sigelint ist hier zu einer Schwester 
Otnits gemacht, ungeschickt ist diese Verknüpfung in jedem 
falle, denn Siegfried kann darnach unmöglich Zeitgenosse des 
Dieterich von Bern sein. Hugdieterich , mit Sigeminne von 
Franhnche verheiratet, hat einen söhn Amelunc^ dieser name 
wäre der echten sage wol angemessen (s. oben s. 2), nur 
müsten wir ihn durch andere gedichte bestätigt finden, ihm 
wird eine aus Kerlingen stammende frau zugeschrieben (2399), 
mit welcher er drei söhne zeugt: Diethery Ermrtch und Dietmar^ 
und damit nähern wir uns der bewährten sage, die beziehun- 
gen darauf erörtern wir einzeln. 

3) Diether^ der älteste . der drei brüder (2407), erhält bei 
der theilung des reichs Breisach und Baiern (2434). 

2465. Diether der riebe 
gewan sicherliche 
drt 8Üne wol getan, 
den Ermrtche stt benam 
daz leben, dö er si vienc 
und sie dne schulde hienc. 

Die Harlunge, die zu Breisach ihren sitz hatten , sind ge- 186 
meint (oben s. 19. 31. 32); drei söhne statt zwei, wie in allen 
sagen, ist auffallend, aber kein Schreibfehler, da bei Heinrich 
von München dieselbe zahl vorkommt. wir hören hier den 
namen ihres vaters ; dasz AJd drlungatrausti^ wie er in der Vil- 
kina saga lautet, nicht richtig sein kann, wird sich bei der 
Blomsturvalla saga zeigen, dagegen möchte Harling^ wie der 
anhang des heldenbiichs ihn nennt, leicht angemessener sein, 
weil Dieterichs jüngerer bruder Diether heiszt. über das Schick- 
sal der Harlunge in einer anderen stelle etwas näheres: 

2546. Ermrich die Harlunge vie. 
wie er des gedahte, 
daz er sie zuo im brähte? 
do er in tac het gegeben, 
dö schiet er sie von irm Üben, 
und zöch sich zuo ir lande. 



1«8 «8 

effiß Der andeuitung nach musz man irermiitliien, Ermenrich 
•habe durch das versprechen, ihre angelegenheit an eiaem fae- 
fitimmten tage beizulegen, seine nefFen listig herbeigelockt uxbd 
dann getödtet. davon weisz die Yilkina saga (c. 257) nichts, 
wo Ermenrek ihre bürg erstürmt, sie gefangen nimmt und auf- 
hängen lässt. — hernach, um den Dieterich zu berücken, räitli 
Sibioh dem Ermenrich zu einer heuchelei: 

2604. den ir dar sendet, den heizet sagen, 
und ir wellet varn über mer, 
gote dienen mit einem her, 
dem heiligen grab helfen üz der not, 
umbe der Harlunge t6% 
den ir schaden habt getan 
und ir leben umbe sust gewunnen an. 

Und zuletzt in der Schlacht : 

9788. nu hoeret waz ich vernomen h&n. 
an dem graben vor der stat, 
als man mir gesaget hat, 
da erreit Eckehart Ribsteinen. 
nü han ich der rehten einen, 
sprach der recke Eckehart, 
nü wirstu lenger nit gespart^ 
du vil ungetriuwer man. 
du gewunnd (1. gevmnne) mtnem herren an 
die getriuwen Härtungen; 
nü wil ich mit dir tungen 
einen galgen, ob ich mac. 

187 4) Ermrtch heiszt der hinterlistige (karge 2489). das ver- 

brechen an den Harlungen ist eben erwähnt; ein anderes wird 
kurz angedeutet: 

2455. ez gewan künic Ermrich 

einen sun, der hiez FVidrtch^ 
den er stt versande 
hin ze der Wilze lande; 
daran man stn untriuwe sach. 

Doch redet der dichter davon, als von einem zukünftigen 
ereignis, da in diesem gedichte Friedrich öfter im kämpfe 
erscheint (3563. 3824. 3898. 8212). gemeint ist die schon oben 
(s. 31) berührte geschichte, aber in eine andere zeit ver- 
schoben, denn dort kommt er früher als die Harlunge um. 
merkenswerth ist das land der Wäzen^ wofür die Vilkina 
saga VilkinaJand [Haupts «s. 12, -340 f.] «etzt. der dichter 
fahrt fort: 



SM 



2460. na seht, wie er sim triuw« brach 18? 

an stiiein lieben kinde. 
an mamgem Tncere ich daz vtnde, 
daz nie hi iemans tagen 
ungetriuwer lip wart getragen. 

Ich habe schon (oben s. 2. 3) bemerkt, dasz die nordische 
sage und das chronicon Qaedlinb. (oben s. 32) allein von Er- 
manarichs traurigem ende erzählen, die deutschen gedichte aber 
nichts mehr davon wissen, mit dem Verfasser unseres werkes 
scheint es sich anders zu verhalten, nur begnügt er sich mit 
bloszen andeutungen. indem er nämlich noch weiter von dem 
morde der Harlunge spricht, sagt er: 

2554. ez was diu gröste missetät, 
diu üf erden ie geschach. 
got ez Sit aUez roch 
an stnem Übe und an einem leben, 
er nam im ewaz er im het gegeben 
und räch den meinrceten zorn. 
der Itp der wart hie vei'lom 
und ist diu sele geselle 
des tiuvels in der helle. 

Er kommt mehrmals darauf zurück, als Ermenrlch gegen 
Dieterich und dessen volk wüthet, sagt er: 

2862. daz gei^ach got allez an im eint. 

Und: 

3496. iet er zuo der helle gebom, 

daz endunk nieman unbiUtche. 

untriuwe ist von im in diu riebe 188 

leider aller Srst bekomen. 

4270. dise gröze herzen riuwe, 

die räch stt an im sere got 

4275. daz wart im sit angeleit^ 
daz er des kam in arbeit 

Helche sagt von ihm: 

4956. swer im den lip benaeme, 

der gewunne des sünde kleine, 
wan er ist unreine. 

Und am ende, als er aus der Schlacht geflohen ist, heiszt 
es, wie es scheint, mit berufung auf die sage: 



190 83 

188 9819. wie ez Ermriche ist gedigen, 

daz habt ir wol vernomen: 
er hat den schaden genomen, 
der im immer nach gdt. 

Alle äuszerungen zusammengefasst, sollte man meinen, 
Ermenrich sei wegen seiner Sünden durch eine unheilbare 
krankheit gestraft worden und habe in diesem zustande jenen 
elenden tod erlitten, den das chron. Quedlinb. beschreibt, auch 
die Yilkina saga (c. 374) schlieszt seine laufbahn mit einer 
furchtbaren krankheit, in welcher er halb todt schmachtet, 
nachdem man . zu seiner heilung vergeblich den leib aufge- 
schnitten hatte. das stände überdies in einigem zusammen- 
klang mit Jemandes worten (oben s. 2): aegram vitam corpo- 
ris imbecillitate contraxit. die ßabenschlacht gibt keine auf- 
klärung, darin wird er nur wegen seiner treulosigkeit ver- 
wünscht (558, der unreine 599) und (79, 3) der ausdruck ge- 
braucht: sin sele si ungeheilet worauf sich die äuszerung im 
anhange des heldenbuchs bezieht, der treue Eckhart habe den 
Ermenrich erschlagen, weisz ich nicht; das gedieht, worin das 
vorkam^ .st entweder verloren, oder es Mündet hier ein irr- 

thum statt 

• 

Ermenrichs schätz ist schon früher (s. 17. 46) erwähnt 
worden, auch hier eine hindeutung darauf. Dieterich erzählt: 

7832. swaz hordes heten zw^n künige rtch 
von golde und gesteine, 
daz hat er allez alleine, 
er hat daz Harlunge golt, 
da von git er noch lange solt; 
s6 hat ouch er vür war 
allen den hört gar, 

189 den Dietmar der vater mtn 

ie gewan bi den tagen. 

5) Dietmar^ der dritte bruder, ist uns als vater Dieterichs 
schon bekannt (oben s. 106). in der Vilkina sage ist er, 
ebenso wie der dritte söhn, der vater der Harlunge, ein un- 
eheliches kind und Ermenrek allein in rechtmäsziger ehe er- 
zeugt, hier wird von ihm erzählt: 

2471. Dietmar der tugenthaft 

lebt in reine blüender kraft 
funfzic jär vollecKch 
und nam ein künigin rieh 
des künig Desen tohter. 



83 191 

Diesen namen kennt kein anderes gedieht, in der Vilkina 189 
saga (c. 13) heiratet er Odilia^ tochter der jarls Eisung. 

2487. Dietmar und Ermrfch 

die zugen beide ungelich. 
Ermrtch der was karc, 
Dietmar vor ^ren niht enbarc; 
er was milt unt tugenthaft. 
got vuogt im guotes riche kraft. 
doch saget uns daz mcere, 
vrie mute Dietmar woere^ 
iedoch büwet er Berne 
und was da alle ztt gerne 
unz an sin endes zil. 
er gewan höher ^ren vil, 
er was ein vorhtsamer man, 
« des was im sieht undertän 

Römisch lant und Römisch marc. 
Dietmar der was so starc, 
daz im bi stnen ztten 
nie künic torste wider riten. 
in den eren lebt Dietmar 
vierzic und driu hundert jär, 

dö het er nü zwei kint 

diu liten arbeit sint. 

daz was Diether und Dietrich^ 

die Sit verdarp künic Ermrtch. 

2525. Dö Dietmar den tot dolte, 
als er doch sterben solte, 
do bevalch er Ermrtche 

atniu kint aetrültche. 190 

awö, daz uaz ie geschach, 
wan er stn triwe sit an in brach. 

6) Dieterich heiszt einigemal (5637. 8054) der junge Ame^ 
lunc (ygl. oben s. 2). gleich nach dem untergange seiner vet- 
tern, der Harlunge, sinnt Ermenrich, angereizt von Sibich und 
Ribestein, auf sein verderben, eine friedliche zeit und ein 
freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden scheint dieses ge- 
dieht nicht vorauszusetzen, und als Ermenrichs Verfolgungen 
anheben, ist Dieterich noch in der ersten Jugend; mehrmals 
wird ausdrücklich gesagt, er sei noch nicht zu einem manne 
herangewachsen (2824. 4168, vgl. 4234. 5234). die Verbreitung 
seines ruhms durch die sage wird gleich, wo sein name zuerst 
vorkommt, erwähnt: 



192 8a — - 

00 2483. — — der Bemsere, 

der mit maniger manbeit 
allin diu wunder hat bejeit, 
dd von man singet und seit. 

Und Wolf hart spielt darauf an, indem er den Dieterich 
zum kämpfe ermuntert: 

3228. von sprunge vert cUrSst din nam^ 
den soltu machen bekennelich. 

Diethei\ Dieterichs bruder (oben s. 157), wird gelegentlich 
erwähnt, er heiszt der junge künic von Roemisch lant (2535. 
7420, vgl. s. 208) und zieht noch nicht mit in den krieg. 

7) Hildebrands Verhältnis zu den söhnen Dietmars (oben 
s. 143) wird angeführt: 

2535. Diethem und Dietrich 

die zdch ein herzöge rieh 

Hüdebrant der alte^ 

der küene und der balde. 

Dasz frau Uote [herzoginne 4504] hier und sogar thätig 
erscheint, ist schon (oben s. 24) bemerkt. 

8) Dieterichs zwölf helden (oben s. 102) finden wir sehr 
unvollständig, als hätte die sage sie vergessen, und eigentlich 
nur den Hildebrand und Wolfhart, den letzteren jedoch ganz 
in seinem eigenthümlichen Charakter (vgl. 6405 — 6555. 8552. 
9052. 9368); ein paar mal wird Sigeh^r (5841. 8594) nur ge- 
nannt, die übrigen fehlen ganz. auch die Wölfinge werden 
nicht erwähnt und von Hildebrands Verwandtschaft mit diesem 

191 geschlechte nichts gesagt. — dasz Eckewarty der Harlunge man^ 
für Dieterich kämpft und getödtet wird, ist schon (oben s. 144) 
bemerkt. 

9) Dagegen eine bedeutende erweiterung der sage zeigt 
sich in beziehung auf Dieterichs mannen überhaupt, indem wir 
eine anzahl bisher unbekannter namen erblicken, sie sind zm 
theil hier in die begebenheiten verflochten, zum theil erscheinen 
sie in andern gedichten dieser periode, so dasz wir durchaus 
nicht berechtigt sind, sie als eigenmächtige zusätze blosz dieses 
Werkes zu betrachten; im gegentheil, der fall wäre denkbar, 
dasz sich einige darunter befänden, die der ältesten zeit mi 
verlorenen sagen schon zugehörig, hier zuerst wieder zum vo^ 
schein kämen, wir dürfen uns daher der mühe sie aufzuzählen 
nicht entziehen. 



— 83 — 198 

a) Herehrant (oben s. 107). 191 

b) Hehmchart^ ein verwandter von Wolfhart (2992. 3149. 
3396. 3746. 4424. 4682. 5844. 8288. 8592), fällt im kämpfe 
(9870. 9913). auch in der Rabenschlacht wird (10) sein tod 
beklagt, ich glaube, dasz Helmachrot im Alphart (74) und im 
Rosengarten a (132. 133. 193. 381) und b derselbe ist. 

c) Amelolt von Garte (3751. 4433—4469. 5847. 7198. 8591). 
Dieterich findet ihn todt auf dem Schlachtfeld (9870). irgend 
ein Verwandtschaftsverhältnis Amelolts wird nicht erwähnt, im 
A.lphart dagegen (wo er allzeit mit Nere zusammengestellt 
ist 44 — 77) nennt sich dieser junge held selbst einmal (97) 
Amelolts kint. Alphart und Wolf hart sind brüder (89. 90. 179. 
427) und Hildebrand heiszt jenen neflPe (101. 121. 131. 179); 
dasz dieser sein schwestersohn ist, wissen wir längst (oben 
s. 107). bestätigung und weitere angaben im Rosengarten: 
Amelolt ist ein Schwager Hildebrands, dessen Schwester er 
zur frau hat (c 11*-, wo AmeroU geschrieben ist, und d cod. 
Arg.), weshalb ihn Hildebrand auch öfter bruder nennt (c 11*-, 
D cod. Arg. alter druck 134. Caspar v. d. R. 112) und Amelolts 
söhne sind nach c Wolfhart und &ige8tapy nach d cod. Arg. und 
Pal. kommt noch Alphart hinzu, der zwar nicht mitkämpft, aber 
doch auftritt. 

Der anhang des heldenbuchs enthält verschiedene an- 
gaben, da, wo er von Hildebrands vater spricht, heiszt es: 
^Amelolt von garten der hat syn tochter.' hernach: 'Amelot 
von garten het hiltbrant — Schwester mit d* het er drey sün 
Wolfharty Alphart vnd sygeatab.^ und damit übereinstimmend 
schon vorher von dem letztern: 'aygeatab was auch hiltbrands 192 
swester sun. vnd was Amelung (1. Ameht) von garten seyn 
vatter.' dagegen in einer andern stelle, die mit dem gedieht von 
Alphart stimmt, fehlt der dritte bruder: 'Amelot von garten 
was alphart vnd wolffhart vatter.' Siegenot nennt wieder nur 
die beiden Wolfhart und Sigeatap (s. unten). den letztern 
sahen wir früher in andern, diesen hier widersprechenden Ver- 
hältnissen (oben s. 104). 

d) Alphart (3004. 5564. 6305-6321. 8287. 8590) kämpft 
mit Bitterunc von Engellant und besiegt ihn (9493 — 9533)*, 
wird aber selbst von Reinher erschlagen (9674) und sein tod 
von Dieterich sehr beklagt (9893 — 9916); wie schon bemerkt, 
hier keine andeutung, dasz Amelolt sein vater oder Wolfhart 
sein bruder sei. warum er in dem anhange des heldenbuchs 
'alphart von acK heiszt, weisz ich nicht.** 

e) Nere. oben s. 118. in der Rabenschlaoht unbekannt, 
näheres im Alphart. 

* Alphart wird vielmehr von Bitterunc and dann nochmals von Reinh^r 
erschlagen. 

** Von ach' fehlt in der handschrift. 

WXLH. QbXMM, OBUTBOHB BBLDKIISXOI. 13 



i9'4 83 

192 f) Fridertch von Raben (2706—2720. 2878. 2888. 3005. 
5711. 5831, 9846). in der Rabenschlacht nur einmal (261). 
ich glaube, er ist unter Friedrich dem jungen im Alphart (76) 
gemeint. 

g) Sigebant (3001. 3620. 3746. 4105. 4683. 5280. 5604. 
5839. 8571. 9843), auch in der Rabenschlacht (729) und im 
Alphart (76. 419). ein anderer Sigebant von Merän wird von 
könig Sigeh^r als böte in die Normandie geschickt (1963). 
[über den namen Haupts zs. 12, 317. 416.] 

h) Walther (7340. 8573. 9842), auch in der Rabenschlacht 
(551). 

i) Herman von Oaterfranken (5714. 5834. 8574). in der 
Rabenschlacht (63) ein herzog und, was auch richtiger scheint, 
ein mann £<tzels. 

k) Berhtram von Pole (3011. 3599. 5837), wird getödtet 
(9682); erscheint aber wieder in der Rabenschlacht, wo er 
herzog heiszt (114. 205. 732). 

1) Ehdn (3008. 5838. 6004. 9846), erhält einen sitz zu 
Bern (7192). der alte EUdn^ dem in der Rabenschlacht der 
Helche kinder und Diether anvertraut werden? 

m) Ihunc (8293). ich finde noch einen beiden Dieterichs 
unter diesem namen in der Fortsetzung des Laurin (b. Nyemp 
s. 45. 58. 67). in der Rabenschlacht tritt er nicht auf. 

n) Ehe. oben s. 138. 

193 o) 'Stutfulch von Rine.^ oben s. 136. 
p) Randolt von Ankone, oben s. 145. 
q) Berhter (9844), auch im Alphart (73). 

r) Ich fasse die namen zusammen, die diesem gedichte 
allein eigen sind. Sabene^ herzog zu Raben, mit land und leiiten 
von Dieterich belehnt (2706—2720. 2872. 2888. 3005. 4046. 
5711. 5831. 7326), bleibt in der schlacht (7148). er wird mit 
Friedrich von Raben zusammen genannt und ausdrücklich von 
Sabene, Sibechen sun, unterschieden (8344). — Jubart von 
Lateran (3007. 4021. 4425. 5959. 8593) fällt im kämpfe und 
wird sehr von Dieterich beklagt (9680. 9871). * seine frau 
Binose wird (9956) erwähnt, und die sage scheint demnach 
mehr von ihm gewust zu haben, als wir hier von ihm erfahren. 
— 'Tydaa' herzöge von Meilän (5702—5721. 5818. 6590. 7190. 
9300—9320). — Eckenot (4141. 5842) wird getödtet (9689). - 
Volcnant (2899. 2917. 2956. 3002. 5767—5821. 8292). — Strtiher 
(5713. 5833). — Starkdn (5713. 5833. 8594. 9845). — SchOt- 
rant (5840), vielleicht Schiltbrant^ der im Alphart (80) vor- 
kommt. — 'Starcher' (3907. 6004) bleibt in der schlacht (9691). 
ein held gleiches namens unter Dietwart (957). — 'Wichmann 
(5605). — 'Kewarf (3003) für Gerbart? 

10) in beziehung auf die oben (s. 126) gemachte bemer- 
kung, dasz die in dem gedichte von Biterolf angenommenen 



83 195 

Verhältnisse Dietleibs und seines vaters anderwärts fremd seien, 198 
stelle ich hier zusammen, was sonst darüber sich findet, von 
Stire her Dieüeip (3953) wird mitten unter Dieterichs mannen 
erwähnt (3625), entkommt bei einem Überfall von Ermenrichs 
Seite (3770), und wird als böte an diesen gesendet (3625. 3770. 
3878), wo er in streit mit Wate geräth (oben s. 55); er bringt 
die entscheidung Ermenrichs zurück (3981), allzeit aber nennt er 
den Dieterich seinen herrn. dasz er den ins Hünenland fliehen- 
den begleitet habe, wird nicht gesagt, vielmehr erscheint er 
plötzlich, als Dieterich dort angelangt ist, im gefolge der heim- 
kehrenden königin Helche (4664) und, was ebenso befremdet, 
mit ihm Ecke wart, von dem man. auch nicht weisz, wie er 
dorthin gekommen, und der von Dieterich wie ein lange nicht 
gesehener empfangen wird (4705), obgleich er kurz vorher 
(4433) ihm eine meidung gethan hatte. dies lässt sich nur 
durch Zusammensetzung verschiedenartiger theile des gedichts 
(oben 8. 184) erklären. Dietleib erzählt der Helche Dieterichs 
Schicksale, ehe sie diesen noch selbst hat vor sich erscheinen 
lassen (4815), ja er vnrd jetzt (5896) sogar unter den beiden 194 
genannt^ die Helche dem Dieterich zu hülfe sendet, hernach 
zeichnet er sich im kämpfe gegen Ermenrich aus, besiegt den 
Wate (6670 — 6774), erhält von Dieterich gefangene zum ge- 
schenk (7024) und wird zu einem anführer ernannt (8561). 

Biterolf der Sttrcere wird nur unter den beiden Etzels und 
der Helche aufgezählt (5132. 5895); nichts verlautet davon, 
dasz er Dietleibs vater sei.* 

In der Kabenschlacht befinden sich beide, Biterolf {marc- 
grdve 735) und Dietleib, an Etzels hofe und sichern dem 
Dieterich beistand zu (42. 43); sie folgen hier auf einander, 
nicht aber ist gesagt, als vater und söhn. Dietleib wird öfter 
genannt und sein muth gerühmt (323. 527. 537. 560. 702. 976. 
994. 1029). in den Drachenkämpfen streiten sie zwar für 
Dieterich, erscheinen aber im gefolge des königs von Ungarn 
und werden von diesem entboten (168^- 315*»). es gab also 
eine doppelte ansieht, nach der einen gehörte Dietleib zu 
Dieterichs, nach der andern zu Etzels kreis; ob letztere eine 
folge des groszen gedichtes von Biterolf war, oder umgekehrt 
dieses sich schon darauf stützte, ist nicht zu entscheiden, doch 
scheint die andere richtiger, da auch die übrigen gedichte ihr 
beistimmen. In der Vilkina saga ist Biturulf der vater des 
Thettleif , dieser sucht den könig Thidrek auf und wird end- 
lich dessen mann. die schöne dazwischenliegende sage von 
ihm hat kein deutsches gedieht bewahrt.** Dietleib erscheint 
im Laurin verbunden mit Dieterich, und heiszt Biterolf es kint 

* doch beiszt Dietleib 6714 des käenen Biterolfes kint, 6732 Biterolfes zni t. 
•♦ vgl. ZE. 23, 1 ; 28, 5. 

13 • 



196 83 

194(2322 altes heldenbuch); der vater empfängt ihn bei der rück- 
kehr (2731). im Rosengarten a (lU. 145) und c (7*»), als er 
zur theilnahme an Dieterichs zug soll aufgefordert werden, fin- 
det der böte nicht ihn, wohl aber den alten Biterolf in Steier- 
mark zu haus, dieser verweist ihn (a 147 — 158, C hat hier 
eine lücke) nach Bechelaren, wo Dietleib bei Rüdiger verweile, 
aber dort ist er auch nicht, sondern nach des markgrafen aus- 
sage in Siebenbürgen^ wo ein meerwuuder ihn hat erwürgen 
wollen, der böte macht sich nun dahin auf den weg, findet 
aber den jungen beiden zu Wien vor dem münster stehen, sein 
gegner im Rosengarten sagt zu ihm (a 347 und G 22^) : du bist 
niht gewahren noch zuo einem man; jedoch in c wird ausdrück- 
lich bemerkt, als Hildebrand ihn zum kämpfe aufruft: er hielt 
bt künec Etzel under einer banier rot. dunkel ist im Rosen- 
garten c von einem früherhin nicht ganz guten vernehmen 
zwischen Dieterich und Dietleib die rede (s. unten s. 255). end- 

196 lieh im anhange des heldenbuchs : 'Dietlieb von Steyre auss 
Steyrmarck, was Bitterolfs sun der was an der Thünaw ge- 
sessen'. 

11) Ermenricha helden. das sonsther bekannte berühre ich 
natürlich nicht; personen, die dieses gedieht blosz mit Biterolf 
gemein hat, sind dort schon angeführt. 

a) Wittich y hier in keiner näheren Verbindung mit Heime 
(3385. 3412. 3730. 6507. 8633. 9225), zeigt sich reuig; Diete- 
rich wendet ihm seine gnade wieder zu (obgleich wir von seinem 
abfall hier nichts erfahren haben), verleiht ihm Raben und das 
ross Scheminc (7115 — 7175). hier also der name von Wittichs 
pferd [vgl. ZE. 27, 6. 38 s. 416]; in der Rabenschlacht reitet 
er es im kämpfe gegen Diether und der H eiche söhne, und 
entflieht darauf vor dem zornigen Dieterich (394. 410. 463. 
958. 960). das alles stimmt nicht mit der Vilkina saga. dar- 
nach erhält Vidga gleich bei seiner ausrüstung den Skemming 
von seinem vater (c. 33. vgl. 25), eh er zu Thidrek kommt; 
zwar leiht er in der folge einmal dem ömlung das pferd, er- 
hält es aber zurück und verliert es erst durch den jungen Thet- 
ter, der es ihm niederhaut (c. 310); vor dem zornigen Thidrek 
entflieht er dann auf dem rosse des getödteten Thettrs (c. 313). 
noch verwickelter wird die sache durch die erzählung des 
Rosengarten a, b und c. Wittich weigert sich hier in den 
kämpf zu gehen, bis der Berner auf Hildebrands anrathen einen 
tausch bewilligt, wonach der könig von Wittich das ross FaJke 
nimmt, ihm dagegen Scheming gibt, das ist aber ganz unpas- 
send, denn beide sind von anfange her und der echten sage 
gemäsz eigenthümer der pferde, welche sie durch diesen tausch 
erst empfangen sollen, wie wir eben gehört haben, bekam 
Vidga den Skemming von seinem vater und gleichfalls durch 
die Vilkina saga (c. 38. 169) wissen wir, auf welche weise und 



83 197 

• 

von wem Thidrek den Falke erbielt, den bruder des Skemming 195 
und ihm an werthe gleich, allein auch in dem gedichte von 
den Drachenkämpfen (56*) reitet Dieterich den Scheming. wie 
gelangt er dazu? einen irrthum dürfen wir bei der Überein- 
stimmung dreier verschiedener gedichte in diesem umstand nicht 
wohl annehmen, das räthsel löst allein der Rosengarten D durch 
eine anspielung auf ein unbekanntes gedieht. Dieterich besitzt 
allerdings Scheming, aber nur, weil Wittich das pferd in einem 
kämpfe gegen Amilolt verloren hatte, jetzt im Rosengarten, 
seine Streitlust anzuregen, verspricht der könig ihm das pferd 
zurückzugeben; aber an einen tausch wird nicht gedacht und 
nur A, B und c, indem sie ganz unpassend den Falke hinein- 
mischen, nehmen ihn an. Dietrichs worte in dem Rosengar- 196 
ten D nach cod. Pal. (denn c. Arg. ist hier lückenhaft) sind 
diese (33): 

Schemig daz guot ros wil ich dir wider Idn^ 

daz du brceht von dem berge von dem vater dtn, 

erslest du den risen, ez (sol) din eigen sin. 

ez wart mir in dem garten (ze Garten?)^ dS du atrite 

mit Amilolt. 
ich wil ez dir wider läzen^ verdienestu den solt. 

Nun liesze sich auch die angäbe in der Flucht rechtferti- 
gen, als ob sie, freilich immer im Widerspruch mit dem Rosen- 
garten, die rückgabe Schemings bei einer andern veranlassung 
behaupte, die Bemerkung jener stelle, Wittich habe das pferd 
von seinem vater mitgebracht, zeigt die Übereinstimmung des 
verlorenen gedichtes mit der Vilkina saga; und die weitere 
nachricht: von dem berge^ erklärt sich durch eine äuszerung im 
anhange des heldenbuchs über Wittichs vater: 'Wielant — war 
auch ein schmid in dem berg zu gloggensachsen^ womit wohl 
der Koukesas gemeint ist. im Alphart reitet Wittich den 
^Schimming' (235). 

b) Witigouwe, wird nur einmal (8633) genannt^', ohne 
zweifei gehört hierher aus dem anhange des heldenbuchs: 'Wyt- 
tich ein held. Wittich Owe syn bruder. Wielant was d' zweyer 
Wittich vatter'. 

c) Witigtaen gleichfalls nur einmal (8635) neben Heime 
erwähnt, mehrmals in der Rabenschlacht, meist in derselben 
gemeinschaft (732. 837. 838). ursprünglich wohl Witigis. 

d) Ribestein scheint der im Biterolf (oben s. 144) genannte 
Rabeatein. er wird mit Sibich (von dem die ungetriuwen raBte 

^' dieser name bei Jomandes Vuidigoia (oben s. 1), althochd. Witigawo, 
Witngowo (tr. fuld. 1, 68. 148; vgl. gr. 2, 494), kommt überhaupt selten vor, 
[ZE. 3. 14.] 



19$ »3 

196 in die weit sint komen 9716) zusammen genannt und zeichnet 
sieb, wie dieser, durch treulose rathschläge aus (2565. 6835. 
9615). ihm wird schuld an dem mord der Harlunge beige- 
messen (s. oben s. 186). 

e) Wate, oben s. 55. 

f) Madelger. oben s. 146. 

197 g) Marolt von Arie und sin bruoder Karle (8622), sonst 
nirgends; aber dem dichter fallt dabei eine andere sage ein, 
denn er fügt hinzu: 

den guoten Karle mein ich niht, 
von dem man sagt vü manic geachiht. 

h) Ermenrich erhält einen redlichen rath: 

7193. der Ermenrichen gab den rät, 

des namen man mir gesaget hat, 

daz was qiht Sibeche, 

dirre der hiez Gibeche 

und was ein recke üz erkorn, 

von Galaber was er geborn. 

i) Folgende namen stelle ich zusammen, weil sie nur hier 
und fast .alle nur ein oder zweimal vorkommen; ihr Ursprung 
aus der echten saoje ist freilich sehr bedenklich. 

Bitrunc von Engellant (9405. 9486) wird getödtet (9533) 

— Reinher von Partse (9535) erschlägt acht beiden Dieterichs, 
und wird von Wolf hart getödtet (9664). — Diezolt von Tene- 
marke (8608). — Hüzolt von Norwcege (8609), wenn nicht Eu- 
zolt von Gruonlanden in der Rabenschlacht (709) derselbe ist, 
denn Grünland hiesz eine Norwegische landschaft (Parz. 48, 
29. 87, 20. Wh. 848, 25); die Rabenschlacht kennt aber auch 
(718) einen ^Pauzolf von Norwcege und der könnte ebenfalls 
gemeint sein. — Dietpolt von Gruonlant (8610. 9259). — Frir 
dune von Zeringen (8611). — Madelolt (9>&H). — Sturinger von 
Mant (8674. 9274; einmal, 8613, wahrscheinlich durch einen 
Schreibfehler, steht Engellant). — Sigemdr von Brdbant (8614). 

— Tusunt von Normandie mit drei brüdern (8615). — Mar- 
hunc von Hessen (8617). — Ladmer von den bergen (8619. 9217). 

— Rdmunc von Islande (8621). — Strtther von Tuskdn (6467. 
6505). — Marholt von Gurnewale (8928). — Tiwalt von West- 
vdle (8630). — Meizunc [Morunc] von 'Ditmars' (8631). 

12) Etzels helden. 

a) Von den drei sonst verbündeten, Irnfrit, Häwart und 
Inno (oben s. 115. 116), erscheint blosz der letztere (5126. 
5892. 7335. 8567. 9841). 

b) Bei Rüedeger bemerke ich nur, dasz er den Dieterich 
198 auf seiner flucht als einen alten freund und bekannten empfangt 

(4711), Gotelind und Bechelaren aber niemals genannt werden. 



88 rl99 

c) Nuodunc komxnt vor (5135. 5899. 8566. 9839), aber 198 
keine spur, dasz er ein söhn oder verwandter Rüdigers sei 
(oben s. 100. 101). 

d) Blcedelin (5217. 5893. 7335. 8567. 9441) niemals als 
bruder Etzels angeführt, ich merke hier an^ dasz die Vilkina 
saga (c. 349. 359) auch nur einen herzog Bhdlin kennt und 
nichts von einer Verwandtschaft mit Attila sagt, dessen nur ein« 
mal im vorbeigehen (c. 63) erwähnter bruder Ortnit heiszt. 

e) Dietertch von Kriechen (5140. 5901), auch in der Raben- 
schlacht (53. 539. 563. 580. 713). in dem Rosengarten n, unte^ 
des Berners kämpfem; er heiszt da der scheine Dietertch von 
Kriechen, ich weisz nicht, ob auf die sage von dem schönen 
und häsziichen Dieterich, die schon in der kaiserchronik vor* 
kommt, dabei eine beziehung waltet. 

f) Hartnit von Riuzen (5890), im Rosengarten auf Diete- 
richs Seite; in c (bl. 22) Hertnit von Riuzen, in d aber sowohl 
in c. Arg. als Pal. beständig Härtung, in der Vilkina saga 
zwar ein Hertnit könig von Kuszland, doch unter anderen Ver- 
hältnissen. 

g) Imidn von Antioch (5132. 5891. 8570), auch in der Ra- 
benschlacht (545. 721). ist ein kunic Imtdn, häufig erwähnt in 
Dieterichs Drachenkämpfen (166»>. 178. 213*. 23P. 264»>), wo 
er aber könig von Ungarn (165*) zu sein scheint, derselbe? 

h) Baltram (5136. 5865—68. 5925. 7337. 9838), zugleich 
in der Rabenschlacht (57. 325. 327. 579. 705). 

i) Erwtn von Ehen Troie (5128. 5376. 5894), auch in der 
Rabenschlacht (56). 

k) holt (5129. 5900. 8570), erhält von Etzel als botenlohn 
die mark von Rodenäch unz ze Budine (7280—7364). in der 
Rabenschlacht holt von grozen Ungern (49. 548. 578. 715) 
[Haupts zs. 10, 167] und: üz Hiuniacher marke (235). 

1) Norpreht von 'Pruwinge' (5137); in der Rabenschlacht 
K von ^Profinge^ (55, 546; wahrscheinlich ist auch 233 Nor- 
preht zu lesen statt Nuodunc und 737 statt 'HortprecM), 

m) Helfertch von Lütringe, nur einmal (5138); kommt auch 
nicht in der Rabenschlacht vor. ein ritter dieses namens in 
Ecken ausfahrt, aber ganz auszer Verhältnis mit Etzel. 

n) Helfertch von Lunders (5139. 5902. 9216) xmd Helferich m 
ohne Zusatz (7339. 8568). in der Rabenschlacht (Helfertch 
allein 51. 220. 225. 566 — 76. 589 — 94. 877. 992. 1037. 1044 
von Lunders 248. 541. 801. 896. 1059, und 535 verlangt der 
reim Lunder) ist er sehr thätig. 

o) Walther von Lenges (5884), in der Rabenschlacht Wal- 
ther der Lengescere (47. 712). [Haupts zs. 5, 4.] 

p) In diesem gedichte allein und nur einmal werden ge- 
nannt: Balther (5136), Wigolt (5141), Sturinger (5142, verschie- 



200 83 

199 den von Sturlnger von Islant unter Ermenrich), Huzoh von 
Prinzen (5889). 

13) Wie schon vorhin bemerkt, Otntt und Wolfdieterich 
werden hier unter die ahnherren Dieterichs von Bern gerech- 
net, und die sage von ihnen ist kurz angedeutet (2093 — 2366). 
als Otnit, könig von Rom, vierzig jähre alt ist, rathen ihm die 
landesherrn eine frau zu nehmen und empfehlen ihm Ldebgart, 
tochter des königs Godidn^ dessen land ^Galame* (Galänie?) 
jenseits des meeres liegt, die Werbung ist gefahrlich, denn der 
vater nimmt jedem freier das leben. Otnit fährt mit einem 
heer hinüber, verwüstet und verbrennt dao land, bis Godian 
seinen sinn beugend mit dem frieden die tochter ihm anbietet 
Otnit nimmt also die Liebgart mit sich heim, doch Godian 
bleibt im herzen unversöhnt und sendet durch einen wilden 
mann heimlich vier drachen in Otnits reich, die bei Garte in 
einen tiefen wald gethan werden, der dichter beruft sich auf 
die sage: 

2233. nü ist iu wol kunt getäuj 
wie Otnit der küene man 
nach dem wurm in den walt reit. 
daz hat man iu ouch geaeit, 
wie in der wurm släfende vant 
vor einer wilden steinwant, 
er truoc in hin in den berc; 
die würme sugen in durch daz werc. 

Die wittwe gelobt den zum manne zu nehmen, der sie an 
dem drachen rächt, um diese zeit kommt aus Griechenland in 
das römische reich Wolfdieterich, tödtet den drachen, wird 
könig von Rom und heiratet die Liebgart. 

2289. 80 üt daz genuogen wol bekant, 
mit wie manlicher haut 
er manige fere ervaht. 

200 Er lebt 503 jähre, von 56 kindem bleibt nur Hugdieterich 
übrig, der das römische reich erhält, er heiratet Sigemtnne 

: von fVankrtche. 

2353. daz ich iu solt nu wizzen lan 
daz ist iu e wol kunt getan: 
wie der here Hugdieterich 
die künigin von Francrich 
mit üzerwelter manheit 
in ir vater lande erstreit; 
waz arbeit er umb sie gewan, 
6 er siQ ze wibe nam. 



-—88 201 

Er lebt mit ihr filnfthalbhundert jähr und hat nur einen 200 
einzigen söhn, jenen Amelunc^ von welchem schon (s. 185) die 
rede war. 

So kurz diese andeutungen sind, so beziehen sie sich doch 
sichtbar auf eine von den bisher bekannten abweichende dar- 
stellung der sage. Godidn (in dem Gothaischen codex der 
Weltchronik, wo dieses stück aus unserm gedichte wörtlich auf- 
genommen ist, abgedruckt in den altd. wäldern 2, 121 — 127, 
steht Ortntt und Gordidn), könig in 'Galame' {Solan c. Goth.), 
heiszt hier der vater von Otnits frau, dagegen in den codd. 
Pal. und im cod. Francof 'Nachaol (Achehel b, Nachehol c) 
ze Muntahur\ dessen hauptstadt, 'zu Sunders (Suders d), in 
Surgen liegt, in dem alten druck steht 'Machahol zu Munte- 
bure' und 'Suders in Syrren \ bei Caspar (44): 'Zacherel zu 
Mantamür\ die erkämpfte königstochter erhält nach der taufe 
den namen Sidrdt (505, 2 Mone, 493 alter druck), dagegen der 
ihr hier beigelegte Ldebgart dort, auszer dasz ihn Wolfdiete- 
richs groszmutter fährt, fremd ist ; merkwürdigerweise gebraucht 
ihn Caspar von der Röhn, der sonst Otnits wittwe gar nicht 
nennt, einmal ganz zu ende; in der nacht nämlich, wo teufel 
den Wolfdieterich mit erscheinungen quälen, heiszt es (329), 
auch sein weib 'Liehgartcb sei gekommen und habe ihn ver- 
sucht, der vater der Sidrat sendet nicht vier^ sondern zwei 
drachen (538 Mone), oder nach Caspar zwei dracheneier (239. 
243), und auch nicht heimlich, vielmehr als eine köstliche gabe^ 
an Otnit ab. endlich ist auffallend, dasz hier durchaus nicht 
Alberichs erwähnung geschieht, durch dessen beistand Otnit 
die Sidrat gewinnt. 

Auch die erzählung von Otnits tod weicht ab. nicht an 
einer felsenwand, sondern unter einer betäubenden zauberlinde 
(Wolfd. cod. Fr. 98*) findet der drache den schlafenden kaiser, 201 
verschlingt ihn und trägt ihn fort, dagegen die worte: die 
würme sugen in durch daz werc finden sich gleichlautend dem 
groszen gedichte (c. Fr. 99*). auch dort tödtet Wolfdieterich 
späterhin den drachen, aber sein übernatürlich hohes alter und 
die grosze anzahl kinder, die bis auf eins wieder sterben, ge- 
hören unserm werke allein an. dort hat Wolfdieterich (214**) 
eine tochter, die gleichfalls Sidrdt genannt wird, und den söhn 
Hugdietertch, was aber hier von des letzgenannten abenteuern 
und kämpfen um Sigeminne von Frankrtche folgt, davon wissen 
die anderen gedichte nichts, und klärt sich vielleicht bei näherer 
bekanntschaft mit der Wiener handschrift auf. 

14) Beziehung auf Siegfried und seinen mord, 

2040. Sigehers kint, 

diu hiez diu schoene Sigelint^ 
die nam sit der künic Sigemunt; 



202 88 

201 (daz ist uns allen wol kunt) 

der fiiort sie gen Niderlande, 
Sigemunden man wol erkande, 
der gewan bi Sigelinden sint 
ein lobsamez kint, 

Stfriden den höchgemuoten, 
den starken und den guoten, 
an dem sit grozer mort geschacb, 
den Hagen von Tronge stach 
ob einem brunnen morüich. 
vil sere riuwet er mich. 

15) Günther von Rine und Gernot sein bruder kämpfen auf 
Ermenrichs seite (8627. 9737): do reit der künic Günther zuo, 
dem volgten zweinzic tüsent man (9084); vast zugen dort her 
die starken 'Burgonis man' (9091). abermals heiszen sie 'die 
Burgonie'* (9119), aber niemals Nibelunge (vgl. oben s. 13). 
Giselher erscheint wohl nicht wegen seiner vorausgesetzten kind- 
heit. von allen Burgundischen mannen wird keiner genannt, 
als einmal 'von Alzan her Volker' (9209); er kämpft mit Wolf- 
hart; dabei berufung auf die sage: 

nü habt ir e wol vernomen^ 
si wären küene beide. 

Aber was sehr aufiallt und die ganze anordnung der sage 
in diesem gedichte verdächtig macht: die übrigen helden der 
rheinischen könige kommen allerdings vor, jedoch auf der ent- 

202 gegengesetzten seite für Dieterich kämpfend, ohne dasz im 
geringsten ihres Verhältnisses zu Günther gedacht oder diese 
unnatürliche trennung erklärt wäre, erscheinen sie unter den 
andern helden des Bemers, als hätten sie immer dazu gehört, 
also Hagene und Dancwart neben einander (8575); die voran- 
gegangene erwähnung des Hagene von Troneje als Siegfrieds 
mörder steht ganz abgesondert, und musz auch, da, wie oben 
(s. 185) angemerkt ist, nach der genealogie dieses gedichtes 
Siegfried und Dieterich nicht Zeitgenossen sein können, sodann: 
Ortwtn von Hetzen (3009), Sindolt (3002. 3624. 3725), HunoU 
(3001. 3270. 4424. 5280. 8571. 9843). Gere (8290) ausdrück- 
lich marcgräve genannt, (unter den mannen der ahnherrn kommt 
noch ein anderer Hünolt, 530, und Sindolt 1965, vor), und 
um die Verwirrung vollständig zu machen, so wird wiederum 
Rümolt als zur partei Ermenrichs gehörig angeführt, aber mitten 

»unter dessen kämpfern (8607), nicht, wo er hingehört, unter 
Günthers Burgunden. — marcgräve Eckewart, den ja auch 
Biterolf nicht kennt, ist allein übergangen. 

16) Ldudger und Liudegast, in der Nibelunge noth feinde, 
im Biterolf bundesgenossen der rheinischen könige (oben s. 135), 



84 203 

sind hier (5881. 8603), mit vollkommenem widersprach, erst 203 
beiden Etzels hernach Ermenrichs. erklärt sich das aus ver- 
schiedenen bestandtheilen des werks, wovon bei Dietleib bereits 
die rede war, oder ist es nachlässigkeit des Überarbeiters? in 
der Rabenschlacht dagegen (731. 735) stehen sie auf Ermen- 
richs Seite. 

17) Waliher von Kerlingen ^ bei Ermenrich (oben s. 96). 
in der Rabenschlacht ist er uiibekannt, 



84. 

' HEfNRiCH VON München, setzte im anfange des 14ten Jahr- 
hunderts Eudolfs weltchronik fort, (die hierher gehörige stelle 
aus dem cod. Dresd. verglichen mit dem cod. Gothan. in den 
altd. Wäldern 2, 115—133). 

1) Eingetragen ist die geschichte von Dieterichs ahnen, 
nur sehr viel kürzer als in dem gedichte von der Flucht; der 
inhalt stimmt im ganzen, der ausdruck oft wörtlich überein. 
Heinrich beruft sich auf ein buch (138. 144. 168. 232. 235. 
312), dasz er jenes gedieht meine, könnte man umsomehr ver- 
muten, als in dem cod. Goth. das stück, was Otnit betriflPt, 203 
ohne frage wörtlich daraus entlehnt ist; aber ich glaube den- 
noch, er meint ein anderes, etwa die quelle jenes gedichts, weil, 
wie sich zeigen wird, er ungeachtet der auszugsmäszigen, vieles 
ganz übergehenden darstellung, doch einiges genauer und rich- 
tiger hat, ja dies ist gerade auch in jener erzählung von Otnit 
nach dem cod. Dresd. der fall, wo der cod. Goth. abweicht 
und das ausführlichere gedieht abschreibt. [DHB. 2, XLVi ff.] 

2) Die angaben von dem übernatürlichen alter fler ahn- 
herren Dieterichs fallen weg, wie die grosze anzahl von kindern. 
nicht von königen in Rom ist die rede, Dietwarts land heiszt 
Meran (70) d. i. Dalmatien (vgl. oben s. 53). frau Minne ist 
tochter des königs 'Ladinorea aus Westerland (93). Sigeher 
sein söhn: 

123. er twanc bi siner zit 

Lamparten under sich vil wtt. 

Auf diese weise kommt der Schauplatz doch wieder nach 
Italien, auch Ortnit herscht nun in Lamparten (193. 218) in 
Übereinstimmung mit dem gedichte des heldenbuchs^*). in der 

^^ die Eaiserchronik in einer wunderlichen mischung von sage und ge> * 
schichte (altd. wälder 3, 278 — 83), die ich hier übergehe, weil kein gedieht 
etwas entsprechendes darbietet, zeigt bei gänzlicher abweichung des Inhalts, doch 
dieselben geographischen Verhältnisse, denn auch Dieterichs von Bern ahnherr, 
der alt Dieterich, ist ein vürst ze Merän und flieht, von Ktzel seines lande^i 
•beraubt, nach Lamparten. 



204 «4 

203 Flucht wird bei der geschichte der ahnen Lamparten gar nicht 
genannt. 

3) Ortnit will die drachen tödten: 

200. do wart er von ir eim getragen, 
der in släfent ligen vant, 
in ein hol und in ein steines want^ 
den jungen würm ze spise. 



Dies widerstrebt nicht dem gedieht von Wolfdieterich, wor- j 

nach der kaiser unter einer zauberlinde eingeschlafen war, aber ( 

der Verfasser von Dieterichs flucht hat durch eine geringe um- j 

Stellung der worte (oben s. 199) den sinn verändert. I 

236. do Wolfdieterich der küene man j 

wart alt zwei und sehszic jär, j 

do lac er tot ze Bar j 

in der atat und in dem lant I 

• daz noch PüUe ist genant i 

204 Im Widerspruch mit dem gedichte von ihm, wonach (216') 

der lebenssatte held in das kloster von 'TischgaF (Tustkal alt. 
dr.) geht und darin stirbt, ich erinnere daran, dasz Bari in 
Apulien auch Ruthers sitz war (oben s. 51). 

4) Ermenrichy hier 'Erntreich', heiszt der ungetriuweat, der 
ie von muoter wart geborn (285). die stelle über seinen söhn 
lautet: 

295. ez gewan der künic Emtrich 
einen sun, hiez Fndertch 
den er sit versant 
hin in ein wildez lant 
daran man sin untriuwe sach. 

5) Über die Harlunge: 

305. ouch gewan Diether der riebe 
drt süne vil herliche, 
die wären hübsch und wol getan, 
die jungen Harlunge was ir nam. 
die selben Emtrich vie, 
an einen galgen er si hie 
ze Raven in der staty 
als ez an atnem buoche stät 
* von dem ungetriuwen man. 

Das gedieht von der Flucht sagt nicht, dasz zu Raben die 
Harlunge seien aufgehängt worden, und doch beruft sich der 
Verfasser gerade hier auf das buch. 



84 205 

6) Nichts davon, dasz Dietmars frau des könig Desen ao4 
tochter gewesen, doch von ihm etwas näheres: 

324. Dietmar büwet ze Berne 

daz wunderhüs, da was er gerne 
unz an sin endes zil. 

Ohne zweifei Theodorici dornte ^ von dem schon die sage 
des 12ten Jahrhunderts spricht (oben s. 40), nur dasz hier Diet- 
mar es gebaut haben soll. 

7) Dieterich aus seinem reich vertrieben: ' 

331. Der ungetriuwe Erntrich 

der vertreip sin vetern Dietrich 
sit von Berne üz dem lant. 
Dietrich von Berne kam zehant 
zuo Etzel dem künige rieh, 
dem dient er sit vil vlizeclich 
unde was bi im vil jär. 

8) Eine beziehung auf die Nibelunge noth. 305 

366. nach der zit wurden erslagen 
die Hiunen mit grözer not. 
ditz geschach durch Sifriden t6t 
den Hagen erslagen het 
(als von im geschrieen stet) 
ze Wurmz an dem Ein. 
Chreimhilt was ein magedin, 
diu sit nach der vart 
künic Etzel ze wibe wart, 
dö im frou Helch erstarp. 
Chreimhilt al da gewarp, 
daz beidiu recken und zagen 
ze Oven wurden erslagen. 
sie selb ouch den tot nam 
von Hilprant des Berners man, 
der bi dem strite was. 

Der cod. Goth. mit andern werten und ausführlicher: 

künic Etzel mit siner hant 

Francrich daz lant 

und diu diutschen lant betwanc. 

nach dem selben sider niht lanc 

starp im Helch sin wip. 

dö nam er sinem lip 

ein wip üz Burgunderlant; 

Chreimhilt was diu genant. 

der het Sifrit der degen 



206 84 

205 vor zuo wfb gepflegen, 

den Hagen ob einem brun erstach, 
daz Chreimhilt ser sider räch, 
wan do si het die böchzit 
mit Etzel dem künic rieh, 
dö luod si dk bi 
ir brüeder alle drt, 
Günther, Giselher und Gernot, 
und Hagen, die alle den tot 
namen und manec küener man. 
ze Ofen wart daz mort getan, 
daz klagten sit arm und rieh, 
vil manic helt zierlich 
muost da sin leben Verliesen. 
Chreimhilt begund ouch kiesen 
darumb die selben not: 

206 Hilprant der alt sluoc si ze tot, 

der ouch bi dem strite was. 

Auflallend, dasz Dieterich bei dieser erzählung nicht ge- 
nannt wird, obgleich Hildebrand erscheint, man sollte meinen, 
der chronologische Widerspruch habe den Heinrich von Mün- 
chen dazu bewogen, denn er trägt hierauf die gewöhnliche ge- 
schichte von Theodorich vor und knüpft sie durch folgende 
noch hierher gehörige äuszerung an: 

416. wan dö künic Etzel tot gelag 
und daz ze Ungern al sin mag 
in dem aal wurden erslagen, 
dö kom Dietrich in den tagen 
gen Constantinopel dö 
zuo dem keiser Zenö 
und was bi im al da. 

Allein aus der dichtung ist doch, wie wir vorhin gesehen 
haben, Dieterichs aufenthalt bei Etzel angenommen, den namen 
Nibelunge scheint Heinrich von München nicht zu kennen. 

8) Dieterichs tod wird übereinstimmend mit der Kaiserchro- 
nik erzählt (oben s. 38). 

9) Allgemeine hindeutung auf die sagen von Dieterich: 

456. nu hän ich iu gesagt gar, 
wie ez Dieterichen ergie, 
daz habt ir vernomen hie, 
den man von Bern nant. 
von dem selben wtgant 
wirt manic gehgenez mcer geseit^ 
des mich vil oft hat betreit 



85 207 

von im manigiu zil. 206 

swer ditz von im lesen wil, 

der les 'historia katholicum\ 

da vint er an ein drum 

die wärheit von im geschriben, 

als si bis her ist beliben. 

Statt Katolicum ist zu lesen Gothorum, und Jornandes 
wird gemeint, dies zeigt eine stelle aus einer bis zum jähr 
1452 reichenden chronik (cod. Pal. 525 f. 38*): 'Dicz was diete- 
rich von pern dietmairs sun von des geslächte die amelunge 
chomen. wer nü von seinem leben und von seinem geslächt207 
und von seinem vrluige wissen welle, der lese hiatoriam gotho- 
mm, es wird doch von ihm manig gelogen mär gesaitJ^^ 

10) Etzels vater heiszt ' Vallerades* (53) ; in der eben ange- 
führten chronik des cod. Pal. 525 steht (35*) ^sallade8\ ent- 
stellung von Valeravans in der gothischen geschlechtstafel bei 
Jemandes ? 



85. 

Rabenschlacht, (zu Athis s. 62, c 74.) 

1) Häufige berufung auf eine ältere, schriftlich vorhandene 
darstellung: als wir daz btioch hoeren sagen (112. 154), als mir 
daz buoch ist kunt (196. 677), wie uns daz buoch las (447), 
uns welle dan daz buoch liegen (782), als uns daz buoch verjach 
(801). der dichter hat vorlesen hören: ich gehört bi minen 
ziten an buochen nie gelesen (779), aber auch selbst lesen kön- 
nen: an den buochen ich nie gela^ (79)- 

2) Er gedenkt zugleich mündlicher Überlieferung: 

98. ditz ist ein altez mcere^ 

ir habt ez oft hoeren sagen. 

101. an mmem alten mcere 
hebe ich wider an. 

Das älteste bis jetzt bekannte Zeugnis geht in die erste 
hälfte des dreizehnten Jahrhunderts zurück (oben s. 157), unser 
gedieht möchte etwa hundert jähre jünger sein. 

3) Das gedieht von der Flucht wird vorausgesetzt, es 
heiszt von Dieterich: 

'^ aus einer andern handschrift mitgetheilt von Docen im neuen Ht. anz. 
1807, 8. 660. 



208 86 

207 6. der künic von Römisch liche 

bestuont nur ein einigez jär, 

daz wizzet sicherliche, 

nach dirre herverte^ daz ist war, 

in Hiunischen landen. 

in rouwen atn mom^ die da wären bestanden, 

10, 4. dem was getrülichen leit 

umb den küenen Alpharten; 

er beweinet ouch dicke den starken Helmscharten. 

208 Beide sind in jenem gedichte gefallen und von Dieterich 
beklagt worden (oben s. 191. 192). 

4) Jedoch das gedieht von der Flucht, in der gestalt, in 
der wir es besitzen, kann nicht gemeint sein, hier kämpfen 
beiden, die dort schon getödtet sind : Bertram von Pole (er be- 
findet sich nach str. 114 in Dieterichs gefolge, dagegen nach 
str,. 205 kommt er ihm in Lamparten entgegen geritten, als 
wäre er noch nicht bei ihm), Rienolt von Meildn und JEckehart 
sogar Stfrit von Niderlanden^ dessen mord durch Hagen als ein 
längst geschehenes ereignis dort erwähnt ist, erscheint hier als 
mitstreiter. das sind offenbare Widersprüche, anderweitige ab- 
weichungen in darstellung der Verhältnisse werden hernach 
noch zur spräche kommen. 

5) Dieterich heiszt Dietmäres kint (52), könig von Römisch 
land oder reich (6. 956. 968. 1021; vgl. s. 190); die seinen empfan- 
gen ihn in Lamparten (204). Dieterichs Vermählung mit Herrat ist 
schon (oben s. 103) bemerkt, von Diether wird gesagt, er sei ein 
wenig älter^ als die beiden söhne der Helche (298. 299 ; vgl. oben 
s. 127); er heiszt der junge künec von Berne (1079); vgl. s. 190. 

Warum des Berners ross Falke (oben s. 195) erst hier 
und nicht in der Flucht genannt wird, erklärt sich freilich aus 
der erzählung von dem erwerbe desselben. Starker^ Ermen- 
richs mann, den Dieterich im kämpfe tödtet, war im besitze 
(626). 

634. Ditz edel kasteldn 

gewan her Dietertch^ 

als ich vür war vernomen hän, 

alrest des tages sicherlich 

Er besteigt es nachher, um Wittich zu verfolgen (915. 
961). — so spät jedoch gelangt in der Vilkina saga Thidrek 
nicht zu seinem berühmten pferd. schon im Zweikampfe mit 
Vidga (c. 28) und hernach (c, 41. 43) hat es ihm dienste ge- 
leistet, zwar scheint damit in Widerspruch zu stehen, dasz erst 
lange hernach (c. 169) Heime den Falke aus seiner heimat 
holt und dem könige schenkt, aber die altschwedische Vilkina 
saga überliefert hier das richtige : Heime gab es ihm gleich bei 



85 209 

ihrem ersten zusammentreffen (c, 18). noch verdächtiger wird 208 
die erzählung unseres gedichtes dadurch, dasz jener Starker 
sonst nirgends vorkommt; in der Flucht gehört sogar ein held 
dieses namens zu Dieterichs partei und fallt im kämpfe (oben 
s. 193). Falke ist auch im (Ecke 152. 218 Lassb. und im) 
Siegenot (58 alt. dr.) des Berners ross, dagegen wird es dem 
Wolfdieterich in Caspars gedieht (158) zugeschrieben. 

Ein seidenes hemd, das Dieterich unter der rüstung trägt 209 
und an dem sich des feindes speereisen umbiegt, weil vier 
heiligthümer (reliquien) darin befestigt sind, kennt blosz unser 
gedieht, aber schwerlich aus der altern sage; oder es ist eine 
nachahmung von Wolfdieterichs St. Jörgenhemd. 

6) Von Dieterichs helden finden wir nur Hildebrant und 
Wolfhart^ selbst den in der Flucht noch bekannten SigehSr 
nicht, dagegen die meisten, doch nicht alle, der in jenem ge- 
dieht genannten kämpfer, erscheinen auch hier wieder, wie das 
dort angestellte Verzeichnis darthut. umgekehrt stoszen wir 
nur auf ein paar dort fremde namen: Alpher ^ ein böte, den 
Friedrich (von Raben) an den Berner sendet (265 — 267); Rein- 
her von Meildn^ der ihm bei seiner ankunft in Lamparten ent- 
gegenreitet (205. 206); endlich Alebrant (736), von dem wir 
blosz den namen erfahren, von zwei andern ist etwas eigen- 
thümliches anzumerken: 

a) Der aus der Flucht (oben s. 192) schon bekannte Ihän 
heiszt hier der alte (283. 1119) und hat bedeutenden antheil 
an den begebenheiten. ihm werden die kinder der Helche und 
Diether anvertraut (114. 281—297. 304. 340—362. 869—873) 
und da er an ihrem tod insoweit schuld ist, als er ihnen fort- 
zureiten gestattete, so haut ihm der zornige Berner das haupt 
ab (1120). — Ilsan besitzt hier ein ross Blanke (362), in der 
Vilkina saga wird das auch genannt (c. 382), aber es gehört 
dem könige Thidrek, der es von Alibrand geschenkt erhalten; 
oder nach Rafn (c. 393) jagt ihm darauf ein diener bei seinem 
letzten ritte nach. 

b) Eckehart (oben s. 144). genannt werden hier die Har- 
lunge zwar nicht, aber es fehlt doch nicht an einer deutlichen 
beziehung auf ihren mord. Eckehard spricht zu dem gefan- 
genen Sibich: 

864, 3. — nü muostu hangen. 

nü wol mir dirre reisevart. 

nü 8int gerochen mtne herren, 

nü kan mir nimmer mer leides gewerren. 

7) Ermenrichs helden. 

a) Als Wittich^ verfolgt von dem könige Dieterich, sich 
nicht mehr retten kann, erscheint ein merminne^ diu was Witi-- 

WiLH. GbIMM, DKUT8CHB HBLDBKSAOB. 14 



210 85 

^9 gen an^ und birgt ihn in meeres grond; sie heiszt frou Wdchät 
(964 — 974). die Vilkina saga bei Peringskjöld und Rafii, ob- 
gleich sie erzählt, Vidga sei vor dem feuerathmenden Thidrek 

210 in die see gesprengt und darin versunken (c. 313), weisz doch 
nichts von jener wunderbaren rettung. dagegen die altschwe- 
dische spricht davon: als Widecke auf der flucht vor Didrik 
in die see gesprungen und untergegangen war, 'tho kern til 
honom en kafru, hans fadher fadher modher ok togh honom ok 
forde honom tu Sälandh ok war ther longa stundh.' dort er- 
eilte ihn noch Dfdreks räche. 

Durch diese Zeugnisse wird zugleich eine andere begeben- 
heit und die herkunft Wittichs bestätigt, die wir nur noch aus 
der Vilkina saga (c. 18) kennen, der könig Vilkinus [ZE. 23, 3] 
erzeugte mit einer meerfrau den riesen Vade, den vater Velints, 
der Vidgas vater ist, so dasz in obiger stelle das verwandt- 
schaftsverhältnis richtig und genau angegeben ist. die meer- 
frau, deren wahrscheinlich alten namen Wdchilt das deutsche 
gedieht allein erhalten hat, war die mutter von Wittichs grosz- 
vater. 

b) Rienolt von Meüdn^ in der Flucht getödtet, lebt hier 
noch und ist Wittichs schwestersohu (oben s. 145). bei Diete- 
richs ankunft ertheilt er vor Padua dem Helferich schnöde ant- 
wort (222). hernach erscheint er erst wieder neben Wittich, 
als dieser vor Dieterich flieht, er selbst erwartet den könig 
und wird von ihm niedergehauen, sein Zusammensein mit Wit- 
tich ist auf einmal ohne irgend eine erklärung angenommen 
und auch früher nicht ein wort gesagt, dasz er bei dem kämpfe 
mit den jungen königen zugegen gewesen, späterhin erz^t 
Büdiger dem Etzel: 

1123. Witige und Rienolt 

wären üf die wart geriten, 
gein in kömen diu kint^ 
diu Sit leider mit in striten. 
owe! da nämen sie daz ende 
alliu drin von dn eines hende. 

In dem gedichte selbst, wie gesagt, steht das nicht, Wit- 
tich allein begegnet den knaben (376); aber es müste darin 
stehen, dann wäre Kienolds plötzliches erscheinen an Wittichs 
Seite erklärt und wir würden einsehen, warum Dieterich, nach- 
dem er Kienold getödtet hat, ausruft: ja h&n ich gerochen ein 
wenic miner swasre (956), welches voraussetzt, dasz Rienold 
einigen antheil an dem mord gehabt, von Wittichs band allein 
sind jedoch die jungen beiden gefallen, das sagt auch jene 
stelle, diese lücke in der erzählung erklärt sich nur durch 
unvollständige auffassung der sage, wem sie nun zur last fallt, 
unserm Überarbeiter, oder seiner quell«. 



85 211 

c) In einer groszen anzaM neuer namen, die hier Ermen-211 
nchs Streitern beigelegt werden, kann ich nur einen einzigen, 
auch anderwärts vorkommenden auszeichnen: Fruot von Tene- 
lanty Tenemarken (478. 684—686. 786—796); er hat einen gol- 
denen löwen in der fahne. wir werden ihn im Rosengarten d, 
doch auf der seite Dieterichs und in besonderen beziehungen 
zu Günther von Worms finden. 

d) Die lediglich hier und fast alle nur einmal vorkommen- 
den namen stelle ich wieder zusammen. Sigebant von ^Jerlant 
(248) zu unterscheiden von einem Sigebant bei Dieterich (oben 
8. 192). — Herman künic von Normandie (482). — WcUkei* von 
'Marssey' (486. 487). — ^von Westenlande Enenunt (491). ein 
an sich merkwürdiger und ohne zweifei sehr alter name, der schon 
in dem angelsächsischen liede vom Wanderer (Conyb. p. 15) vor- 
kommt; vgl. Rechtsalterth. 270 [Haupts zs. 11.286]. — marcman von 
Westodle^ sein zeich^ ein schwarzer strausz auf weiszem schild 
(491. 492). — 'Sturtnger' von Hessen (494. 832). — Norunc von 
EngeUande^ in seiner fahne ein silberner panther auf schwarzem 
felde (496. 497). — herzöge StrttgSr von Gruonlande (498). — 
Baldunc von Partse (707). — 'Wiker (708). — SturmhoU von 
SwangSu (710. 711). — Bitrunc von Morlande. (714). — Gerolt 
von Sahsen (715). — *Sigeher von Zeringen (716). — marcgräve 
Baltker von Etzelingen (719). — 'Tywan von Gurdenwale' (720). 
Rentivin von Elsentroie (724). — Frideger von Selande (726). — 
Sigemär von EngeUande (727. 728). — Turolt von Brunswtc 
(729). — landgraf 'Markeiz von Duringen' (730. 731). — Uol- 
rieh von ^ Tegelingen' (736), vielleicht Tengelingen (oben s. 53). 
— Wemher von Wernhersmarke (848. 850. 861). — ^Morolt von 
Eierlande' (806). — Gerbart (739). — Morunc (738. 802), wird 
getödtet (806); hierauf erscheint noch ein Morunc von Tuskän 
(1008). 

8) J^zeU helden. 

a) Irinc^ hier allein (54. 542. 709), aber ihm ist ein sonst 
völlig unbekannter bruder Erwin gegeben (543). 

b) RHedegSr heiszt einigemal von Becfielceren (233. 719), 
doch Gotelind wird nicht erwähnt. 

c) NuodunCy der junge degen (41); ebenfalls nichts von 
einer Verwandtschaft mit Rüdiger, höchstens könnte darauf hin- 
deuten, dasz er da, wo Etzels helden dem Dieterich hülfe zu- 
sagen, unmittelbar nach ihm genannt wird, aber viel auffallen- 212 
der ist ein anderer umstand, bekanntlich tödtete Wittich den 
Nudung (oben s. 100. 101) und dies ereignis muste nothwen- 
dig in diesem gedichte, welches bis zu Wittichs ende geht, vor- 
kommen und ganz passend berichtet es auch die Vilkina saga 
(309) vor dem kämpfe Vidgas mit der Erka söhnen, aber in 
unserer Rabenschlacht ist es völlig vergessen, zum beweis, wie 
lückenhaft die Überlieferung darin geworden ist. überhaupt 

14* 



212 85 

212 unbedeutend , tritt Nudung hier nur im kämpfe mit Frut von 
Dänemark auf (685—702). 

d) Blcedeltn (45. 562. 580. 710). zwar auch hier nicht 
ausdrücklich Etzels bruder, aber, was doch wol dahin deutet, 
einmal könig (324) genannt; er selbst heiszt Etzels kinder die 
vil lieben herren sin. 

e) Folgende namen nur hier: Dietmar von Wienen (62). — 
Diepolt von Beiern (65). — Wolger von Grane (66. 724). — 
Tibalt von Sibenbürgen (67) und Berhtunc (73) sind als ver- 
wandte der Herrad schon oben (s. 104) angeführt. — Rtcholt 
von 'Ormeie^ (Ormanie? 69). — Berhtram von Salnicke (71. 716). 
— ^Weicher von ConatantinopeV (72). — Walther (551). — 
^ Marcholt von Sibenbürgen^ (739). — Ruodwin von Treisen- 
mure (725). 

9) Grunther von Rtne (811), von Wurmz (722), auf Ermen- 
richs Seite; seine fahne ist grün. Gernot (723). der name 
Nibelunge kommt so wenig, als in der Flucht vor, aber auch 
nicht Burgunden, auszer bei Rumolt ^von Burgonye lani (224). 
er ist hauptmann von Padua und auf dieselbe weise, wie in 
der Flucht, unter Ermenrichs mannen aufgestellt; durchaus 
nichts von seinem küchenmeisteramt bei Günther. Rüdiger 
kämpft mit ihm (237 — 245), und sehr befremdlich und bis jetzt 
unerklärbar sagt Helferich von Lunders: 

225. mir ist wol kunt sin eilen: 
ich und er warn gesellen. 

Auch Volker von Alzeije wird einmal (705) auf Ermenrichs 
Seite angeführt. 

Was die übrigen rheinischen beiden betrifft, so fehlen zwar 
Hagen und Dank wart, aber sonst werden genannt, und zwar 
ganz wie in der Flucht, in derselben ungeschickten trennung, 
auf Dieterichs seite: Ortwin von Hetzen (517. 730), Ämrfofe (578. 
732), Eünolt (114); nur kein Gere. 

10) Eine überraschende erscheinung ist Sifrit von Ntder- 
lande, die Flucht setzt seinen tod voraus, hier finden wir 

213 ihn als Ermenrichs beistand (495). wie unglücklich diese ein- 
ftgung ist, zeigt sich in allem, was von ihm gesagt wird, er 
kämpft mit Dieterich (646 — 654) und den werten nach sollte 
man meinen, dieser habe ihn getödtet, denn die erzählung schlieszt 
hier mit den werten : den heim durch bede wende stach er daz 
sper unz an daz ende. (vgl. Frauend. 46°- 49^). allein bald 
nachher beginnen sie abermals einen kämpf. Dieterich über- 
windet den Siegfried und dieser, um sein leben zu erhalten, 
reicht dem Berner sein schwert Balmung (682-— 684). nicht 
blosz ist dies dem geiste der echten sage von Siegfried unan- 



86 213 

gemessen, es widerspricht ihr auch geradezu, da in der Nibe-ais 
lunge noth (896, 1) Siegfried auf der jagd vor seinem morde 
Balmung fuhrt und hernach das schwert in Hagens hände 
kommt. seine fahne ist hier roth. von der homhaut wird 
nichts gesagt (vgl. s. 132). 

11) Endlich noch ein zeugnis von dem dasein unserer 
Nibelunge noth, wenigstens ihres einganges, denn dasz in 
einer nachahmung derselben ein paar Zeilen daraus wiederholt 
werden, hat schon Lachmann (urspr. gestalt 85. 86) gezeigt. 



86. 

Ecken ausfahrt, zwei darstellungen sind zu unterscheiden, 
die eine enthält der alte druck in 284 Strophen; ich bediene 
mich dafiir des Augsburger aus dem ftinfzehnten Jahrhundert, 
vorzugsweise aber eines bisher unbekannten, welcher zu Strasz- 
burg 1559 erschienen, die andere von 311 Strophen findet sich 
in dem heldenbuche des Caspar von der Röhn. ich kann mich 
auf den abdruck der letztern in der Hagen, und Büsching. 
Sammlung nicht beziehen, weil Strophen aus dem alten drucke 
eingerückt sind, da dies gleichwol nur so weit geschehen, als 
beide darstellungen zusammen stimmen, (denn in dem letzten 
theile weichen sie auch dem Inhalte nach ab, obgleich eine ge- 
wisse Verwandtschaft sichtbar bleibt), so lernt man den alten 
druck dort nicht kennen, selbst wenn man davon absehen 
wollte, dasz auch die gemeinsamen Strophen nicht selten den 
Worten nach sehr verschieden sind. 

1) Berufungen auf daz Itet (33 alter dr. fehlt bei Caspar 
V. d. R.) und auf die geschriebene quelle: wir finden hie ge- 
schriben stän (1 bei beiden; 63 alter dr. fehlt bei Caspar), zahl- 
reicher sind sie bei Caspar allein: als uns flir war diu lieder 
sagen (49), diu biioch (76), daz buoch (155). und auf die münd-3i4 
liehe sage: wir haben daz wol hcsren sagen (191. 291). bruch- 
stück einer älteren darstellung aus dem dreizehnten Jahrhun- 
dert in Docens Mise. (2, 194), und eine reinere dichtung in 
der Vilkina saga (c. 40 — 43). die Zeugnisse fangen schon bei 
Enenkel (oben s. 160) in der mitte des dreizehnten Jahrhun- 
derts an. 

2) Dietericha feueraihem (oben s. 105) ist nicht ausdrück- 
lich erwähnt, aber die Wirkung davon in der übernatürlichen 
kraft, die ihm sein zorn gibt. im kämpfe ruft er gott um 
hülfe an: 



214 86 

2U 101, 11 (Str. dr.). 'Da gewan er eines ISwen kraft 

Von herczenlichen zoren 
Da wart er sigenhaffi;.' 

204, 5 (Str. dr.) 'Wenn er in n6ten was behafffc 
So halff jm gott der gäte 
Vnd sandt im zweyer ISwen hrafft 
Helt jn in seiner nute.' 

Und sein gegner sagt: 

175, 7 (Str. dr.). 'Vnd wer da recht erzürnet dich 
Der sol dein nit erbeyten.' 

3) Dieterich todtet die Hilde und den Grtm. 

2 (Str. dr.). 'Drey beiden sassen in einem sal 
Sye redten von wunder one zal 
Die auszerwolten recke 
Das ein das was sich herr Fasolt 
Dem waren die schonen frawen hold 
Das ander sein brfider Ecke 
Der dritt der wild her Eberrot 
Sye redtend all geleiche 
Kein kuner were in der not 
Wann von Bern herr Dieteriche 
Der wer ein held in alle land 
Mit listen lebt kein weiser 
Dann der meyster Hiltebrand. 
3. Da sprach es sich herr Eberrot 
Nun schlug er lästerlich zu todt 
Hilden vnd auch den Greymen 
Vmb ein brinne die er jm nam 
Die tregt er lästerlichen an 
Sein lob sol nyemand riimen 
Vnd was auch mir darumb geschieht 
Ich h6r sein lob nit gerne 
Nun ist er doch so kune nicht 
215 Herr Dieterich von Beme 

Als jr habt von jm vernommen 
Wer sich der Greym erwachet 
Er wer von jm nit kommen.' 

Fasold erwiedert: 

5. 'la wer das auff den Bemer seytt 
Vnd das er Greymen vnd die meydt 
Schlaffend schlug der vil kune 
Der thet vnrecht manigfalt 



86 — - 215 

Vor Thirol ein schöner wald 210 

Darinn ein anger grüne 

Da spürt er ausz die selben meydt 

Des morgens in dem tcme 

Sye het jn nach in todt geleydt 

Die vngeföge frawe 

Von jren schlegen wachet Greym 

Herr Dieterich erschlug sye beyde 

Ynd fristet das leben sein.' 

Bei Caspar von der Röhn entspricht str. 5 und 8, doch 
die letztere ist theils abweichend, theils vollständiger: 

8, 5. 4n am/pprian do lait ein walt 
dor in ein anger cluge 
do spurt er ausz her greimen drot 
und dy magt in dem tauen 
do led er angst und grosse not 
wol von der starken frawen 
von peren der fürst lobesam 
er schlug sie pet zu tode 
sein heim sein prun er nam/ 

Folgende Strophe nur allein bei Caspar: v 

12, 4. Wnd so sprich ich zu diser zait 
das er her greymen vQd die mait 
der edel pemere 
als lesterlich nit slug sein haut 
sie truck hüprant gar sei^e 
do half er mayster hiUeprant 
der edel degen here 
vnd shig zu tot man vnd das weib 
auf einen grünen anger 
do er der nert den seynen leib.' 

Die begebenheit, auf die hier angespielt wird, erzählt die 
Yilkina saga (c. 16) doch nicht in völliger Übereinstimmung, 
in einer felsenhöhle, nicht in Tirol und nicht auf einem grünen 216 
platze, findet Thidrek den riesen Grim und dessen weib Hilde, 
nichts davon, dasz Grim schläft und erst von den schlagen er- 
wacht, die sein weib empföngt ; Thidrek kämpft gleich mit ihm, 
aber es wird allerdings gesagt, dasz Hildebrand nahe daran ist, 
von Hilde erdrückt zu werden un^ Thidrek ihm zu hülfe 
eilen musz. einen panzer nimmt Thidrek nicht, aber den heim 
Hildegrim, eigentlich auch das schwert Nagelring, das ihm 
Alfirik vorher schon bringt, das hier aber nicht erwähnt wird« 



216 86 

216 4) Alberich, 

Es wird ohne weitere einleitung der zwerg Albrian (Elbrian 
Augsb. dr. Albrianus Strassb. dr. 187) genannt und gesagt, 
Dieterich sei dem rathe des treuen mannes gefolgt, der zwerg 
erwähnt aber auch seines vaters^ der gleichfalls Albrian heiszt 
(188), ich zweifle nicht, dasz der bekannte Alberich darunter 
verstanden wird, der dem Dieterich, wie dem kaiser Otnit, 
beistand leistet, und der nur in dieser späteren, wahrscheinlich 
auszugsmäszigen bearbeitung nicht an der rechten stelle ist ein- 
geführt worden, bei Caspar von der Röhn fehlen zwar diese 
Strophen und der name kommt überhaupt nicht vor (oder ist 
das unverständliche 'ampprian^ für Tirol eine entstellung davon 
und auf das land übergetragen?), dagegen tritt hier ein zwerg 
auf, welcher den wunden Helferich durch eine wurzel heilt 
(65 — 67) und wahrscheinlich derselbe ist, der, während Diete- 
rich und Ecke kämpfen (142), auf einmal von einem bäume 
herab jenen ermuthigt und ihm gottes hülfe ankündigt, ihm 
auch hernach (184) guten rath gibt, indem sich beide darstel- 
lungen ergänzen, erhalten wir licht über den inhalt der altem 
und reinern, beiden gemeinschaftlichen quelle. 

5) Rabenschlacht. * 

Dieterich sagt zu seinem gegner, er kämpfe, als habe er 
zwei herzen im leib; jener antwortet: 

175, 3. (Str. dr.) 'Du sagst von zweyen hertzen mir 
Nun ist Dietmars hertz in dir 
Den man vor Rdb erschlüge 
Man sagt von herr Wittich das 
Do er deiner sterk wurd innen 
Wie so freudig all sein mannheyt was 
So müst er dir entrinnen 
Vor Raba an dem wilden see 
2^- Fürwar von keynem beiden 

Geschach jm nye so wee 

176. Herr Wittich was fraw Helden kint. 
Der Berner grosz zürnen begund 
Das er verlor die sinne 
Do dacht er an das werde weib 
Ein kraft kam jm in seinen leib 
Die wont mit zorn darinne.' 

Statt Dietmars, obgleich in dem Augsb. druck ebenso 
steht, ist zu lesen Diethevs, auch 176, 1 ist ganz enstellt; der 
Augsb. druck hat zwar richtig Heichen kint , aber noch das 
fehlerhafte was^ wofür ohne zweifei sluoc musz gesetzt werden. 
die erinnerung an den tod seines bruders und der Helche kin- 



86 ^ äi7 

der bringt den Dieterich in zom und dieser steigert seine 217 
kraft. — bei Caspar fehlt die ganze anspielung und gewis mit 
recht, denn sie setzt unser gedieht in viel zu späte zeit, ganz 
der Vilkina saga entgegen, die den kämpf mit Ecke unter 
Dieterichs erste abenteuer stellt. der alte druck fuhrt den 
fehler weiter, indem darnach bei seiner rückkehr der Bemer 
von frau Herrad empfangen wird (28 P*), wovon aber richtiger 
Caspar auch nichts weisz. 

6) Otnit und Wolfdieterich, 

Ecke wird von drei königinnen zum kämpfe gegen Diete- 
rich gerüstet, die schönste darunter Seburg {' zu Jochgrim* sye 
die krön aufftrug^) sagt zu ihm: 

16. (Str. dr.) 'Seid du dann in dem willen bist 

So gib ich dir in'diser frist 
Die aller beste Brinne 
Vnd die kein aug nye übersach 
Darinn ein grosser streit geschach 

Von eines künigs kinde 

Er was von Lamparten Otnit 

Der nam darinn sein ende 

Ein wurm fand jn in schlaffens zeit 

Vor einer steynes wende 

Er trug jn in ein holen berg 

Und legt jn für die jungen 
Die sugen durch das werck, 

17. Herr Eck die brinn ^st lobelich 
Vnd die erstreyt Wolff Dieterich 
So gar on alle schände 

Des lebens het er sich verwegen 

Zun Teütschen gsellen {gsoUet A. dr.) sich der degen 2I8 
Zu Bürgern {bürgen A. dr.) in dem land 
Er gab sich in die brüderschafft 
Vnd macht den bruder weyche {die brüder wei- 
chen A. dr.) 
Er buszt sein sund in einer nacht 
Der not mag nyemand gleyche 
Solt ichs zu recht vergolten han 
Ja alles mein künigreiche 
Muste mir zu pfände stan.' 



'• der Angsbiirger drnck 281, 1: *zÄ hand do gieng die fraw heraf, der 
Straszburger aber: Mie fraw herabe'; doch der reim drat zeigt, welche lesart 
die richtige ist. 

* vgl. s. 58. *die heimat der Eckensage' in Pfeiffers Germania 1, 120 ff.j 
ZE. 26, 2. 



218 86 

218 . Caspar hat diese beiden Strophen mit abweichendem text 
und noch zwei andere mehr: 

17. ^So du den jn dem willen pist 
so gib ich dir zu diser £rist 
die aller pesten prune 

die manes aug ye gesach 

dar jn eim kaysser lait geschach 

des höchsten adel kune 

der kaysser her dor jn entsliff 

vnd nam dor jn sein ende 

ein wurem jn jm schlof begreif 

pey eyner steynenn wende 

er trug jn jn den hollen perck 

vnd lait jn seinen jungen für 

die Zungen (1. sugen) zu tot durch das werk. 

18. Die selbe prune lobelich 
erstreit von krychen wolff diterich 
so gar on alle schände 

des leibes het er sich verwegn 

ein closters prüder sich der degn 

zu purgis jn dem lande 

die golden prun er do rein pracht 

das closter macht er reiche 

sein sunt pust er in eyner nacht 

der pus nie wardt geleiche 

er vber kam die pus so starck 

do loaset ich die prune 

zu mir vmb funftzig tausset marck, 

19. Ich sag dir ecke wie er facht 
mit grosser not die gantzen nacht 
do er sich munchen wolte 

do kam aus seines hertzen krafflb 

219 der apt vnd auch sein pruderschaffk 

jn nit entlossen solde 

er pust sein sunt do mit der degn 

er stunt auf eyner bare 

sie theten im manck starchn segen 

das sag ich euch für wäre 

al die er von kint auf erslug 

mit den so mtcst er vme gan 

dar nxich Ud er areibeit gnug. 

20. Die prun die ist von stahel plos 
die ring sein glid vinger gros 
gehert mit tracken plute 



86 219 

was ich dir sag vnd das ist war 219 

sie wart von siegen nye misvar 

st wu/rchen helde gute 

sie wart gewirckt von arabysz 

wol aus dem pesten golde 

dar an .so lait der peste pryss 

der sie vergelten solde.' 

Es wird angenommen, Otnit sei bei einer felsenwand ein- 
geschlafen und von dem drachen geraubt worden; das stimmt 
mit der angäbe des gedichtes von der Flucht (oben s. 199. 
200), nicht aber mit der groszen dichtung von Wolfdieterich, 
wonach der kaiser unter einer zauberlinde entschläft (cod. Fr. 
162* ^vnder einem bäum' anhang des heldenb.), aus welcher quelle 
jedoch die übrigen andeutungen der mitgetheilten stellen zu er- 
klären sind. Wolfdieterich hat Otnits gebein in der drachen- 
höhle gefunden und da ein geist aus dem todten zu ihm redet 
und es gestattet, so nimmt er dessen goldnen panzer und legt 
ihn an (c. Fr. 177). der held wird am ende seines lebens ein 
mönch, aber wir finden dort andere namen, er geht in ein 
kloster 'zu tischgaV (cod. Fr. 816") 'tustkaV (alter dr.) in den 
orden des heiligen Georg, er hängt die mönche mit zusam- 
mengeknüpften härten an eine stange auf, bis sie versprechen, 
die speise gerecht auszutheilen: sollten sich die worte ^er macht 
die brüeder wichen' (17, 8 dr.) darauf oder auf eine ähnliche 
zurecbtwdsung beziehen? oder soll gesagt werden, wie auch 
wol bei Caspar (19, 6) die meinung ist, er habe die anwesen- 
heit des abts und der brüder bei seiner busze und erlösung 
von den schrecken derselben nicht geduldet? das gedieht 
selbst enthält nichts darüber, die busze wird mit den andeu- 
tungen übereinstimmend erzählt : Wolfdieterich kämpft auf einer 
bahre sitzend die ganze nacht mit den geistern derer, welche 220 
er erschlagen hat. 

Wir müssen noch einmal zu Otnits panzer zurückkehren, 
nachdem der Bemer den Ecke getodtet hat, heiszt es (die 
stellen fehlen bei Caspar) von ihm: 

118, 6 (Str. dr.). 'Do blickt er an die Brinne 
Keyn schöner Brinn gesach ich nicht 
Von gold warend die ringe. 

124. Die Brinne nam er in die band 
Er sprach sye giltet wol ein land 
Ir hett ein Keyser ehre 
Ich meint sye trüg kunig Otnit 
Keyn besser was zu seiner zeit 
Er was ein keyser herre 



220 86 

220 Es mag vil wol die selbig sein 

Wo sye (sy ye A. dr.) ward gehalten.' 

Der panzer war derselbe, den Otnit vom zwerge Elberich 
empfangen hatte, und der weitläuftig in dem gedichte von Otnit 
(188—191 Mone, 181—186 alt. dr.) beschrieben wird. auf 
diese stelle bezieht sich atrophe 20 bei Caspar, der sogar einige 
ausdrücke von dorther beibehalten hat und darunter die rich- 
tige lesart von stahel bloz^ wonach 'stahel losz' (191, 1 M.) zu 
verbessern ist. die härtung mit drachenblut ist wol ein zusatz, 
wiewol wir im liede von Siegfried (70, 3) dasselbe an einem 
mit Otnits ausdrücklich verglichenen goldpanzer gerühmt finden, 
die zeile 'sie wurken beide gute' scheint verderbt, denn wir 
wissen aus Otnit (124 M.) bestimmt, dasz die goldenen ringe 
£lberichs arbeit waren; vermutlich sollte sie truogen da stehen. 
die nachricht, dasz die königin Seburg den panzer dem kloster, 
worin Wolfdieterich gestorben .war, för funfzigtausend mark ab- 
gekauft, finden wir nur bei Caspar (18, 12), sie steht aber 
auch in dessen Wolfdieterich und Sahen: 

331, 1, 'drey kunigin ton lochryme 
kauften sein prün guldin'. 

Otnit selbst schätzte ihn höher zu achtzigtausend mark 

^^21' 1)-. 

übrigens halte ich die einmischung von diesem panzer und 
die ganze beziehung auf Otnit und Wolfdieterich ftir einen 
spätem zusatz. in dem altern gedichte stand wol nicht mehr, 
als in der Vilkina saga (c. 40), wo Ecke sagt: min brynia er 
öll gulli buinn. dies mochte anlasz geben, Otnits berühmten 
331 golanen panzer darin zu erblicken, in dem deutschen gedichte 
zumal ist diese annähme unpassend, da Ecke wie ein gewalti- 
ger riese dargestellt wird und ihm doch das panzerhemd passte. 
der eine zusatz machte also einen andern nötig, denn nun 
wird ausdrücklich gesagt, dem Dieterich sei der panzer zu 
lang gewesen und er habe, um ihn anlegen zu können, ein 
stück davon abgeschlagen (223. 128 alt. dr. mit ganz andern 
Worten str. 184 bei Caspar), auszerdem wird noch (125 Str. 
dr., fehlt bei Caspar) behauptet: 

^künig Otnit grosser lenae fflag 
Im was gerecht sein Brmne.' 

7) Ecke, indem er den Dieterich aufsucht, findet einen 
todtwunden litter, der ihm erzählt: 

47, 3 (Str. dr.). 'Selb viert ich von dem Bhein her reyt 

Da schaff ich mir dise arbeyt 



86 - 221 

I 

Durch willen schöner weibe 22X 

Ich wolle preisz haben erjagt 

Des ich vil schier entgilte 

Mich widerstritt ein held gemeyd 

Der fürt in seinem schilte 

Ein low der was von golt so rot 

Der held bstund mich selb vierdte 

Die drey schlug er zu todt. 

48. Die drey hat er bey mir erschlagen 
Die kan ich nymmermeer verklagen 
Ich weert mich selb nit lange 
Er schuf das ich der vierdte bin 
Mein leben das gabt auch dahin 
Es ist vmb mich ergangen. 

56. Do fraget herr Eck jn zu band 

Wie sein euwer vier namen gnandt 
Das het ich gern empfunden 
Des antwort jm da der weygant 
Es wirt euch herr vil schier bekandt 
Von mir an disen stunden 
Ich hiesz von Lutring Helfferich 
Mein brüder Ludgast starke 
Vnd von Mentz Ortwein der reich 
Vnd auch Haug von Denmarcke 
Die drey hat er bey mir erschlagen 
Die kann ich bisz an mein ende 
Doch nimmer mer verklagen/ 

Dieterich sagt selbst: 

79, 6 (Str. dr.). 'Ich stand in grosser schwere 222 

Vier haben mich gar seer verwundt 
Ich mag dir nit gestreiten.' 

Bei Caspar entsprechen die dort auf einander folgenden 
Strophen 53. 54 und 55 jenen Strophen 47. 48. 56, nur zum 
theil im ausdruck, nicht in der Sache abweichend: doch die 
namen in 55, wo die beiden alten drucke übereinstimmen, 
lauten einigermaszen anders: 

55, 7. ich haysz von lone her kelffrich 
mein prüder do lent garta 
von meintz ein degn tuguntleich 
vnd hug von denmarck zarte.' 

Hierzu gehören zwei stellen aus dem anhange des helden- 
buchs, die nicht übereinkommen, wovon aber letztere die 



222 86 

222 richtigere scheint: ^das landt tzu Köln vnd Ach hiesz etwen 
grippigen land. In dem wonten vil helde. einer genandt luge- 
ffost (so) einer hug von mentz auch orimjn von bunn\ — 'ein 
held hyesz ludegaat der ist von dem berner erschlagen, httg 'con 
Mentz ward auch von dem bemer erschlagen, ortwijn ward 
auch von dem von bem erschlagen, helffrich von bunri. käme 
nicht auch in den Drachenkämpfen (s. unten) H. von Lune vor, 
so sollte man denken bei Caspar sei statt von hne zu lesen 
von Bonne und diese lesart richtiger, als die in dem alten 
druck durchgeführte von Lütringe^ da Helfrich selbst erzählt, 
er sei vom Rhein hergekommen, und in einer Strophe (63), die 
Caspar allein hat, von seinem rosse sagt: 'es hot mich manig 
reste getragen also kreftiglaich zvmchen koUen und speyen^, 
dann wäre auch jener in der Flucht (oben s. 198) genannte 
Helfertch von Lütringe ein anderer. — die werte 'do lent garta' 
(55, 8) sind völlig unverständlich, und es bleibt wohl dabei^ 
dasz Helferichs bruder Liudegast heiszt. ob mit dem gedickte 
Ortwtn von Menz und Hug von Tenemarke oder mit dem an- 
hange des heldenbuchs Hug von Meinz und Ortwtn zu lesen, 
ist, will ich nicht entscheiden, doch scheint jenes den Vorzug 
zu verdienen, da beide recensionen in Hug von Tenemarke 
übereinstimmen und dieser name auch im Alphart vorkommt. 

Die eigentliche veranlassung des kampfes der vier genann- 
ten beiden mit Dieterich erfahren wir nicht, auch nicht den 
hergang dabei; die Vilkina saga weisz überhaupt nichts davon. 
Helferich bleibt nach uuserm gedieht am leben und nach Caspar 
heilt ein zwerg seine wunden. 

223 8) Die genealogie des Ecke wird mitgetheilt und darin fin- 
den sich hinweisungen auf andere sagen, doch dies alles nur 
in der darstellung des alten drucks. Ecke und Fasold [ZE. 
26, 2] sind brüder, und dieser ist^ wie es scheint, der ältere; 
er sagt: 

166, 4. (Str. dr.) 'Ich theylte von meim bruder nie 
Was vna mein vatter hie verlie 
Der Stett vnd auch der Lande 
Herr Dieterich jr solt wissen das 
Es ist noch aUes gmeyne 
Schlacht ir mein bruder one hasz 
Das laut dient euch alleyne 
Er heiszet Eck der jar ein kindJ 

Als Dieterich den Fasold besiegt und dieser ihm treue ge- 
schworen hat, gelangen sie zu einer bürg. 

185, 4. (Str. dr.) 'Herr Dieterich wolt schlaffen gohn 
In einer kammer gar wol gethon 
Herr Fasolt der sandt drate 



$6 228 

Gar schon er sein da hdten liesz ^8 

Mit also g&ter warte (g&ten eren A.) 

Sein Base, die da Rütze^'^ hiesz 

Vnd Ecken Mum auch wäre (were A.) 

Keyn weib ward nie von leng so hoch 

Wann sye zwen starken Rysen 

In einem walde erzoch. 

186. Der Fasolt da von dannen reyt 
Herr Dieterich zu Metze beyt 
Nach Zwerg Albrianus rhate 
Do rhiet jm der getreuwe man 
An Fasolt jr euch nit solt lan 
Er ist geritten drate 

Na^h seiner Basen in den than 

Da ist er hin gerante 

Das sag ich dir du käner man 

Sye ist Gott vnbekandte 

Ee das er jn die frag erliesz 

Do sagt er jm gar rechte 

Vnd wie das sye Rutze {Ruczel A.) hiesz. 

187. Er sprach, min vatter Albrian 
Der hat mir es wol kundt gethan 

Von wem sye habend (hab A.) den namen 

Ein Ritter hiesz der {herr A.) Nettinger 

Vnd er kam in den wald daher 

Verflachet sei sein stammen (samen A.) 324 

Von wannen er ye käme her 

Das ist noch nit gar langen 

Das Rützen {ruczen A.) Bruder Nettinger 

Kam in den wald gegangen 

Vnd der (den A.) beschlieff ein wilde meyd 

Die trug Fasolt vnd Ecken 

Hat mir mein vatter geseydt. 

188. Von der geburt seind (so sind A.) sye hoch 
Ir vatter sye mit treuwen zoch 

Ecken gab er die kröne 

Herr Fasolt zürnen da began 

Damit da schiedend sye hindan 

Es was also gethane 

Ja allenthalben mit gewcUt 

Hand sye die land bezwungen 

Als auch ihr mannheyt darnach stalt 

Dardurch ist jn gelungen 

Seid das euch der syg ist beschert 

^' Zingerle in Pfeiffers germania 2, 213. Heile (stott Velle s. 174} und 
Rnntze im Wolfdietrich 479 ff. bei Haupt 4» 457. 



224 86, -. — • 

224 So seind jr billich Herre 

Ir habt euch jr erwert.' 

Die beiden söhne der Rütze kommen vor, werden aber 
nicht genannt, es sind junge riesen mit eisernen Stangen be- 
waffnet (189), die noch keinen kämpf erlebt haben (190). der 
gewaltsame erwerb ihrer rüstung war wohl in einer andern 
sage erzählt, hier deutet eine Strophe darauf hin: 

193. (Str. dr.) 'Die Rysen warend beide wol 
Gewapnet, als man Recken sol 
Da in zwo Brinne feste 
Ich sag euch warumb das geschach 
Fraw Rutz ein Burg darum zerbrach 
Darinn &ye die Brinn weete 
Den Wirt {den A.) fieng sy one wehr 
Müst mir geben die Brinne 
Die du behalten hast biazher 
Die wil ich meinen kinde (kinne A.) 
So seind sye gar wol angelegt 
Der Wirt sprach, gar gerne 
Sye seind euch da vnuerseyt'. 

Als Dieterich die beiden jungen riesen, die den tod des 
nahverwandten Ecke rächen wollten, hernach auch ihre mutter 
Rütze erschlagen hat, kündigt das Fasold dem blinden ^Eckenot 
an, seinem 'vetter' (220). dieser erwiedert: 

225 221. (Str. dr.) — — 'er ist der kunest man 

Der Mutzen San ye dorfft bestan 
Der lebt bisz an sein ende 
Ecken den wil ich beklagen 
Rut& hat auch manch man erschlagen 
Ein Burg brach sy mit der hende 
Dann sye was kuner dann ich bin 
Mit allem meinem leibe'. 

Eine stelle im anhange des heldenbuchs gewährt weitere 
aufschlüsse, indem sie die hier verschwiegenen namen nennt 
und die verwandtschaftlichen Verhältnisse theils genauer be- 
stimmt, theils fort fuhrt: 'Ecke vnd Vasat (1. Vasolt) vnd abent- 
rot die warent Mentigera sün ausz Cecüienland, vnd Mentigers 
weib hiesz Gudengart die was der dryer sün müter. — Rüntzf 
die was Ecken vatters Schwester, vnd mentiger was jr bruder, 
die selbe Rüntze het zwen sün, d® eine hiesz Zorre^ der ander 
hiesz Weiderich. Runtzen bruder Mentiger hett auch zwen süne 
der ein hiesz Eckwit d^ ander Ecknad\ 

Äbentrot kommt in keinem bekannten gedieht vor, nur die 
Yilkina saga nennt (c. 50) einen riesen Aventrod^ doch unter 



— 86 — a25 

ganz andern Verhältnissen, als bruder von Etgeir, Aspilian [ZE. 225 
26, 8] und Vidolf. welcher name richtiger ist, Nettinger oder 
Mentiger^ steht auszumachen, doch scheint Rütze den Vorzug 
vor Rünze zu verdienen, da wir ein riesenweib dieses namens 
aus Otnit und Wolfdieterich kennen. Gudengart finde ich sonst 
nirgends, die worte 'Runtzen brüder Mentiger' enthalten offen- 
bar eine Unrichtigkeit; wahrscheinlich musz stehen Räntzen 
vater N. N. den namen des einen sohns Eckwit^ verdanken 
wir dieser stelle allein: der zweite söhn Ecknad aber ist ohne 
zweifei der blinde Eckenod des gedichts, den Fasold vetter 
nennt. 

Wie schon bemerkt, nimmt die darstellung Caspars v. d. R. 
von da, wo Fasold besiegt ist, einen andern gang; sie ist dürf- 
tiger, ergänzt aber dennoch unsere kenntnis der sage, denn wir 
linden darin die namen der beiden söhne der Rütze : Zen^e (247 
im reim auf herre, mithin sicherer als vorhin Zorre; 249) und 
Weiderich (258. 267. 268. 269). der vater wird auch hier nicht 
genannt, der name der mutter aber weicht ab, oder ist vielmehr 
in ^Rachivl entstellt (249. 264); mit ihr werden noch zwei riesen- 
weiber ^KaReicK und ^RitzscK (250) angeführt, die vielleicht 
auch zu dem geschlecht gehören, wovon wir aber nichts näheres 
erfahren. Rachin nennt den Ecke ihrer Schwester söhn (262) 226 
das wäre abweichend, wo es nicht ein bloszer Schreibfehler ist. 
Eckenot (282. 283 im reim auf rot und gebot, doch steht ein- 
mal Eckenat geschrieben), sagt ausdrücklich (286), Ecke sei 
seines bruders kind gewesen; blind ist er hier nicht, sein pferd 
heiszt ^haidangernoas^ , 

9) Bei Caspar eine beziehung auf den schmied Wieland^ 
die in dem alten drucke fehlt. Ecke rühmt dem Dietrich über- 
haupt seine rüstung, um ihn zum kämpfe zu reizen : 

80. ^Er sprach helt wiltu mich bestan 
den heim vh den ich auf han 
den wirck WiUant mit sitten 

in sant ein konick her vber mer 

erfacht ein konickreich mit der wer 

guidein ist er an mitten 

nun loss dir von dem heim sagn 

ob dich darnach belange 

er ist so maisterlich beslagn 

guidein sint jm sein spange 

dar jn verwurckt ein wunfnejs schal 

wie vil man swert drauf schlechte 

da von gewint er doch kein mal. 

81. Er ist als ein adamant 

in wurck ,ein Krych mit seyner hant 
maysterlich als er wolte 

WiLH. ObIMM, DBOTSOHB HBLDaHSAOB, 15 



?8S 87 

326 er ist on alle missetat 

ein Krich in vmb fangen hot 

das er laucht jn dem golde 

das ich dir sag vnd das ist er (1. war) 

er ist gar schon on massen 

zwelff mayeter wol ein gantzee ja/r 

do ob dem heim aasaen 

ir Ion der was so wol gethan 

Yonn keiner hande wofFen 

wirst nit wunt kuner man\ 

Zur erklärung des einzelnen fehlt die sage, vielleicht ist 
von dem heim Limme die rede; vgl. oben s. 147. 148. 



87. 

Otnit. (nach Mone und dem cod. Francof.) (unten s. 371.) 

1) Nur einmal eine hinweisung auf die quelle: ditz buoch 
227 seit uns daz (339, 1. cod. F. 25^). allein gleich im anfang ist 

damit noch eine, in dieser weise nothwendig fabelhafte, erzäh- 
lung verbunden, wonach das von den beiden in die erde ver- 
grabene buch zu ^Sudera^ oder nach andern hss. 'Sundera^ (bei 
Ottokar ein ^Sutters', in dem bruchstück bei Docen ^St. Sunders') 
in Syrien sei gefunden worden. 

Caapar von der Rohn in seinem aus 297 Strophen beste- 
henden auszuge hat diese nachricht auch, an dem Schlüsse der 
handschrifb steht: 'der neu 297 der alt 587 lied'; mithin be- 
säszen wir in unserm werke das alte dem umfange nach ziem- 
lich vollständig, da die Monesche ausgäbe 569 Strophen zählt 
allein Caspars quelle war eine andere, denn obgleich der in- 
halt im ganzen übereinstimmt, zeigt er doch kleine abweichon- 
gen, wie z. b. die schon (oben s. 200) berührten dracheneier; 
selbst die form des namens 'Ortnei (in der fortsetzung Laurins 
^•Ortneid^) ist nicht dieselbe, sondern eine dem Hertnid der Vil- 
kina saga (s. 236) näher stehende, abermals ein anderes und 
vollständigeres gedieht scheint der Verfasser von dem anhange 
des heldenbuchs vor sich gehabt zu haben (s. unten nr. 134). 

2) Otnit hat wie Dieterich einen goldenen löwen in der 
fahne (312, 3. c. Fr. 23. Casp. 155); wahrscheinlich weü er, 
wie jener, in Lamparten herscht. 

3) Elberick nennt sich einen mächtigen könig, dessen mit 
edelsteinen besetzte kröne mehr werth sei, als Otnits reich, er 
wird als ein achonea kind dargestellt, im gegensatze zu der Ni- 
belunge noth, wo er als ein alter, graub^rtiger zwerg erscheint 
(vgl. Elfenmärchen lxx). 



8a 227 

4) Eiberich gibt dem Otnit das schwert Böse und sagt 227 
dabei: 

122. ich wsen daz in der weite kein bezzer swert nu si; 
ich brähte ez üz einem herge^ der heizet Almart. 
daz ist gezieret mit golde lüter als ein glas. 
ich wirketez in eim berge der heizet Göikelsaa. 

Der berg Almart (in allen handschriften wie in dem alten 
druck Str. 118) ist sonst nicht genannt ^^, wohl aber der Kau- 
kasus, der unter Goikelsaa (Göckelsass b, Gerkelsass c, Gerikel- 
sass D, geikeisas cod. Fr. 106. geigelsas dr. v. 1509) verstan- 
den wird; vgl. s. 196. (Mones anz. 1836 s. 352.) — der Rosen- 
garten c legt dem Dieterich das schwert RSse bei (s. unten). 

5) Der zwergkönig gibt dem Otnit auch einen heim: 

125, 3. vil saelic ist der man, der den heim treit: 
ja kiuset m^n ein houbet einer müen breit. 

Nämlich: so weit glänzt er; und damit wird HUdegrtn be- 
schrieben, obgleich nicht genannt. 

b) 'Heinot von TuBcharC (10, 1. 38, usw. auch im cod. Fr. 228 
^Helnof) scheint im Alphart als Dieterichs mann (unten s. 239) 
vorzukommen. 



88. 

Wolfdieterich (nach dem cod. Francof.). (s. unten s. 371.) 
1) Häufige berufung auf ein buch: ditz buoch seit uns (41\ 
50»». 77b. 86^ 116^ l29^ 185». 215»), tuotun8behant{lQ^. 118*), 
dU wir ez lesen (105»). aber auch, und am häufigsten: als wir 
noch hoeren sagen (80*. 97». 103^ 105*». 116^ 125». 138». 149^ 
151^ 157^ 159^ 178». 190». 214»>). endHch: als irz noch Mute 
hoeret singen oder lesen (70^); also wir ez hoeren lesen (208»). 

Neben diesen, mitunter wohl als blosze füllung gebrauch- 
ten, ausdrücken finden wir gleich eingangs eine besondere, um- 
ständliche erzählung von den Schicksalen des buchs. es ward 
in dem kloster zu 'Tagemunt^ (ebenso im c. Pal.; ^zu Tage- 
munden' in den alten gedruckten ausgaben Dageminde im cod. 
Arg.) aufgefunden* und dem bischof von ^'Einstet^ (ebenso im 

' "^ in almariske sidea, Roland 260, 25; pfellel von Almarie, altd. bl. 1, 256. 

** 'Tagemonden könnte aas einer niederdeutschen bearbeitang, wo Tegmon- 
den d. i. t'Egmonden gestanden hätte, herrühren, die abtei Egmond ist alt nnd 
berühmt nnd hatte eine grosze büchersammlung.' Jac. Grimm. — 'der feurige 

-berg Tahenmunt in Wolframs Wilh. 439.' Lachmann. — statt Admont, Admuiid 
findet man auch im dreizehnten Jahrhundert Agmunden, Agmuenden geschrieben. 

: beitrage zu steiermärkischen geschichtsqn. 1866 s. 85 ff. 

16* 



228 88 — - 

228 cod. Pal. und Arg.; eystet alter druck) nach Baiem geschickt, 
der sich bis zu seinem tode, siebenzehn jähre lang, daran er* 
geizte, hierauf brachte es sein capellan den klosterfrauen ^zu 
sante wcdpurg zä einstat^ (waltburg zu einsteten c. Pal.), deren 
abtissin wiederum grosze freude daran fand, die jetzt folgende 
stelle lautet in drei handschriften, die ich vergleichen konnte 
(Grundrisz 8. Adelungs nachrichten 1, 224), verschieden: 

c. Fr. 40**. 'Sy satte fir sich zwene meister die Urtent «y e% 

durch ein hebescheit 
Die funden dia dar zä sy brohten es an die kristenheit 
Nohe vnd ferre für sy in die kristen laut 
Sy sungent vnd seitend do von wart dis bAch bekant\ 

0. Arg. ^Sü sattz fir sich zwen meister do Urtt su ez durch 

ein hubschheit 
Die fundent düen don darzd su brohtten ez in die kri- 
stenheit 
Nohe und ferne füren sü in die land 
Su sungenz vnd seitenz da von wart ez bekant'. 

c. Pal. ^Sie satzte für sich zwen meyster die lertens durch jr 

hupscheit 
Daz sie daran fundent geachriben daz brachten sie in 

die cristenheit 

229 Nahe vnd ferre f&ren sie in die laut 

Sie sungen vnd Seiten do von ward ez bekant.' 

In Fr. ist wohl mit Arg. zu lesen: die lert aie ez, und es 
soll gesagt werden die abtissin machte die beiden wandernden 
Sänger mit dem gedieht bekannt, indem sie ihnen das buch za 
lesen gab, oder es ihnen vorlesen liesz. hieran schlieszt sich 
das folgende in Pal. an: was sie dort fanden, verbreiteten sie 
nachher, indessen könnte die lesart in Arg. die offenbar in 
Fr. auch soll ausgedrückt werden, mit der genauem angäbe, 
dasz die beiden meister den ton dazu gefunden, leicht den Vor- 
zug verdienen, die meinung wäre also: sie hätten das gedieht 
vor der Verbreitung erst, so wie wir es besitzen, zugerichtet. 

Der alte druck, ungeachtet er abkürzt, hat durch einen 
Zusatz, der ein lateinisches original vermuten lässt, alles entstellt: 

'Zween meister bey in (den klosterfrauen) beleyben 

Die bat sy vil gereyt 

Das sy das buch abschreiben 

Zu teutsch der cristenhyt 

Wer es dan wolte leren 

Der mocht darnach fragen'. 

Allein die erzählung selbst, die immer wegen der darin 
enthaltenen ansieht von der Verbreitung des gedichts aufnerk- 



88 229 

samkeit verdient, ist sie nicht ganz oder wenigstens zum theil299 
erdichtet? ich getraue nicht darQber zu entscheiden; die sache 
selbst, ich meine die entdeckung einer alten handschrift (nur 
erinnere ich, dasz noch kein altes zeugnis über das gedieht 
gefunden ist, das älteste und noch ungewisse bei Enenkel und 
Reinfried; dagegen scheint Ruther bereits sagen von dem 
meister Berchtung zu kennen) könnte immer wahr sein, wenn 
auch die näheren umstände hinzugedichtet wären, bedenklich 
ist schon der mir unverständliche name des ortes, wo das buch 
zuerst soll zum Vorschein gekommen sein, und dann werden 
wir mistrauisch gemacht durch eine auffallende, ojSenbar er- 
dichtete annähme, die uns auf einmal mitten in dem gedieht 
selbst überrascht, nämlich ein dichter tritt hervor: 

1 42*. daz sage ich Wolferam der werde meister von Esche- 

back. 

Und doch wäre überflüssig, ein wort über die Unwahrheit 
dieser behauptung zu verlieren. (Wolfram wird auch Verfasser 
einer erzählung genannt, aus dem 14ten Jahrhundert, die Keller 
herausgegeben hat s. 19.) 

2) Berhtunc von Merän (Bertung von Meiran c. Fr. Perch- 
tung von Meran cod. Vindob. 299, nach der abschrift eines 280 
Stückes daraus ; Bechtung im alten dr.) scheint mit dem Berther 
von Merän im Ruther in Zusammenhang zu stehen, und eine 
weiter als auf die bloszen namen sich erstreckende ähnlichkeit 
ist schon oben (s. 53) angedeutet, hier ist nun veranlassung, 
auszer seinen familienverhältnissen , hinweisungen auf frühere, 
wie wohl, möglich, in anderen sagen näher beschriebene, er- 
eignisse aus unserm gedieht zusammen zu stellen, ich bemerke 
nur vorher, dasz die Vilkina saga durchaus nichts von ihm weisz. 

Von dem vater des Hugdieterich , der im cod. Vindob. 
Antzeva (gereimt auf alsus) im c. Fr. Antis^ im dr. ebenfalls 
gereimt auf alsus, Attemts^ in einer überschriil Anzius heiszt, 
wird erzählt: 

41*. 'Der hette vf sime hofe erzogen dz ist wor 

Ein hertzogen riche der lebet wol dirthalp hundert (vil 

manig c. V.) jor 
Es waz der hertzoge bertung gebom von merian. 
Den hies der kung antis balae vir sich gan 
Ich habe dich erzogen setzig ior (fehlt in V.) noch 

wirdekeit'. — 
^Ich lerte dich werfen mit dem messer daz dich nieman 

tar bestan 
Do gab ich dir zu wibe die edel hertzogin\ 



*j. » 



41*^. B. spricht: Hch habe er/aren heiden und die hristenheit^ 



230 88 -— 

MO Wälgunt zuo Scdnecke, zu dem sich Hugdieterich, als Jung- 

frau verkleidet, begibt,* äuszert: 

44^. 'Bertung ich wol erkenne^ daz sag ich vch fir wor 
Er het mir vor gedienet me den zwelf ior\ 
(Der hat mir gedienet hinz in daz dritte jor V.) ^^ 

Berchtung hat den Wolfdieterich in der kunst mit dem 
messer zu werfen unterrichtet, und als dieser eine probe abge- 
legt, erzählt der alte aus seinem früheren leben: 

63**. 'Ich sihe es am ersten wrfe vnd an den spring din 
Du detz so behendekliche du bist der meister min 
Daz lert mich uwer enlin der küng antis 
Ich erachal vom mim zorne von Meinen dingen kus 

(1. alsus) 
Daz ich für zun vyilden rissen zum künge grippian 
281 Dem diende ich mit flisse also ich ich han getan 

Wol noch grossen eren waz im recht kon 
Der küng by sinem wibe hete einen sun 
Der iunge ist geheissen zum namen pelian (belligan 

alt. dr.) 
Den ich die hinst Seh vor gelert han 
Daz werfen mit dem messer vnd schiessen zu dem zil 
Zwen springe han ich gehalten also ich dir sagen wil 
Ein wrf mit dem messer och ich im entsaget han 
Dz bistu alles wol geleret usserwelter man 
Grippian der riche wz mir dar vmb holt 
Er gah mir ros vnd kleider silber vnd golt 
Ich bleib do siben ior sprach der grise man 
Untz daz mir gute botschaft von kriechem riche kam\ 

Es scheint sich nämlich mit Wolfdieterichs groszvater aus- 
gesöhnt und ihn nachher nicht wieder veriassen zu haben. 

3) Wichtiger ist Berchtungs genealogie, welche ihn als 
ahnherm des alten Hildebrand darstellt und die noch unbe- 
kannten glieder des ganzen Stammbaums angibt (Haupts zs. 6, 
447 f.). eine solche ausföllung aus späterer zeit, während eine 
so grosze anzahl älterer und gleichzeitiger denkmäler die lacken 
bestehen lässt, erregt freilich zweifei an der echtheit, doch in 



* ähnlich wie das holländische lied von dem Jäger von Griechen (Z£. 27, 
7) zum Wolfdietrich, scheint sich das schwedische lied von Vallevan bei Geijer 
und Afzelius (2, 173) nr. 52 (Arwidsson 1, 183 nr. 26) zum Hugdietrich za 
verhalten. 

*^ weiter kann ich den wahrscheinlich wichtigen, mit absieht mildernden 
cod. Vindob. nicht vergleichen, auf die abweichungen des alten drucks lasse 
ich mich, bei der groszen entstellung des textes, ohne besondere Veranlassung, 
nicht ein. 



88 281 

der art und weise der ergänzung liegt nichts unpassendes oder 381 
ungeschicktes, und dafür spricht der wichtige, schon oben 
(s. 107) bemerkte umstand, dasz hier zuerst wieder der wahre, 
seit dem alten liede verschwundene, name von Hildebrands 
vater zum Vorschein kommt. — Berchtun^s frau, eine herzogin, 
die ihm von seinem herm gegeben wurde, bleibt ungenannt; 
er hat sechszehn söhne (66*), von denen jedoch nur zehne in 
Betracht kommen, da sechs gleich anfangs in dem kämpfe Wolf- 
dieterichs mit seinen brüdern erschlagen werden (74*). zwei, 
Hache und Herbrant^ werden vorzugsweise (64*^. 65*». 74*». 144*. 
200*. 204*. 205^) und an&nglich allein genannt, und ihre nach- 
kommenschaft ist fiir die sage von bedeutung. von vier andern 
erfahren wir kaum etwas mehr als die namen und von den vier 
übrigen diese nicht einmal; vielleicht also wollte man blosz der 
sage genug thun, die von sechszehn redete (vgl. oben s. 53). 

a) Hache der junge (65^. 144*). Wolfdieterich belohnt ihn: 

214*. ^Do satzete er hachen zä landes herren an den Rin 
Er gab ym zä wibe ein edele hertzogin 
Z& brüach vf der festen het er die firöwe zart 388 

Mit ir het er ein sun der hies eckeharf. 

Das stimmt mit dem, was wir schon wissen (oben s. 144). 

b) Herbrant^ der die sturmfahne führt und den vorstreit 
hat (205^ 22 P). als alles glücklich beendigt ist:^ 

213*. Hin z& der schonen amigen reit do herbrant 
Do sties er ir ein fingerlin an die hant 
Do gab sy dem tegen och eins von golde klag 
Also es die maget edele an der hende tr&g\ 

Wolfdieterich: 

213^. '— gab die bürg zu garten dem kiemen (1. küenen) her- 
brant 
Wen es im wz gelegen by sinens (so) swehers laut 
Der pflag der edele tegen wol mit siner hant 
Also lebet herbrant mit der frowen mit eren manig ior 
Er gewan mit ir drige sine dz ist endelichen war 
Den ersten sicherliche den hies er hütebrant* 
Der half her dietrich erfehten manig lant 
Der ander hies nere vnd wart ein keiner (1. küener) man 
Der dirte ein tegen here vnd heis ylsan 
Do zwischent ein dohter also wir es hant vemumen 
Von dem selben gesiebte sint vns die vnlßnge kumen'. 

* daher von Garten, DHB. 1, LH; ygl. oben 8. 49. 



282 — SS 

S82 und nochmals: 

214**. *Die wile hette öch zfi garten der kAne herbrant 
Mit amye ein sun gewnnen dz ist vns wol bekant 
Der wart so wol versunnen man hies in hütehr ani, — 

215*. 'Die wile hette amyge by herbrande getragen 

Zwen sine herre (süne here) der eine hies elsan * 
Der ander der hies nere also wirs vernumen han 
Die öch helde worent in strite kiene vnd halt 
Die in iren ioren wrdent mit eren alt 
Die hette ein swester zart also wir es hant vernumen 
Die hies mergart von der wolf hart ist kumen\ 

Der name dieser (mit Amelolt verheirateten) Schwester wird 
hier zum erstenmale genannt. 

Hildebrand, dessen späteres Verhältnis zu Dieterich schon 
vorhin erwähnt ist, führt den beinamen Herbrandes suan aus- 
288 (Irücklich , wie in dem alten liede (oben s. 107). bereits aus- 
gezeichnet im kämpfe ('Er begunde sich faste rieren dz sin lob 
wart wit erkant' 222"), wendet er sich an den Wolfdietrich: 

225^. 'Do bat den försten milte der iunge hiltebrant 

Herre gent mir ein schilt dz ich mich durch die lant 
Dz woffen nit dirfe schämen drige wol/e von golde rot 
Die wil ich durch uwem namen fieren vntz an min tot 
In eime felde griene dar vmb ein ring blo 
226*. Der ^del fiirste kiene hies in ym bereiten do 

Mit also spehen dingen man brohte in ym zA der hant 
Von den wolfen und von dem ringe wrdent die wü- 

ßnge genat 
Waz von dem geflehte koment die färtent öch den 

schilt'. 

Die drei wölfe geben auch andere gedichte an (unten nr. 
99), aber das grüne feld nicht, wir werden es in dem volks- 
liede von Hildebrand wiederfinden, obgleich dort (sowie in den 
Drachenkämpfen) das zeichen selbst ein anderes ist. ich merke 
bei dieser gelegenheit an, dasz die Vilkina saga dem EGlde- 
brand wiederum abweichend einen rothen schild ertheilt, darin 
eine weisze bürg (Bern) mit goldenen thürmen (c. 154), seinem 
söhne aber einen weiszen schild mit der bürg Bern (c. 375) 
[Haupts zs. 12, 228. 330], — die zugäbe des blatten ringe» 
scheint durch eine falsche etymologie veranlasst, soviel sehen 
wir, dasz Hildebrand durch die wölfe im schild als gründer 
und Stammvater des geschlechts der Wölfinge soll bezeichnet 
werden (vgl. oben s. 107). 

c) Berhter (203**) 'Hachen bruder berhther dem gab er 
(Wolfdieterich) meton (1. Merdn)' (214»). 



88 283 

d) B&rhtunc (214*). kernde dz lant 988 

Daz gab er bechtunge« (so) sine eime der öch berhtung 

genant'. 

e) Berhtmn (220*. 224*). 

f) Albrant mit dem vorigen zusammen genannt. 

214'. 'Der furste (1. fünfte) der hies berhtvrin der feste albrant 
Den tet er (Wolfdieterich) truwe schire sasaen vnd bro- 

brant (1. Brdbant), 

Von den übrigen beiszt es: 

2]4'. 'Dennoch warent ir^^^ die er balde aant 
Der edel förste ziere in der kriechen lant 
Do worent si gewaltig bitz an iren tot ' M4 

Er londe in tusent faltig ire grossen not.' 

Die Vilkina saga weisz von diesem geschlechte Hildebrands 
nichts (oben s. 107. 108), blosz Sintram nennt sich (c. 44) 
seinen verwandten, und wäre, da er sich für einen söhn Rei- 
ginbalds von Venedig erklärt, eigentlich sein bruder. die ein- 
zige spur liegt darin, dasz Hildebrand bei einer andern gele- 
genheit (c. 34 Rafn), wo er dem Heime einen falschen namen 
gibt, diesen Sintram Herbrands söhn nennt, sollte nämlich Sin- 
tram wirklich ftir einen bruder Hildebrands gelten, so bräche 
hier Herbrand der richtige, uralte name ihres vaters durch, 
oben ist schon bemerkt, dasz unter Thidreks beiden ein Her- 
brand vorkommt, ohne dasz von einer Verwandtschaft mit Hil- 
debrand das geringste gesagt wäre, dennoch berührt er sich in 
einem stücke mit dem Herbrand unseres gedichtes; er trägt 
nämlich wie dieser (c. 110. 115. 176) seines herren /aAn^, er- 
scheint aber nur in einigen theilen der Vilkina sage, in andern 
verwaltet Hildebrand dies amt. 

4) Vorhin ist die stelle angeftlhrt, worin Hildebrand als 
zukünftiger kampfgenosz Dieterichs bezeichnet wird; es findet 
sich noch eine beziehung auf diesen, nachdem erzählt worden, 
Wolfdieterich habe in der höhle zwölf drachen erschlagen, 
heiszt es: 

177*. Im entran die alte ein iunge volget ir mitte 

Sy gingent bede mit iungen dz ist endelichen war 
Den iungen slug der von bern vber me den ahtzig jar\ 

Diese behauptung ist in den anhang desf heldenbuchs über- 
gegangen (s. unten). 

5) Dagegen finde ich keine spur eines Versuches Wolfdie- 
terichs geschlecht durch seinen söhn Hugdieterich, wie in der 
Flucht geschieht (s. 185), an Dieterich von Bern zu knüpfen; 
wohl aber einiges, was er mit ihm gemein bat. von dem schwert 



234 «9 

584 Rose ist schon (s. 227) die rede gewesen; (Über Wolfdieterichs 
Schwert Qualle ? Ziemann wb. 175*», mhd. wb. 1, 891 ;) sodann 
hat Wolfdieterich mit dem Berner dasselbe zeichen: er vüert 
an sime schilte ein lewen von golde rot (171*); auch der adler 
(vgl. oben 143) wäre dabei, insofern ihn nach einer stelle (199*) 
die leüte Wolfdieterichs auf der fahne führen, endlich scheinen 
mir auch die worte: von zorne begunde er inwn^n (136*) etwas 
ähnliches, wie Dieterichs feuerathem anzudeuten. 



235 



89. 

WoLFDiETEWCH UND Saben. (zur gcschichtc der Nib. not 
s. 23.) ein von dem vorigen in wesentlichen stücken verschie- 
denes gedieht, ich kenne es nur nach der Umarbeitung des 
Caspar von der Röhn. 

1) Das original ist der schluszstrophe zufolge über die 
hälfte abgekürzt : 

334. 'Wolfdietrich in altem dichte 
hat siebenn hundert lied 
manck vnnütz wort vernihte 
oft gmelt man als aus schid 
drew hundert drei vnd dreiaaigk 
liet hat er hie behent 
da« man auf einem sitzen dick 
müg hörn anfanck vnd ent'. 

Handschriftlich befindet sich das gröszere gedieht, wenn 
auch nicht die unmittelbare quelle Caspars, zu Wien; so viel 
lässt sich aus einer kurzen inhaltsanzeige bei Hormayr (werke 2, 
256. 57) schon schlieszen. eine nähere bekanntschaft mit die- 
ser vollständigen und reinem darstellung wird erst ein gründ- 
liches urtheil über dieses gedieht möglich machen. 

2) Wolfdieterichs meister heiszt ^Puntung* ein paar mal 
(2. 72) 'Potelung'; in dem älteren gedichte steht aber 'Berch- 
tung auf Lilienporte\ er ist gleichfalls herzog (276. 325) und 
fürst von Merdn (24. 26. 52. 67. 94), auch hat er sechszehen 
kinder (24. 86. 112. 130, einmal siebenzehn 87) wovon sechs 
im kämpfe gegen Wolfdieterichs brüder bleiben (131), aber von 
den übrigen zehen wird kein einziger genannt, und der ganze 
dort bis auf Hildebrand herabgeftmrte Stammbaum fehlt, neu 
dagegen sind andere Verhältnisse: Wolfdieterichs mutter, Hug- 
dieterichs frau, ist Puntungs Schwester (2. 56. 66. 76) und ein 
könig ^Paltrian^ PaldrarrC sein 'swager' (61. 73). 

3) Sabene^ in dem vorigen gedichte völlig unbekannt, hier 
gleichwohl eine so wichtige person, dasz sich ein groszer theil 



90 235 

der sage daran entwickelt, erscheint ganz in dem Charakter 286 
Sibichs. er heiszt der ungetreue (74. 93. 99. 172) und lenkt 
durch hinterlistige rathschläge (107) alles zum bösen, zwar ist 
seiner abstammung nicht gedacht, höchst wahrscheinlich aber 
wird Sabene Sibechen stion^ den wir aus dem Biterolf schon 
kennen (oben s. 145), gemeint. 

4) Befremdend ist eine beziehung auf das vorige gedieht, 
oder vielmehr eine einmischung desselben. Wolfdieterich heiszt 
einmal (205) von Salneckey das passt nur dorthin, wo er, der 236 
älteste, von seinem verkleideten vater in der mutter heimat zu 
Salnecke erzeugt und geboren ist, nicht aber hier, wo er, der 
jüngste, in Constantinopel auf die weit kommt und niemals (es 
müßte denn in der Wiener handschrift sich anders verhalten) 
jenes reich genannt wird. 

5) Was die Übereinstimmung Wolfdieterichs mit Dieterich 
von Bern betriflft, so ftthrt er auch hier den löwen im schild 
(232) und auszerdem heiszt sein pferd, wie das des Berners, 
Falke (158. vgl. oben s. 208). sodann wird er beschuldigt ein 
söhn des teufeis zu sein (19. 50), wie die sage von Dieterich 
wirklich behauptet (oben s. 40). endlich merke ich an, dasz 
ein nicht unbedeutendes stück der sage, welches gerade beiden 
gedichten gemeinschaftlich ist: die räche fiir Otnits (Ortneis) 
mord an dem drachen, die auf&ndung seiner rüstung in der 
drachenhöhle und die Vermählung mit seiner wittwe, in der 
Vilkina saga (c. 382 — 85 Rafn), die überhaupt von keinem Wolf- 
dieterich weisz und den Otnit Hertnid nennt, dem Thidrek an- 
heim fällt. 

6) Wolfdieterichs brüder, in dem vorigen gedichte Wahs- 
mtbot und Boge^ fuhren mit ihm einen gemeinschaftlichen namen, 
der jedoch nur einmal vorkommt: 

2, 5. 'die fraw gewan drei süne 
wol pei dem kunig reich 
drüm das sie warn so schüne 
his maus al dietereicK. 

Er selbst aber heiszt einmal: der junge Weife (287, 3). 

7) Zwerg Albertch leistet hier dem Wolfdieterich beistand, 
damit er seine frau wieder finde (317). sie war seine Schwie- 
gertochter und ausdrücklich wird angeführt: 'sein lieber sun 
Ortnet (318, 2). 



90. 

Alpharts TOD. (unten s. 371.) 

1) Als grundlage wird ein deutsches buch^ ein altes lied 
angegeben (45. 55. 56. 467), dessen spräche wahrscheinlich nur 



23ß 90 —- 

386 verändert, dessen Inhalt wohl ohne wesentliche abändemng er- 
halten, vielleicht nicht einmal abgekürzt ist^*^. 

287 2) Die sage von Alpharts tod, wie sie in unserm gedichte 
erzählt wird, passt nicht in den gang der begebenheiten , wie 
wir sie aus der Flucht und Rabenschlacht kennen, sie wider- 
spricht sogar geradezu jener darstellung. auch die Vilkina 
saga weisz nichts davon und dort wäre sie nicht einzufiigen. 
sie fällt in die zeit, wo die feindschaft zwischen Dieterich und 
Ermenrich anhebt; vorangegangen müste sein der mord der 
Harlunge, ihrer geschieht aber keine er wähnung, ja nicht die 
geringste •hindeutung kann ich finden, man müste denn daftr 

288 annehmen wollen, dasz Eckehart (der Harlunge pfleger), der 
sage gemäsz (oben s. 37) zu Breisack einheimisch, fürchtet von 
Ermenrich vertrieben zu werden (314, 3) und Dieterich (401, 2) 
zu ihm sagt: ^du trägst ein getreues herze\ nach unserm liede 
hatte der vogt von Bern noch nicht hilfe bei Etzel gesucht, 
und weder der hünische könig, noch von seinen, in den andern 



" ^ der ohnehin lückenhafte text ist in der einzigen handschrift, die wir lye- 
sitzen, sehr zerrüttet, str. 13 steht abgesondert und lantet wie eine anfangs* 
Strophe mit allgemeiner einleitung. str. 14 scheint abermals neu anzuheben, 
wenn auch nur zu einem abschnitt; 15 und 16 folgen im zusammenbang, aber 
Str. 17 nicht, die sich wieder an 12 schlieszt. — str. 49 gem'äsz sind Amelolt 
and Nere von dem geleit zurückgekehrt und 56 mit einem neuen anfang wird 
dasselbe berichtet, als geschehe es jetzt erst. — str. 58 thut der kaiser eine 
frage, die er schon 50 mit wenig verschiedenen Worten gethan hat. — nach 113, 
4 findet Alphart achtzig feinde auf der warte, dagegen nach 116 besteigt er eist 
sein pferd, um hinznreiten und jene achtzig erscheinen 144 erst wirklich, der 
ausdruck in 112 und 113 ist so verderbt, dasz darin dreimal dasselbe gesagt 
wird. — Str. 187 bricht ab, es erfolgt keine rechte antwort und erst 192, 3, als 
Ermenrich die frage wiederholt, erhält er auskunft, aber diese steht nun in 
widersprach mit 94. 95. darnach nämlich wurde Alpharts schild, anf dem sich 
Dieterichs zeichen, leu und adler, befand, weil der junge held unbekannt bleiben 
wollte, verdeckt (und deshalb bleibt es auch späterhin str. 260. 263 dem Heime 
verborgen); dagegen nach str. 193 hatte es der gegner doch gesehen, beschreibt 
es aber jetzt anders: ein goldener leu mit einer kröne, ohne Dieterichs adler. 
dazu kommt nun noch, dasz der echten sage nach (oben s. 143) der goldene 
leu allein Dieterichs zeichen ist. — Sewald ^200) heiszt späterhin (438. 442] 
Sewart; ein herzog von Tuskan (200), graf (428); und herzog Bertram (200), 
Bertram von dem berge (438. 442). Lachmann (rec. von Mones Otnit, Jenaer 
lit. z. 1822 nr. 14. s. 107) glaubt, es sei ein zu der sage, nicht aber zu den 
buche gehöriges, lied eingerückt und aus dieser zweiten quelle stamme 1—13- 
17 — 44. 56, 3 — 67. besäszen wir einen einigermaszen zuverlässigen text, so 
könnte man dieser annähme wohl geneigt sein, weil sie allerdings erklärt, wie 
sich der inhalt von 49 und 50 in 56 und 58 wiederholen kann, indessen blei- 
ben die übrigen verwirrangen noch zurück, wie wenn nun zwei abweichende 
handschriften des gedichts, jede vielleicht unvollständig, nach der weise des Bni- 
zehnten Jahrhunderts d. h. nachlässig und ungeschickt, zusammengefügt wären? 
und was können die abschreiber nicht verschuldet haben! die handschrift des 
Alphart gehört den proben nach zu urtheilen, die in Hagens und Büsching? 
grundrisz stehen, zu den schlechtesten jener zeit; wie weit das Verderbnis dorcli 
elende abschreiber gehen kann, lernt man am besten durch cod. Arg. und Pae- 
des Rosengarten d. 



90 237 

gedichten so thätigen beiden (Nudung macht, wie sich zeigen 388 
wird, keine ausnähme) wird nur ein einziger genannt, aber 
noch mehr:, die Flucht erzählt den tod Alpharts (oben s. 192) 
unter völlig verschiedenen umständen, und ohne Wittich im ge- 
ringsten hineinzumischen, auf eben diese erzählung bezieht sich 
dann das gedieht von der Rabenschlacht. 

3) Ermenrich herscht als römischer kaiser (64 vgl. oben 
8. 168) in Lamparten (53). in seinem Verhältnis zu Dieterich 
von Bern, seines bruders söhn (62), erscheint er in einem mil- 
dern lichte, er betrachtet sich als oberherrn und kündigt dem 
Dieterich den krieg an, weil er den verdacht hegt, dieser wolle 
sich gegen das reich setzen (52); auch seine bedingungen sind 
dieser ansieht gemäsz nicht ganz ungerecht: Dieterich soll das 
land räumen, oder Bern als leben von ihm nehmen (59). das 
stimmt am meisten mit der Vilkina saga (c. 259) wo Sifka dem 
Ermenrek Thidreks Übermut verdächtig macht und anräth, 
Schätzung von ihm zu fordern, in der Flucht und Rabenschlacht 
erscheint Ermenrich viel bösartiger: er strebt den Dieterich, 
den er durch hinterlist in seine gewalt locken möchte, zu 
tödten oder zu verjagen, blosz imi sich seiner lande zu bemäch- 
tigen (3565—89). 

4) Auch dieses gedieht fiihrt einige sonsther nicht bekannte 
helden Ermenrichs an, die sämmtlich im kämpfe gegen Diete- 
rich getödtet werden, also auch weiter nicht vorkommen kön- 
nen, der bedeutendste darunter scheint herzog Wolfing^ dessen 
banner grün ist (53. 54. 144—149. 152.157 — 160. 183 — 184). 
- &iegewein''^ (157. 158). — Gerhart (159. 160). — 8ewaU 
(200) oder Sewart der alte (438. 442). — ein herzog von Tusch^ 
kan (200), graf von TuBchkan (428). — herzog Bertram (200), 
Bertram von dem berge (438. 442). — Gere^ bruder des Studen- 
fusz (357. 375. 376). 

5) Dieterichs zwölf helden (oben s. 102) in der Flucht und 289 
Rabenschlacht fast vergessen, sind hier vollzählig: 1) Hüdebrant. 

2) Wolfhart {Ib. 383—398. 441). 3) Wolfbrant (76). 4) Wolf- 
win (80). 5) Sigestap (76. 451). 6) Helfrich (73). 7) Gerbart 
(73), nicht zu verwechseln mit einem helden gleiches namens 
bei Ermenrich. 8) Wichart (76). 9) Ritschart ^ ich glaube 
nämlich, dasz dieser name unter Richard (73) gemeint ist. 

10) Helmnot (73). ferner der in der Nibelunge not fehlende 

11) Wicnant (76), und der aus dem Biterolf allein bekannte 

12) &igeher (80). 

**' ich kenne das gedieht nnr aus v. d. Hagens erneuemng nnd behalte 
daher bei den namen, die allein darin vorkommen, seine Orthographie, er schreibt 
Siegewein, dagegen Volkwin, Ortwin (73); bekanntlich ist der verlängerte vocal 
hier unorganisch (gr. 2. 537). 



238 90 

289 6) Einige mannen Dieterichs hat unser gedieht mit Bite- 

rolf und der Flucht gemein (Hacke^ Berkter^ Fridertch, Nere, 
Sigebant)<f die dort angeführt sind, dagegen werden hier allein 
genannt: Bange (73), Volkvnn (73 vgl. oben s. 138), Wytzschack 
(73, wie es scheint, ein slavischer name), Bottel (Gottel?), Eun- 
brecht (74), Branker^ Wolfinge (74, wo hier nicht der bekannte 
familienname gemeint ist, sonst müste er auch Wolfing lauten), 
Amelger von Brysen (74), Walderich (76. 419), Wolfhelm (76). 
— abgesondert von diesen anzuführen ist Hug von Ddnnemark^ 
der nicht nur häufiger erscheint (307. 320. 334. 356. 374. 400), 
sondern auch durch Ecken ausfahrt bekannt ist (56 Str. dr.), 
wo ihn aber Dieterich als seinen feind getödtet hat (oben s. 221. 
222). — Helmschrot (73) kommt auch im Rosengarten^ doch 
nur in a und b, vor und scheint der Helmschart in der Flucht 
(oben s. 191). Helmnot von Tu8chkan (77) im Otnit und Wolf- 
dieterich (oben 228). 

Endlich habe ich zwei namen von den obigen geschieden: 
Ortwin (73) und Hannold (74 1. Haunolt)^ weil ich eine frage 
anfügen will: ist hier Ortwin von Metzen gemeint und der 
rheinische Sünolt? dann würde unser gedieht mit der Flucht 
und Rabenschlacht in jener seltsamen Versetzung (oben s. 202. 
212) übereinstimmen; oder im gegentheil: kommen wir hier 
auf die spur, wie sie mag entstanden sein? gab die an sich 
unschuldige und zufallige Wiederkehr einiger namen veranlas- 
sung, die rheinischen beiden überhaupt auf Dieterichs Seite 
ziehen und nun auch f)ir Ortwin den zusatz von Metzen zu 
borgen? 

7) Hildebrand führt das schwert Brinnig (350), nur aus 
dieser einzigen stelle bekannt; in den Drachenkämpfen und dem 
Siegenot (s. unten) wird ihm ein anderes beigelegt, vdederum 
ein anderes, Lagulf genannt, in der Vilkina saga (c. 363). des 
alten meisters Verwandtschaft ist zahlreicher geworden. 

240 a) Alpharts Verhältnis zu ihm ist schon bei der Flucht 

(oben s. 191. 192) erörtert, noch in der ersten jugend (97) ist 
er schon mit Amelgart verlobt, sie selbst erzählt, Hildebrand 
habe sie aus Schweden^ ihres vaters reich 'mit wehrlicher band' 
geführt und dem Alphart zum weibe gegeben (108. 109); ein 
ereignis, das sonst völlig unbekannt ist. frau Ute hatte den 
Alphart von kindheit an auferzogen (106), so dasz man glauben 
sollte, er sei frühe elternlos geworden, indessen nennt er sich 
selbst hier Amelolts söhn und dieses Verhältnis bestätigen, vne 
wir gesehen haben, andere gedichte, allein seltsamer weise er- 
scheint Amelolt eben hier in beziehung auf Alphart als ein 
ganz fremder, wie er es in der Flucht wirklich ist: beide neh- 
men keine rücksicht auf einander^ von Amelolt ist nicht die 
rede, als sich Alphart in die gefahr begibt, und dieser, in be- 
drängnis, wünscht sich den beistand seines oheims Hildebrand 



90 239 

und seines bruders Wolfhart, gedenkt aber Amelolts nicht. 240 
auch Siegestab ist hier nicht, wie im Rosengarten und anhang 
des heldenbuchs, sein bruder. 

b) Die Wölfinge überhaupt heiszen ein weitverbreitetes ge- 
schlecht und sind natürlich Dieterichs mannen (39, 4. 75 , 2. 88, 
4. 262, 2), allein auch bei Ermenrich scheinen glieder davon 
gewesen zu sein (163, 3). selbst jener herzog Wolfing gehört 
dazu, denn Alphaxt macht ihm (146) vorwürfe, dasz er gegen 
Dieterich, der doch seines geschlechtes sei, ausziehe, vielmehr 
solle er leib und leben in dessen dienste wagen, jener schützt 
lehen und sold vor, den er von Ermenricb empfangen (149). 
das deutet zugleich auf die Verwandtschaft Dieterichs mit den 
Wölfingen (oben s. 107). 

c) Hildebrand nennt den Nere seinen bruder (417), doch 
wol denselben, der vorher in gemeinschaft mit Amelolt er- 
scheint (44. 47. 49. 56. 77). Wolfdieterich (214»- cod. Fr.) 
stimmt mit dieser angäbe (oben s. 232). nach der Klage (oben 
s. 118) ist Nere der vater des Wolfwin und dieser heiszt Hilde- 
brands neve; das könnte also damit bestehen, in der Flucht 
wird kein verwandtschaftliches Verhältnis des Nere berührt. 

d) Zum erstenmal dagegen ^'^ hier ein anderer bruder Hilde- 
brands: mönch Esan (403, 3). wir werden ihn im Rosengarten 
wiederfinden; der anhang des heldenbuchs sagt kurz: ^munich 
ylsan hiltbrant bruder.' hier hören wir, dasz er in Dieterichs 
Ungnade steht (319. 403. 404), und zwar weü er ihm vor Gar- 
ten seinen vetter (öheim) erschlagen, nur mit mühe lässt sich 
der Berner bewegen, ihm die schuld zu vergeben (404 — 408). 

— diese erzählung wird durch kein anderes gedieht aufgeklärt 241 
und man erräth nicht, was für ein verwandter Dieterichs das 
könnte gewesen sein, sollte der bei einer andern veranlassung 
(oben s, 196) erwähnte streit Wittichs mit Amelolt damit in 
Zusammenhang stehen? die Vilkina saga weisz nichts von 
diesem Usan, aber die dänischen heldenlieder (udvalgte Danske 
viser 1, 6. 19) kennen einen munk broder Aising; doch als 
Hildebrands bruder wird er nicht aufgeführt, obgleich einmal 
(19, 27) unmittelbar nach ihm genannt. 

7) WiUich und Heime (oben s. 19. 20. 146. 195. 209). 

a) im Verhältnis zu Dieterich. Heime hatte den Bemer in 
der Jugend aus Übermut bestanden, Dieterich ihn aber mit ge- 
walt bezwungen. Heime wurde hierauf sein mann und schild- 
geselle, leistete ihm den eid und erhielt land und gut (7). 
Dieterich erinnert ihn, der jetzt dem Ermenrich unterthänig ist, 
selbst daran und ermahnt ihn, nicht seine treue zu brechen (12). 
Heime erwiedert, er habe ihm in seiner Jugend grosze dienste 

'^ nsan tritt hier znm ersten mal als mönch auf, angefahrt ist er schon 
im Wolfdieterich (s. 232). 



240 «0 

241 geleistet (11), Ermenrich ihn aber genöthigt, den krieg anzu- 
kündigen, auch wolle ihn der kaiser nicht aus seinem dienste 
los lassen (18); er erinnert den Dieterich, dasz er ihm damals 
freiwillig Urlaub gegeben, als er von ihm weggegangen sei 
(25 — 26). der Berner leugnet das nicht, sagt aber, damals 
habe er ihm treue gelobt und versprochen, niemals als feind 
gegen ihn zu reiten (27. 33). Heime entschuldigt sich: sein 
Herr, der kaiser, bestehe auf dem kämpf gegen ihn, er müsse, 
da er gold und groszen lohn genommen habe, auch (Üenste thun 
(28—32). Heime, der zu der rückkehr friede von Dieterich 
erhält, sagt zu sich selbst, er sei nach Bern zu den Wölfingen 
wie zu feinden geritten, aber freundlich behandelt worden. 

Wittich erhält ähnliche vorwürfe von Alphart, er handle 
treulos an Dieterich, dem er eide geschworen und der ihm 
nichts zu leid, aber viel gutes erzeigt habe, gold, bürgen und 
land gegeben (215 — 220). aber auch Wittich glaubt sich durch 
empfangene gaben dem Ermenrich verpflichtet (206. 207). 

Beide, Heime und Wittich, haben bei ihrem übertritt in 
des kaisers dienst ihr früheres Verhältnis nicht vergessen, da 
sie, wie jener versichert (42), eidlich gelobten, niemanden gegen 
Hildegrin d. h. Dieterich selbst hülfe zu leisten. 

Was andere gedichte von den begebenheiten wissen, auf 
welche wir diese beziehungen hier finden, ist folgendes, der 
dichter der Flucht spricht nur ganz allgemein von Wittichs 
treulosigkeit (oben s. 195) und lässt ihn auf kurze zeit in 
Dieterichs dienste zurückkehren, von Heimes früherem verhält- 

242 nisse aber nicht das geringste. auch die Kabenschlacht sagt 
nichts, als dasz Heime Ermenrichs fahnenträger gewesen (712. 
833—838. 844 — 847); untreue wird dem Wittich vorgeworfen 
(380. 388. 460) und Diether, Dieterichs bruder, ruft ihm zu 
(387) : ow^ wa tat ir iuwer sinne, do ir verkauft unser lant und 
meint damit die in der Flucht (7692—7695) erzählte, abe^ 
malige verrätherei, womit er Kaben, bei seiner rückkehr von 
Dieterich ihm verliehen, dem Ermenrich überlieferte. der 
Rosengarten d allein erklärt, warum Wittich den Dieterich ver- 
liesz und in Ermenrichs dienste trat, und um so mehr, glaube 
ich, bezieht sich unser gedieht auf diese erklär ung, als wir dort 
wiederum eine hinweisung auf Alpharts tod finden, und dadurch 
erst verstehen, warum Wittich hier* (39) die Wölfinge flr seine 
feinde hält, ich theile die stelle aus cod. Arg. mit, dessen text 
vollständiger ist, und die bessern lesarten aus Pal.: 

Wolfhart übel muote und was im also leit, 

daz Witige der küene Scheming daz guot res reit, 



* nicht Wittich, sondern Heime ist Alphart 39 der redende. 



90 8« 

daz im in dem garten zuo solde was gegeben: 9tii 

daz begunde müegen Wolf hart den degen, 
Daz er die gab het enpfangen vür in s6 minnedtch (wün* 

nencltoh P). 

Witege der küene gienc vür her Dietertoh, 

er sprach gezogenltche: lieber herre min, 

ich kan nit wizzen, wie im mac stn. 

(swie gerne ich iu nu diente, so enmag ez nit gestn. P) 
Daz mich so s6re hazzet der Wölfinge übermuot, 

ich weisz nit warumbe, ez danket mich nit guot. 

swie stille ich darzuo swige, got weiz min herze wol; 

zuo solichen dingen man nit vü reden sol. 
Do sprach gezogenliche von Beme er Dietrich: 

wellent ir danne heim (den hinnen P) riten zuo künig 

Erentrich (dem keiser Ermentrich P), 

so gedenkent an die eide, die ir mir hänt geswom, 

dar an sült ir nit wenken, ir flirste (recke P) hoch 

gebom. 
Ja wolt ich wenken, iürste hoch gemeit; 

min lip si verwäzen, brich ich den eit. 

dannen vuoren die herren üf der selben vart; 

do (1. daz) kam eider ztw leide dem jungen AI/hart* 

Über Heime gewährt die Yilkina saga einige aufklärung. 
er ist erst sechszehn jähre alt, als er zu dem noch nicht zwölf- 
jährigem Thidrek nach Bern auf dem rosse Riapa reitet und 243 
ihn übermüthig zum Zweikampf heraus fordert, da ihm zuletzt 
das Schwert Blodgang (nur bei Bafn s. 51 und in der alt- 
schwedischen Yilkina saga) zerspringt, musz er sich dem 
Thidrek ergeben, der ihm das leben schenkt und ihn unter 
seine mannen au&immt (c. 17). darauf beziehen sich Diete- 
richs Worte in unserm gedieht. Heime holt und schenkt dem 
Thidrek das pferd Falke und befindet sich noch lange bei ihm 
(c. 169. 245). während dieser zeit musz sich eine begeben- 
heit zugetragen haben, auf welche Thidrek späterhin anspielt, 
und welche nicht näher bekannt ist er sagt zu ihm: erinnerst 
du dich, wie unsere pferde in Friesland so gewaltig tranken, 
dasz das wasser verschwand (c. 390 Bafn)? hernach scheint 
er zugleich mit seinem gesellen Vidga in Ermenreks dienste 
übergegangen zu sein; gesagt wird nichts davon, aber wir 
finden ihn mit jenem an dessen hof, wo er sich zu gunsten 
Thidreks und heilig gegen Sifkas ratschlage äuszert (c. 261); 
ja er reitet hin und warnt den Thidrek (c. 264), gibt dann dem 
Sifka einen schlag in das gesicht und entfernt sich zornig, es 
wird noch gesagt, er habe Ermenreks und Sifkas land ver- 
wüstet und verbrennt, aber weiter hören wir in dem Pering«* 
skjöldischen text nichts von ihm, und er verschwindet aus dei: 

WiLH. ObIMM, DHUTSGHB BBLDB1I8A0B. 16 



i4S «=— ÖO — 

Siir sage, nafiientlich ist er nicht in der grossen schlacht gegenwär- 
tig, dagegen in den handsohriften^ welchen Ra& folgt, werden 
seine spätem sdndcsale erzählt (c. 887—892). während Thidreks 
abwesenheit lebt er in einem wald. als er des königs rückkehr 
vernimmt, geht er in ein kloster ['Wilten', Jac. Grimm, vgl. 
s. 156] und besiegt den riesln Aspilian, folgt dann dem Thidrek 
nach Rom, der ihn ehrt, and wird endlich im kämpfe mit einem 
tiesen getödtet. 

Über Vidga berichtet die Vilkina saga ziemlich vollstän- 
dig, aber abweichend von dem Rosengarten, mit einwilligung, 
sogar auf betrieb Thidreks, geht er in Ermenreks dienste über, 
damit er die wittwe eines seiner grafen heiraten und zugleich 
dessen land erhalten kann (c. 247). er zeigt hernach noch bei 
jeder gelegenbeit anhänglicbkeit an Thidrek, tadelt Ermenreks 
betragen (o. 261), warnt ebenfalls seinen vorigen herm (c. 263) 
und hilft dem Heime bei seiner Flucht (c. 266). als es zur 
Schlacht kommt, erklärt er dem Ermenreks dasz er nur ungern 
und gezwungen gegen Thidrek kämpfe und ihm keinen schaden 
zufügen wolle (c. 300. 801. 305). den Thether erschlägt er, 
um sich selbst das leben zu erhalten (c. 310). was hernach 
folgt, ist schon (oben s. 209. 210) bei einer andern gelegenheit 
berührt. Tidga erscheint überhaupt in einer edlem gesinnung, 
244 als in den deutschen gedichten. vorzüglich gilt dies in be- 
ziehung auf unser werk, als Heime dem Wittich vorstellt, es 
werde ihnen schlechten rühm bringen^ erschlügen sie zwei den 
jüngeling, und, wol in beziehung auf die lebendige sage, hinzu- 
fbgt, von ihrer untretce werde man immer singen und sagen; so 
erwidert jener unritterlich, lieber wolle er sich schelten lassen, 
als das leben verlieren (254 — 256). 

b) im Verhältnis zu einander. 

Wittich verlangt dringend Heimes beistand gegen Alphart 
und sagt: ich mahne dich deiner eide und der treue, die du 
mir geschworen, du verhieszest mir, bis an den tod sollte 
deine band mich in keiner gefahr verlassen, du solltest daran 
gedenken, dasz ich dir zu hülfe kam und dir das Üben fristete; 
es geschah zu Muta/ren^ du und der von Bem^ ihr beide hätUi 
sonst den grimmen tod dort erlitten (251 — 253). dies ereignis 
musz in einer verlorenen sage erzählt worden sein, denn kein 
bekanntes gedieht redet davon. 

Hernach, als Heime auf Alpharts (verdecktem) Schilde 
Dieterichs zeichen vermutet, will er nicht gerne gegen ihn, 
überhaupt nicht gegen die Wölfinge, kämpfen. Wittich macht 
ihm vorwürfe : das nast du mir mehr gethan, du brachst inuner 
deine treue, wenn ich in hartem kämpfe stand y wolltest du diek 
mit dem feinde versöhnen (260. 261). auch davon wissen die 
erhaltenen gedichte nichts, nur aus der Vilkina saga (c. 37) 
Uesze sich anfahren, dasz Heime dem Vidga gegen Sigstaf an* 



91 248 

fanglich nicht beistehen will. das wirft ihm Vidga hernach 244 
auch vor (c. 88), sowie bei einer andern gelegenheit (c. 129) 
seine treulosigkeit« 

8) Es musz noch besonders erwähnt werden^ dasz, als 
Wittich ge^en Alphart reitet, der dichter sagt: er habe sich 
rächen wollen an. dem jungen beiden (212, 3). der grund 
scheint aber auch ihm unbekannt geblieben zu sein, denn, als 
Wittich dem Alphart das schwert in den leib sticht, fügt er 
hinzu: nun weiaz ich. doch nicht, was Wittich an dem edlen 
jungen roch (304, 3). 

9) WaÜiher.von Kerlmgen (oben s. 96). 

10) Nudung, ein herzog aus Deutschland, dem Schwan- 
felden und Nürnberg dient (78. 79. 418. 436) [d. i. ein mark- 
graf von Ostfranken.] Jceine spur, dasz er als ein söhn Rüdi- 
gers und mann £tzels betrachtet werde. 

11) Eckehart zu Breisach (oben s. 144). sein schwert 
Gleate (186) wird .sonst nicht genannt. 



91. 

Rosengarten a. darstellung der sage in dem alten helden- 
buch (492 Strophen); ich bediene mich der Hagenauer ausgäbe 
1509, von welcher die andern drucke (vom jähr 1545, 1560 
und 1590) nur in der Orthographie abweichen, von einer hand- 
schrift mit älterm und besserm text gibt es bruchstücke, die 
Docen in den Aretin. beitragen angezeigt hat; die Münchner 
und Dresdner ist zu schlecht, als dasz eine vergleichung damit 
hier yortheil hätte bringen können. 

1) Siegfrieds Jugendzeit. 

418, 5. *Der bemer zu hiltbrant sprach 

Bestand ich den hürnen man 
Das wer min grost vngemach 
Ich müszt den leib verloren hau. 

419. Er erschlug vor einem steine 
Ein trachen was freyssan 

Dem mochten alle förste gemeine 

Doch nit gesigen an 

Seyfrit der hürnen künge 

Hat gar vü recken erscUagen 

Noch weys ich dreü dinge 

Dauon wü ich nit sagen (1. dagen'% 

I '^ obgleich in allen mir bekannten drucken sagen steht 

16» 



245 



244 91 

346 420; Er treit ein schwert so hert 

Das schneydet alle bandt 
Kein hamasch sich davor emert 
Es ist menung genant 
Das ander ist ein bringe 
Do merk da mich gar recht 
Die macht von stahel ringe 
Der meyster eckenbrecht. 

421. Er wirket sy nach küneten 

Vnd nach meisterechaft 

Er wüste das der held in brClnsten 

Gewunne grosse krafflb 

Ooldee vnd edel geeteine 

Des läge gar vil daran 

Es wart nye schwert so reine 

Das jn gewinnen kan. 

422. Das drit went mir myn mftt 
Er ist ein hürnen man. 

346 Vnd het er fleisch vnd blät 

Ich wölt jn gern bestan 
Das ich mit jm solt fechten 
Ich were ein tumer man.' 

Des drachenkampfes wird nur in dieser darstellnng des 
Rosengarten gedacht. — Menunc soll heiszen Miminc; nämlich 
die Schwerter Wittichs und Siegfrieds sind hier verwechselt 
(vgl. s. 320) und jenem ist (313) Balmunc zugeschrieben; c und 
D meiden diesen irrthum und legen Balmunc dem Siegfried 
ausdrücklich bei. — merkwürdiger und a allein eigen ist die 
erwähnpng des kostbaren, goldverzierten panzere^ den Siegfried 
trägt und dessen meister sogar genannt ist. sollte mit diesem 
Eckenbreht (Eckerich im Kosengarten Weigels 1392) Mimes 
geselle Eckehard in der Yilkina saga (c. 145) gemeint sein? 
von einem goldpanzer sagen die deutschen gedichte nichts, 
aber nach der Edda (Sigurdarq. p. 188) fand Sigurd eines 
solchen in Fafnes schätz. 

Siegfrieds stärke wird fast mit denselben werten, wie in 
dem liede von ihm (33, 3, 4; oben s. 72j beschrieben: 

3, 5. 'So grosz was die sterke syn 
Das er die leo fieng 
Ynnd sy mit den schwentzen sein 
Vber die mauren hieng.' 

2) Kriemhild sagt zu Dieterich i 

247. ^Ich hör von dyner künheit 
So vil singen vnd auch sagend 



»1 245 

Oder, wie die worte in c laaten (l?**); 34« 

Ich hcere aint dtner kinthett vä singen und soffen^ 
Du habest bi dtnen ziten der recken vil erslagen. 

3) Dieterich, als er mit Siegfried nicht kämpfen will, sagt 
zu Hiltebrand und Wolfhart: 

417. *Ir brechtent mich vmb dö leyb 
Ir sind zwen falsche wicht 
Myn brüder vnd myn weyb 
Lassent euch myn erbteU nicht/ 

Bei Dieterichs Verheiratung mit Herrad war sein bruder 
Diether schon in der Rabenschlacht geblieben, die erwähnung 
jener (es müste dann hier eine andere frau Dieterichs gemeint 
sein), ist also gewis unrichtig und findet sich auch nur in a, 
in B lautet die entsprechende strophe: 

318. Wan ich von im must sterben 
was wer geholfen dir, 

ich het wol neher erben 347 

ein jungen prüder schir. 

In c und d fehlt sie ganz, dort (11* c und in beiden hand- 
schriften von d) werden bei einer andern Veranlassung, bei dem 
anszuge aus Bern, Diether und die jungen Harlunge genannt. 
der Rosengarten flllt demnach in die erste zeit Dieterichs, vor 
dem kriege mit' Ermenrich. 

4) Von den Wolßngen {269 k; 174b; 2% 19^ 2P, 30^ c; 28 d) 
finden wir nur drei: Hüdebrant^ Wolfhart und Sigeetab^ dasz 
aber auch Heime und Wittich sich hier unter Dieterichs käm- 
pfem zeigen, ist der oben (s. 102) geäuszerten Vermutung gün- 
stig, was die übrigen betrifft, welche die zwölfe voll machen, 
so sind auszerdem noch Dieüeib von Steier und mönch Ilsan, 
also sieben namen, sämmtlichen darstellungen des Rosengarten 
gemein, dagegen Eckehart findet sich als mitstreiter nur in a, 
B und c; in n wird seine abwesenheit sogar fiir nothwendig 
erklärt, lediglich in a und b drei: Amelolt (d. h. als kämpfer, 
er erscheint auch in c und d, zieht aber nicht mit aus), Helm- 
ach/rot (auch im gedieht von Alphart; vgl. Helmschart oben 
8. 191) und ein Ortwein; der letztere sehr unpassend, da auch 
iinter den rheinischen beiden einer dieses namens vorkommt. 
c und D haben dafQr Rüdiger von Bechelaren und Hertnit 
(Hartumg) von Russen gemeinschaftlich; den dritten ersetzt c 
durch einen herzog Amelung^ d den dritten und den vierten 
(den als wirklichen Streiter fehlenden Eckehart) durch Frut 



246 W 

^T von Dänemark und Dieterich von Grrieehew. die* itämpfe sind 
verschieden geordnet; nur a und b stimmen überein. 

5) Ein ähnliches Verhältnis in beziehung auf die heJden 
am Rhein. Gibich herscht zu Worms und seine söhne Günther 
und Gernot; alle drei zählen so gut mit als dort Dieterich, um 
die zwölfzahl voll zu machen, unerwähnt bleiben Giselher, 
(was auch schon oben s. 13 hätte angemerkt werden sollen), 
Dankwart, Sindold, Hunold, Rumold, öere und. Eckewart, und 
von den bekannten namen finden wir nur Hagen von Tronje 
und Volker von Älzeie; Ortwein kann kaum für den Ortwin von 
Hetzen gelten, da er als ein riese und bruder des Pusold er- 
scheint, allen darstellungen sind femer gemein Asprian und 
Schrutan; von beiden wird sogleich näher geredet werden, 
ebenso von Ptcsold^ der jedoch blosz, wie Ortwein^ in a, b und 
c erscheint, d hat für diese beiden den schon aus dem Bite- 

248 rolf (oben s. 145) bekannten Rienold von Mailand und einen 
herzog Herhort, endlich nur in a und b Staudenftisz (oben 
s. 136); statt dessen in c und d Stuffing (von Irland c, aus 
Ungerland d cod. Pal.). — ein herzog Sabin aus Brabant (in a, 
B und c) kämpft^ nicht mit, sondern ist blosz böte der Kriem- 
hild nach Bern. 

6) Asprtdn^ aus dem Ruther, der Vilkina saga und Diete- 
richs drachenkämpfen (229^), auch durch das zeugnis im Rein- 
Med von Braunschweig (oben s. 174) [und s. 279] als ein riese 
bekannt*, erscheint hier als ein kämpfer Gibichs im rosen- 
garten. er wird gleichfalls als ein groszer riese dargestellt 

'(296. 301. 312. 313 a; 20»> c) und d im cod. Pal. fügt hinzu: 
oberhalp des gürteis aht klafler lanc). zwei Schwerter trägt er 
(297 a; 20^ c); nach d in einer scheide; b legt ihm auch (55) 
vier bände bei. er wird des tiuvels genoz 301 a, tiuvelsoldan 
20^ c, tiuvels man d, genannt, im anhange des heldenbuchs: 
^Asperian ein ryss, der fört zwey schwert in einer scheiden, 
damit kund er fechten/ 

7) Schrutan [ZE. 26, 8], jener Etzels mann in der Nibe- 
lunge noth und im Biterolf (oben s. 141) kann nicht gemeint 
sein, er ist ein riese (123. 280. 288 a, 19^ c) and hat nachi 
(125; vgl. B 104) vier arme; es heiszt von ihm: 

123, 7. A. 'Dem die recken gryse 

Bis an das mör sint vndertän.' 

7*- c. dem sint die risen alle durch vorhte undertan. 



* vgl. ZE. 28. 1 und den coninc Espriaen mit seinen riesen in den 
fragmenten des alten niederländischen gedichts vom bar Wisselau in Sermres 
vaderlandsch museum (Gent 1858) 2, 265—284. 



91 . 24T 

Doch das richtigere enthält d in einer zeile, die zweimal M8 
(Arg. und Pal. 6. 28) vorkommt: 

dem sint die (ßiu laut von Arg.) Prinzen biz 4/ daz 

mer von vorhte undertdn. 

Und Gibich setzt hinzu: 

Ich h&n in üf mtnem hofe vierzec j4r erzogen. 

Auch der anhang des heldenbuchs: 'Schräthan ein ryss, 
dem waren die preüaeen biez an das mor underthon/ 

c (auch a) gibt noch ein verwandtschaftsverh&ltnis an. 
Schrutan sagt (19^): 

mich riuwent also sSre diu mtnee bruoder kint 
diu mir in dem garten zuo töde geslagen sint. 

Und (19^): er klaget also s6re diu stnes bruoder kint. 
Er meint damit den Ortwein und Pusold. 

8) Pusold scheint mit jenem 'PauzoW von Norwegen in der 249 
Rabenschlacht oben (s. 197) nichts gemein zu haben, als ein 
riese (268 a, 197 b, 19* c) heiszt er ein ungetaufter (122 a; 
100 b), und in a und c wird ihm (19*) vorgeworfen: du würde 
nie kristen holt, nach a und c (19*) ist er ein bruder von 
Ortwein. 

9) Wittich weigert sich mit dem riesen Asprian zu 
kämpfen: 

299. A. 'Ich bin in frembdem lande 
Des mos ich hie entgelten. 

225. B. 'Ja wen ich wer ewr freunde 
so hiest ir michsz sein nit 
dar vmb ich hie pin fremde 
so sol ich Streites sit 
mit im sein vberladen.' 

Bezieht sich auf seine schon vorhin (s. 210, vgl. 20. 196) 
besprochene herkunft aus der ferne, er gehört nicht zu den 
Wölfingen. 



248 92. 98 

M9 



92. 

Rosengarten b. Überarbeitung des Caspar von der BSkn. 
stimmt im ganzen mit a, weicht jedoch in der erzählung des 
einzelnen, namentlich bei der beschreibung der kämpfe, nicht 
selten ab; manchmal ist sie sogar ausführlicher, hier geht uns 
nur eine einzige Verschiedenheit etwas an: Volker der spielmann 
wird von Ortwein nicht blosz verwundet, sondern todt ge- 
schlagen (271), während er in a, sowie in € und d (wo ILsan 
sein gegner ist) am leben bleibt; natürlich weil er noch in der 
Nibelunge noth eine so bedeutende stelle ausföllen musz. kannte 
nun der Urheber von b das Nibelunge lied gar nicht, oder trat 
in dem, welches er kannte^ Volker gar nicht auf (vgl. oben 
s. 130)? 



93. 

BosENGARTEN G. die Sage nach einer Frankßirter hand- 
Schrift, worin der text ohne vergleich reiner und vollständiger 
ist, als in allen andern, mir bekannten, durch die einmischung 
eines zugs, den Dieterich zu Etzel und Herche unternimmt, 
ihren beistand zu erbitten, unterscheidet sich diese darsteUong 
wesentlich von den vorigen. 

1) Berufung auf eine handschriftliche quelle; tuot uns da: 
buoch bekant (13**. 15*. 26^). das älteste zeugnis, das wir bis 
jetzt kennen, findet sich bei Ottokar von Horneck (oben s. 170). 
[vgl. oben zu nr. 12^ s. 169, ZE. 26, 8; 40. 44. und unten 
s. 283.] 

360 2) Hildebrand spricht zu Dieterich (27«>): 

— sft ir ez, her Dieterich 

deme der vogt Dietmar liez stn erbe vnd stn rtchf 
Ich bin dem sin vater Dietmar allez sin erbe lie, 

3) Der alte meister mahnt^'den Berner an seine helden- 
thaten (27*): 

— rttet doch vil dicke striten in den walt, 
da bestet ir mit strtte würme, risen unde man* 

Auch in d diese und noch eine andere (unten s. 255) er- 
wähnung von Dieterichs kämpfen mit drachen: etwas ähn- 
liches im Wolfdieterich (oben s. 234). es ist wol das besondere 



98 249 

gedieht (unten nr. 99) gemeint, doch tödtet auch schon in der 360 
ViUdna saga (c. 44) Thidrek gemeinschaftlich mit Fasold einen 
drachen und befreit den Sintram. (Haupts zs. 6, 159. 160.) 

4) Stfnt üz Niderlant (26»>), der hürntn (26 S 27% vgl. oben 
s. 105). Gibich sagt ihm die Kriemhild zu, wenn er gegen 
Dieterich kämpfe (26»), aber hernach heiszt es (31*): aö sie 
sach in noeten Sifrit ir lieben man. seltsam lautet: swie daz 
Sifrit hümin waere, drt hakberge leit er an (26**); auch in d 
wird das erzählt (cod. Arg. und Pal. 49), doch sind es da nur 
zwei. liegt darin eine beziehung auf den panzer des Ecken- 
brecht, wovon blosz a redet? die drei panzer, die ohne bei- 
spiel wären, vermute ich, sind aus einem misverständnis des 
Wortes drilich (triplex; pf. Konrad gebraucht es) hervorgegan- 
gen, was in der altem quelle vorkommen mochte und sich auf 
das dreifache geflecht der panzerringe bezieht. (haet er zehen 
halsberge an. Stricker 79**.) 

5) Als Siegfried dem Dieterich einen grusz mit Balmung 
verspricht, antwortet dieser (29**): den gruoz vergelt ich dir 
mit mime Schwerte RSaen. die stelle des Eckesahs vertritt also 
Otnits von Alberich geschmiedetes schwert, denn dieses heiszt 
Rose (123. 199. 202. 321 Otnit s. oben s. 227; und Wolfdiete- 
rich 95^ und **), oder vielmehr, da es wahrscheinlich (nach 
Wolfdieterich und Sahen 244 ausdrücklich) dieses schwert war, 
welches Wolfdieterich mit des kaisers goldpanzer in der 
drachenhöhle fand und hernach führte, es sind beide Dieteriche 
verwechselt, in d ebenfalls die obige stelle, nur mit verderbtem 
text, aUein bald nachher heiszt es noch einmal in beiden hand- 
schriften : 

Rose wart erswungen in des Bemers haut, 

6) Herzog Amelunc wird nur in diesem Rosengarten c 
(7% 11**, 13*) und im Volkslied von Hildebrand (2, 2) genannt, 
zwar steht in einer von Docen (bair. intelligenzbl. 1812 s. 59)261 
angezeigten, zu dem Rosengarten a gehörigen handschrift gleich- 
falls dieser name, ist aber dort, wie in einer vorhin (s. 191) an- 
geföhrten stelle aus dem anhange des heldenbuchs und vielleicht 
im Siegenot (s. unten) für Amelolt gesetzt, was hier unmöglich 
der fall sein kann, da dieser Amelot mit auftritt, wir erfahren 
nichts näheres von ihm, will man nicht in der antwort, die er 
dem Hildebrand bei dem aufruf zum kämpfe mit Gibich gibt, 
eine beziehung auf frühere Verhältnisse sehen (25**): 

Ich besten in wiUeclfche, sprach herzog Amelunc 

dem gedehte wirde ich nimmer holt^ sie sin alt oder junc. 

kein helt wart nie so küene, sie habent in vür niht. 



2M 93 

261 7) Dasz Wittieh nicht eher kämpfen wffl, als bis sich 

Rüdiger wegen Nudungs tod mit ihm versöhnt hat, ist schon 
oben (s. 101) bemerkt, wer in das gedieht diese beziehmig ein« 
rückte^ bedachte nicht, dasz die, Schlacht, worin Nudung blieb, 

noch gar nicht konnte vorgefallen sein. 

* 

8) Als för den Walther von Waskenstein ein gegner aus- 
findig zu machen ist, sagt Hildebrand (7^): 

dem ich sinen kempfen, weiz got, niht finden kan, 
ez st dan Dietleip von Sttre^ der ist ein starker man. 
hülf uns der herzöge, vil lieber herre min, 
so möhten wir mit vröuden wol rtten an den Rin. 
Do sprach der wol gezogen von Berne her Dietertch: 
ich hdn im gedienet Ideine, daz riuwet ietzunt mich. 

Worauf sich das bezieht^ weisz ich nicht zu erklären (vgl. 
oben s. 194). 

Dietleib kämpft mit Walther (in d mit Stuffing) und beiden 
wird der sieg zugesprochen (23*); 

Sie bunden abe die helme und nigen der künegbi. 
üf saste sie (Kriemhild) ir ieclichem ein r6sen kren- 

zeltn, 
ein helen und ein küssen gab sie da ie dem man. 
dd wurden eitgeseUen die stolzen recken wol getan. 

Von dieser Verbindung beider beiden weisz sonst kein 
gedieht. 

9) Norpreht [ZE. 40.]. als der zug an dem Rhein an- 
langt (13»»): 

dö sprach der künec Etzel: wol lieben herren min, 
nuo ratet alle geliche, wie komen wir über Rin. 
do sprach der alte Hildebrant vil gezogentüch: 
niht mit gewalte, vil edeler künec rieh, 
daz läze ich iu wizzen, sprach her Hiltebrant, 
Norpreht heizet der ferge (tuot uns daz buoch bekant), 
252 er weis min hergeseüe hie vor vü m>anegen tac, 

in reisen, in hernoßten, mit triuwe er min pflac. 
der degen ist vü küene, 

auch redet einer den andern (14*) trüt geselle im ge- 
spräche an. 

Der fahrmann kommt zwar auch in d vor, aber er ist 
dort ein riese mit zwölf söhnen, imd auch sonst weicht die er- 
Zählung ab ; von einer bekanntschaft mit Hildebrand wird nicht 
das geringste gesagt. er heiszt im cod. Pal., wie hier, Nor- 
brecht, im cod. Arg. Ruprecht^ und damit stimmt demnach 



93 251 

vdUig der anhang des beldenbuchs: ^ Gibich un Crimbilt betten 35t 
ein fergen zu wurms an dem rin. der was ein starker grosser 
held genant Rüprekt vnd het zwölf süne.' 

10) Von einer ungenade, in welcber nach Alpbart (oben 
8. 240) Bsan bei, Dieterich stand, weisz unser gedieht nichts, 
aber es berührt andere umstände aus dem früheren leben des 
mönchs. Dieterich und Hildebrand ordnen die kämpfe, jener 

fragt (7*): 

Wer best^t nuo Volkeren den ftzerwelten degen? 

der ist in herten stürmen gßn hunderten verwegen. 

Dem ich nuo sinen geliehen nirgent finden kan, 

in bestüende dan min bruoder, der starke münch Ilsan, 

der ist uns leider vremde, so sprach er Hiltebrant, 

ie doch wil ich in suochen da ich in bi wüen vant. 

Do sprach der Bemaere: wie mac daz werden war? 

er ist in siner kutte gewesen me den zwenzec jär. 

Wizzet ir nit^ herre, waz iu der münich swtior, 

do ir im erlouptet daz er in daz Jdoster vuorf 

er geloht iu eine reise und swuor iu einen eit, 

swan iu sin aller notest wcere^ so wolt er iu sin' bereit. 

Und hernach erinnert Hildebrand seinen bruder daran (9**): 

dich bitet min herre von Beme, sprach meister Hilde- 

brant, 
daz du gedenkest an den eit^ den du ime tcete in die 

hant 
du gelobtest im ein reise unt swüere im einen eit, 
swanne uns dm aller notest wcere^ du woldest sin bereit. 

Auch b enthält beide stellen und zwar cod. Arg* am 
besten, c. Pal. hat von der erstem nur einige zeilen, jedoch 
stimmen beide handschriften in der abweichung von c überein, 
dasz der mönch zwei und dreiszig jähre, nicht zwanzig, im 
kloster gewesen sei. eine lange abwesenheit wird übrigens vor- 
ausgesetzt, da Ilsan seines bruders söhn, den Wolfhart, nicht 253 
kennt (11'). d lässt ihn sagen: er lag in der wagen do ich 
in ze naehsten sach. als Ilsan sich zum kämpfe rüstete (lO*'): 

do hiez er ime bringen ein sper und einen schilt, 
da mit er bt sinen ziten vil dicke hdte gespüt 

11) Hertnit künec von Riuzen. wir erfahren blosz den 
namen. in d, wo aber beide handschriften Hartunc lesen, wird 
noch gesagt, sein zeichen sei ein rad gewesen, auch itn an- 
hange des beldenbuchs: ^ künec Härtung ausz reüszen]ant\ in 
der Vilkina saga ein könig Hertnid von Russland (oben 8. 177, 



252 — 94 

253 183. 198); wird dieser gemeint, so ist seine erscheiniing im 
Rosengarten neben Etzel unpassend, indem er dort der grosz- 
vater der Herche ist. 

12) ^ Stuffing von Irland (7*, 22*), der gegner Hertnids, 
dem er unterliegt, n nennt ihn im c. j?al. ^&tueffing vz Unger- 
lant^ im cod. Arg. 'Stiffing^ und 'Schiffing uz Igerlanf. ob der 
anhang des heldenbuchs, von beiden angaben abweichend oder 
sie vereinigend, wirklich das richtigere enthält, ist noch die 
frage: 'Stiefung ein kunig von ypperland^ das leyt in vnger- 
land\ 

13) Von Hagen etwas noch nicht gehörtes (18*): 

einen süberwtzen vanen vuort er in der hant, 
oben üf slnem houpte zwei güldtn vnaanta hörn. 

Auch in d beide zeilen, aber abweichend: ^Ein silber wisz 
Stange färtt er in der hand Da fürt er uff dem heim zwey 
silber wisz hom' cod. Arg. — ^ Einen silber wissen schik fort 
er in der hant Do fürt er vf dem helme zwei guldin horn^ 
cod. Pal. 

14) Volker (23*>): 

den schilt begund er fazzen, do wolt er in die n6t, 
dar ane stuont ein fidele^ diu was von golde rSt, 

Und (24»): 

er truoc an sime schUde ein gtge vil gemeit. 

Dasselbe wird in b und d gesagt, ich hole hier nach, 
dasz er in A (361) eine goldene fidel auf dem rücken trägt. 



94. 

Rosengarten d. die sage ist bedeutend erweitert, am auf- 
fallendsten in der einleitung durch eine fahrt Etzels nadi 
Bern; der text stimmt sonst häufig mehr oder weniger mit c, 
254 weicht aber manchmal ganz ab. es ist in den beiden bekann- 
ten handschriften, der Straszburger und Heidelberger*, in 
einem grade verderbt, von dem man sich keinen begriff macht; 
die erstere ist wenigstens vollständiger, in der Sammlung von 
Hagen und Büsching sind sie in einander gemischt, um einen 

'* ich besitze abschriften; von der letztern durch Caroves gute, nur bei 
dieser sorgfaltigsten bin ich im stände, die Seitenzahlen des Originals axuugebeo. 



94 268 

etwas lesbarem text zu erhalten; f&r Untersuchungen dieser art 264 
musten sie geschieden bleiben, da auf jenem wege jede von dem 
eigenthümlichen, das sie enthält, eingebüszt hat. 

1) Mehrmals in c. Arg. der ausdruck: tuot uns daz buoch 
bekant, dafür in Pal. daz liet (47. 49. 64). doch auch in Arg. 
also wir ez hceren sagen. 

2} Wir finden hier die ausdrücke Burgundcere^ Burgunih 
rtche wieder (oben s. 13), dagegen in c Rtneache man (25^) und 
Rtnherren (31*). den hütern des rosengartens wird (nur in 
Arg.) eine besondere fahne beigelegt: 

ein baniere die sie vuorten diu was schöne bereit: 
ein strich von rotem golde was dar in geleit^ 
anderhalp dar gegene ein strich von sitter wiz. 

3) Sifrit der hüminy künic üz Niderlanty Sigemundes trut 
(c: Arg. und Pal. 49). er ist noch nicht mit Kriemhild ver- 
heiratet, aber sie kündigt dem Dieterich, mit dem er zuvor 
sich messen soll, das fest an. es heiszt von ihm: der vüeret 
zwelf swertj einez ist Balmunc genant; das steht in diesem 
Rosengarten allein, doch in beiden handschrifben (c. Pal. 6) und 
mag auf irgend einem misverständnis beruhen, (über die zwölf 
Schwerter vgl. s. 43. 147. 280, Biterolf 174, Ecke 209 Lassb., 
Haupts zs. 2, 540.) • 

4) Brünhüt erscheint zwar, und in leiser andeutung ihres 
gegensatzes zu Kriemhild, der sie Übermut mehrmals vorwirft 
(Arg. und Pal. 43. 55. 56. 59), aber, befremdend genug, nicht 
als Günthers gemahlin; oder sollte beider Vermählung zugleich 
gefeiert werden? doch heiszt sie auch nicht königin, sondern 
blosz ein frouwe wol getan. auf ihr vorhergegangenes leben 
nicht die geringste hinweisung. 

5) Von Volker von Alzeije wird etwas auffallendes zweimal 
behauptet (Arg. und Pal. 6. 28): er sei der Kriemhild Schwester^ 
söhn, kein gedieht kennt eine Schwester der Kriemhild. der 
anhang des heldenbuchs, der offenbar den Rosengarten d vor 
sich hatte, sagt ebenfalls: ^Fölcker von altzen genandt eyn 
fideler, wann er f&rt ein fydelen in synem schilte. der was 255 
frau crirnhüt Schwester sun\ 

6) WaWier von Kerlingen (oben s. 85 — 96). seine zeichen: 
ein lewe von lasiere (glasure Pal.) an sime schilte was. 

7) Herborty ein herzog auf Gibichs seite (Arg. schreibt 
allzeit Herbort und Pal. Herbot, aber der reim auf dort setzt 
die richtige lesart auszer zweifei), obgleich er hier getödtet 
wird, glaube ich doch, ist der Herbort von Tenelant gemeint^ 



^ den wir schon aus dem Biterolf (oben s. 133) kenüen. im an- 
hange des heldenbuches 'Herbot ein hertzog vnd held'. 

8) Beziehung auf Dieterichs kämpfe mit drachen (Arg. und 
Pal. 8. 9. vgl. oben s. 250) : 

D6 sprach der schribaere: herre, her Dietertch, 
und lazet ir die rösen, ez stät iu lesterlich. 
Ir türret ouch nit striten, daz ez iemcm fromez sikt, 
wanne mit den wurmen im wcdde^ diu scheine Kriem* 

hild spricht, 
sie müge dem von Beme des prtses nit jehen, 
sie hab danne von sinen banden ein starken strit ge- 
sehen. 

9) Rüedeger der milde hat hier einen, sonst nicht genannten 
kneht Herman bei sich (Arg. und Pal. 22). 

10) Dieterich lässt entbieten (Arg. und Pal. 10): 

— der milden marcgrävinne, der riehen Gotelmt 
daz sie mir her sende ir lieben swester kint. 

Wer das ist, darüber gibt kein gedieht auskauft, denn 
keins weisz von einer Schwester der Gotelind. auch schickt 
sie in der that niemand dem Dieterich zu hülfe. 

11) Eckehart (s. oben 144). als Hildebrand dem Amelolt 
beim abschiede die zurückbleibenden empfiehlt, nennt er auch 
die Harlunge und sagt (nur in Arg.): 

wir nemen in im herren^ Eckehart muoz ouch mite» 

Allein es ist von ihm nicht wieder die rede und er er- 
scheint auch nicht beim kämpfe. 

12) Hildebrant der alte (Arg. und Pal. 10): 

— — — vüert der weife drt 

und vüert uf dem helme ein güldtn aarhant 

il. h« eine goldne schlänge (serpent). davon ist auch im Siege- 
not die rede, die drei wölfe auf dem schild aber sind bei dem 

- Wolfdieterich (s. 233) abgehandelt. 

256 13) Wolf hart (Pal. 30): 

— vüert an dem Schilde ein wolf was rot güUMn; 
dö vüert er üf dem helme, der degen vil gemeit, 
ein silberwize stange^ von dem (1. der) man wunder seit; 
daran goltscheUen^ daz rede ich äne wanc, 
swenne er den heim erschutte, daz ez vil lüt erklanc. 

Arg. ist an dieser stelle verderbt und wiederholt die zeile, 
welche das zeichen Fruts beschreibt. 



— Ö4 — ^56 

14) Ih<m. sein ross (Ars. und Pal. 10): was Scheminges 2^ 
hruoder michel unde starc. m Pal. weiter auch der name: 
'Benig* daz guot ros wart von im überschritten. 

15) Fruot küniö von Tenemarc, sein schildzeichen nach 
cod. Arg.: driu mardera houbet^ dagegen nach Pal. (37): vüert 
er daz ^marmeV an dem Schilde sin, und in der Rabenschlacht, 
wo er auf Ermenrichs seite kämpft, wieder etwas anderes (oben 
8. 211). er wird hier zum gegner Günthers bestimmt, weil er 
räche an ihm zu nehmen hat. Hildebrand ruft ihm zu (Arg. 
und Pal. 37): 

W& bistu nü von Teneima/rke der junge künic Fruot f 
ez hebet in dem garten CKinther der degen guot. 
mit dem soltu striten, du junger helt starc. 
Gerne, sprach künic Fruot, er treip mich üz Tenemarc, 
er nam mir ouch min erbe^ daz mir min vater lie. 

Ferner: 

er sprach: mich hat übergangen eines sseligen tages 

schtn, 
daz ich gen minem vtnde ein kempfe hiute sol sin. 
ich wil im wünschen glückes, der mich gen im hat 

gestalt. 
mit im wil ich gerne strtten, sprach der degen halt. 

Und nochmals: 

aCh, Günther, dich wil triegen din grözer übermuot 
du nceme mir min erbe und minea vater lant, 
daz wil ich dir gelten, als ich dirz schuldic bin. 

Im anhange des heldenbuches ^Frut auss thenmarck ein 
junger künig\ wahrscheinlich aus unserm gedieht hier genomr 
men. (über Frute s. Jac. Grimm kleine Schriften bd. 4, Haupt zu 
Engelhard s. x— xu [MSF. 25, 174 mit anm. Biter. 1910 anm. 
Aiöbras. Wolfdietr. a. 6. ZE. 23, 2. 28, 6.]). 

16) Dieterich von Kriechen (oben s. 198). 

17) Gibich fragt: 

Wer bestät mir mtnen risen, der heizet Schrütan? 
dem sint die Priuzen biz an daz mer undertän. 
ich hän in üf mfnem hofe wol vierzec jar erzogen. 

Hildebrand antwortet (auch in a 125): 257 

den bestät Seimcy der hat vier eUenbogen, 

in dem anhange des heldenbuches dieselbe bemerkung: 
^Heime ein held was Adelgers sun eyn hertzog hett vier elbogen\ 
aber auch die altschwedische Vilkma sag» sagt übereinstiaiK 



256 95 — . 

357mend: ^Heim hin grymmai — — han haffdhe langa arma oc 
//// alioga oc tiwkka hander oc fagra finger\ in dem nordi- 
schen text fehlt diese stelle. (Haupts zs. 2, 541.) 



95. 

Volkslied von Hildebrand, (nach unserer ausgäbe.) [ältere 
drucke s. Uhland Volkslieder s. 1013. v. d. Hagens heldenb. 
1, LXXXYi. .niederdeutsch, Germania 7, 284.] 

1) Hildebrand hatte nach c. Dresd. frau Ute in 30 jähren 
nicht gesehen, übereinstimmend mit dem alten liede und dem 
angels. Zeugnisse (oben s. 22. 26); nach dem alten drucke in 
32 Jahren, der Vilkina saga gemäsz; 33 jähre in der dänischen 
Übersetzung mögen blosz zufallige ändenmg sein, nach c. Dresd. 
(7, 3) scheint Hildebrand, wie in dem alten liede, aus Wölken 
und Ungern zu kommen. 

2) Hildebrands schäd ist grün, wie im Wolfdieterich (oben 
s. 233); c. Dresd. sagt dasselbe, gibt aber hernach doch eine 
andere färbe sammt einem zeichen an, das von den bisher be- 
kannten wieder abweicht: 

21, 4. 'der alt het vm gekert 

sein schilt mit seinem wapen 
die zwen schilt waren gleich 
an idem zwen guidein krapen 
auf plaber feldung reicK. 

3) Der söhn , nach dem c. Dresd. der junge Hildebrani^ 
erhält in dem Veesenm. bruchstück und dem alten drucke den 
namen Älebrand^ übereinstimmend mit der Vilkina saga. [ZE. 
26, 3.] seit dem alten liede, wo Hadubrant steht, wird dieser 
söhn in keinem andern gedichte (oben s. 107), und nur in der 
Rabenschlacht (s. 209) ein held dieses namens angeführt, der 
vater fragt, ob er ein Wulfinc {Ylfing Vilkina saga c. 376) sei, 
und will damit sein eigenes geschlecht bezeichnen, [ein gedieht 
vom ritter Alebrand s. Hagen jahrb. 2, 94.] 

4) Alebrand sagt, er stamme aus Griechenland^ und im 
c. Dresd. (15, 3) noch genauer: aus der Stadt ^Pertolfe\ ist 
Unteritalien, Graecia magna und Parthenope gemeint? (Per- 
tolfe hängt gewis zusammen mit Partholaphe (unten s. 269. 
270) und dazu vergleiche saga von Partalopa, einem fdrsten 
aus Franken, Peringskiöld bei Hickes 3, 314* Einari Scia- 
graphia 104.) 

258 5) Seltsam, dasz der roaengarten (cod. D. 6. alt. ct. 5) 

als in des Berners mark liegend gedacht wird, falls der name 
hier nicht in allgemeiner bedeutung genommen ist. 



96 257 

6) Herzog Amelunc (entstellt: Abelan im c. Dresd. und 258 
Abelon in der dänischen Übersetzung), vgl. oben s. 250. 251. 

96. 

Lied von Siegfried, [vgl. nr. 123*».] auszer den beiden in 
dem grundrisse von Hagen und Büsching beschriebenen und 
in dem abdrucke der Sammlung benutzten ausgaben gibt es 
noch zwei eben so seltene, das heiszt, bis jetzt nur in einem 
einzigen exemplar vorhandene: eine zu Frankfurt a. M. wahr- 
scheinlich 1538 oder 1539 gedruckt in 8. mit holzschnitten; 
und eine wohl ziemlich gleichzeitige plattdeutsche Übersetzung, 
ohne jahrzahl in 8. einen dem Inhalte nach, wenigstens in 
einem punct, abweichenden text (ungewis, ob er gedruckt war) 
hat Hans Sachs (s. unten nr. 149) vor sich gehabt. 

1) Gleich 11, 4 ein Übergang in ein anderes lied; wie von 
vomen hebt 16 an und 33; jedesmal werden zu der neuen ein- 
leitung schon aus dem vorhergehenden bekannte dinge gesagt, 
nirgends ist zusammenfiigung einzelner lieder so wahrscheinlich 
als hier. 

2) König Gibich zu Worms hat drei söhne (16), die drei 
jungen könige genannt (102, 3. 177, 1); Giselher ist nicht dar- 
unter, sie heiszen: Günther (173, 4), Girnot (176, 1; so steht 
in allen vier ausgaben) und Hagen (175, 1. 177, 4). der letztere 
als bruder der Kriemhild kommt nur noch in der Yilkina saga, 
in dänischen liedern und der nordischen dichtung vor. 

3) Siegfried muste die Kriemhild schon, ehe sie von dem 
drachen geraubt wurde, an ihres vaters hof gesehen haben; in 
unserm gedieht wird das zwar nicht erzählt, aber Siegfried 
selbst sagt, als zwerg Euglin ihres Schicksals gedenkt: 

51, 3. *Die ist mir wol bekandt 

Wir warn eynander holde In jres vatters land£. 

4) Siegfried fragt den zwerg Eki^el nach der zukunft und 
dieser verkündigt ihm sein trauriges ende: 

160. Lasz mich deyner kunst gemessen Astronomey genant 
Dort auf dem Trachenstayne Heut fru du hast erkant 
Die Stern vnd jr anzeygen Wie es mir sol ergan 
Mir vnd meym schönen weybe Wie lang sol ich sie han. 

161. Do sprach das Zwerge Eugel Das will jch dir veriehen269 
Du hast sie nur acht Jare Das hab ich wol gesehen 

So wirdt dir dann dein leybe So mörderlich genummen 
So gar on alle schulde Da umb dein leben kummen\ 

Die drei schwäger, eifersüchtig über Siegfrieds ansehen (173— 
76; Brünhild kommt nicht vor), beschlieszen seinen tod. 

WiLHt OeIXM, DBUnOHB HBLOBMSAQB. 17 



258 — 96 — 

269 177. *Also die drey®^ jung Künge Seyfriden trugen hasz 
Bisz daz die zwar geschwigen VoUendten beide das 
Das Seyfrid todt gelage Ob eynem prunnen kalt 
Erstach jn der grymmig Hagen Dort auff dem Otten 

waldt«^ 

178. Zwischen den seynen schultern Vnd da er fleyschend" 

was 
Do er eich kült im prunen Mit mund vnd auch mit nasz 
Sie warn der Kitterschafte ^® Geloffen in ein gsprech 
Do wurd es Hagen befolhen Das er Seyfrid erstech. 

179. Die drey bruder Krimhilde Wer weyter hören woU 
So wil jch jm hie weysen Wo er das finden sol 
Der lesz Seyfrides hochzeyt So wirt er des bericht 
Wie es die acht jar gienge Hie hat ein end das dicht'. 

Unter den beiden, welche die that heimlich (geschwigen) 
aussannen und anordneten, werden wahrscheinlich Günther und 
Girnot gemeint; Hagen erhielt, nach 178, 4, den befehl zur 
ausführung, wie in der Edda Guttorm, als der jüngere, im 
Odenwalde wird der mord vollbracht (oben s. 154), von einer 
jagd ist nicht ausdrücklich die rede, auch nicht von Siegfiieds 
durstigem trinken, vielmehr will er blosz von dem lauf erhitzt 
sich das gesicht in dem frischen brunnen abkühlen (vgl. unten 
Hans Sachs). 

Stfrides hochzit musz ein theil unseres Nibelungeliedes ge- 
wesen seyn, welches etwa mit der einladung zu dem fest am 
Rhein (693, 3j begann und des beiden tod erzählte, der inhalt 
wird ja hier allgemein angegeben, nach unserer Nibelunge 
noth (oben s. 64) lebte Siegfried nicht acht (zweimal, auch 
schon 12, 3 bemerkt), sondern zehn jähre mit Kriemhild zu- 
sammen. 
260 Noch eine andere stelle deutet auf dieses oder ein ähnliches 
gedieht: 

11. — 'er ward aller hürnen Dann zwischen den schul- 
tern nit 
Vnd an der selben statte Er seynen tode lidt 
Als jr inn andern dichten Hernach werdt hören wot, 

5) Euglin verkündigt auch die räche der Kriemhild ihren 
eigenen und aller helden Untergang: 

162. 'So wirdt deyn todt dann rechen Deyn wunder schönes 

weib 

• ' drei fehlt in der plattd. Übersetzung, [t. 2 lies 'zwei geswien*. L ac hmannj 

'• Odenwaldt Frankf. dr. 

*' fleischen Fr. dr. 

'^ Da war die Ritterschafte Fr. df< 






97 259 

Darumb so wirdt verlieren Manch held den seynen leib 260 
Das nyndert mer keyn beide Auff,erden lebendig bleybt 
Wo lebt ye Held auff erden Der also ist beweybt'. 
163, 4. 'la auch deyn schönes weybe Leyt auch des krieges 

tod'«^ 

Eine andere stelle dagegen findet den grund alles Unheils in 
dem verhängnisvollen golde (vgl. oben s. 111): 

14. 3. — — Nyblingeshort 

Darumb dch von den Hewnen Hüb jämmerlicher mordt, 
15. An manchem Held vil küne Die da wurden erschlagen 
Wol in den herten streyten. Als jr noch hörend sagen 
Das niemand kam daruone Das thü jch euch bekandt 
Wann Dieterich von Berne Vnd meyster Hiltebrant'. 

6) Engels Weissagung überhaupt entspricht der Unterredung 
Sigurds mit Griper, s.einer mutter bruder, ja dasz sie hier in 
den mund eines zwergs gelegt ist, scheint sogar bedeutender 
und angemessener, als das Verhältnis, das die Edda annimmt; 
zumal dieser oheim Sigurds eine ganz überflüssige person ist 
und weiter nicht den geringsten einflusz auf die sage ausübt. 
Gripers vater heiszt Eylimi^ sollte dieser name mit dem ohne- 
hin ^befremdlichen und schwer zu erklärenden des zwerges in 
zusammenhange stehen? 

7) Otnits panzer, 

70. 'Der Rysz verband die wunden Vnd wapnet balde sich 
Inn ein vil gute Brinne Die was gar kostenlich 
Von eytel klarem golde Gehart mit Trachen blüt 261 

On Kaysers Ornif^^ Brinne So ward nie Brinn so gut'. 



97. 

FüNDiN NoREGüR (Skalholter ausg. der Oluf Trygvason saga 
s. 333 und Nordiska kämpa dater). 

Hildir var fapir Hildibrands^ fapir Hildis ok Herbrands . . . 
pessi aett heitir Hildingar. 

In der Snorraedda (Skaldskaparmäl 192 Rask) finden wir 
blosz: Hilldir er Hilldingar eru frä komnir; hier also ist das 
geschlecht erweitert und höchst wahrscheinlich aus der deut^ 
sehen sage Hildebrand und Herbrand hineingeschoben, freilich 

®*^ Leid auch des Krieges noth Fr. dr. 

' ** ebenso die plattd. Übersetzung. On Eeiser Otnits Fr. dr. — Otnit ausg. 
von 1585. 

17* 



260 98 

261 ist das Verhältnis umgekehrt, indem letzterer als enkel erscheint, 
während er der vater sein sollte (oben s. 107). es mögen also 
nur die beiden namen herübergekommen sein, wie wir sie ohne 
alle beziehung auf die sage selbst, in dem altfranzösischen, 
jedoch angelsächsischen Ursprung verrathenden gedichte von 
könig Hom (Ritson 3, 274) lesen, wo ihnen überdies noch ein 
bruder Godebrand beigegeben ist [ZE. 5, 2]. in Sögubrot 
(sagenbibl. 2, 487. 489) kommt wieder ein konig Hildebrand vor 
und Hilde und Hildur sind seine kinder, und in Asmund Kappa- 
banes saga (sagenbibl. 2, 569) die namen abermals unter andern 
Verhältnissen, ein Helge Hildebrandaen aus Hunaland heiratet 
Budlis tochter Hilde und erzeugt mit ihr einen söhn Hildebrand^ 
der nach Hunaland gesendet und dort aufgezogen wird, man 
erkennt die anknüpfung an unsern sagenkreisz, die der umstand 
noch wahrscheinlicher macht, dasz Saxo bei erzählung dersel- 
ben begebenheiten ganz andere namen gebraucht (sagenbibl. 
2, 599). 

Die zeit der herübemahme zu wissen, wäre gerade nicht 
gleichgültig, da, wie wir oben (s. 107) gesehen, der name Her- 
brands in einer gewissen periode nicht zum Vorschein kommt, 
indessen Fundin Noregur, Sögubrot und Asmund Kappabanes 
sage sind dem inhalte nach sämmtlich älter, als der abfassong, 
welche bei den zwei erstem in das 14te Jahrhundert fallt. 



262 98^ 

Blömsturvalla SAGA (cod. Hafii.). (ed. Möbius 1855.) 
pä er Häkon, kalladur hinn riki, hafdi rädid fyrir Norege 
tuttugu vetur, pä kömu ütann af Spania sendimenn Fridrichs 
köngs af Spania med briefum og vinättumälum og saßmilegum 
praesentum, er keisaren sendi Häkoni köngi, enn päd fylgdi 
peim bodum, ad keisaren bad Häkon köng, ad senda sier dottur 
sina, er Kristin biet, og vilde bann siä henni fyrir saBmilegri 
gifbing; en köngurenn med rädi vina sinna og sampycki sinnar 
dottur giörir eftir keisarans bön, og var hennar ferd saemilega 
giörd med miklum kostnadi og foruneiti. formadur pessrar 
ferdar var meistarin Biarni ür Nidarösi, er bestur madur (er 
biskup cod. Holm.) hefur verid f Norvegi. Christine wird 
ehrenvoll in Spanien empfangen : enn pvtnaest var saemileg veit- 
sla 1 köngshöllinni og var jomfrüin pangad leidd: sidan sendi 
keisarenn jomfrünni priä (?tvä) broedur sina, Wilihiälm ogHeio* 
rieh, vom peir allir ägiaBtir. keisarenn bad hana kiösa hvöni 
hun vildi eiga, enn med rädi keisarans kiöri hun sier Heinrich 
og fastnadi sier hana, og vöru pug püsud samann ad lögom* 
enn ad keisarans veitslu yfirstadinni heirdi Biarni meistari lesid 
% ppsku mdli päd afintyri^ hvort kann fcerdi tu Noreffs. 



98 261 

Es ist möglich, aber, wie wir nachher sehen werden, un*262 
wahrscheinlich, dasz der Verfasser dieses gedichts in deutscher 
spräche hörte und in die nordische übersetzte'*, alle übrigen 
angaben jedoch, wenigstens wie sie hier lauten, sind entschie- 
den falsch, denn kaiser Friedrich, der hier auch zu einem 
könige von Spanien gemacht wird, war schon todt bei der Ver- 
mählung der norwegischen prinzessin Christine (1256 — 57), 
welche auch nicht mit einem bruder des kaisers namens Hein- 
rich, sondern mit Philipp, bruder des Kastilischen königs Si- 
phons X, statt fand, und wobei gewis kein gedieht in deutscher 
spräche vorgelesen wurde; endlich war es nicht der bischof, 263 
sondern ein anderer Biöm, der die braut begleitete, das werk 
mag in einer spätem zeit entstanden und jene nicht glücklich 
ausgefallene, historische beglaubigung daran gefügt sein, wie 
denn auch die spräche durchaus nicht die büdung des ISten 
Jahrhunderts verräth. 

Der inhalt der sage scheint gleicherweise jener zeit nicht 
würdig, wiewohl freilich nach einer solchen flüchtigen auffas- 
sung das original nicht kann beurtheilt werden, sie berührt 
an sich nicht unsern kreisz, sondern ihr Schauplatz ist in Afrika, 
wo ein könig Arius herscht, durch seine dem könig Assverus 
vermählte mutter ein enkel von Alexander dem groszen. nur 
zwei personen aus unserer sage, die beiden Harlunge^ sind ein- 
gemischt, durch einen drachen nämlich aus ihrer heimat ent- 
führt, gerathen sie nach Afrika und nehmen theil an den ziem- 
lich unbedeutenden begebenheiten der sage, folgende stellen 
gehören hierher: 

1) I pann tima er Ermenrekur rtki riedi fyrir Römaborg 
og öllum rikium fyrir sunnan Mundynfiöll og Flaemingialand, 
bann var fadir (fodurbrodir?) j&tdrefo af Bem^ peir v6ru synir Sam- 
80718 svarta riddara^ sä er drap Rodgeir jarl af Salemborg og 
JBrunstein riddara. Samson ätti sier frillu son, er Akt biet, hann 
var seldstur sona hans : hann var mesti hermadur oc meiri kappi 
ödrum honum samtida. Samson -gaf honum hertoga nafh og 
hafdi hann adsetur i peirri borg, er Fritula heitir. petta riki 
liggur austur med Mundinfiöllum. Aki sieck sier drottntngar, 
er Odalia biet, vid henni ätti hau tvö sonu og eina döttur, er 
Isodd biet; hun var qvenna vasnst og velmentud. pessi Aki 
var kalladur AJd Ölldungatrattsti^ pvi hann var baedi rikur og 

• 

'^ aach Peringskjöld in der vorrede zur Vilkina saga hat gelesen i l^yskn 
mäli und P. E. Müller in der sagenbibl. (2, 398); v. d. Hagen dagegen liest so- 
wohl in der samml. für altd. lit. (81), als in seiner ausgäbe altnord. sagen ! 
J'essn mäli. dies ist offenbar unrichtig, da das pronom. demonstr. hier gar 
nicht stehen kann und der sinn nur höchst gezwungen herauskommt, daher fällt 
die dort gemachte behauptni^g: 'ohne zweifei habe Biöm die sage spanisch 
gehört', von selbst, zudem ist kenntnis der spanischen spräche bei eineni norci- 
länder für die damalige zeit ziemlich unwahrscheinlich* 



262 — 98 — • 

263Y]nsselI og veitti mikit traust mönnum sinum, ef peir kunni 
nokurs vid ad purfa. son bans asldri hiet Aki sem fadir hans, 
en hinn yngri Otgardur. peir voru miklir menn ad iprottum 
og Mdir Synum, peim hielst um afikyn sitt sosem var Samson 
8varti riddari og pidrekur, die angaben werden späterhin in 
einem gespräcbe groszentbeils wiederbolt, obne dasz etwas neues 
dabei vorkäme. 

Die ganze einleitung lautet wie eine verwirrte und flüch- 
tige auifassung der Vilkina saga. diese fangt gerade mit der 
geschichte Samsons an, der hier der schwarze heiszt, wie dort 
(c. 1) gesagt wird, haar und hart sei an ihm pechschwarz ge- 
wesen, gleicherweise tödtet er dort den jarl Rodgeir von Sa- 
lemi und (dessen bruder, den könig) Brunstein [ZE. 35, 2]. 

264 femer ist er der vater von Ermenrek, Thittmar (dem vater 
Thidreks), und von Aki örlungetrausti, wofür hier, wie auch 
in einigen handschriften der Vilkina saga (c. 1 3), Öldungatrausti 
steht, wie dieser hier der söhn eines kebsweibes ist, so wird 
dort (c. 13) ausdrücklich gesagt, seine mutter sei von geringer 
herkunfb gewesen und sein vater habe ihm den^ herzogs namen 
und zum sitz die bürg Fritile gegeben. Odilia, in der Vilkina 
saga frau des Thittmar, wird hier dem Aki zugeschrieben, 
ebenso findet bei ihrer tochter Isold eine vertauschung statt, 
indem wir sie aus der Vilkina saga als Thidreks Schwester 
(c. 209) kennen, dagegen wieder tibereinstimmend hat Aki 
zwei söhne, wovon der eine ebenfalls, wie der vater Aki, der 
andere Etgard heiszt. auch MundinfiöU begegnet in der Vil- 
kina saga (c. 264). 

Diese Übereinstimmung, die natur der abweichungen , die 
sichtlich blosze entstellungen sind, dieselbe begränzung, ich 
meine den mangel an jeder weitergehenden nachricht, machen 
die annähme einer andern, zumal früheren quelle, im höchsten 
grade unwahrscheinlich, dazu kommt folgendes: auszer der 
Vilkina saga kennt kein gedieht diese abstammung der Ame- 
lungekönige von dem schwarzen ritter Samson^ und sie sieht 
ganz so aus, als sei sie erfunden, um beide sagen zu verknüpfen. 
viel natürlicher scheint die angäbe (vgl. oben s. 2 und 185), 
wonach einer ihrer ahnherrn Amelung hiesz, wenn auch die 
ältesten quellen über diesen punkt nichts enthalten, ich will 
damit nicht den deutschen Ursprung der Samsonsage an sich 
bezweifeln und mir ist unwahrscheinlich, dasz die erwähnung 
von Samsons gold in der aus dem französischen stammenden 
Flovent Frakakongs saga, wie P. E. Müller (sagenbibl. 2, 148) 
meint, damit in Verbindung stehe, denn ich finde auch Samsons 
schätz in dem altfranzösischen gedieht von Viane (Uhland 
s. 126). ferner kommen Odilia und Isod auch nur in der Vil- 
kina sage vor und scheinen eingeführt, nicht ursprünglich da 
gewesen zu sein, endlich gehört Aki Orlungatrausti als vater 



98 268 

von Aki und Etgard ausschlieszlich der Yilkina saga an, ander- 264 
wärts (oben s. 185) wird er Diether^ im anhange des helden- 
huchs Hmiung^ in früheren quellen gar nicht genannt, dieser 
umstand gestattet mit noch gröszerer Sicherheit zu urtheilen. 
wir wissen aus sehr alten Zeugnissen (oben s. 19) die echten 
namen von Ermenrichs bruderssöhnen : Imbrecke und Fritile^ 
und ihren geschlechtsnamen : Uarlunge; Eckehart der getreue, 
ist uns wenigstens schon aus dem Biterolf (oben s. 144) be- 
kannt, der Vilkinä saga sind diese namen ohne zweifei nur 
unvollständig überliefert worden und sie wendet was sie weisz 
unrichtig an und ergänzt das fehlende, so gut es geht, schon 265 
habe ich (oben s. 20) bemerkt, dasz sie den namen Fritile auf 
den pflegevater der beiden brüder überträgt; hier lässt sich 
noch weitere Verwirrung nachweisen, in dem namen des vaters 
Aki Örlungatrausti [vgl. rechtsalterth. 943] ist offenbar der des 
pflegers jEcA^hart, des treuen Harlungemannes enthalten, und 
weil der name Imbrecke für den einen söhn fehlte, so ist Aki 
verdoppelt, auch ihr sitz, der Breisach heiszen sollte (oben 
8. 37) wiederum Fritilaborg (c. 13 Rafn, c. 100) genannt, dem 
andern bruder ist der unverbürgte name Etgard beigelegt, in 
der Vilkina saga ist mithin jeder dieser namen entweder un- 
echt oder er ist unrichtig angewandt, wer möchte nun be- 
haupten oder wahrscheinlich finden, dasz diese Verwirrungen 
gerade ebenso, und zwar schon früher, nämlich in der mitte 
des 13ten Jahrhunderts in einem andern deutschen gedieht vor- 
gekommen und daraus in die Blomsturvalla saga übergegangen 
seien? es fallt in die äugen, wie verdächtig die angäbe von 
dem unmittelbar deutschen Ursprünge wird. 

2) Sä madur var feinginn ad kenna peim iprottir, hvöred 
biet Vidilon hinn fraekni, bann var godur riddari og svo mikill 
kempa, at fair voru bans jafningar hvar sem leitad var. — — 
eru hertoga synir svo gamlir, at peir meiga bera vopn, pa byr 
hertogen ferd peirra til Römaborgar til Ermenreka kongs hans, 
ad hann skyldi dubba pä til riddara. — peim skyldi fylgia 
Vidilon fostri peirra. — rida peir nü sem leid peirra liggur 
sudur ad MundinfiöUom, ei er getid umm ferd peirra, fyrrenn 
peir komu i skog pann er Lativald heitir, praut pä dagur og 
stigu peir pa af hestum og slou upp landtialdi sinu. 

ümm pann tima riedi fyrir Fraklandi Salomon köngur 
hinn riki, er pä var mestur köngur fyrir nordan fiöU ; hann ätti 
pessa mörk, er peir voru äkomnir. vid Mundin ütarlega stod 
einn kastali, er Fra^askdli heitir, pann skäla ätti Fracha kön- 
gur, par riede fyrir sä hertogi, er Lupus biet. Hann var grim-* 
mur eg ovinsaell, hann ätti XII sonu, peir voru miklir kappar 
og miög likir födur sinum at skaplindi. Bramaleifr var peirra 
eldstur, hann ätti ad vardveita penna skog, er fyrr var nefndur; 
sä skogur var fullur med allskyns vUludyr oo fiska og fugla. 



264 99 

265Etgard erlegt einen hirscb. Lupus mit seinen zwölf söhnen 
kommt und stellt ihn zur rede ; alle diese werden in dem kämpfe 
getödtet, wogegen auch der pfleger der beiden brüder fallt. 

266 Diese stelle schlieszt sich unmittelbar an die vorhergehende 
und macht die einleitung zu der geschi<;hte. neu ist der name 
des pflegers Yidilon, wo nicht entstellung von Fritila; dagegen 
aus der Yilkina saga genommen: könig Salomon von FrcMand^ 
der Lativald (nämlich statt des gewöhnlichen Luruwald steht 
in einer hs. Lutuwald c. 35 Rafn), die zwölf räuber darin han- 
send, nur dasz der vater Lupus zugedichtet und der name 
Gramaleifur^ wahrscheinlich durch einen bloszen Schreibfehler, 
in Bramalei/ur verändert ist. und abermals, wie nach einer 
unvollständigen erinnerung, ist alles nachlässig durch einander 
geworfen, denn obgleich könig Salomon einen groszen wald 
besitzt, auf dessen jagd er eifersüchtig ist, so heiszt dieser wald 
doch Valslönguvald und der Lutuvald ist ein ganz anderer. da8z 
diese namen, welche überdies lediglich in der Yilkina saga, in 
keinem deutschen gedichte sich finden, anderswoher, als eben 
aus jener genommen sein sollten, ist nicht glaublich. 

Bei dieser gelegenheit merke ich an, dasz alles, was die 
Jarl Magus Saga aus unserm kreisze, zu dem sie an sich nicht 
gehört, nebenbei anfuhrt, aus der Yilkina saga, die von ihr 
als Thidreks sage ausdrücklich citiert wird, geflossen, mithin 
für uns unwichtig ist. vgl. sagenbibl. 2, 399. 



99. 

Dieterichs drachenkämpfe (cod. Pal. 324). 

1) Beziehungen auf ein älteres, schriftliches werk oder auf 
mündliche sage finde ich nicht, und doch scheint der dichter 
des ReinfHed von Braunschweig (vgl. oben s. 174) dieses ge- 
dieht schon gekannt zu haben, (auch der Rosengarten c und d 
(s. 250) scheint es vorauszusetzen.) wie wir es hier besitzen, 
unbeholfen und schwerfallig, ist es ohne zweifei ein erzengnis 
der spätesten zeit, die erwähnung des Donnersbergea in einem 
gleichnisse (262**) lässt vermuten, dasz der Verfasser in der 
Rheinpfalz zu hause war (doch vgl. rechtsalterth. 801). 

2) Dieterich noch in der ersten Jugend. 

3**. 'Do sprach der junge dietherrich 
Her hiltebrant min vatter mich 
Vch his also ziehen 
Bitze daz ich wirde ein kreftig man\ 

Auch sagt Hildebrand: 'min here ist (der jore) gar ein 
Uni (22».^ 48»>). 
267 3) Dieterich wirft seinem meister vor: 



— 99 266 

23*. 'Wie hastu mich verderbet 267 

Nun wurt dir doch mins erbes niht 
Wie man mich hie verderben sieht 
Mir bruder vur dich erbet 
Diether der iore gar ein kint 
Wrt noch zu berne here 
Des die riche noch mir sint 
Die breite vnd och die verre 
Die vnser vatter dietmor lie 
Der wrt dir niht wie vil din lip 
Vntruwen erzoiget hie'. 

Eine ähnliche äuszerung im Rosengarten a (oben s. 246). 

,4) JSildebrand heiszt in allen gedichten (nur nicht im Wolf- 
dieterich, wo von seiner Jugend berichtet wird), der alte^ und 
die Yilkina saga (c. 381 ßafn) erzählt nach dem deutschen 
liede sei er bei seinem tode 200 jähre alt gewesen, nach ande- 
ren sagen jedoch nur 150 (oder 170 oder 180) jähre, er selbst 
nennt sich einmal (c. 276) einen hundertjährigen (siebzigjährigen 
bei Kafh); Thidrek ist nach einer andern stelle (c. 15) nur 13 
(25 bei Kafn) jähre jünger, aber diese angäbe rührt schwerlich 
aus der sage selbst, auch in unserm gedichte finden wir eine 
bestimmung. Hildebrand sagt: 

198. 'Wolffhart das sage ich dir viir war 
Do ich stritte von erste ane ving 
Das (1. dds£) voUeclichen wol ahtzig jor\ 

5) JSHdebrands scwert führt einen andern namen, als im 
Alphart (oben s. 239): 

45^. Er züchte ein swer das /reise hies 
Das in in neten nie gelies'. 

Es wird noch mehrmals gerühmt (87*. 161*). diesen namen 
hat jedoch auch der dichter des Siegenot gekannt (s. unten); 
vgl. darüber rechtsalterth. 872. 

6) Hildebrands p/erd Lewe (34*. 56*) nennt kein anderes 
gedieht, er sagt von ihm: 'Was ros vff erde (ich) ie gesach 
Der vant ich keines nie so guot (49^)'. 

7) Sein zeichen^ drei wölfe nach Wolfdieterich und Rosen- 
garten D (oben s. 233. 235), besteht hier aus einem rad auf 
einer filhne von weiszem hermelin (93*»). öfter wird wiederholt: 
daz rat vuert her Hildebrant (103\ 206*. 218^). 

8) Von den Wölfingen (156*. 180\ 205*. 216*. 217^ 326^ 
336*. Dieterich heiszt einmal der Wölfinge trost 41* und Lam- 268 
parten lant 115** einmal der Wölfinge lant 315*». es wird auszer den 
bekannten Wolfhart^ &igestap und Gerwart {Gerbart) auch ein 
'Strutmn' genannt (144*»). da er nicht weiter vorkommt, so ist 



266 99 

268 es vielleicht Schreibfehler für Schiltwtn^ der auch zum ersten- 
mal, aber unter den kämpfern, auftritt (189**. 278**. 334^). Eache, 
der järe ein kint (198**), ist schon beim Biterolf (oben s. 144) 
bemerkt. 

9) Ein Gernot unter Dieterichs beiden (231. 232) ist auf- 
fallend, erklärt sich aber vielleicht aus der einmischung der 
rheinischen beiden in das gedieht von der Flucht und Raben- 
schlacht. 

10) Blcedeltn (200». 276^ 334»' häufig der starke 189». 212». 
236^), dessen Verwandtschaft mit Etzel schon in der Flucht 
und Eabenschlacht (oben s. 198. 212) vergessen schien, ist hier 
nichts als ein held aus Bern. 

11) Wittich und Heime haben ihren sitz zu Rahen und 
zeigen sich auf Wolfharts aufforderung bereit, dem Dieterieh 
beistand zu leisten (187). Wittich trägt das schwert Miminc 
(225^. 276»). eine merkwürdige stelle belehrt uns auch über 
sein zeichen, die fahne ist grün: 

199''. 'Dar jnne ein zeichen wuneclich 
Das fürt der tegen kuene 
Ein hamber vnd ein zange von golde rot 
Ein nate (1. nater) die ist von golde (silberf) wis 
Als jm sin vatter wielant gebot\ 

Die goldene schlänge auf seinem heim und seiner rüstung 
kennen wir schon (oben s. 147. 148. 173), und die Verbesse- 
rung nater unterliegt keinem zweifei; aber dasz Wittich in be- 
ziehung auf seinen vater Wieland, der ein Schmidt war, in der 
fahne hammer und zange geführt, wissen wir sonst nur noch 
aus der Vilkina saga (c. 33. 307) [und s. 322]. 

Auch das zeichen von Wittichs gesellen wird beschrieben: 

200». 'Heime fürt su (1. zu) der stunt 

Ein banier gut das ist kint (1. kunt) 

Von wisseme hermine 

Dar jnne der löwe vnd ouch der ar 

Die worent zabel (1. zobel) swartz gevar 

In lihten glantzen schine 

Die gap im der kunig ermentrick 

Do er streit von (1. vor) rafen^ 

Bis auf die verschiedene färbe Dieterichs zeichen und 
schwerlich der echten sage gemäsz. es ist kaum nöthig, aus- 
drücklich anzumerken, wie unpassend diese hinweisung auf die 

269 Eabenschlacht in einem gedichte erscheint, welches Dieterichs 
erste thaten beschreiben soll. 



99 267 

12) Die Verhältnisse, in welchen 'Helferich von Lune^ ge- 269 
schildert wird, sind mit denen, welche Ecken ausfahrt (oben 

s. 221. 222) voraussetzt, ganz unvereinbar (Haupts zs. 6, 438 f.). 
er ist ein alter mann und sagt zu dem Berner: 

55^. 'Got wilkume her dietherich 
Die selde ich an ime prise 
Das ich uch han zu einem mole gesehen 
Vor mines lebendes ende^ 

Er gedenkt auch seiner früheren thaten: 

14:5**. Ich han gevohten manigen strit 
Zu duscan in dem lande 
Mit herren gros vnd witen 
Do voht ich an schände.' 

Er hat einen söhn Rentwtn^ den Hildebrant aus dem 
rächen eines unthiers befreit. aber Hildebrant steht auch in 
naher Verwandtschaft mit ihm: 'Partholaphe^ eine markgräfin 
von Tuskan (vgl. s. 270), Rentweins mutter, ist die tochter 
von einem bruder Hildebrands (48*. 85*. 107**), der jedoch 
niclit genannt wird, sie äuszert selbst: 

59*. ^Ist min^ vatter hrüder hie 

Den gesach ich in XX Joren nie' 

Und Hildebrand: 

48*. 'Es ist lang das ich sii nie gesach^ 

Aus dieser auf Helferich übergegangenen Verwandtschaft 
erkläre ich auch, dasz jener zu Wolf hart, dem Schwestersohne 
Hildebrands (auch hier ausdrücklich dessen neve genannt 
144^), sagt: 

205*. ' — du bist min sippe blut' 
'Du bist der Wülfinge man.' 

13) Eine anspielung auf Ecke gehört nicht in ein gedieht, 
das frühere ereignisse darstellt: 

^ 231 ^. ' Clagestu — Ecken not 

Der hat gevohten manigen strit 
Vnd lag er doch zu jungester dot' 

14) In Etzels hofhaltung bezeichnet* Hildegrin nicht blosz 
Dieterichs heim, sondern auch den seines gegners (168), und ist 
mithin eine allgemeine poetische benennung. diese ansieht geht hier 
noch weiter, gar nicht einmal Dieterich, sondern ein beide be- 



268 100 

269 sitzt Hildegrin und der name bezieht sich nicht auf den ganzen 

270 heim, sondern auf einen darin befestigten stein, wie auch in 
Ecken ausfahrt (185. 186 Casp.) ein leuchtender karfunkel als 
die Ursache des glanzes angegeben wird, es heiszt von dem 
beiden : 

11^. 'So virt der heilt einen nuwen heim 

Der lücht durch nebl vnd durch melm 

Gegen der spielende sunne 

Do inne lit ein hiltegrin 

Der git von golde lichten scJiinJ 



100. 

Dieterichs drachenkämpfe in dem heldenbuche des Ca»par 
von der Röhn, (in der Hagen, und Büsching. Sammlung: 
Dieterich und seine gesellen.) 

1) Der Verfasser gibt selbst das Verhältnis zu seiner qujßUe 
in zahlen an: 'des alten vir hundert vnd echte ist dis hie hun- 
dert vnd dreissigke sein so vil vnnüczer wort man list' (130). 
wie viel zugleich vom inhalte wegfallen muste, lässt sich aus 
dieser rechnung schlieszen; es fehlen die meisten kämpfe mit 
drachen, deren unnatürliche menge das vorige gedieht aus- 
zeichnet, allein die vergleichung damit setzt doch auszer 
zweifei, dasz Caspar eine andere quelle benutzte, denn nicht 
blosz weichen zum theil die namen ab, sondern auch die be- 
gebenheiten selbst, vorzüglich gegen den schlusz hin. 

Nur was dort unter 2 und 3 bemerkt ist, findet sich wie- 
der, freilich nicht wörtlich; groszentheils auch, was unter 12 
von Helferich, der hier 'von Lane* heiszt (61), und 'Partolafe 
(61. 64) gesagt ist (vgl. s. 257); nur nichts von der Verwandt- 
schaft mit Wolf hart, der so wenig a^ls sonst einer der Wöl- 
finge auftritt. 

2) Eigenthümlich dieser darstellung ist ein held 'Lieberdein\ 
bald von 'Palner' (78. 79. 82), bald 'Paldner' (83. 99) genannt, 
erst mit Dieterich im kämpfe, späterhin sein streitgenosz. nach 
str. 91 wäre er ein söhn Helferichs, aber hier findet wahr- 
scheinlich eine Verwechselung mit Rentwein statt, merkwürdig 
ist eine äuszerung: 

81, 3. 'Lieberdein zu dem perner sprach 
dein oheim sigstap ich abstach 
vnd manchen kempff erliteJ 



101 269 

Die angäbe selbst widerspricht der echten sage, denn 270 
Sigestap wird erst lange hernach in der Nibelunge not erschla- 
gen, allein er erscheint in dieser äuszening doch wieder als 
ein verwandter Dieterichs (oben s. 104), und davon wissen die 271 
übrigen gedichte dieser zeit nichts mehr, die ihn vielmehr zu 
einem bruder Wolfharts machen (oben s. 191. 192). 



101. 

SiGENOT. wir besitzen einen zweifachen text: den, welcher 
in handschriften und alten drucken enthalten ist, und die Über- 
arbeitung Caspars von der Röhn^ welche, jedoch ganz anders 
als bei Ecken ausfahrt, nur in einzelnen, den Inhalt wenig be- 
rührenden ausdrücken abweicht. ich bediene mich hier eines 
alten, noch unbekannten druckes (Nürnberg durch Friedr. Gut- 
knecht ohne jähr, 196 Strophen), benutze aber die in dem ab- 
drucke von Caspars werk in der Hagen, und Büsching. Samm- 
lung beigefügten Varianten aus handschriften und andern 
drucken. (Haupts zs. 5, 245.)''^ 

1) Die ältere quelle: tuot uns diu wäre achrift sagen 36, 
11 (ez liegen den die buochstaben Caspar 37, 11); ez haben dan 
diu büecher gelogen 84, 5 (die buochataben haben nit gelogen 
C. 84, 5); daz wizzen wol (sagen wtse C) liute noch und die 
daz in den büechem geschriben finden doch 135, 11; und als ez 
noch geschriben stät 146, 9. bei C allein 198, 5: als uns daz 
buoch verkündet hie. 

2) Dieterichs kämpf mit Hilde und Grim (s. oben 
s. 214—216): 

2. dr. 'Do der Bemer bei Hiltebrandt sasz 
Die zwen die wurden reden das 
Was sie betten erstritten 
Mit jrer held krefiligen handt 
Do sprach sich meister Hiltebrandt 
Ich hob so vü erlitten 

Wol von dem starcken Eysengrein {risen grin Str. hds.) 
Vnd von seim bösen weibe 
Sie het mir nahet das leben mein 



'* die plattdentsche Übersetzung, mit der des homen Siegfried und des 
Lanrin zusammengedruckt, ist anzuführen vergessen worden, sie liest: 2 Isen- 
grim, 19 Ditmar, 46: o herr so hete ich Valdunck, vnd hebbe van Albrecht 
den ortsprunck, 92 Walünger-Amelung und Sygstach, und da auch 120 ^vicdcr, 
wie im hochdeutschen, Sygstach steht, so scheint das misverständnis in das ge- 
dieht aufgenommen; 144 sare wSit, 146 frysan. 



27Ö 101 

271 Geschieden von dem leibe 

Sie zwang mich zwischen jre bein 

('Do sü mich schlosz vnder iren stein Straszb. und 

Heidelb. hds. 
'Gar tiff graben vnder eynem steitp Caspar) 
Ich must sein da beliben 
Das wendet jr herr allein^ 

3. dr. 'Herr Dieterich sprach, ja das ist war 
Mein leben stund als vmb ein har 
Do sie dich het vmbfangen 
2^^ Vnter jr uchsen (ein fels c) sie dich zwang 

Dein weer die was gen jr so hranck 
Es was vmb dich ergangen 
Ich schlug jr ab das haupte zwar 
Von stund must sie dich lassen 
Hiltebrandt sprach, herr das ist war 
Sie was grosz ohne massen {ir peine das sei ver- 

wassen C) 
Wo sie noch in der erden leit (wo es doch C.) 
Ich leid nie hertier drücke 
Bey aller meiner zeit^ 

An dieses ereignis knüpft sich das gedieht hier an. Hilde- 
brand sagt zu Dieterich: 

6, 3. dr. Herr wisset jr auch noch den stein 

Da ir den alten Hiltegrein (den stargen gnnen 

allein Str.) 
Sein (vnd sin Str.) Schwester habt erschlagen 
Da wont der rysz heist Sigenot 
Vnd ist des Greymen wage (mage Str.) 
Er wart auff vnser beyder todt 
Vnd liegt dort an der läge 
Wo vnser einer für jn ritt 
So müst er mit jm streitten 
Des liesz er warlich nie.'' 

Kein älteres gedieht weisz von Siegenot und die Vilkina 
Baga von der ganzen dichtung nichts, der Verwandtschaft mit 
dem getödteten Grin geschieht noch mehrmals erwähnung, der 
riese sagt zu Dieterich (77): 'Du giltest mir den ohem mein 
Den du mir hast erschlagen.' hernach ruft er aus (91): 'Ge* 
röchen ist der ohem mein'. 

Es kommt nochmals eine beziehung vor. der Berner sagt 
zu dem riesen: 

106, 2. 'Auff mein trewe so rewet mich 
Thet ich dir je kein leide 



101 — • 271 

Das wisse du vil werder man 272 

Dein öheim mich nicht erlan 

Sein weih (swester C, diu swester hdss.) als vnge- 

fuge was 
Sie druckt Hütebrant beaunder 
Vnd das der selb vor jr genas 
Das nimpt mich jmmer wunder 
Vnter ein uchsen (den stein C.) sie jn zwang 
Sie druckt jn also herte 
Das jm das blut ausz drang/ 

Offenbar soll Siegenot (der name bei Neidhart, HMS. 3, 273 
205^) ein bruder der (hier niemals genannten) Hilde sein, das 
ist nur einige mal, am entschiedensten von Caspar, misverstan- 
den worden, der daraus eine Schwester des Grim selber macht, 
was doch seiner eigenen annähme in einer andern stelle (2, 8) 
widerspricht, wo der ausdruck weib sogar durch den reim fest- 
gehalten wird, eine andere abweichung, der jedoch auch in 
einer stelle (2, 11) die handschriften zugethan sind, nimmt an, 
das riesenweib habe den Hildebrand unter einen felsenstein ge- 
zwängt, während der druck passender und in Übereinstimmung 
mit der Vilkina saga erzählt, dasz sie ihn mit ihren armen zu- 
sammengedrückt und ihm die kniee auf die brüst gesetzt habe, 
indessen scheint doch dieser irrthum wieder aus einer richtigen 
in Ecken ausfahrt (oben s. 215) vergessenen ansieht entstan- 
den, wonach Dieterichs kämpf mit dem riesen und seinem 
weibe in einer felsenhöhle und nicht auf einem freien waldplatz 
stattfand. — 'des dort gewonnenen und weithin glänzenden 
helmes Hildegrtn geschieht auch hier erwähnung. Dieterich 
wird daran erkannt (47, 5. 63, 6. 87, 4). 

3) Dieterich sagt beim abschiede zu Hildebrand: 

19, 12. dr. 'Ich befilch dir landt vnd leute 

Vnd Dietmar {Diether Str. hds.) den bruder mein/ 

Und späterhin (186, 12) noch einmal fast mit denselben 
Worten. 

4) Der riese (92 dr.): 

'Nun wil ich ietz gen Beren gan 
Das musz mir werden vndterthan 
Des wil ich sie bezwingen 
Von Beren ist mir wol gesagt 
Es seyen beiden vnuerzagt 
Die da heyssen Wolffinger 
Vnd Amelung ein degen herr 
Die zwing ich mit gewalte 



274 103. 104 

275 anfange des dreizehnten Jahrhunderts sein kann. es gibt kein 
Zeugnis von dem dasein unseres gedichtes (von dem auch die 
Vilkina saga nichts weisz) aus dem ganzen dreizehnten Jahr- 
hundert; bis jetzt das frühste, in Spiegels abenteuer (unten 
nr. 119), fällt höchstens in das ende des vierzehnten Jahr- 
hunderts. 

2) Dietleib von Steiermark hat hier eine Schwester Similte^ 
die in die gewalt des zwergkönigs Laurin gerät und wieder 
daraus befreit wird, kein anderes gedieht nennt sie (vgl. oben 
s. 193. 194). 

3) 2208 (Str. dr.). 'do sprach Laurein der gezwerg 

sehent jr den grossen man 
mit seinem glantzen heim stan! 

3257. 'von Bern der edel fürste reich 
sein swert das gürt er um sich 
ein Hechten heim er uff gebaut,' 

Hildegrtn ist offenbar gemeint, nur nicht genannt. 



276 103. 

Laürin b. fortsetzung des gedichts, abgedruckt in Nyerups 
symb. [D,HB. 1.] 

1) Unter Dieterichs beiden ein Wielant^ welcher ohne 
zweifei sein dasein dem zusatz Wielandes suon bei Wittich ver- 
dankt, der deshalb auch hier fehlt, während er im Laurin a 
häufig dabei steht. 

2) s. 47*. 'die potschaft wart gesant 

ZV lamparten in daz lant 
- zu einem twerg hiesz allnech (1. alberich) 
ez was ein mechtiger kunk reich 
ez klagt got sein note 
daz im sein her waz tode 
der edel und der zarte 
kunck ortneid von lamparteJ 



104. 

Laürin c. bearbeitung des Caspar von der Rohn. 

1) Beziehung auf ein schriftliches werk: 'die istory sagt 
das' (72); Caspar scheint es abgekürzt zu haben: 'solt man 



105 275 

das als durch grynden das wurd doch als zu lanck als inan8 2i& 
in der schrift thut finden das wurd zu vä in geaancK (290). 
seine quelle war eine widere, als die von a, da er im einzelnen 
theils abweicht, theils genauer erzählt. [DHB. 1, 293.] 

2) Der name Simüte kommt nicht vor, es wird dafiir all- 
zeit Dietleibs Schwester oder königin gesagt. Caspar würde 
ihn, wenn er in seiner quelle gestanden hätte, gewis gebraucht 
haben. 

3) In A vier kämpfer Dieterichs: Hildebrand, Wolf hart, 
Wittich und Dietleib, auszer diesen hier noch ein fünfter, 
sonsther nicht bekannter Wolfdieterich. [ZE. 26, 12; 30, 3; 
DHB. 1, 293.] 

4) Dieterichs feuerathem (oben s. 105) verletzt zwerge und 
riesen (122. 229. 230. 303). 

5) Laurins panzer mit Otnits verglichen (oben s. 220): 

65. ^Es was kein prun auf erden 
vor noch sider erkant 

den ein keyser werden 

Ortney was er genant 

der het der prun gleichen 

von allem gezauch so gut 277 

die wurd gemacht in deichen 

in der zwergischen art. 

66. Ortney was behüte 

in der prun für die not 
das im kein helt so gute 
darin mocht thun den tot 
slaffent must er dersterben 
von eynem wurm vnrein 
vnd in der prun verderben 
trug in den jungen hain. 



105. 

Etzels HOFHALTUNG, (der Wunderer.) 

1) Wahrscheinlich eine Überarbeitung Caspars von der 
Rohn^ doch deuten etwa nur darauf die worte: 'gelaubt das es 
mag seyne als mans geschriben fani (211, 7); vielleicht kannte 
Spangenberg (s. unten nr. 154) eine andere abfassung. kein 
gedieht weisz sonst etwas von dieser sage und kein zeugnis 
redet davon. (Fastnachtsp. 2, 547, nr. 62; Kellers erzähl. 1.) 



276 



106 



277 2) Dieterich ist seit länger, als zwei jähren bei Etzel (99), 

zu dem er mit fönfhundert mannen gekommen war (100) und 
den er selbst als seinen herrn anerkennt (96). er hat dem 
Hildebrand versprochen, vor seinem vierundzwanzigsten jähre 
nicht zu kämpfen (122), bis dahin sind noch neun jähre, er 
müste demnach fönfzehn jähre alt sein, aber es werden hier 
(103) achtzehen angegeben, seines vaters bruder sitzt als kaiser 
zu Rom, das wäre Ermenrich, der sage gemäsz; aber dieser 
ganz entgegen ist auch sein vater, ein könig, noch am leben 
(101), und man weisz nicht, warum er ihn verlassen hat. 
seines feuerathmens ist schon oben (s. 105) erwähnung gethan, 
sowie der sage von seinem tod (s. 38). — man erkennt die un- 
vollkommene und lückenhafte Überlieferung. 

3) Von Rüdiger unerhörte dinge (vgl. oben s. 97). er ist 
der söhn eines koniga von Mailand (54); vielleicht eine Ver- 
wechselung mit Rienold (oben s. 145); seit ftlnf jähren an 
Etzels hof (53), hat er von ihm Bechelaren und Ostreich er- 
halten (55) und noch eine königin als gemahlin zn erwarten; 
also Gotelind ist hier unbekannt, sein vater und seine mutter, 
von welchen keine sage berichtet, waren gleichfalls konigskinder 
(55). es heiszt auch hier der müde (58). 



278 106. 

HoRNCHiLDE AND MAiDEX RiMENiLD (Ritsou ancicut romaucees 
3, 295); aus dem vierzehnten Jahrhundert: 



Than sehe lete forth bring 
a swerd hongand bi a ring 

to Hom sehe it bitaught: 
it is the make of Miming, 
of all swerdes it is king, 

and Weland it wrought. 
Bitterfer the swerd hight, 
better swerd bar never knight. 

Hom, to the ich it thought; 
is nonght a knight in Inglond, 
schal Sitten a dint of thine hond; 

forsake thou it nought. 



Dann liesz sie herbei bringen 

ein Schwert, hängend an einem ring, 

dem Hom sie es zugedachte: 
es ist das gegenstück von Mimingf 
von allen Schwertern ist es könig, 

nnd Wieland schmiedete es. 
Bitterfer heiszt das schwert; 
besseres schwert tmg kein ritter. 

Etom, dir ich es zugedachte; 
kein ritter ist in England, 
der stehe einen schlag von deiner haad; 

gib du es nicht weg. 



Bitterfer ist in den deutschen gedichten nicht genannt 
(s. 59). 



107. 108. 109 277 



107- 278 

Die HEIDIN (cod. Pal. 341 f.; 111—123; Kolocz. 191—240). 
(von der Hagens GA. 1, 414. 422; Haupts zs. 5, 2 ff.) 

1) 933. unt waert irz der von Berne^ 

80 küene als der (her?) Dietrich 
der was ein helt lobelich — 
ich neme (nem P.?) alle recken 

hem Hagen und kern Ecken 

er benimt iu daz leben. 

2) 1253. zwar wirt der gräve erslagen, 

so muoz wir in verklagen, 

als die andern recken, 

kern Dietrichen und hem Ecken ^ 

und da bi hern Hagen; 

die fuoren ouch niht iJs die zagen, 

sie wären offenbar genuoc; 

wenic si daz vür truoc, 

wan d wurden erslagen ze tot. 



108. 

I 

Der REIHER (cod. PaJ. 341). 

bl. 99. von einem zornigen manne, der sich rächen will: 

släfen gienk der guote 
in Wolfhartes muote. 



Die ZELTENDE FRAU (Licdcrsaal 1, 297 — 303). 

Der mann will die widerspenstige firau als ein pfelrd auf- 



zäumen: 



55. dö sprach si: ir schelm und gebüre, 
waeret ir zwirent als süre, 
als her Dietrich von Berne^ 
zelten wölt ich ungerne; 
und als gröz als rise Aaprtdn^ 
noch denn wser ez ungetan. 



278 — 110. 110*. 110«. 111 — 

"0 110. 

Fraüentreüe (Liedersaal 1, 117—128). 

15. den reinen wiben wart er holt, 
^ den diente er mit richem solt 
wüleclich und gerne: 
waer er gestn ze Beme 
der ritter unverdrozzen, 
des het er dicke genozzen. 



110*»- 

Johann von Würzbürg. Wilhelm von Ostreich (um 1314). 

^4*». Do vaht der milt von Hennenberc 
wol und der von Brünec: 
der Bemer noch der Eck 
waer küme d4 besezzen. 



110«. 

Der Zunge strIt. allegorie mit beziehung auf markgrat 
Waldemar von Brandenburg, c. 1322, begonnen von Otto WaM- 
mann von KarUtatt^ pfarrer zu Ostheim bei Aschaffenburg, in 
der Würzburger liederhs. (HMS. 4, 882) bl. 233 ^ unter den 
gedichten Luppold Homburgs von Rotenburg (von der Hagen 
in den Märkiscken forschungen 1841. 1, 113): 

Der kunster von der frauwen schiet 

hin durch den walt die twirge 

an ein vil hoch gebirge 

in ein Idk, hiez Sprengenberg, 

do Eiberich ötnydea twerg 

im lief engegen s6n zehant. 



111. 

Kaiser Ludwig der Baibr (Liedersaal 3, 121 — 24). 
1) Spottlied eines unbekannten dichters das zwischen die 
jähre 1334—40 fäUt. 

67. bt einer wil sd kom ich, 

ez reit tkz Bern her Dietrich. 
Si/rit der küen was hürntn. 



112. 113. 113^ 279 



2) Von demselben dichter ein quodlibet (das. 3, 563). 279 
[Uhland in der Germania 1, 328.] 

102. ez reit uz Bern, als man uns seit, 
her Dietrich von Bern* 
da von könt ich gern 
harpfen unde rotten. 



112. 

Heinrich der Glichsener (gehört ins 12te jahrh.) im Rein- 
hard Fuchs (cod. Pal. und Kolocz. 387): 

wir münche spraechen niht ein wort 
umbe der Nibelunge hört. 



113. 280 

Cod. Pal. 329 (Adelung 2, 320). [ist von Hugo von Mont- 
fort (geb. 1357 gest. 1423), s. Mones heldens. 60. 61, Wacker- 
nagels leseb. 1839 s. 952, Weinhold in den mittheilungen des 
histor. Vereins für Steiermark. Graz 1857 heft 7.] 

1) nr. 7. ^Meng man rumt sich Eggen nun 

Er hat nie hasen geuangen'. 

2) nr. 24. ^Kriemhielt die schön von rein 

die bracht all held in not 
ze etzelburg tet es die vein 
Da lagentz alle tot. 

Her Dietrich von bern 
Den nert sein manleich mut 
An krefilen was er der wernd 
Das kam im da ze gut'. 

Der dichter will sagen, in der Nibelunge noth habe Diete- 
rich durch grosze tapferkeit sich erhalten, er sei nicht bei dem 
allgemeinen verderben umgekommen. 



113b- 

Friedrich von Schwaben, es wird erzählt (Bragur 6, 204, 
Jahrb. der Berlin, gesellsch. 7, 95 ff.), dasz der held unter dem 
namen Wieland seine geliebte Angelburg, ein halb geisterhaftes 



401 



280 114 

401 wesen, gesucht habe, ihm wird hoffiiung gemacht, an einein 
bestimmten ort seinen wünsch zu erreichen, als er dort ange- 
langt ist, sieht er drei tauben zu einer quelle fliegen, die sich 
darin baden wollen, indem sie die erde berühren werden sie 
zu Jungfrauen; eine davon ist Angelburg, sie werfen ihre ge- 
wänder ab und springen ins wasser. Wieland, durch hilfe einer 
Wurzel unsichtbar, nimmt ihnen die kleider weg. darüber er- 
heben die mädchen groszes geschrei, aber Wieland, sichtbar 

402 hervortretend, erklärt sich nur dann zur zurückgäbe der kleider 
bereit, wenn eine davon ihn zum manne nehmen wolle, sie 
entschlieszen sich endlich und überlassen ihm die wähl, er 
wählt die geliebte Angelburg, die mit freuden den Friedrich 
von Schwaben in ihm erblickt^*. 

Man erkennt sogleich die sage von Wieland und dessen 
zwei brüdem, welche drei schwanenjungfrauen überraschen, die 
am strande ihre gewänder abgelegt haben. (Haltrich märchen 
aus Siebenbürgen nr. 5. Meier schwäbische märchen nr. 7.) 
wir kennen diesen theil der sage nur noch aus dem alten eddi- 
schen liede, wo sie insoweit weniger vollständig ist, als dort 
die wegnähme der gewänder nicht ausgedrückt wird, welche 
doch^ wie Hagens Beispiel in dem Nibelungelied zeigt, nothig 
ist, um die schwanenjungfrauen in die gewalt zu bekommen, 
merkwürdig ist die wiedererscheinung der sage nach so langem 
Zwischenraum in einem gedichte , das allem anschein nach in 
das 14te Jahrhundert gehört, ist sie nicht aus mündlicher Über- 
lieferung eingedrungen, so könnte das verlorne gedieht von 
Wieland (oben s. 288) im mittel gelegen haben. 

280 114. 

[Conrad von Ammenhaüsen,] Schachzabelbüch [vollendet 1337] 
(cod. Pal. 398. Adelung 2, U4). 

^^ mitgetheilt von Jacob Grimm. — [auf eine yerschiedene darstellimg 
der fabel deuten die meisterlieder bei Görres s. 81. 

'Die fünfte stund die leid ich pein, 

als herzog Friderich ufz Schwaben, 

als er erschofz 

imd sie macht los 

drei tauben weifz in einem bach ohn leben.' 

s. 134. 'Er lacht mit herzog Friderich, 
der kühne Schwab genannt, 
da er erschofz elendiglich, 
drei tauben wohl bekannt, 
bei einem bach sie lagen 
und waren leider todt. 
erst fieng er an zu klagen 
und thät also verzagen 
in seiner grofzen noth.'] 



115. 116. 117 281 

D6 Ecken (1. Ecke) IHetertchen vant, 280 

Irmengart die rief zuohant usw. 

[Vgl. Ecke 74 Lassb. Uhland Germ. 1, 328.] 



115. 

Ritterpreis (handschriftliches bruchstück^ wahrscheinlich 
aus dem 14ten Jahrhundert), es werden zwölf Schwerter aus- 
getheilt (s. 254). 

^her Herman van Helfinstein 
schämet uch nit, nemet hin dit swert, 

it is geheisin Wüaaunk 

it druch ouch ein degin junk. 

der was genannit Dittdeib. 

na des dode it verborgen bleib 

manich iar uffe disse zit\ 

Das Schwert Welsunc des Dietleib von Steier im Biterolf 
und Laurin (oben s. 16). 



116. 

Cod. Pal. 313 (Wilken s. 405). 

^Das wer ein schad geringer, 281 

Als Danckbart sprach zu HagerC. 

Bezieht sich auf Nibel. 1891, 1: daz ist ein schade kleine; 
ringe hat keine handschrift. ['Hagen sagts zu Dankwart\ 
Lachmann.] 



117. 

KöNiGSHOVEN, elsassische chronik um 1386 (herausgegeben 
von Schilter Straszburg 1698). [ZE. 30, Ic. 46. vorr. zum 
deutschen heldenb. 1, xxxix.] 

1) s. 86. 'Doch sit Dieterich von BemCy von dem die ge^ 
huren aUo vü eingent und aagent, ist ein künig gewesen über 
ein teil der Gothen dis volkes, derumb wil ich etwas von ime 
sagen, das do in der geschrift bewert ist\ 

2) s. 89. 'Aber wie Dieterich und sin meiater Hütehrant 
vä wurme und drucken eralugent, und me er mit Ecken dem risen 



282 111\ 117«. 118. HS'» 

/ 



281 8^eü und mit den quercken^ und in dem rosengartenj do schribet 
kein meister von^ dovon habe ich es für ein Mgene\ 



*117b. 

Chbonicon monasteru Melligensis bei Pez SS. austr. 1, 194 
hat zu der notiz zum jähr 522 ^Theodoricus subitanea morte 
Kavennae periit' den in Wattenbachs ausgäbe Mon. Germ. SS. 
9, 492 fehlenden zusatz: multa de ipso cantantur quae a iocu- 
latoribus sunt conficta*. der zusatz kann nach der von Pez 
p. 165 benutzten handschrift aus dem 14. 15. Jahrhundert sein, 
er gehört in die reihe der mit dem 14ten Jahrhundert begin- 
nenden äuszerungen über die unglaubwürdigkeit der alten sagen, 
vgl. nr. 117. 133. ZE. 30, 1. 2. 4. 43. 46. 49. 



♦117^. 

König Wenzel verzeiht in einer undatierten scherzhaften 
Urkunde (archiv für künde österreichischer geschichtsquellen 
1863. 29, 155) dem Johann Westfal seine räubereien: 

omnem o£Pensam quam adversus nos commisit per spolia 
innumerabilia, que in regno nostro perpetravit, cum superbus 
multis spoliis revertebatur in Joppa, sicut olim Theodericus con- 
sueverat de Verona^ sibi duximus remittendam '^'*'. 



118. 

Volks- und meistbrlieder, herausgegeben von Görres. 

8. 98. ^Freut sie mich nit, die rein, die zart, 
So war ich gar ein hümin man\ 

Des TEDFELS NETZ (vielleicht zwischen 1415—18 veifasst), 
herausgegeben von Barack. Stuttgart 1863. 

V. 11758. so er also predien stat, 
wie Egg Dietrichen sluog 

* die stelle Ist von Lachmann in seinem exemplar angemerkt 
•♦ nachgewiesen von Wattenbach, 



119. 120 283 

und metz Hilgart zooh den pflaog, 281 

so waent er hab es wol geschafft. 

Andre beziehungen auf das Eckenlied und Sigenot in ZE. 
30, 3—9. 47. 56. 57. 

119. 

Spiegels abentheuer (handschriftlich), [jetzt gedruckt in 
Meister Altswert. Stuttgart 1850. ist von Hermann von 
Sachsenheim (gest. 1458 s. nr. 128), Germania 1, 361]. 

1) bl. 14. [146, 17] ich ruoft und winkt mit henden 

dem edlen twerg so reine. 
künic Laurtn der vil kleine 
kund nit so mezez grüezen^ 
d6 er von henden und füezen 
dem Berner iesch ein pfcnt^ 
Dietleihen und meiater Hüdehran% 
ze Tirol in den rosen; 
die selben zitlosen 
den Berner dühten ze tiure. 

2) bl. 34 — 39. frau Ehre zeigt dem dichter ein buch, 282 
worin der frauen missethat und minne geschrieben steht: ez 
ist der lieben hört; er soll kein blatt überschlagen, auf dem 
dritten blatt findet er seine geliebte, über seine untreue trauernd 
und weinend, heftig schlägt er das buch zu; frau Ehre 
fragt ihn: 

[179, 16] h&stu der Niblunff hört 

dort funden in dem buoch? 

3) bl. 53. [196, 3] ich waene der vogt von Bern 

darab erschrocken waer. 

120. 

Die minnebürg. (Cölner und Heidelberger handschrift vgl. 
Mones heldens. 60. auch in Wien, Diutiska 3, 288. 290. 349. 
398 [HoflBnanns Verzeichnis s. 130. 176]). 

8. 37. *ich werde schiere Verliesen myn witze 
ach minne vnd liden iamers mort 
dar vmb das din richer hört 
ist also gar verswonden 
das hain ich wol entphunden 
an mir an allen widerstrit 
bie myner trewen niblung tzyt (nibHng zit Pal.) 



284 120*. 121 

282 liie vor do ich der franwen myn 

gerucht zu erst ir diener sin 
din schätz vff mich ey minne zart 
steten sifrid (stätter syfrid P.) geerbet wart 
der ist von myner jfrauen slag 
versenket nu in zwyfels wag 
das wilich myime dir clagen 
wan iz ist gar erslagen 
myn freuden frerüdsch ingesinde 
an mynem synne ich woil enphinde 
es tet ir hemmen (hennen P. 1. Heunen) missetat 
mynne wende noch irs zomes grat 
der vzerwelten frauwen zart 
durch din vil' hochgeboren art 
in wyplich süsse milde 
das irs zomes krimhilde 
in lateyen (latenyen P.) erbermde sy 
gene mir so worde ich leydes fry'''*. 

288 Merkenswerth ist das f renkisch ingesinde, denn in dem 

Nibelungelied das dieser dichter kannte, scheinen nicht Bur- 
gunden, sondern Franken aufgetreten zu sein (vgl. oben s. 
66. 67). 



402 



Der ACKERMANN AUS Bgeheim (herausgegeben durch von der 
Hagen), aus der ersten hälfte des 15ten Jahrhunderts. 

s. 47. der tod spricht: uin — Dieterich von Bem^ den 
starken Poppen und um den Hörnen Siegfried haben wir nicht 
so viel mühe gehabt. 

Unter dem starken Poppen wird ohne zweifei der bekannte 
dichter gemeint, welcher diesen beinamen fahrte (grundrisz 502. 
HMS. 4, 693). von seinem tode gab es wahrscheinlich eine 
sage. (Haupts zs. 3, 239. 8, 347 f.) 



283 121. 

Cod. Pal. 392. aus dem 15ten Jahrhundert (Görres volks- 
und meisterlieder vorr. xxxiv). [ist von Frauenlob und gibt in 
dem bessern text bei Ettmüller s. 161, 281, HMS. 3, 376 
(vgl. Mones heldens. 60, Haupts zs. 12, 423) ein zeugnis für 
das alter des Rosengarten, s. 249. übrigens vgl. nr. 151.] 

^' milgetbeilt von Jacob Grimm. 



122. 123. 123»> 285 



bl. 93. ^Ach got nu wisst ich gerne. Wa kamen hin die 283 
starke man. Wolfhart^ Wittich und Heim, Und auch der here 
Hüebran [1. Hübrant und ouch der herre Ilsdn]. Wa kam hin 
Key [1. her Iwein] und auch Gawan. Egg und Hagen die 
beld auch allesande. Wa kam hin der von Beme. Wa kam 
hin markgraf Riedinger [Haupts zs. 12, 383]. Wa kam hin 
Etzel gewaltig. Mit seiner groszen macht so her. Wa Sifrid 
der hirnein. Wa kam künig Rantolan [1. Kantolän] aus Soden- 
lande. Wa kam hin Parzevale und Sigenot [1. ris Sigenöt] vnd 
der wild man\ 



122. 

Cod. Guelferbtt. 2, 4. ms. Aug. fol. wahrscheinlich aus 
dem löten Jahrhundert. 



f. cxviii*. 'Ich pin das gut alter genant 
von Frankreich fater hiUeprantJ 



123. 

Abbildungen von kriegsgeräth (Tiroler handschrift aus der 
zweiten hälfte des 14ten Jahrhunderts. Primisser in Büschings 
wöchentl. nachr. 4, 226). darunter ein Streitwagen mit den 
Versen: ' 

^Ledit lesura grandi biga dytrici hütehrandi 
principie verone^ cui prefuit cum racione\ 

Auch ein karren: 

'der charr ist gehaissen der scharpfe pi^echer 
vnd den fand Athila der Chiinig von Vngern, 
do er twang hispanien vnd schottenland"'®. 



123b 

Herr Sifrid und der schwarze mann, ein bruchstück von 
73 verszeilen (St. Gallische handschriften, in auszügen heraus- 
gegeben von Gustav Scherer. St. Gallen 1859. s. 34, 7). 

Herr S^nc^ erblickt eine schöne Jungfrau, die ein schwarzer 
mann in das heidnische land entführen vnll. als dieser sieht 

^* mitgetheilt von Lachmann. 



286 124. 125 

dasz ^er Syfrid so vast uf in trabt\ macht er darcli Zauberei 
einen groszen see um sich. Syfrid tritt an das gestade des 
sees und bittet die Jungfrau ihm zu sagen 'wes sy der schwartz 
man zig, der üch fiirett by dem gewand und ir im so vastge- 
Yolget hand\ der schwarze mann erlaubt es ihr: 

sagent im mit züchten, was es sig; 

und wärint siner noch drig, 

die furcht ich klain. 

versuochent was er main. 

fragent unverschrocken gar, 

wan er nimpt sin so eben war, (?) 

es mag in wol geruwen, 

und künde er isen kuwen\ 

Die iunckfrow was des urlobs fro. 

Her Syfrid bat sy do 

[Vielleicht ein Überrest einer andern darstellung der fabel 
des Sieg&iedliedes.] 



m 124. 

Reinecke de voss (Eutin 1798). 

s. 67. — myn here vader hadde gefunden 

de8 mechtigen konningea Emerikes schat 

s. 76. Ik geve juw den ane allen hat, 

so fry alse den konnink JEmrik besät 

s. 77. Gy werden dar finden ok de kröne, 
de Emerik drog in synen dagen. 

In dem flamländischen text heiszt er koninx Ermelinc 2239 
(wo statt heymeliken so zu lesen ist). 2560. 2609. von Ermen- 
richs schätze reden alte Zeugnisse (oben s. 17. 45. 46. 188). 
[Ermenrich als erbauer von Gent ZE. 34, 1.] 



125. 

LoszBüCH (cod. Monac. aus dem ISten Jahrhundert), darin 
werden genannt: 

4. die vier Layfursten 2. die vier Püler (Wolfram von 
Eschenbach, Moringer, Prennberger, FAss der puler) 3. die 
vier Recken {Günther, Baym^ Wytüig, Hageny*. 

7^ durch hrn. dr. Massmaun erhalten (und späterhin berichtigt). 



126. 127. 128. 121 287 

284 

126. 

Spruch vom eigennütz (cod. Vinar.) aus dem 15ten Jahr- 
hundert. 

bl. 3. 'kunig Etzel durch aigennutze starb*. 

Scheint sich auf den in der Vilkina sage erzählten tod 
Etzels zu beziehen (oben s. 123). 



127. 

JoH. BoTHE. schrieb um 1442 [1430] die Thüringische 
chronik (Menken Script, rer. germ. 2). [herausgegeben von 
Lilienkron s. 38. vgl. ZE. 30,. le.] 

p. 1637*. 'von — den öind [synt sedir] komen der starke 2^ 
Sifrid [Seifridt] Hagin und Kunehilt (1. Kriemhüd) [Krimehüt], 
'oon den man noch [auch] gesänge hai. 



128. 

Hermann von Sachsenhbim. dichtete im jähre 1453 die 
Mohrin (ed. 1512). [s. zu nr. 119.] 

1) bl. 5*. %et ich gehebt den Nohling hört 

vnd allen schätz von Indien. 

2) bl. 19^. 'vnd secht wie freidig ist der man, 

als da der Berner Ecken erschlug\ 

3) bl. 25*. 'der Eckart sprach, das thun ich gern, 

wer ich her Dieterich von Bei'n\ 

4) bl. 40^. 'wer ich her Dieterich von Bern^ 

so fecht ich gern, das bin ich nit\ 



129. 

Sächsische CRöniK (handschrift zu Halberstadt, auszüge in 
Abels teutschen und sächsischen alterthümem 1). 

•1) s. 262. als Attila, von dem pabst zurückgewiesen, aus 
Italien kam, fieng er an aus der nase so zu bluten, dasz er am 
toüheit in die Donau lief und sich gar verloren hat 



288 lao, 130«» 



285 2) s. 504. ^Offerus de wart hir na noch eyn konigk to 

Ungern, do konigk Attila vorghink^ went ehe sine fruwen 
Grimhüdy Gramyla wedder nam\ 

3) 8. 506. ^Athala, konigk tho Hungaryen, wegen seines 
esels levens Ezzelo benomet, reyg. 32 jaar; seyn wyff hete 
GramuUa^ mit der he neynen erven hadde. se nam na sinem 

. dode Offerus, Aymers söhn wedder, den fürsten von Panonia, 
de mit ohr k. in Hungaryen wart, van ome hat de stad Offen 
oren namen\ 

4) s. 507. ^A 483. do de konigk Athala de geysele 
godes, de lande so verdorvede, do bleiff eyn van sinen frun- 
den de heyt Titello, de wart ein konigk der Gothen, de hadde 
eynen sonen de heyt Dethardvs^ de hedde neyne kinder, men 
einen bastert de heyt Theodoricus Ost-Gothus, Diderickus^ de 

386 wart ein fiirste der Gothen, u. he wanede uppe der horch to 
Beme^ darumme wert he gebeten Diderich van Beme^ u. is de 
Diderickj dar de bur van singhef. 

5) s. 508. 'A. 484. De konigk Odoacer, Ottrocus, Offen 
sone, de toch mit grotem volke uth Ungeren, u. vordorvede 
dat Komesche rick, u. dat lant to Italien, do kam herDide- 
rick van dem Beme mit den Gothen, u. dreff den konigk Ot- 
trolus uth dem lande, u. de konigk floch vor Diderich yan 
Beme in eine veste, de was kortes angehaven to buvende, dar 
beleyde he den konigk inne, to lesten toch de konigk to ome 
uth in dat velt, u. stritende to samede, u. her Diderick van 
Beme wart tornich, und wan he tomich wart, so geberde he 
yft ome vür uth deme habe blese, so dat de konigk de flucht 
nam, u. kam wech mit cleynem volcke, unde de synen de 
bleven dar dot, de fireten de reven, darumene nomede Diderick 
de Stadt Ravenne, u. de Komer geven Diderick van Beme dat 
lant to Italien dar yore\ 



130. 

fiüPLi (Job. Müller Schweizergeschichte 4, 415. anm. 848), 
in den jähren 1450-^1469. [vgl. zu nr. 117.] 

Der landmann sang vom Dieterich von Bern, wie er mi 
helden gefochten. 



130»>. 

Niederdeutscher freidank. hs. (g) des herm von der 6/ibe- 
lentz vom jähr 1462. 

s. 35^. Rutgere mUtekeit. 



130«. 1300. 131. 132 289 



130 c. 



Michael Behaim, buch von den Wienern 1462 — 1465. her- 
ausgegeben von Karajan. Wien 1843. 

8. 33, 27. Sy luden in auff hass vnd neit, 

als fraw Kreimhüt auff ir hachczeit 
in Heünen lud ir prader drei. 

s. 58, 14. Mit der kekait vnd manhait sein 
gleich ich in wal pischalfP Turpein 
vnd dem fraidigen munch Ulaam. 



130d 

Fortsetzung der lübekischen chronik des Detmar (heraus- 
gegeben von GrautoflF. 1830. 2, 392) zum jähr 1476: 

Hertegen Karl van Burgundien mishagede swarleken de 
schade undo hon des ersten strides iegen de buntgenoten, alse 
vor screven is int iar lxxv, unde vorsammelde grod volk, so 
dat mene word lep wol lxx dusent, unde wolde hagen wreken. 

Jac. Grimm fand hierin eine sprichwörtliche anspielung 
auf die heldensage. 



131. M6 

Skida Bima (isländisches gedieht aus dem ende des 15ten 
Jahrhunderts '*). 

Hier werden Vidolf Mittiatang^ Oddgeir riese, Aventrod und 
Isungs söhne unter den alten, berühmten beiden genannt, die 
in V alhall bei Odin sitzen. 



132. 

Seb. Brant (geb. 1458, gest. 1520), Narrenschiff (Augs- 
burg 1498). 

h. III. [44, 8—14 Zarncke] 287 

'do (in der kirche) ist ein klappern vn ein schwetzen 
do müsz man auszrichte all Sachen 

'^ sagenbibl. 2, 314. wahrscheinlich durch einen Schreibfehler s. 223 in 
das 14te Jahrhundert gesetzt. 

WiLH. Obimm, dbutsohb hbldbhsaob. 19 



290 133. 134 

287 vn schnip schnap mit de holtzschü mache 

vnd vnför mancher haud 
do lügt mä wo frau krienhilt städ 
ob sy nit woU her vmher gaffen 
vnd mache ausz de gauch ein äffen'. 

(Z. 5 lautet in dem plattdeutschen Narrenschiff (Rostock 
1519): 

bl. 70^. So suth men dar frouwe Krymehelt steit. 

Ä.uszerdem theilte Meusebach aus der Basler ausgäbe von 
1494 folgende stelle mit: 

m 5* [72, 23—26 Z.] 

'Wer yetz kan tryben sollich werck 
Als treib der pfaff vom Kalenbergk 
Oder münch Eyham mit sym hart. 
Der meynt er tüg eyn gute fart'.) 



133. 

Ecelne'r CHRONIK (druck von 1499). 

bl. 92°. 'Item wie Diederich van Berne streit mit Ecken 
den reyaen im rosengarden by Wornisz, as men singet, dar van 
vint man gheyn wairheit ind synt gedichte lyeder'. [ZE. 30, 
1''; dazu vgl. aus Godefrid Hagene ZE. 27, 3«] 



134. 

Anhang des heldenbughs. ich bediene mich der ausgäbe 
von 1509 und habe die übrigen, nur durch ganz unbedeutende 
kleinigkeiten sich unterscheidenden, selbst in den meisten druck- 
fehlem übereinstimmenden, verglichen, in der ausgäbe o. j. 
und von 1590 ist diese übersieht nicht angehängt, sondern als 
einleitung vorangestellt, ein stück, den auszug aus dem Nibe- 
lungehed enthaltend, ist abgedruckt hinter dem Nürnberger 
Laurin, stimmt aber gleichfalls überein. was Mone vor dem 
Otnit (73 — 75) aus dem cod. Arg. d bekannt gemacht, habe 
ich benutzt, so wie die vergleichung einzelner stellen, die ich 
mit der bemerkung erhalten, dasz dieser codex von dem altea 
drucke wenig abweiche, die Verbindung dieses anhangs mit 
dem heldenbuch ist äuszerlich und scheint ganz zufallig; der 
Verfasser desselben hatte einen andern Otnit und Rosengarten 
vor sich ; übrigens wiederholt er sich mehrmals und lässt wider- 



134 2^1 

Sprüche und verschiedene Schreibung der eigennamen (z. b. Arne- 287 
lang und Amelot, Ermentrich und Ementrich) bestehen, jenach- 
dem er verschiedene quellen benutzte, angefiihrt sind bereits 
früherhin einzelne stellen s. 174. 191. 192. 195. 222. 225. 240. 
248. 252. 253. 254. 255. 256. 257. 

1) 'Vnger das stosset auf Osterreich hyesz etwen der hun- 
nen landt in dem was künig Etzel ein herre. Wurms vnnd das 
land darumb hiesz etwen Burgun. In dem was Gibich eyn 
herr. vnd fraw Crymhilt syn tochter. Der selben was auch 288 
der rosengarte. als das teil von dem rosengarten eygentlichen 
ausz weiset'. 

2) Wolfhart der was Hiltbrant Schwester sun Vnd was 
Amlung (1. Amelolt) von garten syn vatter. Vnnd was hertzog 
Bechtung syn groszvatter von der muter her. Vnd Alphart von 
Ach der was syn bruder, auch syn (1. ein) küner held. — Nun 
ligt garten vnd Bern nahet bey einander', vgl. oben s. 191. 192. . 

3) 'Margkgraff Riediger von Bethelar (ebenso in der aus- 
gäbe vom jähre 1545 und 1560; Bettelar 1590) dem gäbe künig 
günther syn tochter, die was künig Gibichs suns tochter'. 

Eine auffallende, durch kein gedieht zu erweisende behaup- 
tung, wo sie nicht auf einem misverständnis beruht > denn um- 
gekehrt verlobte Rüdiger nach dem Nibelunge liede seine toch- 
ter mit einem söhne des rheinischen königs. 

4) 'Wittich eyn held. Wittich Owe syn bruder. Wielant 
was der zweyer wittich vatter. Ein hertzog, ward vertriben von 
zweyen riszen, die gewunnen jm syn land ab. do kam er zu 
armut. Vnd darnach kam er tzü künig Eiberich vnnd Ward 
syn gesell. Vnd ward auch ein schmid in dem berg zu glog- 
gensachszen (glockensassen c. Arg. d). Darnach kam er zu 
künig Rertwich (hertniht c. Arg. d). Vnd by des tochter machet 
er zwen süne'. 

Nur in dem einzigen gedichte von der Flucht (oben s. 196) 
haben wir einen Witigouwe gefunden, doch ohne dasz er ein 
bruder Wittichs genannt wäre. [ZE. 3.] darin liegt jedoch 
immer ein zeugnis flir das seinem allgemeinen inhalte nach hier 
angedeutete, jetzt verlorene gedieht von Wieland. wir kennen 
sein leben aus einem besondern abschnitte (c. 19 — 30) der Vil- 
kina saga, aber jenes deutsche gedieht musz in vielen stücken 
davon verschieden gewesen sein. Velint ist dort kein herzog, 
der von zwei riesen vertrieben und des landes beraubt in 
armut geräth. sein aufenthalt bei den zwergen in dem berge 
fallt in seine erste jugend; er tödtet sie, und Eiberich, mit dem 
jedoch aus andern gründen (oben s. 57) ein Zusammenhang ver- 
mutet wurde, wird dabei nicht genannt, der berg heiszt in 
der Vilkina saga Kallova oder Ballova, ein unverständlicher 
name, während der Caucasus (berg zuo glockensassen) auch im 
Otnit (oben s. 227) Eiberichs aufenthalt ist. der könig, dessen 

19* 



292 134 

■ 

288 tochter Wieland entehrt, heiszt in der Yilkina saga Nidung; 
der name ist aus dem alten Nidhad oder Nidud (oben s. 21) 

289 entstanden, dagegen hier ein anderer, Hertnit (denn diese les- 
art verdient wohl den vorzog) eingeführt. [Haupts zs. 12, 348.] 
von zwei söhnen Wielands sagt die Yilkina saga nichts. 

5) ^Getrü Eckart ein held von Brisach von dem geschlecht 
der harlinge^ der was auch auss Elsas vnd brüszgaw. Ynod 
do kam ein keyser. Der hiesz keyser Ermentrich, Der selbe 
hieng die harlinge. Dem selben Eckart wurdent empfolhen die 
jungen herlinge darnach achlvg er keyser Ermentnch tzü tode. 
Man sagt das der selbe Eckart noch vor fraw venus berge sy 
bisz an den jungesten tag\ und späterhin noch einmal: 'Man 
vermeinet auch der getreu Eckarte sey noch vor fraw fenus 
berg, vnd sol auch do belyben bisz an den jüngsten tag, vnd 
warnet alle die in den berg gan wollen'. 

Kein gedieht weisz etwas von diesem tode Ermenrichs 
durch Eckhart (oben s. 188). das hier gesagte wiederholt Agri- 
cola in den Sprichwörtern (nr. 667): 'Der Eckard wolt seinen 
herren, deren vormundt er was, trewe beweisen, vnd schuff und 
bracht also viel zu wegen, dasz er mit andere?^ helden hülfe 
den Ermentfride wider erwürgte\ und: 'die deutschen sagen, 
er sitze vor dem Yenusberge vnd warne alle leutte, sie sollen 
nicht in den berg gehen', wahrscheinlich hat Agricola (geb. 
1492) aus unserer quelle geschöpft, denn was gleichfalls bei 
ihm vorkommt: 'Wormbs am Reyn, etwan Burgun geheyssen^ 
ist doch wohl buchstäblich abgeschrieben. 

6) 'Künig GünOiers sun der erschlug den alten (meyster 
dr. o. j.) Hiltebrant vor der stat Bern do wurden auch alle 
held erschlagen' (die stelle ebenso im c. Arg.). 

Yon dieser unerklärbaren behauptuug hernach (s. 300). 

7) 'Keiser otnita (1. Otnits) vatter was ein mechtiger künig 
vnnd hett vyl guter land vnd leüte. Ynd was gesessen in lam- 
parten land auff einer bürg hiesz Garten. Do nam er eyn 
weyb, die was des künigs von reüssen Schwester. Ynnd do 
sy lang bei eynander warent do betten sy gern ein kyndt ge- 
habt, wye wol sy got darumb battent so mocht es doch 
nyt gesyn, das wyste künig Eiberich der zwerg wann er 
nahent by jne gesessenn was. Er wiste auch von dem gestym 
{vnd an kunst c. Arg. d) das sy von dem man keyn kind nit 
trügj nun was es künig Eiberich gar leit, das sy soltent on 
leybs erben sterben, wann er besorgete er überken vngetruwe 
nachbauren die Jm mochten schaden, Ynd gedacht wie er ein 

290 künig wäre, vnd als gut als sy were. Es were weger sy über- 
kemen leibs erben. Vnnd nam ein fingertin an syn handt do 
was ein stein jnn wer den by jm het den mocht niemant gesehen 
der heyszt ein nebelkap. Ynd för zä der künigin, vnd kam 
vnsichtberlich tzu ir in ein kemnat do sy an jrem gebete was. 



134 293 

Do mocht sy jn nit gesehen, do was elberich gar starck. das 290 
käme auch von edelem gestein vnd überkam die künigin wider 
jren willen. Do warde sy keyser otnites schwanger, do saget 
er ir wer er wcre, vnnd gab ir das fingerlein, vnnd saget jre 
warumb er es gethon hete. durch des besten willen. Vnd dar- 
nach über zehen jar. do was der alt künig Otnii ein alt schwach 
man. vnd gebott got über jne das er starb, do empfalch er sinen 
sune dem künig von reüssen siner muter bruder. Also erbet der 
jung Otnit das künigreich, vnnd warde darnach Römischer 
keiser, vnd was er künig elberichs leyblicher sun. das wiste 
nyemant dan er vnnd die künigin. 

Keyser Otnit künig Elberichs sune geboren ausz lamparten 
lande ein mechtiger künig, Keyser Ottnites muter was künig 
£ligas Schwester von reüssen der ward zo^'nig über syn Schwester 
von Elberichs wegen, do das Elbei'ich befand do bracht er sy mit 
»ynen listen wider zu samen das sy freund wurden. Dem selben 
keiser Otnit dienet reüssen. vnd das land zu Bern, damoch 
über zweihundert jar ward das land Bern her Diethei'ich von Bern. 

Keiser Otnit betzwang die lande von dem gebyrge bisz an 
das mer. jm dient auch Rom vnd Latran. Er was gesessen in 
lamparten auff einer bürg, die hiesz garten nahent by dem land 
zä Bern. Er hett auch zwolff man sterck. Im dienten auch 
zwen vnd sibentzig man aüff garten, die waren hertzogen, 
grafen, vnd edel leüt die gehorten jm all sipschaft halben zA. 
Keiser Otnits vatter vnd alles syn geschlecht fürten ein guldin 
heljfant jm schilt vnd auff dem heim. Aber do Otnit keyser wart, 
do fürt er ein schwartzen adler als all römische keyser. 

Dyses waren keyser Otnits diener vnd ratgeben. Der 
künig Eligas (Elegast druck o. j. doch vorher auch Eligas; 
druck von 1545 wieder Eligas) von reüssen der was syner 
mäter bruder. Der trucksesz ab garten was keiser Otnits Schwester 
sun. Der marggraff von tustkan. vnnd keyser Otnit waren zu 
den andern kindern, Hertzog Gerwart von ti^oy was Otnites 291 
Schwager. Hertzog Zacharias der was gesessen zvrischen der etsch 
vnd dem meer, der was von Otnit belehnet. Er thet Otnit grosse 
freündtschaft. er bestellet jm vil speisz vnd kiel do er über mer 
wolt faren. do was der künig von messin syn rat vnd diener. 

Keiser Otnit nam ein weib. die was eins heidnischen küni- 
ges tochter tzu rachaol gesessen, vnd hiesz syn land surgen landt. 
In dem was ein stat Suders genandt vnnd hat noch ein stat 
genant Montebur. in der was der künig mit sym weib vnd mit 
syner schönen tochter Sidrat. Aber Otnit nam jm die tochter 
mit Gewalt, vnd teufet sy vnd nam sy zä eynem eelich weyb. 
Damach schicket der heyden ein ryszen vnnd syn weib in Ot- 
nites landt mit zweien bösen wurmen (vnd zwen lint wurme 
c. Arg. d) die solten sy ziehen in dem land. als sy grosz wur- 
den vnnd schaden in dem land theten do wolte sy der keiser 



294 134 

291 erschlahen. vnd do fand jn der wurm schlafent unter einem 
bäum, da verschland ihn der wurm vnd trug jn in ein holen 
berg. Das befandt syn gesol Wolfdieterich. der erschlug die 
würm all bisz an eynen den erschlug her Dieterich von Bern 
hernach über achtzig jare. Vnd do Wolffdietrich die würm all 
erschlagen vnd Otnit gerochen het. do nam er otnites weyb 
tzü der ee. Otnit (c. Arg. d setzt hinzu: 'waz in der eiltt also 
WolfFdiettrich, doch') was acht jare elter dan wolffdieterich\ 

Der Verfasser dieses auszugs hat eine weniger durch ab- 
weichungen von dem jetzt bekannten gedieht, als durch voll- 
ständigem inhalt sich auszeichnende quelle vor sich gehabt. 

a) Wir hören hier von Otnits Vorgänger, der mit ihm einen 
namen führte, aber blosz könig, noch nicht kaiser war. er 
starb in hohem alter^ als der junge Otnit noch nicht zehn jähre 
alt war, und empfahl diesen vor seinem tode dem bruder seiner 
frau, dem könige Eligas von Reussen. sein und seines ge- 
schlechtes schildzeichen war ein goldener elephant^ den der junge 
Otnit, als er römischer kaiser ward, mit dem schwarzen adler 
vertauschte, nach dem gedichte führte er aber den goldenen 
löwen (oben s. 227). (doch im Wolfdietrich (cod. Francf. 97^ 
druck 903. vgl. 929) steht dasz Otnit einen elephanten von gold 
im Schilde führte.) 

b) Von Elbench erfahren wir mancherlei neues, nach dem 
gedieht (182) hörte er zwar das gebet beider eitern um ein 
kind, hier aber wird ausdrücklich gesagt, er sei zugegen ge- 
wesen, nämlich unsichtbar wie ein elfe. weiter wird erzählt, 
Eiberich habe in den Sternen gelesen, dasz die königin von 

292 diesem manne kein kind empfangen werde, und gefürchtet, wenn 
sie stürbe, von bösen nachbarn beunruhigt zu werden. sein 
(unterirdisches) reich ward also in der nähe von Lamparten ge- 
dacht: aber es ist ein in der natur der elfen liegender charak- 
terzug, dasz sie nur neben friedlichen und wohlwollenden nach- 
barn hausen wollen, in dem gedichte heiszt es blosz (183) mit 
einer ohne zweifei späteren und zur entschuldigung des zwergs 
aufgesuchten änderung, Eiberich habe besorgt, die königin möge 
als kinderlose wittwe verstoszen werden, es wird ausdrücklich 
bemerkt, durch hülfe des unsichtbar machenden ringes sei er 
in ihr gemach gedrungen und statt dasz er im gedieht (184) 
sie vor ihrem bette sitzend und in Sehnsucht nach einem kinde 
weinend findet, so ist sie hier im gebete begriffen, indessen 
mag diese Verschiedenheit aus einem misverständnis entsprungen 
sein, und das gedieht das richtigere enthalten. 

c) Völlig fremd ist diesem, was hier von dem zorne des 
königs Eligas über seine Schwester und ihre durch die klugheit 
des zwergs bewirkte Versöhnung gesagt wird, ja es scheint 
dort (251. 252), als habe Eligas den Eiberich zum erstenmal 
während ihrer fahrt aus dem schiffe erblickt. 



134 395 

d) Otnits Verwandtschaft^ von der das gedieht nicht spricht, 292 
wird hier auseinander gesetzt, der truchaesz von Garten (nach 
dem gedieht: Hütiger 351, 1. Hutteger c. Pal. b, Hütiger c. Fr. 
4**, hitzinger alter dr. von 1509; bei Caspar str. 21. ein 'marck- 
graf von Garten geheissen Engekan) ist kaiser Otnits schwcster- 
sohn, worin nothwendig ein irrthum liegt; es ist schon nicht 
glaublich, dasz er noch geschwister gehabt, in jedem falle hätte 
die Schwester jünger sein müssen, und unmöglich ein söhn von 
ihr schon in den krieg ziehen können, ich vermuthe also, dasz 
eine Schwester von dem alten könig Otnit gemeint ist. der 
markgraf von Ttcstkan {Heinot im gedieht, bei Caspar einmal 
Str. 9 'Helmschrot' ^ hernach 'Helmbolf) und Otnit waren 'zuo 
den andern kinden', ich verstehe: geschwisterkind. Gerwart 
von Troie (bei Caspar 'Gerepart von Trogane') ist nur allgemein 
als verwandter bezeichnet, denn 'schwager' kann hier keine an- 
dere bedeutung haben. — 

e) Herzog Zacharis (was im gedichte 44, 1. Z. von wilden 
Giemen heiszen soll, weisz ich nicht, c. Fr. liest ebenso, c. Arg. 
c Rusen; c. Arg. d Clenie; bei Caspar str. 30 fehlt der zusatz 
ganz) hat ein lehen von Otnit; die läge desselben wird ange- 
geben: zwischen der Etsch und dem meer. das gedieht sagt 
nichts davon. 

f) Der name des heidnischen königs, dessen tochter Otnit 293 
holt (vgl. oben s. 200), ist hier auf den ort, wo er seinen sitz 
hat, angewendet, denn es ist doch wohl Nachahol zu lesen. 

g) Aus dem Wolfdieterich genommen (oben s. 234) ist 
wahrscheinlich die behauptung, dasz Dieterich von Bern nach 
achtzig jähren den einen drachen noch erschlagen habe; in 
starkem Widerspruch damit steht vorher, Otnits reich sei nach 
zweihundert jähren an Dieterich von Bern gekommen. Wolf- 
dieterich und Otnit waren Zeitgenossen, aber die genauere be- 
stimmung, wonach dieser acht jähre älter war, findet sich nicht 
in dem gedieht. 

8) Der auszug aus Hugdietenchs und Wolfdieterichs ge- 
schichte, sowie die aufzählung aller zwc familie des alten Beehr- 
tung gehörigen glieder, ist dem gedichte gemäsz. allein abwei- 
chend ist die nachkommenschaft Wolfdieterichs dargestellt: 

'Wolfdietrich Der was des Berners groszvater — Wolfdie- 
therich erste frawe hiesz rauch Elsz. vnd ward darnach genen- 
net Sygemin die schonest ob allen weihen. Darnach macht 
Wolfdieterich ein sun vnd eyn tochter mitt keiser Otnites weihe. 
Der sun was genand dietmar. der thet den ersten streyt mit 
den beiden vor dem closter tustkan. vnd ward keiser vnd ritten 
Do was Wolffdieterich ein münich in dem closter. Dietmars 
müter hiesz Sydrat. vnd syn Schwester hiesz auch Sidrat. Also 
machet der selbe keiser Dietmar vier sün. Der erste hyesz 
dietherich vnd ward genandt dieterich von bern. Der ander 



296 134 

298 künig Ementnche. Der dritte künig Harlung Der vierde diether. 
der wart in syner jugeutd erschlageD\ hernach wird noch ein- 
mal wiederholt: 'Der berner het noch drey brüder. einer hiesz 
ementrich. der ander küni^ harlung. der drit der jung Diethe- 
rich (1. Diether) der erschlagen ward'. 

Statt den söhn Wolfdietberichs, wie im gedieht, Hugdiete- 
rich nach seinem groszvater zu nennen (oben s. 201) heiszt er 
Dietmar; wie es scheint, absichtliche änderung, um Dieterichs 
geschlecht anzuknüpfen und diesen als enkel geltend zu machen, 
aber auch die folgenden angaben sind falsch: Ermenrich ist 
nach der echten sage kein bruder, sondern vaterbruder des 
Dieterich von Bern (oben s. 104), ebenso der vater der beiden 
Harlunge (Fritile und Imbrecke), der hier, das einzige was 
richtig sein könnte (vgl. s. 186), Harlung (weiter unten Har- 
ling) heiszt. 

294 9) 'Als des berners müter syn schwanger ward, do machet 

ein böser geyat machmet syn gespenst. Eins nachtes do Diet- 
mar in der reisz was Do träumte jr wie sy bey jrem man Diet- 
mar lege, do sy erwachet do greiff sy neben sich, vnnd greiff 
auff eynen holen geyst. Do sprach der geist. du solt dir niht 
furchten ich byn ein geheurer geyste. Ich sage dir. Der sune 
den du tregst wirt der sterckest geüt der ye geboren ward. 
Darumb das dir also getraumet ist. so wirt feüre ausz synem 
munde schyessen, Wan er zornig wirt. vnd wirdt gar ein from- 
mer held. Also bauwet der teüfel in dryen neckten eyn schone 
starke bürge, das ist die bürg zu Bern. 

Das gedieht, welches der Verfasser des anhangs benutzte, 
ist verloren, erläutert wurde schon oben (s. 40. 105) die sage 
von der geburt und dem feuerathem Dieterichs, über die er- 
bauung von Bern ist eine stelle aus dem 12ten Jahrhundert 
(s. 40) und das gedieht von der Flucht (s. 189) zu vergleichen, 
weldbes sie dem Dietmar beilegt. 

1 0) 'Dises sind die herren ausz nyderland. vnd Wurms, 
Ment^. KoUn. und Ach. Das hiesz vor zeyten grippigen land. 
D^selbe lande was künig gibich von wurms der het ein toch- 
ter hiesz Cnmhilt die pflantzet eynen Rosengarten wunnigkiich 
tzu wurms an dem rein. Fraw Cnmhüt nam den hürnen künig 
Seyfrit ausz niderland. Künig Günther was künig gibich sun. 
Künig Ger not Was auch syn sun. vnd Gyselei* der ward jung 
erschlagen'. 

11) 'Seyfrit ein künig ausz niderlant. des was das land vmb 

Wurms, vnd lag nahent by künig Gibich lande. Syn vatter hiesz 

künig Sigemundt ausz der nybelunge (Nib. 453, 4. gram. 4,261). 

Im ward Crimhilt vermehelt. Vnd ward von dem Berner todt 

geschlagen , 

12) ^Amelot von garten was Alphart vnd Wolflfhart vatter. 
dem ward empf ollen des berners länd. vnd [syn] fraw ytte. seym 



134 297 

schwagms Hütbrant weyb. do sprach Amelot von garten tzu 294 
hiltbrant synem Schwager, das er jm liesz empfolhen syn AI-- 
phart vnd WolßiaH syn sun'. 

Nur im Rosengarten a und b kämpft Amelolt, in c und d 
bleibt er daheim und behält das reich des Berners und Hilde- 
brands frau Ute in obhut, und darauf bezieht sich diese stelle, 
wiederum empfiehlt auch Amelolt dem Hildebrand seine söhne 
c (O*), und in d (cod. Arg.) werden sie genannt: Wolf hart und 296 
Siegestab^ nicht Alphart, wie hier, und das ist richtiger, da 
Alphart im rosengarten nicht mitstreitet. 

13) Zu wissen das keiser Ementnch ein marschalck het. 
der hyesz der getrü Sibiche. der hette gar ein schone frumme 
frawen. die het der keiser geren beschlaffen, das wolt sy jm 
nit Verheugen. do gedachte er den marschalck hinweg zu 
schicken, do müszte er twolf wochen ausz syn. die weil leget 
der keiser mit den anderen frawen an, da^ sy einen hof solten 
machen» vnnd het mit etlichen dienern vnnd frawen bestelt das 
sy im solten heißen weg suchen wie er sy über kerne. als nun 
der hoff gemachet wardU do mochts nit syn. do lyesz er aber 
eyn machen, vnd so ml bisz an den fierden hofe. do ward 
ein böser fund erdacht mit bösen weibenn das sy mvste syne 
willen thün über jres hertzen willen, vnd mit grossem leid. 
also ward sy gar ser betrübet bisz an ir ende, do nun Sibich 
jr man her heim kam. do saget ym die frawe wie die sach er- 
gangen was. do sprach Sibich nun byn ich all wegen ein ge- 
treuer frummer man gewesen, vnnd ward mir der nam geben 
der getreu sibich. nun wil ich werden der vngetreuwe Sibich. 
Vnd darnach sprach er tzu synem herren keiser Ementreich. 
er solte syns bruder kinden jr landt vnd eyn schlosz nach dem 
andern abgewinnen, das was das landt in dem preüszgawe vnnd 
vmb Brisach. Wann syn bruder Harlinge hete gelassen tzwen 
süne. die warenn zwen jung starck künig. do was der getreu 
eckart den zweyen künigen zu vogt vnd zuchtmeister geben, 
vnd was gesessen auff eyner bürge nyd wendig Brisach. also 
schickt der künig nach dem (1. den) jungen harlingen sincs 
bruders kipd. vnnd liesz sy hencken. Nun was auff die selben 
zeite der getreu Eckart nit do heym, do nun der getruwe Eckart 
das befant do besetzet er alle schlosz. und befalch da^ man nie- 
niandt solt in lassen, do reit eckart zu dem Berner. vnnd klagete 
jm die sachen. do sahen der Berner vnd Eckart an die dübeltet. 
Vnd fielen dem keyser mit macht in syn land. vnnd gewanen 
jm syn schlosz abe darauff er gesessen was. vnnd erschhigen 
gar vil hundert held. do käme der keyser cnd Sibich zu fu-sz 
darvon. darnach schlug er dem Berner vil held zu tod. vnd 
fienge jr wol acht, do hete der keyser zwen süne der het der 
Berner ein gefangen, do schicket der Berner tzii synem bru- 
der Ementriche das er jme solte syn diener ledig lassen, so 



298 134 

295 wolte er jm syn sune auch ledig lassen, do enbot er jm wider- 

296 umb. er mochte mit synem sune thün was er wolte. do lege 
jm kein not an. wolte er syn acht held han. so müste er jm 
alles syn land geben, vnd dartzii sinem (1. sinen) suae auch 
ledig lassen vnd tzu fusz hynweg gan. der bemer weszt nit 
was er thun solte. vnd nam rat von synen mannen, die rieten 
jm es were weger er verlüre syn held dann syn land. do 
sprach der Berner das woll got nit. wan vnder den achten ist 
keyner, lege er allein gefangen ee ich jn liesz tödten ich gienge 
ee vonn allen mynem lande. Also gab der Berner dem keyser 
syn sun vnd land wider, und loste syn held. vnd also gieng er 
vnd syn diener zu fvsz hynwege. do kamen sy gen bethalar tzü 
margkgraft rüdigers vmb. die gab jn essen vnd trincken. Do 
giengen sy für ein ander schlosz. Do käme margkgraff Rüdiger 
on geferde geritten, do sach er die herren ann einem fenster 
ligen. do reit er in des würts hausz. vnd do er den Bemer 
sähe, do knyet er nider, do sprach der Berner stand auf ick 
bin ein armer man. vnnd sagete jm wie es jm ergangen was. 
do hyesz der margkgraff jn essen vnd trincken genug geben, 
do embot der margkgraff dem künige Etzel wye es vmb die 
herren ergangen was. Do kam künig etzel mit vil volckes. vnd 
fürt den Berner vnd Hiltebrant vnd die held mit jm auff syn 
schlosz zi\ fraw Herchin künig Etzels weybe. Nun was sy gar 
ein stoltze kündige fraw. do nun der Berner wohl acht tage do 
was gewesen, do setzet sy den Bemer neben sich vnd sprach. 
Berner myn her Etzel hat einer schwoster tochter dye solt man 
lengest versorget han. do kund sy nit jren geliehen überkum- 
men. min hat er vil künigreich vnnd landt. auch sindt jm vil 
herren ritter vnd knechte zu dienen verbunden. so mil ich 
achten das dir dreü kunigreiche werden, meyn herre hat doch 
on das genug, so würstu dynes leids alles ergetzet. do nam 
sich der berner zu beraten mit dem Hiltbrant. do ryete jm 
Hiltebrant. Seid mal es also ergangen were. vnnd auch das sy 
ein wol geboren weyb were. vnnd jm wol getzeme. so were 
es gut das er sy neme. Also geschach die vermehelung vnd 
ward ein hoff beruft, vnd kamen vil herren vnd beide da hyn. 
Darnach schycket künig Etzel ausz in vngerland wan es was 
syn eygen landt noch allen pferden vnd rossen die man finden 
kund, vnnd gab dem Berner vnd synen dienern pferd. vnd 
gab jm wol achzehen tausent der kjinsten held. vnd ge- 
wan der Berner syn landt vnd leüt alles wider, vnnd kam wider 
gen Bern in syn landt.' 

297 a) Sibichs Umwandlung aus einem treuen in einen unge- 
treuen diener erzählt keins der bekannten deutschen gedichte, 
wol aber noch die Vilkina saga (c. 248. 249), wie schon oben 
(s. 2) zum Jemandes bemerkt wurde. Ermenrich erreicht hier 
erst nach mancherlei versuchen und durch list seinen zweck, 



134 299 

während er nach der Vilkina saga die frau Sifkas in der ein- 297 
samkeit überrascht und mit gewalt zu seinem willen nöthigt. 

b) Was hierauf in der Vilkina saga folgt, Ermenreks grau- 
samkeit gegen seine eigenen kinder (oben s. 46), ist hier ganz 
übergangen, wie sich auch in dem gedieht von der Flucht (oben 
s. 187) nur eine andeutung findet; oder es sind an beiden orten 
diese ereignisse in eine andere zeit versetzt, denn des kaisers 
söhn gerät wie dort in Dieterichs gefangenschaft. Ermenrich 
beginnt mit der Verfolgung der söhne seines bruders Harling 
(vgl. oben s. 186). Eckhart war gerade nicht zu haus, vnrd 
hier erzählt; in der Vilkina saga ist der meister zugegen und 
ermahnt seine zöglinge in männlicher vertheidigung zu sterben. 

c) Der jetzt anhebende kämpf zwischen Dieterich und Er- 
menrich wird anders als in dem gedieht eingeleitet, wo nicht . 
Eckehart, sondern eine von Sibich veranlasste, verrätherische 
botschaft den Berner aufreizt, auch dort flieht Ermenrich (3483. 
3505), aber es wird nicht ausdrücklich gesagt: zu fusz und in 
geseÜschaft mit Sibich. die gefangenschaft von acht beiden 
(3619 — 32; nur sind es im gedichte deben 3625. 4002), ihre 
lösung durch zurückgäbe des gefangenen kaisersohnes (ein 
zweiter söhn Ermenrichs wird angenommen, wie in der Vilkina 
saga, die ihn Reginbald nennt c. 252) und durch entsagung 
Dieterichs auf sein reich, der zug zu den Hünen, alles wie in 
dem gedichte ; allein der aufenthalt zu Bechelaren bei Rüdigers 
weib fehlt dort (oben s. 198). dagegen wird in der Vilkina 
saga (c. 267) Thidrek auf seiner flucht von Kodingeir und Gu- 
delinda zu Bekalar ehrenvoll empfangen, wiederum wie in dem 
gedieht: die begegnung mit Rüdiger, Etzel und Herche; dagegen 
eigenthümlich die ehrerbietung, welche Rüdiger dem Dieterich 
bezeigt, und die antwort des unglücklichen. Herche stiftet 
gleich die heirat Dieteridhs mit Herrad, die hier blosz, in ab- 
weichung von der gewöhnlichen angäbe (oben s. 103), dagegen 
in Übereinstimmung mit Nie. Olahus (s. unten nr. 139), als 
schweatertochter Etzels bezeichnet wird, schon vorher, nach er- 
wähnung von Dieterichs erster frau, war gesagt: 'Do sy nun 
gestarbe. do name er Hen^ot künig Etzel Schwester tochter,^ in 
dem gedieht findet diese Verbindung erst statt, nachdem Diete- 298 
rieh von dem zug in sein reich abermals in das Hünenreich 
zurückgekehrt ist; hier scheint dieser nur einmal Etzels bei- 
stand empfangen und damit nicht blosz die Schlacht gewonnen, 
sondern auch sein reich behauptet zu haben, die sage ist hier 
allerdings einfacher und verständiger, scheint diese Vorzüge aber 
durch Unterdrückung der Rabenschlacht, die in die mitte von 
Dieterichs aufenthalt bei Etzel fällt, erkauft zu haben, daher 
steht auch folgende stelle früher und ganz vereinzelt: 'Fraw 
Herriche dye was künig Etzels weyb, dye het zwe sün, dye 
erschlüge Witbich in de streit vor Rafen*^ 



300 134 

298 14) *Zu wissen als künig Etzel syn frau herriche gestarb, 
do nam er künig Gibichs tochter crimhilten die vor des hürnen 
künig Seyfrit weib was. der von dem Berner in dem rosengarten 
erschlagen warde, das muet frau Crimhilt gar sere. vnd ward 
des Berners vnd aller Wolfinge veindin die ausz der hünnen 
landt warent. Do gedacht sy ein bösen fündt das die Wolfinge 
all erschlagen wurden, Vnd darumb nam sy künig Etzel wann 
er was der reichest vnnd gewaltigest künig darumb sy ver- 
meinte er mocht den wolffingen wol widerstan. vnd machet ein 
grossen hoff, vnd liesz den auszrüffen in alle landt. vnd verkün- 
den allen beiden, do kamen al held tzö hoffe in die stat Ofen 
in vngerlandt das selb land was künig Etzels. do helt sy heim- 
lichen gar grossen neid vnd hasz wider die wolffing atisz hünen 
land. dz sy den hürnen Seifnt jren man in dem rosengarten er- 
schlagen hetten. Also ward der hoff gelegt in kunig Etzels stat 
Ofen, do gieng sy zu Hagen von Troy, vnd hat jn das er die 
held zu jm neme, vnd ein gereisz vnd hader anfyeng. also das 
die hünischen held all erschlagen wurden. Do sprach Hagen 
das künde er mit keinen eren anfahen. were es aber das nye- 
mant (1. iemant) den streit anfienge. so wolte er syn aller bestes 
thun. Do nun frauwe Crimhilt sähe das hagen wider syn er 
nit thun wolt. do het sy ein jungen sun von zehen jaren zu dem 
sprach sy lauff schlag hagen an eynen hacken, der knah sprach 
wolcher ist es, sy sprach es ist der dort sitzet, do gienge der 
knah hyn vnd schlug jn an eyn hacken, do sprach Hagen, das 
wil ich dir vertragen vmh diner kindtheit willen, were es aber 
das du mich 7ne schlugest, so mochte ich dirs nit vertragen, d^o 
was sy fro und sprach aber zum knahen^ lauf vnd schlack jn 
noch ein mal, der knah thet was jn die müter hiesz, Do er jn 

299 aber het geschlagen, do stund hagen auff und sprach, da^ kastu 
nit von dir selber gethon, vnd nam das kind hy dem har, vnd 
schlug jm das hauhet ah, do sprang yeder man auff. do einer, 
do tzwen , do drey bisz das man es in dem oberen sal vnd in 
der stat gewar ward. Do lieffen die held alle zu samen vnd 
schlug ye einer den andern zu tode. auszgenummen Hilte- 
brand der errette sich syns lebens mit schlegen. doch warden 
jm tzwü wunden in das haubt geschlagen, Do was der Bemer 
in der stat in einem andern hause, vnd wiszt nit von den 
Sachen bisz das Hiltbrant verwundt zu jm kam. vnd jm die 
mere sagete. Do lieff der Berner bald vnnd wolt es besehen 
was der mere wer. do fandt er fraw Crimhilten zwen brüder. 
die fienge er. vnnd bandt jn alle fiere tzflsammen. vnnd gieng 
do hynwege. Darnach käme fraw Crimhilt vnd fand ir brüder 
also gebunden ligen. do läge ein schwert. neben jn das nam 
sy vnd hew jn beiden dye haubt ab also gebunden. Do käme 
der Berner vnd wolt besehen han die tzwen gebunden man. 
do was jn beyden die haubt abgeschlagen. Do sähe er fraw 



134 301 

Crimhilten vor jm gan vnd ein schwer! in der band tragen. 299 
do spräche der Berner. jr habet den tzweien die haubte abge- 
schlagen, do sprach sy ja. do nam der Bemer das schwert. 
vnd hew sy in der mitten entzwey. also wurden gar vil held 
erschlagen. Also reit der Berner und Hiltebrand hinweg, die 
selben wunden woltent Hütebrant nye geheüen bisz in aynen todt! 

Eine bis zu den ersten grundzügen hin veränderte darstel- 
lung von dem zweiten theile des Nibelungeliedes. nicht Hagen 
Latte den mord an Siegfried vollbracht, sondern Dieterich von 
Bern ihn im rosengarten getödtet (auch nach s. 294), wozu nur 
die einzige angäbe bei Staricius (unten nr. 165) passt. deshalb 
will Kriemhild an ihm und den Wölfingen, die hier aus Hünen- 
land (wovon üngerland, Etzels reich, mit dem sitze zu Ofen 
unterschieden wird) stammen, räche nehmen, dabei bleibt der 
arge Widerspruch, dasz sie ihren eigenen brüdern, die zumal 
Dieterich, hier ihr feind, gebunden hat, das haupt abschlägt, 
bei dieser Verschiedenheit der ganzen anläge haben wir blosz 
auf die Übereinstimmungen im einzelnen rücksicht zu nehmen, 
einige neigen sich zu der Niflunga saga. Hagen nämlich wird 
auf gleiche weise (c. 353) durch den (hier zehnjährigen) söhn 
Etzels aufgereizt, aber die erzählung ist doch eigenthümlich; 
den ersten backenschlag erträgt und verzeiht Hagen der Jugend 
des knaben, erst bei dem zweiten fasst er, wie dort, ihn bei 
den haaren und haut ihm den köpf ab. wie in der Nibelunge 300 
not den Hagen und Günther, bindet hier Dieterich die beiden 
brüder der königin, und sie selbst tödtet sie, wie schon be- 
merkt, ohne grund; aber mit der Vilkina saga (c. 366) stimmt 
wieder das eigene ende der Kriemhild, selbst bis zu dem aus- 
druck : nü lopur pidrikur kongur at GrimhUdi oc hoggur hana 
t sundur t midio, (über den tod der Kriemhild in der Hundes- 
hagenschen handschrift s. von der Hagens anm. zu den Nib. 
9624, s. 302.) 

Hildebrand erhält zwei wunden in das haupt; die Vilkina 
saga sagt gar nichts davon, nach der Nibelunge not (2243, 4) 
und der Klage (590) wird er durch den panzer gehauen, also 
nicht ins haupt. doch hier sind jene zwei wunden bedeutungs- 
voll, denn es wird gesagt, dasz sie bis zu Hiltebrands tod nie- 
mals hätten heilen wollen. (dasz der Berner und Hildebrand 
hinwegreiten, bezieht Lachmann zur Klage 1940 s. 291 auf die 
Klage; aber es kann ^uch blosz auf das gehen, was die Thid- 
reks saga meldet und Lachmann anflihrt.) 

15) 'Darnach ward aber ein streite bereidt der geschach vor 
bern. do ward der alt Hütebrant erschlagen von künig Günther, 
der was fraw Crimhilten bruder. vnd do käme ye einer an den 
andern bisz das sy all erschlagen wurden. Alle die beiden die 
in aller weit waren, wurdent do zumal abgethan auszgenummen 
der bemer. Do kam ein kleiner zwerg. vnd spräche zu jm. 



802 134*»- 134«- 



300 Berner berner du solt mit mir gan. Do sprach der bemer. wo 
sol ich hin gan. do sprach der tzwerg. du solt mit mir gan. 
dyn reich ist nit me in dieser weit. Also gieng der bemer hyn 
wege vnnd weysz nyemant wo er kummen ist ob er noch 
in leben oder todt sy, weysz nyemant warlichen davon zu 
reden.' 

Diese erzählung von dem allgemeinen Untergang aller bei- 
den in einem groszen kämpfe vor Bern, in welchem Dieterich 
allein übrig bleibt, musz aus einem gedichte genommen sein, 
das wir nicht mehr besitzen, dessen echtheit wir jedoch be- 
zweifeln dürfen, da keins der erhaltenen im geringsten auf so 
etwas hindeutet, die behauptung, Günther habe den alten 
Hildebrand erschlagen, die so sehr aufföUt und mit dem auch 
hier berichteten tode Günthers durch die bände seiner Schwester 
unvereinbar scheint, ist schon einmal (unter 6) vorgekommen, 
jedoch mit einer abänderung, die wenigstens jenen grellen 
Widerspruch hebt: nicht Günther, sondern sein söhn habe den 
alten Hildebrand erschlagen, wäre die stelle hier dahin zu 
verbessern? viel weiter gelangen wir auch auf diesem wege 
nicht, denn keine sage weisz etwas von einem erwachsenen, 
kämpfenden söhne Günthers, und nach der Vilkina saga (c. 382) 
stirbt Hiltebrand an einer krankheit. — die sage von Dieterichs 
ende ist schon oben (s. 39) erläutert. 



Geistliches spiel, aus dem ende des fünfzehnten Jahr- 
hunderts, aus Eger stammend. die Soldaten des Herodes 
heiszen Dietrich^ Helmschrot^ Laurein^ HiUebrant^ Sigenot^ Trit- 
inklee.* Pfeiffers Germania 1858. 3, 279—289. 



* 



134 <^- 



Wilhelm Wittwer, catalogus abbatum monasterü SS. Udal- 
rici et Afrae, aus den letzten jähren des fünfzehnten Jahrhun- 
derts, im Archiv für geschichte des bisthums Augsburg von 
Steichele 1860. 3, 41: * 

Theodorici regis Gothorum, qui a Theutonicis beUicosus 
cognominatus est — Militavit autem predictus Theodericus suh 
Attüa rege Hunorum** 

* in dem Fastnacht (Neithard-) -spiel nr. 21 (s. 197) tritt ein arzt Lau rein 
auf. ygL ZE. 55. in dem Dorotheenspiel (Fandgroben 2, 287; 8. 15) aas dem 
vierzehnten jahrhandert heiszt ein miles ritter Grim. 

** nachgewiesen von Wattenbach. 



134 «• 303 



Ladislaus SUNTHEIM. chronik der fürsten und ISnder, um 
1500 verfasst, handschriftlich in Stuttgart (das Donauthal, 
herausgeg. von Franz Pfeiffer. Wien 1860. vgl. ZE. 30, 5). 

1) bl. 46« (Pfeiffer s. 23): 

Etzelburg (Altofen), ein stat und slos, hat künig Etzel 
gepawt. 

Die übrigen belege für [die identität von"" Etzelburg und 
Ofen (Altofen) s. ZE. 58, 1. 

2) ebenda«. (Pfeiffer s. 24 f.): 

Tättn oder Tehen (Teteny unterhalb Pest) ist etwann ain 
vast grosse stat gewesen, ainer meil weit und prait, hat ge- 
haissen Potenciana; da (bl. 46^) ist vor zeiten ain grosser 
plütiger streit beschehen zwischen künig Etzels sünen. — 
neben der Tuonaw ain weit eben feit, dor in ligt kunig Etzel 
nach haidnischer gewonhait begraben. der wart hundert und 
xxnii jar alt und het albeg zehenmal hundert tausent man in 
seinem hör, und die schon Kreimldlt was sein letzste gemähel. 
auf der hochzeit ward jedermann erslagen bis an vier menschen^ 
praut und prautgam^ Diethreich von Pern und der alt Hütprant. 



DRITTE ABTHEILÜNG. 



VON DEM SECHSZEHNTEN JAHRHUNDERT. 



135. 



CHRONrcoN WoRMATiENSE (Ludcwig rcliq. manuscriptor. 2, 
170. 171). geht bis zum 16ten Jahrhundert. 

Anno Domini 1488 Fridericus III. imperator venit Wor- 
matiam diebus paschalibus. — — Audiens esse sepulchrum fa- 
mosum cujuadam gigantu in eoemeterio beatae Ceciliae vel beati 
Meynardi, quod est in suburbio, versus Spiram ; qui gigas dke- 
batur Si/ndus desz Hörnen tenuitque hoc rusticorum stoliditm^ 
quia in loco illo etiam signa posita videhantur. voluit imperator 
ipse hoc experiri, si verum esset, unde vocans ad se dispensa- 
torem suum quatuor vel quinque dedit florenos, dicens: ite ad 
consulatum et dicite, ut nomine meo faciant fodi in eoemeterio 
illo, ut agnoscam, si vera sit fama illa. qui accipientes pecu- 
niam ad fodiendum conduxerunt, qui ad locum praefatum ve- 
nientes usque ad ebuUitionem aquae foderunt et nullum signum 
humani corporis vel ossium ibi invenernnt. et sie renuncian- 
tes imperatori fictitium illud fuisse narraverunt. 



^ 



135b. 



Tiroler osterspiel aus dem anfang des löten Jahrhunderts, 
bei Pichler drama des mittelalters in Tirol 1850. ' 

1) s. 46. Caiphas wirbt unter Pilatus rittern. 

Helrmchratt tertius miles. 

so heisz ich der Helrmchratt. 

und kam halt von Bern her Dietreich * 

oder iemand sein geleich, 

den wil ich auf dem feld fachen. 

2) s. 145. Unverzait, Schuerenprant, Wagendrusel, Helm- 
schraty Wagsring heiszen die Wächter an Christi grabe. 



1350. 186 805 



*135c. 

Johann Geiler von Eaisbrsberg (geb. 1445, gest. 1510), 
paradies der seelen, Straszburg 1510 von Otther herausgegeben. 

bl. 228 b^. 'aber die in den klöstren die vahen geist- 
liche wort an zu reden, und würdt von ynen geendet mit 
torechten weltlichen, ettwenn auch fleischlichen Worten, denn 
sagend sy von Dietnch von Bern und andre torechte unnütze 
wort'.* 

Ganz ähnliche stellen bei Geiler s. ZE. 54. 



136. 



801 



AvENTiN (Johann Turnmayr, geb. 1477, gest. 1534; schrieb 
nach 1512). [ZE. 58, 1. 2.] 

1) Annales Bojorum (Basil. 1580). 

a) Nomenclatura proprior. germ. nom. 

'Greimhyldy Grimylda — canitur apud nos filia Guntheri 
regis Turogorum'. dieselbe unrichtige angäbe, die in der bairi- 
schen chronik vorkommt und aijs der Kriemhild eine tochter 
des thüringischen königs Günther macht (s. 303. 305). 

b) 165: 'Nam et adhuc vulffo cantatur (AUüa) et est jpopw- 302 
laribtos nostris^ Qtmm literarum rndibus, notissimm, 

c) 165: 'Reperi Reginoburgii in bibliotheca diui Haime- 
rani, de rebus ab Attila gestis, opus heroico versu et latina 
lingua non ineleganter factum, vnde istaec de Hunnis et At- 
tila carmina excepi: 

'Foedera supplicibics donat sternitque rebeües 
Vitra TniUenos fertur dominarier anno8\ 

Aus dem- Waltharius. [ZE. 58, 1.] 

d) 376: Victor Amulphus — Austriae infra Anassum, 
Rogeriunt armorum Tnartisque studiosissimumy inclytum fabulosis 
Teutonum carminibus^ cuius et Metellus Tigurinus in Lyricis 
meminit, praeficit, Vgris opponit'. und am rande: ^Rogerius 
Rudiger a Germanis dictus\ 

Er wüste also doch etwas mehr von ihm, als er im Me- 
tellus (oben 8. 44) gefunden hatte, in der deutschen Übersetzung 
(309**) lautet die stelle: 'könig Arnolph — setzt ^— wider die 
Vngem, vnter die Ens hinab, Marggraff Rudinger, einen gar 
streitbaren fursten, von dem man noch viel singet vnd saget\ 

* von Jacob Grimm nachgewiesen. 
WiLH. Grimm, deutsche heldemsaoe. 20 



306 136 

S02 2) Bairische chronik (erweiterte Übersetzung der lateinischen, 

Frankfurt 1580). 

a) 36»: ^Nach könig Adelgar ist in das regiment getret- 
ten sein söhn, könig Lareyn, was in ehren vnd gewaät ein 
vnd fün£%zig jar, von welchem wir noch vil singen vnd sagen, 
seyn alte reimen ein gantz buch voll von j'm noch vorhanden^ 
doch auff poetisch art gesetzet'. — — 'Die von Tyrol am 
Oschland zeigen noch den hämisch konig Lareyns vnnd der 
gemein mann solts jhnen gleich glauben, dasz ers sey'. 

Er meint den könig Laurin und findet nach seiner ansieht 
geschichte in dem gedieht von ihm. 

b) 36**: 'Nach könig Lareyn hat Teutschlandt verwaltdrey 
vnnd jfunfftzig jar sein son Ylsing, von dem man noch alte 
reimen der alten Teutschen, vnser vorfahren chronica, hin vnnd 
herwider findt\ sollte der ritter Tlsunc darunter verstanden 
sein, der in dem zweiten theile des Laurins genannt wird (oben 
s. 192)? aber man begreift nicht, was Aventin veranlassen konnte, 
ihn zu einem söhne Laurins zu machen; es würde eine sehr 
flüchtige ansieht beweisen. 

c) 38*: 'Heccard. Den haben die alten för ein richter 
vnter das thor der hellen gesetzt, der die leut gewarnt vnd 

903 gelehrt, wie sie sich in der hell sollen halten, ist noch ein 
Sprichwort, als der troisch Heccard, — Wir haben noch zwey 
gemeine Sprichwort von den troien^ Heccard vnd bundschuch, 
vnnd eine gantze teutsche historien mit reimen y vnnd schlecht 
one reimen, doch nach poetischer art vnd der alten brauch 
beschrieben'. — Der treue Eckhard ist gemeint. 

d) 250*: 'Diese krieg (des westgothischen Dieterichs) wer- 
den bey vns gesungen in reimen vnd m^istergesängen, sind aber 
nach poetischer art in abentheuwer verkehrt worden'. [ZE. 
59, 1. vgl. 42.] 

e) 250*^: 'Konig Ätzel der mächtigst konig — nam zu der 
ehe Frauw Grimhüt, konig Günthers ausz Thüringen tochter. 
— Es seyn viel alter reimen vnd meistergesang bey vns vorhan- 
den, von jm gemacht'. [ZE. 59, 1.] — 251**: 'In den teut- 
sche?i reimeny so man von jm gemacht, vnd noch singet^ stehet, 
er sol zu Ofen in der hauptstatt, ietzt in Yngern, gewohnt I 
haben, allda gestorben seyn'. [ZE. 58, 1.] 

f) 249*: 'Dietrich von Bern — vnser leut singen vnd 
sagen noch viel von jm, man findet nit bald ein alten konig, 
der dem gemeinen mann bey vns so bekannt sey, von dem sie so 
viel wissen zu sagerC. [über Dietrichs verschwinden ZE. 58, 2.] 

g) 260**: 'Die vnsern singen vnd sagen^ es sey auch Mnx^ 
Dieihmar (Dieterichs von Bern vater) von den Beyern vnd 
Schwaben vnden vmb die Rab erschlagen worden\ — scheint 
eine verwirrte erinnerung von der Kabenschlacht. 



137. 138. 139 307 

303 

137. 

Epistolae viror. obscüror. (1570 tom. 2). aus dem anfange 
des 16ten Jahrhunderts. 

t. 2. Et una sabbatorum venimus ad Veronam. illa est 
pulchra civitas, habens muros, castra et fortalitia. et vidimus 
ibi domum Ditheri de Bern, uhi ipse habitavit et ibi superavit 
et mortificavit multos gigantesy qui bellaverunt cum ipso. 



138. 



:'jr 



Sebast. Münster (geb. 1489^ gest. 1552), cosmographei 
(1561). 

s. 280. 'Verona oder Dietrichs Bern\ — desselben aus- 304 
druckes bedient sich sein zeitgenoss Casp. Hedio (st. 1552) in 
seiner chronika (1541) s. 410. 412; {Nicod. Frischlin nomenclator 
(1591) s. 355,/ BT^pcDva, ß>]p(üv Verona Dieterichsbern^ Haupts zs. 
6, 156. [12, 377. 429. bei Graff 3, 214 eine Zürcher glosse 
aus dem 9 — lOten Jahrhundert Verona. Perina, aus dem san- 
gallischen Boethius ze Berno. Veronae, im Summariüm Hein- 
rici aus dem Uten Jahrhundert in Hoffinanns ahd. glossen 10, 
14 Berna. Verona, oben s. 40 nr. 25.) 



139. 

Nie. Olahüs (geb. 1493, gest. 1568), vita Attilae (Bonfinii 
Script, rer. ungaric. 1606). er folgt häufig dem Simon Keza, 
hat aber einiges eigenthümliche zugefügt. 

1) c. 2. p. 864. Detricus in fronte sagitta graviter vul- 
neratus vix evasit. ex quo vulnere aegre tandem convaluit. ob 
quod vülnus acceptum cognomen Detrico ab Hunnis inditum 
Immortalis, quem in hunc diem Hungari in suis cantationibus, 
more graeco historiam continentibus , Detricum immortalem no- 
minant. [vgl. s. 164.] 

2) c. 17. p. 889. Mortuo rege Attila, duo legitimi et 
animo et virtute nothis filiis praestantiores (alter Chaba ex 
Herriche^ Honorii Graecorum imperatoris filia, alter Aladaricus, 
ex matre Kreinheiltz^ filia ducis Bavariae^ geniti) de imperio 
certabant. 

Simon Keza nennt die mutter des Chaba Honoria (die 
tochter des griechischen kaisers Honorius, die sich ihm nur 
angeboten hatte), Olahus hat dafür den namen Her^'iche aus 

20* 



308 140. 141 

904 der sage (oben s. 68) eingeführt, so dasz richtig diese der 
Kriemhild vorangeht, welche er zur tochter eines baifischen 
herzoffs macht. '• 

3) C. 17. p. 889. Detricus a Verona, qui neptem Attüae 
ex sorore uocorem duaisse dicitur. Serrad ist gemeint, der sage 
gemäsz, wo sie nur eine Schwestertochter, nicht Etzels, sondern 
der Helche ist. aber merkwürdigerweise stimmt diese angäbe 
zu dem anhange des heldenbuchs (oben s. 297). 



140. 

Thüringische chronik. aus der handschrift führt Sagittarius 
(geb. 1643, gest. 1694) und aus diesem Falkenstein in der 
Thüringer chronik (1, 227. 228) folgende stelle an: 

305 'Wie Attila nun mit seinem kriegesvolk in Thüringen an- 

kommen, und sich zu Eisenach zu konig Günthern^ der daselbst 
hof hielte, verfüget, und damit er ihn zum freund und bunds 
genossen machte, nahm er seine tochter Grymhildam zur ehe, 
hielt daselbst mit ihr beylager und beschrieb einen fürstl. land- 
tag aus, sammt einer Zusammenkunft; aller benachbarten flir- 
sten, durch gantz Teutschland, hielt da einen sonderlichen 
triumf, rennen, thurniren und allerley ritterspieF. — vielleicht 
aus Aventin. 



141. 

Wolfgang Laziüs (geb. 1514, gest. 1565), de gentium mi- 
grationibus (Francof. 1600). 

1) p. 548. His Omnibus et hoc argumentum adjicio, Theo- 
dericum multis postea seculis Teutones suum concelebrasse et 
Bernensem a loco habitationis vocasse vulgo den Dieterich von 
Bern, de quo et cantilenas Germanica^ excogitarunt majores nostri. 

2) p. 603. — propter quam (Chrymhildem) Athila extincto 
Gothos Gepedasque cum Hunnis Athilaeque filiis cruentiim 
bellum gessisse vulgares cum cantilenae nostrae gentisy tum vero 
rhythmi isti (aus der Nibelunge noth) demonstrant. * 



^^ nach Bititis res ungar. 1, 839 ist sie die tochter eines sächsischen 
herzogs. Bonfinins sagt blosz nach Keza {h 7): Aladaricus ex illastri Ger- 
manorum prosapia genitus; vgl. oben 166. 

* Jacob Grimm vermisste hier die anführnng der auf die Nibelunge noth 
und die Klage bezüglichen stellen des Caspar Bruschius de Laureaco veteri 
et de Patavio Germanico (Basileae. 1553) s. 119. 120 und des Wiguleas 
Hund von Sulzenmoos in seiner nach dem datum der dedication im j«hr 



141". 142 809 



141b 



Qaspar Brcsghius, monasteriorum Germaniae centuria I. 
Ingolstadii 1551. bl. 82\ (Chronologia etc. Sulzbaci 1682. 

s. 294): 

Sunt in huius coenobii (des Marien- oder nonnenstifls in 
Worms) vicinia duo sacella non procul a se invicem dissita, 
quorum unum S. Meinardo, alterum D. Caeciliae dicatum est. 
in medio horum sacellorum et interiacente spacio humatus 
dicitur Corneua Si/ridtts^ Vangionum urbis gigas stupendae alti- 
tiidinis et roboris admirandi, de quo exstat hodie adhuc poema 
quoddam Germanicum, Der hurnin Seyfrid inscriptum. tumu- 
lus duobus e terra prominentibus saxis notatus, ter a me dt- 
mermiSy habet in longitudine pedes quadraginta quinque. lan- 
cea huius gigantis ostenditur in summo templo urbis Vangio- 
num. Maximilianus imperator, antiquitatum omnium studiosissi- 
mus princeps, cum anno 1495 comitia Wormaciae celebraret, 
aperiri et effodi tumuhim jussit, sed praeter aquas nihil in eo 
invenit. * 

Nach nr. 135 (s. 301) vgl. s. 317. ZE. 59, 2 (Haupts zs 
12, 435) geschah die aufgrabung auf veranlassung kaiser Fried- 
richs III; Bruschius berichtet ungenau, nur nach hörensagen. 
bei Maximilians an Wesenheit in Worms im jähr 1495 wurde 
der Rosengarten und Artushof nachgeahmt, ZE. 53, 1. eine 
andre nachahmung des Kosengarten s. ebendas. 2. — über 
Siegfrieds lanze in Worms s. 317. ZE. 59, 2. 



142. 

HvENiscHE CHRONIK (spätestens aus der mitte des 16ten Jahr- 
hunderts; auszug aus der handschrift in der sagenbibl. 2, 409 

1552 beendigten Metropolis Salisburgensis (Ratisponae 1710) 1, 201. es wird 
vorläufig genügen auf E. Dümmlers Piligrim von Passau (Leipzig 1854) s. 94 
— 98. 193 — 196 zu verweisen, bekannt ist, dasz Hand den Bruschius ausschrieb 
und nur zu jener stelle die nachricht hinzufügte, über die auf schlosz Prünn an 
der Altmühl gefundene, 1575 von ihm an herzog Albrecht von Baiem verschenkte 
Nibelangenhandschrift, den jetzigen Münchener cod. genn. 31 , Lachmanns d 
(s. hierüber noch Pfeiffers Germania 1, 202 — 207). unerledigt aber ist bis jetzt 
noch die von Dümmler angeregte frage, ob oder wie weit Bruschius den Lazius 
benutzt hat, da Lazius nach Dümmlers eignen anfährungen s. 194 (vgl. dagegen 
i. 97) durchaus nichts davon zu wissen scheint, das» wie Bruschius sagt, bischof 
Piligrim author fuit cuidam sui seculi versiticatori Germanico, ut is rhythmis 
^esta Avarorum et Hunorum — quos Gigantes, nostrate lingua Rcckhen et 
itiesen vocari fecit, celebraret 

* nachgewiesen von E. Dümmler. 



306 



310 143 

305 — 416). [abdruck in Svend Grundtvigs Danmarks gamle folke- 
viser 1853. 1, 38 — 44.] eine zwar auf den grund der deutschen 
sage gebaute, aber durch eine seltsame Vermischung ihrer be- 
standüieile und hinzufügung einiger altnordischen zftge ausge- 
zeichnete, sehr eigenthümliche darstellung von Kriemhildens 
räche an ihren brüdern. 

1) Gi^emild ist die tochter eines beiden namens Nögling 
(d. h. Niblung), welcher die Norburg und Katheideborg auf 
einer insel zwischen Seeland und Schonen bewohnt, sie hat 
zwei brüder: Hogne und Folgmar; jener vertritt eigentlich die 
stelle Günthers, der aber so wenig als Gernot genannt wird. 
Nögling besitzt zu Hammersbierg (vgl. s. 322) einen groszen 
schätz. Gremild war zu Worms mit dem beiden Sigfred ver- 
heiratet worden. 

306 2) Hogne hat den Sigfred getödtet. nach vier jähren ver- 

mählt sich Gremild zum zweitenmal, mit wem wird nicht ge- 
sagt. Hogne wird von seiner frau Gluna, Gunnars Glaumvör 
in Atlamal, gewarnt, der einladung zur hochzeit nicht zu fol- 
gen, schon todtwund zeugt er mit Hvenüd^ einer Jungfrau der 
Gremild, einen söhn, der nicht wie in der Vilkina saga (c. 367) 
Aldrian, sondern Ranke heiszt. zu gleicher zeit gebiert Gremild 
einen söhn, der Sigfred (wie Nib. 662, 4) genannt wird. 

3) Der tod, den in der Vilkina saga Attila leidet (oben 
s. 123), ist hier der Gremild beschieden: sie verschmachtet bei 
Nöglings schätz im berge eingeschlossen, auch die dänischen 
lieder enthalten diese angäbe, und sie stimmt merkwürdiger- 
weise wieder mit Atlamal, wonach Atli die mutter der Gudrun, 
also die nordische Grimhild, ihrer schätze wegen ums leben 
brachte (vgl. Edda Saemund. 2, 873). wir werden noch einmal 
auf diese begebenheit zurückkommen. 

4) Nach Rankes abzug und der Hvenild tod, von welcher 
die insel den'namen Hven erhielt, erscheint ein söhn von Hogne 
und Gluna, der Carlhof de heiszt, und macht sich zum herm 
von Hven, wird aber seiner drückenden herschaft wegen 
getödtet. 



143. 

Drei dänische Volkslieder von der Eriemhild räche (Danske 
viser fra middelalderen 1, 109 — 131). sie setzen die sage vor- 
aus, wie sie die hvenische chronik enthält, und mögen eben- 
falls im 16ten Jahrhundert aufgefasst sein; im einzelnen jedoch 
gehen sie weiter und liefern genauere angaben, bald mit unserer 
Nibelunge noth, bald mit der Vilkina saga in übereinstimmong? 
aber auch in einigen puncten von beiden unabhängig. 



144 311 

1) Statt im Hünenland wohnt Grimild auf der insel Hven^ soc 
wobei die ähnlichkeit im klang des Wortes gewis gewirkt hat®^, 
nur die Nörborg ist genannt. Grunther und Gernot {Germer im 
alten druck) werden zwar (1, 13; 3, 16), als auf der reise zu 
ihr begriffen, angefthrt, kommen aber in der that nicht vor, 
sondern Haagen und Folker (Folkquard), der hier spielmann 
heiszt und dessen fiedel als schildzeichen nicht vergessen ist 
(1, 22. 32: 3, 22. 31. 38), sind ihre brtider. ihr vater Niflung^oi 
wir<l bei dem zu Hammer liegenden schätz erwähnt (1, 38. 40), 
und in dem dritten Hede (2) Hagens mutter Bodüd^ die in der 
Vilkina saga (c. 151) Oda heiszt, die geschwister sind herzo- 
genkinder (1, 23. 3, 24), wie in der ungarischen sage (oben 

s. 304). 

2) Haagen hat einen habicht im schüd (3, 22), was kaum 
als eine abweichung von dem adler der Vilkina saga (oben 
s. 130. 182) gelten kann. 

3) Haagen berührt (2, 21) eine unbekannte begebenheit: 
panzer und rosz habe er in den drei kalten jähren verloren, in 
welchen sie vor Trojen gelegen, auf diesen zusatz hat wohl 
sein beiname (oben s. 87) einflusz gehabt. 

4) Den könig Sigfred getödtet zu haben, bekennt Haagen 
(2, 20) selbst: wer ist aber der von seinen bänden erlegte 
starke könig Ottelin'i der name weist auf den hier ausgeschie- 
denen könig Etzel, den jedoch kein gedieht durch ihn umkom- 
men lässt. 

5) Eine Verknüpfung mit der Dieterichs sage : Ranke, nach- 
dem er seines vaters tod gerächt hat, zieht nach Bern in die 
Lombardei (1, 41); die hvenische chronik sagt blosz: zu den 
Gothen nach Italien. 



IM. 

Dänische Heldenlieder (Danske viser 1, 1 — 108). die Vil- 
kina saga, aller Übereinstimmung ungeachtet, ist doch nicht 
ihre quelle, wenigstens nicht, wie wir sie kennen, sie enthal- 
ten einiges, wovon jene nichts weisz. 

1) Thidrek wird, wie in der Vilkina saga (oben s. 236), 
von dem drachen in die höhle getragen; dort findet er das 
Schwert des früher getödteten königs Sigfred (44, 20. 66, 10), 
der also Hertnids (Otnits) stelle vertritt, es führt den namen 



®" in der sagenbibL 2, 408 die Vermutung, dasx die Schreibung Hvcnaland 
für Hanaland den Umtausch veranlasst hat. 



312 145 

307 AdelriHff und wird auch in einer andern stelle (135, 19) dem 
Sivard beigelegt. 

2) Der drache sagt (45, 24. 25) : 

Hör du, Mester kong Diderik, du hug mig ikke ihjel, 
Jeg.yiser dig diu Fästemo, hun er i Bjerget skjult. 
Foroven ved mit Hoved der ligge de Nögler smaa, 
Forneden ved mine Födder, der kan du til hende gaae. 

Diese Worte stehen ohne Zusammenhang da; weder vorher 
ist von einer braut DIdriks und ihrer wegfiihrung durch den 
808 drachen die rede, noch nachher, als das ungeheuer besiegt 
worden, da wir eben eine einmischung Siegfrieds bemerkten, 
so gerathe ich auf die Vermutung, dasz diese Strophen ursprüng- 
lich zu einem Hede von diesem gehörten, wohin sie vollkommen 
passen: es ist Kriemhild auf dem drachenstein gemeint, und 
um zu ihr zu gelangen, muste man sich erst des von dem 
riesen bewahrten schlüsseis bemächtigen. 

3) Hildebrands schildzeichen, abermals abweichend (vgl. 
oben s. 233. 267), ein habicht, der auf einem felsen sitzt. 

4) In Brand Hr. Viff erlin (6, 17. 19, 22), dem weitgewan- 
derten (16, 4) erkennt man deutlich die entstellung des namens 
Herbrant hinn mdfbrli (vgl. sagenbibl. 2, 219). 

5) Vidrik Verlandsons ross Skimming und schwert Mimring 
sind nicht blosz benannt, auch sein schild Skrepping und sein 
heim Blank (28, 19). (auch schwedisch bei Arwidsson s. 15. 
vgl. Haupts zs. 2, 250.) 

6) Gyntlier^ Gernot ^ Haagen, FoJker (spielmann mit fidel 
und bogen im schild 3, 19) finden wir, ebenso wie Sivard 
Snarensvend (zum beweis, dasz verschiedene quellen sich hier 
vereinigten, von könig Sigfred unterschieden), in Didriks gefolge 
(18. 19), (vielleicht daraus entstanden, dasz sie in der Vilkina 
saga c. 151 einmal zu Thidrek eingeladen werden und unter 
seinen beiden sitzen.) 

[7) Vonved — — . Jacob Grimm.] 



. 145. 

Sebast. Franke (lebte in der ersten hälfte des 16ten Jahr- 
hunderts und starb vor 1545), Sprichwörter (1541), 1, f. 35 r.: 

'da das gold im Rhein ligt' das heist: nirgends; gerade 
wie (oben s. 158): ze Loche lit er in dem Rine.®^ 



®' dies wie das zunächst folgende mitgetheilt von Lachmann. 



146. 147. 148. 149 813 

146. 308 

Martin Luther (geb. 1483, gest. 1546) werke (Jena 1573), 
(vgl. neues Jahrbuch der Berlin, gesellsch. 2, 233 anm.) [ZE. 
30, 4. 56.] 

1) 3, 76* (wider die himmlischen propheten): 'Als wenn 
ich aus Dietrich von Bern wolt Christum machen, Vnd aus 
dem ßisen, mit dem er streit, den Teufel, Vnd aus dem Zwarge 
die demut, aus seinem Gefengnis den tod Christi'. — er scheint 
auf den Laurin anzuspielen, in dessen felsenhöhle Dieterich ge- 
fangen lag. * 

2) 7. 425^ (wider Hans Worst): 'Machet also ein Hele- sog 
keplin^ ja eine Narrenkappe, beide, aus Gott vnd dem Christ- 
lichen Glauben'. 

147. 

JoH. Agricola (geb. 1492, gest. 1566), Sprichwörter (1534). 

Sprüchwort 667. Dieterich von Bern^ — von dem die 
Deutschen lieder singen. 

[Sprichwörter (Hagenau 1529) vorrede. 

bl. 2**: Wir kennen sonst den alten Hilhrand^ Diterich ' 
von Bernp herr Eck^ künig Fasold^ risen Signot*.] 

148. 

Heinrich Steinhowel, vorrede [von August 1473] zu der 
chronik der vornehmsten weiber von Boccaz (1544). [ZE. 30, lg.] 

'Graf Laurenz von Tyrol, den man den starken Laurin 
nennt, umb sein grosze reichthum und mächt, die sein leut aus 
den bergen graben, darumb sie auch erdmännlein geheiszen 
werden'. 

149. 

Hans Sachs. 

1) Fechtspruch (vom jähr 1545): 

'Vil heldt kämpfften in freyen feldt 
Vnd ritten zsam in finster wäld 
Als Eck vnd der alt HiUebrant^ 
Laurin^ Hürnen Sewfried genannt, 
König Fasolt vnd Dietrich von Bern 
Theten einander kampff gewem. 

* mitgetheilt von Pfeiffer Germania 10, 95. 



3U 149 

309 2) Tragedia, der Hörnen Seyfnd (vom jähr 1557). III, 2, 
233—45. 

a) Zwei sagen sind vereinigt: Siegfrieds Jugend und be- 
freiung der Kriemhild von dem drachen mit dem Rosengarten. 
Kriemhild lädt den Dieterich von Bern zum Zweikampf mit 
Siegfried, ihrem manne, nach Worms ein. doch nur von die- 
sem einzigen kämpfe ist die rede, auch auszer Hildebrand keiner 
von den andern beiden mit gezogen oder nur genannt, vpn 
Dieterich heiszt es: 

^Sagt man doch von eim beiden werth, 
' Der wohn zu Bern in Welschland 
Derselb Herr Dietrich sey genant, 

310 Hab auch erschlagen vil der kecken 

Den konig Fasolt vnd den Ecken 
Die Rvtz vnd auch den SigenoU' 

6) Hans Sachs folgt in den übrigen theilen seiner tragodie 
dem Siegfriedsliede. der Kriemhild brüder heiszen Günter, 
Gerner und Hagon^ eine Schreibung der namen, die mit keiner 
in den bisher bekannten ausgaben übereinstimmt (oben s. 258). 
dort wird eine bekanntschaft Siegfrieds mft Kriemhild an Gi- 
bichs hof vor der entführung auf den drachenstein nur vor- 
ausgesetzt, hier dargestellt: sie blickt eben bei einem tumier 
mit Wohlgefallen auf ihn herab, als sie geraubt wird, die 
mutter, dort unerwähnt, stirbt hier vor leid über ihren verlast 
man könnte schon deshalb eine etwas verschiedene quelle mut- 
maszen. aber aus einer bedeutenden ab weichung wird gewisz, 
dasz der dichter einen andern text vor sich hatte. Siegfried 
nämlich wird nicht in dem augenblick getödtet, wo er sich zu 
einem brunnen herabbeugt (oben s. 154), sondern Hagon er- 
sticht ihn, als er schläft, schon der Ehrenhold kündigt das im 
prolog an: 

' — jhr bruder ausz neid vnbsunnen 
Erstachent schlafend bey dßm brunnen 
Ihren schwager Seyfrid darnach. 
Den Crimhilt schwur ein schwere rach\ 

Der zwerg prophezeit: 

'Dir wird die jungfraw zum weib geben 
Bei der werst du nur acht jar leben. 
Nach dem wirst du im schlaff erstochen^ 

Gerner räth: 

'Ihr brüder es ist gewis die sag 
Das Seyfrid allemal vmb mittag 



Ud^ — r 315 

Hinattsz spatziert in den walt, 310 

Legt sich zu einem brunnen kalt^ 

Ins gras und wolschmeckenden blumen^ 

Thut darin ein wenig schlaffen un schlummen^ 

Da mocht man jn heimlich ersteche 

Vnd denn zu hof mit ehren sprechen, 

Es hettens die m6rder gethan.' 

Seyfrid selbst spricht: 

ach wU mich legen zu dem brunnen 

Hie an den schatten vor der sunnen, 

Vnter die linden an den rangen 

Den schmack der guten würtz empfange, 3ii 

Vnd ligen da in stiller ruh. 

Wie sanfft gehn mir mein äugen zu^ 

Eine willkürliche, von dem dichter herrührende Verände- 
rung wäre schon deshalb nicht anzunehmen, weil er keinen 
grund dazu gehabt hätte; die andere erzählung war für seine 
darstellungsweise ebenso tauglich. die echthcit dieser abwei- 
chung wird aber auszer allen zweifei gesetzt durch die höchst 
merkwürdige Übereinstimmung mit der nordischen sage (vgl. 
oben s. 35) und noch mehr durch die Verbindung derselben 
mit der Nibelunge not, denn nicht im bette liegend wird der 
held erstochen, sondern an dem lindbrunnen (oben s. 154), von 
denn das bisher bekannte Siegfriedslied ebenfalls nichts weisz. 
(Lachmann zu Nib. 913, 1. Danske viser 1, 66 daraus ent- 
stellt?) 



* 



149 b- 



Grobianus. verteutschet durch Casparum Scheidt von 
Wormbs. (1551.) cap. 8. von sittigen reden nach dem abend- 
essen. 

'Erzelt dabei an solchem disch 

Syrenen meerschwein und walfisch, 
Von hertzog Ernsts bewartem schiff. 

Wie er zu dem Carfunkel griff: 
Und wie Signot den Berner truog ' 

Und wie wolf Dietrich würm erschluog^ 
Und wies Sant Brande vbel gieng' u. s. w. 

In Grobianus vnd Grobiaiia, von newem zugericht durch 
Wendelinum Hellbach (1567), cap. 10 sind folgende verse hin- 
zugekommen : 



316 149<^- 150 

Auch wie Wolffdietrich würm erschlug. 

Und wie Seufrid viel Mrürm verbrannt, 
Darvon ein homin Bächlin rand, 

Darausz er nackt zur selben fahrt 
Seinn leib bestrich und hörnern ward, 

Und nun daher in allem land 
Der hörnern Sewfried wirt genannt. 

Bald wird ein andrer hie drauff sagen, 
Wie der Schneblerkong sei erschlagen, 

Und wies sanct Brandon vbel gieng* u. s. w. 



*149c. 

Heinrich Pantaleon. Teutscher nation heldenbuch (Basel 
1568) thl. 1. 8. 2 vorrede. 

'Wann auch bey den alten etlicher weniger beiden leben 
beschriben, ist dieses dermaszen mit unnützen fahlen und mer- 
leinen besudelt, dasz kümerlich ein schatten der rechten war- 
heit noch vorhanden, der gestalt ist herr Thieterich von Bern, 
meister Hütebrandt^ hürnen Seyfridt^ getrewe Eck^ hertzog Ermt 
und andere dergleichen von dem gemeinen volck in liedern 
und meistergesangen geprisen worden.' 



## 



3" 150. 

JoH. Fischart (zweite hälfte des sechszehnten Jahrhunderts). 
Gargantua (1594). 

1) 'Ottnit (115) — mit des Wolfdieterichs lindwürmen 
vnd trachen ergraben vnd erhaben (119**). — Bechtunger'' 
stamm (30^). 

2) 'nibelung (185). — Risz Ruperan 1. Kuperan (30**) — 
der trachenblutgetaufft Hörnin SifHd (170^) — der Sornen 
Sei/rid^ der den amposz trey klafflber inn die erd schlug (185). 

— so grosz (gemalt) — wie der homin Seifrid am newen thurm 
zu Worms*** gegen dem Kein zu (274^). 

3) Dietnch von Bern (30'*). — Der Harlungm\ Amelunger 

— stamm (30^).-^ 'Der Trew Eckart (62). — Ir Hüdenbrand^ 

* diese stelle ist von Jakob Grimm angemerkt. 
** mitgetheilt in der Germania 10, 95. 
♦♦♦ vgl. s. 313. 316. 319. über andere bilder Haupts zs. 12, 329. 386. 



150 317 

streichige wilde hummeln (17**) — braucht vor dem mann Hüde^^n 
hranta streich, siben klaffiter inn die erd, braucht des Ecken 
eckhaw, des Laurina zwerckzug, Fasolts blindhaw' (188**). — 

4) 'Wie monch Illzan seinen brüdern die rosenkränz auf- 
setzt (25 P) — Vnnd fiimemlich an eim (thurm gemalt) der 
mönch Milchzan^ so grosz er war, mit einer Creutzstan- 
gen' (274*>). 

5) 'Königs Etzeh ausz Vngarn hochgeadlet vnglückschwerd^ 
dessen genealogy vnnd Vrane die Manszfeldisch chronic be- 
schreibt, bisz auf graff Lupoid, dem es, als er im schlaff reu- 
tend vom gaul fiel, das sächlin machet: vnd welches zu vnserer 
zeit der duc Dalba nach der schlacht bei Mülberg seltsam soll 
auszgegraben haben: vnd niemand weisz wo er mit hinkom»ni2 
men' (118). 

Priscus (Jörn. c. 35) erzählt, das schwert des Mars sei 
gefunden und dem Attila gebracht worden, nach Lambert von 
Aschaffenburg (p. 348 Pistor.) hatte kaiser Heinrich IV im 
jähre 1071 seinem lieblinge Leopold von Mersburg dieses 
schwert geschenkt, der aber bei einem stürz vom pferde in 
die spitze desselben fiel und an der wunde starb ; es war gött- 
liche räche wegen Ottos von Baiem. dieser Otto hatte das 
schwert von der mutter des ungarischen königs Salomon er- 
halten, dann dem markgraf von der Lausitz Dedi dem Jüngern 
geliehen, und nach dessen ermordung war es an den kaiser 
Heinrich gekommen. 

Nachzutragen®^ ist: 

1) aus Gargantua, ausgäbe von 1582: ein mönch lUsung- 
scher landsknechtsmut (a5*). — vorzeiten in die illa, da trei- 
zehenelenbogige reysende oder reiszende risen, recken, gigan- 
ten oder wiganten waren und — Blattfusz, Patagonische pfal- 
kränch, alzenfidler, Asperian^ Pusolt^ strausfttszige Staudenfusz 
vn SchruUhan^ ha, da war nur die sag von zwerchen, Eiberich, 
Rauch Elsen auffwartem, könig Laurin^ des Herman von bach- 
senheim Eckertszwerch (d P). — sagt man hingegen von risen 
und Heunen, zeigt ihr gebein in den kirchen, unter den raths- 
häusern, ihre nimrotische spiesz, stählene Stangen, goliathische 
weberbäume, horenenaeifrige wurmstecher^ Durandal u. s. £, 
welches eine anzeigung gibt heutiger unvoUkommenheit (d2*). 
— der Wolffdietherischen Rauch Ehen halben (m6**) — (wenn 
ihr Gargantuas kleid gesehen hättet), so würden ihr gefragt 
haben, ob könig Ortwin inn aller seiner herrlichkeyt herrlicher 
gewesen seie (r4^). — ausgäbe von 1590: könig Ortwifi und 

^' gröstentheils nach mittheilungen von Emil Sommer und Mens eb ach. 



318 151 

Ottnitt im Graal (219). — ausgäbe von 1594: weiter lehrnet 
vnser Gargantuischer Wolffditerich von seim giinnastiscben her- 
tzog Bechtung^ wie zu fusz einer zu rosz zu bestehen sei (177''). 

— als ob es mönch Illzam im rosengarten war (205*) — kont 
doch der hörnen Seifried auff einmal mit zwen bestehn (218'*). 

— was hal£P es den hön^nen Sigfrid dasz er fornen hömin war 
vnd am rucken zu erstechen gar, fornen beschlossen, binden 
erschossen (251*). 

2) aus Reveille matin (Vilmar s. 6): dise recht Brenn- 
hilde^ die wie GriemhUde als verwülte. 

3) aus Aller Practic Grosmuter (1574. 8): Hüdebrandkriger, 
mönch Ilsung brüder (e 4** ) — gewaltige Hildenbrandische neun 
klafterstreich (f5*»). 

4) aus dem Bienenkorb (1581); c. 4. 'hornin Seifrida argu- 
menta mit der randnote: argumentum comutum. 



312 151. 

Meistergesangbuch (cod. Berolin. germ. fol. 23, vordem in 
Arnims besitz; aus der zweiten hälfte des sechszehnten Jahr- 
hunderts :) 

'was halfs von Bim Hirr Ditrich 

er hat manchen irschlagin * 

wan ihn ankam des zornis grimm 

warf er aus ß/wir roth 

grosz lob dit er erlangen sich 

hört man wiit von ihm sagin 

sin lob erhallt durch manchi stimm 

doch muszt er stirbin todt. 

was halfs Eckin von Eckenbarth 

sein grosz stirk und gewalte 

dann er war auch von hoher art 

auch Hütibi^and der alte 

was half kinig Gibichs ubirmut 

er war ein fürst am Bin.' 

(Steht auch in cod. Berol. fol. nr. 22 gegen das ende. 
'Ein lied von dem tod gedruckt zu Nürnberg durch Kunegund 
Hergotm' in Mones anzeiger 8 (1839), 197. 198 [ZE. 30, 7]. 
ein älterer druck, wie es scheint, 'Ein lied von dem tod, wie 
er alle stend der weit hin nimbt. in des Regenbogen plaben 
thon, oder in der ritterweisz ein gemess'. 8 ss. 8^**-, aus der 
ersten hälfte des sechszehnten Jahrhunderts, abschriftlich mitge- 
theilt von Karl Gödeke^ hat folgende abweichungen: 'was 



151»> 319 

half der risen grosze kraft — was half hern Dietrich von Bern 
— grosz lobes thet er hie begem — sein lob erhaU — noch 
müst er — was half Ecken und Eckehart, was half Seyfrits 
gewalte, wan er was — was half Hiltebrant — .') [der spnich 
ist eine nachahmung des Frauenlobischen nr. 121; noch andre 
s. ZE. 47, 1. 2.] 



*151b. 

LiENHABT Flechsbl. bcschreibung des frey- vnd herrn- 
schiesen ... zu Wormbs 1575. Heidelb. handschrift 405. 

1) bl. 11**- Esz (Wormbs) ist ein weit berumbte statt 

Vnnd die gar vill erlitten hat, 
Dass ich in Sachen euch nit lieg 

So hats erlitten manchen krieg, 
bl. 12*- Mit dem gewurm was ihr nit woU 

Darumb da wasz das land gar voll, 
Mit trachn lindwurm musz ich sagen 

Der Seufridt had es all erschlagen, 
Er hat gewont woU an dem Khein 

Der Ro88engardn gab man jm ein, 
Künigin Grimhildin^ hatn baut, 

Herr Diettrich von Bern hat in bschaut. 
Mit sambt sein helten und rekhen 

Thet die rissen hart erschrekhen, 
Vnnd die auch hatten helttes mut 

Hielten den garten in guetter huet. 
Welcher wolt ein rossen brechen 

Thetten sie erschlagen vnd stechen. 
Er muest leutten groszen schaden. 

Grimhütin liesz den Berner ladn, 
Dasz er in jren gartten kom 

Vnnd seine helten mit jm nom. 
Mit sein rekhen solt nit ausz pleibn 

Vnnd welcher ritterspil wolt treibn. 
Da selb wurts einer wol erfaren 

Von rissen die im gartten waren 
Ligt einer ob so will in preiszn 

Yil ehrn zucht jm thun beweiszen, 
bl. 12^' Darmit das ritterspil bleib gancz 

Will jhm schenkhen ein rossenkrancz. 
Das hat Herr Berner wol bewert 

Vnnd hat den gartten gar zerstert 
Auch etlich rissen erschlagen. 



320 — 15P- 152 



2)bl. 13**- Wie ich bin zu der Muncz ganngen 

Ain eissen kein sach ich hangen, 

Mechtig vill grosse rissen bain 
Ich stund darbey was nit allein, 

Besach mir der bain gleich ebn gnug 
Ein vhr die was gemacht gar klug 



Ich stund davuor vnd sach es an (die trinkhstub) 

Grosz rissen waren gmalt daran 
Mit jrn grossen rissen Stangen 

Grimhüdin die kam geganngen 
bl. 14*- Vnnd thut ein krancz bey ihr tragen 

Weitter noch mit warhait sagen (so!) 
Wie sasz so hupsch schön gmakt dran 

Kaisaer Friedrich hoch lobsan.* 

vgl. nr. 157. 158. s. 315—317; nr. 165. s. 319 f. 



4c 



151«- 



JoH. Thom. Freige nennt in seinem Ciceronianus (Basel 
1579) Freiburg im Breisgau Friburgum Harelungorum. 

In der dedicatio seines Paedagogus (Basel 1582. 8.) s. 3 
heiszt es: 

Friburgum illud Harelungorum veterum (in quorum locum 

Brisgoi, nomen a monte Brisiaco adepti, successerunt) 

communem tibi parentique nostro patriam esse.** 



162 152. 

G. Rollenhagen (geb. 1524, gest. 1609), Froschmeuseler 
• (1595): 

1) Ji V. 'Sein schneeweiszkleid war schwartz gezieret, 
Sein pantuflhom glantz auszpolieret, 
Vnd gehertet mit schlangenblut. 
Als Signoten hämisch rnd hutt.' 



* nach ühlands angäbe (German. 6, 323, vgl. einL zu Hallings- ausgäbe ^on 
Fischarts glückhaftem schiff) mitgetheilt von Dr. E. Martin. 

** nachgewiesen von Mone quellen und forschungen (1830) 1, 5. 



153. 154 821 

2) B b b iij. — 'Noch viel hundert 8i2 

Tausent geharnschter kriegesleut, 

Die hatten gantze beinern heut, 313 

Zusam gesetzt von schalen hart, 

Nach muscheln vnd Schildkröten arth. 
Wie ein rhinoceroth gestalt, 

Wie man den hörnin Siegfried mahltJ 



153. 

Crüsiüs (geb. 1526, gest. 1607), Schwab, chronik 1, 7, 10. 
s. 163. er meint, Attila möge auf seinem zuge nach der cata- 
launischen Schlacht Würtenberg zerstört haben: 'besonders da 
man (wie ich yon einem glaubwürdig, alt und gelehrten mann 
gehört habe) ftiszstapfen ungefähr von fünfzig zerstörten schlos- 
sern, nur allein in dem Nürtinger amt, zu unserer voreltem 
Zeiten hat anzeigen können, welche vielleicht damals verwüstet 
worden sind, insonderheit weil die hauern^ wenn man sie des- 
wegen fragte^ gleich des Attilae namen in dem maul gehabt.^ 



154. 

Ctr. Spangenberg (geb. 1528, gest. 1604). 

1) Adelspiegel 2, 172*'- 'Vnd diese leut (dichter) haben 
etliche der alten beiden thaten reimweise, doch wunderbarlich 
verblümet, beschrieben, wie denn davon noch vorhanden das 
heldenbuch, der grosz vnd kleine Rosengarten, der Hürnen Sig- 
frid, der Hildebrand, vnd Dietherich von Bern , von könig Etzel 
vnd dem Wunderer.^ 

Vielleicht kannte Spangenberg eine andere darstellung, als 
die Überarbeitung Caspars von der Höhn (oben s. 277). 

'Viel solcher gedichte sind entweder gar verloren oder 
doch gar seltzam worden, als von Iwan, Crecken (1. Iwein, 
Erecken), könig Ruggern^ könig Fasolt, riesen Siegenot.' auch 
2, 275*- wird 'könig Rucker' wieder angeführt. 

Es ist könig Ruther gemeint, aber Spangenberg kennt das 
gedieht wol nur dem namen nach und diesen aus dem Renner, 
wo vde hier Iwan für Iwein (oben s. 171) steht. 

2) das. 268 — 275. auszüge aus dem gedruckten beiden- 
buche, dessen anhange und aus dem liede von Siegfried, ich 
fähre nur folgende stelle (274^) an: 'Usan ist Hildebrands 

WiLH. Grimm, deutsche buldensagb. 21 



322 155 

SU bruder gewesen, wiewol etliche meinen, er sei des kleinen Laurin 
in Tyrol Bohnü nach Aventin (oben s. 302), nur wird Dsing, 
wie dort steht, eigenmächtig durch Ilsan erklärt. 



155. 

Jos. Scaliger (geboren 1540, gestorben 1609), castigat. in 
Catullum. 

Ausg. von 1577. p. 30 = 36 der letzten vo*n 1600. Sca- 
Ugerorum principum amoenissimus secessus Sirmio, a Theodo- 
rico usque Scaligerp Gottho (Gottho fehlt 1600), quem Died- 
rieh von Berna vocant Germani^ ad avum usque meum Bene- 
dictum Scaligerum. — Ab eo Theodorico, qui patruelis fuit 
Theodorici magni Gotthorum Regis, ad Guillelmum usque histo- 
riam Scaligerorum quatuor libris complexus est Paulus Aemilius 
Veronensis.®® — nam verum est Vngaros Attila duce ea loca 
devenisse, et quum iam se in agrum Veronensem effundere vel- 
lent, repulsi sunt a Theodorico Scaligero Tiroliae principe, 
quem^ ut dixi, Germani Theodoricum Veronensem vocant. 

Diese angaben ergänzt und berichtigt eine andere stelle 
Jos. Scaligers in 1. C. Scaligeri vita (epistola de vetustate et 
splendore gentis Scaligerae. Lugd. B. 1594. p. 8 — 10): Igitur 
injuria temporis, malevolentia hostium, imperitia scriptorum, eos 
cuniculos in generis nostri memoria egerunt, ut de totius nomi- 
nis Scaligeri ruina metuendum esset, nisi praesto fuisset elo- 
quentissimus vir et antiquarum originum vindex Paulus Aemi- 
lius Veronensis, qui nactus in Norico acta et annales prosapiae 
nostrae vetustissimos pingui stilo, ut ipse ait^ conceptos, edo- 
lavit eos et latine loqui docuit. ex eo libro parens mens ea 
excerpsit, quae ad nostri generis claritatem praecipue pertinere 
visa sunt, caetera per otium describere non licuit, quod utinam 
fecisset et nobis edendi laborem reliquisset. postquam igitar 
Paulus Aemilius multa de splendore et vetustate gentis Scali- 
gerae disseruit deducta generis Serie ad Alanum Scaligeram 
Carniolae et Tirolii atque montanorum Feltriae totiusque reliqui 
tractus inalpini principem, docet quomodo Attila Hunnorum res 
in Italiam per Carniolae montes irrumpens ab Alano depulsus 
et in partes Altini summotus est. quo tempore accolae Vene- 
tici sinus ingruentem tempestatem prospicientes relictis orae 

^^ zweifei des Scioppius über das vorgegebene werk des Paulas Aemilio; 
nnd seinen streit mit Joseph Scaliger findet man angeführt bei Bayle {% 
1067-1068; Rott. 1720). Jos. Scaliger erklärt, P. AemiUus habe die annalen 
der Scaliger zwar in Bayern gefunden, damit aber werde keineswegs eine ab* 
fassung derselben in deutscher spräche behauptet. 



156. 157 323 

maritimae avitis sedibus in proximas insulas Adrianorum 8ta*8i4 
gnorum sese receperunt. id fuit initium magnificae civitatis 
Venetiarum. — — quemadmodum vicinia maris Yenetis, itasu 
vallis Polyzela sive Pulicella et Anania periugium Veronensibus 
fuerunt, cum Attila non solum agrum Veronensem ad vtetita- 
tem depopulatus esset, sed et ipsam Veronam funditus evertisset. 
qua clade ita perfugarum civium animi dejecti sunt, ut patriam 
jacentem flere potius quam de ea excitanda cogitare parati 
essent, donec Alanus eos ex vallibus, in quas perfugerant, con- 
vocatos ad meliorem spem erexit et repetendae patriae simul 
atque instaurandae auctor fuit. quod cum bene cessisset, eo 
nomine omnium Veronensium suffragiis princeps renunciatus 
est. ita duae nobilissimae urbes, Venetiae et Verona, uni Alano 
Scaligero debent, una quidem quod nata, altera autem quod 
renata est. quod autem pater mens in oratione, funebri Theo- 
dorico attribuit, quod de Alano dicendum erat, humanitus %a\ 
jxvTjjiovix&c peccatum est. Alant ex Theodoro Theodoricus nepos 
iia rehuB gestia fuit eaque virtutU ghria^ ut hodie vemcLCuMs Ger- 
inanorum carminibus et proverbüa celebria dt, quem Veronensem 
ideo vocant^ quod praecipuam aedem in ea urbe^ cujtis instau- 
randae avus Alanus auctor fueraty elegiaset. aed ante omnia Vera* 
nensis agri loca Sirmionem peninsulam amavit^ quam etiam regio 
palatio^ cujus hodieque eastant veatiyia^ eaornavitJ* 



156. 

Jac. Ayrer (zweite hälfte des sechszehnten Jahrhunderts), 
opus theatricum (1618). 

Darin drei stücke von Hugdieterich, Otnit und Wolfdiete- 
rich (lyO — 241), deren Inhalt mit dem gedruckten heldenbuch 
übereinstimmt, der vater von Hugdieterich heiszt Antziua^ der 
meister Bechting (vgl. oben s. 230. 231). 

[Aus Ayrm^s historischem processus juris s. ZE. 30, 10.] 



157. 

Matth. Qüade (st. 1609), Teutscher nation herrlichkeit 
(Colin 1609). 

s. 145, 146: 'Die andern wollen, es (Worms) hab den 
uamen von den groszen wurmen, welche nach Zerstörung dieser 

^^ mitgetheilt von Lach mann. 

21'' 



324 — 158 — 

S16 Stadt daselbst erwachsen und gefunden worden, der gemeine 
mann halts dafür, es hab den namen behalten von dem groszen 
wurm oder drachen, der allda des königs tochter durch die luft 
entführet, welchen nachmals der hürnen Seyfried im Odenwald 
erschlagen und die Jungfrau wieder erlöset, wie derselbe dracb 
mit sammt der Jungfrau und ihren brüdern sammt Seyfrieden 
zu Wurmbs auf dem markt an einem überalten gebäu (die 
Münz genannt) ganz antiquitätisch abgemalt stehen, dabei auch 
das gebein von den riesen und drachen, welche Seyfried über- 
wunden, in eisene ketten gefasset, hangen thun. item, auswen- 
dig an der Mainzer pforten sieht man auch die alte contrafei- 
tung des drachen und am Rhein uf dem neuen thurm im eck 
der Stadtmauern siebet man auch den Seyfrieden; so ist auch 
noch ein fliegender wurm oder drach der schildführer des 
Wappens dieser Stadt, welches ein Schlüssel ist, den Seyfried 
dem riesen abgewonnen, damit er unten den felsen ufschlosz, 
um oben zu der Jungfrau hinaufzukommen; und denselben 
Schlüssel hat Seyfried sofort mit heim gen /Worms geftihrt und 
hat ihn die Stadt zur ewigen gedächtnis in ihren schild gesetzt, 
sammt andere antiquitäten von den riesen und ihren waffen 
noch mehr, so man in der Stadt findt. dieses alles ist wol 
ein ganz scheinbarliche red, die wol ein feines ansehen hat; so 
wäre aber diese frage dargegen, ob dann die Stadt nit auch 
den namen Wurms gehabt habe vor der zeit des hürnen Sey- 
frieds." [vgl. hiezu nr. 15P, s. 312; nr. 165«>- s. 320.] 



158. 

Freher (geboren 1565, gestorben 1614), origines Palatinae 
(1612): 

2, 61 — 63. Hinc antiquissimae fabulae rhythmis vemaco- 
lis consignatae, nescio quem Gybiconem regem Wormatiae im- 
perantem, nescio quod rosetum virginea Crimhildis manu ex- 
cultum, invictorumque heroum armis contra invasores defen- 
satum, crebrisque duellis et concertationibus sanguinolentum 
nobis decantant. praesertim vero Sigefridi^ cujuadam ffiganüs. 
quem ab immani robore et duritie telis impervia, non ut Pelops 
ille humero fuit eburneo, sed totum corneum dixere^ fama ad 
miraculuTa increbuit: qui ludis olympicis a Crimhilde illa regia 
puella indictis et Theodorico Veronensi cum veteranis suis pro- 
317 vocato, consertis manibus, multoque utrinque sanguine fiiso, 

^' diese stelle hat v. d. Hagen in der Gräterschen alterthumszeitung 1813. 
anz. 8. 32 bekannt gemacht. 



158 »> 325 

cadmea prope victoria inter alios depugnarit; ibidemque tan- 317 
dem sepultus, ceu alter quidam Hector, famo8um monmento auo 
locum fecerit cuJim eüam hastay ingena pintis^ ibidem ostentatur. 

— — — tarn plebejis et puerilibus fabulis vera priscorum 
Francorum historia involuta intercidit, quos a corporum pariter 
animorumque robore (romanis etiam calamis eelebrato) gigantes 
posteritas credidit. unde etiam damum quandam in Vangionum 
urhe^ non dubiae vetustatis, vasta altitudine et amplitudine (quam 
praetorium regum aut ducum comitumve Francorum fuisse certo 
certius est), gigantum domicilium etiamnum vulgo vocant. cum- 
que ab immanissimis hostibus, modo a Croco Vandalo modo ab 
Attila Hunnorum rege (quem hostem Rheni Sidonius 1, 12 vo- 
cat) urbs expugnata et vastata fuisset; quae propugnatoribus 
et restauratoribus suis non carebat, eos in heroum numerum 
posteritas retulit: quo modo et Sifridi fabulam ad Sigibertum 
virum clarissimum, quem circa annum 538 sub Theodorico rege, 
majorem domus fuisse et Yormaciae cum uxore Crimhilde habi- 
tasse et multa fortiter gessisse invenitur, non incommode referri 
posse eruditis videtur. in annalibus certe urbis hoc annotatum, 
indicio viri docti (Frid. Zomii [Z£. 59, 2] epist. ad Melissum) 
nobis constat, Fridericum III imperatorem, difficillimis in Bel- 
gio Maximiliani caes. filii sui nomine confectis expeditionibus 
fessum, Vormatiam quietis et recreationis gratia se contulisse; 

ubi cum aliquamdiu commoraretur, de immani isto gigante 

per totam prope Germaniam decantato, cujus in D. Caeciliae 
fano sepulchrum vulgo ostenditur, mira ad ipsum quoque per^ 
lata, cujus rei cognoscendae causa mandasse, eruta terra tumu- 
lum ipsum perscrutari, num aliquorum ossium reliquiae, ex qui- 
bus de tam vasto corpore conjectura fieri posset, superessent. 

— illos enim etsi in viscera terra tam profunde descendissent, 
ut aqua copiose egereretur, ne minimum tamen indicium uUius 
cadaveris, nedum gigantei, reperisse. ut jam liquido constet, 
paria narrationibus veris Lucianicis esse, quaecunque de illo 
Sigefrido ineptorum rumoribus jactatay ab ineptioribus unquam 
credita fuerunt. 



*158b. 

Michael Sachsens neue kaiserchronik. Magdeburg 1615. 
fol. 2, 32: 

'In gegenwart dieses koniga Dieterich hat im Rosengarten 
zu Worms sich ritterlich gehalten der mönch Ilsanes^ aus dem 
kloster Eysenburg^ denn er hat nach erlegung des stolzen ritters 
Staudenfass noch mit 32 starken männern gekämpft, deren 
zwölf erschlagen und die andern flüchtig gemacht und von der 



326 — - 159. 160 

jungen königin Chrimküd 25 rosenkränze empfangen und der 
königin 25 küsse gegeben und mit seinem barte ihre zarten 
lippen so gerieben, dasz sie geblutet haben und dabei gesagt 
haben: ^also soUt man noch küssen eine ungetreue maid, dasz 
sie auch solle wissen, was sie gestiftet für laid/ denn sie hatte 
den kämpf angestiftet, darinnen viel beiden zu gründe gegan- 
gen sind und könig Dietrich mit seinem beistände den preis 
davon gebracht hat.' 

Sachse citirt dabei auszer Crusius (1, 8 f. 220) Heinrichs 
Ofterdingensis heldenbuch. 



817 



159. 

Melchior Goldast (geboren 1576 oder 1578, gestorben 
1635). 

318 1) Constitut. imperial. 3. praef. redet er von Dieterich von 

Bern: nemo princeps, cujus quidem memoria superest, Theuto- 
noi:um carminibus celebratior uHus fuit, quae passim adhuc a 
vulgo nostro in Germania^ Darda^ Suedia et Sungaria decan- 
tantur» 

2) Paraenesis 1, 346. 347. — ex media antiquitate circum- 
feruntur carmina de Otnite Longobardo, de Woluftheodorico 
Graeco, de Gibicho Vangione, de Laurino, de Theodorico Ve- 
ronensi, de Hiltibrando Gotho^ de Sigifrido Agrippinensi cogno- 
mento Comeo, de Eckio sive (ut quibusdam placet) Eceone 
Alsato, de Eckardo — alia quae necdum in manus nostras per- 



venere. ®* 



160. 

Chytr^üs (Mindesmärker i - Skaane , Halland og Bleking, 
abgefasst im jähr 1598 und gedruckt in Brings Monuni. 
Scan.). 

Er rechnet den Vidrich unter die beiden Dieterichs von 
Bern und kannte mithin die deutsche sage. er erzählt kürz- 
lich die geschichte von dem schmied Valland, wie sie in der 
Vilkina saga vorkommt, nur mit dem unterschiede, dasz Val- 
land sich mit einer nordischen königstochter verheiratet und 



*° diese stelle hat Taub mann in der vorrede zu Virgilii culex (1618) 
abgeschrieben. 



161. 162. 168. 164 327 

dasz er die waffen ftir seinen söhn Vidrik unter einem stein 318 
aufhebt, während es dort Vade, sein vater, f&r ihn selbst 
thut. »^ 

161. 

MoscHEROSCH (geb. 1600, gest. 1669) inPhilanders von Sitte- 
wald gesiebten (1665) s. 32. 33. 

^Li dem wir nun überzwerchs zurück durch den wald, 
auff die matten kommen, erkante ich mich alsobald, dasz wir 
nicht weit, vnd nähst bei GeroUz eck^ einem alten schlosz auf 
dem Waszgau, wären, von dem man vor jähren hero viel aben- 
thewer erzehlen hören: dasz nemblich die vralte Teutsche bei- 
den, die könige Ariovistus, Ärminius, Witichindus, der hümin 
Stegfried vn viel andere, in demselben schlosz zu gewisser zeit 
desz Jahres gesehen werden; welche, wan die Teutsche in den 319 
höchsten nöthen vnd am vndergang sein werden, wider da her- 
ausz, vnd mit etlichen alten Teutschen völckern denselben zu 
hülf erscheinen selten.' 



162. 

Facetiae facetiarum (Pathopoli 1647). 

p. 547. — tale monstrum, cui nee Homericus Polyphemus 
— — nee ullum vel a Wigoleisio, vel a Sevfrido^ vel ab Ama- 
diso, vel a quopiam necessariorum ejus debellatum portentum 
coihparari queat^» 



163. 

Matte. Abele, Metamorphosis telae judiciariae, 1654. 
p. 23. 

'Es hat ein alter Hürnenseyfrid eine ehrliche Jungfrau 
Mariam de Ravenna geheiratet.' 



164. 

JoH. Praetoriüs (st. 1680) weltbeschreibung (1666) 1, 273. 

Närrische gaukelers zelte 'wo der alte Hüdebrand un 
solche possen mit docken gespielt werden^ puppencomedien ge- 
nannt.' 

«^ sagenbibl. 2, 168. 



328 165. 165 >> 



819 165. 

JoH. Staricius (lebte in der mitte des siebenzehnten Jahr- 
hunderts), neuvermehrter heldenschatz (6. aufi. 1734). 

1, 79 — 81. ^Marcus Claudius Paradinus meldet in Heroi- 
eis von dem D. Thoma de Aquino, dasz derselbe habe ein 
messer gehabt, mit dem er ein eisen-gestählten ambos in der 
mitten habe von einander schneiden können. 

Deszgleichen seynd auch gewesen die Schwerter des hömin 
Seyfriedes, dessen geschieht zu Worms auch am rathhaus von 
alters hero künstlich abgemalet, zum zeugnis historischer Wahr- 
heit noch heutiges tages zu sehen sein werden, so vnrd auch 
der Rosengarten daselbst, in welchem bei seiner zeit viel beiden 

820 erschlagen worden und er selbsten ums leben kommen y auszer- 

halb der Stadt daselbsten, noch heutiges tages gezeiget. 

Die Stadt Worms aber soll ihren namen von würmem 
haben, nämlich von den vielen bösen Würmern, so allda ge- 
wohnet, deren dann der hörnin Seyfried viel verbrannt und 
erschlagen, mit welcher saft er sich geschmieret und also hör- 
nin worden. 

Wenn auch jemand in der singschulen der meistergesänge 
öffentlich daselbsten die geschieht vom hörnin Seyfriede aus 
dem köpf also aussingen kann, dasz von den dazu bestellten 
merkern oder judicirern, wie man sie zu nennen pfleget, kein 
verslein ausgelöscht oder notirt wird, so wird ihm ein gewis 
stück geld zu schuldiger Verehrung vom rath der Stadt Worms, 
alter gewohnheit nach, gereichet. ist derowegen nicht alles 
fabelwerk — zu voraus, was von Seyfrieden Schwertern Mey- 
nung^ Boland^ Dumdart, in historien gefunden wird.'®* 

Dasz Siegfried im Rosengarten erschlagen worden, stimmt 
zu dem anhange des heldenbuchs (oben s. 298. 299). der name 
des Schwerts ist aus Mimung entstellt, dieses aber wie in dem 
Rosengarten a (oben s. 246), mit Balmung verwechselt. 



165b. 

m 

Maasze nissim der stat Wormeisse [Worms] von Jephtba 
Jospe beschämes (der küster) herausgegeben von seinem sehne 
^Eleeser Lieberman aus der familie Mansbach'. Amsterdam 

1696. 8. (jüdisch-deutsch) bl. 22»>— 24»- 

« 

^" diese stelle ist durch v. d. Hagen jn Büschings WÖchentl. nachrichiai 
1816 bekannt gemacht worden. 



1650 829 

Mäasze (geschichte) warum asz die stat Wormeisza heiszt 
und warum ein schlflssel das wapen is. 

^Vor alte zeiten is die stat Wurmsz gar grosz gewesen^ so 
war ein lintwurm aus der midbar (wüste) gekommen zu fliebn, 
und hat sich hart an die mauer der stat gelegt und hat grosze 
schaden gethan. er hat viel häuser umgerissen und hat auch 
viel menschen und viel beheimes (thiere) eingeschlunden. als 
was er hat gekrogen, hat er als ohoruf (wüst) gemacht, der 
lintwurm war gräulich grosz gewesen und hat zwei fbsz und 
hinten hat er gesehen asz wie ein wurm und ein schlang, aber 
er ist doch viel dicker und gröszer gewesen und er hat äugen 
die leuchten als feuer^ un ein maul mit gräulich grosze zäbn, 
dasz einem ein grauel anging, er ist abgemalt gestanden auszen- 
wenig an der mintz auf dem mark zu Wurmsz, und wenn man 
schon nach ihm schieszt, das wolt doch als niks helfen, denn 
es tat ihm kein pfeil niks. dasselbig mal wüst man noch 
nicht von büchsen oder gestük zu sagen. mit einem gestük 
hat man ihm efscher (vielleicht) jau können beikommen, aber 
es war noch kein gestük in der weit, die chachmah (weisheit) 
von pulver ist noch nit gewesen, dasselbig mal war noch nit 
emunath jischa (christlicher glaube) zu Wurmsz unter der um- 
mauth (volke) gewesen, es war als noch heidesche emunah 
(glaube), und es war dasselbig mal noch kein melech (könig) 
zu Wurmsz gewesen, neurt eine malkah (königin) eine almanah 
(verwitwete), die regiert das ganze land, denn ihr mann der 
melech (könig) war gestorben, und wenn man den lintwurm stillen 
wolt, so must man ihm einn mensch alle tag 'naus werfen 
über die mauer, da schündet er ihn straks ein, und tet der- 
nach denselbigen tag weiter kein schaden min(?). so schreibt 
man alle menschen die in Wurmsz wohnten in ein buch, und 
man werfl goral (loosz) und auf dem das goral (loosz) gefallt, 
den werft man über die mauer zu dem lintwurm. leszof (zu- 
letzt) weiten die borgers nit mehr goral (loosz) werfen), denn sie 
forchten sich, das goral (loosz) würd auf sie auch fallen, die mal- 
kah (königin) sagt zu sie: ^ was wolt ihr haben? zeichnet mich 
auch und alle meine szärim (fürsten) und hofhaltung in das 
in das goral (loosz) und wenn das goral (loosz) auf einen von 
uns wird gefallen, soll man uns auch nit verschonen.' da die 
borgers das hörten, da waren sie alle zufrieden und lieszen das 
goral (loosz) fortgehn. dasselbig mal waren zu Wurmsz drei 
brüder die waren grosze risen und waren alle drei Schlösser und 
messerschmiden, dasz man ihr gleichen wenig so gefindet, sie 
machten ein malbusch (kleid), ein hämisch von eisen und auszen- 
w^enig waren dran lauter scharmesser, und machten eisene händ- 
schieb mit glieder, dasz sie sich drin rühren könnten, und mach- 
ten scharmesser an die händschich, die scharmesser waren gar 



330 165*» 

scharf gemacht, und die drei brüder haben 'so mit einander 
ausgenommen, wenn das goral (loosz) auf einen von sie drei 
kommen wird, denn soll derselbig das kleid anthun und er sol 
den lintwurm zuschneiden, das goral (loosz) ging als fort. Yon 
tag zu tag werft man einen menschen über die mauer 'naus, 
ein mals faUt das goral (loosz) auf die malkah (königin) selbers. 
die malkah (königin) trauert und weint, wie man wol denken 
kan. da kam einer von den drei brüder und derbarmt sich 
über die malkah (königin) und sagt, er wolt sich unterstehen 
den lintwurm um das leben zu brengen, aber die malkah 
(königin) solt ihm versprechen, dasz sie ihn nehmen will zn 
einem mann, die malkah (königin) verspricht ihm, dasz sie ihn 
nehmen will, und alle die szarim (forsten) versprechen ihm, 
wenn er den lintwurm um das leben würd bringen, denn soll 
man ihn zu einem melech (könig) krönen, nun man warf den 
risen naus und der lintwurm schlindt ihn ein, aber er zu- 
schneidet den lintwurm, und er kam lebendig wieder 'raus, 
die szimchah (freude) war gar grosz. nit aleins den grosze 
hesek (schaden) das er an menschen und an viech und an pferd 
gethan hat und an viel häuser gethan hat^ er hat auch ge- 
macht, dasz man kein thor von den mäkom (ort) hat können 
öffiien, und in der ganzen zeit ist niks geackert und gesät wor- 
den, wenn es noch länger gewährt hätte, hätten sie müssen 
vor hunger sterben, und der lintwurm hat die stat viel klener 
gemacht und die. chorwoth (Verheerung) die er gemacht hat, 
die kan man nit als beschreiben, nun die malkah (königin) halt 
ihr wort und nam den Schlösser der risen zu eim mann, und 
man krönt ihn zu einem melech (könig) gleich man ihm ver- 
sprochen hat, und iedermann waren ganz wol zufrieden mit 
dhm, bifrät (zumal da) er den lintwurm hat um das leben ge- 
bracht; das gutes konnten sie ihm nit vergessen, und sie thaten 
ihm als käwod (ehre) an, wie es sich ein melech (könig) ge- 
bürt. wie der Schlösser nun sah, dasz er geliebt was in die 
leuten äugen, und alls was er geboten hat das geschah, so ge- 
bietet er, dasz man zu eim ewig gedächtnis von wege des maasze 
(begebenheit) mit dem lintwurm soll man die stat Wurmsz heiszen, 
und es kann sein, dasz die stat zuvor Garmisa geheiszen hat, denn 
man find in sz'farim (büchem) wenn man von sie etwas schreibt, da 
waren sie geheizen chächme Garmisa (die weisen von Garmisa). 
und von dem melech (könig) der Schlösser, da kommt es her, 
däsz man die stat noch auf den heutigen tag Wurmsz heizt, 
und damit als da nit vergessen werden, dasz ein Schlösser zu 
Wurmsz melech (könig) istgewesen, da sol die stat ein Schlüssel 
vor ein wapen führen, darum hat die stat Wurmsz ein Schlüssel 
vor ein wappen. und an das etzah (rat) haus, das man die 
mintz heiszt, das auf der mark steht, da seinen gestanden ange- 
malt die drei brüder mit dem lintwurm und die malkah 



165^- 166. 167 331 

(königin) mit ir kröne derbei zu ewigem gedächtnis.' * [vgl. 
nr, 157. s. 315 f.] 



165 <^- 

Jofl. Christ. Ettner, des getreuen Eckharta unwürdiger 
doctor. Augsburg und Leipzig 1697. Eckhart reist mit Sieg- 
fried und hilft den kranken. — des getreuen Eckharta unvor- 
sichtige hebamme. Leipzig 1715. — des getreuen Eckharta medi- 
cinischcr maulaffe. Frankfurt und Leipzig 1719 (891). 'machte 
es (das wasser) mit der zeit den cörper mit einer steinharte, 
gleich des drachenschmalz den gehörnten Seyfried mit einer 
hornfeste überzogen! 



166. 320 

De Koker. 

8. 346. 'We fdnde der Lefferlungen achat 
de könde weren ewych ryke. . . .' 



167. 

Färöische HELDENLIEDER. bis ZU Sigurds tode folgen sie 
der nordischen sage, von da an der deutschen, indem sie zu- 
gleich der Vilkina saga, der hven. chronik und den dänischen 
liedem, doch mit eigenthümlichen ab weichungen und erweite- 
rungen, sich nähern. 

1) Svanüd aoula Ijauma (sonnenglanz) wird hier mit einem 
beiden {Ujamal (Ismal) vermählt und bei der hochzeit sieht ihr 
bruder Sjürur zum ersten mal die Brinild (120, 53). von dieser 321 
begegnung weisz weder die deutsche, noch die nordische sage 
etwas, obgleich beide auf eine frühere, in verlorenen liedern er- 
zählte bekanntschaft hindeuten (vgl. oben s. 82 — 84). 

2) Der Gudrun brüder heiszen Gunnar^ Högnar^ Gujalar^ 
und Hjamar^ welche alle zu ihr nach Hundland ziehen; der 
letztere vertritt also unter einem vielleicht nur entstellten 
namen (vgl. Germer in den altdänischen liedern s. 306) den 
Gernot. indessen wird auch einmal (156, 69) ein bruder Gry- 
mur erwähnt und darunter scheint Gupormr der nordischen 
sage zu stecken, der name Nifiung kommt hier nicht vor. 

* mitgetheilt von herm Karl Gödekc. 



332 168. 169 



321 3) Eine eigene erzählung von Dieterichs ende (vgl. oben 

8. 38 — 40). Tujrikur Tatiara 80on (Dietmars söhn) wird von 
der Gudrun aufgereizt, gegen Högnar zu kämpfen, er weigert 
sich aber und erhebt sich als drache in die lüfte; Högnar wirft 
ihm sein schwert nach und tri£% ins herz, der drache fallt 
herab, speit aber ein so heftiges gift auf Högnar, dasz es, 
sogar durch dessen panzer dringend, noch seine tödtliche Wir- 
kung äuszert (274—280. 286, 174). das gift bezeichnet ohne 
zweifei Thidreks feuerathem, womit er nach der Yilkina saga 
(c. 365) den Högni bezwingt. 

4) Högnar erzeugt vor seinem ende mit der Helwig^ einer 
jarlstochter, den Aldrias^ welcher den tod seines vaters rächt, 
indem er den Artcda, und nach einer andern erzählung (306, 
anm.) auch die Gudrun, in dem goldberge einschlieszt. 



168. 

Sagen auf Hven (Sjöborg nomenklatur för nordiska fom- 
lemningar. Stockholm 1815. p. 83. 84). 

Man kann noch heut zu tag sehen, wo Norreborg, Sön- 
derborg, Karlshögaslott und Hammarslott gestanden haben, 
nördlich bei Karlshögaslott befanden sich sonst in einem läng- 
lichen Viereck aufgestellte steine, welche der frau Grimüt grab 
hieszen. 

Eine alte sage auf der insel macht die Grimüd und Svenäd 
zu Schwestern und riesenweibem, die erst auf Seeland wohn- 
ten. Hvenild trug stücke vou Seeland nach Schonen und kam 
damit glücklich hinüber, wo berge aus diesen erdstücken ent- 
standen, als sie aber hernach allzu grosze stücke nahm, brach 
das band ihrer schürze mitten in der see, und alles, was sie 
.^22 darin trug, fiel hinab und bildete die insel Hven. da soll sie 
die St. Jacobskirche gebaut haben, nach welcher Grimild von 
Seeland aus einen stein schleuderte, der bei Karlshögaslott ins 
meer fiel und noch zu sehen ist. Grimild wohnte hernach aut 
Hammarslott (vgl. s. 305), aber als (Ranke) der söhn ihres bru- 
ders kam, räche zu nehmen, warf sie (ich lese Tum statt han) 
die burgschlüssel ins meer und versenkte die ganze bürg durch 
Zauberei in die erde. 



169. 

Nordische sagen. 

1) Vom Nibelungehort noch jetzt geht in Nerike die 
sage, der Nifiungeschatz sei irgendwo in Kilsbergen aufbe- 



170 333 

wahrt und der Schlüssel zu dem bergsaal unter einem rosen- 322 
busch verborgen (Iduna lOtes heft, 269). nach Geyer (Svea 
Rikes häfder 1, 118) heiszt der felsen, wo der schätz liegen 
soll, Garphytteklint. 

2) Von Wieland und Wittich. [Haupts zs. 12, 264.] 

a) In Werend nennt das volk noch heut zu tag einen 
groszen felsen auf einer insel in der see bei Alletorp in Kinne- 
valldshärrad Verlehall^ und behauptet, da sei Yerlands schmiede 
gewesen (Geyer 1, 304). 

b) Die bewohner von Velandsherrad in Schonen leiten 
den namen ihres orts von Velands aufenthalt daselbst ab und 
und führen seines sohnes Wittich wappen, hammer und zange 
(vgl. s. 268) im siegel. grosze steine bei Sisebäck bezeichnen 
sein grab (Bring, monim. Scaniae 36, 302. sagenbibl. 2, 170. 
!Edda Saem. 3, 857). (abgebildet in Sjöborgs samlingar 2, 48. 
fig. 76.) 

c) VeUev By im stifl Aarhus leitet ebenfalls seinen namen 
von Verland ab, dessen grab sich da befinden und der die 
kirche dort gebaut haben soll (Pontoppidan Atlas Dan. 4, 857.) 

d) Auf Seeland eine meile von Roeskild bei Birkeby findet 
sich das grab des riesen Langbein, den Vidrich erschlug, und 
eine berghöhle gilt far sein haus, ein anderer hügel daselbst 
heiszt Vidrik Verlofs oder Videdys grab (Danske viser. 1787. 
vorr. 3. 8. sagenbibl. 2, 250). 

e) Vidriks grab soll auch bei Grosby in Bahuslehn liegen 
(ödmann over Bahuslehn 173 — 186). 

f) In Island (vgl. s. 388) bezeichnet man einen kunst- 
reichen Schmied durch den ausdruck: hann er Yölundr ä jam, 
a guU oc silfr (Edda SaBm. 2. 14. anm. 30. vgl. sagenbibl. 
2, 170). 

[3) In einem norwegischen märchen (Asbiörnsen und Mone, 
Norske folkeeventyr nr. 24) nennt sich der eine zwiUingsbru- 
der kong Lavring. das dänische Volksbuch von Laurin musz 
also auch in Norwegen bekannt gewesen sein. s. DHB. 1, xl.] 



170. 

Englische sage. [ZE. 6.] 

In Berkshire, nicht weit von White horse hill, in der 
nähe von Ashdown, befindet sich ein altes steindenkmal, wo 
vordem, nach der sage der bpwohner, ein unsichtbarer schmied 
wohnte ; wenn eines reisenden pferd ein hufeisen verloren hatte, 
so brauchte man es blosz dorthin zu bringen, ein stück geld 



323 



334 171. 172 

I 

823 auf den stein zu legen und auf eine kurze zeit sich zu ent- 
fernen, kam man zurück^ so war das geld weg und das 
pferd neu beschlagen, der unsichtbare hiesz Wayland-SmüL 
(F. Wiae letter to Dr. Mead concerning some antiquities in 
Berkshire. Oxford 1738. Conybeare 237.) (Boethius^ Lond. 
1829. s. 416.) 

P. E. Müller bemerkt hierzu (sagenbibl. 2, 162. 163), dasz 
an dieser stelle eine schlacht zwischen Alfred und den Dänen 
871 vorgefallen sei; und da ein berühmter normannischer an- 
flihrer, der 861 — 862 Frankreich verheerte und 863 in einem 
Zweikampf blieb, Veland hiesz, so könne durch eine Verwechse- 
lung der kriegszüge die sage den tod jenes Velands in die 
Schlacht von Ashdown versetzt und an diesen geschichtlichen 
namen hernach den schmied Veland der dichtung geknüpft 
haben. 



171. 



Deutsche sagen. 



Das noch jetzt durch die Überlieferung lebendig erhaltene 
ist in den hausmärchen nr. 90 — 95 zusammengestellt und er- 
läutert, es betrifft Siegfrieds heldennatur, seinen aufenthalt bei 
dem Schmidt, die befreiung der Kriemhild vom drachenstein, 
die erlösung der Brünhild auf dem flammenberg, vorzüglich 
aber die theilung des Nibelungehortes. [über Siegfried s. 
ZE. 32*; über Dietrich ZE. 60.] 



172. 

Wappen der stadt Alzei (Storck darstellungen aus dem 
Rhein- und Mosellande 1, 258). (vgl. unten s. 355.) 

'Sie fiihrt im wappen und siegel einen aufrecht stehenden 
gekrönten löwen der eine geige in den klauen hält. die geige 
scheint allein das frühere wappen gewesen zu sein, denn der 
(pfalzische) löwe wurde erst mit der geige vereinigt, als herzog 
Konrad von Hohenstaufen durch kaiser Friedrich I. mit der 
pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt wurde, sein eidam^ pfalzgraf 
Heinrich, nennt den truchsesz von Alzei in einem lehnbriefe 
824 von 1209 und in einer andern Urkunde von 1211 seinen dienst- 



* bei Panzer (beitrag zur deutschen mythol. I s. 110. 163. 205 und dem 
m'archen in der Germania 8, 373 ist die reinheit und echtheit der Überlieferang 
ans nahe liegenden gründen mindestens zweifelhaft. 



172 335 

mann, dieser truchsesz aber und Winter von Alzei, deren 824 
noch einer im jähr 1434 als burggraf von Alzei genannt wird, 
führte^n Hie geige im wappen. im jähr 1305 kauften die pfalz- 
grafen von den gebrüdern Werner und Eonrad truchsessen von 
Alzei ihren theil an der dasigen burg.®^ 

Um des wappens willen hieszen die Alzeier in der ganzen 
gegend spottweise die Fiedeler.^ 

(Lepsius sphragistische aphorismen, 2. heft.) [Vgl. ZE. 26, 
5. 39; Haupts zs. 12, 359. 416.] 

^' wahrscheinlich entlehnt aus J. Gosw. Widder beschreibang der Pfalz 
3, 19. 38. Tgl. 4, 410. 



325 ZEUGNISSE ÜBER DAS GEDICHT VON GUDRUN. 



1) Der mündlichen Überlieferung T^rd gedacht: also ist 
uns geaeit 33. 663. 1351; ja saget man daz 2195, vgl. 5890; 
80 wir hceren sagen 85. 149. 1152. 6001; auch ihrer begrän- 
zung: wir künnen daz niht bescheiden noch wizzens niht ze 
sagen 1143. dagegen einmal: als uns diu buoch kunt tuont 2019. 

2) Beziehungen auf frühere bcgebenheiten lassen andere zu 
dieser sage gehörige gedichte vermuten. 

a) Wate, von Hettel berufen, wird mit folgenden Worten 
empfangen : 

943. Her Wate sit willekomen. daz ich iuch nit ensach, 

des ist nü lange zite, daz wir ensamt [wären und] säzen^ 
da wir uns urliuges uf unser widerwinnen vermäzen. 

Wate hatte die heilkunst gelernt: 

2116. sie haßten in hinger zite da vor wol vernomen, 
daz Wate arzet wcere von eime wilden wtbe. 

b) Hartmut wirbt vergeblich um Gudrun. 

2439. Do sprach vrou Hilde: wie laege sie im bi? 
ez leck min vater Hagene hundert unde dri 
sinem vater bürge da ze Kdradine: 
diu lehen nsemen übele von Ludewiges hende die mäge 

mine. 
Er gesaz in Frideschotten, da gedienet er daz, 
daz im des küniges Otten bruoder wart gehaz^ 
der ouch lehen hcete von Hagenen mime herren. 

Wie dieser könig OUe nur hier vorkommt, so sind auch 
die ereignisse, worauf angespielt wird, weiter nicht bekannt. 
Nochmals wird Hartmut als vasall von Hagen bezeichnet. 

3275. Do sprach der forste Hetel: darumbe daz ich verzech 
im min schoene tochter, wol weste ich daz im lech^ 

* Haupts zs. 2, 2 ff. 380. 6, 62 ff. ZE. 19. (dazu zs. 12, 386.) Germania 
10, 476. die mittheilang in der Germania 12, 220 f. beruht nur auf einer 
Selbsttäuschung. 



173 337 

dem künige uz Ormanie^ Hagene sin lant; 826 

darum be was Gudrun hin ze im nach ^ren niht gewant. 

c) Auch Hildburg scheint ein eigenes Schicksal gehabt zu 
haben, von dem wir nur andeutungen vernehmen. Hetel empfängt 
Hilde mit ihren Jungfrauen. 

1936. Da was einiu under, diu moht vil wol sin 

geborn von küniges künne; sie was von riehen mdgen, 
sie was der vrouwen einiu, die lange bi den grifen lägen, 
diu was geheizen Hüdeburc. frö Hilde Hagnen wip 
diu haßt erzogen nach eren iren tugenthaften lip. 
sie was von Portegdle geborn uz dem lande. 

Sie heiszt auch Hildeburg diu edele von Galitzenlande 
(4787), uz fremden landen (6339). 

d) Wie Horand seinen kunstreichen gesang erlernte, mochte 
auch in einer andern sage beschrieben sein. 

1577. D6 huop (er) ein wise diu was von Amile, 
die gelernte nie cristenmensche sit noch e, 
wan daz er sie h&rte üf dem wildsn sS. 

3) Das nördliche Deutschland, Friesland, Dietmarsen, Dä- 
nemark, Seeland, Irland, Normandie, sind der Schauplatz der 
begebenheiten und einem mit dem meer und der schiffiahrt ver- 
trauten Volke gehört die sage in dieser gestalt an. darum sind 
auch ferne welttheile bekannt: Indien und, was ich hervorhebe, 
Alzabe (2315. 2671. 2680. 2692. 2877. 3343) oder Mohrenland 
(2319. 2329. 2733) in Arabien (6356, vgl. 5305), denn dasz 
dieser name den dichtungen schon längst bekannt sei, zeigen 
im Biterolf (1161) pfelle üz Azzabe^ wie auch hier einmal (6768) 
geschrieben steht, gleicherweise wird seide und ein stein von 
Abalte (3458. 4994) erwähnt, wie im Biterolf wät von Abaltn 
(1155). 

4) Die macht von Horands gesange wird mehrmals be- 
schrieben. 

1415. Do sich diu naht verendet und ez begunde tagen, 
Horant begunde singen, daz da bt in den hagen^ 
geswigen alle vögele von sinem süezen sänge. 
die liute die da sliefen die lagen do niht lange. 

1523. Des wilden Hagenen tohter und ouch ir magedtn, 
die s&zen und loseten, daz diu vogelm 
vergäzen ir doene üf dem hofe fröne. 

1555. Diu tier in dem walde ir weide liezen sten^ 8i7 

die würme die da soMen in dem grase gSn^ 
die vische die da solden in dem wage vliezen 
die liezen ir geferte. 

WX&H. 0BIKM, DBOTSOHI HILDBMfAOB. 22 



338 — na — 

827 Ganz ähnlich beschreibt ein dänisches lied (Danske viser 
1, 235) den zauber eines elfenliedes: 

4. Den ene begyndte en vise at qvaade 
saa favrt over alle quinder, 
striden ström der stiltes derved, 
som fbrre var vant at rinde. 

Striden ström den stiltes derved, 
som förre var vant at rinde; 
alle smaa fiske i floden svam, 
de legte med deres finde. 

Alle de fiske i floden var' 
de legte med deres hale, 
alle smaa fugle i skoven var' 
begyndte at qvidre i dale. 

5) Im norden finden vnv ein stück des gedichts, nämlich 
entfthning der Hilde Hagens tdchter, Verfolgung des räubers 
und kämpf zwischen ihm und dem vater, als eigene f&r sich 
bestehende sage mit einem eigenthümlichen schlusz. so häufig 
beziehungen darauf, so kommt doch keine auf einen andern 
theil unseres gedichts vor. 

a) Ich stelle die Snorraedda (163. 164 Rask) voran, die 
zwar nicht die älteste, aber die vollständigste erzählung enthält 
konüngr sä er Hogni er nefhdr ätti dottr er Hilldr het, hana 
toc at herfangi konüngr sä er Hepinn het Hiarranda son^ pä 
var Högni konüngr farinn i konünga stefnu, en er hann spurpi 
at heriat var i riki hannz oc dottir hannz var i braut tekin, pä 
för hann mep sinn lipi at leita Hepins oc spurpi til hannz at 
Hepinn hafpi siglt norpr mep landi. pä er Högni konüngr 
kom i Noreg, spurpi hann at Hepinn hafpi siglt vestr of haf, 
pä siglir Högni eptir honum allt til Orkneyia; oc er hann kom 
par sem heitir Häey, var par firir Hepinn mep lip sitt. pa 
för Hilldr ä fund föpur sins oc baup honum men (i) saett af 
hendi Hepins en i ödru orpi sagpi hon at Hepinn vaeri büinn 
at beriaz oc aetti Högni af honum öngrar vaegpar van. Högni 
svarar stirt dottur sinni en er hon hitti Hepin, sagpi hon honum 
at Högni vildi önga saBtt oc bap hann büaz til orostu oc sva 
328 gera peir tveggiu, gänga upp ä eyna oc fylkia lipinu, pä kallar 
Hepinn ä Högna mag sinn oc baup honum sa&tt oc mikit gall 
ä bötum. pä svarar Högni: ofsip bauptu petta, ef pü vill 
saettaz, pvi at nü hefi ec dregit Ddinsleif^ er dvergamir gerpu, 
er mannz bani skal verpa hvert sinn er bert er, oc aldri bilar 
1 höggi, oc ecki sär grasr ef par skeiniz af. pä svarar Hepinn: 
sverpi haslir pü par, enn ei sigri; pat kalla ec gott hvert er 
drottinhollt er. pä hofo peir orostu p^, er Hiapmnga v^g er 



— : 173 889 

kallat, oc börpuz pann dag allan, oc at qveldi föru konüngarsss 
til skipa. en Hilldr geck of nottina til valsins oc vakpi upp 
mep fiölkyiigi alla pk er daupir vom, oc annan dag gengu 
konüngarnir ä vigvöUin oc börpuz oc svä allir peir er fellu 
hinn fyrra daginn. For sv4 sü orosta hvern dag eptir annan, 
at allir peir er fellu oc oll vapn, pau er lägu ä. vigvelli oc svä 
hlifar urpu at grioti. en er dagapi stopu upp allir daupir 
menn oc börpuz oc öU vapn voru pa nyt. svä er sagt i qvae- 
|>am at Hiapningar skulu svä bipa ragnarökrs. 

b) Aber schon Bragi der aüe^ der vor Harald dem schön- 
haarigen (853 — 936) lebte, spielt in Ragnars dräp, wovon ein 
Stück in der Snorraedda (165) erhalten ist, auf den kämpf 
zwischen Högni und Hedin an, dessen veranlassung ein böses 
zauberweib war, womit die jeden tag beide zu neuem kämpf 
erweckende Hüde gemeint ist. 

c) Hieran schlieszen sich eine reihe aus dieser sage ent- 
sprungener kenningar von Biarkamal an bis zu Thiodolf im 
Uten Jahrhundert, aus welchen sich ihre Verbreitung, sonst aber 
nichts neues ergibt, sie sind von P. E. Müller in der sagen- 
bibl. 2, 574, 575 und in den Untersuchungen über Saxo 67. 68 
gesammelt. 

d) Eigenthümliches enthält die darstellung der sage bei 
i^axo (5, 89. 90 [Müller s. 238]; vgl. sagenbibl. 2, 575. 576, 
über Saxo 57). beide, Högni und Hedin, sind zuvor eng ver- 
bundene freunde. Hedin wird mit Högnis tochter verlobt, aber 
eines verbotenen Umgangs mit ihr vor der hochzeit beschuldigt; 
der aufgebrachte Högni kämpft mit ihm und besiegt ihn, schenkt 
ihm aber das leben, doch nach sieben jähren wird auf Hedinsei 
der kämpf erneuert und beide beiden fallen. Saxo fögt hinzu, 
der sage nach habe Hilde aus Sehnsucht nach Hedin jede nacht 
die erschlagenen durch gesang zu neuem kämpfe aufgeweckt. 

e) Weit mehr verändert ist die fabel in der Hedins und 829 
Hognia saga aus dem 13ten oder 14ten Jahrhundert (vgl. sagen- 
bibl. 2, 572. 573). da sie auf diesem besondern weg von 
unserm gedieht sich noch weiter entfernt hat, so ist eine ge- 
nauere betrachtung hier überflüszig. 

Auszer dem abweichenden ende der sage, welches ohnehin 
in dem deutschen gedichte den Zusammenhang zerstören würde, 
ist das anders gestellte Verhältnis Hedins zu bemerken, der 
aicht ftr seinen herm, sondern flir sich selbst die Hilde ent- 
Ibhrt und dessen vater den namen trägt, den ihm das deutsche 
redicht ertheilt. auffallend ist, dasz der wundervolle gesang 
Borands, worauf unsere sage so groszes gewicht legt, gänzlich 
fehlt, zwar kommt in der wahrscheinlich im 14ten Jahrhundert 
erdichteten Herrauds und Bosasaga (c. 11. p. 50) folgende stelle 
^or: slö bann pä Gyarslag, Drambuslag oc Hieranda hliod 
liop). ob der ausdruck aus der deutschen sage hinüber ge- 

22* 



340 173 

329 kommen, oder auch im norden zu hause war, oder endlich ein 
bloszes misverständnis von dem in den echten sagen häufig ge- 
brauchten t heyranda hliopi (uno tantum andiente) ist, musz ich 
unentschieden lassen. 

6) Mit dem Biterolf gemeinschaftliche namen arabischer 
orte, wahrscheinlich handelsplätze, sind schon vorhin angemerkt, 
noch ein anderer Zusammenhang erscheint mit dem im Biterolf 
(vgl. oben 133. 134) angedeuteten gedichte von Herbort, wo, 
wie hier Hartmuot von Ormante (Normandie) und dessen vater 
Ludewig auftreten, waren die beiden sagen auf eine bis jetzt 
noch unbekannte weise aneinander geknüpft, oder hat ein bloszes 
vertauschen der namen auf einer seile statt geftinden? im Bi- 
terolf heiszt wie in der Klage (oben 113) Hartmuts Schwester 
Uildehurg^ hier Ortrün. 

7) Ich lasse nun die äuszem Zeugnisse folgen. 

a) In dem angelsächsischen gedieht, aus welchem schon 
oben (s. 20. 21) stellen mitgetheilt sind, findet sich auch eine 
hierher gehörige (Conyb. 243): 

— secgan wille 

paßt ic hwile waes heo Deninga (I. Heodeninga) scop^ 
dryhtne dyre. Me waes Deor nama. 
Ahte ic fela wintra folgap tilne 

330 holdne hlaford, oppe paet Heorrenda nü 
leopcrcefUg mon londriht gepah, 

paßt me eorla hleo aer gesealde. 

sagen will ich, 

dasz ich einst war der Hedninge dichter 

dem fiirsten werth. ich ward Deor (d. i. thier) genannt 

viele jähre hatte ich ein gutes amt, ^ 

holden herrn, bis Herrenda 

der liederkundige mann das amt (gut) empfieng, 

das mir der edlen Zuflucht (der herr) vordem gegeben hatte. 

Eorand und sein kunstreicher gesang beweisen eine bezi^ 
hung auf die deutsche sage, die Hiadninge nennt die Edda 
und zwar, als würden die beiden kämpfenden Högni und Hedin 
darunter verstanden; wer hier darunter gemeint wird, bleibt 
dunkel und nur so viel scheint gewisz, nicht Horand. [Haupts 
zs. 11, 277.] 

b) Lambrechts Alexander: 

16*. von einen volcwige höre wir sagen, 
der üf Wlpinwerde gescachy 
dar Hilden vater tot lach 
inzwischen Hagenen unde Waten; 
der ne mohte sih hizuo niht gegaten. 



173 341 

Herwich unde Wolfram 330 

ne mohten ime niwit gelich sin. 

Die namen finden sich, bis auf einen, alle in unserm ge- 
dickte wieder, auch der Wulpenwe^^ zweimal (3534. 3590), 
neben dem häufigem: wert uf dem Wulpensande (3238. 3391. 
3486. 3796. 3801. 4485. 4483). [Haupts zs. 2, 4.] der feh- 
lende name ist Wolfram^ aber ich zweifle nicht, er verdankt 
sein dasein hier nur einem irrthum, das beweist schon der 
mangehide reim; Herwigs kriegsgenosz war Ortwtn^ und so 
musz gelesen werden. 

Aber die angaben selbst stimmen nicht, vorerst statt 
Hilden vater müste Gudrunen vater stehen, zwar verfolgte 
auch Hagen, der Hilde vater, den Hettel, der ihm seine tochter 
geraubt hatte, doch sie kämpfen in Waleis und Hagen ward 
nicht getödtet, sondern es kam zu einer Versöhnung, dagegen 
auf dem Wulpensant ward eine furchtbare Schlacht geliefert 
zwischen Hettel und Hartmut, dem räuber seiner tochter Gud- 
run, und darin fiel Hettel, hierauf bezieht sich also sicher das 
Zeugnis; aber nun weisz das gedieht nichts davon, dasz Wate, 
Hettels mann, der allerdings damals mit kämpfte, geblieben sei, 331 
im gegentheil er rächt späterhin seinen herrn. noch weniger 
begreift man, was Hagen (der Schwiegervater des Hettel, der 
einzige Hagen, der in dem gedichte vorkommt) hier soll, von 
dem längst nicht mehr die rede ist. ist also der text nicht 
verderbt oder verwirrte nicht Lambrecht selbst in der erinne- 
rung die beiden kämpfe, so wird eine ganz andere gestaltung 
der sage vorausgesetzt, und dabei ist nicht zu übersehen, dasz 
der toa von Hagen, dem vater der Hilde, wieder der erzählung 
der Edda gemäsz erscheint. 

c) Ich musz hier anmerken, dasz das oben (s. 55) ange- 
führte Zeugnis aus dem pfaffen Konrad auch auf die Gudrun 
kann^ bezogen werden, worin der aite Wate bei weitem als 
der wildeste kämpf er erscheint; ja, diese ansieht hat noch für 
sich, dasz den Wate der Dieterichtssage kein älteres gedieht 
nennt. 

d) Boppe (zweite hälfte des 13ten Jahrhunderts). M. S. 2, 
233. 234: 

Haßt ich des küneges Salomönes wisheit ganz, 
und Absolones schoene da bi sunder schranz, 
und gewalt des riehen küniges Davides, 
waere ich noch sterker danne sih was Samson, 
künde ich vür bringen als Horant aüezen don 
und wsere gewaltic alles goltgesmides. 

* 'musz, weil Ogier und Wate beide aus Dänemark'. Jacob Grimm, 
[Haupts 28. 2, bJ] 



842 178 

m e) Wemsehwelg (A. W. 3, 23): 

276. er singet so wol, daz Uorant 

daz dritte teü nie so wol gesanc. 

f) Wartburger krieg (M. S. 2, 11): 

Da sach man den von Eschelbach, 

als man Horanden vor der künegin MUden sach, 

* 

g) Morolf 800. waer ich als wise als du, Salomön, 

und waere als schcene als Absolön, 

und sunge als wol als Horant (Herant alt. dr.)^^. 

382 h) Der groszyater der Bilde, Gudrunens mutter, heiszi 
Sigebant von Eierlant; merkwürdigerweise erscheint dieser name 
auch in der Rabenschlacht (248), wo ein held Sigebant von 
lerlant aufgeführt wird, ich zweifle nicht, er ist aus unserm 
gedieht durch vermittelung der lebendigen sage dorthin über- 
gegangen, [vgl. s. 192.] 

^® die Zeugnisse d — g sind in den altd. wäldern 3, «31 schon vor auffin- 
dang der Gudrun von Jacob Grimm zusammen gestellt worden. [Haupts u. 
2, 4. ZE. 19, 1. 47, 3. 48. 51. im anzeiger für künde der deutschen voneit 
1862 nr. 10 schreibt ein Adelbert Heinrich Horand *über österreichische en- 
Unten'.] 



L 



URSPRUNG UND FORTBILDUNG. 



1. 385 

Die sage folgt der entwickelung des menschlichen geistes 
oder, vielmehr, sie begleitet ihn von einer stufe zur andern, 
in diesem fortgange kann sie alles, was ein volk geistig be- 
sitzt, himmlisches wie irdisches, berühren und in sich aufneh- 
men, dieses Verhältnis gestattet nicht ihren inhalt anders, als 
auf solche allgemeine weise zu bestimmen; doch scheint bei 
selbständigen, in ruhigem imd abgeschlossenem dasein verhar- 
renden Völkern ernste betrachtung des übersinnlichen das erste 
bedürfnis des erwachten geistes gewesen zu sein, als durch 
äuszere einwirkungen mannigfaltigkeit des lebens entstand, die 
den einzelnen auszeichnete und zu eigenthümlicher thätigkeit 
anregte, mochte die sage vorzugsweise zur verherlichung irdi- 
scher ereignisse sich geneigt fühlen, wir unterscheiden daher 
götter- und heldensage und nehmen eine spätere entstehung oder 
ausbildung der letzteren an, deren keime gleichwohl neben der 
erstem können vorhanden gewesen sein. 

Die dichtungen, welche die heldensage überliefern, stamme 
sie aus dem griechischen oder indischen alterthume, aus der 
Vorzeit der Deutschen,* Galen, Slawen, oder aus den christ^ 
lieben Jahrhunderten romanischer Völker, sie unterscheiden sich 
zwar durch grosze Verschiedenheit des inhaltes wie der dar- 
stellung, dennoch aber geht ein verwandter geist durch alle 
hin und lässt uns eine gemeinsame natur erkennen, wimder- 
bare werke ungenannter dichter, erfiült von reinster poesie, 
schlicht und zwanglos, tiefsinnig und unausmeszbar, bewahren 
sie das bild eines jugendlichen, in unverletzter sitte kraftvoll 
blühenden lebens. sie verkündigen zugleich den Untergang 
dieser herlichkeit und es scheint nicht, als ob spätere, wenn 
auch in anderer hinsieht geistig begabte zeiten, in welchen jener 
einfache zustand und das gefühl frischer Jugend verschwunden 
ist, fähig seien, werke dieser art hervorzubringen. 

Zu einer genauen, durch allgemeine betrachtungen nicht 
zufrieden gestellten einsieht in die natur des epos den weg zu 



346 1 

385 bahnen, dünkt mich eine würdige aufgäbe, noch sind wir nicht 
im Stande, die ersten und wichtigsten fragen zu beantworten, 
die erscheinung Homers, selbst nach so ausgezeichneten unter- 

336 suchungen, darf man noch immer räthselhaft nennen, wissen 
wir, ob die gesänge der rhapsoden übrig gebliebene, überarbei- 
tete oder erweiterte stücke eines früher wirklich vorhandenen 
groszen ganzen, oder ob es ursprünglich solche einzelne brach- 
stücke waren, die in dem bewustsein des Volkes ihren Zusam- 
menhang fanden? selbst der streit über die eigentliche heimat, 
oder den grund und boden, in welchem das unsterbliche ge- 
dieht keimte, ruht noch unentschieden, die Untersuchung ist 
dort auf das einzige werk angewiesen und deshalb so schwie- 
rig, von dem deutschen epos hat sich dagegen ein reicher 
cyklus, des bedeutendsten wenigstens ein groszer theil erhalten; 
und, was wir vielleicht noch höher anschlagen dürfen, wir ge- 
nieszen den vortheil die Veränderungen der sage in denkmälem 
beobachten zu können, welche von den ersten spuren bis zu 
dem völligen verschwinden den räum von etwa tausend jähren 
einnehmen, es gibt kein anderes volk, das sich dieses vortheils 
in solcher ausdehnung erfreue ; für uns liegt die mahnung dann, 
innerhalb dieser gränze und vorerst ohne rücksicht auf andere 
Völker, die resultate zu suchen, welche sich aus betrachtung 
eines so glücklichen Verhältnisses ergeben müssen. 

Unter den verschiedenen, über Ursprung und fortbildung 
der deutschen heldengedichte geäuszerten meinungen haben sich 
zwei geltend zu machen gesucht, die einander geradezu ent- 
gegen stehen, die eine findet den eigentlichen inhalt in der 
älteren göttersage, und nimmt an, dasz diese bei längerer fort- 
dauer sich mehr verhüllt, irdisch und sinnlich umgesüJtet habe, 
die andere hält geschichtliche Wahrheit für die erste grundlage, 
nur mit freier phantasie ausgebildet und durch die zuthat des 
wunderbaren geschmückt, ohne zweifei haben einzelne Wahr- 
nehmungen auf diese ansichten geleitet^ aber auf jeder seite 
stellt sich, so lange man unbefangen bleibt, sehr bsdd das ge- 
föhl des unzulänglichen und völlig unhaltbaren ein. will man 
nur den ausdruck geistiger Vorstellungen finden, so musz man 
den das ganze beherschenden gedanken immer weiter und all- 
gemeiner fassen; bei dieser allgemeinheit aber verschwindet der 
inhalt der sage unter den bänden oder zerflieszt in eine un- 
förmliche, leblose masse. wenn Siegfried zugleich Dieterich 
ist, als Baidur die nordische, als Sonnengott auch die griechi- 
sche mythologie in anspruch nimmt, so schwankt überall der 
boden, und der stolzen aussieht von der höhe bleibt zuletzt 
nichts mehr übrig, als eine graue, unübersehbare ferne, die 
historische erklärung scheint sicherer zu gehen, aber schon nach 

337 wenig schritten musz sie auf ihrer bahn einhalten, mehr als 
ein paar historische namen kann sie nicht nachweisen; sie sieht 



— 2 — 347 

sidi genötbigt, auf zukünftige entdeekungen zu hoffen, bis da-8S7 
hin aber allgemeinen Sätzen zu vertrauen. 

Ich eatsAge gerne dem yortheil, eine vorausgewiählte an- 
sieht in die mitte zu stellen, oder mit dem glänzenden Schwerte 
eines sinnreichen einfalls auf den kuoten loszuhauen, ich theile 
hier ^e reihe von beobachtungen mit, die aus betrachtung der 
denkmäler selbst hervorgegangen sind und die mir tauglich 
scheinen, aufklärung über das wesen der sage za geben, auf 
diesem wege sollen wir, glaube ich, dem noch unerforschten 
ziele näher rücken, und dieser versuch wird verdienstlich sein, 
wenn er nur von der richtigkeit des weges überzeugt. 



2. 

Eine übersieht sämmtlicher sagen unseres fabelkreiszes, wie 
sie sich in den erhaltenen werken darstellen, musz ich, mit an- 
deutung ihres inhalts, vorangehen lassen, ich benutze dabei 
die nordischen denkmäler (über deren Verhältnis zur deutschen 
quelle ich mich oben hinlänglich erklärt habe) und die Yilkina 
saga nur da, wo sich kein entsprechendes deutsches gedieht 
vorfindet. 

1. Siegfrieds ahnen. Yölsung, Siges enkel, Sigurds grosz- 
vater, wird erzeugt, nachdem Odin seinem vater ßerir einen 
fruchtbringenden apfel gesendet hat. er wird nicht geboren, 
sondern, schon sechs jähre alt, aus mutterleib geschnitten. Völ- 
sungs berühmtester söhn, Siegmund, nimmt, ohne sie zu ken- 
nen, seine Schwester Signe bei sich auf; ihr söhn ist Sinfiötle. 
beide, vater und söhn, nachdem sie eine zeit lang, in wölfe 
verwandelt, ein wildes, thierisches leben geführt, rächen an Sig- 
geir, dem gemahl der Signe, den tod Yölsungs. Sinfiötle wird 
von seiner Stiefmutter Borghild durch einen trank vergiftet; 
Siegmund vermählt sich hierauf mit Hiordis, und diese gebiert, 
doch erst nach seinem tode, den Sigurd. 

2. Siegfried, die sage von ihm zerfällt in zwei, eigentlich 
drei theile. der erste, in dem liede von Siegfried befasst seine 
Jugend, den aufenthalt bei dem schmied, die besiegung des 
drachen und den erwerb des hortes; der zweite, in der vordem 
Jidlfte des Nibelungeliedes ^ sein verweilen bei den rheinischen 
königen, den besuch bei Brünhild, um sie in Günthers bände 
zu liefern, seine Verheiratung mit Elriemhild und seinen tod. 
endlich in der letzten hälfte der Nihelunge noih die Verbindung 338 
der wittwe mit Etzel, einladu^g der bxüder ins Hünenland, um 
Siegfrieds movA, zu rächen, und der Untergang der dort ver- 
sam^zelten beiden. — hierw schlieszit sich wohl die Klage üb^ 
die gebliebenen äuszerlich an, indessen konnte sie auch zur 
I>ie.teri,ch/3sage gerechnet werd^, w,eji;m man desse;» heimkehr 



348 2 

388 in sein lange verlassenes reich als das wichtigste ereignis darin 
betrachtet. 

3. Dieterich und Ermenrich, vorangehen müste freilich 
das aedicht von den ahnen ^ dürfte man nur etwas mehr echte 
überliefenmg darin vermuten. 

In die zeit, wo Dieterich mit seinem oheim Ermenrich 
noch in guten einverständnis lebt, also in seine erste Jugend, 
föUt eine reihe von gedichten. a) Grim und Hüde. Dieterich 
und Hildebrand besiegen einen riesen und sein weib, bei wel- 
chen sie köstliche waffen und schätze finden. — b) Ecken aus- 
fahrt, der gegen Dieterich ausgeschickte held Ecke wird von 
ihm überwunden und getödtet, Fasold, dessen bruder, unter- 
wirft sich. — c) Rosengarten, auf anreizung der Kriemhild 
stellt sich Dieterich mit seinen beiden dem Siegfried und den 
rheinischen königen entgegen und behält die oberhand. — d) 
Dieterichs drachenkämpfe, der Berner und Hildebrand, indem 
sie eine königin in Tirol aus der gewalt eines beiden befreien, 
bekämpfen bei dieser gelegenheit riesen und drachen. — e) 
Siegenot Dieterich wird nach hartnäckigem widerstand von 
dem riesen Siegenot überwältigt und in eine höhle geworfen. 
Hildebrand erfahrt ein gleiches geschick, doch gelingt es ihm 
den riesen zu tödten und seinen herrn zu befreien. — f) Laurin, 
Dieterich und einige seiner beiden gerathen in die gewalt des 
Zwergenkönigs Laurin, den sie bei ihrer befreiung aus seinem 
unterirdischen reich mit nach Bern fähren, ein zug dahin, den 
Walbaran, Laurins verwandter, seinetwegen unternimmt, wird 
in der fortsetzung des gedichts beschrieben. — g) endlich ge- 
hört hierher das verlorne gedieht (s. 174) vom zwerg Goldemar, 
aus dessen bänden Dieterich die Hertlin, eines königs tochter, 
erlöst und mit welcher er sich vermählt. 

Die feindschaft zvnschen Dieterich und Ermenrich wird 
eingeleitet durch Sibichs räche. Ermenrich hat Sibichs frau 
gewalt angethan. sichere räche zu erlangen, verbirgt der ge- 
kränkte seinen zorn und verleitet den kaiser durch arglistige 
rathschläge, sich selbst in seinem eigenen geschlecht zu ver- 
nichten, schon hat JErmenrich den söhn und die Harlunge, 
seine neffen, gemordet, jetzt kommt die reihe an Dieterich. 

389 hier hebt eigentiich das gedieht von der . Flucht an. der Bemer, 
nur von den Wölfingen begleitet, entflieht vor Ermenrich ins 
Hünenland zu Etzel und Herche. die hünische königin gibt 
ihm ihre nichte Herrad zu frau und er nimmt theil an Etzels 
kriegsfahrten. dann zieht er, sein väterliches reich vrieder.zu 
erobern, mit dem beer seines Beschützers aus Hünenland in die 
Lombardei, die furchtbare Rabenschlacht^ den tod beider söhne 
Etzels und des jungen Diethers durch Wittich beschreibt ein 
besonderes gedieht. Dietrich siegt, kehrt aber zu Etzel zurück. 
Alpharts tod durch Wittich, ein einzelnes ereignis, fallt auch 



2 349 

in diesen Zeitpunkt. Dieterich weilt noch lange bei Etzel, erst 339 
nach dreiszigj ähriger abwesenheit, nach der Nibelungeschlacht, 
gelangt er wieder zu dem besitz seines reichs. die Begegnung 
des alten Hildebrand und seines sohnes Hadebrand auf diesem 
zug in die heimat erzählt das Hildebrandslied, endlich die sage 
von seinem geheimnisreichen ende und dem untergange seiner 
beiden, auch Jörmunreka tod ist der gegenständ einer beson- 
dem dichtung: drei brüder rächen den mord ihrer schuldlosen 
Schwester, die er auf Sibichs grausamen rath von pferden hatte 
zertreten lassen. 

4. Etzel, er erobert sich Hünenland und fiberlässt seinem 
älteren bruder das väterliche reich, dann toirbt er um Herche, 
Oserichs tochter. sie wird ihm versagt, aber markgraf KCidiger 
kommt in einer Verkleidung an ihres vaters hof und entfahrt 
sie zu Etzel, der nun in fortwährender feindschaft mit Oserich 
lebt. — Etzels zug gegen Waldemar^ Oserichs bruder. Dietrich, 
Waidemars söhn, wird vom Berner gefangen, Herche heilt seine 
wunden, er entflieht, aber der Berner holt ihn ein und haut 
ihn nieder, grosze schlacht zwischen den Hünen und Russen, 
völliger Untergang Waidemars und eroberung von Buszland. — 
jetzt tritt Etzel, der als wittwer sich mit Kriemhild verheiratet, 
in die Siegfrieds sage ein. von seinem tod berichtet blosz die 
Yilkina saga (oben s. 128). 

Ein einzeln stehendes ereignis erzählt das gedieht von 
Etzels hoßialtung. eine Jungfrau, von einem ungeheuer verfolgt, 
flieht zu Etzel und wird durch des Bemers tapferkeit erlöst. 

5. Das leben der berühmtesten beiden Dieterichs sondert 
sich in einigen theilen als selbständige sage ab. a) Wittichs 
erste ausfahrt, von seinem vater, dem schmiede Wieland, for- 
dert er, weil seine mutter eine königstochter ist, ritterliche 
rüstung, und begibt sich auf den weg nach Bern zu Dieterich. 340 
er begebet dem alten Hildebrand und besteht mancherlei aben- 
theuer, bis er dort anlangt, er fordert den Dieterich zum Zwei- 
kampf und würde ihn, ohne Hildebrands vermittelung, mit dem 
Schwerte Mimung erschlagen haben, hierauf geht er in die 
Dieterichssage über, doch wieder ein besonderes gedieht scheint 
Wittichs ende, von dem Berner verfolgt, springt er in die see; 
dort empföngt ihn seine ahnfrau Wachilt, ein meerweib, und 
bringt ihn an sichere statte, aber Dieterich sucht ihn auf und 
tödtet ihn. — b) Heimes erste ausfahrt, er verlässt seinen 
vater, reitet nach Bern und fordert emen Zweikampf mit Die- 
terich, in welchem das schwert ihm zerspringt, jetzt erscheint 

er in der Dieterichs und Ermenrichs sage, fast immer in Wit- 
tichs gesellschafb. för sich besteht vrieder die erzählung von 
Heimes ende, mit Sibich verfeindet, entfernt er sich von Er- 
menrich und lebt lange in der wildnis. dann begibt er sich 
in ein kloster, verlässt es aber, um mit dem heimgekehrten 



350 2 

340 Dieterich wieder in sein» voriges* heldenleben zurück zu treten, 
ihn tödtet endlich der furchtbare > streich eines riesen. — c) 
Dtetleib. in der jugend unbeholfen und hintangesetzt, fordert 
er plötzlich von seinem vater Biterolf waffen und erhebt sich 
als gewaltiger held. abentheuer mit Siegfried von Griechen 
und dessen tochter. ül^ermütiges gastmabl bei Dieterich von 
Bern. Zweikampf mit Walther von Wasgenstein, den er be- 
siegt, einen völlig verschiedenen inhalt liefert das gedieht von 
Biterolf. Dietleib, noch ein kind, sucht seinen vater, den könig 
von Tolet, der sich unerkannt bei Etzel aufhält, von den rhei- 
nischen beiden auf seinem zuge dahin beleidigt, kommt hernach 
Dietleib mit Etzels ganzer macht, räche zu nehmen. — d) Wä- 
deber. in eine bärenhaut versteckt, lässt er sich von dem spiel- 
' mann Isung zu dem könige Oserich fahren*, in der absieht, 
den gefangenen Wittich zu befreien. — e) Herburt er soll flir 
Dieterich um die Hilde werben, aber sie verlangt ihn selbst 
zum manne, und er entführt sie ihrem vater. 

6. In ähnlichem Verhältnis zu Etzels sage stehen zwei 
andere beiden, a) Rüdiger, aus seiner heimat in Arabien ver- 
trieben, wovon die verlorne dichtung ausführlich reden mochte, 
wird er von Etzel aufgenommen und mit Bechelaren belehnt 
jetzt erscheint er in dessen sage. — b) Walther und HUdegund. 
an Etzels hof geisel, entflieht er mit der geliebten Hildegund 
nach seiner heimat und bekämpft auf dem Wasgenstein den 
könig Günther und dessen beiden, auch seinen freund Hagen, 
die sich ihm entgegenstellen. 

841 7. Samson. nachdem er eines grafen tochter entföhrt und 

ihren vater, der ihn verfolgte, getödtet hat, zündet er in einer 
nacht das waldschlosz an, worin könig Brunstein liegt und föUt 
ihn im kämpfe, er gelangt dann zur herzogs- endlich zur 
königswürde, erobert in seinem alter Bern und wird Stifter des 
dort gewaltigen herscherstammes. 

8. Wieland, riese Wade, söhn einer meerfrau, gibt seinen 
söhn Wieland erst bei Mime, dann bei zwergen in die lehre, 
die ihn zum kunstreichsten schmied machen. Wieland kommt 
zu dem könig Nidung, und besiegt im wettkampfe den schmied 
Amilias mit dem Schwerte Mimung. Nidung lässt ihn lähmen, 
aber Wieland rächt sich, indem er des königs beid# söhne 
tödtet und seine tochter entehrt, dann entflieht er in einem 
federkleid. — ein verlornes deutsches gedieht scheint manches 
eigenthümliche gehabt zu haben. 

9. Mime und Hertrich. die sage von diesen zwei berühm- 
ten schmieden, die zwölf Schwerter verfertigten, kennen wir mir 
aus einer andeutung. 

* vgl. den bar Wisselau des niederländischen gedichts s. 248. ühland 
in der Germania 6, 315. 320. 



3 351 

10. Iran und ApoUonius. als altes weib verkleidet, ent-Mi 
ibhrt ApoUonius die Herburg, tochter des fränkischen königs 
Salomon. dieser jagt in den wäJdem des ApoUonius und tödtet 
das wild darin, ein gleiches thun beide brüder in des königs 
wald. endlich wird Iran gefangen, aber von seiner frau aus* 
gelöst, nach ihrem tode fängt er einen liebeshandel mit der 
frau eines andern an und wird von dem ehemann erschlagen. 

11. Hertnit krieg mit könig Isung, den Hertnits zauber« 
kundige frau in drachengestalt sammt aUen seinen söhnen in 
der Schlacht tödtet. 

12. Oserich. gewalt über den ganzen norden erbt er von 
seinem vater Hertnit. er verlangt Oda, tochter des hünischen 
königs Melias, zur frau, aber Melias wirft die boten ins ge- 
fangnis; nicht besser geht es Oserichs bruderssöhnen. jetzt 
unternimmt Oserich, von seinen riesen begleitet, einen zug ins 
Hünenland und erscheint unter dem namen Dieterich vor Me- 
lias. aber dieser bleibt abgeneigt und entflieht, worauf Oserich 
sich mit Oda vermählt, dieselbe sage im könig Ruther, 

13. Otnit und Wolfdieterich. Otnit, kaiser in Lamparten, 
entführt mit beistand des zwergkönigs Alberich, der eigentlich 
sein vater ist, dem könige von Syrien seine tochter. dieser 
sendet ihm dafür drachen ins land, die ihn auch zuletzt um- 
bringen. Wolfdieterich, heimlich erzeugt, wird von seinen 
brüdem unter dem verwände unehelicher geburt aus Constan-342 
tinopel vertrieben, von einem wilden weibe bethÖrt und wieder 
entzaubert, kämpft er erst mit Otnit, wird dann sein freund und 
rächt, nachdem er von einer fahrt nach Jerusalem zurückge- 
kehrt ist, seinen tod an den drachen. er heiratet Otnits wittwe, 
besiegt seine brüder und befreit die gefangen gehaltenen dienst- 
leute. zuletzt geht er in ein kloster und kämpft vor seinem 
ende mit geistern. 

14. Ich nehme das gedieht von Gudrun^ obgleich es nicht 
in diesen kreisz .gehört, mit in die Untersuchung auf. zuerst 
Hagens entführung durch einen greif, rückkehr und Verheiratung, 
um Hilde, Hagens tochter, wirbt dann Hettel, raubt sie, ver- 
söhnt sich aber mit dem vater. nun beginnt die geschichte 
der Gudrun, beider tochter. Hartmut von Ormanie wirbt ver- 
geblich um ihre band, sie wird dem Herwig zugesagt, jener 
entführt sie mit gewalt und ihr vater Hettel fallt, als er dem 
räuber nachsetzt. Gudrun, nach langem aufenthalt in Ormanieland 
und harter behandlung, die sie aus treue gegen Herwig erduldet, 
wird endlich durch ihn und Ortwein, ihren brüder, erlöst. 

o. 

Neigung zu htsto^ischei* anlehnung und geographischen he- 
Stimmungen verrathen schon die ältesten denkmäler. ich ver- 



352 3 

342 stehe unter jener die annäherung und berührung der vorhan- 
denen sage mit der wirklichen geschichte. sie ist natürlich fQr 
eine zeit, welche zwischen poesie und historie nicht unterschei- 
det und in die Wahrheit der Überlieferung keinen zweifei setzt. 
die sage lässt dann geschichtliche beiden in ihr gebiet eintre- 
ten oder sie knüpft ihre erzählung an wirkliche begebenheiten. 
Übereinstimmung der namen kann eben so leicht Veranlassung 
gewesen sein, als ähnlichkeit der ereignisse, überhaupt mögen 
viele der hier möglichen falle eingetreten sein ; wir beschränken 
uns auf das, was nachweisbar ist. 

1. Die Siegfriedssage hat schon in der Edda, wie in den 
deutschen dichtungen, ihren sitz an dem Rhein, darin versucht 
der held sein schwert, darin wird der hört versenkt, der des- 
halb selber Rheines erz heiszt. wir haben keine Ursache eine 
vertauschung des namens vorauszusetzen, im gegentheil wegen 
Übereinstimmung beider quellen das recht, darin eine hinwei- 
sung auf die ursprüngliche heimat zu sehen. Worms und die 
fränkische herschaft^ die zuerst bei Eckehard (oben s. 29) vor- 

343 kommt, mag als nähere bestimmung später sich eingeftmden 
haben, da die ältere Edda nichts davon weisz. die beziehung 
auf das burgundische königshaus^ die daneben bestand und 
dauernder sich erhielt, war, wenigstens nach den Zeugnissen 
(oben s. 13) zu uriheilen, schon früher eingeführt, die auf- 
nähme Griselhers in die dichtung betrachte ich als eine folge 
davon; um ihm antheil an den begebenheiten zu verschaffen, 
wurde der aufenthalt der rheinischen könige zu Bechelaren auf 
ihrem zug ins Hünenland und die Verlobung mit Rüdigers toch- 
ter, deren name nur in der Klage zum Vorschein kommt, hin- 
zugeftkgt, wobei die absieht auf ein neues und rührendes Ver- 
hältnis in dem groszen kämpfe selbst hervorleuchtet, auf der 
andern seite scheint die allmählige entfernung Hagens aus dem 
königlichen geschlechte, von welcher in der Edda keine spur 
und die in der Nibelunge noth noch nicht vollbracht ist, aus 
dieser aufnähme der burgundischen namenreihe hervorgegangen 
zu sein, und da sie schon bei Eckehard entschieden ist (oben 
s. 29), der doch die könige fränkische nennt, so möchte in der 
that die burgundische anknüpfung die ältere sein, weitere folge 
dieser Zurücksetzung Hagens scheint mir auch die finstere und 
wilde bösartigkeit seines Charakters in dem Nibelungelied, welche 
den mord Siegfrieds, die feige und schändliche that, dem königs- 
sohne und schwager abzunehmen und ihm, der nach einem 
eddischen liede (Sig. III, 17. 18) sogar davon abräth, aufzu- 
bürden gestattete, viel bedeutender tödtet in der Edda Sigurd 
noch seinen mörder, den Guttorm, bevor er selbst zusammen- 
sinkt, und gewis ist dieser zug ursprünglich. Gemot, der in 
der deutschen sage Guttorms stelle vertritt, ist daher im gründe 
überflüssig geworden, späterhin gab wohl diese Veränderung 



3 353 

von Hagens Charakter veranlassung, Dieterichs dämonische ab- 348 
kunft auf ihn überzutragen (vgl. oben s. 105). 

2. Was Jemandes von Ermenrich erzählt, gehört der 
sage, nicht der geschichte an. wir könnten das vermuten, 
wenn auch der gothische geschichtschreiber nicht seine quelle 
selbst angegeben hätte, sonst freilich würde ein unwidersprech- 
liches beispiel von einer entwickelung des epos aus historischer 
grundlage vorhanden sein. der geschichtliche Ermenrich ist 
durch Ammian gesichert, und der glänz und die macht, die 
seine herschaft umgaben, erklären sehr wol die neigung der 
sage, sich den berühmten namen zuzueignen. Ammians andeu- 
tungen stimmen sonst in nichts zu dem inhalt der dichtung, ja 
bei der nachricht von Ermenrichs eigenthümlicher todesart (vgl. 
oben s. 8) sind wir im stände beides^ geschichte und sage, zu 
vergleichen und ihre völlige Verschiedenheit zu bemerken, die S44 
anknüpfung hatte also schon bei den Gothen zu Jemandes zeit 
statt gefunden, und da auch die Edda und das angelsächsische 
lied vom Wanderer das Gothenreich als Ermenrichs heimat be- 
trachten, so dürfen wir imbedenklich hier eine gothische sage 
annehmen. 

3. Dieterich ^ dessen Schicksal die dichtung so genau mit 
Ermenrichs verkettet, empfieng einen historischen anhält viel 
später, erst durch den ostgothischen könig Theodorich den 
groazen^ der um mehr als hundert jähre nach Ermenrich in 
der geschichte auftritt. die Übereinstimmung beschränkt sich 
auf ein paar namen, Dieterich, Dietmar und Amelung, die wir 
auf beiden Seiten finden, und es ist noch die frage, ob nicht 
vor berührung mit der geschichte schon diese ähnlichkeit zu- 
fällig vorhanden war. indessen scheint doch der name von 
Dieterichs Widersacher Otacher eine beziehung auf den von 
Theodorich besiegten Heruler könig Odoaker zu enthalten, zu- 
mal nur einige denkmäler von ihm wissen (vgl. oben s. 24. 32. 
37) und in andern der sagenhafte und, wie ich vermute, ältere 
Sibich unvertauscht sich zeigt. in den ereignissen selbst ist 
so wenig übereinstimmendes, dasz man sie gerade entgegenge- 
setzt nennen könnte, denn während die geschichte den ost- 
gothischen Theodorich als einen in allen Unternehmungen glück- 
lichen, in unbestrittener und glänzender Übermacht herschenden 
könig darstellt, sehen wir den Dieterich der sage von der ge- 
walt seines oheims unterdrückt, in beständigem kämpfe gegen 
sein hartes geschick den grösten theil seines lebens bei einem 
fremden könige zubringen; erst nach seines gegners tod wagt 
er in sein reich zurückzukehren, unter diesen umständen würde 
man vielleicht den Zusammenhang der sage mit der geschichte 
fiir ungewis halten, er wird jedoch unzweifelhaft durch die Ver- 
pflanzung jener nach Italien, namentlich nach Verona , dem 
sitze Theodorichs des groszen. eine Verpflanzung war es, denn 

WUH. GbIMM, DBÜT80HB HBLDBMSAOa* 23 



364 3 

344 zu Ermenrichs zeiten, am ende des vierten Jahrhunderts, 
konnten die Gothen noch nicht an die eroberung von Italien 
denken, ja ihre bewegungen begannen erst bei dem andränge 
der Hunnen, wodurch des hochbejahrten Ermenrichs Untergang 
herbeigeführt wurde, über die zeit, wo diese Veränderung von 
grund und boden in der sage eintrat, lässt sich nichts sagen, 
als dasz sie in dem Hildebrandsliede schon sichtbar, dagegen 
in einem wahrscheinlich etwas altern angelsächsischen zeugnis 
(oben s. 21) sehr ungewis ist. auf den inhalt muste sie einflusz 
haben, namentlich auf die erzählung von dem zug, welchen der 
fliehende Dieterich zu Etzel unternahm ; möglich, dasz sich hier 

346 erst das Verhältnis Dieterichs zu Rüdiger, dessen Ursprung 
dunkel ist, ausbildete. 

4. Die Edda kennt noch keine beziehung Etzels auf Attüa^ 
den Hunnenkönig^ während sie in dem Hildebrandsliede und 
bei Eckehard schon entschieden durchgesetzt ist. späterhin, in 
der Nibelunge noth, finden wir den Bleda^ Attilas bruder, als 
Blödelin, und die Kerka^ wie es scheint, als Helche [Haupts 
zs. 10, 168 — 171]. Eckehard dagegen legt Etzels frau noch 
einen ungeschichtlichen, völlig abweichenden namen bei. eine 
wichtige geographische Veränderung war die weitere, sehr na- 
türliche folge. Hunaland, Siegfrieds heimat (oben s. 6), ward 
als das historische Hunnenreich nach osten verlegt und dem 
Etzel zugetheilt; und da die Atlaquida, welche auch den 
rheinischen stamm Burgunden nennt, darin beharrt, so ist wol 
zu vermuten, dasz beide beziehungen gleichzeitig eintraten, 
jetzt wird auch ' begreif lieh , wie die geschichtliche nächricht 
von der Vernichtung "des ganzen burgundischen volkes durch 
Attila (oben s. 70) den zwist und kämpf zwischen zwei edlen 
geschlechtern zu einem weltereignis , zu einer groszen, den 
Untergang aller beiden nach sich ziehenden schlacht steigern 
konnte, die einzelne züge selbst aus dem furchtbaren blutbad 
in den catalaunischen feldern scheint aufgenommen zu haben, 
was sonst in der darstellung des Nibelungeliedes mit den ge- 
schichtlichen nachrichten von Etzels reich und gewalt überein- 
stimmt^ ist oben (s. 68. 69) angemerkt, dagegen auch, dasz 
Etzels feigherziges wesen wol der sage gemäsz, aber in völli- 
gem Widerspruch mit der geschichte, sich erhalten hat. offen- 
bar hat sich das historische hier gradweise ausgedehnt und 
breiter gemacht. 

5. Irnfried, landgraf von Thüringen, der seines landes be- 
raubt bei Etzel verweilt, deutet auf den könig Irmenfried von 
Thüringen y den der austrasische könig Dieterich besiegt und 
zur flucht aus seinem reiche genötigt hatte (oben s. 117). 

6. Ich übergehe ganz den austrasischen könig Siegebert 
und dessen gemahlin, die berüchtigte Brünehild aus der zwei- 
ten hälfte des sechsten Jahrhunderts, weil ich keine hinweisung 



4 855 

der sage darauf entdecken kann; selbst die namen stimmen 845 
nicht einmal völlig überein. 

7. Etwas ganz anderes, als jenes streben der dichtung in 
der geschichte sich wieder zu finden, ist die ohne innere ver- 
anlassung unternommene, ungeschickte einmischung einer histo- 
rischen person, wie des bischofs Pügrim von Paasau. eigenmächtig 346 
und gewaltsam durchgesetzt, darf sie nicht als ein wahrhafter theil 
der sage betrachtet werden, (auch markgraf Gero gehört wol 
hieher. vgl. auszer Leutsch über ihn Eöpkes jahrb. des deut- 
schen reichs s. 112 — 124). 

8. Auch die historischen anknüpfungen im Ruther sind 
äuszerlich und haben auf die sage selbst weiter keinen einflusz 
gehabt, natürlicher scheint die beziehung BerchtUngs auf den 
grafen Berthold HL , den herzog von Meran (vgl. oben s. 53). 



4. 

Aus der berührung ursprünglich unabhängiger sagen, die 
zufallig sein, aber auch aus einem natürlichen trieb des epos 
nach Zusammenhang hervorgehen kann, pflegt eine anknüpfung 
zu erfolgen ; die manchmal blosz äuszerlich ist, manchmal in 
eine Verschmelzung übergeht, wobei die verschiedenartigen theile 
so in einander wachsen, dasz bis zu den ersten grundzügen 
hin die Veränderung eindringt, kommt dann nicht eine ver- 
gleichung reinerer darsteUungen zu hülfe, so ist es schwer, oft 
unmöglich, die verschiedenen demente zu scheiden, desto lehr- 
reicher die falle, wo sie gestattet ist. 

1. Die Vilkina saga gewährt mehrere beispiele von blosz 
oberflächlicher anknüpfung in den gedichten von Samson, Her- 
burt, Iran, Walther von Wasgenstein. hier lässt sich das selb- 
ständige mit geringer mühe ablösen. 

2. Blosz äuszerlich angeschoben und leicht zu trennen 
ist die an sich schöne, eddische sage von den beiden Helgen; 
in den deutschen gedichten sucht man vergeblich eine spur 
davon, ein gleiches gilt von Aslaug in der Völsunga sage, die 
eine bei Heimer erzogene tochter Sigurds und Brünhildens sein 
soll, schon in der sagenbibliothek (2, 94. 95) ist das unpassende 
und widersprechende dieser annähme dargethan. 

3. Wichtiger ist die in der Edda eingeftlhrte Verbindung 
der Siegfrieds- mit der gothischen Ermenrichssage, wenigstens 
ist sie allem anscheine nach nicht ursprünglich, vorausgesetzt 
wird sie indessen in der Sig. 2, 5, wenn diese unter den aeht 
forsten, die durch Andvares über das gold ausgesprochenen 
fluch ins verderben gerathen sollen, auch Erp, Sörle und Ham- 
dir wirklich begreift. Schwanhild, deren grausamen mord ihre 

23» 



356 4 

346 brüder an Ermenrich rächen, erBcheint als eine tochter Sigurds, 
die erst nach seinem tode zur weit gekommen ist, und, damit 
sie brüder haben könne, musz Gudrun, vergeblich den tod in 
den wellen suchend, noch eine dritte ehe eingehen, in welcher 
die rächer der Schwanhild, ihre Stiefbrüder geboren werden, 
die etwaige, an sich schon unwahrscheinliche Vermutung, dasz 

347 die deutsche sage , die von diesem Zusammenhang nicht das 
geringste weisz, ihn nur vergessen habe, ist leicht durch das 
chronicon Quedlinb. zu widerlegen, welches Ermenrichs tod 
durch die brüder ohne irgend eine beziehung auf Siegfried er- 
zählt, ob Saxo das, was er vorbringt, aus der Völsunga saga 
abgetrennt hat und die mutter Gudrun absichtlich nur als eine 
Zauberin gelten lässt, oder es ohne diese Verbindung, die zu 
seiner zeit in jedem falle daneben bestand, kennen gelernt, mag 
zweifelhaft bleiben. 

4. Die Verknüpfung der rheinischen und gothischen sage 
ist in Deutschland auf einem andern wege und viel gründ- 
licher zu stand gebracht. Dieterich von Bern ist als zeitge- 
nosz und Regner der rheinischen beiden hingestellt worden, 
welchen er in der hier 'ursprünglichem Edda fremd bleibt. 
aber steht nicht Dieterich von anfang her in natürlichem Zu- 
sammenhang mit der Siegfriedssage durch seinen aafenthait bei 
Etzel? ich glaube nicht, denn ich halte den Atli def rheini- 
schen sage, dessen reich nach der Edda (oben s. 7) in Süden 
lag und der sich mit Sigurds wittwe verheiratete, fiir einen 
ganz andern, als den Etzel der gothischen sage, zu dem Diete- 
rich flüchtete und der im tiefen osten eigentlich seine heünat 
haben mochte, dasz in beiden sagen der name Etzel vorge- 
kommen sei, setze ich allerdings voraus, und gar wol mag 
dieser umstand veranlassung zur Verschmelzung gegeben haben. 
zwar erscheinen auch Etzels söhne auf beiden selten und ihre 
namen zeigen nur geringe Verschiedenheit (oben s. 140), allein 
was von ihnen erzählt wird, steht in geradem widersprach: 
Gudrun tödtet sie nach ihrer brüder ermordung selbst und es 
sind ihre eigenen kinder, dagegen in der Dieterichssage, wo sie 
der Helche zugehören, unterliegen sie Wittichs seh wert; Ortliep, 
Kriemhildens söhn, der in der Nibelunge nöth das leben ver- 
liert, entspricht eigentlich dem Eitil und Erp der Edda, die 
Vereinigung beider sagen hat dem zweiten theile des Nibelunge- 
liedes erst den groszen umfang gegeben; daher rührt der zug 
der Burgunden über die Donau, der aufenthalt bei Rüdiger, das 
^anze Verhältnis Dieterichs zu den rheinischen beiden^ selbst 
die in seine bände gelegte entscheidung. jede sonstige beruh- 
rung Dieterichs mit Siegfried ist eine folge davon; dunkel 
bleibt ahnehin jene in der Jugend, deren Biterolf gedenkt (oben 
s. 74) und das unpassende von Siegfrieds erscheinung in der 
Flucht vind Kabenschlacht fällt in die äugen. 



4 357 

5. Der Rosengarten ^ ursprünglich blosz eine Dieterichs- 347 
sage, steht seiner früheren gestalt in der Vilk. saga (c. 170 — 202) 
näer. Thidrek will die tapferkeit seiner helden prüfen und die 348 
entscheidung ist bei weitem besser und poetischer, als im Rosen- 
garten, ich meine nicht so einseitig und parteiisch, dort kämpfen 
sogar Gunnar und Högni fiir Thidrek, aber Siegfried ist ihm 
schon gegenübergestellt und bestimmt, sich mit ihm zu messen, 
sind sie einmal Zeitgenossen und stehen sie in berührung, so 
ist der gedanke sehr natürlich, sie ihre kräfle gegen einander 
versuchen zu lassen, indessen zeigen in dem Zweikampf beide 
nicht den wahren charakter: Thidrek erlaubt sich einen betrug, 
um die oberhand zu erlangen, Siegfried unterwirft sich und 
wird Thidreks mann, in dem deutschen gedieht ist der Schau- 
platz nach dem sitze der Siegfriedssage, nach Worms, verlegt, 
wo eine Rheininsel, auf welche das Nibelungelied keine rück- 
sicht nimmf, als ein rosengarten, wie ihn andere Städte auch 
besaszen, (eines poetischen gedenkt schon der Meisener a. Mgb. 
48^) den reiz erhöhte.* die beschreibung von ihm, als einem 
irdischen paradies, mag aus einer volkssage von einem wunder- 
baren elfengarten herrühren. nun sind es nicht nur die 
rheinischen helden, welche den Amelungen sich entgegen 
stellen, sondern Kriemhild selbst hat übermütig diese zuerst 
aufgefordert und Dieterich nur zögernd nachgegeben, während 
gerade umgekehrt in d,er Vilkina saga er es ist, der sich hoch- 
mütig äuszert und von Hildebrand deshalb getadelt wird, keine 
gerechte vertheilung der kräfte ist sichtbar, der sieg, höchstens 
einmal unbestimmt gelassen, wird keinem einzigen auf Gibichs 
Seite zu theil, selbst Siegfrieds leben musz schimpflich erfleht 
werden, dies widerstrebt ebenso sehr seiner natur^ als Kriem- 
hildens die wilde mordlust, zu welcher sie in ' der Nibelunge 
noth erst durch rachegeftibl aufgeregt wird und die ihr, als 
schüchterner und zarter Jungfrau, völlig fremd ist. die Nibe- 
lunge noth weisz auch nichts von unsrem gedieht, das sie nicht 
mit völligem stillschweigen hätte übergehen können, der Rosen- 
garten c und D hat die Vermischung noch weiter getrieben und 
Ctzel und Rüdiger hinein verflochten, deren hülfe doch ganz 
überflüssig ist. einer der früheren kämpfer muste platz 
machen, damit Rüdiger wenigstens mitstreiten konnte, und dann 
ist noch eine besondere botschaft an Kriemhild hinzu gedichtet, 
damit er gelegenheit habe, seine freigebigkeit an den tag zu 
legen. 

6. Eine Vermischung eigener art hat uns der anhang des 
heldenbuchs bewahrt, hier ist der Rosengarten zur grundlage 
des Nibelungeliedes gemacht. darnach hatte Dieterich den 

* Uhland Mer rosengarten in Worms' in der Germania 6^ 307 AT. 



858 5 

9i8 Siegfiried im Zweikampf wirklich getödtet, und er und die Wöl- 
349 finge sind jetzt der gegenständ von Kriemhildens räche, aber 
weil die frühere sage von dem untergange der Hünen spricht, 
so ist Bern nicht mehr Dieterichs sitz, sondern Hünenland, 
und Ungarn wieder davon geschieden, wo Etzel herscht. an 
Hagen statt an Blödel geht Kriemhildens aufforderung, den 
streit anzufangen, aber wieder aus der älteru sage beibehalten 
ist der umstand, dasz Hagen den söhn der Kriemhild, welcher 
ihn zu beleidigen abgeschickt ist, tödtet und daran sich der 
kämpf entzündet, warum Kriemhild ihren eigenen brüdern das 
haupt abschlägt, begreift man nicht, da sie hier nichts feind- 
liches gegen sie begangen haben, aber es ist darin gleichfalls 
eine nachwirkung der altem sage zu erkennen, wie die Un- 
fähigkeit, der veränderten grundlage gemäsz das ganze umzu- 
gestalten, jene aus dieser darstellung wieder herauszufinden, 
würde dem grösten Scharfsinne nicht gelingen. 



5. 

Was wir jetzt betrachten, sind gleichfalls erweiterungen der 
sage, aber anderer art. es ist nämlich von dem fall die rede, 
wo der Inhalt ohne eigentliche einmischung fremder sagen, 
ebenso die zahl der handelnden personen, sich vergröszert hat. 
im ganzen mag man spätere Zusätze darin sehen, im einzelnen 
ist oft schwer, darüber zu entscheiden, da wir nicht vergessen 
dürfen, dasz das älteste denkmal uns keine ganz vollständige 
sage überliefert und umgekehrt ein spätes, möglicherweise das 
späteste, etwas kann erhalten haben, was in dem früheren ver- 
nachlässigt war. die namen von Hildebrands vater und söhn 
sind davon ein überraschendes beispiel (oben s. 107): lange und 
in den besten dichtungen verschwunden, erscheinen sie nur in 
der frühsten und spätesten zeit, ich übergehe, was sich von 
selbst als willkürliche überfiillung kund gibt und als solche 
oben angedeutet ist, z. b. die erweiterte genealogie Dietleibs 
und Biterolfs (s. 126), die unnatürliche Dieterichs von Bern, 
welche gegenständ eines besonderen gedichtes ward (s. 185), 
die grosze anzahl neuer namen in der Flucht und Raben- 
schlacht, hier kommt es auf nachweisungen vorzüglich aus 
altern denkmälern an, wo sich ein natürlicher, wenn wir auf 
das ganze sehen, selten glücklicher, im einzelnen oft sehr poeti- 
scher trieb zur fortbildung wirksam zeigt. 

1. Nach der erzählung der Edda reitet Sigurd von Brün- 

hilden, die er aus dem zauberschlaf geweckt und sich durch 

eide verbunden hat, weg an Giukes hof ; das wird mehrmahls 

in verschiedenen liedern angedeutet, die Völsunga saga (c. 32) 

350 rückt ein besonderes ereignis dazwischen. Sigurd begibt sich 



5 369 

erst zu Heimer in Hlymdale, dem eine Schwester der Brünhild, sfiO 
Bekhüdy zur frau gegeben ist ; gleicherweise als eine ganz neue 
person erscheint ihr söhn Alsvid^ mit dem der gast freundschaft 
stiftet. nach langem aufenthalt findet Sigurd bei Verfolgung 
eines entflohenen habichts Brüuhilden abermals und zwar in 
einem thurme mit kunstreicher Stickerei beschäftigt; zwischen 
beiden erfolgt ein zierliches liebesgespräch. es wird dargestellt, 
als sei dies die erste begegnung gewesen, da die Widersprüche 
mit den andern liedern, die Verschiedenheit in dem ton der er- 
zählung und die ganz abweichende färbe, die sie trägt, schon 
in der sagenbibliothek (2, 67) sehr wol auseinander gesetzt 
sind, so verweise ich dahin, dasz wir ein eingeschobenes stück 
vor uns haben, darüber kann kein zweifei sein. den beiden 
Edden ist es fremd, und Bekhild und Alsvid werden sonst nir- 
gends erwähnt. zwar Sigurds aufenthalt bei Heimer wird in 
Grripers Weissagung (Sig. 1, 19. 27) gedacht, aber dies ganze 
lied, welches in form einer prophezeiung nur eine Übersicht der 
sage, sonst durchaus nichts unbekanntes enthält, als eben die 
person Gripera^ der als ein bruder von Sigurds mutter einge-r 
führt wird, ohne dasz die übrigen Eddalieder etwas davon 
wissen, ist entweder nicht alt, oder jene dunkle äuszerung hat 
eben die erweiterung der Völsunga saga veranlasst. 

2. Das erste lied von Gudrun beschreibt die unglückliche, 
die, auf keinen trost der sie umgebenden frauen hörend, unbe- 
weglich da sitzt, bis bei dem anblick der leiche ihr schmerz 
sich in thränen löst, das ganze lied, für die geschichte über- 
flüssig, verweilt blosz bei einem rührenden augenblick; auch 
weisz weder die Völsunga saga, noch die Snorraedda etwas 
davon; es widerspricht sogar (wie die übereinstimmende Gudr. 
2, 10) der Sig. 3, 28, wornach Brünhild das weitschallende 
ge schrei der Gudrun in ihrem bette hört, dagegen berichtet es 
neue, auch in keinem andern liede erwähnte Verhältnisse, ich 
sehe darin blosz hier angenommene, der sage ursprünglich 
nicht zugehörige erweiterungen. neben Gudrun sitzt Giaflaug^ 
eine Schwester Giukes, die eine zahlreiche Verwandtschaft, doch 
nicht namentlich, anführt: fünf männer, zwei töchter, acht bru- 
der und drei Schwestern, so dasz Giukes familie sehr ausge- 
breitet müste gewesen sein, sodann finden wir GuUrönd, eine 
tochter Giukes, also eine Schwester der Gudrun. hiesze sie 
Gudny, so würde sie durch die Snorraedda (s. 139) bestätigt, 
wo, unter den bekannten kindern Giukes, diese zweite tochter 
vorkommt; Gudny ist freilich auch anderwärts unbekannt, söi 
scheint aber doch aus echter quelle zu stammen, sowie die 
nachricht, dasz Guttorm ein Stiefsohn Giukes gewesen, womit 
das lied der Hyndla (st. 27) übereinstimmt. endlich ist in 
unserm liede noch eine huniache königin Herborg gegenwärtig; 
sie erwähnt den verlust einer zahlreichen Verwandtschaft: nicht 



860 5 

S51 blosz vater, mutter und den mann hat sie verloren, auch vier 
brüder und sieben söhne. 

3. Die berührungen des dritten Gudrunenliedes mit der 
deutschen dichtung sind schon (oben s. 33. 34) erörtert, hier- 
her gehört die bemerkung, dasz der inhalt, mag er nun, wie es 
scheint, aus dem deutschen entlehnt^ oder im norden zugefugt 
sein (nach den rechtsalterth. 922 wird der kesselfang auch in 
Gragas erwähnt, ist also dem norden nicht völlig fremd), als 
an sich ungehörig, far kein ursprüngliches stück der sage gel- 
ten kann, wie denn auch die Völsunga saga und Snorraedda 
es nicht kennen. Gudrun, durch Herkia verdächtigt, mit Thio- 
drek in unerlaubter Verbindung zu stehen, reinigt sich durch 
ein gottesurtheil, indem sie aus siedendem wasser mit unver- 
sehrter band steine holt, die verläumderin , welche die gegen- 
probe nicht aushält, wird in einem sumpf ersäuft, alles ist hier 
ungeschickt: die begebenheit trägt sich nach dem untergange 
Gunnars und Högnes zu, allein nach der erzählung der andern 
eddischen lieder wurde Atle selbst damals von Gudrun umge- 
bracht, nach der deutschen sage verliesz Dieterich Etzels hof; 
am widersprechendsten ist die einmischung der Herche, die, 
zum kebsweib erniedrigt, zugleich mit Gudrun lebt. 

4. Ein anderes eddischas lied, der Oddrun klage, fuhrt 
eine Schwester Atles in die sage ein. Oddrun wird in frühester 
Jugend von ihrem sterbenden vater dem Gunnar bestimmt; 
warum er ihrer Schwester Brünhild zu theil wird, ist hier nicht 
gesagt, aber dem Gunnar selbst scheint eine Verbindung mit 
der Oddrun wünschenswerther, da er, im Widerspruch mit den 
übrigen liedern, der Brünhild zumutet, den heim wieder zu 
nehmen, das heiszt, als valkyrie in ihr voriges leben zurück- 
zutreten, auch bietet Gunnar dem Atle grosze gaben für 
Oddrun, der sie ausschlägt. doch beide können nicht von 
einander lassen; Atles kundschafter überraschen sie im walde 
in vertraulicher Umarmung. umsonst suchen sie die diener 
durch geschenke zum stillschweigen zu bewegen, sie berichten 
dem Atle alles, nur, heiszt es, der Gudrun nicht; sie ist also 
schon mit ihm vermählt, jetzt wird gesagt, ohne des todes der 
Brünhild, der doch gleich nach Sigurds mord, also vor der 

352 Gudrun Verbindung mit Atle erfolgte, oder ihres Schicksals im 
geringsten zu erwähnen , dasz Gunnar und* Högne an den hof 
Atles geritten seien - und dieser (in solchem zusammenhange 
musz man voraussetzen: wegen des unerlaubten Umgangs mit 
Oddrun) an beiden die auch aus andern liedern bekannte grau- 
samkeit verübt habe, dem Högne wird das herz ausgeschnitten, 
Gunnar in den schlangenthurm geworfen. Oddrun, gerade ab- 
wesend bei Geirmund^ hört in der ferne Gunnars harfenspiel, 
womit er die schlangen besänftigen will, und eilt zu hilfe; sie 
kommt aber zu spät: eine schlänge hatte sich nicht beschwich- 



5 361 

tigen lassen und diese war AÜes mutter. Oddrun erzählt das 352 
alles der Borgny^ tochter des königs Heidrek^ der sie bei der 
geburt eines sohnes, frucht einer heimlichen liebe mit dem 
mörder Högnes (näher wird er nicht bezeichnet)* beistand 
leistet. 

AUes scheint einen auswuchs anzudeuten, jedoch einen 
solchen, den dieses lied nicht allein verschuldet, sondern der mit 
einer andern darstellung der ganzen sage zusammenhängt.^^ hier 
findet man personen, die sonst nicht genannt werden, und be- 
gebenheiten, auf die in der übrigen Edda keine beziehung vor- 
kommt, obgleich die grönländischen lieder die gröste veranlas- 
sung dazu hatten, und worin man etwas unpassendes und fremd- 
artiges sogleich fühlt. Gunnars betragen widerspricht ganz der 
haltung, in der ihn die Edda sonst erscheinen lässt; er ist 
durch das Verhältnis zu der Oddrun herabgewürdigt. Atlea 
mutter^ die, in eine schlänge verwandelt, dem Gunnar das herz 
abnagt,* verdankt ihr dasein einem misverständnis : eine schlänge 
gröszer als die übrigen ist gemeint, soll unter Högne, den der 
Borgny heimlicher liebhaber getödtet hatte, jener söhn Giukes 
verstanden werden, nicht irgend ein unbekannter gleiches 
namens, so wäre dies abermals eine ganz neue angäbe, denn 
wir wissen nicht, wer ihm das herz ausschnitt. die namen 
Borgny^ RMreky Geii^mund werden sonst in der sage nicht ge- 
hört, in Atlamal sogar wird eine ganz andere frau Gunnars 
genannt, die er nach der Brünhild tod musz geheiratet haben, 
und wäre das abermals ein zusatz, so zeigt er doch unbekannt- 353 
schaflb mit dem hier erwähnten, denn er wird am natürlichsten 
als im Widerspruch stehend betrachtet, da die Vereinigung beider 
angaben zwar möglich, aber völlig unwahrscheinlich ist. dasz 
die Yölsunga saga und Snorraedda das lied von Oddrun ganz 
übergehen, beweist ein richtiges gefiihl oder unbekanntschaft 
damit. 

Ich sagte vorhin, die hier bezeichneten personen seien 
sonst in der sage unerhört, davon musz in beziehung auf 
Oddrun eine ausnähme gemacht werden, eine der Brünhild in 
den mund gelegte Strophe (Sig. 3, 55) nennt nicht blosz die 



* ^er heiszt ja in der prosa, sowie im gedieht selbst (str. 6) aosdrücklich 
Vilmundr/ Jac. Grimm. . 

^^ ich bemerke zu s. 84, dasz sich in Oddrünar gr4tr eine andeutung auf 
Sigurds eintritt in Brünhildens bürg findet, welche mit der erzählung der Vilkina 
saga verwandt scheint. Sigurd kommt, als erde und hlmmel schlafen, also iu 
der nacht, zu der bürg, und da heiszt es (str. 16): 

}>ä var vig vegit völsko sver^i 

ok borg brotin, sü er Brynhildr ätti. 

auch in den faröischen liedem (s. 161) etwas ähnliches. 



362 5 

ssaOddrun, sondern verkündigt auch in deutlicher Beziehung auf 
unser lied Gunnars Verhältnis zu ihr. aber ich glaube, diese 
Strophe ist in so weit unecht, als sie eben erst durch Oddrunar 
grätr veranlasst worden; nicht blosz findet sich eine stelle wört- 
lich tibereinstimmend (hon mun per unna sem ek skyldak, vgl. 
Odd. 18), sondern sie scheint mir auch einen Widerspruch zu 
enthalten, denn sie kündigt der Oddrun. liebe als zukünftig an, 
die in dem liede selbst als vor der Verbindung Gunnars mit 
Brünhild schon begründet dargestellt wird. 

5. Von den eigenthümlichkeiten der grönländischen lieder 
war (oben s. 10 — 12) die rede, als wir ihre annäherung zur 
deutschen sage betrachteten; hier ist der ort, der erweiterun- 
gen zu gedenken, die ausschlieszlich in ihnen und vorzugs- 
weise wieder in Atlamal vorkommen, denn die Atlaquida geht 
in dieser hinsieht nicht weiter, wenn auch in andern, a) Gun- 
nars frau heiszt Glaumvör^ Högnes Kostbera oder Bera. diese 
liest runen, von Gudrun als warnung gesendet, beide suchen 
durch erzählung bedeutungsvoller träume die reise zu Atle ab- 
zuwenden. , b) zwei söhne Högnes von Bera, Sncevar und Soiar^ 
ziehen mit zu Atle und sie begleitet Orkning^ bruder der Bera. 
statt des letztern nennt dräp Niflünga einen Giuke^ aber als 
einen söhn entweder von Gunnar oder Högne, der also nach 
seinem groszvater ist benannt worden. sie zeichnen sich im 
kämpfe aus (50), scheinen aber nach tapferm widerstand ge- 
blieben zu sein. Hniflung, der an Atle räche nimmt (vgl. oben 
s. 11), ist also ein anderer söhn Högnes und nicht etwa wird 
einer von jenen unter dem geschlechtsnamen verstanden, ganz 
anders erzählt die deutsche sa^je von Höjjnes söhn und Atles 
tod (vgl. oben s. 123). — c) auch Atles geschlecht ist er- 
weitert, bei seines vaters tod waren es fünf bruder. er hatte 
mit den übrigen, als sie noch jung waren, gekämpft (95), und 

364 die hälfte kam damals um. die zwei andern erschlägt hier 
Gudrun, die ein schwert ergriffen hat (47. 48. 51). ihre namen 
erfahren wir nicht und dunkel erscheint jener bruderkrieg, wol 
nach des vaters tod durch die erbschaft veranlasst. ungewis 
ist, ob das dritte Gudrunenlied (5) von brüdern Atlis redet, die 
Vilkina saga gibt auch keine aufklärung: Attila überlässt dem 
einzigen bruder, den er hat, friedlich das ganze väterliche 
reich (c. 63) und erobert sich ein eigenes. — d) Atle hat Grim- 
hild^ mutter der Gudrun, getödtet bezieht sich der ausdruck 
systrünga (53) gleichfalls auf die Grimhild, so hat er sie bei 
dem Niflungehort eingesperrt und hungers sterben lassen, wie 
auch die Hven. chronik und die dänischen lieder berichten 
(oben s. 306). wo dies geschehen sei und ob Grimhild nach 
der Vermählung ihrer tochter mit Atle bei diesem sich aufge- 
halten und den schätz mitgebracht habe, wissen wir nicht, aller- 
dings reden sonst die eddischen lieder nach jener Vermählung 



5 368 

nicht weiter von Grimhild und ihrem geschickt insoweit könnte 354 
jener ausgang der sache angemessen sein, aber darnach wäre 
ja Alle durch ihren mord in den besitz des hortes gekommen, 
und dann könnte dieser nicht in .den Rhein versenkt sein und 
Gunnar nach Högnes tod sich nicht rühmen^ allein darum zu 
wissen ; also ein Widerspruch bliebe immer zurück. — e) Gudrun 
gedenkt einer meerfahrt^ die sie mit Sigurd und ihren zwei 
brüdern Gunnar und Högne (denn Guttorm ist hier unbekannt) 
unternommen, jeder hatte ein eigenes schiff, sie fuhren gen 
Osten, tödteten einen könig und eroberten dessen reich. die 
grafen unterwarfen sich und ein landesflüchtiger ward aus dem 
walde wieder in die glückliche heimat geführt, wie es scheint, 
war bei dem zuge die absieht, einen vertriebenen rechtmäszigen 
herm wieder in sein reich einzusetzen. vielleicht haben wir 
hier keine erweiterung, sondern ein stück der ursprünglichen 
sage vor uns, denn die Völsunga saga gedenkt (c. 35) im all- 
gemeinen der heldenthaten, die Sigurd nach seiner Verbindung 
mit den Giukungen und vor der fahrt zur Brünhild vollbracht 
(vgl. oben s. 183), und darauf mag sich auch beziehen, was 
ebendaselbst (c. 37) Brünhild von fünf königen erzählt, die 
Sigurd nach Pafnes und ßeigins tod erschlagen habe. 

6. Unter den in das Nibelungelied eingeschobenen per- 
sonen zeichne ich blosz (denn von Giselher ist schon bei einer 
andern gelegenheit die rede gewesen) Volker den spielmann aus, 
der wegen des bedeutenden antheils, den er an den begeben- 
heiten nimmt, der wichtigste ist. Lachmann hat Volkers Ver- 
hältnis schon (s. 11 — 22) überzeugend dargethan. seitdem hat 355 
sich eine neue bestätigung im Biterolf gefunden: die sage, wie 
sie dort vorausgesetzt wird, kennt ihn durchaus nicht (oben 

s. 130). jetzt bin ich auch im stände, nachweisungen über 
seinen wahrscheinlichen Ursprung zu geben, die herren der 
bürg Alzei, welche durch ihre läge nahe bei Worms schon an- 
spruch darauf hatte, an der sage theil zu nehmen, führten eine 
fidel im wappen und hieszen im volk die fideler (oben s. 323). 
daraus wird deutlich, warum die fidel, daz wafen, auch Volkers 
Schwert ist und beide in mannigfachen ausdrücken (ez ist ein 
roter anstrich, den er zem videlbogen hat 1941, 3; sin videl- 
boge snidet durch den herten stäl 1943, 3) mit einander ver- 
tauscht werden, oder mit andern Worten, warum er zugleich 
held uud spielmann ist, und die geige, sein wappen, mit in den 
kämpf trägt, ich meine auch, dasz der ganze etwas phan- 
tastische Charakter gegen die sonstige geschichtliche haltung 
des Nibelungeliedes absticht, sowie seine durch frühere ereig- 
nisse nicht erklärte freundschaft zu Hagen auffallt. 

7. Die er Weiterungen von Hildebrands geschlecht durch 
Ilsan und Alphart (andere ohne wesentlichen einflusz auf den 
inhalt der sage übergehe ich) scheinen mir etwa gegen die 



364 — 6 

365 mitte des dreizehnten Jahrhunderts erfolgt zu sein, die Vilkina 
saga weisz von beiden nichts. Ilsans thätigkeit im Rosengarten 
ist, auszer seiner theilnahme am kämpfe selbst, auf die derben 
scherze mit den brüdern im kloster beschränkt; was im 
Alphart (309) von ihm gesagt wird, scheint damit in keinem 
zusammenhange zu stehen, einmal übrigens in die sage einge- 
führt, konnte er sich leicht weiter darin verbreitet haben. 
Alphart erscheint im Biterolf noch gar nicht, in der Flucht und 
Rabenschlacht noch auszer jenem verwandtschaftlichen band, 
und das mag der reinern sage gemäsz sein. ich will kein 
grosses gewicht darauf legen, dasz das besondere gedieht von 
Alpharts tod mit den angaben jener beiden völlig unvereinbar 
ist (vgl. oben s. 237), allein spätere entstehung desselben anzu- 
nehmen bestimmt mich die der echten sage widerstrebende art 
und weise, womit Hildebrand und Wittich dargestellt sind, 
jener wird nicht blosz von dem jungen Alphart besiegt, sondern 
musz schimpflich um sein leben flehen, Wittich aber äuszert 
sich und handelt mit einer niederträchtigkeit, die seiner natur 
fremd ist. mir scheint das ganze eine nachahmung von dem 
kämpf der söhne Etzels mit Wittich und ihrem rührenden tode. 
8. Ich weisz nicht, ob ich die Klage und Biterolf erwei- 
terungen der sage nennen und überhaupt von diesen gedichten 

356 hier reden soll. ihr dasein betrachte . ich mehr wie einen Zu- 
fall und ihren inhalt wie ein äuszerliche und willkürliche zu- 
that, welche auf die sage selbst keinen einflusz gehabt hat. un- 
geachtet aller anstrengung ist keine lebendige regung, kein fort- 
schritt darin, nicht besser sind die beschreibungen der kämpfe 
in der Rabenschlacht, die, dürr und unfruchtbar, zwischen die 
grünen, von wahrer poesie getränkten stellen geschoben sind. 



6. 

Blosze einkleidung einzelner und unabhängiger sagen in 
das gewand des fabelkreiszes, dem sie ursprünglich fremd sind, 
seh ich in Laurin^ Siegenot , Etzels hofhaltung und Dieterichs 
drachenkämpfen, hier liegen allerdings volkssagen zu grund, 
deren inhalt nicht nothwendig braucht verändert zu sein, und 
die nur durch Umtausch der namen und äuszeren. Verhältnisse 
gleichsam in eine andere familie übergetreten sind, eine solche 
entstehung verrathen auch die sonst nirgends bekannten per- 
soneu , die hier zum Vorschein kommen, diese Umwandlung 
scheint erst im vierzehnten Jahrhundert erfolgt zu sein, darauf 
deutet der geist dieser gedichte, auch hat sich ein firüheres 
Zeugnis bis jetzt nicht auffinden lassen, der Wartburger krieg, 
der zuerst Laurins gedenkt, sagt noch nicht das geringste von 
der beziehung auf Dietleib und Dieterich von Bern, obgleich 



7 — r 365 

die stelle ziemlich ausführlich spricht, ich halte den Laurin S66 
für eine tirolische zwergsage. herliche, mit Wunderdingen 
angefüllte gärten in dem Innern der berge und felsen schreibt 
der Volksglaube den elfen, von welchen die zwerge eine gat- 
tung sind, aller orten zu, und ganz wie in dem gedieht erzählt 
wird, ist ihr wesen und ihre Sinnesart: sie rauben junge mäd- 
chen, sind beides, gutmütig und boshaft, und pflegen beleidi- 
gungen und Verletzung ihres gebietes hart zu bestrafen, in 
dem bruder der entführten Simild den Dietleib von Steier zu 
sehen, lag veranlassung in der nachbarschaft seiner heimat, und 
dasz er beistand bei Dieterich von Bern suchte, war dann sehr 
natürlich. die drei andern gedichte sind gewöhnliche riesen- 
sagen von dürftigerm inhalte; das zuletzt genannte scheint 
gleichfalls in Tirol einheimisch gewesen zu sein. 



7. 

Die erscheinung, welche wir so eben bei einführung frem- 
der sage beobachtet haben, finden wir innerhalb des kreiszes 
selbst: in zwei dichtungen eine und dieselbe fabel mit völliger 357 
Verschiedenheit der äuszern Verhältnisse. als früheste Ursache 
müssen wir wol eine überfragung ansehen, die jedoch nicht auf 
kunstreichem oder gelehrtem wege entstanden ist, sondern jedes 
mal ein beispiel von lebendiger Verschiedenheit der sage gibt. 

1. Die fabel von Ruther und Oserich stimmt dem inhalte 
nach überein, stellt aber die Verhältnisse ganz anders dar. jede 
bildung ist dabei ihren eigenen weg gegangen, an klarheit und 
Verständigkeit des inhalts steht Ruther der Vilkina saga nach, 
wie in maasz und Ordnung der erzählung, allein das deutsche 
gedieht erhebt sich durch höheren poetischen gehalt und freiere 
Phantasie. Ruther enthält übrigens beziehungen, welche beweisen, 
dasz die sage in dieser Verpflanzung wurzel gefasst und weiter 
sich ausgebreitet hatte, dazu ist aber schon längere zeit nötig ;^ 
möglicherweise könnte diese südliche auffassung älter sein, als ich 
(s. 51) angenommen habe, überhaupt scheint es in solchen fallen 
unräthlich, ein original zu bezeichnen, da wir zeit und bedin- 
gung nicht kennen, unter welcher die Spaltung statt fand. 

2. Besondere berücksichtigung verdient die Verwandt- 
schaft Ruthers mit Wolfdieterich. sie äuszert sich theils in 
dem alten Berther^ dessen sage Ruther scheint an sich gezogen 
zu haben und der bei Oserich völlig unbekannt ist, theils in 
dem gleichen hintergrunde der begebenheiten : die Lombardei, 
Rom, Constantinopel, Seefahrten, feindliches Verhältnis zu den 
Sarazenen finden wir in beiden gedichten; im Otnit und Wolf- 
dieterich kommt noch Messina, Syrien und Jerusalem hinzu, 
beide gedichte setzen also eine zeit voraus, wo die deutsche 



366 8 

357 sage veranlassung hatte, sich in jenen gegenden anzusiedehi, 
und diese zeit möchte man am natürlichsten unter den Hohen- 
staufen finden, auch sind, soweit sich urteilen lässt, nur ver- 
einzelte sagen dorthin gewandert (wenn man diesen ausdruck 
gebrauchen darf), in welcher läge eine frühere Vergessenheit des 
ursprünglichen und eine freiere, weiter um sich greifende fort- 
bildung sehr begreiflich ist. 

3. Die Vilkina saga erzählt einige hauptbegebenheiten aus 
Wolfdieterichs leben (vgl. oben s. 236), aber sie schreibt sie 
ihrem beiden, dem Dieterich von Bern^ zu. sollte Wolfdieterich 
kein anderer sein? ich will es weder behaupten, noch die Ver- 
mutung völlig abweisen. vielleicht würde auch die Hertnits 
sage (vgl. oben s. 177), wenn sie erhalten wäre, die fahrt er- 
zählen, die Otnit unternahm, um sich eine frau zu erobern, 

358 wenn auch nicht als eine meerfahrt, der eigentliche mittelpunct 
im Wolfdieterich ist die flucht aus seinem reiche, sein Verhält- 
nis zu Otnit und der kaiserin und die anhänglichkeit seiner 
dienstmannen; das möchte das älteste und vielleicht das ge- 
meinschaftliche in sich begreifen. die bethörung durch die 
wilde Else, der magische Jungbrunnen, der beide entzaubert und 
zusammenführt, ihr reich in der alten Troja jenseits des meers, 
die fahrt nach Jerusalem, die abenteuer mit Marpalie, das alles 
trägt meiner meinung nach eine andere färbe und möchte einer 
andern ausbildung zugehören, das Verhältnis Wolfdieterichs zu 
Berchtung und die dienstleute halte ich für keinen zusatz, weil 
ich in jenem nur den alten Hildebrand wieder sehe, woran 
mich die im gedieht selbst aufgestellte genealogie (oben s. 231), 
die ihn fast um ein Jahrhundert später setzt, so wenig irrt, als 
die erwähnung des später lebenden Dieterichs, in dem andern 
gedichte von Wolfdieterich, worin Sahen als Sibichs söhn auf- 
tritt und dem Puntung, wie das böse dem guten, entgegen- 
steht, müste gerade Wolfdieterich jünger sein, als Dieterich 
von Bern. 



8. 

Einen eigenen einflusz auf Umbildung der sage hat eine 
gewisse beschränktheit der ansieht ausgeübt, die ich nicht näher 
bezeichne, weil man sie am besten aus folgenden beispielen 
wird kennen lernen. 

1. Hält man die darstellung von Dieterichs Verhältnis zu 
Ermenrich in der Vilkina saga mit dem zusammen, was das 
gedieht von der Flucht berichtet, so ergibt sich eine grosze 
Verschiedenheit, und es scheint dort alles einfacher und natür- 
licher. Thidrek weicht vor Ermenreks Übermacht, der ihn zur 
entrichtung eines tributs nötigen will, und entflieht zu Attila, 



8 367 

wo er aufnähme findet, späterhin rüstet ihm dieser ein groszes 368 
heer aus, welches Thidrek gegen Ermenrek führt, die Hunnen 
siegen, Thidrek kehrt zu Attila zurück und weilt noch lange 
zeit bei ihm, bis sein Widersacher gestorben ist. eins befrem- / 
det bei dieser erzählung: warum bleibt Thidrek, nachdem er 
den Ermenrek besiegt hat, nicht in seinem reiche und vereitelt 
durch seine rückkehr den erfolg der ganzen Unternehmung? 
die Ursache lässt sich errathen: der echten sage nach war 
Dieterich in jener schlacht der unterliegende theil und deshalb 
genötigt, bei Attila abermals Zuflucht zu suchen, die dichtung, 
um von ihrem beiden die schmach der besiegung abzu- 
wenden, hat das ereignis umgekehrt, gleich wol den wider- 359 
Spruch im erfolg daneben müssen bestehen lassen. das um 
hundert jähre ältere zeugnis der Klage (oben s. 121) setzt das 
aiiszer zweifei: Dieterich war trostlos aus der schlacht zurück- 
gekommen. 

Die Vilkina saga hat sich also, scheint es, eine abände- 
rung, doch nur in einem einzigen punkt erlaubt; sie ist gering- 
fügig gegen das, was wir in dem gedichte von der Flucht 
finden, ohne jene bessere quelle würden wir nicht mehr im 
Stande sein, das wahre durchzuschauen, denn hier ist die unge- 
schickte verherlichung Dieterichs so weit gesteigert, dasz er 
in einer ganzen reihe von kämpfen den Ermenrich besiegt und 
dennoch sein reich meiden und fremden schütz suchen musz. 
schon die list, mit welcher Ermenrich anfangs den Dieterich in 
seine gewalt zu bringen hofit, scheint dem wilden und unge- 
stümen Charakter, den die ältesten Zeugnisse (oben s. 18. 21) 
ihm beilegen, wenig angemessen: er gibt vor, seiner Sünden 
wegen wolle er einen zug zur befreiung des heiligen grabes 
unternehmen und dem Dieterich während seiner abwesenheit 
die regierung übertragen. Dieterich, gewarnt, geht nicht in 
die falle, es kommt zu ofienem krieg, in welchem Ermenrich 
eine völlige niederlage erleidet, ja sein söhn Friedrich, derselbe, 
den er nach der ursprünglichen sage vor dem angriffe auf 
Dieterich sollte ums leben gebracht haben, fällt mit achtzehn 
hundert kämpfern in Dieterichs bände. die Sache scheint be- 
endigt, als zufällig einige von Dieterichs leuten in einen hinter- 
lialt gerathen und gefangen werden, es sind ihrer nur siebene, 
um sie aber zu befreien, geht Dieterich unsinnige bedingungen 
ein: er gibt nicht blos den söhn Ermanrichs und die achtzehn 
hundert gefangene dagegen, sondern überantwortet das ganze 
reich in seines feindes gewalt, wird selbst landesflüchtig und 
lässt sich von ihm mit dem galgen drohen. diese groszmut 
soll ihn erheben, sie ist aber ohne haltung und Wahrheit und 
bringt deshalb keinen eindruck hervor. Etzel rüstet dem 
üieterich ein heer aus; in einer groszen schlacht nahe bei 
Mailand werden dem Ermenrich alle leute erschlagen, er allein 



368 8 

359 entflieht: dennoch kehrt Dieterich ohne Ursache und freiwillig 
ins Hünenland zurück, ein unbedeutendes ereignis, Wittichs 
abermaliger verrat, wird als grund angegeben, warum Etzel aufs 

* neue ein beer aufstellt, eine dritte grosze Schlacht findet bei 
Bologna statt, Dieterich ist glorreicher sieger, geht aber zu 
Etzel zurück, in dem besondern gedichte, das sich hier an- 
schlieszt, wird ein abermaliger heerzug and die auch in der 
Vilkina saga dargestellte und wahrscheinlich allein der echten 

360 sage gemäsze Rabensehlacht beschrieben, freilich der erfolg ist 
genau wieder derselbe: Ermenrich wird zu grund gerichtet, 
aber Dieterich verlässt sein reich. auszer Zusammenhang mit 
dieser erzählung steht noch eine weitere Schlacht Dieterichs 
gegen Ermenrich, wovon im Alphart die rede ist, allein schon 
andere gründe lassen eine spätere entstehung dieses gedichtes 
vermuten, in eine vielleicht noch neuere darstellung der sage, 
welche der anhang des heldenbuchs bewahrt (oben s. 296 — 298), 
ist zwar wieder Ordnung und Zusammenhang gebracht, aber 
auch ein theil ihrer grundlage aufgegeben. 

Also nicht eigentlich aus misverständnis, sondern aus einem 
unfreien sinne in auffassung der sage sind umkehrungen des 
inbalts und ungeschickte erweiterungen entstanden, feiner gieng 
die Nibelunge noth zu werk, welche Dieterichs abkunft von 
einem schwarzen geiste blosz nicht berührte. ich bin über- 
zeugt, dasz in der ursprünglichen sage die poetische Wahrheit 
und kraft zu stark wirkte, als dasz rücksichten dieser art mög- 
lich gewesen wären. die Edda verrät nirgends die absieht, 
irgend jemand in ein günstigeres licht zu setzen, sondern sie 
lässt die natur eines jeden frei sich äuszern und ihm wider- 
fahrt das recht, das ihm gebührt. 

2. Eine solche engherzige Parteilichkeit far Dieterich trägt 
auch schuld, dasz, umgekehrt, Wittichs Charakter herabgesetzt 
ist. die Vilkina saga stellt ihn nirgends verächtlich, nicht ein- 
mal unedel dar. er gibt dort nur den unabwendbaren Ver- 
hältnissen nach, warnt seinen vorigen herm und tödtet dessen 
bruder im kämpfe erst in höchster not. die reue, die er dar- 
über in der Rabenschlacht zeigt, ist schön und ergreifend be- 
schrieben und dies stück gewis noch aus dem alten gedichte 
erhalten, dagegen der verrat, den er in der Flucht an Diete- 
rich gleich nach empfang von dessen gnade ausübt, und die 
schon erwähnte Schändlichkeit, womit er den Alphart mordet, 
sind widerstrebende zusätze. 

3. Die Veränderung in der fabel des Rosengarten zu 
gunsten Dieterichs ist schon bei einer andern gelegenheit (oben 
s. 347—348) berührt. 



9 — 868 



9. 360 

Wir dürfen nicht versäumen, die Wirkungen aufzusuchen, 
welche die veränderte sitte^ der Untergang alter, die einfiihrunjg 
neuer, auf das epos gehabt hat, müssen sie aber unterscheiden 
von der allmähligen und langsamen umwandelung, welche das 
veränderte poetische bedürfnis hervorbringt und wovon hernach 
die rede sein wird. 

1. In den eddischen liedern verkündigt sich die heldenzeit, S61 
welcher sie ihre entstehung verdanken, sie sind erflült von dem 
stolzen gefühl der kühnsten todesverachtung, aber frei äuszem 
sich auch die heftigsten leidenschaften, und eine unentschuldigte 
grausamkeit glaubt erst die pflicht zur räche vollständig zu er- 
füllen, was ist der allgemeine blutige Untergang in dem Nibe- 
lungelied gegen den tod, den Högne und Gunnar leiden? und 
doch scheint das noch überboten durch den mord der jungfräu- 
lichen Schwanhild, deren zarten leib piferde zertreten, oder 
durch das opfer, das Gudrun mit den eigenen kindern bringt, 
gleich wol liegt in dieser grausamkeit, der eine gewisse tra- 
gische würde nicht fehlt, und die der gegenüberstehende unbe- 
zwungene mut mildert, denn Högne lacht, als ihm das herz aus- 
geschnitten wird, und Gunnar rührt unter schlangen sitzend die 
harfe; es liegt darin keine eigentliche, widrige rohheit. diese 
erscheint erst in der herabsinkenden dichtung, wenn sie erzählt 
(Vilkina saga c. 366), dasz Grimild ihren brüdern einen feuer- 
brand in den mund gestoszen habe, um sich von ihrem tode 
zu überzeugen. in dem Nibelungelied ist jener ungezähmte 
sinn, zugleich mit der auf heidnischer ansieht ruhenden blut- 
rache, verschwunden und der geist des ritterthums, der alle 
persönlichen Verhältnisse verfeinerte und grosze gewalt über 
die leidenschaften geradezu forderte, übermächtig geworden, 
der ganze Charakter Rüdigers hat daher seine Bedeutung 
empfangen: die hintansetzung seiner selbst, die freigebigkeit, 
die bereitwilligkeit gegen seine freunde zu kämpfen, um seinem 
herrn die treue des vasallen zu bewähren. überhaupt ist gut 
und bös mit einem gesteigerten gefuhl und gröszerer Parteilich- 
keit geschieden, als in der Edda, welche nicht anklagt oder 
entschuldigt, sondern das Schicksal ohne einspruch, die that 
ohne rücksicht auf die gesinnung walten lässt. in ihrem geiste 
würde das schwert der gerechtigkeit, welche das Nibelungelied 
dem Hildebrand oder Dieterich in die band gibt, die wut der 
Kriemhild zu bestrafen, sinnlos und Etzels billigung (in der 
Vilkina saga) unnatürlich und tadelnswürdig sein. 

2. Das erlöschen des rechts zur blutrache hatte noch eine 
hauptveränderung in der Siegfriedssage zur folge. Kriemhild 

WlI«H. GftIMM, DBUT80HB HHLDIMSAGB. 24 



fW 16 

861 bereitet in dem Nibelungelied ihren brüdem den Untergang, 
weil sie' sich genugthuung für Siegfrieds mord verschaffen will, 
dieses beginnen war nach den begriffen älterer zeit unrechtlich, 
denn sie hatte stlhne angenommen. [Germania 3, 195.] auch 
weisz die Edda durchaus nichts davon, im gegentheil sie lässt 
fttr ihre gemordeten brüder, dieselben, die Sigurds tod ver- 

363 schuldet hatten, die Gudrun blutrache an dem eigenen gemahl 
nehmen. und doch geht dieser that noch eine grausamere 
voran: bevor sie ihn selbst tödtet, lässt sie ihn die herzen der 
mit ihm erzeugten, von ihren eigenen bänden gemordeten kinder 
als eine süsze speise verzehren und aus ihren zu bechern ge- 
formten Schädeln blutgerötheten wein trinken. verpflichtet 
glaubte sie sich vielleicht, weil die kinder (was blosz die prosa 
in dräp Nifl. p. 287 noch weisz) das leben der brüder ihrer 
mutter von Atle zu erflehen sich geweigert hatten, die räche 
der Kriemhild an ihren brüdem findet ihren grund in jener an- 
sieht des mittelalters , welche die liebe als das höchste gefiihl 
verehrte, vor dem jede andere rücksicht weichen muste. der 
dichter der Klage erblickte daher in ihrer that eine gott wohl- 
gefällige treue gegen Siegfried (vgl. oben s. 112). 

3. Als Sigurd in Gunnars gestalt mit Brünhild das bett 
theilt, scheidet er sich durch ein schwert von ihr, weil er sie 
nicht berühren will, ein alter gebrauch (rechtsalterth. 168), 
dessen verschwinden in dem Nibelungeliede die darstellung einer 
scene möglich gemacht hat, die freilich Siegfrieds ritterlichen 
edelmuth in das glänzendste licht setzt, aber der trefflichen 
erzählung ungeachtet etwas künstlich ausgesonnenes und über- 
feinertes enthält, es war für ein späteres, weniger zart gehal- 
tenes gedieht nicht schwer, dies abzuändern, und in der Vil- 
kina saga (c. 207) zieht Siegfried der Brünhild erst den ring 
vom finger, nachdem er ihre gunst wirklich genossen hat. da- 
mit schwindet auch die reinheit seines Charakters, auf welche 
die echte sage ein so groszes gewicht legt, und ein wesentlicher 
zug ist verwischt. 

4. Die eddische sage musz den Sigurd für schuldig er- 
klären, nicht sowohl seiner gesinnung wegen, denn zu dem 
grösten unrecht, das er begieng, ward er durch einen zauber- 
trank bethört, als seiner handlungen. er brach die eide, welche 
er der Brünhild geleistet hatte, aber auch die täusch ung, in 
welche er sie versetzte, ward in dem augenblick eine schuld, 
wo sie durch ihn, wenn auch gegen seinen willen, an den tag 
kam und ihre ehre verletzte. Brünhild war berechtigt räche 
zu fordern und die rheinischen könige denken nicht weiter 
daran, Sigurds tod zu verheimlichen, nachdem sie das feige 
und unwürdige dabei von sich, abzuwälzen und dem Guttomi 
aufzuladen gesucht haben, in der Nibelunge noth ist das Ver- 
hältnis ganz anders : Siegfried bleibt rein und unschuldig, selbst 



dasi 1^ uhtfteMbar ^i^ioht ih '(^itt^r ^d&fb ^stlAt) für Gktnlh^r .^2 
baatifd^^ ^anfi BrQuMId ka^tn als ein üntecht betT^acMen; den^ 
wu* i;<^e«l iiiohte von einer frübeteii yet^iüdutig mit ihr und aes 
e^ ist aufls ftadzerste ttber iKriemMldeiid 6ok^aft2s>haftigkeit anfge- 
bracbt. an ihm ttrird ako ein fichtodticher mord begangen, 
welchen die urhefcer zu verbergen sich bemühen, ihn zu ent- 
decken, ward das bdhr^erickt in daö gedicfht eingeführt, über 
welches noch keine ältere nachweisungen aufgefonden sind, ob- 
wohl gleichzeitige (redht&alterth. 930). 

5. Wer unter dem anscheine feindlicher gesintiung nach 
namen und geschlecht gefragt wurde, dem gebot ritterliche 
sitte, antwort zu weigern^ damit es nicht auBsehe, als wünsche 
er den kämpf zu vermeiden.^* 

Ich musz zuvor einige beweisende stellen anführen. Bi- 
terolf gibt keine auskunft über sich (590). Omlung Terschweigt 
hartnäckig dem Sigurd namen und geschlecht, weil es ihm zur 
schände gereichen möchte (Vilkina saga c. 181); aus demselben 
gründe Parcifal dem Feirefiz (177*^), und dieser erklärt daher 
den scbfimpf auf sich nehmen zu wollen und nennt sich zuerst, 
als Otnit und Wolfdieterich zum kämpfe gerüstet sind, spricht 
jener (80^): 

nü dar, ritter edele, nü sagent mir iuwern namen, 
daz ich iuch da bi erkenne, des dürft ir iuch nit 

schämen. 
Do sprach Wolfdieterich: daz wcer ein zageheit^ 
daz ich iu von mime gesiebte so schiere haete geseit, 
w^r min vater waere oder wannan ich si geborn. 
waz hänt ir des ze fragen f daa ist mir an iu zorn, 

dieser ehrenpunkt war in d^ ältesten zeit unbekannt und es 
lag in der beantwortung einer solchen frage nichts schimpf- 
liches, zengnis davon liefert Eckehards gedieht: Walthari auf 
Haganos rath befragt, gibt (595) ohne bedenken dem Kamelo 
übeir namen und herkunft bescheid. gleicherweise im Beowulf 
(s. 22) der ankömmling dem Wächter Hrodgars. 

Dieser ansieht gemäsz beantwortet in dem alten Hilde- 
brandsliede (oben s. 23) der söhn dem vater, obgleich beide, 
zum kämpfe gerüstet, einander gegenüber stehen, genau, sogar 
ausführlich, die frage, wie er heisze und von wem er abstamme. 
Hildebrand, der seinen söhn erkannt hat, sucht auf jede weise 
den kämpf zu verhindern, aber jener sieht einen betrüger in 
ihm, und legt seinen werten keinen glauben bei. der vater mag 
wollen oder nicht, er musz zu den waffen greifen, in der Vil- 

■» ßrec 4467—72. 4520 ff. 4816 ff. ^325— 74. Volframs Wh. 118, 21 ff. 
Lftna^et did» 1^65 f. Krone 21596. Duniel von Bldmenthftl bi. 6. 

24* 



3?3: Id — ^ 

seskina saga (c. 876 Bafii, der Ider ^nen besseAi cöid voUstän- 
digem text hat) ist in folge der eingedrungezien) ritterlichen 

364 sitte der ganze natürliche inhah des liedes verschoben und der 
yerst&ndige Zusammenhang zerstört, beide vater und söhn, wie 
sie sich begegnen, beginnen ohne weiteres den streit, obgleich 
(ganz anders, als in dem alten bruchstück) Hildebrand recht 
gut weisz, dasz sein söhn ihm gegenübersteht, das höchst 
natürliche gefühl des vaters, der das blut seines sohnes zu ver- 
gieszen aufs äuszerste sich sträubt und nur nothgedrungen sich 
auf den kämpf einlässt, ist der ritterlichen ehre geopfert, welche, 
um zum kämpfe zu gelangen, jede andere rücksicht hintansetzt, 
die frage nach namen und geschlecht kommt zwar vor, findet 
aber erst während der ruhe vom kämpfe statt; sie ist passlicher 
in dem munde des sohnes, als des vaters, der seinen söhn nach 
der Beschreibung, die ihm vorher davon gemacht war, recht 
wohl kennt, allein beide wünschen im gründe die antwort 
blosz als ein zeichen der demüthigung und besiegung zu er- 
zwingen; der söhn will nicht einmal eingestehen, dasz er ein 
Wölfing sei, obgleich ihm dann der alte frieden verspricht, ja 
als er wirklich unterliegt, will er durch nennung des namens 
nicht einmal das leben erkaufen; Hildebrand musz sich ent- 
schlieszen den anfang zu machen, diese entwickelung war ge- 
wis dem alten gedichte fremd, das Volkslied schlägt wieder 
einen andern weg ein. die kampflust des alten, den die tapfer- 
keit seines sohns mit der eigenen zu messen gelüstet, ist ge- 
steigert, aber durch einen scherzhaften, über das ganze lied 
verbreiteten humor gemildert, die frage, woran sich ursprüng- 
lich das lied entwickelte, ist, weil sie bei dieser ansieht über- 
flüssig war und störte, ausgelassen, doch dasz sie ganz fehlte, 
hätte ich oben (s. 23) nicht so bestimmt sagen sollen, denn 
nach beendigtem kämpfe will Hildebrand dem söhne die beichte 
abnehmen und sagt, wenn er vielleicht ein Wölfing sei, habe 
er nichts zu fürchten, jetzt hält der söhn nicht, wie in der 
Vilkina saga, zurück, seine klage über die wunden, die er dem 
vater selbst geschlagen, ist ein schöner, vielleicht noch ein alter 
zug, den die Vilkina saga schon vergessen hatte; das gilt aber 
schwerlich von dem nachherigen scheinkampf vor firau Ute, den 
nur die Dresdener handschrift erzählt, die Vilkina saga jedoch 
erklärt allein den Vorwurf, den Hildebrand dem söhne macht, 
einen hieb geführt zu haben, wie ihn ein weib nur lehren könne, 
för die fortbildung der sage gewähren diese drei darstellungen 
aus den verschiedensten zeiten ein höchst lehrreiches beispiel. 

10. 

Den poetischen werth der einzelnen gedichte allseitig zu 
würdigen, ist hier nicht meine absieht, ich beschränke mich 



10 873 

darauf, die Terschiedene weise anzudeuten, die sich in auffassung 865 
der Überlieferung kund thut. der geist der dichtung blieb in 
dem fortgange der zeit nicht derselbe, er stieg oder sank, und 
sollte er sich auch auf gleicher höhe erhalten haben, so ver- 
änderte er doch vielfach den Standpunkt, von welchem aus er 
die sage betrachtete. 

1. Die eigenthümlichkeit der eddischen lieder beruht darin, 
dasz zunächst die absieht nicht dahin geht, den inhalt der sage 
darzustellen, den sie vielmehr als bekannt voraussetzen, sondern 
dasz sie einen einzelnen punkt, wie er gerade der poetischen 
Stimmung dieser zeit zusagt, herausheben, und auf ihn den 
vollen glänz der dichtung fallen lassen, nur was zu seinem 
Verständnis dient, wird aus der übrigen sage angeführt, oder 
daran wird erinnert, eine beziehung auf das zunächst voran- 
gegangene folgt vielleicht erst einer andeutung der zukunfl, das 
entfernte wird durch kühne Übergänge in die nähe gerückt, und 
zu ruhiger entfaltung und gleichförimgem epischen fortschreiten 
gelangt diese poesie nicht, wo sie etwa den anfang dazu macht, 
wird sie durch die neigung zu lebhafter, dramatischer darstel- 
lung gestört, die überall durchbricht und dieser betrachtungs- 
weise völlig angemessen scheint, die schönsten lieder gehen 
bald in gespräche über, oder sind ganz darin abgefasst; die 
erzählenden Strophen wahren nur den Zusammenhang, auch 
im einzelnen verleugnet sich nicht der geist des ganzen : oft 
wird ein bedeutender zug allein herausgenommen, alles übrige 
im dunkel zurückgelassen, so wird z. b. Sigurds mord einmal 
nur mit wenigen werten erzählt: 'leicht wars Guttorm anzu- 
reizen: das Schwert stand in Sigurds herz\ wie unzulänglich 
ftkr epische entwickelung und doch wie poetisch anschaulich! 

Das erhabene der eddischen lieder beruht in diesem auf 
der höhe genommenen Standpunkt, wo das äuge, über die ebenen 
wegschauend, nur auf vorragenden gipfeln verweilt, der aus- 
druck, edel und einfach, aber scharf und genau bezeichnend, 
ist nur durch reiche und kühne Zusammensetzungen geschmückt; 
da wo er schwer und tiefsinnig wird, blitzt der gedanke uns 
doch entgegen, eigentliche, zumal ausgeföhrte gleichnisse kom- 
men kaum vor (doch vgl. Atlam. 69 den spruch von der spitze 
und den wurzeln), um Sigurds Vorzüge zu beschreiben, sagt 
wohl Gudrun, er habe sich unterschieden, wie lauch vor gras, 
hirsch vor übrigen thieren, gold vor silber; doch dergleichen 
ist selten, dagegen sind die einzelnen ausdrücke selbst häufig 
bildlich zu verstehen und vorzugsweise liebt diese poesie Um- 
schreibungen, welcher statt der sache den eindruck, statt der 
person die handlungen vor äugen bringen, als Högne der 366 
Gudrun den tod Sigurds verkündigt, spricht er seinen namen 
nicht aus, sondern, theils aus einer gewissen Schonung, theils 



8f4 — W — 

m weil er zugleich dils raohe^ die der sterbeode nodi genomnen, 
ausdrücken will, nennt er ihn Guttorms tödter* 

In der dichtung von Sigurds ahnen, vorsstiglich aber von 
'Siegmund und Sinfiötle, hersoht eine wildbeit, die auf das 
höchste alter deutet, keineswegs zeigt sich dabei die gemein- 
heit herabgesunkener naturen. selbst in wölfe verwandelt und 
thierischen trieben überlassen, vergessen sie nicht ganz ihre 
heldennatur. Signe scheint ibr nichts als den glänz ihres ge- 
schlechtes gef&hl zu haben; sie trägt kein bedenken, ihm ihre 
kinder, welche die probe des muthes nicht, wie es Völsungen 
geziemt, bestehen, binzuopfern und in fremder gestalt mit dem 
eigenen bruder einen reinen abkömmling zu zeugen, dennoch 
fehlt dem Sinfiötle die volle kraft, die seinem vater, der zu- 
gleich sein oheim ist, innewohnt; er verträgt nicht wie dieser 
den gifttrank, sondern stirbt davon, in allen thaten dieses ge- 
schlechts ist kein zaudern, kein überlegen, sie folgen dem ge- 
waltigen dränge ihrer natm*^ aber Signe sühnt die begangenen 
greuel durch einen freiwilligen tod mit dem ungeliebten manne. 
Die sage von Sigurd ist in sich reiner und edler, er, dessen 
glänzende äugen schon eine höhere natur andeuten, die blute 
des geschlechts, das mit ihm abstirbt, die dichtung hat ein 
sichtbares Wohlgefallen an der herlicbkeit seiner ganzen er- 
scheinung und drückt das an mehr als einer stelle aus. man 
musz der zeit, welche sich in diesen liedern kund gibt, eine bil- 
düng beilegen, welche äuszerungen der zartesten geftible ver- 
gönnte und natürlichkeit und adel der gesinnung zu vereinigen 
wüste, groszartig ist der Charakter der Brünhild und in dem 
widerstreit unverlöscbter liebe zu Sigurd und der nothwendig- 
keit ftir die preisgegebene ehre seinen tod zu fordern mit nicht 
gewöhnlicher tiefe und kraft dargestellt, ihre letzte rede, die 
anordnung ihrer und Sigurds leichenfeierlichkeit und die Pro- 
phezeiung, womit sie endigt, hinterläszt einen vollkommen tra- 
gischen eindruck. Gudrun denkt milder und weiblicher und 
ihre natur äuszert sich am schönsten in dem schmerz bei Si- 
gurds leiche. Grimild steht tiefer und im hintergrunde mit 
hexenkünsten beschäftigt, sie will das Schicksal lenken und ai^ 
beitet ihm in die bände, unter den Griukungen ragt Högne 
hervor, Gunnar ist weniger offen und entschieden, und verdient 
einigermaszen die geringschätzung, welche Brünhild ihm be- 
zeigt; doch die heldennatur beider brüder äuszert sich bei At- 

367 les verrath und ihrem tod. Guttorm, ihr Stiefbruder und kein 
söhn Gciukes, gilt nicht fUr ihres gleichen und gibt siek als 
Werkzeug zu Sigurds mord in ihre bände. Atles Charakter ist 
zu unbestimmt, um eia urtheil zuzulassen. 

2. Eine merkliche Verschiedenheit finde ich in den ffron- 
ländi^chen^ lißdern imd oi^en fcirtsdunti «m der epigohen damlelr 
lung, wie denn auch hier erst das ich des dichters zum vor- 



10 375 

schein kommt, schon deshalb kann ich ihnen nicht mit den 96^ 
andern ein gleiches, oder gar ein höheres alter beilegen, wenn 
sich auch nicht gezeigt hätte, dasz neue namen, höchst wahr- 
scheinlich auch neue ereignisse, darin aufgenommen sind, sie 
umfassen ein groszes, für sich selbst bestehendes stück der 
sage, das ohngefähr dem zweiten theile unserer Nibelunge noth 
entspricht, zwar an freien übergangen fehlt es auch hier nicht, 
aber es ist doch ein festerer fortgang und eine gewisse ent- 
wickelung der fabel merkbar, der ausdruck ist auffallend 
schwerer und künstlicher, dennoch aber von einem poetischen 
geiste durchdrungen. 

3. Wenn die alten lieder sich nicht um eine in beziehung 
auf den Inhalt vollständige darstellung der sage bemühen, so 
dürfen wir schlieszen^ aasz sie allgemeine kenntnis derselben 
voraussetzen und der ergänzung ihrer werte in dem bewustscin 
der Zuhörer gewis sind, einer solchen, noch nicht, wie die 
spätere, durch das zuströmen fremder sagen gestörten zeit 
mochte für die erhaltung der eigenen zu sorgen gar nicht ein- 
fallen, das Hüdebrandslied^ das einzige, was wir aus jener pe- 
riode dagegen zu stellen haben, ist ein zu kleines bruchstück, 
als dasz wir mit Sicherheit urtheilen könnten, doch lässt sich 
ein den eddischen liedern verwandter geist wohl erkennen, es 
erzählt nicht, dasz Hildebrand auf dem wege nach haus sich 
befunden und einsam vorausgeritten sei, es beginnt gleich dra- 
matisch: vater und söhn stehen sich einander gegenüber und 
ehe es zum kämpf kommt, entspinnt sich ein lebhaftes, natür- 
liches gespräch, das mit der läge beider sehr woM bekannt 
macht, doch herscht mehr streben nach Vollständigkeit, als in 
den eddischen liedern, und der ton scheint mir mehr episch, 
weniger feierlich ; mit einem ich iUngt das gedieht sogar an. 
Hildebrand zeigt hier schon die Weisheit, das vorsorgliche und 
die schwer zu reizende, aber ihres erfolgs sich bewuste tapfer- 
keit, wie in spätem gedichten. 

4. Der zeit nach rückt Eckehards Walihari hier an. als 
Übersetzung oder stilübung, die, wenn auch geschick und ver- 
stand, doch wenig von poetischer lebendigkeit verräth, liefert 
sie keinen aufschlusz über den geist des Originals, nur ein un- 
möglich von Eckehard ausgegangener, sondern in seiner quelle S68 
begründeter umstand gibt eine merkenswerthe andeutung. Gun- 
thari zeigt ein unwürdiges, nahe an feigheit gränzendes betra- 
gen, worüber er auch vorwürfe erhält, für die Edda und Ni- 
belunge noth passt diese grundlage seines Charakters nicht. 
Hagano dagegen ist durchaus edelmüthig gesinnt und das 
finstere und böse wesen, das die Nibelunge noth beschreibt, 
ihm fremd. 

5. König Ruther fallt eigentlich auszer den kreisz unserer 
betraphtung, da 9.eine nicht volkamäa?igQ, selbst et^4s rol^e ge- 



376 10 

868 lehrsamkeit einmischende darstellung schon jener zeit und bü- 
dung angehört, aus welcher sich die höfischen dichter des 13ten 
Jahrhunderts entwickelten, auch ist bei dem verderbten text 
schwer, einen richtigen eindruck zu erlangen, die begeben- 
heiten werden erwähnt, um besprochen zu werden, sie selbst 
aber gelangen, wenn ich so sagen darf, nicht zum wort, zu 
loben ist die Sicherheit in der ganzen arbeit und manche schöne 
einzelheit, z. b. die erzählung von Ruthers heimlichen besuche 
bei der königstochter und der probe mit den goldnen schuhen, 
in dem alten Berther ist mit Hildebrands Verhältnis auch dessen 
Charakter wiederholt. 

6. Die darstellungsweise der eddischen lieder ist in der 
Nibelunge noth zu ihrem gegensatze gelangt, hier wird nicht 
blosz an die sage erinnert und die theilnahme auf eine hervor- 
leuchtende stelle geleitet, hier ist absieht, den inhalt so voll- 
ständig und genau als möglich darzulegen, dies geschieht mit 
einer aus dem frischesten und lebendigsten gefühl erzeugten 
Wahrheit, die jedes wort durchdringt und beseelt, die Edda 
zeigt eine bewegte, aufgeregte Stimmung, sie schreitet heftig 
weiter, während hier eine gleichförmige ruhe herscht, die in 
sicherer und langsamer entwickelung der fabel jedem theil die- 
selbe aufmerksamkeit schenkt, erhaben in dem sinne, in wel- 
chem es die eddischen lieder sind, ist die Nibelunge noth nicht; 
jenen fehlt dagegen die anmuth, das eindringliche und zutrau- 
liche des deutschen gedichts^ dem ein natürliches gemüth nicht 
leicht widersteht, es setzt die geistig reiche, in allen Verhält- 
nissen innerlich belebte zeit voraus, in welche seine ausbiidung 
fallt; ihr entspricht die darstellung des öffentlichen und häus- 
lichen lebens, die feinheit der sitten, die pracht der feste, über- 
haupt die äuszere ausst^ttung. die Wirklichkeit ist nur in das 
reinere licht der poesie hervorgehoben, volksmäszig ist das 
lied allerdings, insoweit nämlich das beste dieser zeit, aus der 
mitte des ganzen volkes hervorgegangen, keine abgesonderte 
erscheinung war. auch ist die person des dichters niemals 

369 durch die geringste eigenthtimlichkeit ausgezeichnet und bedeu- 
tet in der tbf^t nichts anders als den lebenden mund der sage, 
das ich (meist in dem ersten theile des gedichts) erscheint nur 
in allgemeinen (8, 1. 197, 2. 553, 2) und wiederkehrenden 
(71, 2. 362, 1. 1649, 3) ausdrücken, oder in humoristischen 
Wendungen (293, 2. 560, 4), wie sie auch der dichter des grafen 
Rudolf und Wolfram lieben, schicklich hebt das gedieht mit 
Uns an, um auch die, welchen die sage soll überliefert werden, 
mit zu begreifen; diesen pluralis gebraucht aber schon ein 
angelsächsisches gedieht, das lied von Anno und Ruther (oben 
s. 21. 49. 50). 

Die alten lieder beherschen vollkommen den inhalt der 
sage und verlieren den Zusammenhang des ganzen selten aus 



10 377 

den äugen, darin steht das Nibelungelied zurück, und eine ver- 869 
gleichung von diesem gesichtspunkt würde zu seinem nachtbeile 
ausfallen. Widersprüche, nachlässigkeiten und andere verstösze 
dieser art sind schon oben (s. 64) besprochen, doch wie unge- 
recht es sein würde, darnach den poetischen werth messen zu 
wollen, bedarf keiner bemerkung. die darstellungsweise des 
Nibelungeliedes und das hingeben an die genaue erzählung 
lenken von der rücksicht auf das ganze und von der sorge ab, 
erweiterungen und Umbildungen damit in Übereinstimmung zu 
setzen, der lebendige Zusammenhang wird dadurch nicht ge- . 
stört, bleibt wenigstens erkennbar, und darauf vertraut die dich- 
tung. wird doch auch das wunderbare eher in den hintergrund 
gerückt, als hervorgehoben, und dem menschlichen die höchste 
theilnahme zugewendet. 

Wir haben gelegenheit die auffassung einiger hauptcharak- 
tere zu vergleichen. Brünhild ist offenbar gesunken, zwar ist 
eine finstere stärke verblieben, aber nicht die hoheit, welche 
die Edda ihr beilegt, hier wirkte nicht blosz eine andere an- 
sieht des dichters, auch die verblasste sage, da ihre frühere 
bekanntschaft mit Siegfried beinahe völlig vergessen ist, so hat 
sie nur den ihr gespielten betrug zu rächen; wir vernehmen 
nichts von ihrer heimlichen und heftigen neigung zu ihm, und 
nachdem sie seinen mord erlangt hat, tritt sie ungeschickter- 
weise ganz in ein dunkles leben zurück, während sie in der 
Edda mit einem richtigem gefühl ihr dasein nicht länger er- 
tragen kann, nur als Etzels botschaft anlangt (1425. 1426), 
wird sie noch einmal genannt; das hätte ebenso gut unterblei- 
ben können, sie bedeutet nichts mehr, zwei der ergreifendsten 
momente, ihre Unterredung mit Sigurd nachdem das geheimnis 
an den tag gekommen ist, welche die Völsunga saga (c. 38) 
allein bewahrt hat, und ihr feierliches, stolzes ende sind durch 
diese Veränderung aus der dichtung verschwunden. Eriemhil-370 
dens (Gudrunens) und Günthers charakter ist nicht wesentlich 
verändert, er tritt auch hier vor Siegfried zurück, dieser er- 
scheint ganz wieder als der reinste und tapferste held, den die 
weit noch gesehen hat, obwohl weniger in der that, als dem 
eindrucke nach, den seine, jetzt nicht mehr in frischer erinne- 
rung bekannte Jugendzeit hinterlassen hat. eine rohe bezeich- 
nung seiner unerschrockenheit und eine ungeschickte entstel- 
lung scheint mir die hornhaut, von der mit recht die Edda, die 
Klage und Biterolf nichts wissen (oben s. 112. 132). die er- 
zählung von dem auszuge auf die jagd an, bis* zu dem augen- 
blick, wo er meuchlings durchstochen wird, ist trefflich und 
man vergiszt darüber, dasz der grundgedanke der alten lieder, 
wonach der mörder den Sigurd im schlafe tödtet und dreimal, 
von dem glänze seiner äugen erschreckt, zurückgegangen ist, 
bis er sie geschlossen hatte, als poetischer und bedeutender 



878 10 

STOmusz anerkannt werden, völlig in einem andern lichte zeigt 
sich Hagen; über die gründe, die dabei mögen gewirkt haben, 
habe ich schon muthmaszungen aufgestellt, er räth und yoU- 
bringt die böse that und äuszert sich auch sonst, und ohne 
noth, rauh und unbarmherzig gegen Kriemhild, ganz der Edda 
entgegen, in dem zweiten theile des Nibelungeliedes ist dieser 
Charakter durch Hagens grausamkeit gegen den fährmann und 
den kapellan fortgesetzt, bis in den neu hinzugekommenen Ver- 
hältnissen zu Volker und Rüdiger er wieder gehoben und edel- 
müthiger dargestellt wird. Volkers heiterer humor, geschildert 
und durchgefiihrt, wie es nur Volksdichtung vermag, würde 
doch dem geiste der eddischen lieder nicht zusagen und sich 
dort, falls auch der neu hinzugetretene held selbst schon be- 
kannt gewesen wäre, nicht eingefunden haben. 

7. Ich erwähne hier gleich neben dem Nibelungelied das 
gedieht von Gudrun , weil es an innerm gehalt ihm so nahe 
steht und allein mit ihm kann verglichen werden. alles der 
darstellung dort ertheilte lob ist auch hier anwendbar, den letzten 
srad etwa nehme ich aus, denn die zarte ausführung, welche 
den zweiten theil des Nibelungeliedes auszeichnet, ist nicht 
völlig erreicht, auch sitte und lebensweise möchte dort gleicher- 
weise um einen grad feiner und vornehmer sich ausweisen, 
dagegen was anläge des ganzen und regelmäszige, fortschrei- 
tende entwickelung der fabel betrifft, so steht es über der Ni- 
belunge noth; es ist noch mehr aus einem gusz und kann in 
dieser hinsieht als ein muster gelten, es überrascht durch neu- 
heit des inhalts wie der Charaktere, und zu bewundem ist der 

371 eigenthümliche ausdruck, den jede der auftretenden personen 
zeigt und durch das ganze gedieht behält, mit dem aufenthalt 
der gewaltsam entführten Gudrun in der Normandie öffiiet sich 
die blute des gedichts; die erzählung, die jetzt folgt, wie 
Gudrun unter herabwürdigungen aller art den adel ihrer seele 
bis zu dem augenblick ihrer erlösung bewahrt, ist von unbe- 
schreiblicher Schönheit und der werth dieses gedichts überhaupt 
so grosz, dasz es dem jbesten, was epische poesie irgendwo 
hervorgebracht hat, kann an die seite gesetzt werden. 

•8. Eine gewisse geistesverwandtschaft finde ich zwischen 
Otnit und Wolfdieterich^ dem Rosengarten und Alphart; sie 
mögen sich ziemlich gleichzeitig, wahrscheinlich in der zweiten 
bälfte des 13ten Jahrhunderts*, wenigstens in der auffassung 
in der wir sie besitzen, ausgebildet haben, was stil, darstel- 
lungsweise, poetisches gefähl angeht, so haben sie manches mit 



* wegen des Ortnit und der Wolfdieteriche s. zur gesch. der Nib. not s. 9, 
23 f., Haupts zs. 13, 185 ff. (vgl. oben s. 174); über den Rosengarten die nach- 
weisungen zu s. 249 oben; über den Alphart zur gesch. der Nib. not s. 21, 
PQ3, %^ eiiU. 



)9 W9 

dei|i Nibelungeliede gemein, nur dies alles steht nicht eine, sonr in 
dem mehrere stufen tiefer, sie sind volksmäszig, aber von 
dieser poesie hat sich der edelste stand, ich meine die kunstreich 
gebildete!» dichter, entfernt; dem übrigen volk verblieben, zeigt 
sie sich wahr, tüchtig, kräftig, noch immer hat sie einen un- 
gewöhnlichen werth und vermöge ihres Ursprungs eine kraft im 
festhalten der Charaktere, welche den höfischen dichtem man- 
gelt; allein der erzählung fehlt die genaue und anmuthige aus- 
föhrung und der geistige duft des Nibelungeliedes und der 
Gudrun*, rohheit der sitten ist an mehr als einer stelle ein- 
gedrungen: das ganze abenteuer, das Wolfdieterich mit der 
heidin Marpalie erlebt, die beschreibung ihrer reitze, der grund, 
der, wie sie glaubt, ihn bewegen müsse, sie freizugeben, ist ein 
Zeugnis davon, so viel verdienst die belebte, sichere darstellung 
sonst hat. Kriemhild im Rosengarten schlägt nicht blosz der 
Jungfrau, welche zu gunsten Rüdigers spricht, mit der faust 
ins gesiebt, sie straft sich späterhin selbst auf diese weise; 
und wie viel gemeiner noch ist das anerbieten, das die herzogin 
an Dieterichs hofe dem Wolf hart macht, um damit seine gunst 
f)ir den rheinischen boten zu erlangen, diese beispiele lieszen 
sich vermehren, ich bemerke aber nur noch die rauheit des 
jetzt erst auftretenden mönchs Ilsan und die halb scherzhafte, 
halb plumpe weise, womit das klosterleben verspottet wird, die 
deutlich jenes Zeitalter verräth. man musz die Uagen des Hugo 
von Trimberg aus dem ende des 13ten Jahrhunderts über Ver- 
derbnis der geistlichkeit im Renner lesen, um jene Schilderun- 
gen begreiflich und in der allgemeinen ansieht begründet zu 
finden. 

9. Das unvolksmäszige, überdies ziemlich geistlose gedieht 872 
von Dieterichs flucht kommt hier nicht in betracht. die Rdben-^ 
Schlacht und Ecken ausfahrt besitzen wir leider nur in Umar- 
beitungen; wie sie vorliegen, sind sie beides älter und jünger, 
als die so eben beurtheilten werke, hier unterscheidet sich das 
edle metall deutlich von dem tauben gestein und unverkennbar 
ist der geist der alten dichtung, da wo kämpf und tod Diethers 
und der beiden söhne der Helche erzählt wird, noch in dieser 
wortreichen, durch Wiederholungen geschwächten darstellung 
einer unsichem band, die bei Ecken ausfahrt gewählte strophe 
veranlasste zwar manche überflüssige zeile, doch ist etwas gleich- 
formiges und festes in der manier, die der arbeit einen be- 
schränkten werth und reitz verleiht; auch wäre es ungerecht, 
den eigenthümlich poetischen sinn zu verkennen, womit Diete-^ 
richs und Eckes zusammentreflen, ihr gespräch und kämpf, und 
Dieterichs klage über den getödteten feind aufgefasst ist. reinem 
inhalt liefern wohl die hierher gehörigen capitel der Yilkina 



* ( 



Hagdietrichs brautfahrt ist trefflich, auch oft in darstellimg.' Jac. Qrimm, 



880 10 

$73saga, doch wohl nur einen auszug aus dem gedieht, das En- 
enkel in der mitte des 13ten Jahrhunderts kannte. Sigenothshe 
ich schon bei einer andern gelegenheit beurtheilt: die sage ist 
unbedeutend, die darstellung matt und leblos. Laurm^ durch 
bessern inhalt geschützt, erhebt sich doch an keiner stelle über 
eine flache gleichfbrmigkeit. 

10. Das lied von Siegfried zeigt noch einigen Zusammen- 
hang mit dem geiste der Nibelunge noth, aber in höchster be- 
schränktheit und Ungeschicklichkeit, ja es scheint dem völligen 
erstarren nah. dagegen das Hildebrandalied^ als wirkliches Volks- 
lied, eine frische, nicht unangenehme Stimmung verräth. selbst 
das lückenhafte und abgerissene darin hat etwas gefalliges und 
die phantasie anregendes. 

11. Ich darf die VHkina aaga nicht ganz übergehen, als 
blosze Übersetzung und compilation aus zwar guten, aber doch 
ungleichartigen quellen erlaubt sie kein eigentliches urtheil über 
ihre darstellung. gerade das geistreichste der gedichte mnste 
auf diesem wege verfliegen, aber die Übertragung in prosa ist 
verständig und allem anscheine nach gewissenhaft, zudem ist 
sie öfter durch umständlichere erzählung belebt und ihr fehlt 
dann nichts, als ein höherer ausdruck und rhythmische be- 
wegung. 

12. Das heldenbuch Caspars von der Röhn ist eine von 
allem poetischen sinn entblöste, unglaublich geistlose arbeit; der 
beschränkteste meistersänger des löten steht den besten dich- 

373 tern des 13ten Jahrhunderts näher, als dieser rohe bearbeiter 
der alten quelle, nachdem dreihundert jähre etwa verflossen 
sind, ist die heldensage aus den edelsten in die gemeinsten 
bände stufenweise herabgefallen und ihr völliges erlöschen nicht 
blosz begreiflich, sondern nothwendig. Caspar hat, wie es 
scheint, für gemeine bänkelsänger gearbeitet und sein geschäft 
wie ein tage werk betrieben; mehrmals thut er selbst die Über- 
zeugung von dem werth seiner, viele unnütze worte wegschnei- 
denden bearbeitung kund, von der Stumpfheit der spräche und 
überhaupt ihrer behandlung musz man sich selbst überzeugen, 
um sie ftlr möglich zu halten. 

13. Das gedieht von Dieterichs drachenkämpfen ist, nur 
in einer andern weise, ebenso schlecht als Caspars bearbeitun- 
gen, ja dieser zeigt doch eine gewisse rüstigkeit, während das 
weitschweifige und die endlosen Wiederholungen in diesem star- 
ken, strophischen werk eine ganz kindische unbeholfenbeit an 
den tag legen. 



« »81 



11. S78 

Die Untersuchung rückt vor zur betraohtung der Verände- 
rungen, welche die dichtung im munde der sänger oder durch 
schriftliche aufzeichnung erfahren hat. 

1. Nach Jornandes sangen die Gothen ihre heldenlieder 
unter Begleitung der zither (die stelle oben s. 1). es ist frei- 
lich nur eine Vermutung, dasz dieser gesang mehr eine lang- 
same, den rhythmus bezeichnende, von den tönen des instru- 
menta begleitete rede war; aber diese Vermutung stützt sich 
auf ähnliche erscheinungen bei Völkern, deren heldenlieder noch 
wirklich gesungen werden, das dasein besonders ausgebildeter 
Sänger dürften wir nicht bezweifeln, wüsten wir, dasz der zither- 
spieler, den der ostgothische Theodorich dem fränkischen könig 
Chlodowig sendete und den er in seinem briefe (Cassiodor. var. 
2. p. 1128. bibl. max. XI.) nennt: citharoedum arte sua doctum^ 
qui ore manibusque consona voce cantando gloriam vestrae po- 
testatis oblectet, nicht ein römischer sondern ein gothischer ge- 
wesen wäre, uugewis ist auch, ob er epische gedichte vortrug, 
aber doch wahrscheinlich, ein noch früheres zeugnis aus der 
mitte des 4ten Jahrhunderts belehrt uns über Volkslieder der 
Deutschen am Bhein und ihre lust am gesang. ich meine die 
bekannte stelle in Julians Misopogon gleich eingangs: ^deaaa- 
jjLiQv Tol xal Toi>c 6ir&p x6v ^Pr^vov ßapßapou? a^pia fieXif] 'kiizi 
Tr8Tronf3[i.lva irapairXi^aia tot? xpco'iffi.oTc x&v ßoc&VTcov äpvtftcüV aSovxac xal 
eu9paivop.£vooc iv xot; fxsXeaiv. freilich ist nichts von ihrem in- 374 
halte gesagt, im Venantius fort. (7, 8) nur die werte: barbaroa 
leudos harpa relidebat, und: dent barbara carmina leudos, 

2. Das angelsächsische gedieht von Beowulf enthält einige 
wichtige äuszerungen über den vertrag der sage (die stelle oben 
8. 14). der dichter, der eine menge alter sagen im gedachtnis 
bewahrt, singt von Siegmund und Fitela. auch die iähigkeit 
wird gerühmt, mit verstand und Sorgfalt die erzählung vorzutra- 
gen, eines begleitenden Instruments geschieht gerade hier nicht 
erwähnung, aber anderwärts wird der klang der harfe bei dem 
gesange, der während des festlichen gelags statt fand, mehr als 
einmal (Beowulf 9. 138. 158. 224. Conyb. 18) bemerkt, ver- 
ständen wir den ausdruck singen und sagen^ der von dem vor- 
trage epischer lieder gebraucht wird, in seiner eigentlichen be- 
deutung, so würden wir über art und weise dabei besser unter- 
richtet sein; sagen musz hier so viel heiszen, als umständlich, 
bei festlicher gelegenheit verkündigen, nnd nur eine genauere 
Bestimmung von singen enthalten, der ausdruck begegnet in 
den werken des mittelalters. pfaffe Konrad von den heidnischen 
boten, die an dem hofe des kaisers Karl anlangten (9*^): si 



S8f ««- tt 



874 hörten sagen und singen, in der ältesten Nibelunge noth findet 
er sich nicht, wohl aber in der Überarbeitung (166 Lassb.), bei 
Walther (58, 25. 61, 35. 72, 35), in Gudrun (666), Alphart 
(254, 4), Rosengarten c (9». 17»». 24»»), Flucht (681. 2486), Ra- 
benschlacht (5); ich enthalte mich der citate Aus andern wer- 
ken des ISte^ und 14ten Jahrhunderts,' wo er nicht selten yor- 
kommt. (noch bei Hans Sachs (Götz 55) pi^apt und i^esunffen,) 
Wolfram Scheint einen gegensatz hineinzulegen: sagen oder 
singen (Parc. 7187), singen oder sprechen (Parc, 12429); so 
auch anderwärts (Fragm. 28, 47. Benecke beitr. 113. Amgb; 48*. 
Renner 313*. 815». Dieterichs Drachenk. 169*. 241*). Reinbot 
(Georg 340. 356. 1068) und Conrad von Würzburg (troj. kr. 
eingang 132. 5205. 16821. 18260) gebrauchen beide ausdrücke, 
ich zweifle sehr, dasz dieser gegensatz ursprünglich war, die 
begriffe von gesang und rede lagen sich vielmehr früherhin so 
nah, dasz häufig einer den andern ersetzte; das zeigt das nor- 
dische qveda, das beides heiszt^ singen und sagen, das gothi- 
sehe siggvan und Otfrieds (I. 17, 56) ausdruck: buah singet, 
(das Vaterunser singan Hoffmann althochd. xi, 9 vgl. 20. Kaiser- 
chron. 105*.) erläuterung und, wie ich glaube, bestätigung 
meiner ansieht gewährt eine stelle in Yeldeks Ernst (s. 53): vil 
seiden sie ir vergizen, von den sie sich da schieden: mit guoten 
sagelieden so wart ir vil wol da gedäht und ir lop ze schalle 
bräht. das alter aber und das technische in jenem ausdrucke 
ergibt sich deutlich aus der äuszerung eines angelsächsischen 

876 wandernden Sängers (Conyb. 15): ic msßg singan and secgan 
spei, msBuan fore mengo in meoduhealle. diese stelle gibt auch, 
wie mich däucht, grund zu glauben, dasz angelsächsische und 
deutsehe einrichtungen hierin sehr üb^einstimmten. (eoncinna- 
tur et canitnr. Pertz 2^ 83. 104.) 

3. War der gesang frei oder bildete sich ein besonderer 
stand von Sängern mit herkömmlichen sitten und rechtem ? ieh 
fra^ zuerst die angelsächsischen quellen, deren Wichtigkeit wir 
oben anerkannt haben und bei welchen wir früher, als bei "den 
einheimischen, eine antwort finden, im Beowulf heiszt der, 
welcher die alten sagen vorträgt, ein ruhmbeladener held (oben 
s. 14), aber auch an mehreren stellen (Beowulf 40. 81) des 
konigs dichter (scop, ahd. scuof); offenbar verwaltete er ein ihm 
zu theil gewordenes amt, dasz dies Herrenda gethan, sagt ein 
anderes angelsächsisches Zeugnis (oben s. 329 — 30) ausdrück- 
lieh, und noch deutlicher spricht das gedieht von dem Sänger 
Widsith (oben s. 18. 19), der in der weit umher zu allen be- 
rühmten königen zieht, eine zeit lang in ihre dienste tritt und 
köstliche geschenke zum lohn filr seine ktmst empft^ngt. dar 
gegen sehen wir in einer anderen stelle BeowuUs (158) den 
gesang nicht ausschlieszlich an die sänger gebunden: der alte 
könig selbst übernimmt beim feste ihr amt aiid singt zur harfe 



— II — HS 

tapfere thaten. beides scheint also statt g^Ainden ^ haben, W 
freier gesang und bestimmter beruf dazu, an welchen sich rechte 
und Verpflichtungen knüpfen mochten; und diese einrichtung 
scheint die natürlichste, (ich lasse die nordischen skalden, 
deren Verhältnis eine scharf bestimmte eigenthümlichkeit zeigt, 
aus dem spiel, obgleich viel ähnliches dabei vorkommt.) auf 
gleiche weise sehen wir in den deutschen gedichten Volker den 
spielmann und Horand, dessen kunst so hoch gepriesen wird, 
als freie beiden, sogar in augenblioken , wo der kämpf ruhte, 
ihrer neigung folgen, dagegen der sächsische sänger^ dessen 
Saxo gedenkt (oben s. 48) , machte doch aus seiner kunst ein 
gewerbe und ein noch älteres zeugnis lässt sie uns in gleicher 
läge erblicken, (habet mundus ludorum eochibitorea^ carminum 
pompaticos relatores, Walafrid Strabo bei Stalin Wirtemberg. 
gesch. 1, 395.) Adam von Bremen berichtet nämlich von dem 
erzbischof Adalbert (4, 42 [3, 38]): raro fididnea admittebaty 
quos tamen propter alleviandas anxietatum curas aliquando cen- 
suit esse necessarios. hätten sie nicht kunstgemäsze ausbildung 
gehabt, wie könnte sonst von den zweien im Wigalois (7425. 
vgl, 8480) gesagt werden: ir deheiner dem andern nie einen 
grif übersach. Tristan (7563—72) zählt seine geschicklichkeit 
als spielmann auf und fügt hinzu: daz kund ich allez wol, als 
so getan Hut von rehte sol; ausdrücklich wird ihres amtes in 
andern stellen gedacht (Trist. 3561. Mai p. 124). die spielleute 376 
dienten zugleich als boten ^ wie eben jener bei Saxo. hierzu 
taugten sie vorzugsweise, weil sie durch ihre reisen pflegten 
aller orten bekannt zu sein und ihre kunst freien zutritt ver- 
schaflle. Horand, des sanges meister, darf selbst am abende 
zu der königstochter gehen (Gudrun 1570. 1649). spielmann 
Isung wird (Vilkina saga c. 118) von einem könige an den 
andern als böte gesendet und dabei die bemerkung gemacht, 
dasz spielleute in frieden überall, sogar dahin reisen könnten, 
yvo andere verdacht erregen würden. ausdrückUch geschieht 
(c. 120) des groszen ruhmes erwähnung, in welchem Isung 
stand, von zwölf sängern im dienste eines königs, die täglich 
vor ihm singen musten, redet Gudrun (1624). Werbel und 
Swemmlein, Etzels spielleute, sind aus dem Nibelungeliede be- 
kannt, sie erfreuen sich groszer gaben (1314) und werden als boten 
am Rhein ehrenvoll empfangen und behandelt (1376, 4. 1379, 1. 
1393, 3), auch die reichsten geschenke ihnen bestimmt (1417). 
nach einer stelle im Parcifal (974) sitzen sie bei der mahlzeit 
an dem tische des herrn, unten dem capellan gegenüber, und 
aus dem Tristan (7562) lernen wir, wie viele Vorzüge ein höfi- 
scher spielmann vereinigen muste. sie befinden sich überhaupt 
im gefolge des herrn (Parc. 550. 1864. Frauend. 87. 235. Wigal. 
7426. 8474. Wigam. 4591) und stehen oflfenbar in dem Verhält- 
nis geachteter dienstleute. in der art und weise, wie sie ihre 



884 — 11 — 

STekunst ausübten, mag der angebome stand weiter keinen unter- 
schied gemacht haben; Volker heiszt blosz ein edel spilman 
(Nib. 1416, 4). 

Herumziehende, fahrende Banger suchten die höfe der forsten 
und könige, zumal wenn grosze feste bevorstanden, bei dem 
schlusze derselben sie mit ansehnlichen geschenken zu entlassen, 
war eine alte, durch viele Jahrhunderte festgehaltene sitte. sie 
empfingen gewöhnlich, was der mann bedarf, kleidung, schwer! 
und rosz^ also das heergewäte, wenigstens ein einzelnes stück 
davon. .Ruther reicht an Constantins hof einem armen spiel- 
' mann einen mantel. in dem welschen gast wird freigebigkeit 
getadelt, welche nicht einen bedürftigen armen, sondern den «u 
bekleiden pflegt, der schon hinlänglich bekleidet ist; zur ver- 
sinnlichung der lehre hat der cod. Pal., der im jähr 1216 ver- 
fertigt ist, folgendes bild hinzugefügt : ein herr, zwischen einem 
spielmann und einem halbnackten armen stehend, reicht jenem 
einen mantel, während dieser vergeblich nm einen pfennig bittet, 
darüber die werte: des ruomes gäbe. Enenkel erzählt (Rauch 
1, 158. 159), dasz herzog Leopold von Ostreich einen spielmann, 
377 der nach Rom an des kaisers hof gewollt, für seine kunst her- 
lich mit rosz, schwert und kleidern beschenkt habe, ähnliche 
gaben werden Nibel. (42, 2), Eracl. (2395), Wigal. (1680) er- 
wähnt, beispiele lieszen sich häufen, es kam nur darauf an, 
solche auszuwählen, welche achtung und theilnahme für den 
gesang bewähren. Walther (63, 3) verschmäht getragene klei- 
der, aber ein kaiser, sagt er, würde sie als spielmann nehmen, 
beständen sie aus dem leibe selbst, womit die schöne frau be- 
kleidet ist. 

Der Vortrag epischer gedichte mochte wohl dem der minne- 
lieder (Frauend. 204), auch wohl bloszer instrumentalmusik 
(Lohengr. 81. Flore 7579), immer mehr nachstehen, dagegen 
sagt noch der Meisener: gedoene äne wort daz ist ein toter 
galm (Amgb. 41*). das lied von Anno gedenkt des epischen 
gesanges (oben s. 49) und Swemmel, nach annähme der Klage 
(oben s. 108), erzählt daz maere von dem Untergang der beiden; 
überdies beweisen die Zeugnisse Marners (oben s. 161. 162), 
Conrads von Würzburg (s. 167) und Hugo von Trimbergs (s. 171), 
dasz die heldensage auch noch später gegenständ des gesangs 
war. selbst die nachricht von Verbreitung Wolfdieterichs (oben 
s. 229) verdient hier berücksichtigung. strophische lieder waren 
es immer, setze ich voraus. 

Blinde^ zu andern beschäftigungen unfähig, scheinen wie 
bei vielen andern Völkern ^^ häufig das gewerbe der Sänger 



® ' der blinde Wibert wird Jongleur. Fauriel in der reme des deux mondes 
tom. 8 p. 279. blinde sänger bei den Serben. GÖttiuger anz. 1834 8. 371. 
372. 1837 s. 73. Talvj 2, 244. Houarve blind geboren lernt gesänge. VUIe- 



— 11 — 986 

ergriffen zu haben, von dem blinden Friesen Bemlef gibt es 877 
ein altes zeugnis, das schon anderwärts (deutsche sagen 2, xii) 
angeführt ist. er sang epische lieder. spätere Zeugnisse von 
blinden strciszensänffern sind oben (s. 173) mitgetheilt. sie be- 
fanden sich ohne zweifei in einer andern läge, als die Sänger 
im dienste der könige; überhaupt mag nicht nur eine grosze 
Verschiedenheit der Verhältnisse, nach stand, bildung und natür- 
lichen gaben eingetreten, sondern auch das gewerbe selbst immer 
mehr gesunken sein, spielleute, die zu dem gewöhnlichen fah- 
renden Volke gerechnet wurden, mochten oft genug die traurige 
Seite ihrer lebensart zeigen, und es ist gar nicht zu verwun- 
dern, dasz ihnen, als rechtlosen, nur scheinbusze an dem schat- 
ten des beleidigers gewährt wurde (rechtsalterth. 677). auf sie 
fallt das nachtheilige, was zumeist spätere Zeugnisse von ihnen 
aussagen (Oberlin s. 1535). Ottokar am ende des 13ten Jahr- 
hunderts gedenkt (c. 754) eines schönen weibes, welches die 
geige spielen und singen konnte, und das spricht deutlich den 
zustand damaliger zeit aus. es ist ganz der natur der sache ge- 
mäsz, dasz#die Sänger auf der einen Seite ausgezeichnet und geehrt, 
auf der andern gering geschätzt und der ehre beraubt wurden. 

4. Ich kehre zu der bemerkung noch einmal zurück, dasz 
nicht blosz von den eigentlichen sängem, sondern von jedem 378 
im Volke, nach lust und gelegenheit, die gangbaren lieder moch- 
ten gesungen werden, gemeine (rustici), das heiszt, nicht höfi- 
sche leute, werden ausdrücklich genannt (oben s. 32. 33). die 
bis zu dem neunten Jahrhundert zurück nachweisbaren aus- 
drücke: vulgare Carmen (oben s. 27), carmina gentilia (28), 
vulgaris fabulatio et cantUenarum modulatio, vulgaris opinio 
(36. 37. 38)^ gens canens prisca (44) und ähnliche in andern 
auf den volksgesang bezüglichen stellen (deutsche sagen 

2, 7CI. xii) können ebenso gut dahin ausgelegt werden, wie 
lang diese art lieder gedauert haben, zeigen bei Lazius die vul- 
gares cantilenae gentis nostrae ; dänische sind aufgefasst worden 
und zu uns gelangt. 

5. Eginhart gibt die erste nachricht von schriftlicher auf- 
Zeichnung der alten gesänge; sie fand auf des kaisers veranlas- 
sung statt. Ludwig dem frommen musz eine solche zugänglich 
gewesen sein, da er die gedichte nicht lesen wollte, erhalten 
ist uns aus dieser zeit das bruchstück vom Hildebrandslied, das 
auf mündliche Überlieferung (ik gihörta dat seggen) hinweist 
gegen das ende des 9ten Jahrhunderts sehen wir Alfred im be- 
sitz einer, zumal mit dem ausgemalten anfangsbuchstaben ge- 

marqu^ Barzas-Breiz introd. X. die pipers in Irland, welche fast alle blind 
sind und sieh aus weitem alterthum herschreiben, fangen jetzt an immer mehr 
zusammen zu schmelzen, briefe eines verstorbenen 2, 119. 

WiLH. Grimm, dsutschb hbldbmsaqb. 25 



886 — 11 — 

378 zierten handschrift sächsischer gedichte. am schlusz des lOten 
Jahrhunderts werden von Flodoard schon libri teutonici citiert, 
deren inhalt in unsem fabelkreisz fiel, unter den denkmSlern 
des mittelalters beruft sich die Nibelunge noth allein blosz auf 
mündliche sage (uns ist in alten maeren wunders vil geseit^ und: 
so wir hoßren sagen 871, 1, als ich vernomen hau 1447, 2), da- 
gegen die übrigen, selbst Gudrun, berufen sich auf beides zu- 
gleich, das buch und die mündliche sage, diese doppelte quelle 
gibt auch die Vilkina saga mehrmals an und äuszert sich deut- 
fich über die allgemeine Verbreitung der gedichte in Nieder- 
sachsen zu damaliger zeit, die fortdauer der mündlichen sage 
bis ins 16te, in immer mehr schwindenden spuren bis ins 17tß 
Jahrhundert, wird durch die Zeugnisse dieser periode bewiesen. 
Die schriftliche aufzeichnung der gedichte war gewis von 
groszem einflusse. beide quellen kreuzten sich und der erfolg 
davon konnte ftlr die reinheit der sage ebensowohl günstig als 
nachtheilig ausfallen, die schrift stellt zwar die Überlieferung 
fest, verschafft aber auf der andern seite einer zufallig mangel- 
haften und verderbten aufzeichnung eingang. das stumme und 
einsame lesen, wie es jetzt möglich geworden, entbehrt den ein- 

879 druck des lebendigen gesanges, und wo die sorge für erhaltung 
im gedächtnis wegfallt, da wird die kraft des gedächtnisses von 
selbst gemindert und eine lückenhafte kenntnis der sage be- 
günstigt, unbezweifelten einflusz muste die schrift schon auf 
den Vortrag der sage haben; er konnte zu bloszem vorlesen 
herabsinken ohne gesang oder begleitende musik. der ausdruck, 
dessen sich Thegan bedient, docere, scheint mir schon darnach 
zu erklären, in den gedichten aus der ersten hälfte des ISten 
Jahrhunderts finden wir das vorlesen der quelle oft angemerkt, 
z. b. beim Biterolf (oben s. 125) und in der Rabenschlacht 
(s. 207). im Wolfdieterich heiszt es (60**): als irz noch hiute 
hoeret singen odei* lesen, und (208*^): also wir ez hceren lesen. 

Während die auf keine schrift sich stützenden Sänger, wie 
man der natur der sache nach glauben darf, kürzere lieder 
sangen^ etwa von dem umfange der eddischen, deren stoff sie 
nach Wohlgefallen auswählten und begränzten, und welche da- 
her, in beständiger, lebendiger fortbildung begriffen, von selbst 
in einem cyklischen kreisz standen, machte die schrift, welche 
überhaupt die epische ausftihrlichkeit begünstigte, gröszere com- 
positionen, zusätze, Überarbeitungen, eigenmächtige Verknüpfun- 
gen, und dergleichen nicht ganz unschuldige ein Wirkungen, 
selbst die anwendung einiger gelehrsamkeit, möglich, die Vil- 
kina saga ist ein umfassender versuch, aus beiden quellen ein 
ganzes zusammen zu setzen. 



« »T: 



12. 879 

Ich gedenke hier des verhälinmee^ in welchem das epos 
zu der jedesmaligen büdung der zeit stand, bei den Gothen 
wurden die lieder vor dem königlichen geschlechte der Amaler 
gesungen. Jahrhunderte später sehen wir Karl den groszen für 
ihre auffassung sorge tragen. Ludwig der fromme hatte sie in 
der Jugend auswendig gelernt; so darf man didicerat (oben 
s. 18) erklären, wenn man bei Asser liest, dasz könig Alfred 
ein gleiches gethan. könig Arnulf wird durch ein aus der sage 
entlehntes bespiel und zwar von einem erzbischof an seine 
pflicht in der wichtigsten angelegenheit ermahnt diese zeug* 
nisse lassen über die achtung, in welcher das alte epos damw 
stand, keinen zweifei. zu der zeit, wo das Nibelungelied die 
gestalt erhielt^ in der wir es besitzen, mochte drüber hinaus 
keine bildung sich erheben, das ergibt sich aus betrachtung 
seines sittlichen und poetischen werths. erst mit dem aufkom- 
men der höfischen dichter bildete sich ein gegensatz von selbst, 880 
ich will sagen, sie hatten eine ganz verschiedene weise und 
richtung, welche sie von dem volksmäszigen ableitete, einsei- 
tige Verfeinerung des geistes .und conventioneile Vornehmheit 
hinderte sie den groszen werth der einfachem dichtung zu 
fühlen. Wolfram macht insofern ausnähme, als er genaue 
kenntnis derselben zeigt und mehrmals darauf zurückkommt, 
doch seine gewaltige poetische kraft übte sich an ganz andern 
gegenständen und holte Stoff in der fremde; sein Titorel ist das 
einzige werk namhafter dichter, das vor der Nibelunge nöth 
nicht zurückzuweichen braucht, dies kleine stück ist von auszer- 
ordenüicher Schönheit der gedanken und des ausdruoks, • steht 
aber der schlichten rede des Nibelungeliedes, die nur selten 
von ein paar herkömmlichen gleichnissen unterbrochen wird, 
gegenüber, bei Veldek und Eilhart nur eine leichte hindeutung, 
eine versteckte bei Walther, den ein ganz besonderer anlaaz 
dazu bewog. entschiedenes schweigen bei Hartmann, Wirnt 
und dem glänzenden, beredten Gottfried; noch auffallender 
scheint mir, dasz im welschen ga$t und Freidanks werk, die 
beide das wirkliche leben besprechen, nicht die fernste bessie^ 
hung vorkommt, gleichwohl war die sage selbst in dieser zeit 
allgemein verbreitet, wie hätte sonst Walther sich so dunkel 
ausdrücken können! und der Verfasser der Klage (oben s. 109) 
sagt es ausdrücklich; aber. sie lag der höfischen und gelehrten 
bildung zur seite und war bereits in die zweite band über-* 
gegangen, (wie wenig die gedichte romanischer abkunft in das 
volk gedrungen waren, zeigt die Vilkina saga in welcher nicht 
eins davon vorkommt, was gewis nicht kritischem gefüble zu- 
zuschreiben ist. sie waren nicht unter das volk gedrungen^ 

26 • 



tm — tt 



880 sondern waren ein eigenthum der höfischen bildung.) dem Ra- 
^ dolf von Ems und Conrad von Würzbarg entschlüpft in ihren 

zahlreichen werken, und während sie sonst durchaus nicht wort- 
karg sind, ttUT eine ziemUefa unbedeutende anspielung, die von 
zumJliger erinnerung zeugt; in dem kreisz ihrer gewohnlidieii 
gedttnken stand die Tolksdichtung offenbar nicht, der Mamer 
redet davon nur in einer unwilligen Stimmung, Ulrich von Tür- 
lin nebenbei, als die höfische poesie selbst anfieng in verfall 
zu gerathen, gegen das ende des 13ten Jahrhunderts, erwähnen 
dichter, wie Ottokar, Hugo von Trimberg, der Verfasser des 
Rein£ried, wiederum die Volksdichtung, wie andere dinge, ohne 
nähere theiinahme, und die war auch im 14ten Jahrhundert, als 
die poetische kraft immer tiefer sank, nicht mehr möglich, in 
den werken des Suchenwirts kommt nicht die leiseste andeu- 
tnng vor fs. jedoch ZE. 30, 3. 58, 1 s. 434]. wir finden zu- 
letzt die Siegfirieds saga, von der die Edda meinte, sie würde 
erst mit der weit selbst untergehen, als gegenständ ftir die 
dürftigen sänger der meisterschule; immer noch besser mag 
sich der alte Hildebrand auf dem puppentheater ausgenommen 
haben. 

881 13. 

Absichtlich ist die betrachtung des übernatürlichen und 
wunderbaren in der sage bis hierher verspart. 

1. In der dichtung von Sigurds ahnen tritt Odin^ als ein 
gnädiger, die familie vorzugsweise schützender gott sichtbarlich 
auf. der erste ahnherr Sige ist sogar sein söhn, scheint aber 
noch daneben einen irdischen vater zu haben, als er bei diesem 
wegen eines an einem knechte begangenen mordes nicht länger 
bleiben kann, so geleitet ihn Odin, hUft ihm zu kriegsschi&n 
und lässt nicht ab, bis Sige ein mächtiges königreich erworben 
hat. sein söhn Rerir lebt lange kinderlos, doch Odin erhört 
seine bitte und sendet ihm durch die tochter des riesen Hrim-* 
ner einen fruchtbar machenden apfel, wovon er und seine firan 
etwas genieszen. Rerirs söhn Yölsung heiratet hernach eben 
diese^ durch Hrimner selbst ihm zugesandte riesenjungfrau. von 
Yölsung, obgleich die sage von ihm den namen erhält, erfahren 
wir wenig, vielleicht weil hier ein stück untergegangen ist, 
aber Odin zeigt sich wieder, einäugig, mit herabhangendem 
hute^ in einen bunten mantel eingehüllt, als Yölsung die Ver- 
mählung seiner tochter Signe mit dem mächtigen könige Siggeir 
fdert. der gott stöszt ein schwert bis an das heä in den 
stamm einer eiche, die mitten im saal steht, und durch den 
ausspruch, dem solle es gehören, der es herausziehen könne, 
schenkt' er es dem ältesten und ausgezeichnetsten söhne, dem 
Siegmund^ der ohne mühe die au%abe löst, mit diesem Schwerte, 



13 889 

wdches Odin selbst das beste aennt, ist stätiger sieg Terbun-m 
den; es zerschneidet sogar einen felsen, weicherden vater und 
söhn in dem gef&n^isse trennt, doch in dem letzten kämpfe 
scheint Siegmund die gnade Odins verloren zu haben« noch 
fallen die feinde vor ihm, als Odin wiederum in jener gestalt 
ihm entgegen tritt und einen speer vorhält, an dem jenes 
Schwert in zwei stücke zerspringt, alsbald weicht das glück, 
Siegmund wird mit seinen leuten niedergeschlagen, befiehlt aber 
noch sterbend der schwangern Hiordys die schwertstücke auf- 
zuheben, weil daraus dem knaben, den sie gebären werde, das 
Schwert Gram solle geschmiedet werden. 

Den grund warum Odin sich von Siegmund abwendet, ver- 
räth nicht eine leise andeutung, doch war er wohl vorhanden, 
von der Überlieferung aber schon vergessen, die Völsunga saga 
enthält bekanntlich allein die geschichte von Sigurds ahnen, die 
eddischen lieder, die sie benutzte, sind verloren, und die deut- 
schen gedichte wissen durchaus nichts davon, wir müszen uns 383 
also, da alle vergleichung fehlt, mit der bemerkung begnügen, 
dasz die einwirkung eines hohem wesens hier gar sehr in den 
gang der begebenheiten einzugreifen scheint und schwerlich 
darin fehlen konnte, doch wie vorsichtig man mit diesem 
Schlüsse sein müsse beweist das folgende. 

2. Nach der Völsunga saga zeigt sich Odin dem Sigurd 
wieder geneigt und hilfreich, in der gestalt eines alten, lang- 
bärtigen mannes verschaft er ihm das rosz Grane, welches allein 
durch einen flusz schwimmen kann und welches er einen ab- 
kömmling von Sleipner (dem achtbeinigen pferde Odins) nennt, 
als Reigin Gram schmiedet, holt Sigurds mutter dazu die zer- 
brochnen stücke des odinischen schwerts. Sigurd fährt Gram 
so lange er lebt und rächt sterbend noch damit seinen mord. 
als auf einer seefahrt Sigurds ein unwetter sich erhebt, lässt 
sich Odin unter dem namen Hnikar in das schiff aufiiehmen 
und sogleich legt sich der stürm ; er verschwindet, als sie glück- 
lich am ziele angelangt sind, bedeutender wirkt Odin, tds Si- 
gurd entschlossen ist, den drachen zu tödten. Reigins heim- 
tückische absieht war, dasz Sigurd in der grübe stehend durch 
das herabströmende blut des verwundeten Fafne selbst umkom- 
men sollte; aber Odin erscheint auf der Gnitahetde und gibt 
dem Jüngling den klugen rath, noch andere gruben zum ab- 
flusse des blutes zu graben, doch das ist der letzte beistand, 
den er von Odin empf&ngt; wie sehr er auch späterhin dessen 
bedürftig ist, der gott zeigt sich nicht weiter, nur am ende 
der sage tritt er noch einmal auf, aber in befremdlicher weise, 
er gibt nämlich dem Jörmunrek, dem mörder von Sigurds tooh- 
ter Schwanhild, den anschlag, die rächenden Stiefbrüder, durch 
Waffen unverletzbar, mit steinwürfen zu tödten. hier erscheint 
er also im gründe fiBindlioh gegen Sigurds gqsdileehi 



390 13 

iS2 Merkwürdig genug kennen die eddischen lieder diese ein- 
wirkungen Odins nicht, hier wählt Sigurd das rosz Grane 
ganz einfach ohne probe aus dem stalle Hialpreks und der 
abstammung von SIeipner ist mit keinem worte gedacht. Gram 
wird von Reigin geschmiedet^ ohne dasz von den zwei stücken 
jenes zerbrochenen, odinischen Schwertes die rede wäre, eben- 
sowenig empfängt Sigurd den rath noch andere gruben zum 
schütze gegen Fafnes blut zu graben, er gräbt nur eine ein- 
zige, in welcher er selbst sitzt, und es wird sogar bemerkt, 
dasz das gifb des darüber schreitenden drachen ihm auf das 
haupt gefallen sei. Sigurd weisz nichts von Reigins heimtficke, 

388 erst der sterbende Fafne und die vögel verrathen sie ihm. nur 

in einem einzigen und gerade dem unbedeutendsten falle, in 

seiner erscheinung als Hnikar, stimmen die eddischen lieder 

überein und nicht einmal völlig, denn nach beschwichtigtem 

. stürm und glücklicher landung verschwindet Odin nicht, son- 

^ dern ertheilt noch in einer reihe von Sprüchen dem Sigurd gute 
lehre über glückliche und unglückliche zeichen beim kämpf, 
worin ich jedoch nichts, als einen nicht ursprünglichen zusatz 
sehen kann, ob Odins erscheinung bei Jörmunrek auch in der 
Edda anzunehmen sei, bleibt zweifelhaft; genannt wird er nicht, 
aber er könnte mit der Umschreibung inn regin kunngi baldr 
i brynnio (Hamdism. 24) gemeint sein, und diese erklärung 
wird durch Saxo (oben s. 47) bestärkt, der ausdrücklich den 
Odin nennt, doch scheint uns natürlicher, den Jörmunrek 
darunter zu verstehen, und fiir diese ansieht spricht die Snorra- 
edda (s. 144), wo der alte könig den rath mit steinen zu wer- 
fen selbst ertheilt. 

Es ist schwer zu sagen, wer hier das richtigere enthalte, 
die eddischen lieder oder die Völsunga saga. ganz angemessen 
scheint zwar Odins einmischung jedesmal, dennoch könnte die 
darstellung der Edda die einfachere und bessere sein, dazu 
kommt, dasz die auf einer eigenthümlichen quelle ruhende 
Snorraedda mit den liedem übereinstimmend nichts von Odins 
Verhältnis zu Sigurd, ja nicht einmal etwas von Hnikar weisz. 
in den deutschen gedichten wird die theiinahme eines über- 
irdischen Wesens an Siegfrieds leben durch nichts entfernt an- 
gedeutet, man müste denn den glänz, der auf seiner erschei- 
nung überhaupt ruht, als einen davon übrig gebliebenen ein- 
. druck betrachten. 

3. In dem einflusse Odins auf das geschick der Brünhild 
stimmen beide, die Edda und Völsunga saga, überein. ein vor- 
angegangenes ereignis wird erwähnt. Brünhild war eine vaUcyne 
und hatte, Odins anordnung umkehrend, einmal demjenigen 
sieg verliehen, der unterliegen sollte, die strafe folgte sogleich. 
Odin stach einen schlaf dorn in ihre Jdeidung (ä feldi, daftlr liest 
^e Völsunga saga fSbchlicb a höfdi) und nun entschlief sie 



IS 891 

auf einem hohen berge (nach Helr. 8 in dem walde Skatalund), 888 
den beim noch auf dem baupt, den panzer am leib, wie sie 
aus der schlacbt gekommen war. dann ward sie von einem 
wabernden feuer und auszerdem noch von rothen und weiszen 
schildern (einer schildburg) umgeben, deren ränder sie berühr- 
ten und über welchen eine fahne ragte. Odin that den aus- 
spruch, dasz sie aus ihrem stand heraustreten, d. h. nicht mehr 
in den krieg ziehen, sondern als verheiratete frau leben sollte, 
dem wird sie bestimmt, der durch das feuer reitend ihren pan- 384 
zer ablösen und (durch wegnähme ihres schlafdorns ?) den zau- 
berschlaf brechen kann, das vermag nur Sigurd. (vgl. Sig. 1, 
15. Fafnism. 42—44. Brynh. 1, 2. prosa s. 109. 193. 194. 
Helr. 8. 9). 

Die sage in diesem Zusammenhang ist der deutschen dich- 
tung zwar fremd, doch bewahrt sie einzelnes, das der nordi- 
schen entspricht, auch hier zeigt Brünhildens natur etwas be- 
fremdendes und übernatürliches: sie ist ein angestltchez wip 
(Nib. 604, 4). die wucht der waffen (419, 2. 3), die kriegeri- 
sche rüstung {gewdfent man die vant sam ob si wolde striten 
um elliu küneges laut 413), gefahrvolle, das leben zum pfand 
setzende kampfspiele (326, 4), endlich die abhängigkeit ihrer 
stärke von dem Jungfrauenstand (629, 1) lassen deutlich ihren 
ursprünglichen beruf erkennen; auch werden wir hernach sehen, 
dasz solche, menschliche schranke schon durchbrechende wesen 
nicht blosz im norden einheimisch waren, man könnte wohl 
den namen lectulus Brunihildae, den ein felsenstein auf dem 
Feldberg fuhrt (oben s. 155), dahin deuten, dasz Brünhild wäh- 
rend des zauberschlafs dort gelegen habe, endlich dürfte man 
noch an das von einer spindel gestochene und deshalb in schlaf 
versunkene Dornröschen (Hausm. nr. 50) erinnern, das statt des 
feuers ein dornenwald umzäunt, und das so lange schlummert, 
bis der vom Schicksal erwählte durch die dornen dringt. 

4. Die drei götter, Odin^ Hcener und Loke^ kommen bei 
einer Wanderung zu dem Wasserfall Andvares, eines zwerges. 
sie erblicken dort eine otter, an einem erhaschten lachse kauend, 
und Loke wirft sie todt. die Äsen, über diesen fang erfreut, 
nehmen ihr nachtlager bei Hreidmar, ßeigins vater, und hier 
offenbart sich, dasz jene otter ein dritter söhn Hreidmars ge- 
wesen, der die gestalt dieses thiers angenommen hatte, die 
götter werden festgehalten und müssen lösegeld entrichten. Loke 
ausgesendet das nöthige gold herbeizuschaffen, fängt mit dem 
erborgten netz der göttin Ran den als fisch umherschwimmen- 
den zwerg Andvare und . nöthigt ihn seine schätze heraus zu 
geben, womit Heidmar befriedigt wird, dieses gold, dem Hreid- 
mat wiederum von dem eigenen söhne Fafne geraubt, kommt 
späterhin in Sigurds bände und ist der berühmte Nibelungehort, 
von dem sogleich näher die rede sein wird, diesen Ursprung 



892 18 

384 kennt die deutsche sage ebensowenig, als jene fahrt der drei 
Äsen; ihre einmischung gibt sich mithin als nordischer zusatz 
kund, ich meine nicht die fahrt selbst und das ereignis mit 

385 Otur, beides mag in der echten sage begründet sein, allein die 
götter sind eingeschoben ; denn obgleich gerade zwei der mäch- 
tigsten genannt werden, so ist doch, was sie thun und was sie 
sich müssen gefallen lassen, ganz im gegensatze zu der vorhin 
erwähnten eri^cheinung Odins, so wenig möglich, dasz ebenso 
leicht, selbst schicklicher, sterbliche menschen an ihren platz 
treten würden. Hreidmar spricht sogar fSig. 2, 7), als habe er 
den göttem das leben nehmen können, nur in dem umstand, 
dasz Odin ohne gefahr den verderblichen ring, welchen wir 
sogleich näher betrachten werden, besitzt, zeigt er seine gött- 
liche natur, aber dieser besitz ist nicht nothwendig. 

5. Der zwerg Andvare hat dem Loke seinen ganzen 
schätz hervorgetragen, fleht aber, ihm einen kleinen goldring zu 
lassen, die Snorraedda, überhaupt hier am vollständigsten, 
weisz, warum der zwerg so viel werth darauf legt (s. 136): oc 
letzt mega oßxla ser fe af bauginum, ef hau heidi, er konnte 
sich, wenn er ihn behielt, damit sein gold wieder vermehren. 
Loke, unerbittlich, nimmt ihn weg. da verwünscht der zwerg 
den ring: jedem, der ihn besitze, solle er den tod bringen. 
Odin behält ihn fiir sich, weil er ihm gefällt, mit dem golde 
wird das lösegeld entrichtet, doch, um es voll zu machen, musz 
Odin auch jenen ring, Andvaranaut genannt, herausgeben, der 
ausgesprochene fluch geht in erfüUung, nach der reihe empfan- 
gen den ring Hreidmar, Fafhe, Sigurd, Brünhild (Völsunga saga 
c. 36), Gudrun (Drap Nifl. s. 287), die ihn dem JSögni sendet; 
und alle sterben eines gewaltsamen todes. Gudrun macht in 
so weit eine ausnähme, als das meer sie nicht verschlingt, son- 
dern weiter trägt; ein abermaliger wink, dasz ihre dritte Ver- 
heiratung ein nicht ursprünglicher zusatz sei. 

Die deutsche sage kennt noch das bose^ an den besitz des 
goldes geknüpfte Verhängnis (oben s. 63. 111. 260), wiewol nicht 
den Ursprung davon, überhaupt scheint ihr nur eine dunkle 
erinnerung vorzuschweben. Brünhild bleibt leben, was schon 
vorhin aus andern gründen unpassend geftinden wurde, obgleich 
der ring^ den ihr Siegfried abzieht (Nib. 627, 3), ohne zweifei 
Andvaranaut ist; die Völsunga saga berichtet es (c. 36) aus- 
drücklich. 

6. Der hört ist ein zwergschatz. ein solcher fasst uner- 
meszliche reichthümer in sich, denn alles köstliche, wirklich 
oder nur erdenkbar, häufen zwerge in unterirdischen Woh- 
nungen an. das ist noch jetzt Volksglaube. Andvares hört 
zeichnet sich durch zwei Wunderdinge aus: durch den Aegis- 



13 898 

• 

helm*^ vor dem jedes lebendige wesen erzittert (Sig. 2, s. 160. 886 
Str. 16. 17. Fafnism. s. 188. Snorraedda s. 137), und den vorhin S86 
erwähnten ring Andvaranaut der werth, den der zwerg darauf 
setzt, und die verlorene schätze wieder erzeugende kraft verrät 
seine natur: in ihm liegt eigentlich der hört beschlossen. Xnd- 
vares fluch verkehrte das glück, das mit des ringes besitz ver- 
bunden war. viele deutsche sagen berichten eine gleiche Um- 
wandlung, die mit den von zwergen rührenden Wunderdingen 
stattfand, weil sie in unrechte bände kamen oder die bedingung 
verletzt wurde, unter welcher sie den menschen gegeben waren, 
jenen furchtbaren heim haben wir in der deutschen sage als 
Hüdegrim wieder gefunden (oben s. 79. 142. 164), wobei ein 
Wechsel in der person des eigenthümers eingetreten ist. an die 
stelle des ringes, glaube ich, ist die wünschelruthe gesetzt (Nib. 
1064), deren unerschöpfliche macht gleicherweise über den gan- 
zen hört hinausgeht, sie bleibt ohne einflusz in dem gedieht 
und Siegfried macht nie gebrauch davon, das wäre unnatürlich, 
wenn wir nicht wüsten, warum Andvaranaut aufgehört hat, 
segensreich zu sein, der unschätzbare, über alle reichthümer 
zu setzende, mit übernatürlichen kräften begabte ring Otnits 
(86. 88, 2. 104. 148. 150. 164. 187), nach dem Eiberich so 
heftig verlangt (141. vgl. Wölfd. dr. 833. 834), und der ihn 
an den besitzer bindet (201, 4), ist genau ein zwergring, wie 
jener nordische. nach Fafnism. (prosa s. 188) findet Sigurd 
auch in dem hört das seh wert Hrotte^ das nicht weiter vor- 
kommt und entweder mit unrecht hier genannt wird, oder wo- 
von die sage verloren ist. 

7. Eingemischt in die dichtung sind die wunderbaren, 
halb überirdischen, halb menschlichen wesen, welche geheim 
wirkende kräfte der natur darzustellen scheinen, und deren 
eigenthümlichkeit wir aus alten Überlieferungen, wie aus noch 
jetzt lebendem Volksglauben, mit einiger Sicherheit bestimmen 
können, ich setze die vor den irischen elfenmärchen mitge- 
theilten Untersuchungen als bekannt voraus, und ordne, so ein- 
fach als möglich, die erscheinungen dieser art in unserm fabel- 
kreisze. 

a) Valkyi^n. ihr geschäft ist: örlög drygia (Völ. 1). örlög 
heiszt Schicksal und, wodurch das Schicksal in ältester zeit zu- 
meist entschieden wurde, krieg, ihr verlangen geht also dahin, 
das Schicksal der menschen oder die entscheidung im kämpfe 
zu lenken, deshalb sehnen sich die drei valkyrien von Völund 
und seinen brüdern fort in den krieg, ein gleiches thut die 
valkyrie Brünhild (Völsunga saga c. 36). von jenen dreien 
wird im eingang des eddischen liedes erzählt, sie hätten am 

* 'es ist nirgend gesagt, dasz Andvari je den Aegishelm besessen.' Jacob 
Grimm. 



894 — 13 

« 

386 wasserstrand gesessen und linnen^ wie ich glaube, die fäden des 

387 Schicksals (örlögpaBttir , Helg. 1, 3), gespunnen. sie vermögen 
thierhäute anzuziehen und als tagegeister nehmen sie schwanen- 
gestalt an. {Kara in schwangestalt Hrom. Gripis s. c. 67; ge- 
sang von schwanen Saxo 6, 100). die eine valkyrie im Völunds- 
lied heiszt deshalb nicht blosz Svanhmt^ sondern es wird noch 
ausdrücklich gesagt, sie hätten, während sie am ufer gesessen 
und gesponnen, ihre schwanenhemder (alptar hamir) neben sich 
liegen gehabt, dasz Brünhild auch ein solches besasz, lernen 
wir aus Helr. 6; sie erzählt da, ihr und andern valkyrien 
habe der muthvolle könig die gewänder (hamir) unter eine eiche 
tragen lassen, wer dieser könig gewesen ist, kann hier uner- 
örtert bleiben, aber höchst wahrscheinlich will Brünhild sagen, 
er habe sie dadurch in seine gewalt bekommen, dasz er ihnen 
(den spinnenden oder badenden) die gewande geraubt und (von 
dem Wasser weg) unter eine eiche tragen lassen, es war ein 
ereignis aus frühester Jugend, denn in der nächsten Strophe ver- 
nehmen wir, dasz sie damals erst zwölf jähr alt war. in Gudr. 1, 
25 wird gesagt, der Brünhild sei bei dem anblick von Sigurds 
leiche feuer aus den äugen gesprungen, und sie habe gift aus- 
geblasen, war das ein ausbruch ihrer geisterhaften natur oder 
ist es blosz ein von drachen entlehntes gleichnis, das nicht 
wörtlich soll verstanden werden? »die valkyrie, die Odin dem 
Rerir sendet, gehört als tochter eines joten zu den nacht- 
geistern und zieht deshalb eine krähenhaut über (Völs. c. 4). 

Diese wesen, welche von den in der mythischen Edda er- 
scheinenden, gleichnamigen, durch eine stärkere beimischung 
des menschlichen und irdischen sich unterscheiden, sind dem 
deutschen Volksglauben nicht fremd, ich verweise auf die schon 
angeführte abhandlung über elfen und füge nur hinzu, dasz der 
sogenannte fliegende herbst beim volk für ein gewebe der elfen 
gilt, also das spinnen bei ihnen eine hauptbeschäftigung aus- 
macht, hier habe ich nur aufzustellen, was in unsern dichtun- 
gen darüber vorkommt, schwanenjungfrauen sind ohne zweifei 
die meerweiber, die Hagen auf dem zuge zu Etzel in dem 
wasserbad gleich schwebenden vögeln findet. er nimmt ihnen 
ebenfalls die kleider, um sie in seine gewalt zu bekommen, 
nennt sie wtsiu wtp (Nib. 1473, 3. 1483, 4) und verlangt von 
ihnen Verkündigung seines Schicksals (Nib. 3476, 4. Vilkina s. 
c. 338), die ihm auch endlich zu theil wird.^* hierher gehört 



'^ eine schwanjungfrau scheint auch &au Bahehild, die Dieterich nach 
dem kämpfe mit Ecke an einem brannen schlafend findet und erweckt, die 
ihm dann für seine wunden salbe gibt, sein Schicksal ihm prophezeit und 
beim abschiede ihn segnet. Ecke Lassb. 151 — 160 (hier allein). sie besitzt 
ein schönes reich im meer und 'weisz übel und gut', d. h. sie sieht in die 
Zukunft. 



— 13 — 896 

auch Wittichs ahnfrau Wachild^ die ihn, als er von Dieterich 387 
verfolgt wird, zu sich ins wasser aufnimmt und ihn schützt, 
längeres leben, als andern menschen wird ihr in jedem falle zu- 
geschrieben , wenn sie nicht ganz unsterblich ist. dagegen 388 
tödtet Högne in der Vilkina saga die beiden meerweiber. die 
rauhe Ehe trägt als eine den Wolfdieterich bethörende, schwarze 
waldelfin eine dunkle, zottige haut, von der sie erst im Jung- 
brunnen befreit wird, (auch Birkhild^ Fasolds mutter, ist rauh. 
Ecke Lassb. 231.) 

Ich vermute, die geheime kraft, wodurch eine solche haut 
sich dem menschlichen leib anschlosz, und selbst eine Umge- 
staltung desselben bewirkte, lag in einem ring, wir haben vor- 
hin schon die macht des zwergringes kennen gelernt, ob es 
derselbe ist, steht dahin, die wolfshäute, in welche Siegmund 
und Sinfiötle fahren und die ihnen sogar wolfsnatur verleihen, 
hiengen neben den männern, die jeden zehnten tag davon be- 
freit wurden, und es wird von diesen männern gesagt (Yöls. 
c. 12), sie hätten da im gebüsch ge^e^^eii mit dicken goldringen. 
bloszer zierrat kann nicht gemeint sein, es soll etwas bedeu- 
tendes damit angezeigt werden. da ungewis ist, ob sie die 
ringe wirklich angehabt oder in bänden gehalten, so bleibt der 
hergang dunkel, aber ich zweifle nicht, der goldring, den 
Wildeber aus unbekannter Ursache am arme trug (oben s. 30), 
verlieh ihm die kraft, thiergestalt anzunehmen; Notker nennt 
ihn suanerinc^ weil die Verwandlung in einen schwan wol die 
edelste und häufigste war. wir finden in einer mit vielen haus- 
märchen nah zusammenkommenden sage (deutsche sagen nr. 534) 
den besondern umstand, dasz die verwandelung von sieben 
kindern in schwane und ihre rückkehr in menschliche gestalt 
von silbernen ketten abhängig ist, die sie um den hals tragen 
und die mit jenem ringe gleichbedeutend sein mögen, in der 
bekannten sage von dem schwanritter hat der übernatürliche 
schwan, der das Schiffchen mit dem ritter fuhrt, ebenfalls eine 
goldne kette um den hals (deutsche sagen nr. 535), gewis nicht 
blosz, um das schiff daran zu lenken. so scheint es auch, 
können die Yölsunge nur deshalb nicht die wolfshaut verlas- 
sen, weil sie die ringe nicht besitzen, und Siegmund musz da- 
her die geister (Völs. c. 12) bitten, sie ihnen abzunehmen. 

b) Völund ist ein elfe. in dem eddischen liede (10) wird 
er ausdrücklich Alfa liopi, sogar (20. 30) viai Alfa genannt, 
und zwar scheint er zu den lichtelfen zu gehören, denn es ge- . 
schiebt seiner weiszen färbe (2) erwähnung und die valkyrie, 
die bei ihm weilt, heiszt die leuchtende (5). die prosaische An- 
leitung nennt ihn mit recht den kunstreichsten mann (Hamdism. 
6 bedeutet Völund allgemein einen künstler, vgl. s. 322. 29. 
ZE. 26, 7); als solcher bewährt er sich in Verfertigung von 
ringen, bechern, köstlichen Schwertern; denn arbeiten dieser 



896 13 

388 art machen die hauptbescfa&ftigung der elfen aas. er haust 

389 einsam in den wolfthalen, d. h. in einer wilden, Ton menschen 
nicht bewohnten gegend, wo er jene kleinodien schmiedet, bis 
er im schlafe überrascht und gefangen weggefiEkhrt wird. er 
rächt sich ganz in der weise boshafter elfen: heimlich, aber 
sicher und auf das grausamste: dann entfliegt er, wahrschein- 
lich in gestalt eines vogels; näheres sagt das alte lied nicht, 
die Vilkina saga berichtet Yelints elfische ' abkunft noch be- 
stimmter: sein vater ist ein riese, seine groszmutter eine meer- 
frau; auch seine geschicklichkeit, vorzüglich in wunderbarer 
Schmiedearbeit (doch verfertigt er auch das bildnis eines men- 
schen),- wird noch mehr hervorgehoben und ausdrücklich gesagt, 
dasz er in einem künstlich gearbeiteten federkleid als vogel da- 
von geflogen sei. — ein engel^ der in gestalt eines vogels (d. h. 
Schwans) zu Gudrun geschwommen kommt und nachricht bringt 
(4660 — 4670), scheint ursprünglich ein elfe gewesen und diese 
Umänderung in christlicher ansieht erfolgt zu sein, ebenso ist 
im Lohengrin (s. 16 — 20) der schwan ein engel. 

c) Riesen und zwerge sind nach der nordischen dichtung 
besondere, allenfalls in einander übergehende erscheinungen der 
elfennatur, welche die offenbar und heimlich gleich grosze 
macht derselben auszudrücken bestimmt scheinen. diese an- 
sieht halte ich fttr die ältere und richtigere, von Beigin heiszt 
es (Sig. 2. prosa s. 150. Snorraedda s. 135. Nomagests saga 
c. 3: hann var hveriom manni hagari oe dvergr afvoat; hann 
var vitury grimmr oc fiolkunnigr; Sigurd aber sagt zu ihm (Völ- 
sunga c. 24): du bist ungetreu wie deine blutsfreunde; denn 
listig und falsch werden zwerge überhaupt geschildert, dagegen 
nennen ihn die weissagenden vögel (Sig. 2, 38) einen riesen 
(jötun), wie Reigin selbst kurz vorher (29) seinen bruder Fafne 
einen alten riesen genannt hat und die Nomagests saga (c. 4) 
ihn schildert; hann var undarlega mik3l voasti, in derselben 
person wechseln also beide begriffe, kraft ihrer geisterhaflien 
natur nehmen Otur und Fafne thiergestalt an, jener wird zur 
otter^ dieser, nachdem er zuvor seinen vater mit dem schwert 
durchstochen, zum drachen^ wahrscheinlich um das geraubte 
gold besser hüten zu können, rede bleibt ihm und verstand, 
das zeigt das gespräch mit Sigurd, und doch musz er zugleich 
drachennatur besitzen, denn gleich diesen speit er gift (Fafhism. 
18). in blut und herzen ruht die höhere macht, deshalb ist 
• Reigin lüstern darnach, und Sigurd, indem er davon genieszt, 
39oempföngt geheime kenntnisse, namentlich das Verständnis der 
vogelsprache (Fafnism. s. 184); ob die behauptung, dasz der 
Gudrun (nach Gudr. 1. s. 270) dadurch ein wilder sinn mitge- 
theilt worden, echt ist, bin ich zweifelhaft, die deutsche dich- 
tung hat dem beiden aus dem blute des drachen nur einen 
äuszem vortheil erwachsen lassen: er bestreicht sieh nacli. der 



NibeluagQ noth damit), oder, wie es in dem Siegfiriedsliede pa$- 89o 
sender heiszt, mit den weich gewordenen schuppen des drachen ' 
den leib und erhält eine unverletzbare homhaut; die Vilkina 
saga vereinigt die ältere erzählung damit (oben s. 75). ich habe 
die einftlhrung einer solchen unverwundbarkeit schon vorhin 
getadelt, sie trübt Siegfrieds erscheinung, indem sie seinen, hei- 
aenmut verringert, und mit recht ist diese vergröberung in 
andere darstellungen der sage nicht eingedrungen (vgl. oben 
s. 76. 112. 132); sie machte späterhin noch fortschritte (oben 
s. 315. 316), als sie in dem edelsten beiden einen ungeschlach- 
ten riesen erblickte, wo von einer homhaut sonst die rede ist, 
bezeichnet sie eine rohe halbthierische natur. nach Wolfram 
(Wilh. \&\ 158% 177% 178»), der gleichfalls nichts von Sieg- 
frieds hornhaut zu wissen scheint, und dem Verfasser des Titu- 
rels (211, 251—262) lebt an der grenze der weit ein unge- 
heures, nur zu fusz und mit stahlkolben kämpfendes, mensch- 
licher stimme beraubtes geschlecht, das mit dem grünen hörn 
der drachen bedeckt und mit ihrer Schnelligkeit begabt ist. der 
genusz eines krautes, wovon die drachen sidh nähren, verlieh 
ihrer vereitern die kraft nachkommen dieser art zu zeugen, an 
diesen selbst konnte es noch nicht wirken; von der wunder- 
baren entstehung dieses krautes spricht Wolfram dunkel im 
Parcival (117% 126»). XJlrich von Türheim (Wilh. 3, 389—391. 
cod. Cass.) lässt einen riesen auftreten, dessen haut hörnern ist, 
und zweifelt eben deshalb an der menschlichen abkunft solcher 
geschöpfe; in einem liede (oben s. 281) wird ein roher und un- 
empfindlicher ein hürnin man genannt, auch scheint mir die 
in drachenblut gehärtete rüstung von hörn, die dem riesen 
Siegenot (str. 4. 69 — 71) beigelegt wird, nichts als eine Um- 
schreibung einer hörnernen haut. — noch ist der zwerg And- 
vare hier anzuftihren , der in hechtee gestalt, unfreiwillig, wie es 
scheint, im wasser lebt (Sig. 2, 5); nach der Snorraedda (s. 136) 
wohnt er in Svartal/ahevm, 

Die deutschen gedichte bemühen sich, eine übermäszige, 
dabei ungefüge leibeskraft der riesen anschaulich zu beschrei- 
ben und besitzen daftir eigenthümliche ausdrücke. Aspilian 
wird in der Vilkina saga (c* 60) mit eisenketten an bänden 
und ÜLBzeu gebunden, wie Widolt im Rüther (760); Asprian 
sinkt (Rüther 942) beim auftreten bis an das bein in die erde 39i 
und wirft einen löwen an die wand (1150), aber als geister- 
hafte wesen, die sich in dieser gestalt gefallen und sie ver- 
tauschen können, werden sie nicht geschildert. Kupiran dient 
zwar noch dem drachen, der zu zeiten in die menschliche ge- 
stalt zurückkehrt, aber von der ansieht, dasz er mit ihm ur- 
sprünglich nur eine person möge gewesen sein, finde ich keine 
spur; gleichwol haben wir hier Fafiie vor uns, der söhn eines 
zwer^s, riese und drache zugleich war. nur Grimur und Hüdur 



»8 18 

391 in der Vilkina saga (c. 16) scheinen noch zu den riesen im 
sinne der alten lieder zu gehören : Hildur, mehrmals von Thid- 
rek durchhauen, vereinigt wieder die stücke des leibes und 
lebt fort; dagegen sind WiAolf mit der Stange^ Äspäiem. Abent- 
rod und Etgeir blosz menschen von ungewöhnlicher stärke imd 
Wildheit, nur dadurch, dasz er Wächter groszer, in die erde 
vergrabener schätze ist, erinnert der letztgenannte, sowie ein 
anderer, der den Heime tödtet (Vilk. c. 329), an die drachen- 
natur. 

Riesen kennt Eckehards Walthari nicht; die Nibelunge noth 
kennt sie, wie überhaupt das wunderbare, nur aus der ferne, 
zwölfe werden in der erzählung von dem erwerbe des horts 
als freunde der Nibelunge erwähnt (95, 2), einer als pförtner 
der bürg, mit einer eisenstange, der gewöhnlichen waffe plum- 
per riesen, versehen (456, 1. 460, 1), will dem Siegfried den 
eingang wehren, im Biterolf gar heiszen jene zwölf nnr risen- 
maBzic (7837) und dort wird gleichfalls nur in einer anspielung 
auf eine nicht zur sage gehörige begebenheit eines riesen, als 
einer landplage, gedacht (6482. vgl. oben s. 133). in den ge- 
dichten der nächstfolgenden periode sind sie dagegen gar nicht 
selten, im Wolfdieterich ist ihre anzahl schon zu grosz und 
vermindert den eindruck, obgleich noch mancher zug ihrer 
rohen krafb glücklich angebracht und gewis volksmäszig ist. 
Ecke und Fasold, in der Vilkina saga nichts weniger als riesen, 
treten als solche in dem deutschen gedichte auf, noch unpas- 
sender ist Heime im Rosengarten ungewandelt und das unbe- 
hilfliche Wesen durch die widernatürliche annähme von vier 
ellenbogen gesteigert (vgl. s. 156). (auch Kriemhild ist als 
riesin dargestellt, oben s. 321; Siegfried s. 301. 305. 316. 390). 
völlig ins abgeschmackte übertrieben ist die zahl der riesen in 
Dieterichs drachenkämpfen, ein beispiel, wie eine an sich be- 
deutende idee in das sinnlose und unerträgliche ausarten kann. 

Weniger scheint die geisterhafte natur der zwerge verän- 
dert. Alberich ist im Otnit trefflich und ganz übereinstimmend 
mit dem allgemeinen Volksglauben dargestellt; ich verweise des- 
halb auf die abhandlung über die elfen. angemessen ist auch, 

392 was in dem Nibelungeliede von ihm erzählt wird. sollte die 
tarnhüt^ die Siegfried dem zwerg abnimmt, nicht mit dem vor- 
hin erwähnten federgewand oder thierbalg zusammenhängen? 
eine thiergestalt annehmen oder als vogel entfliegen, war wol 
in der Wirkung dem verschwinden gleich. Alberich gehört in 
den dunklen ersten theil der Nibelunge noth, in dem zweiten 
wie in der Klage und dem Biterolf kommt kein zwerg vor. in 
den spätem gedichten mehren sie sich zugleich mit den riesen 
und ihr zusammenleben zeigt noch die ursprüngliche Verwandt- 
schaft, die Vilkina saga weisz wenig von Alberich (vgl. oben 
s. 79) und vergisst ihn nachher völlig; doch in dem geiste alter 



— — 13 — 899 

dichtung ist die erzählung von den zwergen, die den Yidga in 892 
die lehre nehmen (Yilkina c. 20); auch Euglin hat seine natur 
noch erhalten, helden zu dienen, werden zwerge erst durch 
gewalt bewogen, zeigen aber dann sich treu. 

8. Zauberei wird vollbracht durch Sprüche, zeichen, müh- 
sam bereiteten trank, immer aber ist etwas äuszerliches nötig, 
um die geheime macht hervorzulöcken. sie ist in den dich- 
tungen unseres sagenkreiszes meist das gewerbe von frauen 
hohen Standes. Grimhild in der Edda übt Zauberkünste, Gudrun 
bei Saxo (oben s. 46), königin Ostacia in der Vilkina saga 
[zs. 12, 351], Marpalie, des mächtigen beiden tochter, im Wolf- 
dieterich, ich hebe nur die wichtigsten punkte heraus. 

a) Sigurd verlangt von der aus dem schlafe geweckten 
Brünhild, in der Weisheit (speki) unterrichtet zu werden, sie 
sagt ihm, wie imd wo die zeichen der runen müssen einge- 
schnitten werden und welche kraft ihnen beiwohnt, dann fügt 
sie klugheits- und sittenregeln hinzu (Br. 1). die deutsche sage 
weisz nichts davon und ich glaube mit recht, denn mir scheint 
das ganze stück .ein nordischer zusatz. Brünhild als valkyrie 
hatte kenntnis von der zukunft, sie legt deshalb träume der 
Gudrun aus und sieht das kommende Schicksal (Völs. c. 34. 39), 
und das mag der grund sein, warum das lehrgedicht ihr in 
den mund gelegt wurde, aber geheime künste verstand sie 
nicht; vermochte sie doch nicht, Sigurds und Gunnars täu- 
schuüg zu durchschauen, auszerdem passt von den lehren, die 
sie hier ertheilt, keine auf das eigenthümliche Verhältnis 
Sigurds, als die ganz allgemeine: wahr beim eid zu sein und 
ihn treu zu halten (Br. 1, 23), indem sie selbst späterhin ihn * 
des eidbruches anzuklagen hat (Sig. 1, 31. Br. 2, 2. Völs. c. 38). 
aber ganz ungehörig und nur durch künstliche erkläruug zu 
beseitigen ist die Voraussetzung eines langen lebens bei Sigurd 
(Br. 1, 38) und seltsam lautet in Brünhildens mund die lehre, 39S 
an verwandten keine beleidigung zu rächen, da sie selbst her- 
nach aus rachegefühl Sigurds Schwäger zum morde au&eizt. 

b) Vertauschung der gestalt kommt zweimal vor: zwischen 
Signe und einem zauberweib (Völs. c. 75) und zwischen Sigurd 
und Gxmnar. sie ist verschieden von der einseitigen annähme 
einer andern, namentlich einer thiergestalt. diesen Umtausch 
vollbringen zaubermittel, er ist blosz äuszerlich und der mensch 
behält die eigenen gedanken (Sig. 1, 39). die deutsche sage 
weisz nichts davon; bei Siegfried tritt die unsichtbar machende 
tarnhüt an die stelle, eine änderung, welche den Günther schon 
bei den kampfspielen herabwürdigt, indem er die leeren gebär- 
den übernimmt und dem Siegfried die handlung überlässt. (un- 
natürlich und gezwungen ist die annähme, dasz Siegfried bei 
dem Sprunge den Günther mit fortträgt. Nib. 437.) 



«Ml j3 

S98 c) Die elfen verwandeln sich, wie es ihnen beliebt/ aber 
auch Zauberei kann mittelst ihrer künste Veränderung der ge- 
stalt bewirken, namentlich den menschen thiergestalt geben, 
so verwandelt sich Siggeirs mutter in einen eich (Völs. c. 9), 
königin Ostacia (Ostansia, bei Rafn) aber in einen drachen 
(Vilk. c. 328); in dieser gestalt und mit einem wüden beer, 
das sie allein durch Zauberkünste hervorgebracht hat, geht sie 
in den kämpf, und nichts widersteht ihr. die worte dabei sind 
merkwürdig: Ostacia fer üt oo rcerdi atnn gand^ pat köUum vier 
at hon faßri at seida, sva sem gert var i forneskio, at fiölkunn- 
gar konor, päd er vier köUom Volor, skylldi seida honum seid. 
Rafn erklärt: sie bewegte ihr zaubergeräthe. Marpalie zieht 
ihre kleider ab, schlägt in die bände und verwandelt sich in 
eine krähe (Wolfd. 139^). 

d) Die dem Guttorm gereichte speise und die ihm in den 
trank gemischten zaubermittel, welche ihn zum morde antreiben, 
beschreibt die Völsunga saga (c. 39) noch sorgföltiger, als das 
eddische lied (Br. 2, 4). am genausten werden wir belehrt 
über die Zubereitung des Vergessenheitstrankes ^ den Qrimild der 
Gudrun gibt (Gudr. 2, 21 — 23. Völs. c. 41); um ihn noch 
wirksamer zu machen, sind äuszerlich in das hörn, in welchem 
sie ihn empfängt, runen eingeschnitten. auch das hom mit 
trügerischem meth, welches Grimild dem Sigurd reicht (Völs. 
c. 34. 35), löscht in ihm die erinnerung an die der Brünhild 
geleisteten eide. in allen diesen fällen weisz die deutsche dich- 
tung nichts von einem zaubertrank, auch durfte Kriemhild Sieg* 
frieds mord nicht vergessen, da sie ihn rächen soll, und Sieg- 
frieds früheres Verhältnis zu Brünhild ist völlig im dunkeb 

894 gelassen, ein segensvoUer trankt den Brünhild dem Sigurd dar- 
bietet (Br. 1, 5) ist vielleicht, wie das darauf folgende lehrge- 
dicht, ein zusatz: zudem waren die guten wünsche umsonst. 

9. Bedeutsame, die zukunft verkündigende träume sind 
etwas in deim glauben aller Völker so gewöhnliches, das ich sie 
hier nur wegen eines besonderen umstandes erwähne, in Atla- 
mal (18) erzählt Kostbera, wie sie im träum gesehen, dasz ein 
adler in das haus gekommen sei, und alle mit blut bespritzt 
habe, nach Gudr. 2, 39 träumte Atli von zwei habichten, und 
darunter sind seine beiden söhne gemeint, abermals ein habicht 
mit goldnen federn, den Gudrun auf der band trägt, bedeutet 
den bigurd (Völs. c. 33). ganz in diesem geiste aber ist der 
entsprechende träum der Kriemhild im Nibelungeliede von den 
zwei adlerny die ihren falken^ den Siegfried, mit den krallen 
packen, (träum von einem adler hat Herebrand, Wolfdieterich 
2028.) es liegt, wie mich däucht, die ansieht zu grund, dasz 
der geist des menschen, gleich einem elfen, in eine thiergestalt 
schlüpfe, am gewöhnlichsten in das gewand (hamr) eines vogels: 
doch erzählt auch Gudrun (Völs. 34) einen träum, worin Sigurd 



13 401 

durch einen goldnen hirsch angedeutet wird, (menschen die 894 
hamramir sind, sagenbibl. 2, 45, 47.) 

10. Ich musz noch einiger helden gedenken, in deren 
wesen sich eine beimischung des übernatürlichen zeigt. 

a) Dieterich von Bern, seine wunderbare erzeugung durch 
einen nachtelfen, sein wahrscheinlich daher rührender feuer- 
athem, sein häszliches antlitz, schwarzes pferd, endlich sein ver- 
schwinden und seine rückkehr zu den geistern ist schon oben 
(s. 39. 40. 105. 142. 294) zusammengestellt. 

b) Der treue Eckart (oben s. 144). es scheint hier eine 
im anhange des heldenbuchs (oben s. 289) ausgesprochene be- 
ziehung auf den noch in der deutschen volkssage (deutsche 
sagen, nr. 7) lebenden treuen Eckhart zu walten, der mit 
weiszem Stabe vor dem wilden beere einher geht und vor Un- 
glück warnt, auch auf darstellung des markgrafen Eckwart im 
Nibelungelied könnte ein solcher gedanke schon einflusz ge- 
habt haben, er folgt mit besonderer anhänglichkeit der Kriem- 
hild zu Etzel (1223), verspricht ihr lebenslange treue und ist 
ihr kammerer (1338, 3). dann finden wir ihn plötzlich und 
fast im Widerspruche damit als nächtlichen wächter von Rüdi- 
gers mark, wo er sich im schlafe von Bagen überraschen lässt, 
den er dann warnt (1575). in letzterer eigenschaft allein kennt 
ihn die Vilkina saga (c. 341). 

c) Die milchstrasze am himmel, via secta, wird in der gl. 
Jun. (Nyerup. symb. 372, wol aus gleicher quelle bei Lye Man- 
ning) übersetzt Iringeswec^ und dieser name wird bestätigt durch 395 
Wituchind, der nach der erzählung von Irnfrit und Iring (oben 

s. 117) hinzufügt (1, 634): mirari taniien non possumus, in tan- 
tum famam praevaluisse, ut Hiringi nomine, quem ita vocitant, 
lacteus coeli circulus usque in praesens sit notatus. dem Witu- 
chind folgt das chron. Ursperg. mit diesen werten: ut lacteus 
coeli circulus Iringis nomine Iringestrdze usque in praesens sit 
vocitatus. die Vilkina saga bemerkt etwas ähnliches in einer 
oben (s. 179) mitgetheilten stelle, bedarf aber fttr den Zusam- 
menhang ihrer erzählung einer lv\mg%wand und nimmt daher 
veggr statt vegr an. [vgl. jedoch anm. s. 179.] ist demnach 
ihre an Wendung an sich unrichtig, so bewährt sich doch der 
alte ausdruck selbst in diesem mis Verständnis und, was hier 
das wichtigste wäre, die Verknüpfung mit den helden des Sagen- 
kreises, indessen scheint es blosz eine äuszerliche, durch den 
namen selbst erst herbeigeführte; denn was das Nibelungelied 
von Iring berichtet, enthält keine veranlassung, die milchstrasze 
nach ihm zu benennen, so tapfer er auch gegen Hagen kämpft. 
Wituchinds behauptung befremdet noch mehr, da Iring nach 
seiner erzählung gerade ein verräther an seinem herrn war und 
ihn mordete, dasz er hernach an dem feind seines herrn sich 
rächte und mit dem schwert einen weg bahnte und entrann, ist 

Wilhelm Gbium, dkdtschb niLDBNflAOB. 26 



402 — u — 

P95 keine in solchem grade ruhmwürdige that. entweder also haben 
verlorene lieder die Verknüpfung gerechtfertigt, oder wir haben 
einen eben nicht sehr glücklichen versuch vor uns, einen 
mythischen namen, dessen bedeutung verloren war, durch an- 
lehnung an eine person, die man für geschichtlich hielt zu 
erklären. Aventin (102'*) kennt auch eine Euringaatrasze^ njpamt 
aber als Urheber derselben einen zauberkundigen konig Euring 
bei der Donau an. 



14. 

Ich füge noch einige allgemeine bemerkungen hinzu. 

1. In dem vorangehenden ist öjEler in beziehung auf die 
sage der ausdruck ursprünglich gebraucht, aber noch nicht er- 
klärt worden. ich verstehe darunter diejenige gestaltung, 
welche sich aus den verschiedenen äuszerungen der sage, vor- 
zugsweise den älteren (denn von rohen an&ngen findet sich 
keine, spur und in der regel ist das ältere hier auch das 
bessere) der betrachtung als die vollkommenste ergibt ; ich sage 
ausdrücklich: der betrachtung, denn ich behaupte blqsz die 

896 inöglichkeit, keineswegs die Wirklichkeit dieser gestaltung. 
überhaupt glaube ich, dasz man von einem anfang der sage 
nicht eigentlich reden könne; sie wird jedesmal eindrucke aus 
der vorangegangenen zeit empfangen und bewahrt haben, selbst 
da, wo kein materieller Zusammenhang mit früherer Überliefe- 
rung bestanden hätte, falls dies überhaupt möglich ist. das 
ursprüngliche bezeichnet also nur die grenze, bis zu welcher 
wir von unserm Standpunkte aus sehen können; über diese 
hinaus mag seine Vermutungen irren lassen, wer vortbeil aus 
solchen bemühungen erwartet, in ähnlichem sinne ist von rein- 
heit der sage geredet worden, die ich keineswegs von völliger 
abwesenheit eines fremden Stoffes, sondern von einer gewissen 
durchsichtigkeit des Inhalts verstehe, die nur vorhanden ist, 
wenn alle theile sich vollkommen durchdringen und ein ganzes 
bilden, was sich bei der berührung mit andern Völkern einge- 
mischt hat, kann völlig übergegangen und einheimisch gewor- 
den sein, wie wir sehen, däsz die reinste spräche fremdartige 
Wörter aufgenommen hat. 

2. Ruhend und in eine feste form gebunden dürfen wir 
(ins das epos zu keiner zeit denken, vielmehr herscht iu ihm 
der trieb zur bewegung und Umgestaltung, ja ohne ihn würde 
es absterben, wenigstens die kraft lebendiger einwirkung ver- 
lieren, hier erprobt sich die fahigkeit zur poesie und ein un- 
freies, verarmtes geffihl wird jedesmal eine Verschlechterung 
des epos bewirken. echte fortbildung geht niemals aus laune 
ijnd Willkür, immer aus innerer nothwendigkeit hervor^ eins 



14 408 

der bedeutendsten mittel dabei ist ohne zweifei die in verschie^ 896 
denen ersobeinungen beobachtete Verknüpfung einzelner sagen, 
der norden hatte die Helge- und Krakasage der Sigurdssage 
beigemischt, Deutschland die Dieterichssage mit noch gröszerm 
erfolg, aber das glänzendste beispiel ist unser Nibelungelied. 
geAde der ausgezeichnetste theil, der zweite nämlioh, ist ledig- 
lich aus einer solchen Verknüpfung hervorgegangen. nähme 
man Büdiger und Dieterich heraus, die bedeutendsten Verwicke- 
lungen und ergreifendsten stellen würden fehlen, und der ganze 
grosze kämpf in die erzähiung von Günthers und ' Hagens 
tapferer gegenwehr vor ihrer Überwältigung sich zusammen- 
ziehen, so aber treibt die dichtung, frisch getränkt, neue 
sprossen und überall verkündigt sich ein höherer schwung und 
eine reichere, gleichförmigere fülle des ausdrucks. wahr ist es 
auf der andern seite, das neue wird niemals ohne einbusze an 
dem alten gewonnen und einfachheit und verstand der grund- 
lage leiden bei solchen Umbildungen fast immer; aber wir 
haben an dem ersten theile des Mibelungeliedes ein beispiel, 
wie ohne eine solche erfriscfaung die sage lückenhaft wird, in 
sich zerfallt und allmählich erlischt. Siegfrieds jugendleben, 
nur unvollständig angedeutet, zum theil vergessen, Brünhildens 
damit verknüpftes geschick, es würde sich besser, freilich auch 
in anderer gestalt bewahrt haben, wenn ein neuer ström der 397 
sage wäre hinzugeleitet worden, absichtlich enthalte ich mich 
der anfäbrung analoger Verhältnisse, wie sie vorzüglich die ge- 
schichte der spräche darbietet. 

3, Ich nehme die schon am eingange berührte frage, ob 
der Ursprung der sage mythisch oder historisch sei, hier wieder 
auf. nach dem, was darüber vorgebracht ist, darf ich als aus- 
gemacht betrachten , dasz die geschichtlichen beziehungen, 
welche die sage jetzt zeigt, erst später eingetreten sind, mithin 
die behauptung, dasz jene ereignisse die grundlage geliefert, 
aUer stützen beraubt ist. noch eine andere, wie mir scheint, 
nicht geringere Schwierigkeit macht die damit verknüpfte Vor- 
stellung von absichtlicher, poetischer ausbildung des histo- 
rischen factums. der dichter der Nibelunge noth muste dar- 
nach vorsätzlich chronologische verstösze begehen und sehr ge- 
nau wissen, dasz die gestalten, die er auftreten liesz, bis auf 
einige namen, geschäpfe seiner eigenen einbildungskraft waren; 
gleicherweise konnte er sich über die Unwahrheit der thaten, 
die er sie vollbringen liesz, unmöglich täuschen, wie steht das 
in Widerspruch mit der nicht blosz in frühester zeit, sondern 
noch bei den gebildetsten dichtem des mittelalters herschen- 
den Überzeugung von der vollkommenen Wahrheit der Über- 
lieferung, man wird oben mehr als ein zeugnis von dieser ge 
sinnung, die selbst ein groszer dichter, wie Wolfram, theilte, 
finden; erst später bei gelehrter bekanntschaft mit den gewöhn«- 

26* 



404 U 

397 liehen quellen kommt der gedanke an die Unwahrheit der sage 
auf, wie Heinrich von München den Jornandes und die ge- 
dichte von Dieterich entgegen setzt (oben s. 206). kann man 
glauben, dasz gerade die, welche man sich als Verfasser jener 
werke denkt, eine andere der klugheit unserer zeit ent- 
sprechende ansieht nicht allein hegten, sondern auch mit ni%e- 
wöhnlicher Schlauheit verbargen? überall bricht ein ehrlicher 
glaube an die Wahrheit durch, jede zuthat und weitere ausbil- 
düng galt für eine blosze ergänzung derselben, dieser glaube 
ist freilich höchst naiv, aber nicht unverständig, denn er will 
in dem gemüte von menschen, die historie und poesie zu 
trennen noch nicht gelernt haben, nicht mehr sagen, als dasz 
hier nichts aus der luft gegriffenes, sondern seiner letzten 
quelle nach im wirklichen leben begründetes aufgenommen sei. 
setzt man noch hinzu, dasz auf eine Wahrheit dieser art das 
ganze, wie jeder einzelne theil, vollkommen denselben anspruch 
machen könne und nach einer historischen thatsache zu fragen 
vergeblich, ja sinnlos sein würde, da in dieser poetischen läute- 
rung und herübernahme in das gebiet des freien gedankens 

398 jedes äuszere merkmal des geschichtlichen leicht verschwin- 
den würde, so hat man, wie es mir scheint, das richtige ge- 
troffen. 

Wer einen mythischen Ursprung annimmt, hegt folgende 
Vorstellung, die beiden, welche die dichtung in geschicht- 
lichem scheine auftreten lässt, waren früherhin götter, verkör- 
perte, sinnbildlich aufgefasste ideen über erschaffung und fort- 
dauer der weit, als sich das Verständnis dieser ideen verlor, 
bildete sich das epos, in welchem die götter zu menschlichen 
beiden, ihre thaten zu geschichtlichen begebenheiten herabsanken, 
doch jene göttermythen selbst verdankten erst spätenn, sinn- 
lichem Wohlgefallen ihr dasein, und rücken wir zu ihrem Ur- 
sprung abermals zurück^ so finden wir noch unverhüllter den 
ausdruck einer hohem, übersinnlichen betrachtung. die aufgäbe 
besteht also darin, das verborgene philosophem in der dop- 
pelten Überkleidung, in welcher es jetzt sich darstellt, aufzu- 
suchen, was dahin sich deuten lässt, musz als der eigentliche 
inhalt hervorgehoben, alles andere als nichtssagend zurückge- 
lassen werden. 

Diese ansieht, welche den gegenständ bei der wiirzel zu 
fassen und die aufgäbe völlig zu lösen scheint, zeigt sich bei 
der ausführung schwierig und musz zu unerweisbaren Voraus- 
setzungen ihre Zuflucht nehmen, ich habe schon oben ange- 
deutet, dasz Sätze wie jener vom leben und tod der weit oder 
dem mit dem besitze des goldes verbundenen verderben in 
ihrer allgemeinheit nicht im stände sind den eigenthümlichen 
inhalt . der sage zu bezeichnen , eben weU sie sich auf die 
epischen gedichte fast aller zeiten und Völker anwenden lassen. 



14 405 

billigerweise sollten versuche, den grundgedanken aufzufinden, S98 
erst nach ausmittelung der reinen sage gemacht werden^ allein 
man sucht aus allen darstellungen nur das heraus, was zu der 
vorausbeliebten ansieht passt, und Untersuchungen, wie die hier 
gelieferten, die gewis nur erst einen theil der Veränderungen, 
welche die sage erfahren hat nachweisen, fallen lästig und wer- 
den zurückgeschoben. es kann daher leicht kommen, dasz 
einem unbezweifelt spätem zusatz das höchste gewicht beige- 
legt, das älteste aber und merkwürdigste unbeachtet gelassen 
wird, ich habe das wunderbare im epos vorhin zusammenge- 
stellt, geringf&gig ist es nicht und es scheint allerdings, dasz 
sein einflusz früherhin noch mächtiger war (vgl. sagenbibl. 2, 
49. 228. Faeröische lieder einl. 27—29), aber bei fortbildung 
der sage zurückgedrängt und verdunkelt wurde. gleichwol 
habe ich kein beispiel von der Umwandlung eines gottes in 
einen bloszen menschen gefunden, oder eine spur, dasz der aus- 
druck einer geistigen Wahrnehmung durch absichtliche einklei- 
dung in eine geschichtliche begebenheit sich verloren hätte, ich 399 
untersuche nicht, ob es unbezweifelte beispiele einer solchen 
Umbildung gibt, es ist wol möglich; ich behaupte nur, dasz, 
wenn wirklich etwas einzelnes dadurch eingeführt oder geändert 
wäre, dies noch nichts entscheiden könnte, weil der hauptinhalt 
selbst aus einer solchen Veränderung müste hervorgegangen 
sein. das epos, welches das ganze leben zu erfassen strebt, 
kann den glauben an überirdische dinge nicht hintansetzen, 
noch die weise, wie er sich äuszert, ihr unbekannt bleiben, es 
vrird dort immer ein wesentliches dement seines Inhalts finden, 
ja es scheint mir ohne eine solche mischung des leiblichen und 
geistigen gar nicht bestehen zu können, etwa wie gesang beides 
Worte und töne verlangt, keinem gedichte, wenn es wahrhaft 
beseelt ist, fehlt innere bedeutung oder eine sittliche erkenntnis ; 
wir haben gesehen, wie der dichter der Klage sich bemüht, 
den grundgedanken des Nibelungeliedes aufzufinden, und wie 
er in seiner ansieht schwankt, aber nichts berechtigt uns bis 
jetzt zu der Vermutung, dasz die deutsche heldensage aus er- 
forschung göttlicher dinge oder aus einer philosophischen be- 
trachtung über die geheimnisse der natur hervorgegangen sei 
und in einem sinnbildlichen ausdrucke derselben ihren ersten 
anlasz gefunden habe. sie selbst hat, so weit wir ziu^ck- 
blicken können, sich allezeit neben der geschichte ihren platz 
angewiesen, das älteste zeugnis bei Jemandes legt schon den 
gesängen der Gothen ausdrücklich historischen Charakter bei. 
die lieder, welche die sage von dem aus der erde geborenen 
gott Tuisto und seinem geschlecht enthielten, die Tacitus (G. 2) 
alte nennt, sind untergegangen; meiner ansieht nach bestanden 
sie neben den heldenliedern, dergleichen jene waren, welche 
die thaten des Arminius feierten (ann. 1, 88). ein treffliches 



406 14 

Sdobeispiel dieser Unterscheidung bei den Galliern liefert eine 
stelle bei Ammian (15, 9), die ich als den besten schlusz hier- 
her setze: Bardi quidem fortia virorum illustrium facta heroicis 
composita versibus cum dulcibus lyrae modulis cantitarunt (ge- 
rade wie Jemandes sich ausdrückt); Euhctges v^o scrutantes 
seriem et sublimia naturae pandere conabantur. inter hos 
Druidae ingeniis celsiores, ut auctoritas Fythagorae deerevit, 
sodaliciis adstricti consortiis, quaestionibus oocultarum rerum 
erecti sunt, et despectantes humana pronuntiarunt animas im- 
mortales. 



REGISTER. 



AbaJüe 326. 

Matth. Abele (nr. 163) 319. 

Abentrot, brader des Ecke 225. 

Abentrod, brader des Afipilian 225. 
286. 391. . 

Ach 222. 294. Alphart Ton Ach 192. 
288. 

Ackermann asiA Böhmen (nr. 120^) 283. 

Adelger 146. 257. 

Adelhart 102. 

Adelind 113. 

Adelring 307. 

adler, zeichen kaiser Otnits 290. 291, 
Dieterichs von Bern 143. 237, Gün- 
thers 129, Hagens 130. 307; mit dem 
löwen Heimes zeichen 268: anf der 
fahne von Wolfdieterichs leaten 234. 
— traumbild 182. 394. 

Admont 228. 

Aegishelm 79. 385—386. 

Agacien 88. 

Agnellas 9. 

J. Agricolas sprichw. 79 (ni. 147), 309. 

Ainsiax 43. 57. 

Aki, ein Harlung 20. 263. 

Aki Örlnngatrausti (Öldangatransti 263 
—264. 265), vater der Harlunge 186. 

Alanus Scaliger 315. 

Alberich. Albrian s. Eiberich. 

Albert von Stade (nr. 48c) 156. 

Albertus Argentin. (nr. 72c) 169. 

Aldrian, Hagens vater 86. 88. 180. 

Aldrian (Aldrias 321), Högnes söhn 123. 
306. Etzels 68. 

Alebrand, Berchtungs söhn 233. 

Alebrand, Hiltebrands söhn 257; 
schenkt dem Dieterich das rosz 
Blanke 209. s. Hadebrand. 

Alebrand, Dieterichs mann 209. 

Alexins, griecb. kaiser 50. 

könig Altred 28 (nr. 14). 29. 



Alferins s. Alphere. 

meister Alexander (nr. 75) ^0. 

Alexander der grosze, LambrecfatB ge- 
dieht 330; altholländ. ged. (nr« 67) 
167. 

üz Alexandrin 149. 

Alfrich s. Eiberich. 

Almari 227. 

Alphart (Alfart 242, von Ach 192.288), 
herknnft 191. 192. 240. 294; jagend 
240; kämpf mit Bittemng 192; 
tod darch Reinher 192; durch. 
Wittich 242. 244; von Dieterich be- 
weint 192. 207. — gedieht von 
seinem tod (nr. 90) 236. 339; 
spätere entstehung desselben 355; 
poetischer gehalt 371. 

Alpher, böte Friedrichs v. Raben 209. 

Alphere, Alferins, Alpker, Walthera 
von Spanien vater 92. 

Alpris s. Eiberich. 

Aising s. llsan. 

Alsvid 350. 

Alzabe, Azzab^ 326. 

Alzei, Wappen (nr. 172) 323. s. VoU 
ker. 

Amala, Amali, Amalongus 1. 

Amalger von Tengelingen 53. 

Ame 140. 

Amelgart ans Normandie 185. 

Amelgart aas Schweden 240. 

Amelger von ^Brysen' 239. 

Amelrich 96. 

Amelolt (Amerolt 191, Amelot 294) 
von Garte, Garten 191. 247; kämpft 
mit Wittich 195. 196; geschlecht 
191-192. 240. 294. 

Amelung (Abelan, Abelon 258) herzog 
250. 251. 258. vgL 273. 

Amelung} söhn des Hagdieterich 185. 
200. 264. 



408 



Amelungi Amnltiiig, Dieterich von Bern 

32. 33. 190. 344. 
Amelang (Ömlnng), söhn des Homboge 

102; begegnnng mit Siegfried 182. 
die Amelnnge 2. 101. 102. 145. 173. 

311. vogt der Amelnnge: Dieterich 
von Bern 104. s. Ymeinnge. 

Amelungeland (Ömlnngaland 2) 101. 
142; von Amelnnge der degen 101. 

Amige 232. 

AmilS 226. 

Amilias 341. 

Ammianns Marcellinus 8. 343. 399. 

Ammins s. Hamdir. 

*Ampprian 215. 216. 

Amnl 33. 

Amolwinns 32. 

Andvare 384—386. Andvaranant 385 
—386. . 

Angelbnrg 280. 

angelsächsisches gedieht (nr. 8) 20. 

anhang des heldenbnchs (nr. 134) 
287. 

Ankona 145. 

annales Colon. 49. Magdeb. 9. Pega- 
▼iens. (nr. 85»>) 49. 

annalista Sazo 38. . 

lied anf Anno (nr. 36) 49. 

Antfnchs von Gabelin 149. 

Antioch 198. 

antwort weigern 363. 

'AnzenSy Anzins, Antis, Attenns' 230. 
315. 

ApoUonins 341. 

Apnlien s. Fülle. , 

Aquitanien 87. 95. 

Arabien 326; pfeUel daher 65; Rüdi- 
gers heimat 98. 

Aijas 98. 

Marolt von Arie 197. 

Arnold von Lübeck (nr. 34) 48. 

Arnold, graf 55. 

k. Amnlf 30. 

Artala s. Etzel. 

k. Artus 134. 181. 

Asiaug 346. 

Asmund Eappabanes sage 261. 

Asprian 157. 174. 247. 248. 279. 

312. Aspilian 225. 391. 
Asser 22 (nr. 13). 28. 
Astolt 140. 

Atlamal (nr. 3) 10. 70. 71. 

Adaqnida (nr. 4) 11. 

k. Atli der nordischen sage 3. 4; 
tödtet die Grimild 306. 354; wird 
ermordet 9. 11. 12; in einer Stein- 
kiste begraben 10. ausser beziehung 
Auf den historischen Attila 9. 345; 



verschieden von Etzel 347. — Atlis 
mutter 352; bruder 353—354. 

k. Attila der historische 6. 9. 18. 25. 
29. 37. 40. 69. 300. 314. 345; sein 
Schwert 311. 312; sein tod 9. 285. 

Aventin (nr. 136) 301. 395. 

Jac. Ayrer (nr. 156). 315. 

Azagouc 65. 

Azzaria 146. 148. 



BabehUd 387. 

Babilon 148. 

BadohUd 20. 

bahrgericht 363. 

Baiem, raublnstig 125; besiegen k. 

Dietmar 303. 
Baierland 54. 124. 137. Rüdigers leben 

69. Diepolt von Baiem 212. bairi- 

scher herzog 304. 
Baidung (Waldung), zwerg 274. 
Baidung von Paris 211. . 
Baligan von Libia 149. 
BaUova 288. 

Ballus von Normandie 185. 
Bahnung 78. 80. 82. 213. 246. 250. 

2f4. 
Baltram 198. ^ 
Balther, Etzels mann 199. 
Balther von Etzelingen, Ermenriclu 

mann 211. 
Bange 239. 
Bari 51. 203. 
Bechelaren (Bechelseren 211, Bekalar 

297, Bethelar 288. 296, Bettelar 288) 

96. 124. 198. 
Bechtung s. Berchtung. 
Mich. Behaim (nr. 130c) 286. 
Bekhü4 350. 
lant ze Belagnnder 159. 
Belebe 127. 
BeHan 149. 231. 
Bendegnck 164. 
Benig 256. 
Beowulf (nr. 6) 13. 
Bera s. Kostbera. 
Berta 180. 
Berther von Meran 51; ist Berchtong 

von M. 53. 357. 
Berther, söhn Berchtungs von M. 233. 
Berther, mann Dieterichs von B. 193. 
Berthold lU. von Meran 53 anm. 346. 
Berthold, fürst aus Schwaben 138; gnf 

von Elsasz 138. 
Bertram von dem berge 237 anm. 238. 

Ladmer von den bergen 197. 
Bertram von Pole 192. 208. 
Bertram von Salnecke 212« 



409 



Berchtung (Becfatang 288. 293. 311. 
312, Bechting 315, Beriher 51) von 
Meran (auf * Lilienporte' 235), Wolf- 
dieterichs meister 229; geschlecht 
231 — 234. 293 ; historische beziehnng 
auf Berthold von Meran 53 anm. 
346. 

Berchtung, söhn des meisters Berch- 
tung 233. 

Berchtung, herzog zu Raben 145. 

Berchtung, markgraf, verwandter der 
Herrad 104. 212. 

Berchtwin 233. 

Berker 145. 

Bern, bürg 286, Verona, Dieterichs 
Bern 304; läge 288. 290. 307. 309; 
erbauer 40. 189. 204. ^94. auf 
Hildebrands schild 233. groszer 
kämpf daselbst 289. 300. — buoch 
von Beme 184 ; helt, vogt, ritter von 
Berne: Dieterich 104. 279. 282. 283; 
herzöge von Beme: Siegestab 104. 

der Bemeere: Dieterich 104. 105. 142. 
279. 311. 312; Berneri 169. die 
Bemsere: Dieterichs beiden 101. 102. 
142. 

Bemburg 33 anm. 

Bertangaland 134. 180. 

Biarkamal (nr. 10) 26. 328. 

Bicci s. Sibich. 

Binose 193. 

Birkhüd 388. 

Biterolf, das gedieht (nr. 45) 123. 355; 
hat einiges mit Gudrun gemein 326. 
329. — der held 127. 194; sein 
schildzeichen 127; wird mit Steier- 
mark belehnt 127. 194. 

Bitterfer 278. 

Bitterung von Engelland 192. 197. 

Bitrunc von Mdrlande 211. 

Blank, heim 308. 

Blanke, rosz 209. 

Bleda 68. 345. 

blinde singen 173. 377. 

Blodgang 243. 

Blodelingen 124. 

Blödel, Blödelin, Etzels bruder 67. 140. 
212. 345; Etzels mann 198; held 
aus Bern 268; fürst der Walachen 
140; könig 212. 

Blomsturvalla saga (nr. 98) 262. 

blutrache 361—362. 

blut trinken 71. 

Bodild, Hagens mutter 307. 

Bödvild 21. 

Böhmen, land 124. 137. 161; volk 
125. 

Boethins de consol. 29. 



Böge 236. 

Boguphalus (nr. 55) 158. 164. 

Bolognaschlacht 359. 

Bonfinius 304. 

Bonn 222. 

Boppe 331. der starke 283. 

Boppe, Herborts schwestersohn 135. 

Borgny 352. 

Botelung 68. 138. 

Bottel 239. 

Brabant 138. 197. 233. 248. 

Bragi, der alte 328. 

Bramaleif 265. 266. 

Brand herr Vifferlin 308. 

Brandenburg 38 anm. 49. 69. 180. 
181. 

Branker 239. 

Sebast. Brant (nr. 132) 286. 

Braunschweig 211. 

Breisach 37. 49. 144. 185. 186. 232. 
238. 264. 289. 295. — Breisgau 37. 

Bremen 176. 

*Brysen* 239. 

Brinnig 239. 

Broder 45. 

Brosinga mene 17. 

Brünhild, bürg und heimat 5; Verhält- 
nis zu Siegfried 82 — 85. 321. im 
Rosengarten 254; im Biterolf 129; 
fehlt im Siegfriedsliede 259 ; tod 369. 
Schönheit 178. Jungfrauenstand 384. 
Charakter 366. 369. feuer springt 
aus ihren äugen 387. valkjrie 
383—384. 386—387. Brünhüdestein, 
lectulus Brunihildae 155 anm. 384. 

Brünhild, austrasische königin 345. 

Brunstein 263. 

Gasp. Bruschius (nr. 14 1^) 305. 

Buda 164. 

ze Budine 198. 

Budli, AÜis vater 68. die Budlunge 6. 

Budlis bruder 183. 184. 

Budli, vater der HUde 261. 

Budli, oheim des Jarmerich 45. 

Budva 69. 

Burgund, das land 124. 128. 166 anm. 

, 201. 205. 212. 254. 287. — die 
Burgunden 12. 13. 18. 66. 128. 254 ; 
in die sage eingeführt 343. — lex 
Burgundionum (nr. 5) 12. — Bur- 
gnnthart 66. 

ze 'Burgern' 218. 

burgzinne, Hagens zeichen 130. 

Burlenberc 162. 



Kaiserchronik 203 anm. 
'KaJeich' 225. 



410 



Kallova 208. 

Carl der einfältige 30. Carl der grosze 
50. 

Karle der guote 197. 

Karle, Marolds bruder 197. 

Carlhöfde 306. 

Karlshögaslott 321. 

.carmina gentilia 28. 

Kämthen 233. 

Cassiodor 2. 70. 

Caspar von der Röhn 213. 227. 235. 
249. 270. 271. 276. 277. poetischer 
werth seiner gedichte 372-373. 

Catalannische schlacbt 70. 345. 

Katheideborg 305. 

Kaukasus 196. 227. 288. 

Keisersberg s. Geiler. 

Kerka 68. 345. 

Kerlingen 95. 185. 

kesselfang 33. 351. 

^Kewart' 193. 

Kewe 164. 

Simon Keza (nr. 63) 163. 

Christen an Etzels hof 68. 69. 

Chronik von 1452. — kaiserchronik 
203 anm. — köln. chrönik (nr. 133) 
287. — : Ebersbcrger chronik (nr. 15b) 
30. — hvenische chronik (nr. 142) 
305. — livländ. chronik (nr. 74) 170. 
— Chr. Mellic. (nr. 117b) 281. — 
chron. Novalic. (nr. 22) 36. — ehr. 
Qnedlinb. (nr. 18) 31. — repgauische 
oder Sachsenchr. (nr. 48^) 156. — 
Sachs, ehr. (nr. 129) 285. — schwe- 
dische ehr. 182. — thüring. ehr. 
(nr. 140) 304. — ehr. Urspcrg. (nr. 
23) 36. — ehr. Wormatiense (nr. 1 35) 
301. 

chronographns Saxo 9« 

Chytraeus (nr. 160) 318. 

Kiar 12. 

ze Kiewen 69. 

Kiliandur 41. 

Klage, das gedieht (nr. 44) 108. 355. 
Überarbeitung (nr. 48) 155. 

Zacharid Son wilden Giemen, Clenie' 
292. 

Knefmdr 11 anm. 

cod. Guelferbyt. (nr. 122) 283. cod. 
Palat. 313. (nr. 116) 281. cod. Pal. 
329 (nr. 113) 280. cod. Pal. 392. 
(nr. 121) 283. cod. Tirol, (nr. 123) 
283. 

Königshoven Elsasz. ehr. (nr. 117) 281. 

de Koker (nr. 166) 320. 

pfaffe Konrad (nr. 38) 55. 331. 

Konrad von Ammenhauaen (nr. 114) 
280. 



Konr^d voi\. Wtirzbiirg (nr. 65) 167. 

meister Konrad 108. 

Con^tantin der grosze 50. 

Constantinopel 50. 51. 212. 

Kostbera 353. 

krähe 387. 393. 

^krapen' in Hildebrands schild 257. 

Kriemhild [ZE. 12. 26, 6. 33] (Grim- 
hild 285. 305, Grimmhild, Grimhildin 
312, Grimild 301. 303. 321, Gremild 
305, Krlmhilt 111, Crimild 165. 287. 
294. 298, Chrimhild 317, Chreim- 
hilt 205, Greimhjld301; Kreinheiltz 
304, Kremheyich 165, Crumheldina, 
Crimiheldina 165, Crnmhelt ' 166, 
Gramulla 285) vom Rhein 280; in 
freundiBchaft mit Brünhild 132; 
pflanzt den rosengarten 294. 312; 
ihr gold Itl; träum 182; höchzit 
160. 163. 166. 169. 286. 300; not 
169. 280; mort 171; proelium 166. 
lohn 167; verrat 48. 162. 286; 
räche 260. 306. 310; zom 282; 
tödtet den Hagen 116, ihre brüder 
299; hasst die Wölfinge 298; ihr 
alter 64; wird nicht getödtet 300; 
tod 168. 287. 300, 306; grab 321; 
ist ein riesenweib 321; zaubert 322; 
ihr Charakter 348. 370; diu übele 
168; rohheit ihrer sitten 371; tochter 
eines thüringischen königs 301. 303. 
305; eines deutschen 165, eines bai- 
rischen, eines sächsischen herzogs 
304, eines burgundischen 166 anm. 
vgl. 307. — Criemhildespil , Kriem- 
hildenstein, Griemhildensteg, -graben 
155 anm. 

kröne, Siegfrieds zeichen 132; Gün- 
thers 129. 

Crusius (nr. 153) 313. 317. 

Cuningesbrunno 154. 

Kuperan 80. 311. 391. Cüprtän 174. 



'Dageminde' 228. 

Dainsleif, schwert 328. 

Damascus 43. 

Dänen 178. — vikingr Dana: Sigurd 
9. — Dänenkönig von den Oia- 
kungen getödtet 183. — Dänemark 
6. 7; 116. 135. 156. 183. 184. 197. 
211. 239. 247. 256. 326; Tenelanf 
133. 135. 156. 211. 

dänische Volkslieder (nr. 143. 144) 306. 
318. 

Dankrat 129. 

Dankwart (Danebart 281), Hagens bru- 
der 86; im Biterolf unbekannt 130; 



4il 



kämpft für Dieterich von Bern 202; 
nicht in der Rabenschi. 212. 

k. Desen tochter 189. 204. 

Dethardns 285. 

Detmar, fortsetz. (nr. IdO«^) 286. 

Deutsche 143. 177. 178. 179. — 
deutsche landb 172. — deutsche 
sagen (nr. 171), 323 und lieder 175. 

Diether der alte, vater der Dietlind 
126. 

Diether, Ennenricbs bruder 185; vatcr 
der Harlunge 186. 264. 

Diether, bruder des Dieterich von Bern 
47. 189. 190. 247. 267. 273; könig 
von römisch hmd 190; von Beme 
208; älter als der Helche söhne 208; 
in der Jugend von Wittich erschla^ 
gen 157. 216. 293. 

Dietleib , königssohn aus Spanien 
125 — 127; mit Dieterich von Bern 
verwandt 126. 142; andere Ver- 
hältnisse als Dietleib von Steier 
193—195; der Stiraere 127; Biterolfs 
söhn 125. 194, nicht überall 194; 
sein Schwert 16. 280; Übersicht der 
Dietleibssage 340. — unter Diete- 
richs helden 103; in ungutem ver- 
nehmen mit Dieterich 251; bei 
Sigurd dem Griechen 180; wettkampf 
mit Wakher von Waskenstein 181 ; 
wird dessen geselle 251. 

Dietlind, Dietleibs mntter 126. 

Dietlind, Rüdigers tochter 118. 

Dietmar (Detiiardus 285, Dietmarus 
Verdnnensis 49), vater des Dieterich 
von Bern 36. 37. 106. 156. 189. 
250. 267. 344; söhn des Wolfdiete- 
rieh 293, des Amelung 185; unehe- 
lich geboren 189; seine franen 189; 
erbaut Bern 189. 204) empfiehlt 
sterbend seine kinder dem Ermen- 
rich 189. 190; wird an der Rah er- 
schlagen 303. 

Dietmar von Wien 212. 

Diepolt von Baiern 212. 

Dietpolt von Grünland 197. 

Dietrich) westgothlscher könig 303. 

Dietrich, Wolf dieterichs bruder 236. 

Dietrich der alte 203 anm. 

Dietrich von Bern (Theodric 21. 24 
Dieterich 59, Thcodoricus 40. 169, 
de Verona 32, Tetricns 24. 39 anm. 
44, Detricus de Verona 164 — 166. 
281, a Verona 304, princeps Ve- 
ronae 283, Veronensis 315, Bemen* 
sis 49, Berneri 169, Thidric de 
Beme 32» Theodoricus rex Hunnorum 
40) 157. 162. 159—160. 168. 170. 



171. 260. 263. '278.' 279. 280. ^83. 
285. 286. 300. 301. 309. 311. 312. 
314. 317 (s. Amelung, Bern, Ber- 
nsere); bellicosus 300; Zusammen- 
hang mit dem ostgothischen Theodo- 
rich 344) Dietmars söhn 36. 37. 
169. 208. 321; enkel Wolfaieterichs 
293; Übereinstimmung mit Wolfdie- 
terich 234. 236. 357, mit Siegfried 
79; seine ahnen, gedieht 185. 202; 
sein geschlecht 2. 104—107. 142; 
Verwandtschaft mit den Wölfingen 
107. 240; Zeitalter 290. 293; bild- 
liche darstellungen von ihm 39. 105-, 
erzeugung durch einen geist 40. 
105; seine elfennatur 40. 105. 343. 
394; ist. ein giftspeiender drache 
321; sein feueratliem 105. 106. 214. 
276. 286. 294. 312. 321; sein 
schwarzes pferd 39. 49; schild- 
zeichen 142. 143. 237; heim 8. 
EUltegrim; seine reliquien 209; sein 
haus, bauten und denkmäler 40. 
204. 303. 315; seine zwölf helden 
101. 102. 289, unvollständig 190. 
209, vermehrt 191; acht (sieben) 
helden 296. 297; Jugend 190. 266. 
277; kämpf mit Hilde und Gnm 58. 
214—216. 271—273, mit drachen 
und riesenl34. 250. 255. 281. 303, ge^ 
dicht darüber (nr. 99 und 100) 266. 27a 
338.356. 373; kämpf mit Herbort 135 ; 
mit Wenezlan 137; mit Siegenot und 
Laurin (s. die gedichte), mit Odoaker 
286; pf erdetränken in Friesland 181; 
Zweikampf mit Siegfried 74; wider^ 
willen, mit Siegfried zu kämpfen 
126; tödtet den Siegfried im rosen- 
garten 298. 348; rächt den mord 
der Harlunge an Ermenrich 295 ; 
könig von römisch laut 208; aus 
seinem reiche vertrieben 22. 24. 34. 
36. 37. 201. 204; gedieht von der 
flucht (nr. 83) 184. 296. 339. 372.; 
hindeutung darauf 119. 120. 167. 
207; aufenthalt zu Bechelaren ^6. 
297, zu Maringaburg 21, hei Etzel 
127. 300; sein vater lebt noch 277; 
kriegszüge bei Etzel 120; vermählt 
mit Gotelind 180» mit Hertlin 174, 
mit Herrad 103. 104; mit Sieben« 
bürgen belehnt 104; zug gegen 
Ermenrich 120. 353—359. s. Raben- 
schlacht; beweint, den Alphart und 
Helmschart 207 ; führt deh Etzel aus 
dem streit 69; entgeht dem verder- 
ben 280. 300; tödtet die Eriemhild 
299. 3(X); an ;der stirse verwundet 



412 



164. 304; heiszt der unsterbliche 
164. 304; kehrt in sein reich zu- 
rück, zeit der Abwesenheit 26. 122; 
sein ende 38. 39. 49. 206. 300. 303. 
321. — Dieterichs bad 39. — sagen 
und lieder von ihm 32. 36. 38. 40. 
177. 190. 206. 246. 281. 286. 287. 
300. 301. 303. 304. 305. 309. 312. 
315. 323; auszerhalb Deutschland 
39 anm. 318; personenname 169; 
Übersicht der Dietrichssage 338—339. 

Dietrichs Bern s. Bern. 

Dietrich von Dentz (nr. 25b) 40. 

Dietrich von Griechen 198. 247 256. 

Dietwart 185. 

Hademar von Diezen 54. 

Diezolt von Dänemark 197. 

Ditmarsen 197. 326. 

Donan 125. 177; Attila ertränkt sich 
darin 285. 

Domröschen 384. 

Dorotheenspiel 300. 

drachC) Siegfrieds zeichen 132; schild- 
halter im wappen von Worms 316. 
Fafne (389, 391), Ostacia (393) und 
Dieterich (321) als drache. drachen 
und dracheneier 200. drachenkämpfe 
s. Dieterich und Siegfried. 

Drachenfels 155 anm. 

drei brüder 43. 

Drusian 180. 



Eber, Günthers zeichen 129. 

Ebersberger chronik (nr. 15^) 30. 

Ecke (Ecke von Eckenbart 312), söhn 
des Mentiger 225; erhält von ihm 
die kröne 224. in der Vilkina saga 
kein riese 391; verwechselt mit 
Eckehard 311; Ecken ausfahrt, ge- 
dieht (nr. 86) 213. 273. 338; be- 
ziehung darauf 160. 162. 167. 168. 
170. 171. 269. 278. 279. 280. 281. 
285.287.309.310.311. poetischer 
werth 372. 

Eckenvrid 116 anm. 

Eckehardi chron. Ursperg. (nr. 23) 
36. 

Eckehard I. von St. Gallen 29. 

Eckehard, Mimes geselle 73. 246. 

Eckehard (Eckewart 190, Heccard 302), 
söhn der Hache 144. 232; pfleger 
der Harlunge 144. 190. 191. 209. 
237. 247. 255. 295; der getreue 
144. 264. 265. 289. 303. 311. 312. 
320. 394; der zornige 170; Ecke- 
hardes not 162; will räche an Bib- 
stein nehmen 186; tödtet den £r- 



menrich 289; sitzt am Venusberg 
und warnt 289. 

Eckenbrecht 254. 250. 

Eckenot, Fasolds vetter 224. 225. 226. 

Eckenot, mann Dietericfas von Bern 
193. 

Eckesachs 56—59. 142. 181. 

Eckewart, markgraf 131. 202. 

Eckwit, Eckes verwandter 225. 

Edda Ssemundar (nr. 2. 3. 4) 4—11. 
sittliche natur 361, poetische 365— 
367. 

Eginhart (nr. 11) 26. 

Eierland s. Irland. 

Spruch vom eigennutz (nr. 126) 284. 

Eigil 178. 

Eilhard von Hobergen (nr. 40) 59.' 

Einar Skaleglam 26. 

einhom, Biterolfs zeichen 127. 

'Einstett, Eystett* 228. 

Eisenach 305. 

Eitil 12. 140. 347. 

Elbe 51. 52. 68. 69. 139. 

Eiberich (Alberich 77. 81. 216 , Alfrik 
181, Alpris 79, Albrian 216, Ain- 
siax? 57), zwerg 168. 312; besitzt 
Wunderkräfte 82; sein vater föhrt 
gleichen namen 216; Baldung stammt 
von ihm ab 274; könig 227. 288; 
läge seines reichs 289; fürchtet böse 
nachbaren 282. 290; verstellt astro- 
nomie 289; Otnits vater 236; Otny- 
des twerg 279; hat Otnits paozer 
gesehmiedet 220; versöhnt Eligas 
und Otnits mutter 290; Verhältnis za 
Siegfried 77—79; gerät in Dicte- 
richs gewalt 79 ; leistet ihm beistand 
216; steht in Verbindung mit Wie- 
land 57. 288. seine erscheinnng im 
Otnit, Nibel. und der Vilkina saga 
391—392. 

eich 393. 

elephant, Otnits zeichen 290. 291; 
Dietleibs zeichen 127. 179. Sigord 
der Grieche reitet darauf 180. 

elfen 388—390. 

Eligas, Elegast von Benszen 290. 

Elsan 192. s. Bsan. 

Elsasz 124. 138. 

Else, der alte 138. 

Else, der junge 138. 192. 

rauch Else 312. 388. 

Elsentroie 198. 211. 

Eisung 189. 

Embrica, Emerca s. Imbrecke. 

Enenum von Westenland 211. 

'Engekan' 292. 

engel 389. 



418 



Engelland 192. 197. 211. — englische 
sage (nr. 170} 323. 

Engelsbarg 40. 

historia comitnm Engolismensinm (nr. 
28) 41. 

Enenkel (nr. 59) 160. 

epistolae virorum obscuromm (nr. 137) 
303. 

Erich Yon Venedig 108. 

Erka s. Helche. 

Ermenrich (Airmanareiks 2, Ermana- 
ricu8-ly Ermanricns 30. 31. 32, 
Hermenricus 30. 36. 44, Emmericns 
40, Eonnanric 17. 18. 21, JÖrmnn- 
rek 3i Jarmerich 45, Ermrich 187. 
Ermelinc 284, Ermentrich 242. 268, 
Erentrich 204. 242, Ementrich 293. 
295, Emrich 170. 284, Emelrich 49), 
der historische 8. 343; gotbischer 
könig 3. 5. 18. 31. 32. 36. 40; 
Attilas Zeitgenosse 30; rex Theu- 
toniae 49; erbant Gent 284; römi- 
scher kaiser 168. 238. 242. 263. 
265. 295; oberkönig 168; könig 170. 
187. 204. 242; Veronensis 44; nm- 
fang seines reichs 145. 238. 263; 
seine beiden 145—146. 195—197. 
209 — 211; Dieterich yon Bern ihm 
unterworfen 145. 238; abstammung 

185. 293 ; Dieterichs von Bern oheim 
32. 36. 185, verwandter 106, bruder 
293. 295; zornig nnd treulos 18. 
19. 204; wölfischen sinnes 21. 22; 
freigebig 159; beschenkt den Sibich 
61; besitzt einen schätz 17. 46. 188. 
284; übt gewalt an Sibichs fran 295. 
397; richtet sein geschlecht zu grund 
30; bringt den einzigen söhn ums 
leben 3. 31 (mehr söhne 31. 295. 
297); sendet ihn zu denWilzen 187; 
lässt die Harlunge hängen 31. 185. 

186. 289. 295; feindschaft mit Die- 
terich von Bern 170; flieht vor ihm 
295. 297; verleiht dem Heime ein 
zeichen 268; sein tod 2. 3. 32. 47. 
187—188. 289. sagen und lieder 
von ihm 30. 40. — Übersicht der 
sage 338. 339. 

Erp (Odoaker 32), Stiefbruder der 

Schwanhild 3. 46. 347. 
Erpantana 1. 
Erpfe (Erp 47 anm.), Etzels söhn 140 

= Scharf. 
Erwin, Berthers söhn 51. 52. 
Erwin von Elsentroie 198. 
Etgard (Otgard 263) 20. 
Etgeir 225. 391. 
Etherpamara, Ethespamara 1. 



Etsch 291. 292. 

Ettaer (nr. 165^) 320. 

Etzel (Attila, Athila 283, Artala 321, 
Atzel 303, Ezzelo 285, Eczelin 156, 
Ethele 164, Ettel 167, Thila 164 
anm.), Htinenkönig 40. 138. 156. 
287; beziehungen auf den histor. 
Attfla 67—71; geschlecbt 67. 68. 
138—140. 207; widersprach in der 
sage von seinen söhnen 347; macht 
68. 139. 283. 296; hat zwölf krönen 
139. 155, dreiszig 155; sein schätz 
156; mit Eriemhild verheiratet 285. 
300. 305; seine feigheit 69. 70; 
ein Christ 113. 114; ein abtrünniger 
139; seine beiden 140—142. 
197—199. 211—212; kriege 157, 
mit Witzlan 137; beraubt den alten 
Dieterich seiner lande 203; verleiht 
Brandenburg 181; empfängt Diete- 
rich von Bern 296; leistet ihm bei- 
stand im rosengarten 249; zieht 
nach Bern 253; tod 122. 123. 284. 
285. 321. 353; grab 300. s. Atli. — 
sagen und gesänge 40. 61. 300. 
302. 313. — Etzels hofhaltnng, ge- 
dieht (nr. 105) 277. 313. 356. — 
Übersicht der Etzelssage 339. 

Etzelburg 124. 138. 280. 300. 

Etzelingen 211. 

Engel, Euglin 80. 84. 258—260. 392. 

Eugippius 21. 

Euring, Euringsstrasze 395. s. Iring. 

Eylimi 260. 

Ejsenburg, kloster 317. 



Vade, riese 55. 210. 318. 

Väringer 178. 179. 

Färöische heldenUeder (nr. 167) 320. 

Fafne 8. 79. 389. 

Vafurlogi 5. 

fahrende sänger 376—377. 

Vala mengi, valaript 6. 

Valeravans 207. 

Falke, Dieterichs rosz 195. 208. 243; 
gewinnt es von Starker 208; hat es 
von Heime erhalten 208; Wolfdiete- 
richs rosz 236. 

falke, traumbild Siegfrieds 182. 394. 

Falkenstein, thüring. chronik (nr. 140) 
304. 

valkyrien 386 - 387. 

Valland 6. 

Vallevan 230. 

Vallerades 207. 

Valslöngavald 266. 

Fasold 103. 168. 170. 223. 309. 310. 



4U 



313. bekämpft mit Dieterich einen 
drachen 250. in der Vilkina saga 
kein riese 391. 

fastnachtspiel' 300. 

federkleid 3S9. 

Feldbauer (nr. 66) 167. 

Felcctheus, rngischer könig 21. 

Velandi normannischer held 323. 

Velaudsherrad 322. 

Velint 8. Wieland. 

Velle 174. 223. 

Vellev by 322. 

Venedig 108. 234. 

Venusberg 289. 

Verlehall 322. 

Verona 40. 303. 304. 344. s. Bern. 

vertauschung der gestalt 393. 

Fertilia 178. 

Vidga, Vidrik s. Wittich. 

Vidicoja, Vidicula 1. 196. 

Vidilon 265. 266. 

Vidolf s. Witolt. 

Fiedel, Volkers schildzeichen 253. 306. 
308. 355. Volker trägt sie auf dem ^ , 
rücken 253; wappcn von Alzei 323. 
— die fiedeler 324. 

Fierabras 43. 

fil 179. 

Vildifer s. Wildeber. 

Vilkinaland 69. 187. 

Vilkina saga (nr. 81) 175; = Niflunga 
saga 299; poetischer gchalt 372. 
schwedische Vilkina saga 76. 175. 
177. 180. 182. 210. 257. 

Vilkinus 210. 

Vingi 11. 

Fischart (nr. 150) 311. 312. 

Fitela s. Sinfiötle. 

Vlächen 68. 125. 140. Vlächenlant 
140. s. Walachen. 

Lienh. Flechsel (nr. 15ll>) 312. 

Flodoardi bist. Kemens. (nr. 17) 30. 

Vögelsprache 390. 

Völsung, Siegmunds vater 16. 
die Völsunge "178. 

Völsunga saga (nr. 21) 35. 

Völund s. Wieland. 

Vogesenwald 90. 

Volker (Folgmar 305, Folkquard 306) 
von Alzeie (Alzan 201) 354. 355; 
Hagens gefährte in der Nibel. noth, 
fehlt im Biterolf 130. 355; seine 
freundschaft zu Hagen unerklärt 355; 
kommt in der Niflunga saga vor 
180; kämpft für Ermenrich 201. 
212; im rosengarten 247; sein 
zeichen s. fiedel. Kriemhildens bru- 
der 305. 307; ihr schwestersohn 254 ; 



sein Charakter 370; von Ortwein er- 
schlagen 249. 

Volknant 193. 

Volkwin, bruder des Nantwin 138. 

Volkwin, Dieterichs mann 239. 

fragmentum historicnm (nr. 72) 169. 

Sebast. Franke (nr. 145) 308. 

Franken 29. 66. 128. 348. Bhein- 
franken 67. 128. Frankönödal 66. 
Frankreich 113. 200. 283. frän- 
kisches gesinde 282. 283. Frakland 
34. 35. 265. Frakaskäli, bm*g 265. 

Franenlob (nr. 121) 283. 

frauentreue (nr. 210)> gedieht 279. 

Freher (nr. 158) 316. 

Freiburg 312. 

Freidank (nr. 130^) 286. 380. 

Job. Thom. Freige (nr, 151c) 812. 

Freise, Hildebrands schwert 267. 274. 

Frideger von Sfilande 211. 

Fridigernus 1. 

Friederich, Ermenrichs söhn 31. 46. 
187. 204. 295. 397. 

kaiser Friedrich lU. 301, 305. 312. 
317. 

Friedrich von Raben 192. 193, der 
junge 192. 

Friedrich von Schwaben (nr. 113b) 
280. 

Fridleip 138. 

Fridsselä 178. 

Fridunc von Zeringen 197. 

Friesland 181.243. friesische sage 135. 

Fritile (Fridla 18, Fritia 31, Vridelo 49) 
20. 31. 48. 106. 143. 264. 

Fritula, bürg 263. 264. 

Frut von Dänemark, Günthers feiod 
184. 247. 256 ; kämpft für Ermen- 
rich 211, mit Nudung 212; sein 
schildzeichen 256. 

Fnlko, erzbischof von Eheims 30. 

Fundin Noregur (nr. 97) 261. 

Füsz der puler (nr. 125) 284. 



Qabein 58. 

GabeUn 149. 

Galaber 142. 197. 

•Galame' 199. 200. 

Galan 42. 43. 44. 

Galitzenland 326. 

Gamalin 99. 124. 

Gandalfs söhne 183. 

Gapt 22. 

Garphytteklint 322. 

Garte 191, Garten, läge 288; sitz Otnits 
389, Herbrands 232; Amelolt dar- 
nach benannt 191; trachsesz von 



415 



Garten 290. 292 ; markgraf von Gar- 
ten 292. 

Welscher gast 380. 

Gat 22; Geata 22; Geates frige 21. 
22. 25. 

Joh. Geiler von Keisersberg (nr. 135o) 
301. 

Geirmnnd 352. 

geisüiches spiel (nr. 134^) 300. 

Gelfrat 138. 

Gerbarty held Dieterichs von Bern 102. 
268. 

Gerbart, Ermenrichs mann 211. 238. 

Gere, markgraf 202. 346; herzog 131; 
kämpft für Dieterich von Bern 212; 
fehlt in der Rabenschlacht 212. 

Gere, vater der Gotelind 140. 

Gere, bnider des Stadenfusz 136. 238. 

Gernot (Gimot 258, Gernoz 180, Ger- 
mer 306, Gemer 311. 321) 129. 
294. 308; vertritt Guttoims stelle 
343; kämpft für Ermenrich 201. 
212, 

Gernot, Dleterichs held 268. 

Gerolt von Sachsen 211. 

Geroldseck 318. 

Gerwart von Troie 291. 292. 

Giaflög 350; 

GibicA. (Giflka 18) 13, der historische 
könig der Burgunden. 

Gibich (Giuki 13) zu Worms 258; am 
Rhein 312; könig der Bargunden 
129. 247. 287. 294, der Franken 29. 
87; Giukis familie 350. — die Giu- 
knnge am Niederrhein 5. 6. 7; im 
kämpfe mit Sigard Ring 183. 

Gibich, Etzels mann 141. 

Gibich von Galaber 142. 197. 

Gisa, rugische königin 21. 

Gislahari, der historische künjg von 
Bnrgund 13. 

Gieselher (Gisler 180, Gujslar 321), 
aufnähme aus der geschichte 343; 
Günthers bruder, daz kindelin 129; 
in der jugend erschlagen 294; fehlt 
in der Flucht 201, Rabensclüacht 
212 und im Siegfriedsliede 258. 

Giuki s. Gibich. 

Giuki, enkel des königs Giuki 353. 

Glaumvör 353. 

Gleste 244. 

Gluna 306. 

Gnitaheide 11. 41. 

berg zu Glockensachscn 196. 288. 

Göckelsas 227. 

Godebrand 261. 

Godian 199. 

Godomar 13. 



aold, verhängnisvoll 63. 111. 260. 

Melch. Goldast (nr. 159) 317. 

Goldemar, zwerg 174. 338. 

Goldrun 113. 

goldschmiede, gefangen 21. 

Goltwart 133. 135. 

Görres meisterlieder (nr. 118) 281. 

Gordian s. Godian. 

Gotel 142. 

Gotelind, Rüdigers frau 104—106. 180; 
ihrer Schwester kind 255 ; mit Diete- 
rich von Bern verwandt 104 — 106. 
tochter des Gere 140; ihr rühm 177; 
ungenannt 296; ganz unbekannt 198. 
211. 271. 277. 

Gotelind, Drusians tochter, Dieterichs 
von Bern frau 180, 

Gotar, Gotnar 6. 22. Gotna thiödan 
ä= Högni 11. Goti, könig 22. 

Gothen, Gothenrich 5. 6. 307; gothische 
gedichte 1. 373; gothische sage 344. 

Godefrid Hagene 287. 

Godefridus monachus (nr. 35) 49. 

Gottfried von Monmouth (nr. 26) 40. 

Gottfried von Viterbo (nr. 32) 44. 

Gottfried von Straszburg 380. 

Göz 22. 

de fundat. monasterii Gozecensis (nr. 
25) 40. 

Gram 5. 182. 

Gramaleif 266. 

Grane Sigurds rosz 84. 

von Grane Wolger 212. 

Gregor M. 38. 40. 

ein Grieche 226; Griechen 68; Grie- 
chenland 113. 115. 137. 231. 257. 
griechisches meer 178. 

Grim 58. 214. 271—273. 338. 

Grimild, mutter der Gudrun 5; übt 
Zauberkünste 392; von Atli getödtet 
306. 354. 

Grimme 174. 

Grymur 321. 

Griper 350. 

Grippian 230. 231. 

Grippigenland 294. 

Grobianus (nr. 149b) 311. 

grönländische lieder (nr. 3 und 4) 
10 — 12; ihre poetische natur 367. 

Grünland 4. 197. 211. 

Gudengai-t 225. 

Gudny 350. 

Gudrun, Giukis tochter 3. 5. 9. 12. 
350. 351. 354 366. — das dritte 
lied von Gudrun (nr. 19) 33. 351. 

Gudrun, zauberin 46. 47. 392. 

Gudrun, Hettels tochter. Zeugnisse 
über das gedieht 325—332. über- 



416 



sieht des inhalts 342. werth 

370—371. 

Gollrönd 350. 

Gundahari, der historische könig von 
Burgand 13. 18; von den Hnnnen 
vernichtet 70. 

Günther (Gynther 308, Gunnar 13. 
180. 321), Gibichs söhn 29. 129. 247. 
258 284. 294; sein zeichen 129; 
krieg in Sachsen 131. 183 (Gunnars 
zng nach Dänemark 183); kämpft 
für Ermenrich 201. 212; in Dieterichs 
gefolge308; tödtetden Hildebrand 289; 
Günthers söhn tödtet den Hildebrand 
300 (Gunnar im Verhältnis mit Oddrnn 
351 ; in der sehlangenhöhle 41. 352); 
könig von Thüringen 301. 303. 305. 

Günzenle 124. 

,von Gnrdenwale Tywan' 211. 

Gnttorm 13. 259. 321; Ginkis Stief- 
sohn 351. 



Habicht auf Hagens 307, auf Hilde- 
brands Schild 308. traumbild 394. 

Hache, Berchtungs söhn 231; Ecke- 
harts vater 144. 232. 

Hache, vetter des Wachsmut 143. der 
junge Hache 144. 

Hadebrand, Hildebrands söhn 23. 107. 
275. s. Alebrand. 

Hadebrand von Steiermark 142. 

Hademar von Diezen 54. 

Hadewart 116 anm.; kämpft mit 
Walther 181. 

Hsener 384. 

Hagathien 88. 

Hagen (Högni, Högner 321, Hagon 
310, Hagano 29. 87 [der name 
ZE. 11]) von Tronje (Troja 87, Troy 
298. aus trojanischem geschlecht 
29) 85-90. 130. 247. 278. 281. 
284; sprichwörtlich 286; elfensohn 
180; verwandt mit. den burgundischen 
königen 86. 343; bruder der Eriem- 
hüd 258. 305. 306; mit Gluna ver- 
heiratet 306; sein Charakter 343. 
368. 370; schildzeichen 130. 253; 
erscheint zu früh in der Vilkina saga 
180; fährmann am Rhein 89; auf- 
enthalt bei Etzel 86. 87. zug nach 
Dänemark 183; rät ab von Sigurds 
mord 343; mordet den Siegfried 
201. 259. 306. 307. 310; bietet dem 
fährmann einen goldring 182; 
schenkt cles fährmanns wittwe einen 
goldring l^S^i kämpft für Dieterich 
202; töntet den Dieterich 321; hat 



drei jähre vor Trojen gelegen 307; 
tödtet den Irnng 179, den söhn der 
Eriemhild298— 299; zeugt todtwund 
einen söhn 306. 321. Högnis mör- 
der 352. — Hagenbrunno, Hagenonis 
platea 155 anm. 

Hagen, vater der Hilde 325. 327. 328. 
330. 331. 

Hagenau 124. 

Hama s. Heime. 

Hamdir 3. 32. 46, Hamideo 37, 
Hemidus 32, Ammins 2. 3. 36. 
37. 

hammer, in Wittichs zeichen 268. 

Hammersbierg 305, Hamerslott 321, 
Hammer 307, da liegt Niflungs schätz 
305, 307. 

Hanala 1. 

Hans Sachs (nr. 149) 309. 

Harlung 293 (Harling 295), vater der 
Harlunge. s. Aki Örlungatrausti, 
Diether und Herlibo. 

die Harinnge (Harlinge 289. 295, 
« Herelingas 18) 37. 45. 48. 49. 247. 
311. 312; ihr vater 49. 186. 264; 
zwei brüder, Imbrecke und Fritile 
(Aki und Etgart 20. 263—265) 31. 
106. 133; drei brüder 49. 185. 204; 
ihr gold 188; Ermenrich lässt sie (zu 
Raben 204) aufhängen 185, erdros- 
seln 45. s. Eckehard. 

Harlungeberg 38 anm. 49. Harlunge- 
burg, Harlungefeld 38 anm. Har- 
lungeland 143. 

Hartman 380. 

Ebrtmut von Ormanie 133—134. in 
Gudrun 325. 329. 

Hartnit (Hertnit 247. 253, Härtung 253) 
von Russen, Etzels mann 198. Hert- 
nit n>n Ruszland, vater des Oserich 
253. 341. 

Härtung von Russen s. Hartnid. 

Hertnit » Nidhad 288. 

Hertnit, Oserichs söhn, sage von ihm 
177; stirbt an seinen wunden 183. 

Hertnid = Otnit 227. 236. 

Hawart 69. 115. 116. 140. 155; fehlt 
in der Flucht und Rabenschlacht 197. 
211. 

Heccard s. Eckhart. 

hecht 390. 

Hedin 327. 328. 329. 

beiden an Etzels hof 68. 

Heidin, gedieht (nr. 107) 278. 

Heidrek 5. 352. 

Heime, ein drache 178. 

Heime (Hama 17. 19) 146. 162. 283. 
284; heiszt erst Stndas 178; tödtet 



411 



den drachen (Heime} 156. 178; soha 
des Madelger 146; wohnt in Lam- 
parten 146, zu Raben 268; ein aus- 
länder 19. 20; hat vier eilenbogen 
257. 391; riese 156; sein zeichen 
268; Schwert und heim 146; grosze 
tapferkeit 47; der grimme 103; unter 
Dieterichs zwölf beiden 103. 247; 
Verhältnis zu Dieterich 241—244, zu 
Wittich 19. 20. 146. 162. 244. 268. 
283. 284; entwendet dem Ermenrich 
einen schätz 47. sage von seiner 
ausfahrt und seinem ende 243. 340; 
sein grab 156. 

Heimir 178. 346. 

Heinrich von Veldecke (nr. 39) 56. 400. 

Heinrich der Vogeler 184. 

Heinrich der GUchsener (nr. 112) 279. 

Heinrich von München (nr. 84) 202. 

Heinrich von Ofterdingen 275. 317. 

Ilelche (Herche 68. 249. 296, Henriche 
298. 304, Herkia 34. 351, Erka 68. 
139. 177. 180), Etzels frau, tochter 
des Oserich 139, des Honprius 304j 
Christin 139; wird entfuhrst 139; ihr 
rühm 177; ihre Schwester Berta 180; 
kinder 127. 140. 157. 167. 217; z»- 
stmmenhang mit Eorka 68. 345. 

Heldenbuch, anhang (nr. 134) 287—300. 

Helferich, Berthers söhn 52. 

Helferich (Hialprik), Dieterichs mann 
102. 103. 239; sein blutsfreund? 
106. 107. 

Helferich von Lunders, Etzels mann 
199. 

Helferich von Lütringe, Etzels mann 
198. in andern Verhältnissen ein 
ritter dieses namens von Dieterich 
verwundet 221. der wunde heiszt 
auch Helferich von Lone 222, Lane 
270, endlich auch von Bunn 222. 
ein Helferich von Lune, vater des 
Rentwin, abermals in ganz verschie- 
denen Verhältnissen 269. 

Helgensage 346. 

Qelge Hildebrandsen 261. 

Wendel. Hellbach (nr.U49»>) 311. 

Helle 174. 223. 

die Hellespontier 45. 

namhafte helme 6. Hildegrimr Limme, 

Blank, 
meier Helmb^echt, gedieht 157. 
Helmnot, einer von Dieterichs zwölf 

beiden 102. 339. 
Helmnot (Heinot, HehnfKihvot, Q^üm- 

holt 292) von Tuskan , Ot^j^ Wr 

wandter 32^^ 

WILV. OaiHN, DBUTSOHa HBLDIXSA«!. 



Helnmot von Tuskan, Dieterichs mann 
239. 

Hehnschart (Heknschrot 239. 247. 300. 
301), Dieterichs held, mit Wolffaart 
verwandt 191; von Dieterich be- 
weint 207. 

Helvig 8. Hvenhild. 

Hemidns s. Hamdir. 

Herborg 351. 

Herbort, k. von Dänemark 133. Her- 
bort, Dieterichs schwestersohn 134. 
180. herzog Herbort kämpft lür 
Gibich 248. 255. Herbortssage 340. 

Herbrand, Hildebrands vater 107. 
23 1 — 232 ; trägt Wolfdieterichs 
Sturmfahne 232. 234. 

Herbrand, der weitgewanderte, Diete- 
richs held 103. 107. 308; fahnen- 
träger 234. 

Herbrand, Dieterichs mann 107. 191. 

Herbrand, angeblich Sintruifis vater 

234. 
Herbrand, söhn Hiltebrands 261. 
Herche, Herriche, Herkia s. Helche. 
Herdegen, Harlungemann 144. 
Herdegen, schwager Dieterichs von B. 

144. 
Herelingas s. Harlunge. 
Herleib von Westphalen 138. 
Herlibo, vater (der Harlunge) und söhn 

49. 
Herlind von Griechen 113. 
Hermann, Artus ritter 134. 
Hermann, Rüdigers knecht 255. 
Hermann von Osterfranken 192. 
Hermann, k. von Norafiandie 211. 
Hermann von Pohlen 114. 115. 141. 
Hermanne von Sachsenheim spiegel 

(nr. 119) 281. mohrin (nr. 128) 

285. 

Hermann, herz<^ von Schwaben 138. 

Herrad, tochter des Nentwin 103; 
der Helche nichte, schwesterkind 
103. 104. 139; Etzels schwestertoch- 
ter 175. 296. 297. 304: aus der 
heimat vertrieben 103; ihr rühm 
177; mit Dieterich verhioiratet 103. 
180. 208. 304; empfangt den Dieter 
rieh, der aus dem kämpf mit Eck? 
zurückkehrt 217. 

Herrich v. Burgund 87. 

Hertlin, tochter des Itönigs vpn Pojjtu- 
gal 174. 

Hertnit 8. Hartnit. 

Hertrich 147t-48. 3^1. . 

Hertwich (Hertnit), könig, Ni41||Mj ^^r 
289. 

Hessen 138. 197. 21i: 

27 



4l8 



Hiadninge 328. 329—30. 

Hilde, Artus tochter 134. 

Hilde, Budlis tochter 261. 

Hilde, Hagens tochter 327—28. 

Hilde, riesenweib 214. 

Hildebrand 59. 63. 168. 239. 260. 283. 
288. 300. 309. 311. 312; alter Hün 
25; WölfiDg 107. 233; aus Bern 143; 
aus Garten 232; Verwandtschaft 107 
—8. 240—41. 232—33; s. schwester 
Mergart, frau des Amelolt 191. 232; 
Partolaphe, eine bruderstochter 260; 
s. bürg 49 ; s. zeichen 233. 255. 257. 
267. 274. 308; heim 255. 274; 
Schwert 239. 267; rosz 267; pfleger 
Dieterichs und Diethers 143. 190. 
266, einer von Dieterichs zwölf bei- 
den 102. 190. 209. 247; steht ihm 
bei im kämpfe 232. 281; geselle des 
Norprecht 251. 252; kämpft mit Her- 
bort 133; lange abwcsenheit 287; 
erhält zwei unheilbare wunden 299. 
300; alter 177. 267; tod 289. 300. 

— vater Hildebrand aus Frankreich 
283. Hildebrand, ein Gothe 318. — 
Hildebrandslied Tnr. 9) 22. (nr. 95) 
257. 339. Umbildung des liedes 363 
— 64. poetischer Charakter 367. 372. 

— Puppenspiele von Hildebrand 319. 
Hildebrand, söhn des Hildir 261. 
Hildebrand, kÖnig 261. 
Hildebrand, söhn von Helge und Hilde 

261. 

Hildeburg von Normandie 113. 135. 

Hildcbnrg von Ormanie 133. 

Hildeburg von Portugal, von Galitzen- 
land 326. 

Hildegund 60. 86—94. 157. 158. 

Hildegrim, heim Otnits 227, Dieterichs 
79. 142. 164. 216.273.275; ist der 
Aegishelm 386; allgemeine benen- 
nung für heim 269; ein karfunkel 
270. 

Hildesheim 38 anm. 

hirsch, Herborts zeichen 133. traum- 
bild 394. 

Hjamar 321. 

Hniflung s. Nibelung. 

Holmgard 69. 

Horand, Herrenda 326. 329. 330. 331. 

Homboge, Dieterichs held 102; Sieg- 
frieds verwandter 182. 

Homboge von Vlachenland 140, von 
Fohlen 141. 

Homchilde, gedieht (nr. 106) 278. 

Horus 41. 

Holsetuland 183. 

Bro^e 386, 



Hüpli (nr. 130) 286. 

Hug von Dänemark, Dieterichs held 
239; von Dieterich getödtet 221, 

Hug von Mainz 222. 

Hugdieterich, Wolfdieterichs vater 230. 
315. 

Hugdieterich, Wolfdieterichs söhn 185. 
200—201. 

Hugo von Montfort (nr. 113) 280. 

Hugo Theodoricus, der austrasische, 33. 

Hugo V. Trimberg (nr. 76) 171. 371. 

Hunbrecht 239. 

Wigul. Hund 305. 

Hün 25; Hüneo truhtin 25. — Hünar; 
Hünmörk 11. Hönaland 5. 6. 12. 69. 
261. 321. 345. — Hünen 173. 282. 
Hünenland 125. 138. 298. — Hnnni 
9. 70; mit den Gothen verwechselt 
40. Hunnenreich mit Hünaland ver- 
wechselt 345. 

Hunolt, rheinischer held 130. 131. 239; 
kämpft für Dieterich 202. 212. 

Hunolt, Dieterichs mann 239. 

Hütteger 292. 

Huzolt von Norwegen 197; von Grün- 
landen 197. 

Hazolt von Preuszen 199. 

Hven 306. sagen auf Hven (nr. 168) 
321. 

Hvenild (Helvig 321) 306; riesenweib 
321. 

hvenische chronik (nr. 141) 305. 



Jäger von Griechen 230. 

Jarmerich s. Ermerich. 

Jarnamodir 183. 

*Yban* 58. 

llias von Griechenland 91. 

Ilsan der alte 209. 192. 

Ilsan (Aising 241, lUzan, Milchzan 311. 
312, Ulsam 286, Ilsung 312, Eylsam 
287), Hildebrands bruder 232; mönch 
240; Laurins söhn 314; sein rosz 
256; im Alphart 240. 355; kämpft 
im Rosengarten 247. 317; früheres 
leben 252 — 53; sein Charakter 371. 
spätere einführung in die sage 355. 

Ilsing 302. 314. 

Ilsung 192. 302. 

Imelungehort s. Nibeinngehort. 

Imian 198. 

Imbrecke (Embrica 31, Emerca 18. 19. 
Emelricus 49) 31. 48. 143. 264. s. 
Harlunge. 

Indien 171. 326. 

Insbmck 156. 

Jocherein 58. Jochgrim 217. 



41« 



JohanaoB moauushiiB (nr. 29) 42. 

Johann von Wiiraburg (nr. 110»») 279. 

Jonaknr 3. 

Jörmunrek. s. Ermanarich. 

Joniandes (nr. 1) 9. 22. 68. 69. 70. 
71. 188. 206. 

Jephtha Josphe (nr. 165^) 320. 

Ipperland 253 

Iran (Iron) 159. 160. 180. 181. 341. 

Irland 211. 248. 326. 

Irmenfried, der historische könig von 
Thüringen 117. 345; Irnfrit von Thü- 
ringen 69. 115. 116. 155. 345; fehlt 
in der Flucht 197. 211. 

Iring 115. 116. 140. 156. 179. 197. 
211. Iringsstrasze, Imngsveggnr 179. 
394-95. 

Isalde, herzogin zu Wien 118. 

Island 140. 197. 258. 

Ismal 320. 

Ismarus 45. 

Isod 263. 

Isolde, Herbords mutter 134. 

Isolt, Etzels mann 198. 

Isung 180. 181. 286. 

Jubart V. Lateran 193. 

K s. C. 

Lademer (Ladinores von Westerland), 

vater der Minne 185. 
Ladmer von den bergen 197. 
Ladislaw 137. 
Lagulf 239. 
Langbardur 7. 
Langbein riese 322. 
Lamparten 145. 203. 208. 227. 238. 

268. 289. 307. 
Lateran 145. 193. 290. 
Lativald, Lutuvald, Luruvald 265 — 66. 
Laurin (Larein 302, kong Lavring 322) 

zwergkönig 172; sein hämisch 302; 

der starke 309; vater des Ilsan 314; 

Volkslieder von ihm 302. das gedieht 

A (nr. 102), B (nr. 103), c (nr. 104) 

275—77.338. anspielung darauf 281. 

300. 308. 309. 311. 312; poetischer 

werth 372. dänisches Volksbuch 322. 

ursprünglich eine unabhängige sage 

356. 
Laurenz, graf von Tirol 309. 
Wolfgang Lazius (nr. 141) 305, 
Lebermeer 172. 
Lechfeld 124. 

der Lefferlungenschat s. Nibelungebört. 
Leitha 124. 
Lenges, der Lengesasre 199. 



Leopold von MAilmid 51. .52. 

Libyen 149. 

Lieberdein 270. 

Liebgart, Wolfdieterichs groszmutter 
200. 

Liebgart, frau des Otnit 199. 200. 

Lilienporte 235. 

Limme (Lonen) 146. 147. 148. 

Lintbrunno 154. 311. 

ze Loche 158. 308. 

Lohengrin (nr. 78) 172. 

Loke 384. 

löwe, zeichen Otnits 227. 291; Wolf- 
dieterichs 234; Dieterichs von Bern 
142. 143. 237; Fruts 211; Walthers 
255; Heimes 268. 

Löwe, Hildebrands pferd 267. 

Lorelei 162. 

Lorse 114. 155. 156. 

Lothringen 124. 138. 198. 221. 222. 

loszbuch (nr. 125) 284. 

Liudegast von Dänemark 135. 184. 202. 

Liudegast, Helfrichs bruder 221. 

Lüdeger (Litidingerus 135) von Sachsen 
(Meisen) 131. 135. 184. 202. 

Lüdeger von Frankreich 113. 

lügenmärchen (nr. 70) 168. 

Lütwar 145. 

Ludwig der Baier, gedieht (nr. 111) 
279. 

Ludwig von Ormanie 113. 133. 329. 

Luna 41. 

Lunder, Lunders 199. 

Lupolt Hornburg von Rotenburg (nr. 
110 c) 279. 

Lupus 265. 

Lurlenberg 162. 

Luruvald, Lutuvald s. Lativald» 

Martin Luther (nr. 146) 308. 



*Machahor 200. 

Madelger 146. 196. 

Madelolt 197. 

Jak. Maerlant 167. 

Magnificans 43. 

jarl Magus saga 266. 

Mal, Schwert 55. 

Mailand 145. 193. 209. 248. 277. 

Schlacht bei Mailand 359. 
Main 124. 
Mainz 222. 294. 
Manznchius 68. 
Marcellinus Comes 9. 
marder (marmel) 256. 
Marhung 197. 
Maringaburg 21. 22. 
Markeiz 211. 



27 



4M 



llarktoBim ^. M^klMiä f )1. 

Marneir (nr. 60} 161. 

Marolt TOD Arie 197. 

Mtirhölt wa QnmtifrtiA 197. 

Marcholt von Siebenbürgen 212. 

Marp<tlie 371. 39?. 39S, 

'Marsey* 211. 

kaiser MaximiHan 305. 

Medelicke 124. 140. 

meerweiber 387 — 83. mermittne 209. 

Meisen 135. 138i die Mtsenttre 138. 

meistergesangbnch (nr. 151) 312. 

iSeizung^ 197. 

Mentiger 225. 8. Nettinger. 

Meran 53. 142. 192. 203. 203 anm. 

229. 230. 235. 346. 
Mercian 148. 
Mergart 232. 
Matth. Merian 162 anm. 
Metellas (nr. 31) 44. 
Metz 124. 130. 
xhiichstrasze 394. 
Mime 29. 73. 146—48. 341. 
Miming (Mimring 308, Mennng 245, 

Meynuhg 320) 56—59. 146—47. 153. 

268. 278; mit Balmnng rerWechselt 

246. 320. 
Mime, Dietwarts fraa 185. 203. 
Minnelmrg, gedieht (nr. 120) 282. 
Miriqnidni 11. 
mittländischea meer 178. 
Mohrland 211. 326. 
Momaland 5. 6. 
Morolf 331. 

Morolt y. Eierland 211. 
Momng 211. 

Momng von Tuskan 211. 
Moschero^Nih (nr. 161) 318. 
Mosel 179. 
Munificans 43. 
Münster, Stadt 176. 
Sebastian Münster (nr. 138) 303. 
Mundinfiöll 263. 264. 265. 
Mnndioeh 68. 
Mundzack 68. 
Mnntabar (Montebar 291), Mantetthir 

200. 
Mataren 124. 140. 244. 
Myrkvxddr 11. 



Nachaol (Rachaol) 200. 293. 

Nagelring 56. 59. 146. 216. 

Nägling 59. 

Nantwin von Regensbnrg 103i 137. 138 

nater 268. 

nebelkappe 290. 



NentwMf^ yyav M tUmä t09i 

Iff^n^ t2d; 2U. d25. 

Nere, Dieterichs mann 192; WoHNfliak 

yater 118; Hildebmn^s htaäiit 282. 

240. 
nenn Schwerter 43. 
Nibelot 149. 
Nibelang. könig 76. 81. 311; der alte 

82. [de^ name Zß. 10, 2. 29.] 
Niflang (Nögling 3>05), Vater der Rrieiin- 

hild 307. — Hdiilang, Högnes söhn 

10. 353. — Hniflange, söhne der 

Gudrun von Atli 8. 
Nibelunge, beiden aus Nibelnngeiand 

66. 76. 182. 

Nibelnnge (Niflange), Gibichs geschfecht 
8. 10. 12. 60. 66. 67. 178; der name 
wird in einigen denkm&Iern nicht ge- 
braucht 66. 206. 212. 

Nibelnngeiand 76. 77; Siegemttnd aus 
der Nibelunge 294. 

Nibelnnge (Nyblinges 260, Nöglings 305, 
Nobling- 285, Nebulange- 171, Ime- 
lange- 162) hört 12. 26. 76—82. 279. 
282. 285.322. 323; in den Rhein ver- 
senkt 12. 26. 63. 158. 162.308 ; in seiner 
felsenhöhle verborgen 322. 354. — 
hodd Niflflnga 12; rögr Niflünga 26. 

— der Lefferlungen schat 320. — 

— Kriemhilde gold 111; verhängnis- 
voll 68. 111. 260. 385. isteinzwerg- 
schatz 385—86. 

Nibelnnge noth, das gedieht (nr. 43) 
63 ; poetischer Charakter 368. Über- 
arbeitung (nr. 47) 158. abweichende 
darstellung 298—300. beziehnngen 
auf die sag^e 60. 162. 163. 201. 305. 
213. 259. 260. 280. 281. 282. 300. 
305. Vermischung des Nibelungeiie- 
des mit dem Rosengarten 348—49. 

abt Nicolans (nr. 27) 41. 

Nidhad O^dnd 21, Nidung 288) 20. 21. 

Niederland 132. 201. 212. 254. 294. 

niederiändischeb Volkslied 169. 230. 

Niflünga (Vilkma) saga 299. 

Ninive 65. 

Nithard 380. 

Nitiger 113. 

Nögling 8. Niflung. 

Norburg 305. 306. 321. 

norddeutsche gedichte 169. 

Nordian 159. 160. 

nordische sage 178 (nr. 169) 322. Nord- 
manner 178. 179. 

Normandie 113. 185. 197. 311. 326 s. 
Ormanie. 

Noma Gests ftaga (mr. 8^) 183. 



m 



Korprechl ^ßupt^cbft ^), tüMtiätii 
251. 252. 

Noning 211; «^ ztkh^ Sil. 

Norwegen 1^. 

Notker (nr. 16) 30. 

Nudung, söhn oder bmder dei^ Gotöliücl 
9f9— 101. 140. 251; Rüdigers söhn 
101 ; kehl söhn odet verwandter Rü- 
digers 198. 211; kämpft mit Frut 
212. herzog aus Deutschland 244. 

Nürnberg 244. 

Oda, Högnis mntter 307. ^ Ute 24. 

Oddrun 351. 353. 

Odenwald 66. 153. 154. 259. 316. 

Odilia, Elsungs tochter 189. 

Odilia, frau des Aki Ölldungatr. 263. 

Odin 381-^83. 

Odoaker, der historische 33. 344. (Ot- 
trocus) 286. 

Odoaker>Erp 32. 

Ömlnng 8. Amelnng. 

Ostreich 124 s. Osterland. 

Ofen 205. 298. 303. 

Ogier, gedieht 42. 

Eric und Joh. Olahus 182. 

Nie. Olahns (nr. 139) 304. 

Oppenheim 124. 

Ormanie 113. 133. Vgl. 212. s. Nor- 
mandie. 

Ort (Ortwin 47 anm.) Etzels sohU 140. 

Orte, riese l'?4. 

Ortiieb 68. 347. 

Ortnit, Etzels bmder 198. 

Ortrun 329. 

Ortwein, riefee 247. 248. 

Ortwin, könig 312. 

Ortwin, Hettels söhn 330. 

Ortwin, Dieterichs mann 239. 

Ortwin von Metz 86. 130; käitopft füi' 
Dieterich 202. 212. 

Ortwin von Metz der iange 130. 

Ortwin von Mainz 22 1; von Bonn 222. 

Oserich (Osantrix 31), vater der Helchö 
.139; sagen von seinem t<od 180. 
Übersicht der äage 341. Übereinstim- 
mung mit Rüther 357. 

Osid 401. 

Ospim 68. 

Ostacia, Ostansia 392. 393. 

Osterfranken 124. 192. 

Osterland 113. 124. 135. 140. 

osterspiel (nr. 1^5^) 301. 

Ostgothen 19. 70. 

Otacher von Böhmen 161. 

Otacher-Sibich 24. 25. 32. 37. 344. 

Otenheim 153. 154. 



Otgard 8. Etgard. 

Ofgeir (El^ir) 286. 

Otnit, köfiig, käi^^r ÖtsdtA vÄC^r 2^^. 
291. 

ÖitAt (Örtnit |ioä. 261, Ortnei, Ortheid 
227. 276. OtacWf 161) 311. 3l2 
söhn des Sigeher 18Ö: des Otnit 291 
könig von Rom 19d; käiser 290 
seine macht 290; sein zeichen 227 
290; heim 227; f)anzer 220. 260 
261. 276. 277; seine grosze gestalt 
221; acht jähre älter, als Wolfdiete- 
rich 291; sein tod 203. — das ge- 
dieht (nr. 87) 226. 341; alter un^ 
poetischer werth 371. beziehung 
darauf 217. 279. 291. — s. Hertnit 
und Sigfred. 

Otte, Etzels ihahn 142. 

Otte Waldmann vot Karlstatt (nr. 110^) 
279. 

könig Otte 325. 

könig Ottelin 3Ö7. 

Otter 384. 389. 

Otto von Botenlaube (nr. 54) 158. 

Otto von Frfeisingeh (nr. 24) 37. 

Ottokar Von Horneck (nr. 73) 169. 

Otur 7. 384. 389. 



I^adtia 210. 

Heinr. Pantaleön (nf. 149»>) 311. 

Palakers 171. 172, Palakir 172. 

*Lieberdein v. Palner, Paldher' 270. 

Paltram üz Alexandriii 149. 

^Paltrian, Piüdram*, Puntungs verwand- 
ter 235. 

panther, Nornngs zeichen 211. 

Paris 96. 124. 149. 197. 211. 

Tartholaphe» 257. 269. 'Pärtölape' 270 
von TuskÄn. 

Patavrid 29. 

Paulus Diaconns 70. 

'Pauzolt* von Norwegen 197. 

Pelian 231. 

Persien 43. 149. 

*Pertolfe', Stadt 257. 

die Peschenaere 69. 

Pilgrim von Passau 71. 108. 129. 305. 
345. 

Pippin 50. 

poeta Saxo 9. 27. 28. 

Poimunt 118. 

Poitän voü Wuscherat 137. 

Pola 192. 

Pohlen 68. 114. 115. 139. 199. 

TolloySflBre' s. Pulleere. 

Fömmem 139. 

der starke Poppe 283 (402). 



f89 



Portugal 174. 326. 

Fotelung 235. 

Joh. Prätorius (nr. 164) 319. 

Priscus 68. 69. 312. 

Norprecht von *Profinge, Pruwinge* 198. 

Procosii chronicon 401. 

Prosper Aqait. 70. 

Preuszen 125. 139. 199. 248. Priazen- 

wäc 125. 
Pulle 149. PüUn 203. PuUelant 136. 

Pullfflre, 'Pollojsaire' 136. 
Puten 113. 
Pultusk 179. 
Puntung 235. 
Pusold, riese 247. 248. 312. 



Matth. Quade (nr. 157) 315. 
Qualle, Schwert 234. 



Eaben (Raven 204. 298, Ravenne 286), 
die Harlungo sind da getödtet 204; 
Wittichs und Heimes sitz 268; woher 
der name 286. Friedrich von Raben 
192. Sabene von Raben 193. die 
Rabensere 145. 

Rabenschlacht, gedieht (nr. 85) 207. 
339 ; poetischer werth 372 ; bezie- 
hungen darauf 120—122. 157. 167. 
216. 217. 268. 269. 298. 303. 

Rabestein 144. 

Rachaol s. Nachaol. 

'Rachin' s. Rütze. 

rad, Hildebrands zeichen 267; Hertnids 
von Ruszland 253. 

räthsellied (nr. 68) 267. 

Ragnars dräp 328. 

Ramung v. Island 140. 197. 

Ramung von Viachenland 140. 

Randolt von Ankona 145. 193. 

Randolt von Mailand 145. 

Randver 3. 46. 

Ranke 306. 307. 

Rasomoni s. Roxolani. 

Ratebor 137. 

Reigin 78. 389. 

Reginbald, Ermenrichs söhn 297. 

Reginbald von Venedigs Hildebrands 
vater 108. 233. 

Regensburg 103. 137. 

Regentag der alte 144. 

reiher, gedieht (nr. 108) 278. 

Reinald 146. 

Reinmar von Zweter (nr. 50) 156. 

Reinecke de Vosz (nr. 124) 284. 

Reinfried von Braunschweig ^ gedieht 
(nr. 80) 174. 266. 



Reinhard Fuchs (nr. 112) 279. 

Reinher von Paris 192. 197. 

Reinher von Mailand 209. 

Rentwin von Elsentroie 211. 

Rentwin, Helferichs söhn 269. 

Rerir 381. 

Rhein 4. 5. 6. 68. 124. 158. 221. 222. 
231. 247. 280. 308. 342; flieszt in 
die Donau 177. Rheingau 124. 
Rheinherren , rinesche man 254. 
Rheinfranken s. Franken, des Rheins 
glanzerz, stein, flamme 26. 342. 

Ribestein 186. 196. 

Richold 212. 

Richard s. Ritschart. 

Riedinger s. Rüdiger. 

Rienold von Mailand 145—146. 20S. 
210. 247. 248. 

riesen 133. 250. 288. 303. 312. 389 
— 91; 8. Abentrod, Asprian, Kupiran, 
Ecke, Eckenot, Eckwit, Etgeir, Vade, 
Fasold, Velle, Grim, Grimme, Helle, 
Langbein, Mentiger (Nettinger), Ort- 
wein, Otgeir, Pusold, Schrutan, Sieg- 
fried, Siegenot, Ülsenbrand, Witolt 
— riesen weiber s. Kriemhild, Guden- 
gart, Hilde, Rütze, Hvenild. 

riesenhaus 317. 

Rimstein 144. 

ring 388, Eiberichs 290. 386; Andva- 
res 385 ; in Hildebrands schildzeichen 
233. 

'zun wilden rissen' 230. 231. Zacharis 
Von wilden Rusen* 292. 

Rispa 243. 

Ritius 304 anni. 

ritterpreis, gedieht (nr. 115) 280. 

Ritschard (Richard 239) 102. 107. 

'Ritzsch* 225. 

Rodenach 198. 

Rodingeir s. Rüdiger. 

Rodgeir v. Salernburg 263. 

Rodolf s. Rüdiger. 

Kogerius s. Rüdiger. 

G. Rollenhagen (nr. 152) 312. 

Rom 40. 145. 199. 265. römisch Und 
und mark 189. 190. 208. römischer 
kaiser 290, könig 185. 190. 

Roschlin s. Rusche. 

Rose, schwert Otnits 227, Dieterichs 
227. 234. 250. 

Roseleif 56. 181. 

Rosengarten, gedieht a (nr. 91) 245, 
B (nr. 92) 249, c (nr. 93) 249, i> 
(nr. 94) 253. 338. beziehung darauf 
169. 170. 281. 283. 286. 287. 288. 
305. 312. 316. 317. alter 371. ur- 
sprüngliche gestalt 347 — 48. 3()Ü. 



423 



Vermischung mit dem Nibelunge lied 
348 - 49. 

rosengarten in Berners mark 258. 

namhafte rosse s. Belebe^ Benig, Blanke, 
Falke, Grane, Löwe, Rispa, Rusche, 
Scheming. 

Roten, flusz 68. 139. 

Joh. Rothe Thüringer chronik (nr. 127) 
285. 

Roxolani (Rosomoni, Rasomoni) 1. 

Rücker s. Ruther. 

Rüdiger (Riedinger 283, Rodingeir 180, 
Rodolf 180, Rogerius comes 44, 
Rutger 286) von Bechelaren 96—99, 
140. 163. 211; nicht historisch 99 
anm.; heimat 96-98; söhn eines 
mailändischen köni^s 277; seine frau 
Godclind s. oben; mit Berta verhei- 
ratet 180; mit kÖnig Günthers toch- 
ter 288; kinder 100. 101. 118; kennt 
seit seiner kindheit die könige zu 
Worms 99; wirbt Helche für Etzel 
98; heerfahrten bei Etzel 98; empfängt 
Dieterich auf der flucht 197; kniet 
vor ihm 296; streit mit Witzlan 137. 
Etzels böte zu Worms 126, in den 
rosengarten 247. 255. sein Charak- 
ter 361. Volkslieder von ihm 302. 
Verhältnis zur Etzelssage 340. 

Rudlieb 56. 

Rudolf von Ems (nr. 57) 159. 

Rudwin 282. 

Rumolt 60. 61. 131; kämpft für Er- 
menrich 202. 212. 

rnnen 392. 

Ruprecht s. Norprecht. 

Rusche, Roschlin 144. 

Russen (Reussen 298) 68. 247; dem 
Otnit unterworfen 290. der Russen 
Sturm 162. 171. Ruszland 179. s. 
'zun wilden rissen*. 

Ruther (Rücker 171. 313) gedieht (nr. 
37) 50. Übereinstimmung mit Ose- 
rich 357; Verwandtschaft mit Wolf- 
dieterich 357; beziehnngen auf das 
gedieht 157. 171. 174; dessen poeti- 
scher werth 368. 

Rütze (Runze, Rachin) 223—25. 310. 
Riuze 174. 

Sahen, Sibichs söhn 145. 193. 
Sahen, Hugdieterichs treuloser rathgeber 

235. 
Sahen, herzog von Raben 193. 
Sabin, herzog von Brabant 248. 
Mich. Sachse (nr. 158^) 317. 
Sachsen 130. 131. 135. 175. 211. 233. 

sächsischer sänger 48. sächsischer 



herzog 204. carmina Saxonica 28. 

angelsächsische gedichte (nr. 6. 7. 8) 

13 — 22. Saxo Grammaticus (nr. 33) 

45. 162. 261. 328. 
Sänger 373—78. 
sage, mündlich und schriftlich verbreitet 

177. 
Sagittarius 3C4. 
Salan 200. 
Salernburg 263. 

Salnecke 230. 236. Salnicke 212. 
Salomon, könig von Frankreich 265. 

266. 
Samson, der schwarze ritter 263. 264* 

Samsonsage 341. 
Samsons gold 264. 
die von Sande 138. 
Sanielh s. Schwanhild. 
Santen 138. 

sarbant, auf Uildebrands heim 255. 
Sarus (Sarelo 37, Serila 32, Sürli 3. 

46) 2. 3. 36. 37. 
Saxo Grammaticus s. Sachsen. 
Joseph Scaliger (nr. 155) 314. 
Skatalund 383. 

schachzabelbuch (nr. 114) 280. 
Scharpfe 140. 

Casp. Scheidt (nr. 149 »>) 311. 
Scheming (Skimming 308) 195—96. 
Skida Rima (nr. 131) 286. 
Schilbung 76. 81. 
Schiltrant, Schiltbrant 193. 
Schiltwin 268. 
Schirn 137. 
schlafdorn 383. 
schlänge, auf Wittichs heim 147. 148. 

173. 268; auf Hildebrands heim 274. 
Schlüssel vom Drachenfels, im wappen 

von Worms 316. 320. 
der tugendhafte Schreiber (nr. 49) 156. 
schriftliche aufzeichnung der sage 378 

— 79. 
Schrit 146. 

Schrutan, riese 247. 248. 312. 
Schwaben 124. 138. 303. 
Schwan, ein elfe 389. 
schwanenjungfrauen 280. 387. 
Schwanfelden 244. 
Schwangau 211. 
Schwanhild (Sanielh, Suanibilda) 2. 3. 

45. 46. 320. 
Svanhvit 387. 
schwanring 30. 388. 
Schwanritter ) französisches gedieht 43. 
Schweden 178. 240. schwedische Volks- 
lieder 230, von Dieterich 318. 
Schwert ins bett . gelegt 362 ; in Damas- 

cus nnd Persien gemacht 42; neun 



43A 



Schwerter 43; zwölf Schwerter 
254. 

BAmhafte Schwerter s. Balmung, Blod- 
gang, Brinnig, Dainsleif« Ecl^esachs, 
Preise» Gleste, Gram, Hrotte, Lagolf, 
Mal) Mimung, Nagelring, QuallC; Rose, 
Schrit, Waske, Weisung. — awölf 
Schwerter 254. 

Seotorferri 41. 

Seeland 211. 326. 

S. SQverin 21. 

Sewart 133. 135. 

Sewart von Tnskan 237. 238. 

Siebenbürgen 194. 212. 

Sibjch (Sibche 156, Sibeke 61, Sübich 
167, Sifeca 18. 20, Sifka 2, Bicci 3. 
45)t boshaft nnd treulos 30. 46. 156. 
157. 167. 196; Ursprung seiner treu- 
losigkeit 295; feig 61; entflieht zu 
fusz 295; von Eckehart gefangen 209, 
. Übersicht der sage 338. 339. 

Sidonius Apollinaris 69. 70. 

Sidrat, Otnits frau 200. 291. 

Sidrat, Wolfdieterichs tochter 201. 293. 

Sigebant, Dieterichs mann 192. 

Sigebant von Merän 192. 

Sigebant von Jerlant, Ermenrichs mann 
212. Sigebant von Eierlant 332. 

Sigebert) ausiras. könig 345. 

Siegfried von Niederland (Sigfrod 73, 
Sigfred 305. 307. 308, Sivard Snaren- 
svend 308, Sigurdur Fafnisbani 41. 
178, Sjürur320) 132. 201. 212. 250. 
254. 282. 294. 312. 319. 323; seine 
voreitern hunnische könige 5; seine 

? glänzenden äugen 366; sein rosz 
Trane 84; schildzeichen 132; schwert 
8. Balmung; hat zwölf Schwerter 254 ; 
sein goldpanzer 246; trägt drei pan- 
zer250; Qibichs nachbar 294 ; Jugend 
71—73. 245; aufenthalt in der 
schmiede 72 ; bei Etzel 73—74 ; tödtet 
den drachen (Fafne 41) 74—76. 132. 
171. 173. 312. 316. 320; seine hom. 
haut 74-76. ^70. 173. 245. 260. 
283. (402.) 301. 305. 309. 311. 312. 
313. 316. 3ia. 320. 370. 390', in 
andern gedichten unbekannt 132. 213; 
erwirbt den hört 76—82 s. Nibelungen 
bort; bel^^); sein pferd daioit 81; 
Siegfrieds keller 79; erblickt Brün- 
hild 320; erster besuch bei Bri^phild 
82 — 84. 352 anm. ; weisz nichts vpn 
vat^r upd pwtter 84; ein waller 85; 
hat Kriemhild schpn vor dein raube 
des dracb^B ge^iO^c^li 253 i auf<»nt|^alt 
bfii Jsjftng 182; ?«j5 »aph päwe^J^rl? 



zit 259; meerfahrt mit den Giukun- 
gen 354 *, tödtet fünf könige 354; 
kämpft mit Dieterich 74, in der Ba- 
ben8fihlacht208; erkauft mit Balmung 
sein leben 213; Dietrichs zeitgenosz 
185; in Dieterichs gefolge 308; wiid 
ermordet 35. 201. 259. 307. 310; 
von Dieterich im rosengarten er^^ 
schlagen 294. 298. 299. 320; seine 
wunden schmerzen die Kriemhild 182; 
rächt seinen mord 343; sein rühm 
geht durch die weit 35. 36. ist ein 
riese 301. 305. 316. 390.; mit Hörn- 
böge verwandt 182; SQin spiesz 305. 
317; grab 301. 305. 317. bildnis 
311. 313. 316. 319. — gedieht von 
Siegfried (nr. 96) 258. 310; bezie- 
hung darauf 305. 308. 311. 316; 
poetischer werth 372. gedieht von 
Siegfried 'und dem schwarzen mann 
(nr. 123 b) 284. Ueder von ihm 317; 
meistergesänge 320. übersieht der 
sage von Siegfried und seinen ahnen 
337—338. — Sifritsbrunne 154. Si- 
frides mör 155 anm. 

Sigfred, söhn der Kriemhild 306. 

Sigfred-Otnit 307. 

Sigeher, Otnits vater 185; bozwingt 
Lamparten 203. 

Sigeher, einer von Dieterichs zwöK 
beiden 190. 202. 209. 239. 

SigehSr von Walächen 114. 115; von 
Turkie, Etzels mann 102. 149. 

Sigeher v. Zeringen, Em^eBriclis mann 
211. 

Siegelind, Siegfri^s mutter 1$. 201; 
Otnits schwestejr 185. 

Siegelind, tochter des Nitiger 113. 

Siegemar v. Brabant 197. 

Siegemar von England 211. 

Siegewein 238. 

Sigeminne 185. 200. 201. 

Sigemunt 14—16. 73. 201. 254. 294. 

urbs Sigeni 41. 

Sigen6t 272. 273. 283. 300. gedieht 
(nr. 101) 271. 338; poetischer werth 
372; beziehung darauf 281. 300. 310. 
311. 312. 313. nrspri^ngUch der 
sage fremd 356. 

Sigurd der Grieche 180. 

Sigurd Bing 183. 

Sigest^P (Sigstach 270)i einer von Die- 
terichs zwölf beiden 102. 239. 247. 
268; herzog vpn Bern 104; mit Die- 
terich v^rwaq^t 104 — J06. 270 ; Ame* 
lolts sohB 19|. 192, ^73. ?95. 

^«taf liärnj^ mit V»dga Ui. 

,^a^ .?75. 2715. 



4>6 



Sindolt ISO; kämpft für Dieterich 202. 

212. 
Sinfiötle (Fitela) 14. 15.. 16. 
Sinnels 172. 

Sintram, Herbrands söhn 234. 
Sintram, Reginbalds söhn 234; durch 

Dieterich von einem drachen befreit 

250. 
Sintram, Herthegens söhn 180. 
Sintram aas Griechenland 113. 142. 
Sirmio 314. 316. 
Sisilia 73. 
Sytomer 137. 
Skrepping 308. 
Snevar 353. 
Snorra Edda (nr. 46) 153. 261. 397 

—28. 
Sögnbrot 261. 
Sönderborg 321. 
Solar 253. 

Cyr. Spangenberg (nr. 154) 313. 
Spanien 95. 
Speier 222. 

Spervogel (nr. 62) 163. 
spilstein 155 anm. 
Spiegels abentheuer (nr. 119) 281. 
spiel 8. Dorotheen-, fastnachts-, geist- 
liches, oster spiel, 
spinnen ; geschäft der valkyrien und 
^ elfen 387. 

Jos. Staricins (nr. 165) 319. 
Suders (Sünders) 200. 227. 291. 
de Suevorum origine 117. 
Ladisl. Suntheim (nr. 134^) 300. 
Surben 138. 

Snrgen, Syrren 200, Surgenland 291. 
Susa 69. 

Susat, Suosaz, Soest 176. 177. 
Starkadr 162. 183. 
Starkan 193. 

Starcher, Dieterichs mann 193. 
Starker, Ermenrichs mann 208. 
der Stiraere 127. 194. 
Steiermark 125. 127. 142. 194. 
Heinr. Steinhowel (nr. 148) 309. 
Stoyne 137. 
strausz, zeichen Markmanns von West- 

phalen 211. 
streifen von gold und silber, in der 

fahne der hüter des rosengartens 254. 
Stritgßr von Gruonlant 211. 
Strither, Dieterichs mann 193. 
Strither von Tuskan, Ermenrichs mann 

197. 
'Strut^in' 268. 
Studas, vater des Heime 146. 178; 

Heiaie führt anfattglich denselben 

namen 178. 



Stuffing. Stiffing 248. 253. 

*Stutfuchs von Paleme* 136. 

'Stutfus von Rine' 136. 248. Standen- 

fusz 312. 317. 
Sturinger, Etzels mann 199. 
Sturinger von Island 197. 
Sturinger von Hessen 211. 
Sturmhold von Schwangau 211. 
Suchenwirt 380. 



Tacitus 399. 

Tagemunt 228. 

Taillefer 42. 

•Tallentz antrob* 57. 

der Tanhüser (nr. 56) 159. 

tamhüt 392. 393. 

*Tegelingen' 211. Tengelingen 54. 55. 

Tenelant s. Dänemark. 

teufeis netz (nr. 118^) 281. 

Thegan (nr. 12) 27. 

Theodorich Scaliger 314. 315. 

Theodorich, könig der Ostgothen 25. 

38. 344. 
Theodoriche, fränkische könige 27. 
Thila s. Etzel. 
Thiodolf 328. 

Theodolf von Hvin 11 anm. 
Thüringer 69. 138. Thüringen 116. 

117. 138. 211. 301. 303. 305. 
Tibald von Siebenbürgen 103. 112. Ti- 

walt von Westväle 197. 
Tirol 58. 172. 215. 301. 302. 309. 
Titurel (nr. 79) 173. Wolframs ge- 
dieht 380. 
'Tydas', herzog von Mailand 193» 
*Tywan von Gurdenwale* 211. 
Tolet 124. 146. 
'Tragant* 57. 
zaubertrank, vergessenheitstrank 393 

—94. 
träume 394. 
Treisem 124. 
Treisenmüre 140. 212. 
Trey, flusz 56. 
trojanische abkunft der Franken 87^ 

Hagens 29. 87. 298. 
Troie s. Gerwart. — der troische Hec- 

card 303. 
Trojen 307. . 

Tronje, bürg 124 s. Hagen. 
Türkei 115. 
Turolt 211. 
Tuskan (Taschgan 238, Tnstkal 204. 

219, Tischgal 304. 219) 211. 228. 

237. 269. herzog, graf ton Imkifa 

238. 
Jkmik von» NoEOMtwIto 19Ti 



426 



Ulsenbrant .174. 

Ulrich von Lichtenstein (nr. 52) 157. 
-Ulrich von Tegclingen 211. 
Ulrich von Türlein (nr. 61) 163. 
Ungarn 198. 206. groszen Ungern 198. 

Ungerland 248. 253. 298. 299. Un- 

germark 113. ungarische Volkslieder 

von Pieterich 304. 318. 
Ute (Ttte 294, Oda 24), Hildebrands 

fran 24. 107. 190; ihre treue 63; 

hat den Alphart erzogen 240. 
Ute, mutter der rheinischen könige 1 29 ; 

wohnt zu Lorse 114. 155. 156. 



V 8. F. 



Wachilt 209. 387. 

Wachsmnt, Harlunge mann 143. 

Wachsmut, Wolfdieterichs bruder 236. 

Wälschland 7. 309. 

Walachen 114. 

Walamir 69. 

Walandus 41. 

Walbaran 338. 

Walber 115. 

Waldemar, roarkgraf von Brandenburg 
279. 

Walderich 239. Waldmann s. Otte. 

Waldung s. Baidung. 

Walgunt 230. 

Walch 143. Walhenlant 6. 7. 172. 

Walker 211. 

Waise 15. 16. 

Walsing 14. 15. 16. 

Walther, Dieterichs mann 192. 

Walther, Etzels mann 212. 

Walther von der Vogelweide (nr. 41) 
59. 

Walther von Lenges 199. 

Walther von Spanien (Aqnitanien, Ker- 
lingen, Wasgenstein 95) 60. 85 — 96. 
132. 157. 202. 244 ; manu fortis 29. 
36; robustus 158; kämpft mit dem 

. spiesz 181; sein zeichen 255; Ver- 
hältnis zur Etzelssage 340. das ge- 
dieht Eckehards (nr. 15) 29. 302; 
poetischer Charakter des gedichts 367 
-368. 

St. Walpurg, Waltburg 228. 

lied vom Wanderer (nr. 7) 18. 

Wartburger krieg (nr. 77) 171. 331. 

Wate, Ermenrichs mann 55. 196. 331. 

Wate, Hettels mann 325. 330. 331, 

Wasce 162. 

Waske (Wasche), schwert 95. 

Waskem (Waschen 95. 124) walt 66. 



Wascönolant 87. 95. 147. 

Wasgenstein 90. 95. 

Wazam 162. . 

gedieht vom bösen weibe (nr. 52) 15T. 

* Weicher von Constantinoper 102. 212. 

'Weigant von Yban' 58. 

Weihe, schwert 274- 

weinschwelg, gedieht (nr. 59) 159. 331. 

Weiderich 225. 

der junge Weife 236. 

Weisung 148. 280. 

Wendelsee 25. 

Wenezlan 137. 

könig Wenzel (nr. 117«) 281. 

Wernher der gärtner (nr. 51) 157. 

Wemher ron Wemhersmarke 211. 

Weser 179. 

Westgothen 71. 303. 

Westenland 211. Westerland 203. 

Westphalen 138. 197. 211. 

'Wiker*, Ermenrichs mann 211. 

Wichdr, Dieterichs mann 102. 

Wichart, Dieterichs mann 102. 239. 

'Wichman*, Dieterichs mann 193. 

Wicnant 102. 107. 115. 239. 

Wieland (WSland 14. 20. 29, Galan 
42-44, Walandos 41, Völnnd 21. 
Velint 178. 210. 288, Wayland 323, 
Vorland 308, Valland 318, Vcrlof 
322), abstammung 210; ein elfe 
388. 389; raubt eine schwanenjnng- 
frau 280; hat zwei söhne 288. 289; 
von riesen vertrieben 288; schmied 
147. 178. 268. 288. 322. 323, gold- 
schmied 29; künstler 322. 388; seine 
schmiede 322 323; in gefangenschaft 
20. 21; wohnt in einem berge 196. 
288; mit Eiberich in Verbindung 288; 
Waelandia fabrica 29; schmiedet 
Schwerter 41. 42. 43, Miming 278, 
eine rüstung 14, einen heim 147. 
226, becher 41; sein grab 322. -— 
verlorenes gedieht von ihm 288. 341. 
Übersicht der sage 341. 

Wieland, Dieterichs held 275. 

Wien 118. 124. 212. 

Wiener meerfahrt (nr. 71) 168. 

Wigolt 199. 

Wildeber (Wildifer 103. 180) 30.^ 340. 

Wilhelm von Angouleme 41 ; von Öster- 
reich (nr. 110^) 279. 

Wilten 156. 243. 

Wilze 162. 

der Wilzen diet 162. der Wilzen laot 
187. 

Winelint 113. 

Wiprechts von (jrroitsch genealogie (nr. 
35b) 49. 



427 



Wirnt 380. 

wisends hörn, in Hagens fahne 253. 

Wislan 137. 

Wissehrad 137. 

Wisselau, bar 248. 340. 

Witolt (Vidolf 286. 391) 55. 174. 

Wittich (Witegc, Witche 162, Wideke 
40, Wudga 19, Vidga 103, Vidrik 
308. 318) [ZE. 3. 7. 14, 2], herkunft 
20. 196. 209. 210. 249. 268. 288; 
s. Schwert 146. 268; heim 146. 308; 
schlänge darauf 148. 173. 268 ; schild 
308; schildzeichen 268. 322: rosz 
195-196; ausfahrt 339; Verhältnis 
zu Dieterich und Ermenrich 241— 
244. 247. 103. 195, zu Heime 19. 
20. 146. 162. 244. 268. 283. 284; 
sein Charakter 360; setzt über die 
Weser 179; schlägt 18000 feinde 61. 
62; lebt in Unfriede mit Nantwin 137. 
138; tödtet Nudung 100, wovon die 
Rabenschlacht nichts weisz 212; mit 
Rüdiger versöhnt 251; kämpft mit 
Amelolt 195. 196; hat zu Raben sei- 
nen sitz 268; erschlägt der Helche 
kinder 157. 298, den riesen Lang- 
bein 322; sein ende 40. 209. 210. 
340; sein grab 322. 

Wittigtsen, bruder des Wittich 196. 

Wittigouwe 196. 288. 

Wilh. Wittwer (nr. 134 •) 300. 

Wituchind 117. 

Witzlan, könig von Böhmen 131. 

'Wytzschach' 239. 

wolf, in Wolfharts schild' 255. drei 
wölfe, Hildebrands zeichen 233. 

wolf und geisz, gedieht (nr. 64) 166. 

Wolfdieterich, ahnherr Dieterichs von 
Bern 185. 199. 293; Verhältnis zu 
ihm 234. 236. 357—58; seine mutter 
Funtungs Schwester 235; der junge 
Weife 236: schildzeichen 234; seh wert 
234; tod 203. — das gedieht von 
Wolfdieterich (nr. 88) 228—34. 293. 
315. 391. 342; poetischer werth 371; 
beziehungen darauf 161. 174. 276. 
311. 312; alter desselben 174. 371; 
niederländisches Volkslied 230; Ver- 
wandtschaft mit Ruther 357. — Wolf- 
dieterich und Sahen, gedieht (nr. 89) 
235. 

Wolfdieterich, Dieterichs mann 276. 

Wolfing, herzog 238. 240. 

Wölfing (Wtilfinc 107, Ylfing 257), 
Hildebrand 107. 257. die Wölfinge I 



(Wülfinge 207, Wilfinge 232), das 
geschlecht 107. 142. 174. 190. 232. 
233. 239. 240. 247. 273. 298. 299. 
der Wölfinge tröst — Dieterich von 
Bern 267; Wölfinge man — Wolf- 
hart 299, der Wölfinge laut — Lam- 
parten 268. 

Wolfhart (Ulfard, Ulfrad 103), söhn des 
Amelolt 191. 273, und Hildebrands 
schwestersohn 107. 269. 288; mit 
Dieterich verwandt 107; mit Helfe- 
rieh V. Lune 269; einer von Diete- 
richs zwölf beiden 102. 209. 239. 
247. 268. 283. s. schildzeichen und 
heim 255; s. schwert55; streitlustig 
und zornig 60. 190. 278; tödtet den 
Osantrix 180. 

Wulfgrambär 80. 

Wulpensant, Wulpenwert 330. 

Wolfhelm 239. 

Wolfram 330. 

Wolfram v. Eschenbach (nr. 42) 6Ö. 
229. 380. 

Wolfrat V. Tengelingen 54. 55. 

Wolfrat ans Osterland 140. 

Wolfwin 102. 118. 239. 

Wolger V. Grane 212. 

Worms 29. 124. 212. 294. 305. 312. 
342. Wappen der Stadt 316. 320. 

wünschelrnthe 386. 



Ylfing s Wölfing. 
Ymelunge 162. 



Zacharis, herzog 292. 

*Zacherer 200. 

Zähringen 197. 211. 

Zauberei 392—94. 

zauberlinde 200. 

Zazamanc 65. 

Zeizenmüre 140. 

die zeltende frau (nr. 109) 279. 

Zerre (Zorre) 225. 

Friedrich Zorn 317. 

zorn braten, gedieht (nr. 68) 167. 

der zunge streit (nr. 110«) 279. 

zwerge 389 — 392. zwerg holt den 
Berner , 300. s. Klberioh, Engel, 
Goldmar, Laurin, Sinneis, Walbaran. 

zwergring s. ring. 

zwölf meister 169. 226. pugiles 169. 
Schwerter 254. 



NACHTRAGE. 

Urkundenbuch der familie Teufenbach, hrsg. von Brandl. 
Brunn 1867. 

nr. xcv a. 1368. Dyetreichs der Ferner — insigel. nr. cvu 
a. 1370 Dietreich der Pernner vnd Chvnrat der Pemner sein 
brueder, söhne von 'Dythreich der Pernner.' 

nr. Gcxsxvii. ccxlvi a. 1422. 1424. Görg perner hern 
Chunraten des pemcr seligen sun — mit meinem libn prüder 
Dietreichen den perner. 

nr. cccxu. cccxlviu. cccli. a. 1509. 1512. Dietrich Pernner 
vom Schacbn. 

vgl. ZE. 20. 38 und oben s. 169 jbu nr. 72»>. 

In der kirche zu Floda in Södermannland in Schweden 
(Nyköping lehn) sind am westlichen ge wölbe acht beiden abge- 
bildet, die paarweise zusammengehören (wiederholt in N. M. 
Mandelgrens Monuments Scandinaves du moyen äge. Paris 1862. 
auf taf. xxvni; das alter der kirche und maiereien ist nicht an- 
gegeben, es ist aber ohne zweifei das 15. Jahrhundert), zuerst 

I>iderik vä-barä (vgl. Haupts zs. 12^ 381 f.), in rüstung^ 
an der linken den schild, in der rechten das schwert, heim und 
Schild ohne zeichen, er ist bartlos^ lässt aber den feuerathem^ der 
wie ein stralenbüschel aus kleinen pünktchen dargestellt ist, auf 

Wideke weläs so ausströmen. dieser ist ebenfalls m 
rüstung, hat in der rechten ein schwert, den schild auf dem 
rücken; die untere hälfte des gesiebtes ist verdeckt durch daß 
helmband; der heim hat einen aufrecht stehenden busch. 

Die übrigen maiereien stellen dar 1) David und Goliath; 
2) Burman (ganz nackt) und ^hoUager das h& vä siger af burmä' 
(s. Arwidsson nr. 1\ Grundtvig nr. 30); 3) HruUat' zu pferde 
und einen ritter, der jenem mit der lanze den köpf abhebt. 

Über andre bilder von Dietrich s. die nachweisungen oben 
s. 39 anm. 

*Zu 8. 339 (329). 

Die altnordische sage von Hedin und Högni klingt nach in 
einer 1774 auf der Shetlandsinsel Fula aufgezeichneten, ^nor- 
sischen^- ball ade in Barry history of the Orkney islands, London 
1808, s. 489 — 495. vgl. darüber P. A. Munch in den Samlinger 
til det Norske folks sprog og historie. Christiania 1839. bd. 6 
und Conrad Hofmann in den Münchner Sitzungsberichten 1867. 
n, 2. s. 206—210. 



A.W. Sehade*! Bvehdrnokerei (L. Sehede) ia Berlin, StaUschrefberftr. 47. 



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